Alarm vom Heer: Langsame Beschaffungsverfahren gefährden Deutschlands Sicherheit

Das Deutsche Heer hat im vergangenen Jahr zwei Konzeptionspapiere für die Zukunft der Landstreitkräfte veröffentlicht, die auch – überwiegend von einer Fachöffentlichkeit – zur Kenntnis genommen wurden: Dabei geht es vor allem um die Frage, auf welche Anforderungen die (deutschen) Landstreitkräfte sich künftig einstellen müssen und was sie dafür an Ausrüstung benötigen.

In diesem Jahr ist ein weiteres Konzeptionspapier hinzugekommen, dessen Titel Rüstung digitalisierter Landstreitkräfte zunächst nach weiteren theoretischen Überlegungen für die Zukunft des Heeres klingt. Am Gründonnerstag wurde es auch auf der Webseite des Heeres* veröffentlicht und bislang ebenfalls öffentlich kaum zur Kenntnis genommen. Dabei ist dieses Papier nichts weniger als eine – vernichtende – Abrechnung mit dem gegenwärtigen Planungs- und Beschaffungssystem der Bundeswehr – verbunden mit der Warnung, dass das derzeitige Vorgehen, wie die Truppe ausgerüstet wird, eine Gefährdung der deutschen Sicherheit bedeutet:

Die bisher beschrittenen Wege zur Beschaffung von Ausrüstung für die Bundeswehr führen schon heute zu nicht voll einsatzbereiten Landstreitkräften, für moderne digitalisierte Landstreitkräfte der Zukunft erscheinen sie weitgehend ungeeignet. (…)
Die Verfahren für Planung, Beschaffung und den Haushalts- vollzug sind regelmäßig zu langsam und gefährden so die äußere Sicherheit Deutschlands.

(…)
Das Projektmanagement der Bundeswehr unterliegt der Komplexitätsfalle zwischen Vorgaben der Bundeshaushaltsordnung, der Trennung von Planung und Beschaffung und einem nicht zielgerichteten Controlling, welches häufig an den Geschäftsprozessen vorbei agiert. Entscheidungsbefugnisse Einzelner sind auf den eigenen, oft eingeschränkten Zuständigkeitsbereich begrenzt, ohne in die Gesamtverantwortung eines Programms eingebunden zu sein. (…)
Die derzeitige Beschaffungspraxis ist darauf ausgerichtet, Risiken möglichst auszuschließen und strebt maximale (rechtliche) Sicherheit und Regelkonformität an. Immer komplexere, sich gegenseitig teils sogar widersprechende Regelungen erzeugen immer höheren sequentiellen Abstimmungsbedarf und vielfältige Schnittstellen. Die in diesem Rahmen agierenden Akteure sind oft überfordert und werden zudem an Zielen gemessen, die von denen „der Truppe“, dem eigentlichen Leistungserbringer des Gesamtunternehmens Bundeswehr, entkoppelt sind. Die zu fordernde Agilität innerhalb der Prozesse wird dadurch strukturell unmöglich gemacht. Darüber hinaus werden in dem Ringen um unanfechtbare Ausschreibungen und die Vergabe von Hauptaufträgen weitere zeitliche Verzögerungen, Folgeprobleme während der Nutzungsphase erzeugt sowie der Verzicht auf innovative Lösungsansätze billigend in Kauf genommen.

Das sind deutliche Worte, die sich zwar in der Sprache, aber im Inhalt mit dem Blick auf das Material nicht so sehr von der Brandrede eines scheidenden Kommandeurs eines Marineverbandes vor wenigen Wochen unterscheiden. Die öffentliche Kernaussage So geht es nicht weiter kommt aber diesmal nicht von einem einzelnen Kapitän zur See, sondern ganz offiziell von der größten Teilstreitkraft der Bundeswehr.

Verantwortlich für dieses Thesenpapier, wie auch für die beiden vorangegangenen, ist Generalleutnant Frank Leidenberger, im Kommando Heer unter anderem für die militärische Grundorganisation und damit auch für das Amt für Heeresentwicklung zuständig. Möglicherweise wird man auf seine weitere Karriere ebenso ein Auge haben müssen wie auf die des Kapitäns.

(Danke für den Leserhinweis – die Veröffentlichung am Gründonnerstag war mir glatt entgangen.)

*Da die Webseiten der Bundeswehr in absehbarer Zeit technisch überarbeitet werden und Links dann nicht mehr funktionieren, hier die Heeres-Meldung und die drei Thesenpapiere als pdf-Datei:

Meldung des Heeres: Thesenpapiere zur Zukunft deutscher Landstreitkräfte

Thesenpapier I – Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?

Thesenpapier II: Digitalisierung Landoperationen

Thesenpapier III: Rüstung digitalisierter Landstreitkräfte

(Archivbild: Soldaten mit Ausstattung ‚Infanterist der Zukunft – Erweitertes System (IdZ-ES) bei der Informationslehrübung Landstreitkraefte in Munster am 13.10.2017 – Florian Gaertner/ photothek.net)

147 Kommentare zu „Alarm vom Heer: Langsame Beschaffungsverfahren gefährden Deutschlands Sicherheit“

  • Memoria   |   03. April 2018 - 20:14

    @all:
    Die FAZ greift das Thema nun ebenfalls auf („Das Heer sieht Deutschlands Sicherheit gefährdet“). Darin auch eine Stellungnahme des Heeressprechers, aber nicht vom BMVg.

    Mal sehen, ob das allgemeine (!) Medieninteresse so lange reicht bis das BMVg dazu offiziell Stellung beziehen muss (dafür ist ja ne RegPK wie morgen ideal).

    @Jas:
    Das System IdZ-ES hat sicher Stärken und Schwächen, aber die normalen Jägerbataillone würden sich sicher über Bekleidung, Bewaffnung, Sichtmittel, etc sehr freuen.

    Aus meiner Sicht ist MGCS noch weitaus bedeutender, da sich hieran zeigen wird, ob Deutschland in 15 Jahren noch wehrtechnische Landsysteme fertigen will und kann.

  • Memoria   |   03. April 2018 - 21:02

    Noch ein Presseecho aus den Stuttgarter Nachrichten („Heer schlägt Alarm wegen Rüstungschaos“, online verfügbar):
    „Das Ministerium wollte das Papier auf Anfrage nicht bewerten.“

    Vogel-Strauß-Prinzip?

  • SchmidtM   |   03. April 2018 - 21:18

    @Gerorg zum P.S.

    Ähhh, alle die spätestens bei LV/BV, völlig zu Recht, davon ausgehen dass es kein verlässliches GPS geben wird?…. !

  • Memoria   |   03. April 2018 - 21:23

    Kleiner Blick in die aktuellen Versuche der U.S. Army neue Wege bei der Beschaffung zu gehen – mit all den Folgeproblemen einer Großorganisation:
    https://breakingdefense.com/2018/04/armys-big-six-ride-into-the-valley-of-death/

    Sicherlich nicht völlig auf uns übertragbar, aber es gibt eine gedankliche Gemeinsamkeit zum Deutschen Heer:
    Learning by doing.

    Dafür braucht es aber Ziele, Willen, Kräfte und insbesondere (Haushalts-)Mittel.

    Mal sehen, inwiefern das BMVg durch Nachfragen des Bundestages oder der Medien noch dazu gebracht wird sich fundiert zu den Ideen des Heeres äußert.

  • Elahan   |   03. April 2018 - 22:44

    @Georg

    Schattenboxen.

    Keiner fordert hier analoges Gerät und keine Digitalisierung.

    Es geht nicht um Digitalisierung oder nicht, sondern um die Verfügbarkeit und Einsatztauglichkeit. Wenn das Mat vorhanden ist und funktioniert ist es uns egal ob analog oder digital. Technologische Überlegenheit nutzt nichts wenn es nicht zur Wirkung kommt (siehe Me 262). Wir sind nicht in der Situation es uns aussuchen zu können …… der Wunsch ist nur Hoffnung.

  • Elahan   |   04. April 2018 - 8:46

    @Georg

    Das letzte Papier von Gen Leidenberger zeigt doch auf, dass es um vielschichtige komplexe Ursachen geht welche zum jetzigen Zustand geführt haben.
    Die falsche Anwendung von Nebeneffekten der Digitalisierung haben zu mehr Information geführt aber keiner hat mehr den Überblick und viele verlieren sich im System. Die Reformen gerade mit der Neuausrichtung, TdM glaubte einen Überblick zu haben, die damals zukünftigen Insp glaubten ihre Bereiche so gut zu kennen, dass sie Details bewerten und entscheiden konnten (ohne Einbindung der Verantwortlichen), hat dazu geführt dass wir nun nicht mehr einsatzfähig sind.

    Auch in den USA ist ein ähnliches Symptom als -Mikromanagement- bekannt.
    (Hiding Behind Mission Command) und man muss sich wieder auf die Operationen statt auf Keyboards und Internetkabel zu konzentrieren. (Major Rick Montcalm) Woe die Digitalisierung langsam Mission Command aushöhlt.

    Auch die WDO Fälle und der Vorwurf des Haltungsproblems war ein Symptom dieser Überheblichkeit und Durchregieren bis unten.

    Dazu kommt die politische Situation und der fehlende Druck der Bevölkerung auf die Regierung die Realitäten zur Kenntnis zu nehemen und die Nötigen Schritte einzuleiten. Dies ist nicht nur in DEU so, sondern in großen Teilen von Europa. Dazu kommt, dass sich zwar die Erkenntnis durchsetzt, dass einzelne Staaten in Europa Verteidigungsfähig sind (einschl Handelskriege) aber die nötigen Schritte noch unter dem Minimalkonsens bleiben. Man möchte sich durchmogeln.

    „Diese Realitätsverweigerung ist auch einer der Gründe dafür, warum die EU auf dem internationalen Parkett kaum Akzente setzen kann. Es gibt keine Konfliktherde auf der Welt, bei denen sie als Vermittler eine führende Rolle spielt, weil sie nur Diplomatie im Angebot hat.“ (NZZ)

    Es benötigt all das was im Papier steht und da geht es bei Weitem nicht nur um Digitalisierung sondern um die Betrachtung => Alles muss sich der vorgesehenen Wirkung/Ergebnis (im Rahmen des GG und den Mandaten) unterordnen. Am Ende sind wir eine Regierungsarmee, dabei ist die Armee nur ein Handlungsfeld und lange nicht das Bedeutenste.

  • Georg   |   04. April 2018 - 9:27

    @ Elahan

    Ich denke, wir reden aneinander vorbei !

    Alles was Sie schreiben ist richtig, hat aber m.M.n nichts mit den 3 Thesenpapieren zu tun.

    In dem Thesenpapier I ging um die Vorstellung wie Landstreitkräfte zukünftig kämpfen werden.

    Im Thesenpapier II wie ein Teilaspekt, nämlich der technologische Fortschritt der Digitalisierung diese Landstreitkräfte verändern wird (der nebenbei bemerkt auch in der zivilen Gesellschaft und insbesondere in der Wirtschaft heftig diskutiert wird. Dabei steht nicht die Frage „ob sie kommt“ im Vordergrund, sondern „welche Folgen hat die Digitalisierung“ auf unser Arbeitsleben und auf unsere Gesellschaft ? )

    Im Thesenpapier III wird schließlich die Frage aufgeworfen ob die Rüstung für digitalisierte Landstreitkräfte anders als für konventionelle Landstreitkräfte erfolgen muss.
    Ein Punkt der aufgrund der Schnellebigkeit und der Veränderungsgeschwindigkeit der digitalen Technik auch bei der herkömmlichen Bedarfsdeckung der Streitkräfte schon Fragen aufgeworfen hat, denn die Abfassung des Materialbedarfes in Materialplanungsnummern mit festgelegten technischen Eigenschaften ist ein zu starres System, die Innovationszyklen der IT-Ausstattung sind zu kurz.
    Unter anderem hat dieser Umstand auch zur Gründung der BWI GmbH, also der IT-Gesellschaft der Bundeswehr geführt, die die neuen Rechner und Router usw einfach auf dem freien Markt einkaufen.

    @ SchmidtM

    Zum Punkt „verläßliche GPS-Navigation im Kriegsfall“

    Gegenüber den ersten praktischen Erfahrungen ist GPS-Spoofing und GPS-Störung erheblich schwieriger geworden, denn mit den neuerlich verwendeten Richtantennen mit schwenkbaren Antennenkeulen (beam forming) können Störer auch ganz gut ausgeblendet werden.
    Im Übringen ist es so, das jeder GPS-Störsender ( wenn er denn nicht nur lokal auf wenige 100m wirken soll) ein gutes Zielobjekt für GPS-Sender-Suchkopfgesteuerte Missile darstellen (wie die Chinesen wirkungsvoll im Kosovo-Luftkrieg erfahren durften).

  • R. Schmidt   |   04. April 2018 - 10:31

    zum Thema “ Beschaffung Korvette K 130

    Wann wird für das 2. Los Kiellegung sein, und wann erfolgt voraussichtlich der Zulauf der 1. Korvette?

    [Da gab’s doch was im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem Beschluss des Haushaltsausschusses… und ansonsten bringt das alle nicht weiter, wenn jetzt Fragen zu allen möglichen Beschaffungsvorhaben sinnlos in diesen Thread gekippt werden. T.W.]

  • Elahan   |   04. April 2018 - 18:35

    @Georg

    Natürlich hat das was mit den Thesenpapieren zu tun:

    „Ein Punkt der aufgrund der Schnellebigkeit und der Veränderungsgeschwindigkeit der digitalen Technik auch bei der herkömmlichen Bedarfsdeckung der Streitkräfte schon Fragen aufgeworfen hat, denn die Abfassung des Materialbedarfes in Materialplanungsnummern mit festgelegten technischen Eigenschaften ist ein zu starres System, die Innovationszyklen der IT-Ausstattung sind zu kurz.“

    Wer immer auf das modernste setzt und dabei die Verfügbarkeit und Widerstandsfähigkeit verliert hat auch mit einem schnelleren Beschaffungssystemes keine Lösung des Problems.

  • Georg   |   05. April 2018 - 11:32

    @ Uli

    Ja, natürlich kann GPS gestört werden und die Russen haben dies massiv bei diesem Manöver gemacht, aber

    1. sind militärische GPS-Empfänger mit Richtantennen (beam forming) störresistenter als zivile ungeschützte GPS-Empfänger und

    2. kann im Kriegsfall jeder aktiver Störer mit emittergesteuerten Radarsuchkopf- flugkörpern bekämpft werden (die beiden GPS-Frequenzen L1 und L2 sind im sogenannten L-Band (ca. 1250 MHz) in dem auch viele weitreichende Radargeräte arbeiten.

  • FK70   |   05. April 2018 - 13:57

    Wir reden hier von den großen Dingen. Ich wäre schon froh, wenn es beim 1×1 klappen würde. Nach Ersatzteilen, EPA und Co. wurde uns im Bataillon mitgeteilt, dass wir künftig wohl auch die Schuhcreme selbst kaufen müssten. Der Bw-Vorrat reiche wohl derzei noch für maximal zwei, ja ZWEI, Monate. Das ist alles nur noch grotesk!

    [Da wüsste ich doch gerne mehr zu, gerne per Mail, s. Impressum. T.W.]

  • Elahan   |   05. April 2018 - 14:49

    @FK70

    Man braucht ja nur versuchen Uniformteile zu bekommen, manches wird angeblich nicht mehr hergestellt (Schirmmütze, Galaanzug) oder gibt es gerade (Monate) nicht wie einfache Diensthemden. Viele jungen greifen dann oft (weil einfacher und zuverlässig auch in der Abrechnung) auf ziv Großversandhandel zurück.

  • Memoria   |   05. April 2018 - 16:04

    Das BMVg nimmt die Vorschläge von GenLt Leidenberger mit wenig Freude auf und versucht seine Argumente, aufgrund seiner Vorwendungen, anonym über die Medien zu diskreditieren.
    Bestes Beispiel die Stuttgarter Nachrichten („General stößt mit Kritik auf Unverständnis“, online verfügbar.

    Wie war das mit dem Anspruch der Ministerin die Bundeswehr sei eine lernende Organisation, Stärkung der Fehlerkultur, etc?

  • Sehenden Auges   |   05. April 2018 - 17:28

    Zitat aus dem Artikel in den Stuttgarter Nachrichten:

    „Hochrangige Mitarbeiter von Ministerin Ursula von der Leyen, die namentlich nicht genannt werden wollen, sagten unserer Zeitung, sie missbilligten Leidenbergers Darstellung.“

    Der Kern des Problems könnte sein, dass zahlreiche „Hochrangige Mitarbeiter von Ministerin Ursula von der Leyen“ schlicht keine Ahnung haben, weil sie sich zwar mit den sichtbaren Folgen der Probleme im Rüstungsbereich befasst haben, aber eben nicht mit deren Ursachen…

  • Thomas Melber   |   05. April 2018 - 17:46

    Mitarbeiter der Ministerin sind zuvorderst ihr zu Loyalität verpflichtet, nicht unbedingt den Angehörigen der Bw.

  • Holzi   |   05. April 2018 - 18:29

    „Hochrangige Mitarbeiter…, die nicht genannt werden wollten“. Na, das nenne ich mal Haltung! :-( Der Elfenbeinturm hat immer noch keine Ahnung, wie der Laden tatsächlich funktioniert! Souverän geht anders. Gen Leidenberger, den ich und andere im Einsatz als erstklassigen General kennen lernen durften, genießt in den Streikräftem mehr Vertrauen, als alle „Goldfasane“ (so nennt sie der GI) im BMVg zusammen. Aber sollen die „hochrangigen Mitarbeiter doch nur so weiter machen“ :-( Damit gelingt die „Reperatur Vertrauen“ (Bericht WB) ganz bestimmt nicht.

  • aufmerksam   |   05. April 2018 - 19:03

    Memoria | 05. April 2018 – 16:04
    Sehenden Auges | 05. April 2018 – 17:28

    „Hochrangige Mitarbeiter von Ministerin Ursula von der Leyen, die namentlich nicht genannt werden wollen, sagten unserer Zeitung, sie missbilligten Leidenbergers Darstellung.“

    Es gilt: der Elefant ist im Raum.

    Daher wird das so für das BMVg keine erfolgreiche Strategie sein. GL Leidenberger wird – samt Kdo H – darauf eingestellt sein. Er wird nachlegen. Und er findet eine breite Unterstützung.

    Und während im BMVg der Dienstweg bindet und Sicht wie Handeln einschränkt, kann sich GL Leidenberger ziemlich frei bewegen – was in Berlin sehr hilfreich ist.

    Ach ja, bei den beiden Kontrahenten gibt es einen wesentlichen Unterschied: der „Apparat“ will Recht behalten und kämpft ums Prinzip, „Strausberg“ kämpft um die Sache.

    Ich freue mich auf die nächste Runde.

  • Georg   |   05. April 2018 - 19:35

    @ Thomas Melber

    Soldaten und Beamte im Ministerium schwören den gleichen Treueeid als die restlichen Soldaten und Beamte der Bundeswehr.
    In dem Treueeid kommt keine persönliche Loyalität für den jeweiligen Minister vor, sondern das treue Dienen für die Bundesrepublik Deutschland.

  • Memoria   |   05. April 2018 - 19:50

    @aufmerksam:
    Die nächste echte Runde wird wohl die Entlassungsurkunde für GenLt Leidenberger.

    Obwohl das Presseecho sehr umfassend und positiv war.

    Aber mal Abwarten was die neuen Köpfe im BMVg bei den genannten Problemen machen werden. Alles weiter Aussitzen wird wohl medial und politisch immer schwieriger.

    Die Ministerin wollte ja auch dem Parlament und der Öffentlichkeit darlegen, wieviel mehr Geld gebraucht wird.

    Nächste Woche ist Kabinettsklausur. Da wird man aber sicherlich andere Schwerpunkte haben als die „bunte Wehr“.

  • Elahan   |   05. April 2018 - 20:56

    @Thomas Melber

    „Mitarbeiter der Ministerin sind zuvorderst ihr zu Loyalität verpflichtet, nicht unbedingt den Angehörigen der Bw.“

    Na, na stelle ich doch mal die Beamtenfrage“ Wo steht das?

    Auf der Homepage des BMVg steht eher eine etwas verwirrende Aussage für einen Staatsbürger in Uniform:

    „Die Arbeit des Ministeriums ist von dem verfassungsrechtlichen Leitbild des Primats der Politik geprägt. „Gemeinsames Denken und Handeln“ für den gemeinsamen Erfolg bestimmen das Selbstverständnis der Angehörigen des Bundesministeriums der Verteidigung und dienen gleichzeitig als Maßstab.“

    Gemeinsames Denken ist eher untypisch für einen demokratischen Staat aber sagt viel über die momentane Situation und den gewünschten Geist im Ministerium.

    Aber für den gemeinsamen Erfolg gefällt mir schon besser und den Anspruch kann man im GG nachlesen. Da ist Gen Leidenberger ja voll auf Linie ……. wenn es richtig verstanden würde.

  • Memoria   |   05. April 2018 - 21:08

    Die Stuttgarter Nachrichten berichten nochmal ausführlich über das Thema („Das ist dran an den Vorwürfen“, online verfügbar). Sehr ausgewogener Bericht. Die Probleme sind aber eben weiter auf dem Tisch – auch wenn der neue Planungsprozess auch Vorteile hat.

  • Grashüpfer   |   05. April 2018 - 22:18

    Wie schon geschrieben habe, finde ich die klaren Worte auch gut. Nun ist aber Sacharbeit gefragt. Da wird dann immer schnell dicke Backen gemacht. Ich umschreibs mal mit beschaffungsreife Forderungslagen erstellen, abgeleitet aus den operativen Grundlagen. So, und dann fangen wir mal an mit dem Brigadeäquivalent. CIR, SAN, SKB, HEER, Was ist da, was ist im Rohr, wo muss nachgesteuert werden. Eine PowerPoint mit Pfeilen und Zeitlinien ist hübsch, zum Anfang. Jetzt müssen die richtigen Fragen gestellt werden. Valide Stückzahlen abseits der Großsysteme etc etc

  • Memoria   |   05. April 2018 - 22:28

    Auf anderer Ebene scheint es jedoch Bewegung zu geben:
    http://www.deutschlandfunk.de/ruestung-bundesregierung-will-wichtige-auftraege-an.1939.de.html

    Offenbar plant die große Koalition eine Abkehr von der umfassenden Anwendung von europäischen Ausschreibungen insbesondere bei Großprojekten. Damit sollen somit Beschaffungsverfahren zeitlich gestrafft werden.
    Also ganz im Sinne der Forderungen von GenLt Leidenberger, wobei, im gesamten Prozess betrachtet, die europaweite Ausschreibung nicht der besonders große Problemkreis bei den Zeitspannen im Prozess ist.

  • Thomas Melber   |   05. April 2018 - 22:56

    @Georg @Elahan

    Natürlich steht das nicht in der DP Beschreibung. Ich gehe aber davon aus, daß der engere Kreis der / des IBUK in seinem Selbstverständnis es als vorrangige Aufgabe sieht, jener / jenem „den Rücken frei zu halten“.

    So wie es ein Stab dem Kdr ggü. dem unterstellten / nachgeordneten Bereich tut.

  • Ottone   |   06. April 2018 - 1:36

    @Memoria – Rückkehr zu rein nationalen Ausschreibungen: Hurra, dann gibt es endlich wieder überteuerte und schlecht funktionierende Dickschiffe mit 2+ Jahren Verspätung. Ich bin beruhigt, alles zurück auf normal. *scnr*

  • Harry   |   06. April 2018 - 6:54

    Ich denke, dass der Artikel in den Stuttgarter Nachrichten in der Tat einen ausgewogenen Überblick gibt.

    Und mal abgesehen davon, dass es für einige im Schwerpunkt nur darum geht, wer wann in welcher Form öffentlich Kritik an der Ministerin übt (oder eben auch nicht), stelle ich jetzt noch einmal fürs Protokoll die Preisfrage: welcher IBUK (und das ist mein üblicher Beitrag zur Loyalitätsfrage- die Ministerin hat selbstverständlich wie jeder andere Kommandeur Anspruch auf Loyalität) hat sich zuletzt tatsächlich politisch darum bemüht, grundlegende Veränderungen im Beschaffungsprozess vorzunehmen (Verzicht auf europaweite Ausschreibung, Anhebung der 25 Mio-Grenze, Flexibilisierung der Beschaffungsorganisation)? Meines Wissens nach weder KTzG noch TdM, trotz entsprechender Empfehlungen der Weise-Kommission…. sondern ja – vdL! Jetzt kann man ihr natürlich vorwerfen, dass sie es bisher nicht geschafft hat (übrigens ist das m.E. ihr Job und nicht z.B. persönliche Gespräche mit renitenten Generalen führen (dafür hat sie ihre „Unterführer“, angefangen beim GenInsp und den Insp) und dass es ihr auch nicht gelungen ist, die allseits anerkannte Sts‘in zu halten, aber man kann ihr eben nicht vorwerfen, dass sie mit so ekligen Dingen wie Waffensystemen nichts zu tun haben will, sich nicht kümmert und dass ihre Analyse falsch sei.
    Ich drücke ihr jedenfalls sehr die Daumen, dass sie den ganzen medialen Schwung nun nutzen kann, um ein paar maßgebliche Parlamentarier für ihre – und damit unsere (und davon bin ich fest überzeugt!) Ziele einzusetzen.

  • Elahan   |   06. April 2018 - 8:34

    @Thomas Melber

    „So wie es ein Stab dem Kdr ggü. dem unterstellten / nachgeordneten Bereich tut.“

    Wenn das Ministerium so geführt würde wie die Bw gäbe ich ihnen recht.
    Das wird es aber nicht und man erkennt es am Umgang mit den Soldaten.
    Der Kdr hat einen mili Auftrag und wir folgen dem Soldatengesetz und wenn ein Kdr nicht offensichtlich Befehle gibt die nicht zu dienstlichen Zwecken (oder ander Punkte aus SG11) sind bekommt er Gehorsam. Doch ein Befehl muss nach besten Kräften, vollständig, gewissenhaft und unverzüglich ausgeführt werden.
    Also zwingd uns unser Auftrag geradezu, wenn wir erkennen, dass Anweisungen und Befehle unserem Auftrag (siehe GG) zuwider läuft, zum Widerspruch. Gerade das ist Loyalität. Ein guter Kdr erwartet Widerspruch.

    Zudem funktioniert Loyalität nicht nur in eine Richtung. Es ist Aufgabe des mili Führers seine Befehle klar zu formulieren und alles Mögliche an Ressourcen bereitzustellen um die Voraussetzung zu schaffen, dass seine Soldaten den Auftrag erfüllen können. Ist das nicht möglich, muss auch er seinem Vorgesetzten deutlich machen was geht und was nicht.
    Ich bin mir nicht sicher ob die Ministerin dem Kabinett/Bundestag deutlich macht was geht und was nicht.

    Management ist nichts anderes als die Menschen zu motivieren (Iacocca) oder „Management nennt man die Kunst, drei Leute dazu zu bringen, die Arbeit von drei Leuten zu verrichten“ (Faulkner)

    Dabei hat die Bundeswehr eine besondere Art des Managements => Führen mit Auftrag

    Der mili Führer gibt das Ziel, Zeitansatz, Kräfte und Mittel vor und auf dessen Grundlage verfolgt der Geführte das Ziel.

    Also was gibt uns die Ministerin über den GI vor? Gibt uns der GI überhaupt noch was vor und was stellt er uns zur Verfügung? Stehen die oben aufgeführten Grundlagen in annehmbaren Verhältnis? Wenn ja, über was reden wir?

    Gen Leidenberger hat nichts anderes als seine Pflicht getan und wer seinen Empfehlungen nicht folgt wird sich nicht wundern können, dass sich die Situation der Bw jeden Tag weiter verschlechtert, da wir von unserer Substanz leben.

  • T.Wiegold   |   06. April 2018 - 8:35

    Hm, die gestern Abend von @Memoria verlinkte Deutschlandfunk-Meldung bezieht sich auf einen Bericht des Handelsblattes (kein Link wie üblich, steht sowieso hinter Paywall). Da klingt das eher nach Absichtsbekundung, z.B.:

    Bundeswehr-Generäle reagieren jedenfalls erleichtert auf die Ankündigung im Koalitionsvertrag, zur Industriepolitik zurückzukehren. In vertraulichen Runden ist von den Militärs zu hören, dass sie sich eine Beschleunigung im Beschaffungswesen erhoffen, wenn künftig die Experten des Koblenzer Bundeswehr-Beschaffungsamts Baainbw mit den Vertretern der Rüstungsfirmen direkt die Verträge aushandeln und Firmen für größere Aufträge gezielt zusammenbringen.

  • Memoria   |   06. April 2018 - 8:49

    @T.W.:
    Ich sehe darin auch zunächst einmal die Abichtserklärung sehr einflussreicher Haushaltspolitiker – wobei dies mit den Ideen von GenLt Leidenberger nur teilweise etwas zu tun hat. Die Motivation der Haushalts- und Verteidigungspolitiker scheint eher industriepolitisch geprägt zu sein. Somit also ein echter Kurswechsel.

  • Elahan   |   06. April 2018 - 8:50

    @Memoria

    Das sehe ich auch so, die EU Ausschreibung ist nicht das große Problem, eher lanfristig das Gegenteil, in der Zukunft eher national beschaffen bringt uns wieder weg von Interoperabilität und großen Stückzahlen. Was bei Socken/Bürometerial klappt muss bei Funkgeräten/Flugzeugen nicht gut sein.

    Die Probleme liegen wo anders und das ist im Papier gut beschrieben.
    Dazu kommen Abhängigkeiten aus Faktoren wie der Agenda Nutzung, Industriepolitik, SASPF, Wissensmanagement (Informationssicherheit), Haushalt dazu kommt der seltsame Drang modern zu sein (was auch immer man damit meint) und nicht schlagkräftig.

  • Holzi   |   06. April 2018 - 9:32

    @ Harry: bin in Teilen bei Ihnen. Auch wenn einige wenige im BMVg, einige wenige im Parlament, der DBwV und der WB diese notwendigen (auch rechtlichen) Veränderungen im Beschaffungswesen seit zwei Jahren anmahnen, ist gut, dass nun entsprechende Ansätze im Koalitionsvertrag zu lesen sind. Ich erinnere mich aber noch sehr gut an eine Podiumsveranstaltug (Ende 2016) des DBwV in Berlin, während dieser dessen Vorsitzernder die entsprechenden Vorschläge machte und u.a. ein MdEP Namens Gahler, diese Ansätze (z.B. Nutzung 346 EU) mit sehr viel Detailwissen stützte. Im BMVg hieß es damals noch mehrheitlich mit Ausnahme von Frau Suder selbst: diese Ansätze seien hoffnungslos. Dies, trotz eingeforderter „Trendwenden Tempo“ von WB, TLe MilFü oder DBwV. Nun kann man sagen: besser spät als nie, aber selbst wenn man zuletzt Vorträgen des AL Planung aufmerksam folgt, wird man feststellen: es ist fast schon 5 nach 12 (wie es zuletzt auch der scheidende Marine-Kdr feststellte). Daher empfinde ich das Heerespapier gut und zum richtigen Zeitpunkt zur Diskussion gestellt. Mir wäre lediglich lieber, wenn sich die Menschen mehr mit den Inhalten des Papiers, als mit GenLt Leidenberger befassen würden. Übrigens ist das Papier vom InspH gezeichnet und somit ein Papier des Heeres. Nebenbei, exakt dieses Papier hat das Heer m.W. beim letzten Digi-Board der LtgBMVg vorgetragen. Das ist m.E. auch der Grund, weshalb das BMVg nicht „gegen“ das Papier kommuniziert, sondern die Mängel und Probleme als „treffend beschrieben“ kommentiert. Die restliche Einordung von „hochrangigen Mitarbeitern von vdL, die namentlich nicht genannt werden wollen“ habe ich bereits an anderer Stelle kommentiert. Zur Frage: warum haben das nicht KTG oder TdM getan? Naja, sie müssten es besser wissen: es ging schließlich nur um Abbau, Verkleinerung, Einsparen – auch durch Zentralisierung. Niemand dachte auf LtgEbene ansatzweise an eine „Trendwende Beschaffung“ inklusive Aufwuchs.
    Egal, ich drücke auch die Daumen, dass vdL Ihre Ziele erreicht und nicht als Ankündigungsministerin in die Geschichte eingeht. Nicht weil ich sie besonders mag (ist auch egal), sondern weil es für eine einsatzbereite Bundeswehr und damit für Deutschland von enormer Bedeutung ist. Wollen wir hoffen, dass es mit dem neuen Personaltableau gelingt. Letzter Punkt: ich hätte solch einen konstruktiv-kritischen und klugen Geist wie Leidenberger ins Team geholt, leidern wurde diesbezüglich anders beraten. Schönes WE ;-)

  • Harry   |   06. April 2018 - 10:57

    @ Holzi

    Mit fast allem einverstanden – ich habe auch überhaupt keine Kritik an den Inhalten des Heeres-Papier oder an der Person GenLt Leidenberger (im Übrigen vor allem, weil ich von beiden nicht genug weiß, um es im Detail bewerten zu können).

    Mit Blick auf die Ebene der Ltg des BMVg und den politparl. Bereich habe ich aber in der Tat den Eindruck, dass das Beschaffungswesen über lange Zeit ein Eigenleben geführt hat – relativ unbeeindruckt von der jeweiligen Leitung des BMVg.
    Nach allem, was ich weiß, hat sich vor allem das Team „KTzG “ bemüht, möglichst viel „davon“ von ihrem Chef fernzuhalten (warum auch immer), das Team „TdM“ dachte, es kriegt es im Rahmen der Neuausrichtung mit Zusammenführung von Beschaffung und Nutzung und deutlicherer Zuordnung der Verantwortlichkeiten (u.a. zu Lasten der Insp) in den Griff und das Team „UvdL“ hat jetzt unter der vermutlich organisations- und prozesserfahrenen Sts’in die Erkenntnis gewonnen, dass wir intern lustig weiter optimieren könn(t)en, aber bestimmte andere – externe – Rahmenbedingungen (zumindest auch) zum Show-Stopper werden. Und dann hat man sich von der Erkenntnis, diese zu ändern sei „polit-parl. chancenlos“ nunmehr weiterentwickelt und geht es jetzt an.
    Dann drücken wir doch gemeinsam die Daumen! Ebenso schönes WE!

  • 0815   |   06. April 2018 - 16:39

    @Georg | 05. April 2018 – 11:32
    -1. sind militärische GPS-Empfänger mit Richtantennen (beam forming) störresistenter als zivile ungeschützte GPS-Empfänger und-

    Sorry, aber dies mag vielleicht bei GPS Systemen in mil. Lfz zutreffend sein. Bei Geräten „Handheld“ der Generation PLGR 95 und DAGR trifft dies m.W.n. nicht zu! Gem. Aussagen NOR, SWE und FIN Kameraden (pers Nachfrage)waren im betroffenen Zeitraum nicht nur die Finmark,Nordnorwegen allein betroffen sondern auch teile in Gotland / Gotska Sandön /Turku, die auf ähnliche mil. Systeme wie PLGR /DAGR am Boden zurückgreifen.Die dort verbauten Planaren Antennen wären schlicht nutzlos.
    Immerhin wurde dort (SWE) die zivile Bevölkerung vor Beinträchtigung der zivilen Navigationssysteme über UKW-Radio gewarnt.

    Nebenbei: Hierzulande wird groteskerweise die UKW Abschaltung nächsten Mittwoch in den Medien angedeutet. Das letzte Mittel um die Zivilbevölkerung zu warnen. Auch hier wird nicht zu ende gedacht.

    [Ehe sich das festsetzt: Nein, hierzulande wird nicht die UKW-Abschaltung angedeutet – es geht um bestimmte Sender, die offensichtlich bislang keine Verträge über die weitere Ausstrahlung mit den technischen Dienstleistern getroffen haben; andere Sender sind nicht betroffen. Eine UKW-Abschaltung, wie sie in anderen Ländern geplant bzw. vollzogen ist, steht in D bislang nicht an. Davon ganz abgesehen: Der Sündenfall war eher die flächendeckende Abschaltung von Lang- und Mittelwelle. Und jetzt netterweise diesen OT nicht weiter verfolgen. T.W.]

  • Memoria   |   06. April 2018 - 21:32

    @Harry und Holzi:
    Es ist zweifellos ein Verdienst der Ministerin die berühmten Trendwenden politisch durchzusetzen und die Umsetzung einzuleiten. Jedoch bedarf es ja einer nachhaltigen Hinterlegung im Haushalt. Sogar die Ministerin sagt ja mittlerweile, dass die bisherige Finanzplanung nicht ausreicht und möchte die etwaigen Konsequenzen auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.

    Nächste Woche ist der NATO-Generalsekretär bei der Kabinettsklausur zu Gast und in 4 Wochen soll der neue Haushalt und der neue Finanzplan vom Kabinett beschlossen werden.

    Der nächste Schritt ist dann die Frage wieviel Geld man für was und wie (in aktuellen oder anderen Strukturen und Verfahren) dies durch das BMVg ausgeben wird.

    Ich sehe hier ebenfalls an verschiedenen Stellen eine Dynamik, die unter den letzten Jahren gegeben war.

    Mal sehen wieviel „Angriffsschwung“ sich hier in den nächsten Wochen und Monaten in der Exekutive und der Legislative entwickelt. Spätestens im Sommer 2018 sollte es da mehr Klarheit geben durch den HH 2018, den Regierungsentwurfs zum HH 2019 und dem neuen FinPlan, sowie die verschiedenen Ideen zur Neuordnung des Rüstungswesens.

    Der Wehrbeauftragte sprach ja ebenfalls bereits von der Notwendigkeit von „mehr Tempo“.

  • Memoria   |   08. April 2018 - 11:55

    Der Wehrbeauftragte fordert heute erneut mehr Tempo in der Presse und weist dabei insbesondere auf die Bekleidung hin (Wehrbeauftragter fordert mehr Tempo bei Ausstattung, online verfügbar).

    Mal sehen, ob der Ministerin derlei bei der Kabinettsklausur und der Haushaltsaufstellung hilft.

    Denn mehr Tempo erfordert schnellere Beschaffungsverfahren von der Bekleidung bis zur Digitalisierung der Landstreitkräfe, aber eben auch mehr Geld.

  • Memoria   |   10. April 2018 - 9:24

    Bei der Kommandoübergabe des TrspHschrRgt 10 sagte der scheidende Kommandeur nach einem Bericht der Celler Zeitung (Kritische Töne beim Abschied von „Heidefliegern“ in Faßberg, online verfügbar):
    „Es knirscht nicht erst seit gestern an allen Ecken und Enden im Regiment. Mensch und Material sind erschöpft.“

    Die Erkenntnis ist ja nicht, jedoch die klare und öffentliche Beschreibung der Lage ist erneut bemerkenswert.

    Nur was folgt hieraus an anderer Stelle?

  • Memoria   |   11. April 2018 - 0:37

    Sehr lesenswerte Einsichten eines langjährigen Konzeptionärs der U.S. Army:

    „The object of future gazing is not only to predict what organizations, doctrine, and technologies are the right ones, but also to estimate when these three primal warfighting variables will be mature enough to be applied to create combat units. (…) We simply misjudged the rate at which essential technologies would mature. (…) In a word, the organizational and materiel manifestations of Army After Next — what would eventually become the Future Combat Systems in 2003 were not ready at the time we attempted to turn ideas and concepts into operational units.“

    https://warontherocks.com/2018/04/forecasting-the-future-of-warfare/

    Der gesamte Aufsatz ist – wie gesagt – sehr lesenswert. Falls es hier überhaupt noch jemand liest.

  • Elahan   |   11. April 2018 - 8:49

    @Memoria

    Danke für den Link.

    „To be sure, we must guard against being surprised by leap-ahead technologies in the hands of an enemy. But recent battlefield experience suggests that we have been surprised and bested on the battlefield, not by new weapons, but by enemies who have employed simple technologies creatively.“

    Was haben unsere potentiellen Gegner, in Qualität und Masse, 2025 verfügbar?

  • Memoria   |   12. April 2018 - 6:58

    @Elahan:
    „Was haben unsere potentiellen Gegner, in Qualität und Masse, 2025 verfügbar?“

    Der Blick nach Syrien, Irak und die Ukraine zeigt, dass es 2025 sicherlich nicht nur einfache Technik sein wird.

    In Qualität und Quantität werden die Fähigkeiten auch noch weiter verbessert werden.

    Und wir arbeiten weiter in unseren bisherigen Beschaffungsverfahren. Mit den von GenLt Leidenberger dargestellten Folgen.

    Jedoch ist politisch, medial, aber auch hier die Aufmerksamkeit in der schnelllebigen Medienwelt ja bereits schon wieder mehrfach zu anderen „Aufregerthemen“ weiterhewandert.

    So manifestiert und verfestigt sich die kollektive Strategielosigkeit.

    Andere potentielle Gegner auf der Welt arbeiten da offenbar deutlich ernsthafter:
    https://www.nbcnews.com/news/military/russia-has-figured-out-how-jam-u-s-drones-syria-n863931

    Das ist eben auch ein Teil der Digitalisierung von Landstreitkräften (siehe Luna NG).

  • Elahan   |   12. April 2018 - 8:57

    @Memoria

    Da bin ich mir bzgl Qualität und Quantität nicht sicher. Sie haben eher viel altes und bewährtes Material in Kombination mit Hightech wo es leistbar ist und einen Mehrwert hat.
    Wir wollen nur Hightech und haben am Ende fast nichts verfügbar und es wird noch schlimmer.

    Verfügbarkeit ist die Pflicht, modern und schick die Kür.

  • Georg   |   12. April 2018 - 10:24

    @ Memoria

    Wenn man feststellt, dass man durch einen GPS-Störer gezielt behindert wird seinen eigenen Auftrag auszuführen und damit sein eigenens Flugzeug, seine Drohne gefährdet, dann muss man diese gezielte Störung, diesen Jammer als „hostile act“ einstufen, genauso wie das Aufschalten eines Zielverfolgungsradars einen „hostile act“ darstellt.

    Also wenn ein Zielverfolgungsradar auf ein Flugzeug aufgeschaltet wird, darf die Radarstellung gezielt bekämpft werden, analog dazu wer immer den GPS-Empfang stört oder verfälscht („Spoofing“) darf gezielt bekämpft werden, d.h. der Störsender und die dazugehörige Kommandostation darf mit Waffengewalt bekämpft werden.

    Dazu äußerste sich auch der Verfasser des oben zitierten Artikels in ähnlicher Weise:
    „Dr. Humphreys says that though the attacks occur in cyberspace, the results are still serious.“They are a little less hostile looking than a kinetic bullet but sometimes the effect can be just as damaging,“ he said. „It’s like shooting at them with radio waves instead of bullets.“

    Der zweite Punkt ist natürlich, dass die GPS-Empfänger störresistenter werden müssen. Dies ist schwierig, aber technisch machbar. In dem verlinkten Bericht wird der Effekt des Störers folgendermaßen beschrieben:

    „He said the jammers were initially detected as faint signals from space, bouncing off the earth’s surface. The jammers „had a pretty significant impact“ on the United Nations surveillance drones that were attempting to monitor the area, grounding the fleet for days and halting intelligence gathering from the air.

    Dazu muss man wissen, dass die UN-Drohnen von eher einfacher Bauart waren und es in der Radiowelt schon jeher das Problem gewesen ist schwache störende Signale auf der gleichen Empfangsfrequenz von dem gewünschten stärkeren Signal zu unterscheiden. Nur sind die normalen GPS-Empfänger alle nicht darauf ausgelegt, das auf der Empfangsfrequenz ein störendes Signal vorhanden sein könnte.

    Im Prinzip ist dies der alte Wettstreit zwischen Kommunikation und Störmaßnahmen dagegen (Eloka).

  • Elahan   |   12. April 2018 - 10:36

    @Georg

    „Also wenn ein Zielverfolgungsradar auf ein Flugzeug aufgeschaltet wird, darf die Radarstellung gezielt bekämpft werden, analog dazu wer immer den GPS-Empfang stört oder verfälscht („Spoofing“) darf gezielt bekämpft werden, d.h. der Störsender und die dazugehörige Kommandostation darf mit Waffengewalt bekämpft werden.“

    Theorie trifft Realität. Wenn die BRD RPAS zur SIGINT/ISR Aufklärung einsetzen würde und RUS stört, dann bekämpft die Bw das RUS Ziel?

    M.E. maximal im V-Fall

  • Georg   |   12. April 2018 - 10:47

    @ Elahan

    Mein Beitrag bezog sich nicht auf SigInt mit Pegasus oder sonstwie, sondern auf den von @ Memoria verlinkten Artikel, wo US-Drohnen im Kriegsgebiet von Syrien gezielt gestört wurden. Da kann man dann schon robuster reagieren.

    Dabei reden wir bis jetzt immer noch von Störungen von unbewaffneten Aufklklärungsdrohnen, sollten die bewaffneten Predator oder Reaper gestört werden, dann gilt die Aussage von US-Militärs:

    „The Defense Department will not say whether the jamming is causing drones to crash, citing operational security. „The U.S. military maintains sufficient countermeasures and protections to ensure the safety of our manned and unmanned aircraft, our forces and the missions they support,“ said Pentagon spokesman Eric Pahon.“

  • Memoria   |   12. April 2018 - 12:07

    @Georg u. Elahan:
    Natürlich das im Grundsatz wie die „EloKa“.

    Nur muss eben die Gesamtorganisation (!) Bundeswehr diesen Paradigmenwechsel im Kriegsbild hin zu einem „neer-peer“ verinnerlichen und umsetzen. Dazu gehört Konzeption (nicht nur auf der Ebene KdB), Struktur, Ausbildung, Ausrüstung (einschl. Verfahren). Genau das ist ja der Grundgedanke der Thesenpapiere des Heeres.

    Das ist in er Großorganisation – und dazu noch in Streitkräften und deren Verwaltungsapparat immer schwierig, wie die Geschichte gezeigt mehrfach gezeigt hat.

    Man sollte dabei auch nicht nur auf ein LV/ BV-Szenar in Osteuropa schauen, sondern auch bei einem Stabilisierungseinsatz (z.B. in Syrien). Dort werden proxies abgestuft ähnliche Fähigkeiten haben um die Schwachstellen westlicher Streitkräte auszunutzen.
    Die Lernkurve der möglichen Gegenseiten scheint nicht da deutlich besser zu sein. Dafür braucht man auch keine Verbesserung in der Breite; sondern in den richtigen Lücken.
    Das zeigte auch die Geschichte (siehe Spanien 1936-39 und die Folgejahre).

    In Deutschland ist die Dimension des Handlungsbedarfes – auch in Fachkreisen – noch gar nicht richtig erkannt.

    Daher ist es so positiv zu bewerten, dass GenLt Leidenberger hier als Mahner und (einsamer?) Rufer (mit „seinem“ Stab im KdO H) unermüdlich auftritt.

  • Heiko Kamann   |   12. April 2018 - 14:02

    @ Memoria, Georg u. Elahan:
    Gehen Sie soch bitte einmal zu ihren zuständigen Kryptoverwalter, oder schreiben Sie die NDA-Germany an, um etwas über die AKAT A1105 und ihre Einsatzrelevants zu erfahren. GPS ist dann in einem anderen Licht zu betrachten.
    Beste Grüße

  • Elahan   |   12. April 2018 - 15:07

    @Georg

    Es war mir bewußt, dass sich Ihr Beitrag auf den von @ Memoria verlinkten Artikel bezog, nur die Diskussion hier geht ja um den Artikel des Gen Leidenberger und die Bundeswehr in Kontext Digitalisierung und Beschaffung und nicht um US-Drohnen.

    „Dabei reden wir bis jetzt immer noch von Störungen von unbewaffneten Aufklklärungsdrohnen“

    Ja, denn wir haben keine anderen und selbst wenn wären es nur ISR Drohnen mit der Möglichkeit zur Bewaffnung und Einsatz zum Schutz eigener Kräfte.

    Die Aussage von US-Militärs, gilt grundsätzlich nicht für Militärs der Bw. Mit Sicherheit wird die Aussage von unserem -Spokesman- eine andere sein ;-)

    Fakt ist, wir müssen uns ums Grundsortiment kümmern, Luxusartikel brauchen wir auch und sollten nicht vergessen werden. Der Rest steht in den Papieren des Heeres.