RC N Watch: Afghane tötet deutschen Soldaten (Update)

Der tödliche Vorfall im OP North in der nordafghanischen Provinz Baghlan lässt sich jetzt nach den Informationen von Bundeswehr und ISAF zusammenfassen:

Ein 30-jähriger deutscher Hauptfeldwebel ist am Freitag im OP North gefallen, als ein Mann in der Uniform der afghanischen Armee (ANA) überraschend das Feuer auf eine Gruppe von Bundeswehrsoldaten eröffnete, die an einem Fahrzeug arbeiteten. Vier deutsche Soldaten wurden schwer, vier weitere leicht verletzt. Der Angreifer wurde anschließend von Soldaten erschossen.

Der Hauptfeldwebel starb kurz nach dem Zwischenfall an seinen Verwundungen.

2. Update: Es gibt unbestätigte Meldungen über insgesamt zwei tote deutsche Soldaten. Mittlerweile ist laut ISAF ein zweiter Soldat an den Verletzungen gestorben. (Für 17 Uhr hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg eine Erklärung zu dem Vorfall angekündigt.)

Unklar ist bislang, ob es sich tatsächlich um einen afghanischen Soldaten handelte oder um einen Aufständischen, der sich eine Uniform besorgt hatte – gegen das Letzere sprechen allerdings die Sicherheitsvorkehrungen; nur die Uniform reicht in der Regel nicht, um in ein Camp zu kommen.

Noch ein Nachtrag: ein Foto der Szene ist hier zu sehen – kann es aus rechtlichen Gründen nur verlinken. Anja Niedringhaus von AP war offensichtlich in einem der MedEvac-Helikopter.

Die Bundeswehr erlebt damit zum ersten Mal, was andere ISAF-Nationen schon mehrfach erfahren haben – dass afghanische Soldaten oder Polizisten die Waffe gegen ihre Ausbilder bzw. Kameraden richten. Dabei muss es sich nicht zwingend um Aufständische handeln, die Armee oder Polizei infiltriert haben: es gab auch Fälle, wie im August vergangenen Jahres bei den Spaniern, in denen Afghanen aus Rache für vermeintliche falsche Behandlung und/oder im Drogenrausch das Feuer auf ISAF-Soldaten eröffnet haben.

Dem Außenposten im Norden der Provinz Baghlan hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erst vor zwei Tagen einen Besuch abgestattet und auch dort übernachtet.

(Habe das jetzt noch mal neu zusammengeschrieben, auch wenn es sich dadurch teilweise mit einigen der Kommentare doppelt.)

28 Gedanken zu „RC N Watch: Afghane tötet deutschen Soldaten (Update)

  1. Laut Spiegel Online handele es sich um die Stellung, die vor zwei Tagen der Minister besucht hatte.
    Ob da wohl ein Zusammenhang besteht?

  2. Mein Beileid an die Angehörigen und gute Besserung den verwundeten Kameraden.

    Leider war so ein Ereignis zu erwarten und es kann sich schnell wiederholen. Wie unter diesen Umständen eine weitere Kooperation mit afghanischen Truppen funktionieren soll ist schwer zu verstehen.

    Laut Washington Post predigen inzwischen sogar die staatlich (d.h. indirekt von uns) bezahlten Imane in Kabul gegen die ausländischen Truppen: Afghan imams wage political battle against U.S.. Das bleibt nicht folgenlos.

  3. Das ist leider die Kehrseite vom „Partnering“. Deshalb nutzen die INS diese Schwachstelle immer öfter aus, sie wollen so bewusst einen Keil zwischen die Parteien treiben.

    Andereseits sind wir nun auch auf den Boden der Tatsachen geholt worden, was die Befehlsgebung im Feldlager betrifft – bis letztes Frühjahr war die Waffe „zu Hause“ nur entladen zu tragen, nach den Angriffen auf die Airfields der Amerikaner dann doch endlich teilgeladen…

  4. Ich hoffe nicht, dass irgendein Soldat in so einem Außenposten mit teilgeladener Waffe rumläuft.
    Entscheidende Frage bei dem Vorfall scheint mir aber: War es ein ANA-Soldat, dann ist das das Risiko, was mit Partnering einhergeht und nicht zu ändern.
    Oder war es ein Arbeiter, dann frage ich mich schon, wie dort eigentlich gesichert und überwacht wird… und mal wieder war es wohl dort in Baghlan, ist das eigentlich immer dieselbe Einheit?

  5. @b
    „Wie unter diesen Umständen eine weitere Kooperation mit afghanischen Truppen funktionieren soll ist schwer zu verstehen.“

    Diese Wahrnehmung wollen die Aufständischen durch Herbeiführung solcher Vorfälle (nicht alle von ihnen haben jedoch INS-Hintergrund) erzeugen.

    Man sollte das aber m.E. nüchtern sehen und feststellen, dass das Risiko des Einsatzes durch solche Vorfälle ingesamt nur minimal erhöht wird. Auf Ausbildung von ANA deshalb zu verzichten wäre ebenso eine irrationale Angstreaktion wie es z.B. das Vermeiden von Bahnfahrten wegen unspezifischer Anschlagsdrohungen in Deutschland wäre.

    Der Verweis auf die über Staatsprediger verbreitete Propaganda ist allerdings sehr interessant. Deren Predigten werden, so weit ich mich erinnere, staatlich überwacht. Die Prediger würden sich vermutlich nicht so äußern, wenn sie nicht zumindest die stillschweigende Duldung relevanter afghanischer Stellen hätten. Möglicherweise bereitet sich Karzai bereits auf die Zeit nach ISAF vor.

  6. @ Ash

    Es ist ein Unterschied, was die Soldaten tatsächlich machen und dem, was befohlen ist ;-) Stellenweise sind die Chefs da… ähm… „bedrohungsorientierter“ gewesen.

    Laut ISAF HP war es ein Aufständischer in ANA Uniform, der auf Soldaten beim TD schoss.

    Ich warte übrigens minütlich auf die aufrichtige Anteilnahme der SPD Fraktion, mit dem Hinweis des Herrn Arnold, „das der Minister persönlich Schuld an der Tragödie ist, da er sich schamlos bei seinem unnötigen Besuch des OP NORTH in Szene setzte!“ Sollte das wirklich passieren, müsste jemand dem armen Mann mal seinen Guttenberg-Dämon austreiben…

  7. @ Etienne Rheindahlen
    Dem kann ich mich wirklich nur anschließen. Danke für den Beitrag im Spiegelforum, ich hoffe wirklich das lesen auch mal ein paar Politikern die gerade eine regelrechte Hetzjagt veranstalten.

    Ich hatte das große „Vergnügen“ mir heute die Bundespressekonferenz anzuschauen und was da von einem Journalisten namens Herrn Wonka gesagt worden ist ,hat mir echt die Wut ins Gesicht getrieben. Da nannte doch dieser Herr den Minister einen Feigling weil er nicht vor die Presse getreten ist wie er es sich wohl gern vorgestellt hat. Aber das ist ein anderes Thema.

    Schlimm genug was da im OP North passiert ist. Mein Mitgefühl gilt den Familien und den Soldaten.

  8. @Ash: Es trifft wieder einmal das ASB MeS. Dieselbe Einheit, die schon die beiden Schießunfälle zu verzeichnen hatte und aus deren Reihe die Feldpostvorfälle bekannt wurden. Besonders tragisch ist, dass der Out-Termin des Großteils des Verbandes Anfang März ist. Sie hatten es also fast geschafft. ASB MeS war von Anfang November bis Mitte Januar grötenteils ununterbrochen im Bereich der OP North eingesetzt. Unabhängig vom heutigen schrecklichen Vorfall (der immer wieder vorkommen kann) ein Beleg für zu geringe personelle Reserven in der Kampftruppe.

  9. Habs heute während einer Pause das erste Mal gelesen…
    Schreckliche Nachricht.

    Ruhe in Frieden.

  10. …und einmal mehr weht die Bundesflagge auf Halbmast! Ich könnte kotzen! Es macht mich gleichermaßen betroffen und sauer!

    Meine Gedanken sind bei den Kameraden und ihren Angehörigen!

  11. „Ich warte übrigens minütlich auf die aufrichtige Anteilnahme der SPD Fraktion, mit dem Hinweis des Herrn Arnold, “das der Minister persönlich Schuld an der Tragödie ist, da er sich schamlos bei seinem unnötigen Besuch des OP NORTH in Szene setzte!” Sollte das wirklich passieren, müsste jemand dem armen Mann mal seinen Guttenberg-Dämon austreiben…“

    @ Voodoo:
    Denken Sie nicht, dass Politik in diesem thread etwas fehl am Platze ist!?!

    Ein fürchterlicher Vorfall. Herzliches Beileid an die Angehörigen und gute Besserung an die Verwundeten.

  12. man muss sich doch eigentlich fragen, wie es zu dieser Sache kommen konnte. Ich habe hier nur eine Andeutung gelesen die Sinn macht. „Rache für Beleidigungen der Ausbilder!“ -und irgendwie klebt das leider wieder an dem ex-Dr.
    Die soldaten haben eine schlechte interkulturelle Ausbildung und werden ohne qualifizierte interkulturelle Vorbereitung in die Ausbildung der Afghanen geschickt. Kulturelle Unterschiede veranlassen, dass „normales Verhalten“ der deutschen Soldaten auf der afgh. Seite auch als Beleidigung aufgenommen werden kann. Ehre und Ansehen sind in diesen Ländern etwas elementares … ja sogar wichtiger als das Leben …
    Nun, wer hat wohl die Soldaten ohne sinnvolle Vorbereitung hingeschickt?! Wer ist für die Ausbildung der Afghanen?! Wer sollte die Wichtigkeit einer interkulturellen Vorbereitung kennen?! (nun ja, so klug ist er ja nicht … Dr. AD)
    In der Wirtschaft wird das gemacht. Siemens, ABB, EADS, und selbst die kleinen mittelständischen Firmen schicken ihre Mitarbeiter auf interkulturelle Seminare um sie für diese Region optimal vorzubereiten … und bei denen geht es um den Gewinn $$$ und nicht um Leben und Tod … aber bei der Bundeswehr spart man … böse Afghanen … und keiner (Medien) fragt, was diesen Afghanen dazu getrieben hat … ja ja … Drogen … das erinnert ja stark an Gaddafi, der auch behauptet die Demonstranten hätten von ausländischen Feinden Drogen bekommen ….
    … Wacht auf … unsere Soldaten sind nicht perfekt … und noch schlecht ausgebildet … zur Ausrüstung muss ich ja nichts mehr sagen …
    Danke Hr Dr.AD … oder gibt es wieder andere die Verantwortlich sind. Ich sag nur, wer verliebt ist, schaltet den Verstand aus.
    und junge Männer gehen drauf

  13. Hier noch etwas zu diesem Thema:

    aber will ja auch keiner genauer hinsehen „böse böse Afghanen“

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-70701696.html

    Wer hätte das schon letzten Mai aufklären sollen und Wiedergutmachung (die Hammel waren wohl zu wenig) leisten sollen?
    Ihr Schlechtbuckel-verliebten seit vor lauter Zuneigung schon so blind.
    Eine gute Führung hätte es nicht so weit kommen lassen!

Kommentare sind geschlossen.