Auf die Partner angewiesen

Der vollständige Wortlaut des Interviews der Bild am Sonntag mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist nun hier und hier nachzulesen. Neben einigen aktuellen Problemen –  nicht zuletzt den schon hier in Kommentaren angesprochenen Defiziten bei der Sanität – finde ich vor allem einen Satz des Ministers bemerkenswert:

Wir werden in der Nato künftig noch stärker so arbeiten, dass ein Partner eine bestimmte Fähigkeit gar nicht mehr hat und auf den anderen Partner angewiesen ist. Das ist nicht Abhängigkeit, sondern Zusammenarbeit.

Gefallen ist dieser Satz bei der Frage nach den Hubschraubern in Nordafghanistan, aber er weist ja weit darüber hinaus. Und für mich folgen daraus zwei Fragen:

Plant de Maizière, im Unterschied zur bisherigen Haltung von TSK-Inspekteuren, Fähigkeiten aufzugeben? Und wenn ja: welche konkret?

Nicht Abhängigkeit, sondern Zusammenarbeit – das sehen manche Bündnispartner doch deutlich anders. Auffälligstes Beispiel dafür sind die AWACS-Überwachungsflugzeuge, die ohne die deutschen Besatzungsmitglieder auf Dauer nicht durchhaltefähig einsetzbar sind. Aber für den Afghanistan-Einsatz konnte sich die NATO zunächst nicht auf die deutsche Beteiligung an der AWACS-Mission verlassen (erst später, als Tauschgeschäft für die Nicht-Beteiligung am Libyen-Einsatz). Zusammenarbeit setzt schließlich auch Verlässlichkeit voraus – welche Pläne gibt’s denn, die zu verbessern?

43 Gedanken zu „Auf die Partner angewiesen

  1. Die unreflektiert wiedergegebenen Ausreden des Apparats zu Ausrüstungsmängeln lassen tief blicken (siehe auch seine Antworten auf youtube).
    Die Aufteilung in Zusammenarbeit und Abhängigkeit ist ebenso Unsinn – wenn nicht volksverdummend.
    Eigene Impulse sind nicht erkennbar – gerade bei der anstehenden Reform.
    Bereits jetzt absehbare erhebliche Defizite der Reform will er nicht gegen die „militärische Führung“ beheben.
    Ein Apparatschik als Vorgesetzter von Apparatschiks.
    Da wundert es auch nicht, dass er den Planungsstab abschaffen läßt – die bis zu Struck letzte Möglichkeit alternative Bewertungen zu erhalten.
    Durch den Personalwechsel unter Jung (und der seitherigen Kontinuität!) an der Spitze ist der Planungsstab leider kein inhaltliches Gegengewicht mehr.
    In der Zukunft ist der Minister jedoch bereits strukturell der Meinung des Apparates „ausgeliefert“, da es keinen Planungstab mehr geben wird.
    Helmut Schmidt hatte diesen genau hierfür eingeführt.

    Fazit: Der Mann kann besser reden als Jung, aber das war es dann wohl auch.

  2. dass ein Partner eine bestimmte Fähigkeit gar nicht mehr hat und auf den anderen Partner angewiesen ist.

    Das ist der Ausverkauf der eigenständigen Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik.

  3. Was der Minister meint ist, dass nur Deutschland künftig bestimmte Fähigkeiten nicht mehr haben wird. Amerikaner, Briten und Franzosen werden jedoch ganz bestimmt nicht dieser Vorstellung folgen, da sie auch außerhalb der NATO militärisch aktiv sind.

    Philosoph fragwürdig sind übrigens seine Einlassungen zum Begriff „Held“: Der Begriff definiert sich durch das tapfere Aufgehen in der Pflicht und beinhaltet somit in den meisten Fällen den Tod im Rahmen der Pflichterfüllung. Es liegt daher in der Natur der Sache, dass der Held sich selbst nicht als solcher wahrnehmen kann.

    Interessant auch das Lippenbekenntnis zum 20. Juli. Während man sich formal noch auf diese Tradition beruft, wird sie anderswo zensiert. Im gegenwärtigen geistigen Klima wären Stauffenberg und die von ihm repräsentierte geistige Strömung vermutlich nicht mehr für traditionswürdig befunden worden (ultrarechte nationalkonservative elitistische Monarchiefreunde!) und man scheut nur aus PR-Gründen noch davor zurück, sich auch offiziell davon zu verabschieden.

  4. Herr de Maizière lebt wohl gedanklich noch in einer Welt, die es nicht mehr gibt.

    Seit dem Sündenfall am 17.03.2011 im UN-Sicherheitsrat ist der Keim des Zweifels an Deutschlands Zuverlässigkeit gelegt. Und dies Saat geht bereits auf und wächst.

    Vertrauen ist – gerade in der Sicherheitspolitik – die Grundlage jeglicher Kooperation. Vertrauen aufzubauen dauert Jahrzehnte. Vertrauen zu zerstören geschieht manchmal innerhalb von Minuten.

    Unsere (ehemaligen?) Partner misstrauen Deutschland. Sie werden sich nicht (mehr) in eine Situation rein manövrieren lassen, von Deutschland abhängig zu sein. Ergo werden sie alle Fähigkeiten selbst vorhalten. Die „Arbeitsteilung“, die de Maizière hier andeutet, wird es nicht mehr geben. Sie würde voraussetzen, dass man Deutschland vertraut. Das tut man nicht mehr!
    Damit entlarvt sich die Rhetorik als das, was sie ist: Ein Feigenblatt, um zu verschleiern, dass diese Regierung sicherheitspolitisch gescheitert ist und notwendige Investitionen nicht finanzieren kann.

    Die ZEIT hatte dazu einen weitgehend treffenden Artikel

    http://www.zeit.de/2011/29/Deutschland-Aussenpolitik/komplettansicht

    (Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn … ;-) )

  5. „Das ist nicht Abhängigkeit, sondern Zusammenarbeit.“

    deutsche Sprache ist so schön:) Das ist wie:
    „es gibt keine Arbeitslosigkeit, nur Leute ohne Arbeit“

    Jedenfalls, was ist daran schwer zuzugeben, dass wir es nicht können, materiell, finanziell und politisch? Stimmt, das würde Schwäche zeigen…

    MkG

  6. @Delta

    Sie haben doch ganz bestimmt nicht die Absicht, das Thema des geschlossenen Threads hier durch die Hintertür wieder einführen zu wollen, oder? Fände ich nicht besonders gut.

  7. Durch eine länderübergreifende Aufgabenteilung in der NATO könnte man dem Umstand Rechnung tragen, dass in Deutschland eine aktive Beteiligung an bewaffneten Konflikten gesellschaftlich nicht akzeptiert und folglich politisch nicht durchsetzbar ist.

    Die Bundeswehr könnte sich daher spezialisieren auf:

    * Sanitätswesen
    * Nachschub/Verpflegung
    * Bereitstellung von Transportkapazitäten zu Lande, zu Wasser und in der Luft
    * sonstige rückwärtige Dienste aller Art

    (Anmerkung: Wieviel von dem vorgenannten sarkastisch ist, oder eine durchaus realistische Überlegung, vermag ich selbst nicht zu einzuschätzen…)

  8. @T. Wiegold
    Ich bezog mich auf die Worte des Ministers und dessen Erwähnung des 20. Juli, die ich vor dem Hintergrund des realen Handelns innerhalb der Bundeswehr als unaufrichtig empfinde. Warum sollte man aktuelle Vorfälle diesbezüglich nicht als Beleg heranziehen? Dies wird doch auch bei keinem anderen Thema so praktiziert, bei dem es eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt.

    Das Thema Stauffenberg/20. Juli könnte übrigens durchaus das nächste Gefechtsfeld der Anti-Bundeswehr-Kampagne sein. Auf entsprechende Vorbereitungen habe ich verwiesen. So wie ich nach Bad Reichenhall auf die begeisterte Reaktion bei den Kampagnenträgern und die Ankündigung von Folgeaktionen verwies, die dann ja auch prompt kamen.

    Gegenwärtig nimmt die Szene übrigens sehr positiv auf, dass die Ausweitung von Aktionen auf Einzelpersonen (Hannover) von den Medien wie gewünscht aufgenommen wird. Die Münchener Aktion könnte schon eine Folge davon sein.

    Warum soll man sich von solchen Aktionen und Kampagnen überraschen lassen? Damit man so tun kann, als sei die Kampagne gar keine, sondern nur spontanter Ausdruck von gesundem Volkszorn?

  9. @Chickenhawk:
    An derlei hatte sich die Transformation von Schneiderhan wirklich orientiert (FüUstg und Logistik machen wir, kämpfen werden die anderen, ist ja ANGEBLICH politisch so gewollt).
    Am Ende war man mit der – WIRKLICH politisch gewollten – Bereitstellung der QRF komplett überfordert.
    In der neuen Struktur haben wir zwar mehr Inf/ PzGrenBtl, die im Kreis herumfahren bis sie beschossen werden. Aber die brauchen wir 2018 wohl auch nicht mehr. Fähigkeiten die wir dann absehbar brauchen – auch bei mehr Zusammenarbeit/ Abhängigkeit innerhalb der NATO – werden mit der neuen Struktur abgeschafft.
    Zu den „Landes- als Bündnisverteidigung“s-phantasien (siehe VPR) der Generalität und TdM sag ich besser gar nichts – denn das ist ja der Gipfel der Realitätsverweigerung.

  10. @T. Wiegold
    Die Beleidigung legen Sie mir wieder in den Mund. Früher waren Sie toleranter und fairer im Umgang mit Ihren Lesern. Ansonsten komme ich natürlich Ihrer Forderung nach, hier nicht weiter zu kommentieren.

  11. @chickenhawk
    @memoria

    Diese Aufgabenverteilung zeigt wohl den einzigen Weg der Beteiligung für Deutschland auf. Dabei ist der Verzicht auf die Bereitstellung von Kampf- und Kampfunterstützungstruppen für das Bündnis leicht, weil uns sowieso niemand mehr für verlässlich hält. Das wirft allerdings die Frage auf, ob andere bereit sind, uns und unsere Interessen im Zweifel zu verteidigen/unterstützen.
    Anders ist es, wenn wir zumindest nominell noch einen Beitrag leisten können, der sich auf die genannten Fähigkeiten konzentriert. Dann wären wir wenigstens nicht völlig außen vor. Aber auch hier sind Zweifel angebracht (siehe AWACS). Niemand wird uns eine Schlüsselfähigkeit im Bereich C4I, Logistik, Lufttransport anvertrauen ohne zumindest eine zusätzliche eigene Vorsorge zu treffen. Bleibt die Sanität, die ab Role 2 aufwärts einen ausgezeichneten Ruf hat und auch im Ansatz über die notwendigen Kräfte und Mittel verfügt.
    Vielleicht sollten wir die neue Struktur noch einmal unter diesem Aspekt der Bündnisfähigkeit betrachten!

  12. Dank an Delta, dass er hier noch mal alles klar bestätigt: Die Selbstinszenierung als Opfer und die feste Grundüberzeugung, dass sich nur die anderen an die Regeln müssen.

  13. Wir wollten das doch lassen, oder? Schließlich bin ich nicht mehr so tolerant und fair wie früher…

  14. Mir scheint, der Minister spricht u.a. die Aufgabe der operativen Lufttransportfähigkeit an. Die Flächenflugzeuge der Luftwaffe, soweit sie nicht zur Flugbereitschaft gehören, und erklärtermaßen auch zukünftig die A400M, werden seit dem 1.9.2010 durch das EATC in Eindhoven geführt. Das EATC verfügt jedoch über keinerlei Hubschrauberkräfte. Ob der Minister andeuten wollte, dass auch Hubschrauberkräfte künftig europäisch gepoolt werden sollen, halte ich nicht für ausgeschlossen. Es ist jedoch nicht zielführend einerseits in den Fähigkeitskategorien alles aufrecht zu halten, andererseits danach durch die Blume die Aufgabe von Fähigkeiten anzudeuten. Bezogen auf die Hubschrauberkräfte für den taktischen Lufttransport wäre nur ein umfassender Ansatz auch wirtschaftlich sinnvoll. Es ist aus meiner Sicht nur effizient Hubschrauber für ihr gesamtes Fähigkeitsspektrum zu poolen. Da stoßen wir dann jedoch auf die umfangreiche Standardisierungsproblematik und die Kosten für ein europäisches Training. Wenn dann französische Tiger Close Combat Support für deutsche Infantrie leisten, deren Lufttransport durch niederländische Chinook durchgeführt wurde und deren Verwundeten dann von amerikanischen Black Hawks transportiert werden, wird sich zeigen, dass politisch schnell gewollt ist, was Jahre braucht, bis es einigermaßen funktionieren kann.
    Eines muss ich noch „nachschieben“: während der Marder eine Klimaanlage hat, haben die Hubschrauber des Heeres keine und auch die Produktverbesserung CH-53GA wird keine haben. Warum? Nun, vermutlich ist es preiswerter die Soldatinnen und Soldaten schwitzen zu lassen, als eine Klimamalage einzubauen.

  15. Zur Sache: Ein Blick über den Tellerrand hilft vielleicht, anderswo wird an Ähnlichem herum gedacht:
    http://www.bruxelles2.eu/defense-ue/capacites-milit-%E2%80%93-exercices-ue/pooling-and-sharing-la-france-propose.html ,
    wobei der Vorschlag gemeinsame Ausbildung zu machen genial und gefährlich zugleich sein könnte: Sofern (und so ist wohl gemeint) nationale Kompetenzen auf die supranationale Ebene verschoben werden, können die deutschen Bedenkenträgereien umgangen werden. Die Regelungen würden aber wohl einem echten „Stresstest“ in Karlsruhe unterzogen. Damit machen die Franzosen aber wenigstens noch mal die Tür einen Spalt weit auf, durch den diese Westerwelle-Merkel-HornöchsInnen zurück zu vernünftiger Politik finden könnten.

  16. @Sailor1995:
    Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer will denn nach Lybien und vorallem dem AWACS-Nein für AFG noch mit uns planen? Niemand. Die Signale aus Paris und London sind eindeutig. Und können wir uns im gegnzug auf die verlassen, wenn es ums kämpfen für unsere Interesen geht? Wohl nicht.

    Eine Armee die nicht kämpfen kann,h ist keine. Eine Armee kann sich nicht durch SanDst und Logistik definieren. Zudem gibt es weiterhin Fähigkeiten die national zu bewerstelligen sind. Insbesondere im Bereich Rettung und Evakuierung. Genau hier ist Pooling nur begrenzt sinnvoll.

    @schleppi:
    Eine weitere Zentralisierung der Lufttransportmöglichkeiten ist gerade im taktischen Bereich nur auf den ersten Blick sinnvoll. Auch hier verweise ich auf Rettung und Evakuierung.
    Zu den fehlenden Klimaanlagen: Wenn man etwas nicht fordert, dann bekommt man es auch nicht. Die CH-53GA ist insgesamt im Kosten/ Nutzen-Vergleich eine Lachnummer (Innentanks!). Auch hier wurde konsequent am Bedarf vorbeigeplant. Gegenteilige Einsatzberichte gab es genug.

    Allgemein stellt sich die Frage: Was muss eine Armee in erster Linie können müssen??
    Diese Frage wurde von TdM zwar gestellt, aber nicht beantwortet.
    Der Hauptzweck ist aus meiner Sicht nicht, mit wem auch immer, für was auch immer zu kooperieren. Hinter alldem Kooperations-Gerede liegt in der derzeitigen Strukturplanung KEINERLEI internationale Absprache. Es ist nur ein Feigenblatt für Einsparungen und ziellose Planung, die vorallem der Besitzstandwahrung von TSK-Inspekteuren Rechnung trägt.

  17. Wie auch immer … eines dürfte uns allen klar sein … die nächste Reform wird kommen … schneller als wir glauben … de Maizière wollte aus der Unterfinanzierung, Prozesse verbessern und effizienter gestalten sowie die Durchhaltefähigkeit erhöhen. Was spricht eigentlich dafür, dass dies klappen kann?
    Plötzlich macht man wieder auf Europa und Bündnis. Seit Lybien werden deutsche Militärs in den Bündnis-Gremien kaum noch eingeladen bzw. beteiligt. Die Glaubwürdigkeit in Verbindung mit Verlässlichkeit ist dahin. Wie soll es diesbezüglich weiter gehen?
    Fragen über Fragen und keine Antworten!

  18. @ Memoria:
    Bezüglich der Europäisierung des taktischen Lufttransport stimme ich grundsätzlich zu (dachte, das wäre aus meinem Beitrag deutlich geworden). Rettung und Evakuierung sind so allgemein formuliert nationale Aufgaben, insoweit sind sie nur relevant, wenn es um die national vorzuhhaltenden Fähigkeiten geht. Wenn sie mit Rettung Medevac meinen, zeigt RC North, dass das durchaus multinational geht.
    GA: die Besatzungen fordern das schon seit langem, denn wir hatten im Cockpit schon im Kosovo und in Bosnien Temperaturen um die 60°C. Ich verstehe die Äußerungen zur Reichweite der GA absolut nicht: Der Hubschrauber ist ein taktisches ! Lufttransportmittel. Die Innentankplanung der GA diente zum einen der Reichweitenerhöhung zur Steigerung der Fähigkeit zur Eigenverlegung ( die Außentanks der CH-53 GS übrigens auch) und bietet zum anderen die Möglichkeit unabhängige Betankung im Gelände für andere Hubschrauber sicher zu stellen. Wenn nun in Afghanistan ( in anderen Einsätzen gab es kein Reichweitenproblem) nicht ausreichend Stützpunkte mit Betankungsmöglichkeiten vorhanden sind, dann sind wir in der Größe des Raumes aus dem eigentlichen taktischen Szenar heraus. Das sollte man den Planern der GA nicht zum Vorwurf machen. Ein Blick auf die im RC North eingesetzten Hubschrauber der Amerikaner macht schnell deutlich, dass die auch grundsätzlich keine anderen Möglichkeiten haben als wir.

  19. mein Papa sagte immer, dass „Promiskuität eine schlechte Strategie ist, denn am Ende steht man meist als Bordsteinschwalbe da.“…..

    Papa, du hattest Recht ;-(

  20. @schleppi:
    Ich mache den Besatzungen der CH’s mit Blick auf die Forderungslage keinen Vorwurf, sondern dem Bedarfsträger (Heeresamt).
    Mit Rettung und Evakuierung meine ich eben nicht MedEvac und meine Überlegungen zum zukünftigen Einsatz der CH-53GA beziehen sich auch nicht auf den Einsatz im RC-N.
    Aus meiner Sicht wird die Bw in Zukunft nicht mehr lang anhaltende StabOp durchführen, sondern nur noch punktuell u.a. zur Rettung und Evakuierung von Staatsbürgern oder zur Durchführung von SpezOp eingesetzt und für beide Aufgaben ist die GA gänzlich ungeeignet, obwohl Rettung und Evakuierung seit 1994 Aufgabe der Bw ist. Denn eine FARP-Lösung hat schon 1980 im Iran nicht geklappt. Daher ist aus meiner Sicht ein taktisches Lufttransportmittel zumindest für diese Szenare für größere Reichweiten auszulegen.
    Und genau hier haben viele Verbündete – abseits der USA – weitaus bessere Fähigkeiten als wir. Die Planungen der Bw konzentrieren sich jedoch weiterhin auf 10.000 Soldaten dauerhaft einzusetzen – andere Fähigkeiten werden diesem Ziel derzeit geopfert.

    @klabautermann:
    Ihr Vater – was für ein weiser Mann!

  21. Die einzige Aufgabe der BW ist gemäß GG die Landesverteidigung. Diesbezüglich muß sie über alle notwendigen Fähigkeiten, sowohl qualitativ, als auch quantitativ, eigenständig verfügen. Klimaanlagen sind dafür nicht zwingend erforderlich. Das GG verpflichtet uns dazu, die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Eine Geldfrage kann es also nicht sein. Sich auf andere Bündnispartner, die selbst ihre Fähigkeiten verringern, zu verlassen ist totaler Unsinn.

  22. Äh. Die Abkürzungen schlagen wieder zu. FIA? So wie in FIA Fußball Weltmeisterschaft?

  23. Ich denke Thomsen meinte Fl (kleines L) A. Die Heeres FlA hat ja ordentlich Kampfkraft aufgegeben (Stichwort GEPARD) und die Patrioten werden auch nicht mehr.

  24. Es soll ja irgendwann mal ein neuer Flugabwehrpanzer auf Basis des Pumas geben. Nur eben irgendwann, so in 20, 30 Jahren…

  25. @Thomsen
    Also aufgelöst wurde die Heeresflugabwehr NOCH nicht endgültig, es sind auch weiterhin 3 Einheiten (welche mit dem leichten Flugabwehr System Ozelot ausgerüstet sind) und das Flugabwehrlehrregiment 6 (wird 2012 aufgelöst) aktiv. Richtig ist, dass die großen Verbände aufgelöst wurden, irgendwo muß ja das Mehr an Infanteriekräften für die Zukunft herkommen. Zudem waren wohl der Gepard und das Patriot-System nicht zukunftstauglich. Ab 2012 wird die Fähigkeit Flugabwehr dann nur noch von der Luftwaffe abgebildet, dafür erhält sie das Flugabwehrsystem MANTIS (Modular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System).

  26. Vielleicht kopiert das BMVg in Zukunft die Strategie der Lybier. Einfach in Bunkern verstecken und die anderen machen lassen. Irgendwann werden denen die Bomben ausgehen und man kann ja nicht alles kaputtbomben.

  27. Landesverteidgung ist aus meiner Sicht nicht an klassische Konfliktszenare gekettet. Das GG erlaubt Streitkräfte zur Landesverteidigung. Dies umfaßt aus meiner Sicht heute vieleher die Rettung und Evakuierung von Staatsbürgern in Regionen ohne funktionierende staatliche Gewalt als das Gefecht der verbundene Waffen gegen das Böse im Osten. Nur leider reduzieren wir Fähigkeiten für ersteren Fall derzei erheblich und lügen uns bei Zweiterem weiterhin in die Tasche. Der Verzicht auf die HFlAbw (Ozelot hin oder her) und die starke Reduzierung des indirekten Feuers machen uns endgültig „bedingt verteidigungsbereit“. Dies sollte man jedoch jetzt nicht zu sehr beklagen: Mit den VPR von 2003 wurde die Weichen entsrechend gestellt, daher sind Aufschreie heute etwas zu spät.
    Seltsam ist nur, dass man in der Heeresführung weiterhin so tut als könne man mit noch weniger noch mehr. Auch wenn dies einer, auch nur oberflächlichen, kriegstheoretischen Betrachtung nicht standhält. Oder würde man die Volleyball-Nationallmanschaft zur Fußball-WM schicken, weil sie halt auch eine Ballsportart betreibt???
    Es paßt inhaltlich nicht zusammen. Wenn man es aber unter Besitzstandswahrungskriterien sieht, dann kommt genau die Struktur heraus, die wir nun bekommen.

  28. @ Fiesling

    Also bei allem Respekt der LeFla gegenüber, aber Ozelot in den Ring zu werfen und zu behaupten, wir hätten da noch was, das ist schon ziemlich verwegen. Genauso gut könnte ich nem Greni eine Armburst in die Hand drücken und sagen:“Mach mal“.

    Die Reichweite ist desaströs (ich weiß, für den eigentlichen Auftrag durchaus ausreichend), das Führungssystem dazu völlig veraltet und zu klein.

    Und Mantis funktioniert (noch) nicht und bringt ebenfalls nicht die Reichweite. Alle Welt setzt auf Abstandswaffen, um die Flugzeuge nicht zu gefähren, selbst die Luftwaffe (eigentlich kein Ort der Innovationen) hat dies verstanden und wir schaffen alles ab was größer als ein Taschenmesser ist.

    Wie sagt man so schön, wenn du zu einer Schießerei gehst, dann bring nicht nur ein Messer mit.

  29. @Stefan:
    Wenn Deutschland wirklich über alle qualitativen Mittel zur Landesverteidigung selbst verfügen müsste, dann sollten wir vielleicht zügig mit der Entwicklung von Nuklearsprengköpfen beginnen. ;-)

    Bis jetzt haben wir uns auch immer auf unsere Partner verlassen und sind damit gut gefahren – Abhängigkeit und Zusammenarbeit funktioniert!

    Ein paar Einzelaspekte:

    – Wofür brauchen wir jetzt und in absehbarer Zukunft eine vollausgestattete Armee? Unsere Panzerkolonnen zum Schutze des deutschen Staatsgebietes dürften in den nächsten 10 Jahren keinen feindlichen Luftangriffen ausgesetzt sein. Wichtiger ist die prinzipielle Aufwuchsfähigkeit und dafür können die paar Systeme MANTIS durchaus eine Rolle spielen.

    – Die Behauptung, dass GB und F den Weg von Pooling und Sharing (P&S) nicht gehen, ist falsch. Zumindest die Briten verfügen über keine Elemente der bodengebundenen Luftverteidigung mehr und haben mit den Nimrods auch die Fähigkeit zur weitreichenden Seeaufklärung aufgegeben.
    Die Franzosen haben keine eigenen Radaraufklärungssatelliten entwickelt und nutzen die deutschen SAR-Lupe-Satelliten – wir dafür deren optische Helios.

    – Dennoch werden GB und F qualitativ in einer anderen Liga spielen. Vor diesem Hintergrund möchte ich auf einen Artikel von Heinz Schulte, Chefredakteur der Griephan Publikationen, verweisen.
    http://www.griephan.de/fileadmin/user_upload/Pressespiegel/HS-Handelsblatt-100112.pdf
    Er schreibt, dass Deutschland der ideale Partner für kleine Mächte ist.
    Insofern hat es schon Sinn, wenn wir Führung und Logistik übernehmen, damit kleinere Staaten ihre Kontingente und spezielle Fähigkeiten integrieren können.
    Und mit diesem Ansatz sind wir zuverlässig bei den Zweit-unpopulärsten Konflikten mit dabei, denn traditionell weichen wir mit starkem Engagement bei denen ja den Erst-unpopulärsten aus (vgl. NATO-AWACS über AFG vs. Libyen-Einsatz).

    – Zitat Memoria: Hinter alldem Kooperations-Gerede liegt in der derzeitigen Strukturplanung KEINERLEI internationale Absprache.

    Das ist doch das Hauptproblem!
    Nur ein Beispiel: Ganz Europa fehlt es an vernünftigen Hubschraubern und da stellen die Holländer AFG-taugliche Cougars einfach außer Dienst.
    Und da wir Deutschland sind, haben wir ohnehin keinen Masterplan, was die Perspektive einer europäischen Verteidigungs- und Rüstungskooperation angeht. Wenn man sich anschaut, wie diverse MdBs in den Vorworten von Strategie und Technik das Hohelied auf ein „Weiter-So“ der bisherigen Kooperation singen, dann ist dies vor den Erfahrungen mit A400M, Tiger, … äußerst ernüchternd.

    Aber wahrscheinlich haben wir schon eine Strategie. Die wurde jedoch im Bundessicherheitsrat erarbeitet und ist so geheim, dass sich keiner daran hält, um sie nicht allen zu verraten. :-)

  30. @Sailor1995 | 17. Juli 2011 – 15:21

    Zitat: „Das wirft allerdings die Frage auf, ob andere bereit sind, uns und unsere Interessen im Zweifel zu verteidigen/unterstützen.“

    Womit sollten sie dies tun? Diese zerstören doch gleichfalls ihre Streitkräfte. Ausnahme USA. Schlimm ist, dass dies anscheinend unkoordiniert erfolgt, sodaß es bald einige Fähigkeiten im gesamten westeuropäischen Raum nicht mehr geben wird.

    Die massive Kritik des ehemaligen US-Verteidigungsministers an der deutschen Verteidigungspolitik blieb leider weitgehends unbeachtet (siehe Strategie und Technik, Juli 2011, Seite 3, „Paukenschlag ohne Echo“). Wie lange werden die USA sich dieses sicherheitspolitische europäische Schmarotzertum noch bieten lassen?

  31. @T.Wiegold | 18. Juli 2011 – 12:30

    Danke für den Hinweis. Ich war in dieser Zeit durch einen 5-wöchigen Krankenhausaufenthalt leider nicht online.

  32. Da die meisten hier in den USA den wohl noch verlässlichsten Anhalt sehen, eine Bitte um Einschätzung an die Fachleute: So weit ich es verstanden habe, sind die Gruppen um die strategischen Flugzeugträger der entscheidende Faktor, der auf der konventionellen Ebene den Unterschied zwischen Regional- und Weltmacht ausmacht. Nun sind die derzeit fahrenden US-Träger teilweise schon über 50 Jahre alt (Enterprise). Aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse sind die USA an der Oberkante ihrer Möglichkeiten (m.E. aufgrund der Informationen rund um die Ronald Reagan), wenn sie ein Träger-Projekt nach dem anderen durchziehen, d.h. also etwa alle 15-20 Jahre ein neues Schiff zur Ablösung bereitstellen können. Ist die derzeitige Stärke unter diesen Bedingungen haltbar? Wenn an dieser Stelle eine entsprechende Verkleinerung kommen muss, welche Möglichkeiten bestehen zum Kompensieren etwa durch kleinere Varianten wie die Wasp-Klasse? Konsequenzen für Europa / Deutschland?

  33. Die U.S. Navy wird auf absehbare Zeit am Ende sein. Die Trägerplattformen selbst sind nicht das Problem, da deren Nutzungsdauer a) konstruktiv sehr lang ist (40 Jahre) und b) durch NDV-Maßnahmen gestreckt werden kann (auf 50 Jahre). Aber die Flugzeuge dafür und die Eskorten gehen aus.

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