KFOR-Kommandeur an Serbien: Lasst Worten Taten folgen

Nach dem Aufruf des serbischen Präsidenten Boris Tadic an die Serben im Norden des Kosovo, die Barrikaden zu verlassen, hat der KFOR-Kommandeur Erhard Drews dazu aufgerufen, den Worten Taten folgen zu lassen. Serbien könnte beweisen, dass es diesen Aufruf Ernst meint, indem die Straßenblockaden vor den Grenzübergängen auf serbischem Gebiet außerhalb des Kosovo geräumt würden, betonte der deutsche Generalmajor in einer heute veröffentlichten Erklärung:

Yesterday it was very encouraging for the situation in the northern Kosovo to hear the positive statement of the Serbian President, Mister Tadic, regarding the removal of the
roadblocks.
This proposal could greatly assist to reduce the tension.
However KFOR would like to see that positive proposal have a real impact on the ground.
(Improving the lives of the ordinary people in the area)
There is an ideal opportunity for Serbia to show the earnestness of this proposal by putting the words into action. This means Serbia can remove directly the roadblocks onSerbian side at Brnjak (DOG 31) and at Jarinje (GATE 1) ABL.
This could be done without any problems.
Concerning the situation now, here at Jagnjencia crossroads, KFOR identifies another opportunity to demonstrate also in a practical manner. KFOR call on the population to close the illegal bypass and to remove the newly built obstacles on both side of the
crossroads.
KFOR will then establish without any interference a vehicle check point on the spot.
I repeat again as COMKFOR and I already did several times in the past: Kosovo needs unconditional Freedom of Movement for everybody.

(ABL steht für Administrative Boundary Line, die völkerrechtlich nicht anerkannte Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo.)

Allerdings hatte Tadic auch KFOR aufgerufen, die Barrikaden nicht mit Gewalt zu räumen…

Die Serben im Kosovo scheinen zudem dem Aufruf des serbischen Präsidenten nicht zu folgen – inzwischen sind drei weitere Barrikaden entstanden.

(Randbermerkung: eigentlich will ich in die politische Diskussion gar nicht so detailliert einsteigen; allerdings findet sich in anderen deutschen Medien recht wenig dazu…)

Nachtrag aus serbischer Sicht: KFOR issues new threat to Serbs in North

14 Gedanken zu „KFOR-Kommandeur an Serbien: Lasst Worten Taten folgen

  1. Zu der Randbemerkung. Stimmt genanu, der Kosovo war eigentlich schon „abgehakt“. Und das nicht nur in der deutschen Presse, sondern auch auf der politischen und militärischen Seite. Jetzt sehen wir auf politischer und militärischer Ebene (national und international) eine weiteren Herausforderung, die derzeit so gar nicht ins Konzept passt und trotzdem finanziell und mit Manpower geschultert werden muss.

    Das Konzept „Operational Readiness Forces“ kann nicht auf unbestimmte Zeit für KFOR genutzt werden. Wenn es dort weiter „brennt“, muss KFOR auf neue Beine gestellt werden.

    Es bleibt spannend….

  2. Warum sollten sie Taten folgen lassen, wenn wir auf unsere Worte ( Ultimaten ) nieTaten haben folgen lassen.

  3. Sehe ich genauso. Die Luft bei KFOR ist raus. Wer sich die letzten Aktionen angesehen hat, wird leider feststellen, dass man der KFOR ohne Probleme auf der Nase herumtanzen kann, ohne etwas befürchten zu müssen.

    Und wenn jetzt auch noch der KFOR-Kommandeur eine öffentliche Erklärung abgeben muss…

    Das wird nichts mehr. Die Glaubwürdigkeit der KFOR ist ziemlich geschrumpft.

  4. KFOR hätte im Gegensatz zu anderen Einsätzen eine Erfolgsstory sein können. Obwohl die gescheiterte UN-Mission nur durch KFOR am Leben erhalten wurde und auch die EU Unterstützung brauchte (wenn auch in geringerem Maße) hätte man die Ruhe bewahren und in einem „sicheren und geschützten Umfeld“ politisch nachhaltig weiterarbeiten müssen. Die voreilige quantitative und qualitative Reduzierung der KFOR, die deutscherseits auch vom vorigen COM KFOR in verschiedenen Funktionen betrieben wurde, läßt GM Drews jetzt mit einen Scherbenhaufen zurück.
    Dass die truppenstellende Division ihren Schwerpunkt in Afghanistan sieht ist nachvollziehbar, allerdings sollten auch Nebenkriegsschauplätze nicht so vernachlässigt werden.
    Der Truppe vor Ort ist kein Vorwurf zu machen, die tut was sie kann und was im Rahmen ihrer Kräfte und Mittel möglich ist. Es wurde einfach zu stark und an der falschen Stelle reduziert. Ich meine, ist es wirklich sinnvoll, als größten deutschen Beitrag außer der ORF ein Lazarett zu stellen?
    An den derzeitigen ORF-Bataillonen und an der Ausbildung sollten nur die herumkritisieren, die wissen wovon sie reden.
    Last: die In-Out-Planung hat auf dem Balkan noch nie richtig funktioniert, obwohl commercial Tickets über Wien für 100 € zu haben sind.

  5. Die Albaner sind James, die Serben Miss Sophie, und KFOR ist der Tiger, der in jeder Runde einen Tritt in die Kauleiste erhält.

  6. @T.W

    Naja,dass die Kosovo-Serben dieses Grenzabkommen ablehnen war ja klar ;)

    Die Kosovo-Serben werden nach meiner Meinung alles ablehnen bis sie entweder ihre Maximalforderungen durchsetzen können (was ich für unwahrscheinlich halt) oder sie sich so ins Abseits manövriert haben, dass sie Kompromisse eingehnen müssen.

    Den zweiten Fall halt ich für wahrscheinlicher, falls sich Serbien für die EU und gegen das Kosovo entscheidet, was natürlich die große Frage ist.

    Dieses Grenzabkommen könnte ein erster Schritt Serbiens gegen das Kosovo sein.Aber was wirklich rauskommt wird man vllt erst in Jahren sehen.

    PS: Ich hoffe ja mal nicht, dass ich nun in das Bashing für oder gegen Serbien reingezogen werde. Das ist einfach meine Meinung, ich interesse mich stark für Auslandspolitik und die Bundeswehr und das obwohl ich vor knapp 2 Jahren den Wehrdienst verweigert habe^^

  7. Geeinigt haben die beiden Seiten sich; jetzt müssen sie sich nur darüber einig werden, worauf sie sich da eigentlich geeinigt haben. Es stehen zwei widersprüchliche Versionen im Raum, was darauf hindeutet, daß die EU um des Verhandlungserfolges beiden unterschiedliche Versionen verkauft hat. Ist aber egal, da die K-Serben im Norden bereits deutlich gemacht haben, daß sie dagegen sind (wogegen auch immer, s.o.).

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