Reality-TV aus dem Mali-Einsatz: „Willkommen auf dem Mars, hier ist’s schön“ (m. Nachtrag)

4, 5 Millionen Euro hat die Bundeswehr dafür ausgegeben, ihre neue Reality-Video-Serie über den Mali-Einsatz flächendeckend zu bewerben (mehr als das doppelte der Produktionskosten der Videos). Und den Hinweisen auf den Einblick in den Auslandseinsatz in Westafrika ist ja praktisch nicht zu entkommen, siehe obiges Beispiel aus dem Kölner Hauptbahnhof. Auf Facebook sowieso nicht, und der Chat-Bot findet sich auch auf der Kölner Anzeigetafel wieder:

Und seit dem (heutigen) Montag sind auch die ersten beiden Folgen auf Youtube eingestellt.

Teil eins mit der Abreise aus Deutschland

und Teil zwei mit der Ankunft in Gao.

Neben den erwartbaren lockeren Sprüchen (Es ist alles nicht so schlimm, wie man es hört. Es ist schlimmer oder Willkommen auf dem Mars, hier ist’s schön) geht’s erstmal um die Hitze oder die Lebensbedingungen für das deutsche Kontingent. Und noch lange nicht um den Auftrag in Mali, um die Bedrohung (auch wenn man die schon ahnt, wenn – im Video nicht näher erläutert – der MuCon Pers vorfährt), um so millitärische Dinge wie das Schießen.

Und das militärische, also: Was machen die deutschen Soldaten dort? wird ja das Spannende. Warten wir also mal ab, wie das in den nächsten Folgen aussieht. Allerdings: Während die erste Folge schon am Veröffentlichungstag mehr als 100.000 Klicks verzeichnete, dümpelte das bereits am vorangegangenen Wochenende eingestellte Erklärvideo Warum ist die Bundeswehr in Malinoch immer unter der 100.000-er Marke.

Ach ja, und dass es was mit den Vereinten Nationen zu tun hat, dass die Bundeswehr in Westafrika ist, das kam auch noch nicht so rüber. Aber auch das warten wir ab.

Nachtrag: Vom Mali-Chatbot auf Facebook bekomme ich gerade die Nachricht

Das finde ich recht interessant. Im Afghanistan-Einsatz war/ist durchaus Alkohol – in begrenzter Menge, Stichwort Zwei-Dosen-Regelung – erlaubt. War da nicht die Gewährleistung ständiger Einsatzbereitschaft erforderlich – und was ist mit dem Respekt vor der einheimischen Kultur, die in Afghanistan ebenso wie in Mali vom Islam geprägt ist und wo ein Alkoholverbot gilt? Man lernt schon ne Menge aus der Serie.

Was die Bundeswehr von der Serie erwartet (und wie sich aus deren Sicht die vorangegangene Serie Die Rekruten ausgewirkt hat), hatte bereits am vergangenen Freitag Oberst Holger Neumann, der neue stellvertretende Sprecher des Verteidigungsministeriums, vor der Bundespressekonferenz erläutert:

FRAGE: An das Verteidigungsministerium: Am Montag startet die neue Doku-Realityserie sozusagen die Nachfolgestaffel von „Die Rekruten“ über Mali. Sie schreiben in Ihrer Pressemeldung, es hätten sich aufgrund von „Die Rekruten“ 20 Prozent mehr Bewerber bei Ihnen gemeldet. Liegt das wirklich an dieser Serie, wie sicher sind Sie sich da? Gibt es Umfragen, die besagen: „Genau deswegen sind wir jetzt bei euch“?

Es gab ja schon damals Kritik an der Aufmachung, weil die Bundeswehr so ein bisschen als Abenteuerspielplatz dargestellt wurde; da standen Vorwürfe im Raum, man würde das verharmlosen. Jetzt geht es nicht mehr um das Leben in der Kaserne hier, sondern im durchaus gefährlichen Einsatz in Mali. Was halten Sie von der Kritik, dass vielleicht die ganze Machart, der Tonfall, die Ästhetik dem Ernst der Lage nicht angemessen ist?

NEUMANN: Zunächst einmal zu den Bewerberzahlen, die Sie ansprachen. Im Sendezeitraum der Serie „Die Rekruten“ gab es 40 Prozent mehr Zugriffe auf die Karriere-Website, 25 mehr Anrufe bei der Karriere-Hotline und ca. 21 Prozent mehr Bewerbungen bei Mannschaften und Unteroffizieren. Die deutlich erhöhten Bewerberzahlen wurden im Verlauf der Serie beobachtet. Da es keine anderen für uns ersichtlichen Einflussfaktoren gab, führen wir diese auf die „Die Rekruten“ zurück.

Zur Gesamtthematik: Sie hatten ja schon ausgeführt, dass wir, was unsere Bewertung angeht, einen sehr großen Erfolg mit der Serie „Die Rekruten“ hatten. Nächste Woche, am 16. Oktober, startet in der Tat eine neue Social-Media-Serie mit dem Titel „Mali“. Diese beinhaltet über acht Monate die Begleitung von acht Soldatinnen und Soldaten aus unterschiedlichen Verwendungen in das Camp Castor nach Mali. Wir haben vor, mit der Serie „Mali“ den Alltag unserer Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz MINUSMA aus ihrer eigenen Perspektive darzustellen und wollen so ein möglichst realistisches und authentisches Bild von einem Einsatz der Bundeswehr zeigen.

Hierzu gehört das vielleicht zu dem Punkt Kritik, dass „Die Rekruten“ nur etwas über die Grundausbildung darstellen jetzt eben der Einsatz und auch, dass wir uns mit kritischen und ernsten Themen wie Verwundung und Tod auseinandersetzen. Auch das ist Teil des Soldatenberufs, wie Sie wissen. So wird beispielsweise der tragische Absturz des „Tiger“ mit der nötigen Sensibilität thematisiert.

ZUSATZFRAGE: Wir haben die Serie ja noch nicht gesehen. Können Sie uns sagen, inwieweit dieser tödliche Absturz Eingang in die Serie finden wird?

NEUMANN: Ich kann Sie nur vertrösten und auffordern, diese Serie zu verfolgen. Das wird in einer Folge sein, die natürlich nicht am Anfang, sondern gegen Ende der Serie läuft.

FRAGE JUNG: Herr Neumann, mehrere Nachfragen. Mehr Bewerbungen sind ja schön und gut. Wie viele Einstellungen mehr gab es denn seitens der Bundeswehr? Nicht jeder, der sich bewirbt, wird ja rekrutiert.

NEUMANN: Das müsste ich nachreichen. Zunächst einmal ging es darum, die Bundeswehr als attraktiver Arbeitgeber darzustellen. Wir versuchen, wie gesagt, durch die Serie „Die Rekruten“ den Anfang darzustellen, wenn die Soldaten zur Bundeswehr kommen, aber auch den Einsatz durch die Serie, die in Mali spielt.

ZUSATZFRAGE JUNG: Was wird die Produktion der Serie kosten? Mich würde interessieren, was die Werbung dafür kosten soll, die jetzt schon überall herumhängt.

Die Frage des Kollegen haben Sie auch nicht beantwortet. Es gibt ja wirklich massive Kritik, dass das Militärpropaganda ist. Was sagen Sie dazu?

NEUMANN: Noch einmal: Wir wollen in die deutschen Wohnzimmer einen Eindruck davon vermitteln, wie Soldatinnen und Soldaten aus ihrer persönlichen Sicht ihren Auslandseinsatz erleben.

Zu den Kosten, die Sie ansprachen: Es sind insgesamt 6,5 Millionen Euro. Zwei Millionen Euro davon beträgt die Produktion der Serie und rund 4,5 Millionen Euro das Kampagnenmaterial, also die Medialeistungsbewerbung der YouTube-Serie.

35 Kommentare zu „Reality-TV aus dem Mali-Einsatz: „Willkommen auf dem Mars, hier ist’s schön“ (m. Nachtrag)“

  • Alex   |   16. Oktober 2017 - 19:19

    Erklärvideo: „Zwischen Europa und Mali liegen das Mittelmeer und zwei Länder.“ – Leider falsch!

    [Weil? Die Argumentation ist ja nicht „zwischen Europa und Mali“, sondern „zwischen Deutschland und Mali“, und da zählen die Frankreich – Mittelmeer – Algerien. Oder? T.W.]

  • Alex   |   16. Oktober 2017 - 20:00

    Da steht ganz klar „Europa“. Es spielt keine Rolle, welche Argumentation durch die Marker impliziert werden soll. Europa ist ein (Teil-)Kontinent. Deutschland ist ein Teil Europas. Europa ist nicht Deutschland. Die EU ist nicht Europa.

  • politisch inkorrekt   |   16. Oktober 2017 - 20:24

    @TW

    1. Im OP NORTH war dauerhaft Alkoholverbot.
    2. Auch Afghanen trinken Alkohol-sogar im OP 🤗
    3. Wie immer ist jede Begründung beliebig und läuft oftmals einfach unter isso.

    Pi

  • Wildschwein   |   16. Oktober 2017 - 20:31

    Ich war vor wenigen Wochen in einem Karriereberatungscenter der Bundeswehr und habe im Gesrpäch nebenläufig gefragt, ob denn die mediale Präsenz (z.B. Youtube, Instagram) Auswirkungen zeigt. Der Beamte konnte mir die Frage nicht beantworten.

    Ich glaube die Bundeswehr weiß selber nicht, ob das etwas bringt. Als ich dort war, musste ich einen Schein ausfüllen mit Namen, Anschrift etc. Dort konnte man ankreuzen woher man die Bundeswehr den kennt. „Youtube“ war zumindest auswählbar.

  • Marcel   |   16. Oktober 2017 - 21:38

    Um zumindest diesen Teil etwas zu erhellen: Noch ist das Camp unter niederländischer Führung. Und die haben das absolute Alkoholverbot für das ganze Camp festgelegt.

  • T.Wiegold   |   16. Oktober 2017 - 22:01

    Ah, danke. Komisch, dass das bei der Bundeswehr-Werbung völlig untergeht… (Mal sehen, ob die Niederländer in den Videos überhaupt auftauchen.)

  • Fritz   |   16. Oktober 2017 - 22:06

    Das Alkoholverbot im Camp Castor liegt grundlegend am holländischen Alkoholverbot in Einsätzen, dem man sich zum einen als Gast im Lager angeschlossen hat und zum anderen, da man außer einem kleinen MarkeTenderLaden über keine eigene Betreuungseinrichtung verfügte. Ob diese Praxis auch mit Übernahme des Camps und eigener Betreuungseinrichtung dauerhaft aufrecht erhalten wird ist nicht bekannt. Aus Reihen der Soldaten und Vorgesetzten vor Ort ist der Verzicht absolut positiv bewertet und die Fortführung befürwortet worden.

  • Koffer   |   16. Oktober 2017 - 23:04

    @Marcel | 16. Oktober 2017 – 21:38
    „Um zumindest diesen Teil etwas zu erhellen: Noch ist das Camp unter niederländischer Führung. Und die haben das absolute Alkoholverbot für das ganze Camp festgelegt.“

    +1

  • Fussgaenger   |   17. Oktober 2017 - 8:26

    Ich bin mal gespannt, ob die Serie wirklich so viel Interesse bekommt wie „Die Rekruten“. Nach Sichtung der ersten beiden Folgen muss ich sagen, dass die filmische Aufbereitung etwas „braver“ ist als „Die Rekruten“ – insgesamt längere Beiträge, weniger Effekte, weniger Blödeleien und Scherzchen…
    Könnte sein, dass die Zielgruppe sich dadurch weniger „unterhalten“ fühlt als bei der ersten Serie. Muss man halt sehen, ob man wirklich nur die Hardcore-Interessierten wünscht oder dann doch lieber die breite, werberelevante Masse.
    Wird wohl am Ende auch ne Frage des Stils bei der Aufbereitung und Präsentation sein.

  • GLADIUS   |   17. Oktober 2017 - 8:58

    hmm, habe bis eben mit mir gerungen, dann aber doch beide Folgen geschaut…
    Das Format „Die Rekruten“ hat mich traumatisiert zurückgelassen, war also echt nicht in meinem Sinne, daher kann ich mich nicht als unvoreingenommen einstufen.

    Positive Eindrücke:
    – Clip-artige Struktur macht es kurzweilig
    – „Darsteller“ wirken authentisch, da sie authentisch sind
    – bisher noch keine Quoten-irgendwas-Personen, sondern schlicht & ergreifend Soldaten
    – es menschelt auf angenehme Art und Weise

    Negativ aufgefallen:
    – teilweise langes verweilen bei Belanglosigkeiten (Grill, Toilette, Bus)
    – Niveau/Anspruch relativ flach angesetzt (damit genau richtig???)
    – supercheckeroberlarrychilloutgangsta-Verhalten um die Kamera herum, hoffe da auf Steigerung in der professionellen Arbeit (damit meine ich nicht Anzug/Hosengummis)
    – Kaum begleitende Vermittlung durch informative Texttafeln, die durchaus eingeblendet werden könnten, z. B. als Vordergrund-Bild über einer Hintergrund-Karte

    Mein Zwischenfazit: Hohes Potential für Klientelbindung durch echte Charaktere. Dieser Vorteil muss aber auch ausgenutzt werden, um eine Botschaft zu vermitteln. Bisher ganz viel A(nsprechen), wenig B(eurteilen) und noch kein F(olgern)…

    Insgesamt bleibt also am Ende mal wieder die Frage aller Fragen übrig: Was möchte uns der Autor damit sagen?

    Doch ist diese Frage ja nicht neu und bleibt auch in allen anderen Bereichen unbeantwortet, von da her ist der Zeitgeist unserer Ministerin ja getroffen:
    Ohne Ziel stimmt jede Richtung, bloß nichts festlegen, einfach irgendwas machen,
    passt dann schon…

    Schade, fängt locker und gut an, aber ich befürchte, viel mehr kommt nicht. Lasse mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen!

    PS: Abkürzungen übersetzen und Waffen zeigen ist durchaus legitim. Ist ja kein Sparkassen-Image-Spot und keine Angst, der Zuschauer wird es aushalten.

  • klabautermann   |   17. Oktober 2017 - 9:30

    Na, hoffentlich bekommt der Hausherr von den „4,5 Millionen Euro………Medialeistungsbewerbung “ auch ein paar Cents ab ;-)

    Bis auf diese wiederholten „keine Ahnung was auf mich zukommt“ Sätze finde ich die Dramaturgie der ersten beiden Folgen eigentlich recht gelungen: cool, calm and collected.
    So weit ich es beurteilen kann wird weder über- noch untertrieben. Wirkt auf mich sehr authentisch. Beeindruckend fand ich das geschützte Shuttle vom Flughafen Gao ins Camp.
    Zum Thema Alkohol würde ich meinen, dass in diesem klimatischen und operativen Umfeld schon eine Dose Bier eine Dose zu viel sein kann.

    [Ehe jemand auf falsche Gedanken kommt: Nein, keinen Cent. T.W.]

  • JonasR   |   17. Oktober 2017 - 9:37

    @T.Wiegold: der CSM der NLD Ustg-Kp hat im August ein ähnliches Videoprojekt für die NLD Teile in Castor begonnen. Vielleicht findet sich das alsbald online? Wäre hier zum Vergleich sicherlich spannend.

    [Wenn Sie einen Link haben, gerne. T.W.]

  • Cynic2   |   17. Oktober 2017 - 14:01

    @GLADIUS

    Qouten-Personal ist diesmal schwieriger einzubauen, weil es halt doch ein echter Einsatz und nicht ungefährlich ist. Zum Glück wird hier aktive Truppe mit der Kamera begleitet und nicht eine Gruppe gecastet und dann in den Einsatz geschickt.

  • QuiGon   |   17. Oktober 2017 - 14:55

    @JonasR
    Das wäre nicht das erste mal bei den Niederländern:
    http://augengeradeaus.net/2015/05/niederlaender-in-mali-das-tagebuch-unserer-helden/

  • Stefan   |   17. Oktober 2017 - 22:30

    Mich würde in dem Zusammenhang ja mal interessieren wie man auf 2 Millonen Euro Produktionskosten kommt. Wenn ich sehe das die sich oftmal selber am langen Arm filmen kann das nicht am riesen Filmteam liegen.
    Und nebenbei bemerkt sind Abschnitte teils völlig durcheinander zusammengeschnitten.
    Aber mit der Zielgruppe kann man es ja machen. Die waren ja noch nicht dort.

  • WiederInteressiert   |   17. Oktober 2017 - 22:48

    Wildschwein | 16. Oktober 2017 – 20:31
    Ich war vor wenigen Wochen in einem Karriereberatungscenter der Bundeswehr und habe im Gesrpäch nebenläufig gefragt, ob denn die mediale Präsenz (z.B. Youtube, Instagram) Auswirkungen zeigt. Der Beamte konnte mir die Frage nicht beantworten.

    Ich fragte so ähnlich und bekam als Antwort das man im Jahr mittlerweile 100k Bewerber hat, aber nur 24k einstellt und somit mittlerweile „auswählen“ kann. Was auch immer das bedeutet…
    Gesagt wurde allerdings auch das der größte Teil die Uffz bzw. Offz Laufbahn anstrebt und dadurch natürlich die Indianer an allen Ecken fehlen.

    Die Serie selber gefällt sehr gut! Schöner wäre natürlich wenn die BW innerhalb Mali’s mit eigenen Transport verlegen würde. ;)
    Böse Überraschungen wird es sicher nicht geben. Rückwirkend wäre solch eine Serie sicher aus der AFG Zeit 09/10 interessant gewesen, aber sicher der Sache nicht dienlich…

    [Hinweis: damit es auch wirklich ein Blockquote wird, bitte die spitzen Klammern < benutzen... T.W.]

  • JanLPunkt   |   18. Oktober 2017 - 7:00

    klabautermann | 17. Oktober 2017 – 9:30

    „Zum Thema Alkohol würde ich meinen, dass in diesem klimatischen und operativen Umfeld schon eine Dose Bier eine Dose zu viel sein kann.“

    Absolute Zustimmung aus eigener Erfahrung. Aber erzählen Sie das mal einem Verantwortlichen bei EUTM MLI.

  • klabautermann   |   18. Oktober 2017 - 11:12

    @JanLPunkt | 18. Oktober 2017 – 7:00

    Tja, wer Soldaten nach Mali schickt – oder 14-Tage Rekruten bei plötzlich auftretender Hitze in einen Eingewöhnungsmarsch – ohne sich mal intensiv mit dem Thema Hitze-/Tropen-/Wüstenakklimatisierung aus arbeitsmeditinischer Sicht zu beschäftigen, der muß dann wohl auf solche Krückenatgumente wie „Respekt vor der einheimischen Kultur“ zurückgreifen, um den eigenen Soldaten das Alkohoverbot plausibel zu machen.
    Ist im höchsten Maße unprofessionell. Mit ein büschen Stöbern im Netz findet man selbst aus der deutschen Kolonialzeit wissenschaftliche Veröffentlichungen, die selbst mäßigen aber regelmäßigen Alkoholgenuß in einer Hitzearbeitsumwelt wie Tropen und Wüste nicht nur als Gesundheitsrisiko sondern als Sicherheitsrisiko einstufen.
    Das gilt eben auch für den „traditionellen“ deutschen Biergenuß – ich persönlich finde dieses Argument „Respekt vor der einheimischen Kultur“ sogar in doppelter Hinsicht scheinheilig, denn es verschweigt einerseits die wahren Gründe für das Alkoholverbot und erzeugt andererseits u.U. solche Reaktionen wie „Nur wegen dieser islamischen Kulurrkiste muß ich auf mein Hopfen&Malz-Betthupferl verzichten“. Ich finde das ist sehr unprofessionell – Teil der Einsatzvorbereitung müßte auch eine arbeitsmedizinische Sensibilisierung der Truppe in Sachen Hitze und Alkohol, Energiedrinks etc sein.

  • 0815   |   18. Oktober 2017 - 12:40

    @klabautermann | 18. Oktober 2017 – 11:12
    Sicherlich kennen Sie doch die Zentrale Dienstvorschrift A-221/6 ?
    (Ausbildung zum Herstellen und Halten der Einsatzbereitschaft für militärisches Personal….)

    „Ich finde das ist sehr unprofessionell – Teil der Einsatzvorbereitung müßte auch eine arbeitsmedizinische Sensibilisierung der Truppe in Sachen Hitze und Alkohol, Energiedrinks etc sein.“

    Entweder wissen sie nicht was Inhalt der ELSA (Einsatzlandspezifische Ausbildung) ist, oder Sie stellen in Frage das deutsche Soldaten professionell und gem. Vorschrift in Einsätze befohlen werden.

    Darin sind solche Dinge nach „gesundem Menschenverstand“ als „Minimum“ Inhalt „befohlen“!

    Wunsch und Realität treiben zu diesem Thema bisweilen Tränen in die Augen! Nein, es erzeugt Schaum vor dem Mund!

    Persönlich betrachtet ist das Alkoholverbot (und ich rede nur von Bier) nur dessen geschuldet, das einige bisweilen die 2 CAN-RULE immer gerne missachtet haben und Vorgesetzte nicht rigoros bei Alkohol“missbrauch“ im Einsatz durchgegriffen haben!

    MfG
    „aus der Schlammzone“

  • Hescorte   |   18. Oktober 2017 - 14:19

    @klabautermann

    Bitte verwechseln Sie nicht die Antwort eines Pressesprechers zur Presse mit der Begründung des Alkoholverbotes für die Truppe. Den (meisten) Soldaten sind die wahren Gründe durchaus geläufig.

    @0815

    +1

  • T.Wiegold   |   18. Oktober 2017 - 14:39

    @Hescorte

    Es war ja nicht die Antwort eines Pressesprechers zur Presse. Sondern eine Aussage der Nachwuchswerbung. Schön, wenn den meisten Soldaten die wahren Gründe durchaus geläufig sind; weniger schön, wenn solche dann offensichtlich falschen Aussagen zur Nachwuchswerbung herangezogen werden…

    (Mal ganz davon abgesehen: Interessante Aussage, dass die Antwort eines Pressesprechers von den „wahren Gründen“ abweicht; sagt ja einiges.)

  • klabautermann   |   18. Oktober 2017 - 14:55

    Oh lieber Himmel, ich habe schon wieder das Sakrileg begangen die Heiligkeit der Dientvorschriften des Heeres anzuzweifeln. Und das einige Soldaten sich mangels Einsicht oder mangels Ausbildung (?) sich nicht an diese Vorschriften halten und einige Vorgesetzte mangels Einsicht oder mangels Ausbildung (?) nicht konssquent durcgegriffen haben ändert nix an der vatikanischen Heiligkeit des Heeresvorschriftenkanons.
    Was ist wenn mangels Einsicht oder mangels Ausbildung sich Vorgesetzte nicht an die Vorschriften halten im Bereich Einsatz-, Regelausbildung und dann Soldaten ins Koma fallen ? Bedauerliche Einzelfehler aber die Vorschriften und deren Handhabung in der Praxis sind makellos ?
    “ Den (meisten) Soldaten sind die wahren Gründe durchaus geläufig…“
    Den meisten, warum nicht allen und btw. warum nicht auch dem Pressesprecher BMVg insbesondere dann, wenn er direkt darauf angesprochen wird ?
    Professionell sind anders aus.

  • Werferfehler   |   18. Oktober 2017 - 17:13

    Ich hätte mal eine Frage zu den Kosten des Auftritts:
    4,5 Millionen Euro incl. Werbung, wenn ich das richtig gesehen habe.
    Wie sah das bei der Vorläuferserie „Die Rekruten“ aus?
    Die war ja sehr erfolgreich, dass eine Produktion in Mali etwas teurer wird verstehe ich ja, ich hätte aber gerne die Zahlen zum Vergleich.
    Irgendjemand?
    Entschuldigt bitte dass ich so auf Zahlen bestehe, aber als Mitarbeiter im Sachgebiet Finanzen einer Kommune interessiert mich das halt,
    Werferfehler

    [In diesem „Augen geradeaus!“ gefunden:

    1,7 Millionen Euro reine Produktionskosten plus 6,2 Millionen Euro begleitende Mediakosten, z.B. für Plakate und weitere Werbung)

    http://augengeradeaus.net/2016/11/jetzt-online-bundeswehr-doku-serie-die-rekruten/

    T.W.]

  • Werferfehler   |   18. Oktober 2017 - 17:39

    @ TW: Danke für die Information, ich habe ja gesucht aber leider nicht gefunden, muss an meiner Suche liegen.
    Dann ist es jetzt also billiger, mal schaun was raus kommt.
    Also, was kann schon schief gehen?
    Was ich bisher in den Videos sah hat sich mit dem gedeckt was ich in Afghanistan oder im Kosovo gesehen habe, also alles wie immer,
    Werferfehler

  • 0815   |   18. Oktober 2017 - 19:40

    @klabautermann | 18. Oktober 2017 – 14:55
    So beruhigen Sie sich doch…kein Grund gleich wieder mit der Keule zu schwingen :-) oder gar ein kardiologisches Problem herbeizuführen.
    Es ist keine Heeresdienstvorschrift ;-), so wurde es auch geschrieben.

    Aber mit ihrer Erfahrung muss ich ihnen nicht erklären wie was in den Einsätzen und im täglichen Dienst unterhalb des „Teppich“ aussieht!

    Natürlich zeigt die neue Videoserie wie komfortabel die Truppe eng zusammengenagelt in ihren Lager lebt. Das Platz nämlich bald aus allen Nähten.

  • Koffer   |   18. Oktober 2017 - 23:18

    @klabautermann | 18. Oktober 2017 – 11:12
    „Tja, wer Soldaten nach Mali schickt – oder 14-Tage Rekruten bei plötzlich auftretender Hitze in einen Eingewöhnungsmarsch“

    Ganz übler und vollkommen unnötiger Tiefschlag!
    :(

  • Hescorte   |   19. Oktober 2017 - 2:23

    @T.W.: Pardon, mein Fehler. Danke für den Hinweis.

    @klabautermann: „Den meisten, warum nicht allen und btw. warum nicht auch dem Pressesprecher BMVg insbesondere dann, wenn er direkt darauf angesprochen wird ?“

    Wie oben vom Hausherren bereits hingewiesen, handelte es sich ja nicht wirklich um einen Pressesprecher, sondern lediglich um die Aussage der Nachwuchswerbung.
    Wünschenswert ist immer „alle“ damit zu erreichen. Aber ob das immer zu hundertprozent gelingt? Das lasse ich mal dahin gestellt …

    Bezüglich dem Platz im Lager. Für wieviel Soldaten/Personal ist das niederländische Lager ursprünglich ausgelegt gewesen, wenn es nun nach Mandatserhöhung aus allen Nähten platzt?

  • klabautermann   |   19. Oktober 2017 - 10:26

    Koffer | 18. Oktober 2017 – 23:18

    Zugegeben – so wirklich „fair“ ist mein Kommentar nicht.
    However, im Zusammenhang mit Nachwuchswerbung im Rahmen dieses BW Reality-TV-Konzeptes ist doch wohl die Fragestellung legitim ob angesichts des Hitzschlagvorfalles (mit Todesfolge sogar !) in der Rekrutenausbildung und mit Blick auf den Tiger-Absturz mit Todesfolge in Mali die BW das Thema „Hitzeeinsatz“ arbeitsmedizinisch und arbeitsschutzmäßig so wirklich „im Griff“ hat. Und dann verwundert es schon, dass Alkohol im Hitze-Einsatz in der serienbegleitenden PR so „abgehandelt“ wird. Wenn die Rekruten-Ausbildungs- und die Einsatz-Reality in Deutschland und Mali im Kontext „Hitze“ das Reality-TV der BW Nachwuchswerbung so offensichtlich konterkarieren, dann erwarte ich in der begleitenden Pressearbeit eben professionellere Antworten als die oben zitierte Antwort eines Chat-Bots (!) – sorry, dass ich Oberst Neumann mit dem Mali-Chat-Bot verwechselt/gleichgestellt habe. War nicht persönlich gemeint ;-)
    Und persönlich bin ich darüber hinaus der Auffassung, dass Afghanistan-Erfahrungen und -LL in Mali eben nur sehr, sehr begrenzt anwendbar sind – das gilt eben nicht nur für „die Bedrohung“ sondern auch für das „Arbeitsklima“ mit Bick auf die „Gefährdungslage“ insgesamt für die Soldaten, also auch für das Unterthema Alkohol im Einsatz.

    @Hescorte | 19. Oktober 2017 – 2:23
    Zustimmung – sorry, war mein Fehler (siehe oben)

  • ThoDan   |   19. Oktober 2017 - 12:34

    @0815  

    Das GMV Argument hat die Probleme
    a) es ist ein umgekehrter Strohmann und eigentlich eine Beleidigung
    b) es hat ziemlich häufig überhaupt nichts mit den Fakten und Tatsachen zu tun oder nur mit einer subjektiven Teilmenge

  • 0815   |   19. Oktober 2017 - 14:29

    @ThoDan | 19. Oktober 2017 – 12:34
    Ich sehe dies anders ….das ist vmtl auch gut so.

    GMV in Verbindung mit den geforderten Mindestinhalten:
    Darin steht nichts das es keine „Add-Ons“ geben soll. Mindeststandard ist das (operationelle) Minimum zur Sicherstellung der geforderten Qualifikation/Befähigung.

    Und Qualifikation bedeutet für mich in diesem Zusammenhang ,“ gute bis sehr gute Ausbildung/Vorbereitung“ und dies setze ich gleich mit „Die beste Fürsorge für den Soldaten im Einsatz ist eine gute Vorbereitung /Ausbildung“!

    Und nun, erklären Sie mir bitte wo in diesem Fall des gesunden Menschenverstands der umgekehrte Strohmann, die Beleidigung oder die subjektive Teilmenge sein soll?
    Auf nichts anderes habe ich mich bezogen. Der Rest bleibt bitte ihre Interpretation.

    Da Sie ja ein ausgewiesener Experte zum Thema Ausrüstung und Hosengummis etc zu sein scheinen, haben sie auch bestimmt schon genügend Entscheidungen zur Vorbereitung einer „Outdoor-Tour“ auf Sachlage und Menschenverstand getätigt.

    -Nicht ganz auf den Punkt des Fadens aber mit Bezug zum Einsatz-

  • ThoDan   |   19. Oktober 2017 - 15:56

    @0815  

    Das GMV Argument unterstellt ob beabsichtigt oder nicht Nichtzustimmenden Personen keinen zu haben oder wird so aufgefasst.
    Q.E.D. oder zu diesem GMV Argument stehen die Fakten in entschiedener Opposition
    Es mag für Person X funktionell sein aber d.h. nicht automatisch auch für Person Y oder ne Menge Personen die nicht X sind zutreffen.

    Ich widerspreche ihnen in Bezug auf fachlich richtige, gute, sorgfältige Ausbildung nicht, ganz im Gegenteil da stimme ich ihnen ausdrücklich zu
    d.h. aber nicht, das eine gute Ausbildung automatisch alle sonstigen Mängel (zumindest ohne Effizienzverluste) ersetzen kann.

    [Mag an mir liegen, aber jetzt komme ich nicht mehr mit… T.W.]

  • Koffer   |   19. Oktober 2017 - 18:02

    @klabautermann | 19. Oktober 2017 – 10:26
    „However, im Zusammenhang mit Nachwuchswerbung im Rahmen dieses BW Reality-TV-Konzeptes ist doch wohl die Fragestellung legitim ob angesichts des Hitzschlagvorfalles (mit Todesfolge sogar !) in der Rekrutenausbildung und mit Blick auf den Tiger-Absturz mit Todesfolge in Mali die BW das Thema „Hitzeeinsatz“ arbeitsmedizinisch und arbeitsschutzmäßig so wirklich „im Griff“ hat.“

    1. Die Kampagne ist eine Maßnahme der Personalwerbung und hat sicherlich nichts mit Abwägungsentscheidungen bei operativen und/oder Ausbildungsfragen zu tuj.
    2. Das einzige was der Todesfall in Munster und der Absturz gemeinsam haben ist, dass es sich um unaufgeklärte Tragödien handelt. Es ist weder sicher, ob es etwas mit Hitze zu tun hat, noch ob überhaupt ein „Fehler“ vorlag, noch ob er sie überhaupt zu verhindern gewesen wären, etc. etc.

    „Und persönlich bin ich darüber hinaus der Auffassung, dass Afghanistan-Erfahrungen und -LL in Mali eben nur sehr, sehr begrenzt anwendbar sind – das gilt eben nicht nur für „die Bedrohung“ sondern auch für das „Arbeitsklima“ mit Bick auf die „Gefährdungslage“ insgesamt für die Soldaten, also auch für das Unterthema Alkohol im Einsatz.“

    Da bin ich mal bei Ihnen! In jedem Einsatz ist eine Einzelfallbewertung hinsichtlich nahezu aller Frage zu treffen.

    Und dazu gehört m.E.n. definitiv auch die Alkoholregelung. Nicht überall ist eine großzügige (2-Dosen-Regelung) zielführend…

  • Alpha November   |   19. Oktober 2017 - 18:06

    Derweil sind ja auch Teil 3 und auch 4 raus und siehe da:
    Die Blauhelm-Situation (UN-Einsatz) ist thematisiert worden, ebenso wie Risiken aus Natur und Ökosystem, sowie Risiken aus einer ‚Vielzahl‘ von Splittergruppen und deren Ausrüstungspool aka Waffenarsenal.

    Gut finde ich, dass man auch zeigt, dass das Ablösekontingent nicht auf gleichem Niveau untergebracht werden kann wie die Abzulösenden. Gut – hält man aus. Man ist ja Soldat. Aber irgendwie nimmt man für die Übergangszeit (mithin ja wohl zwei/drei Wochen) scheinbar ein höheres Risiko für ‚die Neuen‘ in Kauf.

    Toll auch, dass gezeigt wurde, dass die Gepäckkisten es nicht an den Zielort geschafft haben. Wer hätte das gedacht. Klingt irgendwie nach BW, aber immerhin hat man es nicht vertuscht. Das ist ja auch schon was. Der zukünftige Soldat lernt also direkt, dass man eben auch Mängel zu erwarten hat. Man könnte meinen die Logistik wäre mit dem Frontverlauf nicht mehr mit gekommen (sarc), aber naja, mal sehen in welcher Folge sich die Sachen anfinden. Vielleicht wurden die ja auch mit eigenen Mitteln eingeflogen (oder hätten sollen) und sind irgendwo gestrandet.

    Ich finde es angesichts der überschaubaren Größe des Einsatzes allerdings bezeichnend, dass bei einem Kontingentwechsel in Linienbusgröße man es schon nicht mit dem ganzen Gepäck dahin schafft. Einerseits: Kann passieren, aber dann doch irgendwie: Typisch BW.

  • 0815   |   19. Oktober 2017 - 20:51

    @ThoDan | 19. Oktober 2017 – 15:56
    „…gute Ausbildung automatisch alle sonstigen Mängel (zumindest ohne Effizienzverluste) ersetzen kann.“
    Das habe ich ja auch nicht behauptet. Jedoch haben Sie dahingehend recht, das die beste Vorbereitung ohne vernünftiges Material nichts werden mag ;-) (Mit vernünftig meine ich : In ausreichender u. Feldverwendungsfähiger Anzahl)

    „Q.E.D. oder zu diesem GMV Argument stehen die Fakten in entschiedener Opposition
    Es mag für Person X funktionell sein aber d.h. nicht automatisch auch für Person Y oder ne Menge Personen die nicht X sind zutreffen“

    Was ist daran neu? Nichts…wenn ich es nicht schaffe die Leute mit meiner eigenen 3a zu überzeugen, habe ich schlicht versagt!
    Die Landser merken sehr schnell (schneller als den meisten Lieb ist) wo etwas dahinter steckt und wo nur „heisse Luft“ kommt ;-).
    Im Zivilen sieht es nicht anders aus.

    ….und damit bin ich dazu raus!

  • Alpha November   |   27. Oktober 2017 - 14:42

    Es hat nun übrigens bis Folge 8 gedauert, bis das fehlende Gepäck angekommen ist. Der Grund für die Verzögerung wurde allerdings nicht publik.

    Dafür ist in Folge 9 der Treibstoff ausgegangen, da die Logistik offenbar outgesourct ist und nach dem Zufallsprinzip funktioniert…