von der Leyen: Bundeswehr hat Haltungsproblem & Führungsschwäche (m. Transkript)

Es gehört zum Thema des Bundeswehr-Offiziers, der sich als Syrien-Flüchtling ausgab und nach den bisherigen Erkenntnissen Anschläge plante, aber auch zu dem (vorangegangenen) Thema des von seinem Amt abgesetzten Kommandeur des Ausbildungskommandos des Heeres: Das Interview mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im ZDF am (heutigen) Sonntag. Deshalb oben verlinkt; und dazu gehört auch der vorangegangene Beitrag in der ZDF-Sendung Berlin direkt:

Nachtrag: Transkript des Interviews der Ministerin in der ZDF-Sendung Berlin direkt:

Frage: Wie konnte ein Offizier mit rechtsextremer Haltung trotz Hinweisen jahrelang bei der Bundeswehr bleiben?

Antwort: Das ist eine Frage, die glaube ich, nicht nur auf diesen Fall, auch auf diesen Fall bezogen werden muss. Aber ich glaube, wir müssen Pullendorf, sexualisierte Herabwürdigung, Sondershausen, übelste Schikane und jetzt der Soldat A. mit rechtsextremistischem Gedankengut, von dem wir in den Aufklärungen noch nicht genau wissen, was er plante und ob er ein Netzwerk hatte. Das sind alles unterschiedliche Fälle. Aber sie gehören für mich inzwischen zusammen zu einem Muster, dass ich heute sage: Die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem. Und sie hat offensichtlich ein Führungsschäwche auf verschiedenen Ebenen. Und da müssen wir konsequent drangehen…

Frage: Welche Hinweise gab es denn bezüglich Terrorverdacht?

Antwort: Es gab zum Beispiel – wie wir heute wissen, seit Freitag Nachmittag ist das im Ministerium – bereits eine Masterarbeit, die der Soldat als Vorläufer geschrieben hatte in Frankreich an der Eliteschule, wo er eine deutsch-französische Ausbildung machte. Und diese Masterarbeit hat ganz klar völkisches, dumpfes Gedankengut, das auf der Disziplinarvorgesetzten-Ebene auch aufgefallen ist. Aber dann hat man das Ganze schöngeredet… Es ist nicht in seiner Personalakte gelandet, ist nicht beim MAD gelandet. Das heißt, wenn die Vorgesetzten-Ebene die Führung nicht wahrnimmt und die Verantwortung nicht wahrnimmt, wie sie müssen, dann werden Dinge eben aus falsch verstandenem Korpsgeist schöngeredet, es wird weggeschaut. Und das gärt dann, bis es zum Eklat kommt. Und das ist nicht in Ordnung.

Frage: Der MAD bearbeitet derzeit 280 Verdachtsfälle von Rechtsextremismus. Was ist denn da grundsätzlich los bei der Bundeswehr?

Antwort: Grundsätzlich gibt es drei Themen, die mich umtreiben. Das Erste ist in der Tat eine Parlamentsarmee aus mündigen Soldatinnen und Soldaten, wie wir sie wollen. Da ist fest verankert, dass auf jeder Verantwortungsebene tatsächlich auch Führung übernommen werden muss. Das heißt, dass man frühzeitig die Dinge, die sich abzeichnen – und das war übrigens in Pullendorf und Sondershausen auch über lange Zeit, dass zu viele es wussten und es gedeckt haben, schöngeredet haben oder weggeschaut haben, dass Führung nicht wahrgenommen wird.

Frage: 280 Fälle, wie kann das sein?

Antwort: Ja, deshalb der zweite Punkt: Ausbildung und zwar von den Mannschaften bis zu der Offiziersebene, dass wir sehr genau gucken, wer ist bei uns und wen wollen wir nicht bei uns haben… Damit wir eine breite Debatte führen, und das ist mein Anliegen: Wir müssen eine breitere, eine offene Debatte in den Bundeswehr führen: Wo stehen wir, was ist unsere Haltung. Vieles kann toleriert werden, aber nicht toleriert werden kann politischer Extremismus, Rechtsextremismus und religionsbedingter Extremismus. Dazu gehört eben auch die Herabwürdigung, die wir sehen.

Frage: Sie sind seit Dezember 2013 die zuständige Ministerin. Wir groß ist Ihr Anteil an dem Problem?

Antwort: Unter dem Strich habe ich immer die schlussendliche Gesamtverantwortung, das ist gar keine Frage. Aber meine Aufgabe ist eben auch tiefer zu graben. Und wenn wir tiefer graben, dann sehen wir eben, dass wir an die Strukturen ran müssen, die da sind. Denn offensichtlich greifen die Mechanismen nicht, die solche Streitkräfte haben müssen, damit auch frühzeitig gemeldet und aufgeklärt wird. In der Masterarbeit zum Beispiel, die hätte nicht als Vorläufer einfach verschwinden dürfen, sonst hätte man vor zwei Jahren sehen können, was sich dort zusammentut oder gärt.

Frage: Sie haben gleich nach Amtsantritt gesagt, dass die Personalaufgabe, das Personalproblem eine ihrer zentralen Aufgaben ist. Sie haben sich dann unter anderem um die Einrichtung von Zimmern gekümmert. Haben Sie den falschen Schwerpunkt gesetzt?

Antwort: Nein, im Gegenteil, es zeigt sich ja, dass der Schwerpunkt richtig ist. Und ich würde es auch nicht reduzieren auf das, was Sie eben genannt haben. Sondern es ging zunächst einmal los mit den Themen Vereinbarkeit von Dienst und Familie, nämlich das Väter und Mütter in dieser Bundeswehr ihren Dienst tun (…)  Zweitens das Thema Respekt vor der Würde des Anderen. Ganz egal woher man kommt, wen man liebt und an wen man glaubt. Und wir haben gesehen an den Vorfällen ind Pfullendorf oder auch Sondershausen, das ist nicht selbstverständlich. (…)
Und der Dritte Punkt, der ist mir wichtig: Ich bin der festen Überzeugung – dafür habe ich die Dunkelfeldstudie in Auftrag gegeben -, dass wir ein Dunkelfeld haben, das ausgeleuchtet werden muss… Und der letzte Punkt… ist die Tatsache: Es ist nicht eine Frage der Freiwilligenarmee. Sondern die Täter, die wir heute kennen in den drei Fällen, sind alle aus der Wehrpflichtarmee. Also wir dürfen auch nicht die falschen Schlüsse ziehen.

Frage: Die SPD-Generalsekretärin wirft Ihnen vor – so wörtlich -, ein Sicherheitsrisiko zu sein. Ihre Antwort?

Antwort: Da macht sie es sich sehr einfach. Man muss die Debatte breiter angehen. Und dazu bin ich bereit.

(Aufgrund der Erfahrungen mit den vorherigen Threads werden alle Kommentare moderiert.)

65 Kommentare zu „von der Leyen: Bundeswehr hat Haltungsproblem & Führungsschwäche (m. Transkript)“

  • Sascha Stoltenow   |   01. Mai 2017 - 12:34

    @KeLaBe: „Warum sagt ihr das niemand im engsten Beraterkreis?“

    Ich habe an anderer Stelle wie folgt spekuliert: „Die Bundeswehr hat ein Führungsproblem, und zwar auf allen Ebenen. Und ohne auch nur einen einzigen Fall zu relativieren – das Problem beginnt in Berlin. Im Verteidigungsministerium hat sich eine Clique aus Politikern und Beratern eingerichtet, die besoffen scheinen von ihrer nationalen Aufgabe. Abgeschottet gegen jeden internen Sachverstand, meinen sie, durch öffentliche Schuldzuweisungen, Werbeklamauk („Die Rekruten”) und nach Prominenz statt Kompetenz ausgewählten Experten, der Truppe eine neue Kultur überstülpen zu können. Der richtige, lange und anstrengende Weg führt aber von Innen nach Außen. Nie hatte die Bundeswehr eine Reform nötiger als heute. Noch nie hat eine politische Führung die zu einer Reform willigen und fähigen Kräfte so wenig gehört und gestärkt.“

  • Pete   |   01. Mai 2017 - 12:38

    Auszug aus der Rede der Bundesministerin der Verteidigung beim Großen Zapfenstreich
    anlässlich „60 Jahre Bundeswehr“ am 11. November 2015:

    „…- Die Bundeswehr, das waren und sind zu jeder Zeit großartige Menschen. Und zwar nicht nur dann, wenn sie wie bei der Sturmflut in Hamburg 1962, dem Jahrhunderthochwasser 2013 oder jetzt bei der Aufnahme von Flüchtlingen im Inland helfen – so gut und so wertvoll diese Hilfe ist. Soldatinnen und Soldaten sind Vorbilder, weil sie im Extremfall bereit sind, ihre Mitmenschen zu schützen. Mit dem Wichtigsten, was sie haben: auch mit ihrem Leben.
    Ihnen gebührt unsere Anerkennung für ihren Einsatz, ihren Mut und ihre Hingabe an ihren ganz und gar nicht gewöhnlichen Beruf. Und der direkte Dank für das, was Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr seit 60 Jahren leisten: unser Land und seine Werte zu schützen. Das ist das Verdienst der Männer und Frauen in Uniform…“

    Anmerkungen dazu:
    1. Ich denke das würde sie auch noch sagen bei einer solchen Veranstaltung. Und es stimmt eben auch. Die Bundeswehr hat nicht nur schechte Arbeit geleistet, sondern überwiegend gute Arbeit geleistet. das kommt im Moment zu kurz in der Debatte.

    2. Die Ministerin ist zu Amtsbeginn mit einer eigenständigen Personalstrategie („Aktiv.Attraktiv.Anders“) angetreten, die damals nicht unumstritten war, insbesondere auch weil der Vorgänger im Amt mit „Wir.Dienen.Deutschland“ den Soldaten ja durchaus andere Leitlinien (Dienen) vorgegeben hatte.
    Die Ministerin hat alle Staatssekretäre des Vorgängers ausgetauscht und neue Staatssekretäre ihres Vertrauens (teilweise ohne jede Erfahrung im Bereich Sicherheitspolitik) eingesetzt. Das ist ihr Recht. Sie muss aber nun auch bereits sein nach 4 Jahren Verantwortung zu übernehmen für das was sie erreicht hat mit ihrer Strategie und ihrem Leitungspersonal. Denn dort wurden die strategischen Vorgaben entwickelt, nicht in der Truppe.

    3. Ich glaube, weiss es aber nicht, dass die Bundeswehr hinsichtlich menschlichen Fehlverhaltens in allen Führungsebenen im Prozentsatz nicht über dem Fehlverhalten bei anderen Armeen in demokratischen Staaten liegt.Hierzu gibt es sicherlich Erkenntnisse, oder?

    4. Warum ein Kriminologieprofessor aus Hannover eingestellt muss, um in den nächsten 2 Jahren! ! das Lagebild Innere Führung zu erstellen erschließt sich mir nicht. Der gesamte „Apparat“ Innere Führung der Bundeswehr einschl. Wehrbauftragter, Zentrum InFü, Beirat InFü. Nicht zu vergessen das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Unter deren Homepage ist z.B. folgende Publikation aus 2014 abgelegt:

    “ Soldatinnen in der Bundeswehr – Integrationsklima und Perspektiven.
    Dokumentation des Symposiums an der Führungsakademie der Bundes-wehr in Hamburg am 10. und 11. Juli 2014.“

    Meine Fragen:
    Hat die Führung der Bundeswehr wirklich ein Erkenntnisdefizit, dass nur ein Professor aus Hannover in den nächsten 2 Jahren ermitteln kann? Wenn ja, warum? Welche Ebene ist dafür verantwortlich?

  • Hauptgefreiter   |   01. Mai 2017 - 13:12

    @MikeMolto
    …die Frage ist ja ob das alle Verantwortlichen tun, selbst wenn es offensichtlich ist. Dazu kommen ja noch diejenigen die ihre radikale Gesinnung im Verborgenen halten. Letztendlich baerbeitet der MAD nur 280 Faelle über die letzten zwei Jahre. Ich wuerde sagen die beruehmte Spitze des Eisbergs.
    Und ja, es widerspricht nicht der FDGO, wenn Sie das lesen, was öffentlich gepostet wird. Wenn eine/r meiner Mitarbeiter/innen etwas veröffentlichen wuerde was unserem Leitbild und den guten Sitten widersprechen wuerde, haette das ganz sicher Konsequenzen!
    Das halten uebrigens auch große Konzerne so, da alles was der Einzelne oeffentlich verbreitet auf die Gemeinschaft zurück schlägt .Vor allem wenn klar ersichtlich ist aus welchem Stall er kommt. Siehe aktuelle Problematik der Bundeswehr. Und das meine ich ganz ohne Ironie. Machen Sie einfach die Augen auf und schauen sich mal um.
    Da sind “ porc eating infidel crusader „Buttons auf dem Kampfanzug von Afghanistankaempfern noch relativ “ harmlos“. Aber da faengt es zum Beispiel schon an. Leute , die so etwas machen haben ihren Auftrag nicht verstanden und haben in den Streitkräften eines demokratischen Staates nichts zu suchen. Da reicht es eben nicht, wenn der Vorgesetzte sagt : mach das Ding ab Junge. Das muss andere Konsequenzen haben.

  • xyz   |   01. Mai 2017 - 13:15

    Die Aussagen von Herrn Pfeiffer sind eine Frechheit. Soll das eine unvoreingenommene Herangehensweise sein? Das Ergebnis seiner Studie scheint ja schon festzustehen. Einigen dürfte diese Person noch aus der Killerspiel-Debatte bekannt sein.

  • Sascha211   |   01. Mai 2017 - 13:19

    Aus meiner eigenen Erfahrung als Einheitsführer möchte ich der pauschalen Feststellung einer „Führungsschwäche“ widersprechen. Sicherlich trifft es in Einzelfällen zu, jedoch doch nicht in dem Maße für eine generelle Führungsschwäche. So mancher Disziplinarvorgesetzte wird innerhalb seiner Schützlinge die oder den einen anderen haben, der aus verschiedenen Gründen – und dieses schließt auch den Bereich von Rechtsextremen mit ein -, die sie oder er gerne lieber heute als morgen aus diesem Kreise verbannen möchte. Doch bereits eine Stufe höher oder dann beim Personalamt wird die Einschätzung der oder des direkten Disziplinarvorgesetzten doch schon „weichgespült“ mit der Aussage „solange kein Disziplinarvergehen vorliegt“ könne man nichts machen. Die Bewerberzahl war und ist nun mal nicht derart hoch, dass ein identifiziertes schwarzes Schaf umgehend durch das BAPers Bw ersetzt werden könnte. Also müssen Disziplianrvorgesetzte mit denen leben, die sie bekommen. Und diese müssen auch zum Stichtag befördert werden, was im Nachhinein, wenn eine solche Geschichte wie mit dem OLt passiert, natürlich zum Aufschrei führt. Zusammengefasst möchte ich hier nur zu bedenken geben, dass sich nicht alle schwarzen Schafe dumm verhalten und sich oftmals vielleicht in einer Grauzone bewegen. Hier kommt die oder der Chef jedoch nicht ran, mal davon abgesehen, dass in deren oder dessen Bürokratiewahnsinn zwischen Beurteilungen, Stellungnahmen etc. meist nur wenig Zeit ist entsprechend zu ermitteln. Eine generelle Führungsschwäche ist das nicht und vielleicht würde mehr Zeit für das eigentliche Führen schon viele, der im Interview aufgezeigten Probleme von Anfang an vermeiden.

  • Georg   |   01. Mai 2017 - 13:48

    @ Mike Molto

    Ja warum nicht?
    Wenn ein Soldat Fluhblätter verteilt muss der Vorgesetzte auch ermitteln.
    Was ist der Unterschied zu einem Post auf Facebook?

  • Mackiavelli   |   01. Mai 2017 - 14:10

    @ Hauptgefreiter: Sie fahren hier ganz schön schweres Geschütz auf.
    Rechtsextremismus beinhaltet u.A. Rassismus und die Infragestellung der rechtlichen Gleichheit. Wenn sie Gedankenansätze dieser Art flächendeckend in der Truppe finden, dann scheinen wir zwei unterschiedliche Armeen zu kennen.
    Ich glaube Ihnen ist nicht bewusst, dass das politische Spektrum der FDGO um einiges größer ist, als das was derzeit im Bundestag an Parteien vertreten ist und dass es rechts von der CDU noch jede Menge Platz gibt, bis man wirklich den Boden der FDGO verlässt. Ich behaupte mal, dass zumindest in der Kampftruppe die meisten Soldaten in dieser politischen Region zu verorten sind – und daran ist erst einmal nichts schlechtes. Für die Funktionsfähigkeit und das Selstverständnis der Armee ist es vermutlich sogar hilfreich. Mit Rechtsextremismus o.Ä. hat das alles noch gar nichts zu tun – wirklich rechtsextreme Soldaten sind meiner Wahrnehmung nach und dem Bericht des Wehrbeauftragten und den Erkenntnissen des MAD zufolge weiterhin sehr selten und werden in der Truppe nicht geduldet!
    Nur weil die Truppe konservativer ist, als der Durchschnitt der Bevölkerung, dürfen wir uns da kein schlechtes Gewissen machen lassen und auch nicht von solchen medial aufgeladenen Einzelfällen ins Boxhorn jagen lassen – es gibt kein strukturelles Problem dieser Art! Die Ministerin tut hier nichts anderes, als auf schäbigste Art und Weise und auf dem Rücken der ihr anvertrauten Soldaten Wahlkampf zu machen.

  • SER   |   01. Mai 2017 - 14:25

    Zur Versachlichung bitte die Begriffe sauber trennen. Rechtsradikale wollen ein System stürzen oder abschaffen weil sie seine Wurzel (radix lat.) entfernen wollen.
    Der Rechtsextreme ist extrem in seinen Ansichten nebst der Nähe zum Konservatismus.

    Somit stellt sich vermutlich eher die Richtung der Diskussion auf den Letztgenannten sowohl für den Mikrokosmos Bw als auch die Gesellschaft.

  • Rainer Arnold. MdB   |   01. Mai 2017 - 14:40

    Es gibt jetzt nicht nur den Fall „rechtsextremer Soldat“ und der Umgang mit solchen Vorfällen. Inzwischen gibt es auch den „Fall von der Leyen“. Hierzu meine aktuelle Pressemeldung:

    „Die Bundeswehr hat in der Tat ein strukturelles Problem im Umgang mit rechtsradikalen Vorkommnissen. Diese werden zwar gemeldet, eine Aufarbeitung findet aber nur formal bürokratisch entlang des Disziplinarrechts statt, ohne ein Gespür für die politische Brisanz. Die Ministerin hätte schon lange gegensteuern müssen. Zumal die schlechte Informationspolitik innerhalb der Bundeswehr mit der verfehlten Reform ihres Vorgängers de Maizière zu tun hat. Statt dieser Aufgabe gerecht zu werden, beschimpft sie pauschal die Truppe.

    Eine Ministerin, die auf der Zuschauertribüne sitzt und lediglich von oben herab bewertet, hat selbst ein Haltungsproblem. Sie hat offenbar nicht erkannt, dass gute Führung damit beginnt, Verantwortung zu übernehmen. Die strukturellen Probleme sind erkannt, von der Leyen hat aber die Aufgabe diese zu beheben und darf das nicht auf die lange Bank schieben. Die Ministerin ist auch im Umgang mit Fragen zur inneren Führung eine reine Ankündigungsministerin, die sich in keiner Weise um die Ausführung kümmert.“

  • Klaus Trophobie   |   01. Mai 2017 - 14:50

    @Roccy
    „Dazu zähle ich sich vor seine Soldaten zu stellen, sie nach außen hin zu schützen und hinter verschlossenen Türen Ohrfeigen zu verteilen und immer wieder Verantwortung für Dinge zu übernehmen, die in meinem Verantwortungsbereich geschehen.“

    Genau das ist doch Teil des Problems.

    In der BW haben wir (soweit ich das Überlicken kann) das Problem das der Disziplinarvorgesetzte doch ständig ein anderer ist: AGA, Einheit, OffzAusB, Einheit, Weiterbildung, Einheit, Ausland, Einheit,…
    All das was „hinter verschlossenen Türen“ abgehandelt wird taucht in der Personalakte nicht auf und wird von jedem nachfolgenden Vorgesetzten wieder als „einmal ist keinmal“ abgehakt. Das so keine Muster zu erkennen sind wundert mich nicht.
    Nicht umsonst hieß es in der ersten Verlautbarung zum Fall des terrorverdächtigen Offiziers es seien keine rechtsextreme Tendenzen bekannt. Vor so einer Aussage wird man ja wohl einen Blick in der Personalakte geworfen haben? (Hat man). Nur – wenn da halt nix drin steht muss man erst nochmal mündlich bei den ehemaligen Vorgesetzten nachhaken muss um Tage später ein „Ach, da war mal was…“ zu erhalten.

    Ich sehe in der absoluten Zahl an Vorfällen in der BW bislang kein Problem. Und es sollte auch nicht jeder Furz als großer Scheißeregen auf einen Soldaten niederprasseln.
    Aber ich werde halt das Gefühl nicht los das die bekannten Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind.
    Vor allem finde ich es wichtig das auch bei Vorgesetzten die weiterführende Instanz als Korrektiv verstanden wird. Jeder macht mal Fehler, womöglich liegt das Problem auch mal nicht beim (nicht?) gemaßregelten Untergebenen…

  • MikeMolto   |   01. Mai 2017 - 14:51

    @ Hauptgefreiter | 01. Mai 2017 – 13:12

    .Ich respektiere Ihre Aussagen welche auf Ihre frueheren schlechten Erfahrungen mit der Bw zurueckzufuehren sind.,

    Und ich wiederhole mich: Falsches Verhalten muss offensichtlich und nach Ermittlung auch justitiabel sein. Ein Soldat nach Fehlverhalten und Ermahnung/Belehrung/Diszi wird natuerlich kritischer betrachtet als ein unauffaelliger Mensch.
    Andererseits spreche ich Ihnen das Wissen und die Urteilfsfaehigkeit darueber ab, was heutige Vorgesetzte im Nieveau Kp/Zug/HA/A taeglich an Erziehungs- und Lebenshilfearbeit angeblich nicht leisten.
    Die Arbeit geht nicht nur in Richtung politischge Bildung/ ‚Erziehung‘ (die eigentlich das Eltenhaus und die Schule bereits geleistet haben sollten) sondern incl. Alkoholpraevention/missbrauch, Spielsucht, Ueberschuldung, Familienprobleme, Genderprobleme, Gesundheitsprobleme (nicht die Behandlung sondern die Auswirkung auf das Dienstliche) …zusaetzlich zum Ausbildungs- und Einsatzauftrag.

    Anhand des Vorgang ‚OL Rechtsextremist‘ wird jetzt pauschal der gesamten Bw unterstellt Rechtsextremismus durch Duldung zu unterstuetzen. Herr Prof Dr Christian Pfeiffer hat bereits schluessige Theorien. …die nur noch der empirischen Bestaetigung beduerfen…. dabei mache ich Aufmerksam darauf, wieviele seine bisherigen Expertisen sich als falsch und/oder tendenzioes erwiesen haben (Wikipedia).

  • xyz   |   01. Mai 2017 - 14:53

    „Letztendlich baerbeitet der MAD nur 280 Faelle über die letzten zwei Jahre. Ich wuerde sagen die beruehmte Spitze des Eisbergs.“

    Und in wievielen Fällen steht eine wirkliche rechtsextreme Gesinnung dahinter? Man sollte vielleicht nicht vergessen, dass die BW nicht nur aus Ü30 mit Hochschulabschluss besteht und da ist es wenig sinnvoll bei jedem Unsinn, der irgendwie „rechts“ sein könnte, gleich ein riesen Theater zu veranstalten, sondern den jungen Soldaten erstmal zu erziehen, ohne ihm seine Zukunft zu verbauen.

  • MikeMolto   |   01. Mai 2017 - 14:59

    @ Georg | 01. Mai 2017 – 13:48

    Darf ich vermuten, dass Sie Vorgesetzter in der Bw sind?

    Dann offeriere ich Ihnen folgende scenaria:
    1. Ein Buerger der Garnison ruft Sie an, Soldat XZ verteile in Uniform Flugblaetter…
    2. Sie setzen sich nach Dienst hin und ‚durchblaettern‘ saemtliche facebooks um eine der Ihren als Autor/kommentator zu entdecken?

    c

  • Django   |   01. Mai 2017 - 15:15

    @Sascha211

    Leider muss ich hier zu 100% zustimmen.

  • T.Wiegold   |   01. Mai 2017 - 16:20

    @all

    Und schon wieder gibt es etwas Neues: Einen Offenen Brief der Ministerin an die Truppe. Ich habe dazu einen neuen Eintrag aufgemacht; bitte dort weiterdebattieren.