RC N Watch: Angriff auf Bundeswehr westlich von Kundus

Vor ein paar Monaten waren solche Meldungen mehrmals wöchentlich die Regel – und deshalb ist es auffällig, dass es jetzt wieder eine solche Meldung gibt:

Am 11. Juli gegen 20.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (22.30 Uhr Ortszeit) wurden deutsche ISAF Kräfte 13 Kilometer westlich des Feldlagers Kundus mit Handwaffen und Mörsern beschossen.

Nun ist zwar nichts passiert, aber eine Frage stellt sich: Nachdem es in den vergangenen Wochen hieß, dass die Aufständischen nicht zu Angriffen, Hinterhalten usw. mehr fähig seien, sondern sich auf Sprengfallen (IED) verlegt hätten – gibt es jetzt doch wieder eine nennenswerte Zahl von Aufständischen in der Region (der Entfernungsangabe nach ist es der Distrikt Char Darrah), die zu solchen Aktionen in der Lage sind?

11 Gedanken zu „RC N Watch: Angriff auf Bundeswehr westlich von Kundus

  1. wie vollständig sind die meldungen auf bw.de denn?man hört ja hier und dort schonmal das nicht unbedingt alle vorfälle auch öffentlich publik gemacht werden.

  2. Mir kommt es immer so vor, als ob die BW nur dann über Feuerkämpfe berichtet, wenn gegnerische Kräfte geworfen wurden bzw. die Möglichkeit dessen besteht, um etwaigen Anschwärzungen wie: „man habe bewusst den Tod von Afghanen verheimlich etc.,“ vorzubeugen. Kann das sein?

  3. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Bundeswehr über jeglichen Waffengebrauch, in den sie involviert ist, informiert.

    Das meiste scheint auch auf der Bundeswehr-Homepage zu erscheinen, ob dort alle Zwischenfälle vermerkt werden weiß ich nicht. Aber spätestens über die Unterrichtung des Verteidiungsausschusses, die zumindest in dieser Hinsicht vollständig zu sein scheint, wird es früher oder später bekannt. Solche Zwischenfälle lassen sich dann auch auf Wikipedia: Zwischenfälle der Bundeswehr in Afghanistan nachlesen.

    Kritisch anzumerken ist aber, dass die Bundeswehr über Sicherheitszwischenfälle, an denen sie nicht beteiligt ist, so gut wie nie berichtet. Selbst von Aufständischen überrante Sendestationen oder Polizeistationen sind der Bundeswehr keine Meldung wert. Auch von daher ist es praktisch unmöglich, sich anhand der Bundeswehr-Meldungen halbwegs ein Lagebild zu verschaffen.

  4. Warum wohl? Negative Meldungen ohne eigene Beteiligung werden daheim als Versagen ausgelegt, und nicht erfolgte Meldungen über eigenen Waffeneinsatz werden von der Opposition als Veruschung ausgelegt.

  5. @ NMWC
    Danke für den Link

    Ein paar Punkte sind dann aber doch noch anzumerken:
    – Dass in Sangin je „bevölkerungsorientiertes COIN“ praktiziert wurde darf bezweifelt werden. (Michael Yon hat ’ne Weile von seinem Embedd bei den Briten in dem Gebiet berichtet, siehe etwa Sangin Then, and Now.)
    – Das „Friedensabkommen“ mit den Alokai scheint in der Praxis deutlich weniger wirkungsvoll als im Artikel beschrieben (siehe etwa Marine Corps Times: Tribal peace deal on shaky ground in Sangin)
    – Die einzigen wirklich nachprüfbaren Meßwerte für „Erfolg“ in dem Artikel sind getötete Aufständische und eigene Verluste. Gerade über den Einfluss der Aufständischen auf die Afghanen wird nichts geschrieben. Zufall?
    – Das ganze Thema „Transition“ wird ausgeklammert. Selbst wenn sich die Sicherheitslage verbessert haben sollte, dann nutzt das vergleichweise wenig wenn dies nur gewährleistet ist solange die ISAF-Truppen präsent sind.
    – Vielleicht sollte man auch die Gefallenen-Zahlen in Relation setzen: In den ersten 4 Monaten sind in Nord-Helmand 26 Marines gfallen. Soviele Gefallene hatten die Briten dort in einem Jahr, und die Bundeswehr bisher im gesamten Afghanistan-Einsatz.

    Mein persönlicher Eindruck ist halt, dass es sich um eine ISAF-Jubelstory handelt, die die Situation vor Ort beschönigt und die Problemfelder weiträumig ausklammert.
    (Wenn auch deutlich besser verpackt und platziert als vergleichbare Bundeswehr-Texte. ;) )

  6. @J.R.
    ISAF-Jubelstory ist vielleicht etwas zu hart..;-)
    Wie wäre es mit „US Marine Corps Story“ aus ihrem Selbstverständnis und Waffenstolz gesehen?Semper Fidelis
    Man muss nicht mit allem in dem Text einverstanden sein, aber das Selbstverständnis des USMC ist in sich doch durchaus beachtenswert. Damit das klar ist: Keine Abwertung anderer Truppen. Nur eine andere Herangehensweise.
    Als Ergänzung dazu ein kleiner Beitrag von URR beim Blog USNI:
    http://blog.usni.org/2011/07/12/combat-leadership-in-sangin/

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