Tradition in der Bundeswehr: von der Leyen will „Nulllinie“ (m. Audio)

In der aktuellen Debatte über das Traditionsverständnis der Bundeswehr will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in der Truppe eine einheitliche Grundlinie einziehen, auf der das Verständnis vor allem in Bezug auf die Wehrmacht des NS-Regimes neu aufgebaut wird. Die Ministerin verwies am (heutigen) Mittwoch Dienstag beim Parlamentarischen Abend des Reservistenverbandes auf den geltenden Traditionserlass, der schon jetzt festlege, dass ein Unrechtsregime wie das Dritte Reich keine Tradition begründen könne. Jetzt komme es darauf an, auf den Boden der Erlasslage zurückzukehren.

Aus der vom Ministerium vorab veröffentlichten Rede von der Leyens:

Nicht jede Devotionalie auf der Stube ist Ausdruck einer rechtsextremen Gesinnung. Häufig ist Gedankenlosigkeit oder Unwissen im Spiel – oder manchmal auch Vorgesetzte, die Konflikte meiden. Die angeordnete Bestandsaufnahme ist eine Brücke, die wir für alle bauen, um auf den Boden der Erlasslage zurückzukehren. Die Aktion ermöglicht es uns, gemeinsam eine „Nulllinie“ zu ziehen, ab der keinerlei Wehrmachtsdevotionalien ohne jegliche historische Einordnung mehr ausgestellt sein dürften.

Von der Leyen räumte ein, dass es in der Truppe offensichtlich große Handlungsunsicherheit in Bezug auf den Traditionserlass von 1982 gebe. Das habe ebenso mit einer gewissen Unschärfe dieses 35 Jahre alten Erlasses zu tun wie mit Inkonsequenz im Umgang mit unserem Traditionsverständnis. Als Konsequenz müsse deshalb nicht nur der Wehrmachtshelm aus der Stube verbannt werden, sondern ebenso die Benennung von Bundeswehrgebäuden kritisch überprüft werden:

Doch am Tor der Kasernen stehen nach wie vor Namen wie Hans-Joachim Marseille oder Helmut Lent. Beide Namensgeber sind nicht mehr sinnstiftend für die heutige Bundeswehr. Sie gehören zu einer Zeit, die für uns nicht vorbildgebend sein kann.

Damit rückt die Ministerin (was ihr Haus gestern in der Deutlichkeit nicht sagen mochte) von dem bisherigen Ansatz ab, die Entscheidung über die Benennung von Kasernen den örtlichen Einheiten und kommunalen Politikern zu überlassen. Insbesondere die Lent-Kaserne in Rotenburg und die Marseille-Kaserne in Appen in Schleswig-Holstein dürften damit in absehbarer Zeit ihre bisherigen Namen verlieren.

Von der Leyen erneuerte die Ankündigung, dass der Traditionserlass der Bundeswehr bis zur Bundestagswahl – genauer: noch in dieser Legislaturperiode, was ein kleines bisschen mehr Zeit gibt – überarbeitet werde. Es gehe dabei nicht um einen radikalen Bruch mit den bekannten Traditionslinien der Bundeswehr, sondern um eine Modernisierung und bessere Verständlichkeit für unsere Soldatinnen und Soldaten, sagte die Ministerin. Alle Ebenen der Bundeswehr sollten mehr Handlungssicherheit im Umgang mit der deutschen Geschichte bekommen.

Die CDU-Politikerin ging auch ausdrücklich auf die Kontroverse um das Foto des früheren Verteidigungsministers und Bundeskanzlers Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform ein, das in der Hamburger Bundeswehruniversität abgehängt wurde – und auf die in diesem Zusammenhang genannten Bundeswehrgenerale, die zuvor in der Wehrmacht gedient hatten:

Es gibt so viel, auf das wir stolz sein können! Dazu gehören selbstverständlich auch Persönlichkeiten wie General Heusinger und General de Maizière oder mein Vorgänger im Amte, Helmut Schmidt. Sie waren für den Aufbau der Bundeswehr als eine Armee der Demokratie prägend. In kritischer Auseinandersetzung mit ihrer Zeit in der Wehrmacht.
Dadurch sind sie für uns sinnstiftend und damit auch traditionsgebend für die heutige Bundeswehr – aber nicht wegen ihrer Zeit in Wehrmachtsuniform!
Es gibt Bilder von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform, es gibt Bilder von Helmut Schmidt in Bundeswehruniform als Reservist. Und es gibt Bilder von Helmut Schmidt als Verteidigungsminister. Ein solches hängt vor meinem Büro im Ministerium. Und im Übrigen hängen die Bilder der Generalinspekteure de Maizière und Heusinger in Bundeswehruniform auf dem Flur des Generalinspekteurs.

Nachtrag: Die Ministerin hat sich im Wesentlichen und vor allem in den inhaltlichen Aussagen an den Redetext gehalten; hier als Audio zum Nachhören (ich bitte um Verständnis, dass ich den Teil mit der Ehrung der Preisträger der „Partner der Reserve“ hier weglasse):

vdL_Reservistenverband_16mai2017     

 

 

Zur Dokumentation auch zum Nachhören die Rede des Präsidenten des Reservistenverbandes, des CDU-Bundestagsabgeordneten Oswin Veith (ich bitte um Verständnis: ohne die lange protokollarische Begrüßung).  Eine interessante Rede, insbesondere die Passage, in der er die Kritiker der Ministerin angeht: Sie persönlich für alle Vorkommnisse verantwortlich zu machen, sei unehrlich und nicht aufrichtig:

Veith_Reservistenverband_16mai2017     

 

 

(Bei diesem Thema ist es weiterhin erfoderlich, alle Kommentare auf moderiert zu setzen)

(Foto: Wandzeichnung beim Jägerbataillon 291 in Illkirch)

98 Kommentare zu „Tradition in der Bundeswehr: von der Leyen will „Nulllinie“ (m. Audio)“

  • JanLPunkt   |   16. Mai 2017 - 19:01

    „Heutiger Mittwoch“?

    Ich wusste sie können in die Zukunft schauen ;)

    [Pardon. Mein Fehler, ist jetzt korrigiert. T.W.]

  • Hans Schommer   |   16. Mai 2017 - 19:03

    Meine Meinung – nur mal so, als Ehemaliger:
    „Wir“ und „uns“ sind keine Attribute, die sich diese Ministerin beim Sprechen oder Schreiben über die Bundeswehr heute noch anheften kann. Tut sie es doch – und sie tut es – wirkt dies sicher nicht nur auf mich geradezu grotesk.
    Hans Schommer

  • xyz   |   16. Mai 2017 - 19:12

    Vielleicht sollte jemand Frau von der Leyen mal sagen, dass Heusinger mit Hitler am Kartentisch stand als Stauffenbergs Bombe explodierte.

    Ich hoffe schwer, dass die CSU diese Frau zur Räson bringt. Andererseits muss man natürlich sagen, dass ihr das Ablenkungsmanöver mit der Wehrmacht hervorragend gelungen ist. Vom eigentlichen Skandal redet keiner mehr.

  • MikeMolto   |   16. Mai 2017 - 19:14

    SPON kuendigt eine erneute Reform der Bw an…..

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fall-franco-a-von-der-leyen-legt-zeitplan-fuer-bundeswehr-reform-vor-a-1147960.html

    Hoffentlich erholt sich die Bw diesmal von der Reform….

    [Hm, die SpOn-Geschichte ist im Wesentlichen, was hier seit Tagen steht, plus dem aus der Rede, nur dass der Kollege da andere Zitate genommen hat…. Oder haben Sie da ganz neue Infos gefunden? T.W.]

  • Thomas Melber   |   16. Mai 2017 - 19:31

    Zum Glück wird das MG 3 bald ausgesondert … ^^

  • closius   |   16. Mai 2017 - 19:47

    Es war zu erwarten, daß die Ministerin sich nicht an die bisherigen Verfahren zur Kasernenumbenennung halten will, weil der Fall Lent Kaserne zeigt, daß der örtliche Widerstand(auch aus ihrer eigenen Partei) sonst unüberwindlich sein kann.

    Interessant ist, daß der Name Rommel fehlt bisher und jetzt Lent und der Stern von Afrika ins Visier genommen werden. Nur sehe ich ein Problem darin, wenn die Kasernennamen von im Krieg gefallenen Soldaten gestrichen werden sollen, aber Heusinger weiterhin Vorbild sein soll, weil Lent und Marseille hatten keine Möglichkeit mehr, in die BW einzutreten und bei deren Aufbau zu helfen.

    Die Wehrmachtszeit von Heusinger ist umstritten. Er war im OKH für die Partisanenbekämpfung zuständig. Die General Kübler und die General Konrad Kasernen sind umbenannt worden, u.a. weil beide Partisanenbekämpfung an der Front gemacht haben(um nicht missverstanden zu werden, ich halte beide Generale nicht für sehr traditionswürdig für die BW, nach den vielen Vorwürfen gegen beide bei Wikipedia).

    Wenn Heusinger noch traditonswürdig ist, wie und warum sollte Marseille dann umbenannt werden, welcher meines Wissens kein Nazi-Freund war und weiterhin die verbotene Jazz-Musik gehört hat?

  • JPG   |   16. Mai 2017 - 19:50

    „Jetzt komme es darauf an, auf den Boden der Erlasslage zurückzukehren.“
    Recht so! Vermutlich könnte man unken, es komme darauf an, die Erlasslage erstmals einzunehmen.
    Nicht zu vernachlässigen ist die Erörterung, weshalb die Truppe so weit von der Erlasslage entfernt ist. Da gibt es für die Sozialwissenschaft noch viel zu tun!

  • ThoDan   |   16. Mai 2017 - 19:52

    “ In kritischer Auseinandersetzung mit ihrer Zeit in der Wehrmacht.
    Dadurch sind sie für uns sinnstiftend und damit auch traditionsgebend für die heutige Bundeswehr – aber nicht wegen ihrer Zeit in Wehrmachtsuniform!“

    Den Satz verstehe ich nicht, er widerspricht sich.
    Könnte jemand den Ursulasprech bitte übersetzen?

    Ich wüsste jetzt nicht warum man nach Marseille oder Lent Kasernen benennen sollte, gibt es eigentlich eine Scholl Kaserne?

  • Auslandsdiener   |   16. Mai 2017 - 19:53

    Man könnte Ihr gedanklich fast folgen, auf die inhärenten Widersprüche ist genug hingewiesen worden – die Gefallenen hatten einfach keine Gelegenheit, sich in der Demokratie zu engagieren.
    ABER: wenn ich ein Bataillon oder eine Kompanie oder einen Zug so führte wie diese Frau die Bw, würde sie mich persönlich abschießen. Ein Soldat hat eine Patrone geklaut, daraufhin werden alle eines Haltungsschadens bezichtigt, ich lasse alle Stuben durchsuchen, lasse die Unterführer alles beschlagnahmen von dem die Soldaten den Eigentumsnachweis nicht erbringen können (in einem Tag, versteht sich) und sage nachher: dieses Vorgehen war leider notwendig, da jetzt alle eine gemeinsame Basis haben und mein Verständnis teilen, wem was gehört.
    Das positive: Innere Führung heute ist morgen von gestern.

  • Thomas Melber   |   16. Mai 2017 - 19:58

    Was mir bei den Äußerungen der IBUK aufstößt:

    – Gleichsetzung Wehrmacht = 3. Reich / „Nazi-Deutschland“ bzw. Reduzierung darauf
    – Verwendung des Wortes „Devotionalie“
    – (implizierte) Unterstellung, daß in der Bw generell schlecht geführt wird
    – Vorstellung, daß Tradition von oben verordnet / befohlen werden kann

  • Matthias Hake   |   16. Mai 2017 - 20:04

    und dann frage ich mich immer noch, warum exerziert das Wachbataillon mit dem 98k, Waffe der Wehrmacht, den die der deutschen Armeen war das G98 und davon dürfte es kaum noch welche geben, insbesondere weil diese, soweit damals noch übrig, zum 98k gekürzt wurden. Aber wie gesagt, man muß halt überlegen was praktisch ist, oder doch nicht?

  • Nils Z.   |   16. Mai 2017 - 20:15

    Richtiger, notwendiger und zeitlich gebotener Schritt der Verteidigungsministerin. Zeit für einen klaren Schnitt und eine Definition dessen, was sinnstiftend für die BW im 21. Jahrhundert ist. Damit ist jetzt hofentlich Schluss mit dem Rumgeeiere, und „Unklarheiten“ sollte es damit jetzt nicht mehr geben.

    Ich bin wahrlich kein Fan von Frau von der Leyen, aber dass Sie das jetzt so durchzieht, gegen all den – auch hier bekundeten – bockigen Unwillen bis hin zum offenen Hass, der Soldaten einer Parlamentsarmee wahrlich nicht gut ansteht, das nötigt mir einen gewissen Respekt ab.

  • TobyR   |   16. Mai 2017 - 20:49

    @ Thomas Melber

    Volle Zustimmung zu allen Ihren Punkten.

    @ xyz

    … und auch dazu.

  • Koffer   |   16. Mai 2017 - 21:10

    @Marc Andreßen | 16. Mai 2017 – 19:27
    Ich bedaure sagen zu müssen, dass an Ihrem Kommentar nahezu alle Sachaussagen falsch sind.

    [Mir ist da offensichtlich ein Troll mit einem Fake durchgerutscht; ich bitte um Entschuldigung. Der entsprechende Kommentar ist gelöscht; damit hat sich auch die Reaktion darauf erledigt. T.W.]

  • Ich putz' hier nur   |   16. Mai 2017 - 21:14

    Entegegen der weit verbreiteten Haltung auf diesem Blog: Ich stimme Frau von der Leyens Standpunkt voll und ganz zu! Gewürdigt werden sollen einzig und allein erwiesene Widerständler der Wehrmacht, alle anderen Soldaten des 3. Reiches können und dürfen in der Bundeswehr keine Ehrung als Vorbilder oder Identitätsstifter erfahren. Davon unberührt bleibt selbstverständlich das Gedenken an Gefallene aller Seiten, inkl. der Wehrmacht. Die teils äußerst heftigen Reaktionen vermitteln mir den Eindruck, dass dieser Schritt überfällig war.

    Gleichwohl war das Vorgehen der Vtgministerin in dieser Angelegenheit unnötig konfrontativ, es wurde lediglich vorgeworfen und verboten, ohne im gleichen Atemzug Alternativen aufzuzeigen bzw. offen zu kommunizieren.

  • ThoDan   |   16. Mai 2017 - 21:32

    @Ich putz‘ hier nur  

    Gerechte unter den Völkern sind es also nicht wert in der BW gewürdigt zu werden?
    Teile der Geschichte, die ihr nicht passen sollen als zensiert werden?

  • Thomas Melber   |   16. Mai 2017 - 21:37

    @Ich putz‘ hier nur

    Widerständler – machen Sie das auch an einer Jahreszahl fest? Stauffenberg war ja bekanntermaßen ein Verehrer von Hitler:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Schenk_Graf_von_Stauffenberg#Karriere_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus

    Und den Krieg beenden wollte er auch nicht.

  • Sascha Stoltenow   |   16. Mai 2017 - 21:45

    Ich wünsche mir nur einen Journalisten, der die Ministerin und den GI mal fragt, warum der Erlass erst jetzt geändert werden soll, obwohl der GI genau das vor fünf Jahren gefordert hat, und wie zu bewerten ist, dass der oberste Soldat der Bundeswehr in den vergangenen fünf Jahren dieses von ihm selbst definierte Projekt nicht angegangen ist. Führungsschwäche? Haltungsprobleme? Berufsschule?

  • Nick von Stra   |   16. Mai 2017 - 21:55

    @xyz das sehe ich ganz genau so. Die Ablenkung ist dieser pressegestählten Dame gelungen. Offensichtich hat auch ihr Presseschutzstab (manche nennen ihn auch Pesse-/Infostab gut funktioniert)

    Ich mus der Ministerin aber recht geben.
    Es gibt aus meiner Sicht ganz offensichtlich ein Haltungsproblem in der Bundeswehr.
    Sie ist umgeben von einer Vielzahl von Genaralen, die ihre Rolle offensichtlich nur darin sehen, traurig in die Kamera zu gucken und ihr entsetzen über die Zustände innerhalb der Truppe kund tun.(Wollen mir GI, InspH & Co wirklich sagen, dass sie in ihren Dienstjahren noch nie, noch nie derartigen Wandschmuck gesehen haben?)
    Hätten diese Herren Haltung, dann hätten diese ihr vor Ort klar gemacht, dass der angebliche „Nazi-Keller“ in Illkirch dem Traditionserlass entsprach.

    Übrigens interessant, dass die Bilder der Soldaten aus der Kaiserzeit nicht in der Presse gezeigt wurden, der eigentliche Skandal war nur der Wehrmachtssoldat.

    Vermutlich wird nun das Wachbataillon auch auf G36 umgerüstet, der K98k (Produziert zwischen 1934 und 1945 ist ja zweifelsfrei auch unpassend.) Wobei, das G36 hat ja auch keine Zukunft mehr. Vielleicht sollte das Wachbataillon wie im Werbespot einer Bank auf die altbewährten „Fähnchen“ setzen.

    Wir gehen nun auf Nummer sicher. Ich entferne aus allen Briefings die Folien 33- 45, ziehe nur noch linke Socken an und versuche auch sonnst im Genossenkreis (Kameraden traue ich mich nicht mehr zu sagen) nicht aufzufallen.

    Welche Stufe kommt eigentlich nach Sarkasmus, Resignation?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   16. Mai 2017 - 22:04

    Bei einer Schießübung auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken ist ein Soldat ums Leben gekommen. (1. Audio oben und diverse Medien)
    Näheres zu den Umständen/TrTl/eingesetzte Waffen bekannt?

    [So weit bekannt PzGrenBtl 212 aus Augustdorf, Schießunfall mit Panzerfaust. Bitte aber diesen OT hier nicht weiter verfolgen; ggf. morgen ein Eintrag dazu. T.W.]

  • Thomas Melber   |   16. Mai 2017 - 22:08

    @Nick von Stra

    „… und versuche auch sonnst im Genossenkreis (Kameraden traue ich mich nicht mehr zu sagen) nicht aufzufallen.“

    Tja, mancher überlegt sich jetzt schon, was man im Kameradenkreis noch sagen darf.

    „Welche Stufe kommt eigentlich nach Sarkasmus, Resignation?“

    Fatalismus?

  • Sachlicher   |   16. Mai 2017 - 22:41

    Tradition in der Bundeswehr: von der Leyen will „Nulllinie“
    Nicht Ihre Berichterstattung, wohl aber das Wording der Frau Bundeministerin für Verteidigung: „Nullinie“.

    Ich brauchte gewiss keine General Kübler Kaserne und General Konrand Kaserne und brauche keine Hindenburgkaserne. Und ich habe kein gesteigertes persönliches Interesse an den Kasernennamen Hans-Joachim Marseille oder Helmut Lent .

    Ich hätte es begrüßt, wenn die Ministerin im Zuge ihrer Gesamtabsicht, z. B. die (deutschen) Rotkreuzhelferinnen, den „Feuerwehrfrauen“, usw., welche in der Zeit der Weltkriege wirkten, mehr Raum zur Betrachtung eingeräumt hätte, intensiver in ein Traditionsverständnis übersetzt hätte, denn das hätten diese zweifellos verdient.

    Aber die Debatte, die von der Ministerin initiiert und an verschiedenen Stellen geführt wurde, ist inakzeptabel.

    Von der Leyen räumte ein, dass es in der Truppe offensichtlich große Handlungsunsicherheit in Bezug auf den Traditionserlass von 1982 gebe.
    Minister, die Mechanismen in Gang setzen, die dazu führen, dass von Hammerstein-Equord aus einem Casino verbannt wird, Büsten von Alfred Kranzfelder, Rolf Johanesson und Dieter Wellershoff entfernt werden, Erwin Rommel Porträts übermalt werden, Rot Kreuz Flaggen in Frage gestellt werden, usw., besitzen eine weit größere Handlungsunsicherheit. Die Belehrung zielt und trifft ins Leere.

    Es gibt Bilder von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform, es gibt Bilder von Helmut Schmidt in Bundeswehruniform als Reservist. Und es gibt Bilder von Helmut Schmidt als Verteidigungsminister. Ein solches hängt vor meinem Büro im Ministerium. Und im Übrigen hängen die Bilder der Generalinspekteure de Maizière und Heusinger in Bundeswehruniform auf dem Flur des Generalinspekteurs.

    Welch gütiges und intellektuell brilliantes Wort…/SCNR

    Es gibt Bilder in Uniform eines Generalfeldmarschalls (von Witzleben), von 19 Generälen (u.a. Hoepner, von Tresckow, Fellgiebel, Beck) und 26 Oberste (u. a. von Stauffenberg) als unmittelbar Planende und durchführende Beteiligte am 20. Juli 1944, die sie in ihrem jeweils höchstem Dienstgrad zeigen-nun einmal in Wehrmachtsuniform. Das kann man sich also nicht aussuchen.

    Aber man darf und muss sie aufhängen. Man muss den jungen Soldatinnen und Soldaten aufzeigen, dass es immer die Möglichkeit gibt, den falschen Weg zu verlassen oder von vornherein Nein zum Falschen zu sagen. Dafür stehen diese Männer. Das muss erläutert werden dürfen. Deshalb sind (waren?) sie traditionswürdig. Warum in Uniform: Diese Uniform war, ganz sachlich und ohne Affinität zu Nazisymboliken bemerkt, die Uniform deutscher Soldaten jener Zeit. Diesen Männern wurde die Uniform von den Nazis als Akt der Demütigung ausgezogen.

    Nach dem Krieg wurde diesen, gegen teils heftigen Widerstand von Revanchisten, diese „auf Bildern wieder angezogen“. Wegen Reichsadler und Hakenkreuz? Mit Sicherheit nicht.

    @ ThoDan | 16. Mai 2017 – 19:52
    Den Satz verstehe ich nicht, er widerspricht sich.
    Das heißt, dass Menschen wie Jakob Knab https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Knab et. al. gewonnen haben.

    Damit mich niemand falsch versteht: Ich empfinde beim Schreiben dieser rein sachlich gemeinten Feststellung nichts.

    Ich wüsste jetzt nicht warum man nach Marseille oder Lent Kasernen benennen sollte,…
    Ich auch nicht. Aber dafür gibt es Menschen, die sich darum Gedanken machten und machen, inklusive Militärhistoriker und der CDU/CSU Abgeordneten vor Ort. Die CDU/CSU darf aber noch als demokratisch gelten in Ihren Augen?

    Ebenso gibt es mannigfaltige Literatur zu beiden Namen. Sie können also umfangreich recherchieren. Denn rein sachlich bemerkt gibt es auch Gründe dafür, wenngleich sie für mich (!) nicht überwiegen.

    …, gibt es eigentlich eine Scholl Kaserne?
    Warum recherchieren Sie nicht? Ein Hinweis:
    http://augengeradeaus.net/2017/05/helmut-schmidt-und-das-uniform-bild-uni-praesident-laedt-zum-gespraech/comment-page-3/#comment-268833

    die Rede zur Namensgebung hielt übrigens Herr Knab: http://hansschollsanak.blogspot.de/

    Im übrigen ist er nach Ihrer Interpretation und neu ministerieller Interpretation nicht traditionswürdig, denn er „musste auch erst den Weg vom “ Fähnleinführer der Hitlerjugend zum Mitbegründer der Weißen Rose zurücklegen“ (Quelle nachstehend) und auf das Äußerste ging er „erst“, nach dem ihm seine Erlebnisse als Sanitätsfeldwebel an der Ostfront keine Wahl ließen. Siehe: „Der Widerstandskämpfer Hans Scholl – Vom Schwärmer zum Märtyrer“, von Werner Birkenmaier, erschienen in der Stuttgarter Zeitung am 05. Juni 2015 – 10:14 Uhr, online auffindbar. Dass dies selbst Herrn Knab zuweit ginge, wie er in seiner Rede zur Namensgebung ja ausführt: Geschenkt.

    Ich sage Ihnen noch etwas: Die Geschwister Scholl sind in linken Kreisen nicht wirklich en vogue -auch wenn sie so tun- und wenn, dann erst seit den letzten 20-25 Jahren. In der ehem. DDR wurde gern um sie herum laviert, weil sie aus dem studentisch-bürgerlichen Millieu heraus zu Widerstandskämpfern erwuchsen.

    Damit mich auch hier niemand falsch versteht: Ich empfinde tiefen Respekt für die Mitglieder der Weißen Rose, ihren Leistungen, ihren Mut und ihr Bekenntnis zum humanistisch-demokratischen Deutschland. Vorbilder für mich, Zeit meines Lebens. Ganz gleich aus welchen Millieu sie im Einzelnen kamen und in welches Millieu die Überlebenden gingen.

    @Matthias Hake | 16. Mai 2017 – 20:04
    Etwas Geduld noch bitte.

  • JPW   |   16. Mai 2017 - 22:49

    Ich bleibe bei meiner Bewertung: Die ganze emotionale Diskussion um Tradition bringt weder die Innere noch die äußere Sicherheit voran und ist daher ein Nebelkerzenwerfen, um von weit größeren sicherheitspolitischen Problemen abzulenken. Mit dem unangenehmen Nebeneffekt, daß die Gräben zwischen Führung und Truppe noch tiefer werden.

  • Harry   |   16. Mai 2017 - 22:57

    Am kommenden Montag ist anscheinend eine Veranstaltung geplant für die Ebene Disziplinarstufe 2 – mit BM’in wenn ich das richtig sehe.
    Wir haben derzeit einen vorsichtig ausgedrückt „nationalkonservativen“ Priester, die „Junge Freiheit“ und „political incorrect“ an der Hacke, weil wir uns von einem Erinnerungsstück trennen möchten.
    Allein das beweist mir, das dieser Schritt mehr als notwendig ist!

  • Naive_View   |   16. Mai 2017 - 23:33

    @Thomas Melber

    Fakt ist die Wehrmacht existierte nur im Dritten Reich. Des Weiteren ist es Ihre Interpretation, dass Ursula von der Leyen die Wehrmacht mit dem 3. Reich gleichsetzt.
    Ein weiterer unumstrittener Fakt: Nicht alle der 19.000.000 Wehrmachtssoldaten waren an Gräueltaten beteiligt, allerdings kann man wohl kaum zwischen Neunzehnmillionen Soldaten differenzieren.

    Was feststeht, die Wehrmachtssoldaten dienten unter einer fanatisch, faschistischen Ideologie.

  • Sebastian   |   16. Mai 2017 - 23:46

    @Ich putz‘ hier nur

    Ich bin auch über die Haltung vieler hier überrascht und irritiert. Da ist von Geschichtswissen relativ wenig und viel Relativierung. Und was soll dieses Geheule über die die im Krieg gefallen sind und dann keine Chance mehr hatten in der Bw zu dienen, um so quasi zu beweisen das sie kein Dreck am stecken hatten und eigentlich ganz tolle Kerle waren? Dazu hatten sie WÄREND und VOR dem Krieg Gelegenheit, die anderen, die Verschwörer die Hilter schon vor 39/40 beseitigen wollten, und solche die etwas später, oder gar sehr/zu Spät (Stauffenberg) zur Besinnung gekommen sind HABEN etwas getan, und damit ihr Leben riskiert. Genau dabei geht es um Tapferkeit. Es geht nicht darum bei schön Wetter das Richtige zu tun, bzw. haben sogar das viel zu viele Versäumt. Und gendau das ist der Punkt! Die Ausreden und Rechtfertigungs-Akrobatik in den Kommentaren hier veranschaulicht wie man sich damals aus der Verantwortung geredet hat, gar den Dienst für/unter dem NS-Regime als patriotische Pflicht dargestellt hat.

    Ich bin jetzt einfach mal so frei und Poste hier einen ziemlich langen Kommentar den ich bei Facebook zu dieser Sache geschrieben habe.

    „Wie ich schon beim letzten Streit gesagt hatte, einfach grundsätzlich keine Kasernen nach WK2 Soldaten benennen, ausser sie waren EINDEUTIG und FRÜH (nicht in letzter Minute) im Wiederstand oder haben auf andere weise GEGEN das NS Regime fungiert, zB. Judenrettung.

    Ein guter Soldate/Feldherr gewesen zu sein (Rommel) reicht nicht, da ja gerade einer der Lehren aus dem Krieg und der NS Zeit ist das wenn es zu einer Entscheidung kommt ein guter Soldat/Patriot oder ein guter Mensch zu sein, man versuchen solte ein guter Mensch zu sein. Das ist die Kernaussage der inneren Führung.

    Das Problem ist das so mancher den Patriotismus (oder das Soldatentum/die Professionalität) über die Ethik/Moral stellt. Stichwort: „unsere Ehre heist Treue“, oder die Ausrede der deutschen Generäle man habe einen Eid geleistet (Argument Ehre). Die Motivation und späte Erkenntniss Stauffenbergs war ja gerade dass das was da im Osten abging so unmoralisch und unmenschlich war das es eine Schande für Deutschland war, aller Ausreden und Verweise auf Patriotismus und Eide zum trotz.

    Der Punkt war/ist das der Eid auf Hitler und der Dienst für/unter dem NS Regime ansich schon unehrenhaft war. Das heist das ein Soldat der „treu“ seinen Dienst getan hat eben treu dem NS Regime gedient hat, und damit nicht unbedingt das patriotische getan hat, und schon garnicht das moralisch richtige. Beziehungsweise, hat man mögliche kurzfristige patriotische Argumente über fundamentalere und langfristigere menschliche Argumente gestellt. Das heist das so gut wie jeder aus der Zeit mehr oder weniger Dreck am stecken hat, bzw. nicht als Namensgeber/Vorbild in frage kommt so fern er/sie nicht AKTIV gegen das NS Regime agiert hat.

    Die Judenvernichtung hat schon direkt ’41 begonnen, und davor gab’s in Deutschland auch schon KZ Lager, es war auch nicht so als ob man davon nichts wusste. Ergo erst ’44, oder ’43 die Erleuchtung zu haben (Stauffenberg, Rommel) ist etwas spät. Als Namensgeber kommen hauptsachlich die in Frage die vor ’41 schon aktiv waren, besonders die vor ’40, also dem Kriegsanfang.

    Wer den Mut hatte für den Patriotismus in die Gewehrläufe des Gegners zu schauen, sollte auch den Mut gehabt haben in die Gewehräufe eines NS Exekutionskommandos zu schauen. Das ist jetzt eindeutig zugespitzt und vereinfacht ausgedrückt, in der Realität ist das nicht immer so einfach. Daher ist da etwas Demut und Verständnis unsererseits angesagt und empfohlen. Nur zwischen verteufeln und Kasernen benennen gibts noch eine Zwischenoption.

    Unfehlbare Menschen mit super reiner Weste gibt es nicht, aber man kann auch nicht eklatante und offensichtliche Mängel versuchen weck zu diskutieren. Man sollte da auch realistisch und demütig sein, dies aber wiederum nicht als Ausrede benutzen. Demut sollte übrigens auch einer Glorifizierung einer Person oder des Soldatentums ansich entgegenwirken.

    Mit bezug auf Moltke dem älteren und seiner Hobby-Dichtung hat jemand mal argumentiert das man um ein guter Soldat zu sein ein guter, abgerundeter Mensch sein muss. Das Problem einiger, was zB. stark in den US Streitkräften vertretten ist, ist die eindimensionale Huldigung und Glorifizierung des Kriegers.

    Namensgeber haben in erster Linie Vorbilder für die grundlegenden Werte der Buneswehr zu sein (Stauffenberg war kein Demokrat!), und danach gerne für militärische Tugenden und Leistungen. Es spricht, mMn, übrigens überhaupt nichts da gegen zivile (zB. Wiederstandskämpfer) oder ausländische Vorbilder zu haben (Sparta/Antike, Samurai – fleissige Dichter). Oder sogar, da es um Ideale geht, fiktive Charaktere. Hält schliesslich auch keinen davon ab Jesus etc. als Vorbild hoch zu halten.“

    Noch eine Bemerkung mit Verweis auf die sieben Tugenden des Bushido der Samurai. Ehre ist das Resultat wenn man sich (überwiegend) an eine ganze Reihe von Tugenden hält. Im Bushido sind dies Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Höflichkeit (Respekt), Wahrhaftigkeit (Ehrlichkeit), Loyalität/Pflichtbewusstsein und Ehrbewusstsein. Sich nur an eine dieser Tugenden, zB. Loyalität/Pflichtbewusstsein zu halten auf Kosten aller anderen ist unehrenhaft. Es geht um die Balance und das richtige Mass. (Daher auch berechtigte Kritik an der Überhöhung der unbedingten Loyalität im Bushido.) Bei der Wehrmacht und ihren Soldaten sind in verschiedenen Masse viele dieser Tugenden unter den Tisch gefallen. Ob jetzt das Bushido, im Original oder modernisierter Form, der richtige Vergleich oder Leitfaden ist, ist hier nicht der Punkt. Der Punkt ist das man mit/für den Dienst im/am NS-Regime zu viele Tugenden opfern und Kompromise machen musste um noch als Vorbild fungieren zu können.

    Es ist offensichtlich das in der Bildung und Erziehung zur inneren Führung die Ethik als Studienfach mehr Aufmerksamkeit bekommen muss.

    Kurz zum Bushido, inkl. Kritik: https://de.wikipedia.org/wiki/Bushid%C5%8D

  • Mediator   |   16. Mai 2017 - 23:48

    Was die Misterin hier veranstaltet hat in meinen Augen nichts mehr mit dem Führungsstil der Bundeswehr zu tun, noch ist es durch Probleme innerhalb der Truppe überhaupt begründet.

    Alleine der Begriff Devotionalien ist völlig deplaziert, denn niemand betet einen Stahlhelm oder das Bild eines Soldaten in Wehrmachtsuniform an. Die Verwendung des Begriffs Devotionalien ist in meinen Augen nichts anderes als eine unbegründete Vorverurteilung.
    Zu dieser Vorverurteilung gehört auch, dass von dem kritisierten Aufenthaltsraum in Illkirch in der Presse zu 90% legiglich ddas Bild eines Wehrmachtssoldaten mit entsprechender Bewaffnung gezeigt wurde. Dass dieser Raum durchaus noch Soldaten aus anderen Epochen zeigte war wohl nicht geeignet um zu skandalisieren.

    Tradition lässt sich nicht verordnen und wer einem persönlich traditionswürdig erscheint, dass ist doch immer ein höchst individueller Vorgang. Selbstverständlich gibt es da eine klare linke und rechte Grenze, aber per se alle Soldaten der Wehrmacht als traditionsunwürdig zu erklären, dass geht mir doch persönlich zu weit. Diese Männer konnten sich nicht aussuchen in welche Zeit sie hineingeboren wurden und sicherlich irrten viele was das Wesen des Nationalsozialismus anging, bevor sich ihnen die Augen öffneten und sie Widerstand leisteten.

    Viele die nicht die Verbindungen, die Position oder schlicht den Mut hatten gegen das Regime aktiv Widerstand zu leisten taten trotzdem weiter jeden Tag das was sie für ihre Pflicht gegenüber ihren Kameraden hielten und kämpften so gut es ging. Viele erbrachten dabei militärische Leistungen die ihresgleichen suchten.

    Sicherlich kann niemand von uns alle Facetten einer Person der Zeitgeschichte vollständig erfassen, aber jeder zieht doch aus seinem unvollständigen Wissen seine höchstpersönliche Schlüsse. Der Mut eines erfolgreichen Jagdfliegers, der sich jedem Tag erneut seiner persönlichen Todesangst stellte ist für mich persönlich beispielgebender als so mancher unserer aktiven Generäle, die erst nach ihrer Entlassung in Buchveröffentlichungen den Mut finden Dinge anzusprechen, die sie angeblich schon immer kritisiert haben.

    Innere Führung und führen mit Auftrag hat auch immer etwas damit zu tun, dass man seine Soldaten ernst nimmt und ihnen Vertrauen entgegenbringt. Wenn dies nicht mehr der Führungsstil der Bundeswehr ist, dann sollte man die Führerausbildung schleunigst der neuen Realität anpassen. Ich fühle mich als Erwachsener und als Soldat, dem die Armee Vertrauen entgegenbringt, von der Ministerin aktuell nicht ernst genommen.

  • Jochen   |   16. Mai 2017 - 23:55

    @ T.W.: Danke für die Info. Etwas überrascht bin ich von der Rede des PräsVdRBw. Wem dient er? VdL oder dem VdRBw? Kommt m.E. nicht klar zum Ausdruck. Überhaupt war seine Rede recht schwach. Da könnte man sich glatt Herrn Koesewetter zurückwünschen. Anbei ein Artikel, den der DBwV dazu am Abend eingestellt hatte: http://bit.ly/2rnYQjQ

  • Woody   |   17. Mai 2017 - 0:15

    Als ich das heute im Intranet lesen musste:

    Häufig ist Gedankenlosigkeit oder Unwissen im Spiel – oder manchmal auch Vorgesetzte, die Konflikte meiden.

    Kam es sofort wieder hoch, dieses Gefühl, dass diese Ministerin es doch tatsächlich schafft das eigene Personal fortlaufend zu beleidigen. Wer sich in der Bundeswehr umhört weiß, dass das alle nur noch als peinlich empfinden. Die Ministerin als Beleidigung empfinden und deren unüberlegte Art.

    Passend dazu gibt es auch einen sinn- und traditionsstiftenden Spruch aus der Grundausbildung:

    Was machen Sie richtig, was alle Anderen falsch machen?

  • Memoria   |   17. Mai 2017 - 0:27

    @Woody:
    Es geht doch längst nur noch darum die Ministerin wie auch immer bis zum Wahltag im Amt zu halten, um danach sonstwas zu tun.

    Dafür werden alle Register gezogen und die Generalität spielt dabei ja willfährig mit (siehe MSM).

    In der Presse ist die Ministerin eben weiterhin die überfällige Reformerin der Bw.

    Wer hätte vor 12 Jahren gedacht wie sehr die Union die Bundeswehr in dieser Zeit konzeptionell, haushalterisch, personell und materiell – aber vorallem mental herunterwirtschaften kann?

    Die Trendwenden kommen zwar aber zu langsam und zu mutlos.

    Alldies scheint aber nicht wirklich relevant zu sein für die CDU.

  • Florian Kling   |   17. Mai 2017 - 0:35

    Bin froh, dass Sie mehrere klare Worte spricht und sich zum weiteren Vorgehen äußert. Zu viele – wie hier auch zu sehen ist – verbinden damit nur negatives und können keine Chancen mehr erkennen, dass daraus auch etwas besser werden kann.

    Ein sauberer Umgang mit Historie ist gerade für Uniformträger wichtig. Da sich jeder falsch verstanden fühlt wurde offenbar auch falsch mit Symbolen kommuniziert. Zwar hätte man Aufschreie wie Schmidt-Bild durch vorheriges erklären lösen können – aber zu spät.

    Schmidt hat selbst übrigens nie oft seine Wehrzeit betont, und meist nur vom Kriegsgefangenenlager berichtet. Ihm wärs bestimmt auch lieber in zivil zu hängen.

  • 0815   |   17. Mai 2017 - 1:00

    @JPW | 16. Mai 2017 – 22:49
    @Woody | 17. Mai 2017 – 0:15
    „Thumb up“

    Und nebenbei gefragt! Warum war die Ministerin eigentlich genau vor dem VdRBw?

  • Sachlicher   |   17. Mai 2017 - 1:22

    @Sebastian | 16. Mai 2017 – 23:46

    Ich bin auch über die Haltung vieler hier überrascht und irritiert.

    Sie sehen mich obgrund Ihrer Ausführungen nicht beeindruckt. Im Einzelnen:

    Ihre Kernaussage zu Beginn Ihres Facebook Posts entspricht in etwa den Aussagen des Traditionserlasses von 1982. Der Rest Ihrer salbungsvollen Worte ist ein Melange dessen, was Kommandeurinnen und Kommandeure seit mehr als 30 Jahren auf Gelöbnisreden ihren jungen Kameradinnen und Kameraden mit auf den Weg gaben, mit Ausnahme der Anmaßung eines in Freiheit und Demokratie aufgewachsenen jungen Mannes ggü den Menschen jener Zeit, was mich persönlich aber nicht weiter stört.

    Ich finde es toll, dass Sie sich mit dem Sachverhalt auseinander setzen. Das meine ich ehrlich. Aber Sie sind mMn noch ein ganzes Stück weg vom Ziel.Etwas mehr Demut dürfte Ihnen zusätzlich helfen.

    Es ist offensichtlich das in der Bildung und Erziehung zur inneren Führung die Ethik als Studienfach mehr Aufmerksamkeit bekommen muss.
    Über Ihre Anmaßung sei hinweggesehen.

    @Harry | 16. Mai 2017 – 22:57

    Am kommenden Montag ist anscheinend eine Veranstaltung geplant für die Ebene Disziplinarstufe 2 – mit BM’in wenn ich das richtig sehe.

    Viel Spaß.

    Wir haben derzeit einen vorsichtig ausgedrückt „nationalkonservativen“ Priester, die „Junge Freiheit“ und „political incorrect“ an der Hacke, weil wir uns von einem Erinnerungsstück trennen möchten.
    Angst?

    Allein das beweist mir, das dieser Schritt mehr als notwendig ist!
    Ich weiß nicht, was Sie da unternehmen. Aber Sie brauchten als Stabsoffizier, obwohl von der Richtigkeit offensichtlich schon lange überzeugt, eine „Initiative“ Ihrer Ministerin? Merken Sie selbst, oder?

  • Sebastian   |   17. Mai 2017 - 1:54

    Da verständlicherweise keine Links zu deutschen Medien erlaubt sind, hier einfach der Verweis mal nach „Die Grenzen des Gehorsams“ bei Welt N24 zu suchen, aus dem Jahre 2009 von GenLt. a. D. Siegfried F. Storbeck. Ich selber teile nicht alles was er im ersten Teil sagt, aber ein guter Artikel.

  • tluassa   |   17. Mai 2017 - 4:27

    Wer sich der ganzen Debatte mal etwas von „total außerhalb“ nähern will dem empfehle ich auch einfach mal zum abschalten und kurz durchlachen die japanische variante „Deutscher Militärtradition“ :)

    https://www.youtube.com/watch?v=nhz_yFT3dJI

    Inklusive Panzerlied und angepasstem Bundeswehr Kreuz auf Maus Panzern und sonstigem Anime Schnickschnack und zusätzlich weiblichen Panzerbesatzungen :) Gehört eigentlich ins Bällebad falls es mal ein neues gibt.

    [Hm. Zum einen war das hier schon 2013 Thema (auch wenn das entsprechende Youtube-Video inzwischen gelöscht ist, http://augengeradeaus.net/2013/08/panzer-hurra-nachstes-jahr-beim-biathlon/#comment-74513 , zum anderen führt das die Debatte schnell in einen weiteren OT… Ich lasse es mal stehen, aber bitte diese Diskussionslinie hier nicht auswalzen. T.W.]

  • ThoDan   |   17. Mai 2017 - 5:26

    @Sachlicher

    Gemeint war, ich verstehe nicht wie sie wegen ihrer kritischen Auseinandersetzung ihrer Wehrmachtszeit sinnstiftend sein können für die BW und gleichzeitig dieselbe negiert wird.

    Aka betreibt Sie gerade mit Doppeldenk Geschichtsklitterung?

    Meine Suche ging in die falsche Richtung.
    Welcher Meiner Interpretation?

    Warum sagen sie mir das?

  • Harry   |   17. Mai 2017 - 7:55

    @Sachlicher:
    mir war zumindest nicht bewusst, welchen politischen Kreisen mein Erinnerungsstück besonders am Herzen liegt (bzw. was in eine Entfernung hinein interpretiert wird) und meine Überzeugung, dass jeder Staatsbürger in Uniform in der Lage ist zwischen „Erinnerung an Geschichte“ und „Traditionsstiftung und Identitätsstiftung“ zu unterscheiden, ist spätestens nach der Lektüre in der letzten Woche hier dahin.

    Angst habe ich ganz bestimmt nicht- denn zur Zeit werde ich von den Rechten unter Druck gesetzt, nicht von meinen Vorgesetzten- da hat mir nämlich niemand eine entsprechende Anweisung gegeben! Und das begrüße ich ausdrücklich- ich bin tatsächlich auch allein in der Lage, eine Bewertung vorzunehmen und eine Entscheidung zu treffen.
    Und von „rechts außen“ möchte ich (ebenso wie von der anderen Seitenlinie) ganz sicher keinen Beifall- das ist Ablehnung schon das gewünschte Feedback!

    Wenn ich mich aber im Jahr 2017 als Dienststellenleiter der Bw dafür beschimpfen lassen muss, ein Erinnerungsstück aus dem Jahr 1945 nicht weiter auszustellen, dann halte ich das für wirklich bedenklich.
    Ich drehe daher die Frage wieder um: warum sollte ich es bitteschön hängen lassen???? Ich führe schließlich kein Museum!

    Und wer wiederum meint, ich bräuchte derartige Erinnerungen für das Selbstverständnis meiner Dienststelle, liegt eben falsch!

    Und insofern: Danke Frau Ministerin für den erneuten Anstoß dieser Diskussion!

  • Friedrich Haas   |   17. Mai 2017 - 7:58

    Erlauben Sie mir einen Kimmentar aufgrund Erfahrungen als Berater im New Public Management, Krisenmanagement und Offizier d.R. mit Einsatzerfahrung: Die Ministerin inszeniert medial eine Debatte um den Traditionserlass, um von Ihrem Versagen beim Kern des Problems abzulenken, das Versagen der Personalpolitik nach dem Aussetzen der Wehrpflicht. Unter ihr wurde dies noch verschärft durch den erneut scheiternden Versuch mit „Unternehmensberatern“ BMVg und Truppe zu reformieren. Diesen fehlt als Beratern der Ministerin, wie der Ministerin selber, offenbar das grundsätzliche Verständnis, wie eine Truppe „tickt“, ihrer Kultur und Anreizmechanismen. Die Absurdidtät der Schwerpunktsetzung 41 Stunden Woche, Zweierstuben, … sind nur zwei Beispiele dafür. Wenn überhaupt, werden Personen angelockt, die für den Beruf als Soldat ungeeignet sind. Das bestätigen mir immer öfter Berichte von Offizieren in der Truppe. Zudem war absehbar, daß das Aussetzen Wehrpflicht, wie in Nachbarländern schon passiert, das Niveau bei Mannschaften bis Offizieren absinkt, weil man mangels Nachfrage das Anforderungsprofil immer weiter herabsetzt. Wenn in der Situation noch falsch geführt wird, verwundert niemand wirklich die indiskutablen Vorkommnisse.
    Was die Ministerin aber nun macht, ist einmal mehr symbolische Politik. Glaubtv sie allen Ernstes Namensänderungen und Bilder im politisch korrekten Anzug würden künftig auch nur einen Vorfall verhindern, oder hätten perverse Rituale und einen OL Franco A. verhindert? Natürlich nicht. Das beunruhigende ist, daß an der Spitze des BMVg eine Kernkompetenz des Militärs nicht erkennbar ist: professionelles Krisenmanagement. Schlimmer noch, reine Krisenkommunikation tritt an die Stelle von Krisenmanagement. Das heißt, die Ursachen der Krise werden überhaupt nicht angegangen. Ein Phänomen und Fehler, der bei medial präsenten Führungskräften eine nicht untypische fatale Verkürzung von Krisenmanagement auf Krisenkommunikation ist; begleitet von Maßnahmen, die auf mediale Wirkung hin berechnet sind, nicht aber auf die Lösung des Problems. Zugleich führt und kommuniziert die Ministerin intern so, daß sie der in jeder Organisation vorhanden kollektiven Lösungskompetenz beraubt. BMVg und Truppe gehören aber zu extrem komplexen Organisationen, die nicht top down von Einzelpersonen, zumal in einer Krise, geführt werden können. Was aktuell völlig fehlt ist die Kommunikation intern mit denen, die gemeinsam über die Kompetenz zur Problemlösung verfügen. Nur brauchen diese Vertrauen in die Führung, Gehör und die Gewißheit, daß Vorschläge und Kritik keinerlei negative Rückwirkungen haben. Dieses Vertrauen aber errodieert seit der fatalen ersten Stellungnahme der Ministerin zusehends.

    [Nach einem Hinweis anderer Kommentatoren habe ich den Nachnamen von Franco A. abgekürzt, der hier vollständig genannt war. In manchen Medien wird das so gehandhabt; hier bitte ich darum, zumindest bis zu einem Gerichtsurteil davon abzusehen. T.W.]

  • ThoDan   |   17. Mai 2017 - 8:19

    @Friedrich Haas

    Das mit den Zweierstuben etc. erklären sie mir doch bitte mal am Beispiel des USMC.

    Das niedrige professionelle Niveau der Britischen, Niederländischen(die haben SAZV nur etwas länger) und französischen Armee? Ernsthaft?
    Thre are no bad soldiers, only bad officers.
    Bei der BW kann man noch hinzufügen.
    Das Problem der an den schlechten Rekruten, sind die schlechten Ausbilder.

  • MA   |   17. Mai 2017 - 8:22

    @ JPW | 16. Mai 2017 – 22:49
    @ Mediator | 16. Mai 2017 – 23:48

    Wenn es eine „Handlungsunsicherheit“ in der Truppe gibt, dann wurde sie durch UdL selbst verursacht.

    Ohne die Vorgänge in Pfullendorf, Bad Leichenhall, Sonderschauen etc. verharmlosen zu wollen.

    UdL hat nach dem Fehler mit dem Pauschalvorwurf an die Soldatinnen/Soldaten der Bw und dem entsprechenden „Gegenwind“ sehr erfolgreich mit dem Thema der, scheinbar in der Bw weiterverbreiteten Wehrmachts (= Nazi) Verherrlichung, sehr erfolgreich von den wirklichen Problemen der Bundeswehr und ihrem Fehler abgelenkt.

    Ich wäre froh, wenn in der Presse – neben einer sachlicheren Berichterstattung zu dem Thema Tradition, Franco a. etc. – ihren Focus darauf legen würden und neben BwVerband auch die Mitglieder des Verteidigungsausschuss hier „klare Kante“ für die Parlamentsarmee/Truppe zeigen würden.

    Verschiedene Medien – augengeradeaus (T.W.) eingeschlossen – sind im Gegensatz zur Politik tatsächlich in der Lage, sachlich zu bleiben, nicht rein auf der Emotionsebene zu berichten und der Nebelkerze aus dem BMVg auf den Leim zu gehen.

  • diba   |   17. Mai 2017 - 9:27

    @Harry : „meine Überzeugung, dass jeder Staatsbürger in Uniform in der Lage ist zwischen „Erinnerung an Geschichte“ und „Traditionsstiftung und Identitätsstiftung“ zu unterscheiden, ist spätestens nach der Lektüre in der letzten Woche hier dahin.“

    Dem stimme ich voll zu und ergänze – das trifft auch auf die Gespräche / Diskussionen im Kameradenkreis in weiten Teilen zu. Vor allem blöde Kommentare hinsichtlich der weiteren Verwendung von Essgeschirr und MG3, dann hört es mit der Auseinandersetzung in den meisten Fällen schon auf. Keine Trennung zwischen persönlichen Erinnerungsstücken, Gedankenlosigkeit oder möglicher tatsächlicher problematischer Gesinnung.
    Ich persönlich brauch den Militärtinnef (Devotionalien sehen ja manche auch schon kritisch) nicht. Ich erkenne aber an, dass es dem einen oder anderen wichtig ist. Die können sich aber in Museen oder genehmigten Traditionsräumen daran ergötzen, wenn es ihrer Motivation dienlich ist.

    Die sachliche Berichterstattung hier beschränke ich erstmal auf T.W. – viele Kommentare sprechen eine andere Sprache – und wir sehen auf Grund der Moderation wohl nur die weiche Spitze des Eisbergs …

  • Hans Dampf   |   17. Mai 2017 - 9:32

    @ Friedrich Haas:

    Es wird, ob zufällig (woran ich nicht glaube) oder bewusst, noch von einem ganz anderen Problem abgelenkt, das außerhalb der Bundeswehr liegt. Nur mal so am Rande bemerkt. Und es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eher dazu kommen, dass im Tagesdienst keine Uniform mehr getragen werden muss, als Maßnahme zur Steigerung der Attraktivität, als dass die Wehrpflicht wieder eingeführt wird.

    @ ThoDan:

    Konzepte (= Berufsarmee) müssen nicht automatisch aufgehen, nur weil sie in anderen Ländern funktionieren. Z.B. das „Standing“ der Streitkräfte in den genannten Ländern ist ein anderes, dort geht man zur Armee, weil man Soldat sein und dienen will. Die British Army macht z.B. damit Werbung, dass man dort sportliche Herausforderungen findet und auch „adventures“ erleben kann. Mir ist nicht bekannt, dass man dort mit „FKK“ wirbt. Ich gebe Friedrich Haas recht, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass mit dem Schwerpunkt „FKK“ oftmals die falschen Leute gehalten werden und die richtigen gehen, die sich denken „was für ein Eierladen“.

    @ MA:

    Ich glaube, es kommt den Medien nicht ungelegen, dass man sich mit diesem Thema befassen kann, statt mit einem anderen, das mehrheitlich goutiert bzw. protegiert wurde und wird. Damit würde man sich ja selbst in Frage stellen. Insofern ist ihr Wunsch verständlich, aber wohl utopisch.

  • Auslandsdiener   |   17. Mai 2017 - 9:55

    @Harry: „Ich drehe daher die Frage wieder um: warum sollte ich es bitteschön hängen lassen???? Ich führe schließlich kein Museum!“
    Meinen Sie das ernst????? Warum sollten Sie sich mit Geschichte befassen? Um aus ihr zu lernen.
    Aber da müsste man sich ja Gedanken machen. Vielleicht gleich noch die Teilnahme am Volkstrauertag streichen, weil Sie als Dienststellenleiter ja kein Pfarrer sind?
    Ich weiss, diese Zeilen sind nicht nett.
    Damit will ich nicht Sie persönlich treffen, sondern Ihre Argumentationslinie, die ich für sehr bedenklich halte. Geschichte begründet Verantwortung, die Deutsche besonders. Da sollte man mit dem Entsorgen von „Erinnerungsstücken“ aus Bequemlichkeit vorsichtig sein.

  • ThoDan   |   17. Mai 2017 - 10:03

    @Hans Dampf  

    Ich habe ihn aufgefordert, mir zu begründen wo das Niveau bei den Streitkräften unserer Nachbarn seit der Abschaffung der Wehrpflicht gesunken ist.
    Spez im Bezug auf die Niederländer´, die hier so oft als vorbildlich dargestellt werden und eine SAZV länger haben und diese auch im NATO Gebiet entschlossen einhalten.

  • Hans Dampf   |   17. Mai 2017 - 10:15

    @ diba:

    „Vor allem blöde Kommentare hinsichtlich der weiteren Verwendung von Essgeschirr und MG3, dann hört es mit der Auseinandersetzung in den meisten Fällen schon auf.“
    Was erwarten Sie denn? Der Anlass, weshalb diese Wehrmachts-Debatte von Frau Ministerin (nicht etwa durch die Presse oder die Opposition!) angestoßen wurde, ist es, was viele – mich inbegriffen – daran zweifeln lässt, ob es hier tatsächlich um „die Sache“ geht, oder in Wahrheit um etwas völlig anderes!
    Was hat die Tatsache, dass die beiden OLt aus Illkirch rechtsradikal/-extrem sind, Munition abzwackten und einen Anschlag planten, mit der Namensgebung von Kasernen zu tun? Haben das Bild von OLt a.D. Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform, die Rote-Kreuz-Flagge des letzten Wehrmachtslazaretts oder die Namensgebung der Lent-Kaserne die beiden zu dieser Tat veranlasst, dazu motiviert oder gar gedrängt? Gäbe (!) es einen solchen Zusammenhang, dann würde ich sagen: OK, da müssen „wir“ (wer auch immer damit gemeint ist) ran. Hier wird aber ein Zusammenhang hergestellt, der völlig absurd ist! Hinzu kommt noch, dass sich Frau Ministerin mit unglaublicher Verve dieses Themas annimmt, das für „die Basis“ wesentlich drängendere jedoch keinen Meter voran bringt. Wenn sie dann auch noch die Truppe pauschal beschimpft, dann darf sie sich nicht wundern, dass sie nicht mehr hinter ihr steht und vieles ins Lächerliche zieht – und damit auch nicht unrecht hat, denn vieles von dem, was derzeit passiert, kann man nur als lächerlich bezeichnen.

  • Erik Franke   |   17. Mai 2017 - 10:32

    Mal ein Vorschlag zur Güte. Warum lässt man nicht die Soldaten selbst den Namen aussuchen? Dann müssen sie sich mit der Person entsprechend auseinander setzten und dies begründen. Das währe auch Identität und Sinn stiftend.

    Wer ist das?
    warum sehe ich ihn als Militärisch/Politisches Vorbild?
    Wer bin ich / was macht das aus mir?

    Das sind die Frage, welche die Soldaten dann beantworten können. Und das ist sicherlich Zielführender als immer nur „alles ist Böse“ zusagen.

    So ist meine Meinung

  • Matthias Hake   |   17. Mai 2017 - 10:56

    @Sachlicher

    es hätte vieles früher angegangen werden müssen, nicht erst wenn es unter den Nägeln brennt, weil wieder was vorgefallen ist. Mangelhafte neue Ausrüstung wird das nächste und immer wiederkehrende Problem sein. Soll auch erst dann gehandelt werden? Und nochmals das Gewehr der Bundeswehr von 1959 bis 1997 war das G3, am Anfang noch mit einer Holzschäftung und für das „Klacken“ wird sich wohl ein Metallboden am Schaft finden.

    Was die Geduld betrifft – die habe ich über 15 Jahre hinweg und etwas länger vor 16 Jahren an den Tag gelegt. Heute darf ich zum Glück meine Meinung frei äußern. Das empfinde ich als Segen, auch wenn man durchaus für freie Meinungsäußerung Nachteile in Kauf nehmen muß. Jedoch habe ich mir weder damals und bestimmt nicht heute den Mund „verbieten“ lassen. Verursacht wurde vieles innerhalb des Hauses und des „Unternehmens“ selber, und da müßten sich etliche mal selbstkritisch an die eigene Nase fassen. Aber das tut ja weh. Würde eine Auseinandersetzung mit sich selbst bedeuten und die Übernahme von Verantwortung, und im kritischen Fall auch einen Selbstgefährden, was die eigene Dienststellung und Versorgung angeht.

    Kurt von Hammerstein-Equord, Generaloberst und Chef des Truppenamtes der Reichswehr – unter dessen Federführung Generaloberst Ludwig Beck die Vorschrift Die Truppenführung überarbeitete – unterschied vier Führungskräfte – kluge, fleißige, dumme und faule. Seiner Auffassung nach treffen immer zwei dieser Eigenschaften zu. Dummen und faulen seien Routineaufgaben zu übertragen. Kluge und fleißige sind für höhere Führungsaufgaben geeignet – kluge und faule für höchste, da nur diese die geistige Klarheit
    und Nervenstärke für Entscheidungen mitbringen. Dummen und fleißigen hingegen
    sollte nie Verantwortung übertragen werden, da sie nur Unheil anrichten. Seine eigene
    Führung beschrieb er mit einem Freimachen von Detailarbeit, um sich Zeit für die Entwicklung einer Vision zu nehmen, um dann für deren Umsetzung zu sorgen.

  • diba   |   17. Mai 2017 - 11:15

    Und wozu dienen die Wehrmachtshelme, „Klagt nicht, kämpft“ Schilder (natürlich mit Soldatenkopf mit Wehrmachtshelm) sonstige „Erinnerungsstücke“, Frisuren, die an die „nicht traditionswürdige Zeit“ erinnern sowie Namensbänder in Fraktur? Beim einen oder anderen lassen da, in Verbindung mit Kommentaren und Meinungsäußerungen schon nachdenklich machende Bilder entstehen.
    Es wurde tatsächlich über vieles hinweggesehen. Das kommt in Folge der Fälle jetzt alles aufs Tapet, klar – nicht alles in unmittelbarem aber mittelbaren Zusammenhang.
    Der Generalverdacht war zweifellos nicht in Ordnung, das komplette Abstreiten von solchen Fällen und Schönreden (da haben wir doch schonmal eine Tradition) sowie die dümmliche Behauptung, dass die Devotionalien irgendeinen positiven Einfluss auf das innere Gefüge haben ist ebenso zweifelhaft.

  • Wa-Ge   |   17. Mai 2017 - 11:36

    ThoDan | 17. Mai 2017 – 10:03

    „Ich habe ihn aufgefordert, mir zu begründen wo das Niveau bei den Streitkräften unserer Nachbarn seit der Abschaffung der Wehrpflicht gesunken ist.
    Spez im Bezug auf die Niederländer´, die hier so oft als vorbildlich dargestellt werden und eine SAZV länger haben und diese auch im NATO Gebiet entschlossen einhalten.“

    Sie sollten mal UK- Mannschaften und Unteroffiziere in „Aktion“ erleben, der Gefechtswert stimmt, Bildung, Benehmen, … lassen stark zu wünschen übrig, selbst im Vergleich zum deutschen Schulabbrecher mit Migrationshintergrund.

    Was die niederländischen Streitkräfte angeht, so ist deren Schlagkraft weniger auf die Fähigkeiten der einzelnen Soldaten (als Angehöriger der DSK habe ich diese bei mehreren Übungen live erlebt), als auf die Entschlusskraft deren politischen Führung zurückzuführen. Die Niederländer haben Streitkräfte und setzen diese auch ein, daher haben diese vergleichbar kleinen Streitkräfte permanente Einsatzerfahrung. Fähigkeiten abseits von StabsOp sind aber nur sehr eingeschränkt übriggeblieben. Weil auch da sowohl der Personalkörper als auch die zur Verfügung stehende Ausbildungszeit sehr begrenzt ist.

    Die französischen Streitkräfte sind etwas zwischen den beiden genannten.

  • klabautermann   |   17. Mai 2017 - 11:52

    Schon lustig zu sehen, wie die InFü-Traditionalisten auf einmal aufjaulen, wenn UvdL sie mit deren eigenen Argumentationswaffen schlägt. UvdL ersetzt also Krisenmanagement durck Krisenkommunikation in einer ach so komplexen Organisation, die ohne Vertrauen von unten nach oben nicht funktionieren kann ? Dieses Argument ist so was von „schräg“, dass man nur noch lachen kann.
    Die BW ist komplex, sie ist aber auch hierarchisch und das gilt eben auch für den Bereich der Menschenführung. Menschenführung in der Krise durch Kommunikation ist also ein Fehler……hm, ganz neues Konzept, dass man ohne Kommunikation in der Krise führen kann/sarc. Die BW ist nun einmal kein selbstorganisierender Organismus, der sich sozialdarwinistisch, auto-dudaktisch „führt“. Die BW ist – auch – eine lernende Organisation, da muß halt die Schulleitung ab und zu einmal dem Lehrkörper Erziehungshilfe bieten in Sachen zulässiges Anschauungsmaterial im Klassenzimmer.
    Die Anhänger des kämpferischen Sozialdarwinismus sind nun völlig perplex, dass UvdL ganz ohne Neu-Sprech-DEnglisch in der Lage ist mittels Kommunikation in Alt-Sprech-Deutsch zu führen. Das ist natürlich bitter für die Altherrenriege und die neurechten, uniformierten Sozialdarwinisten aka Frontschweine, denen ja jede Form von strategischer Führung ein mächtiger Dorn im Auge ist und als „Fehlverhalten“ angesehen wird. Lustig ist auch, dass die Verfechter von „Auftragstaktik“ letztendlich immer so argumentieren, als ob die höheren Führungsebenen eigentlich gar nicht in der Lage sind, Aufträge zu formulieren. Führung von Streitkräften erfolgt also „idealtypisch“ von unten nach oben ?
    Und damit sind wir wieder bei sui-generis etc.pp angekommen…..