German Navy releases video of Somali pirates hijacking German vessel in 2010

Taipan_highjack_screenshot

Almost to the day four years ago, on April 5, 2010, Somali pirates hijacked the German MV Taipan in the Indian Ocean. A few hours later, Dutch marines boarded the container vessel, arresting ten pirates who in the end faced trial in a German court.

While the role of the Dutch boarding team had been higlighted in news reports (undoubtedly because the Dutch released video footage of the boarding rather soon; see below), the role of a German Maritime Reconnaissance and Patrol Aircraft (MRPA) Orion P-3C, call sign Jester, was rarely acknowledged. Four years after the hijacking, the German Navy has released video footage taken from the aircraft: weiterlesen

Die Kaperung der ‚Taipan‘ 2010: Jesters Video

Taipan_highjack_screenshot

Fast genau vier Jahre ist es her, dass somalische Piraten das deutsche Containerschiff Taipan angriffen und in ihre Gewalt brachten. Nur für ein paar Stunden an jenem Ostermontag, 5. April 2010 – dann stürmten Soldaten der niederländischen Fregatte Tromp das Schiff und nahmen zehn Piraten fest. Sie wurden im Oktober 2012 nach einem langwierigen Prozess vom Landgericht Hamburg zu Haftstrafen verurteilt.

Die Rolle der Niederländer bei der Befreiung der Taipan wurde immer wieder geschildert – vielleicht auch deshalb, weil die niederländische Marine sehr bald nach diesem Einsatz ein Video der Aktion veröffentlichte (siehe unten). Die Rolle der Deutschen Marine blieb dagegen in der öffentlichen Wahrnehmung immer im Hintergrund, obwohl ein Seefernaufklärer vom Typ Orion P-3C aus Nordholz, Funkrufname Jester, bei der Aktion eine entscheidende Rolle spielte: Die Besatzung des Flugzeugs beobachtete (und meldete) nicht nur den Piratenangriff in Echtzeit, sondern blieb bis zur Befreiungsaktion on station und lieferte so dem niederländischen Boardingteam wertvolle Informationen.

Das Videomaterial dieses Angriffs hat die Deutsche Marine nun, vier Jahre später, in einer nicht eingestuften Fassung veröffentlicht: weiterlesen

After two years‘ trial, Somali pirates get prison sentences in Hamburg

It should have been an easy case. More than two years ago, a gang of armed robbers captured a merchant vessel in the Indian Ocean. Before they could take the crew hostage, the seamen hid in a safe room, stopped the engines and called fort help. And help came swiftly: a few hours later, heavily armed soldiers fast roped from a helicopter, re-took the vessel and arrested the pirates.

What happend on Easter Monday, April 5, 2010, on the German-flagged MV Taipan off the Somali coast, however, turned out a judicial nightmare for the district court in Hamburg, Germany. After almost two year’s trial, the court handed down the verdicts today: seven pirates got six to seven years in prison; the three others, considered minors at the time of the attack, got three years as juvenile delinquents.

During the trial, the first against pirates in this German port since since Klaus Störtebeker hundreds of years ago, a First World judicial system met Third World defendants. It startet with the usual routine of finding out date and place of birth – but the answers, typically during the rainy season and under a tree didn’t quite match the standards of Western court proceedings. As three of the indicted Somalis probably were minors at the time of the attack, their exact age had to be found out: one of the defendants understood the examination in a German hospital with an x-ray machine,  according to Germany’s weekly Der Spiegel, as a prelude to swift execution.

Misunderstandings like these were abundant, weiterlesen

Somalias Piraten und der Rechtsstaat

Es ist ein Fall wie aus der Strafrechts-Vorlesung. Schwer bewaffnete Räuber dringen in ein Firmengebäude ein und schießen sich den Weg frei, die Belegschaft versteckt sich, die Täter werden auf frischer Tat ertappt, festgenommen und vor Gericht gestellt. Hätte sich das irgendwo in Deutschland ereignet, hätte das Ereignis einige Aufmerksamkeit hervorgerufen, schon der Prozess wäre keine große Schlagzeile mehr Wert gewesen, und beim Urteil würde nur die Frage nach der Höhe des Strafmaßes gestellt.

Doch es ist ein ganz klein wenig anders. Die bewaffneten Räuber waren somalische Piraten, das Firmengebäude der – deutsch geflaggte – Frachter Taipan im Indischen Ozean, und festgenommen wurden die Räuber von Marinesoldaten der niederländischen Fregatte Tromp. Der Überfall ereignete sich vor ziemlich genau zwei Jahren, am 5. April 2010, und die mutmaßlichen Piraten stehen in Hamburg vor Gericht. In Haft sitzen drei von ihnen nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks seit heute nicht mehr: Drei der Angeklagten, die unter das Jugendstrafrecht fallen, wurden vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Eine weitere Untersuchungshaft, so heißt es, sei mit dem Erziehungsgedanken des Jugendstrafrechts nicht zu vereinbaren.

Das Video der niederländischen Marine von der Erstürmung der Taipan

Damit kein Irrtum aufkommt: Ich halte es für richtig, wenn es schon ein Jugendstrafrecht gibt, diesen Jugendlichen auch eine Chance zu geben. Das eigentliche Problem ist nicht, dass diese drei Somalis jetzt auf freien Fuß gesetzt werden. Sondern dass dieser Prozess seit November 2010 dauert. Dafür gibt es viele Gründe, und schon der verzweifelte Versuch, deutsche organisierte Rechtsstaatlichkeit mit den Strukturen einer Stammesgesellschaft zusammenzubringen, in der Menschen noch nicht mal Geburtsdatum und -ort genau benennen können, hat sicherlich zur langen Dauer beigetragen. Genau so richtig ist im Prinzip, dass eine Urteilsfindung von vielem abhängt, aber nicht von einem Zeitrahmen.

Dennoch macht mich das, was da in Hamburg abläuft, ein wenig ratlos. Ohnehin werden bereits jetzt in den meisten Fällen festgesetzte Piraten vor Somalia von den Marinesoldaten im Anti-Piraterie-Einsatz wieder in ihre Heimat zurückgebracht – weil sich kein Land findet, das sie vor Gericht stellen will. Oder weil die Seeräuber bei Annäherung eines Hubschraubers schnell ihre Waffen über Bord werfen und es praktisch keine Beweise für ihre Taten gibt.

Im Fall der Taipan gibt es mutmaßliche Täter, es gibt Opfer, es gibt Beweise, es gibt ein zuständiges Gericht – alles, was für eine Urteilsfindung nötig wäre. Statt eines Urteils gibt es aber erst mal, wenn auch aus rechtlich guten Gründen, die vorläufige Freilassung einiger Angeklagter. Ein super Signal für die Piraten. Viel fehlt nicht mehr zum perfekten Verbrechen. Bei der Geiselnahme im Firmengebäude, da bin ich ziemlich sicher, hätte es diese Entwicklung nicht gegeben.

Nachtrag: via Twitter hat sich inzwischen auch der damalige Kommandant der Fregatte Tromp, Hans Lodder, zu Wort gemeldet: Heterdaad en dan dit, vreemd – zu Deutsch: Auf frischer Tat ertappt und dann so was. Merkwürdig.

Niederländische Medaille für den Retter der „Taipan“

Der Name des Kapitäns zur See Hans Lodder ist in Deutschland nicht so bekannt – ziemlich zu Unrecht: Am 5. April vergangenen Jahres organisierte der niederländische Marineoffizier  als Kommandant der Fregatte Tromp die Befreiung des deutschen Frachters Taipan aus der Hand somalischer Piraten. (Das ist das Schiff, für dessen Kaperung derzeit die mutmaßlichen Täter in Hamburg vor Gericht stehen.)

Für seine Verdienste bei der Bekämpfung der Piraterie hat Lodder heute die niederländische De Ruytermedaille erhalten. (Auf englisch der Bericht des niederländischen Radios hier.)

Über die Befreiungsaktion hat Lodder ausführlich in einem Beitrag für die Zeitschrift Marineforum berichtet (der Artikel selbst steht leider nicht online). Eines der entscheidenden Details: Der Ort der Kaperung lag außerhalb des damaligen Mandatsgebiets der EU-Antipiraterieoperation Atalanta, unter deren Kommando die Tromp stand – und der Kommandant setzte durch, dass die Fregatte zur Rettung des deutschen Frachters vorübergehend aus dem EU-Kommando herausgenommen und nationalem Kommando unterstellt wurde.

Archivbild des niederländischen Verteidigungsministeriums: Lodder an Bord der Tromp – mit einem Besen, der (als Reverenz an den niederländischen Admiral Maarten Tromp im 17. Jahrhundert) symbolisiert, dass die See von Gegnern gesäubert wurde.

weiter »