Niederländische Medaille für den Retter der „Taipan“

Der Name des Kapitäns zur See Hans Lodder ist in Deutschland nicht so bekannt – ziemlich zu Unrecht: Am 5. April vergangenen Jahres organisierte der niederländische Marineoffizier  als Kommandant der Fregatte Tromp die Befreiung des deutschen Frachters Taipan aus der Hand somalischer Piraten. (Das ist das Schiff, für dessen Kaperung derzeit die mutmaßlichen Täter in Hamburg vor Gericht stehen.)

Für seine Verdienste bei der Bekämpfung der Piraterie hat Lodder heute die niederländische De Ruytermedaille erhalten. (Auf englisch der Bericht des niederländischen Radios hier.)

Über die Befreiungsaktion hat Lodder ausführlich in einem Beitrag für die Zeitschrift Marineforum berichtet (der Artikel selbst steht leider nicht online). Eines der entscheidenden Details: Der Ort der Kaperung lag außerhalb des damaligen Mandatsgebiets der EU-Antipiraterieoperation Atalanta, unter deren Kommando die Tromp stand – und der Kommandant setzte durch, dass die Fregatte zur Rettung des deutschen Frachters vorübergehend aus dem EU-Kommando herausgenommen und nationalem Kommando unterstellt wurde.

Archivbild des niederländischen Verteidigungsministeriums: Lodder an Bord der Tromp – mit einem Besen, der (als Reverenz an den niederländischen Admiral Maarten Tromp im 17. Jahrhundert) symbolisiert, dass die See von Gegnern gesäubert wurde.

17 Gedanken zu „Niederländische Medaille für den Retter der „Taipan“

  1. Vielleicht ist das letzte Bild so was wie ein Symbol.
    Die Holländer haben Tradition und nennen ihre Fregatten nach de Ruyter oder Tromp, während unsere „Rheinland-Pfalz“ oder „Mecklenburg-Vorpommern“ heißen. :(

  2. Im aktuellen MarineForum wird die Taipan-Aktion aus NL-Erfahrung sehr schoen geschildert.

  3. @Sebastian Bruns
    In der Tat, das schrieb ich oben ;-)

    Aber leider nicht online verfügbar?

  4. @JCR
    Na, und nach welchem großartigen deutschen Seehelden sollen wir denn unsere Schiffe benennen? Prien, Guggenberger oder von Müller dürften politisch wohl nicht gerade en vogue sein…

  5. Herr Wiegold, wie peinlich! Sorry – wer lesen kann, ist klar im Vorteil! Herzlichen Dank.

    PS: Vielleicht hilft eine nette Nachricht an die Chefredaktion MF, Herr Kratzmann – marineforum@mov-moh.de

  6. @MFG
    Natürlich haben wir keine jahrhundertealte Marinegeschichte wie die Holländer, aber das Problem ist eher eine totale Ablehnung jeglicher Tradition.
    Gerade eine Marine ist eben mehr als ein Haufen von Technikern…

    Kaiserliche gäbe es genug, oder alte Namen wie Scharnhorst oder Gneisenau (die ja immerhin offiziell die Kultur der BW begründen).
    Die Brandenburgische Marine, die hamburger Konvoischiffe (Pirateriebekämpfung!), die Reichsflotte 1848 etc..
    Oder Störtebecker?;)

    Ich fand es immer lustig wie die Lateinamerikaner aus jeder mißglückten drei Mann Enteraktion einer Korvette gegen einen Heringslogger im Jahre achzehnhunderirgendwas ihren eigenen Nelson stricken.. ;)

  7. Scharnhorst und Gneisenau sind aber durch „versenkten Altbestand“ vorbelastet… Und wirklich zählbare Marinen sind entweder nicht wirklich traditionsfähig (Preussische, Kaiserliche, Reichs- und Kriegsmarine), oder waren ziemlich kurzlebig mit traurigem Ende (Bundesflotte). Da bleibt eigentlich nur die kaum vorhandene „Eigentradition“. Eigentlich können wir ja schon froh sein, dass wir noch eine Emden inklusive Eisernem Kreuz am Bug haben dürfen.

  8. @JCR & MFG
    Die Berufung auf Scharnhorst und Gneisenau geht voll daneben. Schließlich gehören sie zu den maßgeblichen Autoren oder Inspiratoren eben jener preussischen Landsturmordnung des Jahres 1813, die den preussischen Landsturm auf genau jene Regeln verpflichtete (Untertauchen in der Zivilbevölkerung etc), die die Taliban und Al Quaida Kämpfer heute anwenden. Peinlich aber wahr: Die Gegner der BW können mit sehr viel mehr Recht als die BW selbst die in den Befreiungskriegen begründete Tradition für sich reklamieren, die im Übrigen ja auch in der auf Waterloo folgenden Reaktion-Epoche (Karlsbad lässt grüßen) ohnehin gründlichst beerdigt wurde.

  9. Diese Diskussion um die Namensgebung der deutschen Marineschiffe ist zwar „off topic“ aber doch auch amüsant. – Ja ja, da hatte es die DDR doch einfacher, sie hatte ihre Helden, und nach denen wurden sogar Handelsschiffe benannt:

    Fliegerkosmonaut der DDR Sigmund Jähn

    Da mussten sie extra die Back verlängern, damit der Name auch drauf passte!
    „Mecklenburg-Vorpommern“ lässt grüßen…

    scnr ;-)

  10. Die besten Schiffsnamen haben traditionell die Briten: Invincible, Iron Duke, Daring, Dauntless, Vengeance, Victorious, Vigilant, Vanguard, Tireless, Triumph und meines Erachtens nach unübertroffener Höhepunkt der Nichtrücksichtnahme auf Nachbarn: Trafalgar (wir können ein Schiff ja mal Sedan oder Königgrätz taufen ;) )

  11. @ MFG

    Nee, nicht ne Landschlacht. Such dir doch eine aus, wo die deutsche Marine mal selber gewonnen hat. Ich bin zwar noch am grübeln, wo und wann das gewesen sein soll, aber seit Jahrhunderen erzählt man uns ja, das wir eine Marine brauchen und sie wirklich auch zu was nütze ist. Und das Geld gut angelegt ist.

  12. Ok, die Royal Navy hat ja nicht nur „Ark Royal“ (ältester Schiffsname) und so, sondern auch in ihrer langen Geschichte so Peinlichkeiten wie HMS Petunia oder mein absoluter Favorit: „HMS Gay Corsair“ ;))))

  13. @JCR
    ich will ja das heitere Lachen nicht verderben, aber das „Gay“ bezieht sich in diesem Falle auf die älteren Bedeutungen des Wortes. Und da wird es mit „heiter, fröhlich, vergnügt“ übersetzt. Macht dann also der „Heitere Korsar“. Aber die Briten haben durchaus Ihr eigenes historisches und traditionelles Verständnis für das Vergeben von Namen und Bedeutungen. Da sind wir uns auf jeden Fall einig.
    Sorry for being such an asshole…
    btw
    Und für die Deutsche Marine hat die Vergabe von Städten/Ländern(hier dann die jeweiligeLandeshauptstadt)/Flüssen durchaus einen manchmal angenehmen Bezug für den Austausch mit diesen Städten/Ländern. Da gehört dann auch eine Patenschaft mit dazu. Im gleichen Zuge beteiligen sich die Besatzungen dann auch gerne an sozialen Projekten in den Städten, welches sehr gut ankommt. Dazu gehört aber auch, das diese Patenschaft von beiden Seiten entsprechend gepflegt wird und nicht immer nur auf das „rumkutschieren der ollen Marinekameradschaft“ begrenzt ist.
    Und auch früher wurden vielfach Schiffe/Boote auf die Namen von Städten/Länder usw getauft. Hamburg, SCHLESWIG-HOLSTEIN (ist auch nicht hinterfragt worden, oder?), Emden (hat auch eine Tradition, ansonsten wäre das Eiserne Kreuz nicht auf diesem Schiff), usw. Hier erkenne ich ehrlich gesagt nun keinen massiven Bruch. Klingt vielleicht nur nicht immer gleich auf den ersten Blick so martialisch?

  14. Naja, die Minenjagdboote haben so tolle Namen wie „Sulzbach-Rosenberg“ und „Pegnitz“ abbekommen. Da waren die vorherigen Traditionsnamen aus der Mythologie schöner.

    Angeblich sollen sich ja zu der Zeit als die Minenstreitkräfte „provinzialisiert“ wurden, die S-Boote ihre Namen abgelegt haben und nur S-Nummern geführt haben damit niemand auf die Idee kam, das „S-Boot Hintertupfingen“ zu taufen :D
    Als sich das gelegt hatte, hat man die Raubtiernamen wieder ausgekramt.

    Was Städtenamen angeht, man hat ja bei der K130 gesehen daß man lieber Städte genommen hat die ohne jede Tradition als Name in der Marine sind oder eher sogar für eine extrem peinliche und schädliche Episode stehen (Madgeburg).
    Leipzig, Dresden oder Nürnberg oder gar Wiesbaden hat man nicht genommen.
    Ich denke das war Absicht.

  15. Schiffsnamen sind Symbole. Nun ist das mit Symbolen so eine eigenartige Sache: sie bringen immer etwas zum Ausdruck, manchmal sogar ungewollt. Man vergleiche nur einmal den mageren, streitbaren Adler auf der Bundesdienstflagge mit dem flugunfähigen Suppenhuhn, das den Plenarsaal unseres Parlaments schmückt….(wie gesagt, manchmal sogar ungewollt).

    Mein Vorschlag: die nächste Fregatte auf den Namen „Hans Lodder“ taufen. Der Mann hat gezeigt, wie eigenverantwortliches Handeln aussieht. Statt sich auf die Rechtslage zu berufen..

  16. Pst…

    Die Schiffsnamensdiskussion nicht zu weit führen sonst merkt noch einer dass die Schiffsnamen der Bundeswehr keineswegs neu sind. Zwischenzeitlich hat man den Großteil der kaiserlichen Flottenliste einmal durch, auch wenn es pro forma fast immer um Städte- Landes- und Flussnamen geht.

    Auch die Korvettennamen sind keineswegs „ohne jede Tradition“. Es sind Vorgänger (die ja nicht Traditionsgeber sein dürfen) vorhanden die in Deutscher Flotte als Panzerschiffe, Linienschiffe und Kreuzer Dienst taten. Ob dies nun „ruhmreich“ im Kriegseinsatz war oder nicht ist eher sekundär, auch der „Room 40“ Bezug des Namens Magdeburg kann im Kryptounterricht gut genutzt werden, man hat mindestens einen historischen Bezug zu früheren Besatzungen und den Bedingungenn unter denen diese Dienst leisteten. Allerdings hätte ich mir auch eine „Leipzig“ gewünscht.

    Frage mich allerdings wann der erste die „Oldenburg“ als „Plätteisen“ verlacht…

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