Bundeswehr dementiert Einsatz deutscher Spezialkräfte im Nordirak

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Manchmal ist auch ein Dementi eine Meldung: Seit dem (gestrigen) Dienstagabend steht bei dem großen US-Nachrichtenportal The Daily Beast ein Korrespondentenbericht aus dem Nordirak: Neben US Special Operations Forces, so heißt es unter Berufung auf kurdische Quellen, seien an der Front zu den ISIS-Milizen auch deutsche Spezialkräfte im Einsatz. Unter anderem, um die Luftangriffe auf ISIS-Einheiten vom Boden zu koordinieren:

Are American Troops Already Fighting on the Front Lines in Iraq?

Es hat ein bisschen gedauert, aber jetzt gibt es ein knallhartes Dementi der Bundeswehr: Die Truppe habe zwar ein militärisches Verbindungselement beim deutschen Generalkonsulat in der Kurden-Hauptstadt Erbil, aber keine Spezialkräfte im Irak, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos am Mittwoch auf Anfrage von Augen geradeaus! Auch das Pentagon hat nach dem Bericht die Beteiligung von US-Spezialkräften bereits dementiert (was bei den USA, im Gegensatz zu Deutschland, natürlich Schlupflöcher offen lässt, zum Beispiel den Einsatz von Special Operations Groups der CIA).

Nun ist natürlich denkbar, dass die Angaben bei The Daily Beast auf einem Missverständnis beruhen (und Spezialkräfte anderer Nationen irrtümlich als Deutsche genannt wurden). Die wesentlichen Passagen aus dem Bericht:

Contacts in the Kurdish intelligence service and Peshmerga leadership confirmed what we saw. “Yes,” one commander replied to our questions. “German and American forces are on the ground here. “They are helping to support us in the attack.” (…)

Kurdish officials told The Daily Beast a different story. Ranking members of the Kurdish military and intelligence service said that one team of U.S. Special Operations was on the ground in Zumar along with several German counterparts, working in conjunction with Peshmerga units. According to the Kurdish sources, U.S. and German special operations teams had taken up positions in Zumar that allowed them to coordinate with U.S. aircraft.

(Screenshot: The Daily Beast)

 

 

 

37 Kommentare zu „Bundeswehr dementiert Einsatz deutscher Spezialkräfte im Nordirak“

  • Ein Leser   |   03. September 2014 - 10:22

    Würden solche Einsätze zum Fähigkeitsspektrum privater Sicherheitsunternehmen gehören?

  • Thomas Melber, Stuttgart   |   03. September 2014 - 10:25

    @Ein Leser
    Sie können dort (beinahe) alles bekommen, wenn Sie es sich finanziell leisten wollen.

  • dallisfaction   |   03. September 2014 - 10:27

    Hatten Sie etwas anderes als ein Dementi, während einer laufenden Operation, erwartet? Über solcherlei Einsätze sollte in erster Linie gar nicht berichtet werden. Langt schon, dass die Obleute bescheid wissen und unter ihnen eben auch Linke sind die die Info sicher nur zu gerne durchstecken.

  • T.Wiegold   |   03. September 2014 - 10:36

    @dallisfaction

    Wenn es wirklich eine laufende Operation sein sollte: Ja.

    (Das Parlamentsbeteiligungsgesetz sieht aus gutem Grund eine nachträgliche Information sowie Bundestags-Billigung des bewaffneten Einsatzes deutscher Streitkräfte nur in bestimmten Fällen vor, in denen sonst bei Gefahr im Verzug etc. der Einsatz gefährdet wäre. Das gilt sicherlich für Geiselbefreiungen und ähnliches; für einen militärischen Einsatz der hier genannten Form glaube ich kaum, dass man damit argumentieren kann.)

  • Tom   |   03. September 2014 - 10:42

    @T.Wiegold | 03. September 2014 – 10:36:

    Das ist wie damals in Libyen (Pegasus). Solange ein eigener Waffeneinsatz nur möglich ist, reicht die Unterrichtung des kleinen Kreises vollkommen. Erst wenn man doch selbst aktiv gekämpft hat, muss man nachträglich das ParlBG durchexerzieren.

    ;-)

  • T.Wiegold   |   03. September 2014 - 10:45

    Pegasus ist kein so gutes Beispiel – da läuft ja noch die Klärung vor dem Verfassungsgericht, ob es ein Einsatz war oder, wie es die Bundesregierung sieht, eine bewaffnete Dienstreise… In diesem Fall dürfte nicht infrage stehen, dass die Einbeziehung in eine bewaffnete Auseinandersetzung zu erwarten ist.

    Deshalb habe ich ja sehr hartnäckig nachgefragt und mich nicht mit der üblichen Floskel zu Operationen von Spezialkräften sagen wir nichts zufriedengegeben.

  • Thomas Melber, Stuttgart   |   03. September 2014 - 10:57

    Vielleicht sind es ja Fernspäher? Das sind spezialisierte Kr (EGB), keine Spezialkräfte.

  • ThoDan   |   03. September 2014 - 11:07

    Gab und gibt im Netz einige Freiwillige/PMCs die da angeblich was am Laufen haben

  • klabautermann   |   03. September 2014 - 11:13

    Vielleicht „Urlauber“ ;-)

  • T.Wiegold   |   03. September 2014 - 11:16

    @ThoDan

    Quellen/Links?

  • Spowi   |   03. September 2014 - 11:36

    @klabautermann:
    “Urlauber“ made my day!!!!

  • JCR   |   03. September 2014 - 11:54

    Im Gegensatz zu Irakern oder Afghanen kann man den Kurden durchaus zutrauen, Deutsche zu erkennen.

    Die meisten waren ja schließlich mal hier… ;)

    Urlauber ist gut :)))

  • Closius   |   03. September 2014 - 11:54

    Nach dem Parlamentsbeteiligungsgesetz wäre ein Einsatz des KSK nur bei Gefahr im Verzug oder als Einsatz zur Rettung von Menschen zulässig ohne vorherige Zustimmung des Bundestages. Aber von einer deutschen Geisel ist nichts bekannt, die in den Händen der ISIS im Irak wäre und die Flüchtlinge sind bereits aus dem Sindschargebirge gerettet worden. Zur Rettung dieser Flüchtlinge hätte das KSK ohne Bundestagsmandat eingesetzt werden können.

    Ein Einsatz des KSK z.B. um am Boden die Ziele für die US Luftstreitkärfte oder Marineflieger aufzuklären könnte man nicht als Gefahr im Verzug Maßnahme rechtfertigen. Darüber hätte der Bundestag vorher entscheiden müssen.

    Aber es gibt die Möglichkeit, daß der BND vor Ort ist, und da 750 Bundeswehrsoldaten beim BND Dienst tun, wäre es möglich, daß BND Mitarbeiter vor Ort sind, die dem Amt für Militärkunde angehören und und dort Aufklärung betreiben oder den US Streitkräfte mögliche Ziele nennen. Und möglicherweise geben sich diese BND Mitarbeiter dort nicht als BND Leute aus, sondern als Soldaten oder geben ihren Rang an.

  • apii   |   03. September 2014 - 11:57

    Könnte auch mix up GER/GBR sein…

  • echo   |   03. September 2014 - 12:44

    Die Amerikaner sind sicherlich nicht auf deutsche Unterstützung im Bereich Target Acquisition angewiesen. Das amerikanische Spezialkräfte am Boden gemeinsam mit den Kurden Nord-Iraks für Zielaufklärung sorgen, erscheint selbstverständlich. Anders hat es weder im Kosovo noch in Libyen funktioniert. Und die FeSpäher sind nicht unten und sind (leider) auch nicht auf der gleichen Ebene mit den SpezKr Bw im Bereich JTAC ausgebildet und/oder zertifiziert. M.E. geht es am Ende um die geregelte Verteilung der zu liefernden Waffen und Ausrüstung. Dazu braucht man sicherlich ein VbdgsElement zu den Kurden. Sicherlich wird da neben dem LogStOffz auch ein Calwer oder ein AMKler vor Ort sein. Wäre dieser Ansatz zu mandatieren? Wohl kaum. Und wir erinnern uns: Mit der Union haben wir MdB’s, die die Parlamentsbeteiligung und damit die Unterrichtung der Öffentlichkeit am liebsten Aushöhlen würden. Und den Pressevertretern darf ich zurufen: Auf gehts. Gibt billige Direktflüge nach Erbil von Istanbul und Ankara. Und das Wetter in der Türkei und im Nord-Irak ist auch schön. Bisschen warm vielleicht. Kann man es schonmal ein paar Stunden vor dem deu Konsulat aushalten und gucken, wer da so rein und rausmaschiert.

    — E

  • Matthias   |   03. September 2014 - 14:00

    Wer meinst denn ernsthaft, dass die zu den deutschen Waffen 2 Tonnen in kurdisch gedruckte Handbücher beigelegt haben? Natürlich haben die ihre Erklär-Bären mitgeliefert. Und für jeden von diesen brauchen Sie circa zehn Personen für die Infrastruktur und den Schutz.
    Alles Urlauber.

  • P. Rombach   |   03. September 2014 - 16:22

    @ echo
    Pardon aber 2003 war es gerade so, dass der BND besser Bescheid wusste das gerade in Bagdad geschah als die US- Amerikaner. Auch hier wurden vermutlich Ziele von zwei Mitarbeitern ausgekundschaftet und beobachtet. Gerade der BND hatte eigentlich immer gute Kontakte in den Nahen Osten, egal zu welcher Seite auch immer.

  • xyz   |   03. September 2014 - 16:24

    „Vielleicht sind es ja Fernspäher? Das sind spezialisierte Kr (EGB), keine Spezialkräfte.“

    Die Fernspäher befinden sich in der Auflösung. Das was in der Heeresaufklärungstruppe so rumdümpelt hat mit den ursprunglichen Fernspähern auch nicht mehr so viel zu tun. Letztlich geht das KSK in den Einsatz, auch wenn andere Kräfte die Aufgaben problemlos bewältigen könnten. Deswegen blutet das KSK auch derart aus.

    „Die Amerikaner sind sicherlich nicht auf deutsche Unterstützung im Bereich Target Acquisition angewiesen.“

    Genaugenommen sind die in keinem Bereich auf deutsche Unterstützung angewiesen.

  • PEC   |   03. September 2014 - 17:05

    @echo

    Du hast völlig Recht. +1

    Scheinst ganz gut Ahnung davon zu haben, wie es läuft. ;-)

  • svarez   |   03. September 2014 - 18:01

    @echo: wieso sollte „ein Calwer“ bei der Waffenverteilung zugegen sein? Erschließt sich für einen Laien gar nicht. Haben Sie Quellen oder behaupten Sie das einfach mal inbrünstig?

  • Björn Sefari   |   03. September 2014 - 18:03

    Es sind definitiv deutsche PMC (Privat Military Contractors) im Nord-Irak tätig. Die Firmen TAV (Trans Atlantic Viking) und Asgaard GSG sind seit längerer Zeit dort im Einsatz. Deren Homepage gibt offen Auskunft und auf der Seite von militaryphotos sind weitere Bilder zu finden.
    Warum auch nicht?! Der Security-Bereich ist eine global Dienstleistung geworden und deutsche ex-Soldaten haben noch einen guten Ruf.

  • Ops   |   03. September 2014 - 21:20

    @Björn Sefari | 03. September 2014 – 18:03

    Welche konkrete Auskunft auf der Webseit von Asgaard meinen Sie? Meinem Eindruck nach hat sich die Webseite (bis auf das Impressum) seit dem Somalia-Joke des damaligen GF Kaltegärtner nicht wesentlich verändert und „Asgaard GSG“ wahrscheinlich auch nach wie vor keine relevante Geschäftstätigkeit entwickelt.

  • LC   |   03. September 2014 - 21:50

    Nun die „Militärischen Berater“ der USA im Irak dürften mit großer Wahrscheinlichkeit Seals oder andere Spezialeinheiten darstellen (1120 aktuell). Auch die SAS soll auf dem Sinjar Gebirge aktiv gewesen sein.
    An deutsche Kräfte glaube ich allerdings nicht, passt nicht zu Mutti.
    Interessant ist aber, dass Frankreich und UK überlegen die USA in den Luftschlägen zu unterstützen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Luftwaffe sich dort beteiligen würde?

  • Closius   |   03. September 2014 - 21:57

    Mutti wird sich wie immer drücken können, nur bei einem UNO-Mandat käme Mutti in Schwierigkeiten und die Linkspartei, das wäre dann lustig. Wobei mir nur Tornados stellen könnten.

  • marcus   |   03. September 2014 - 22:41

    @ops

    Asgaard scheint einen neuen Auftritt zu haben, die Worthülsen klingen professioneller, was ein NCAGE ist, wissen sie inzwischen auch, augenblicklich suchen sie »“Handwerker“« [!] für den Nordirak und bieten so Kurse an. Irgendwas mit interkulturell und Nordafrika bis Mittlerer Osten und – huch – ein »PSD Operator Training Irak«. Wie weit gefasst das »S« ist, muss hier natürlich noch erfragt werden. (was ist eigentlich aus diesem Ermittlungsverfahren wegen der Somalia-Sache geworden?)

    Tja und irgendwie hat die Webseite der transatlantischen Wikinger offenbar nicht das richtige Passwort für den Datenbankserver von 1&1. Dafür verrät sie uns den Benutzernamen an der Datenbank. Das ist zwar fast die halbe Miete, um sich dort mal umzuschauen, andererseits aber nicht unbedingt das, was ich mir wünsche, wenn ich auf der Suche nach einer vertrauenswürdigen PMSC bin…

  • Björn Sefari   |   04. September 2014 - 16:19

    Es ist schon auffällig und bezeichnend, dass das Thema; deutsche PSD, sofort das Hyänenrudel der Berufsnörgler weckt und eine Welle unsachlicher Wortmeldungen provoziert. Das „Ermittlungsverfahren“ war wie immer ein Sturm im (Medien)-Blätterwald und ist längst eingeschlafen (Szene-Info). Hat aber auch mit dem eigentlichen Thema eh nicht zu tun. Seit Jahren sind deutsche Sicherheitsdienstleister im Irak/Kurdistan im Einsatz und unterstützen dort die Schlapphüte und das US-Militär.
    Jungs seht es ein, Deutschland mit seinem starken Mittelstand, mischt in der globalisierten Welt vorne mit. Wo ein Bedarf ist, findet sich ein Anbieter. Der Markt sortiert das Untermaß von selbst aus. TAV und Asgaard mischen offensichtlich kräftig und erfolgreich mit. Gewöhnt euch besser daran, denn ein Magengeschwür ist etwas fieses.

  • autostaedterin   |   04. September 2014 - 16:59

    Björn Sefari | 04. September 2014 – 16:19

    Gibt es denn für diese Behauptungen irgendeinen Nachweis?
    Amerikanische und britische PMSC haben genug geeignetes Personal aus ihren eigenen Ländern, wozu dann noch Deutsche?

  • Björn Sefari   |   04. September 2014 - 18:04

    “ genug geeignetes Personal“,– geeignet wofür? Die US- und GB Armee hat sicherlich ein großes Potential an gut für den Kampf gegen infanteristische Kräfte ausgebildeten Soldaten. Diese gelten aber in den arabischen Ländern im negativen Sinne als „Cowboys und Raufbolde“. Sich in die teils sensible Kultur zu integrieren ist nicht ihre Stärke. Alkohol- und Drogenexzesse sind da noch die harmlosesten Vorkommnisse. Es gab in den verschiedenen US-Magazinen, auf CNN, aber auch im deutschem TV wiederholt Berichte darüber. Richtige Schlagzeilen machten die wiederholten (rechtswidrigen und meist willkürlichen) Tötungen von Zivilisten. Wer aufmerksam danach sucht, findet auch die Belege dafür. Redest Du von diesem „geeigneten Personal“. Genau aus diesem Grund konnten sich die deutschen Sicherheitsunternehmen im Irak und Afghanistan so nachhaltig etablieren. Deutsche (Ex)Soldaten gelten (z.B. in Afghanistan und im Kosovo) allgemein als Kultur-sensibler.

  • Ops   |   04. September 2014 - 19:37

    Björn Sefari | 04. September 2014 – 16:19
    „Das “Ermittlungsverfahren” war wie immer ein Sturm im (Medien)-Blätterwald und ist längst eingeschlafen (Szene-Info).“

    Das ist kein Wunder, Sprüche klopfen ist nun mal nicht strafbar (Szene-Info).

    „TAV und Asgaard mischen offensichtlich kräftig und erfolgreich mit.“

    Sie haben mich so neugierig gemacht, dass ich jetzt doch drei Minuten gegoogelt habe. Der Gesellschafter-Geschäftsführer mit der extravaganten Namensführung, dennoch gebürtig von der Ruhr, ist ein 39-jähriger Versicherungsmakler und AfD-Kommunalpolitiker. Offensichtlich hat er den branchenweit renommierten Namen Asgaard GSG von unserem Reservisten des Jahres aus dem Münsterland übernommen (damals noch als GmbH firmiert), um an seinem Wohnsitz eine UG haftungsbeschränkt mit 400 Euro Stammkapital zu gründen. Die ist gegenüber dem Geschäftszweck und typischen Haftungsrisiken im Zeitpunkt der Gründung strukurell unterfinanziert, also nix mit „haftungsbeschränkt“ sondern Durchgriffshaftung gegen den Gesellschafter – nur als Hinweis, falls der Herr demnächst in den Einsatz zieht.
    So muss es aussehen, wenn deutsche PMC ganz dicke Bretter bohren.

  • Björn Sefari   |   04. September 2014 - 21:08

    ……und doch sind diese Herren in Erbil/Kurdistan-Irak seit längerem recht erfolgreich tätig und arbeiten eng mit deutschen Firmen und den regionalen Behörden zusammen (Info Facebook und div. US-Militärfachmagazine). Was macht es da, dass sie in Deutschland noch keine Villa als Firmensitz haben.
    Der STERN (Auskunft Redaktion) arbeitet an einem größeren Bericht über den aktuellen Einsatz dieses Unternehmens. Die RTL-Gruppe hat für ihre Spitzenjournalistin im Krisengebiet um Info und Unterstützung durch Asgaard gebeten und und und… All das ist in den deutschen und US-Medien nachzulesen. Nimm Dir mehr als 3 Min.
    Empfehlung: Mal die „Jedermanns-Zeitung“ weglegen und über den Tellerrand schauen.
    Die Welt ist in einem starken Wandel und die alte Matrix bekommt Löcher und löst sich auf.

  • autostaedterin   |   05. September 2014 - 8:43

    Björn Sefari | 04. September 2014 – 21:08

    Wenn es auch in der kurzen Nachfrage nicht so aussieht, ich habe tatsächlich ziemlich viel über den Tellerrand hinaus über das Thema gelesen (keinesfalls in der BILD und deutlich mehr als ein paar Minuten), darunter auch Englisch-sprachige Quellen (Web, Twitter, Bücher). Die Frage ist: was ist an den Meldungen wirklich dran, ich denke da nur an die Meldungen über vermeintlichen Greystone-Mitarbeiter in der Ukraine. Macht sich da nur jemand wichtig, oder ist da Substanz. Gibt es eine gesetzliche Grundlage? Mit wessen Billigung in D passiert das? Über wie viele Personen reden wir? Ich sehe den Einsatz von PMSC durchaus nicht durchweg negativ, und über deren Mitarbeiter gerade im Iraq zu urteilen, wo sich in den letzten Jahren die Iraker vor allem gegenseitig abgeschlachtet und damit den Boden für IS bereitet haben, halte ich, sagen wir mal, für gewagt.
    Auf jeden Fall danke für den Hinweis für Veröffentlichungen zu diesem Thema in nächster Zukunft.

  • Björn Sefari   |   05. September 2014 - 13:21

    autostaedterin; freut mich, dass ich Dir zuarbeiten konnte. Das Thema PMC, darf nicht in Schwarz/Weiß-Farben gesehen werden. Hier gibt es nur viele unterschiedliche Grautöne.
    Es ist dabei im Vordergrund von substanzieller Relevanz, dass der interessierte Bürger den erheblichen Unterschied zwischen Söldnern und PSD/PMC kennt. Söldner sind immer aktiv und operativ tätig (also Angreifer, Jagdeinheiten). PSD/PMC sind ausschließlich reaktiv und defensiv tätig (also Verteidiger, Gejagte). PSD/PMC-Mitarbeiter reagieren lediglich verteidigend auf Angriffe. Sie sichern Personen-Gruppen, Objekte (Botschaften, Industrieanlagen, Pipelines), Veranstaltungen oder eben LKW-Konvoys. Die Hollywood-Truppe von ehemals Blackwater/Xe/ Akademie usw. hat diese Trennung bedarfsweise willkürlich gewechselt und damit ein falsches, fatales Bild von den seriösen PMC erschaffen. Viele Medien haben dieses Zerrbild leider dankbar aufgegriffen und für ihre „Meinungsbildung“ und/oder Druckauflage instrumentalisiert.
    Der Konflikt im Irak kann und darf nicht isoliert oder temporär betrachtet werden. Hier prallen historische, kulturelle, religiöse und geopolitische Interessen so hart und chaotisch auf einander, dass keine Regierung der Welt oder einer der unzähligen Nachrichtendienste wirklich noch den Überblick haben. Daher hat auch niemand einen echten Gesamtplan für die Lösung dieser Situationen.
    Die brisanten Krisen im Norden Afrikas, die kriegerischen Konflikte im arabischen Raum und die bürgerkriegsähnlichen Zustände in der Ukraine dürfen nicht durch die gleiche (westliche, politisch korrekte) Brille betrachtet werden. In der Ost-Ukraine (wo ein wirklich schmutziger Krieg -mit genauso schmutziger Medien-Berichterstattung- ausgetragen wird) sind andere Interessengruppen die Treibfeder. Daher ist auch der Einsatz von PMC-Gruppen (oder die der Söldner-Einheiten) differenziert und individuell zu beurteilen. Wenn Du über Söldner reden willst, dann benutze auch den Begriff Söldner. Wenn Du über PSD/PMC reden möchtest, dann benutze auch die richtigen Begriffe dafür, Werfe sie nicht in einen Topf. Das Ergebnis ist unverdaulich.

  • dxx   |   05. September 2014 - 13:57

    @Matthias I 3.September 2014 14:00

    Ihre sog. Erklär-Bären brauchen drüben auch noch SanDstlVersorgung in Form des zuständigen TrArztes!
    Und solange nur erklärt, somit absehbar nicht gekämpft wird-ergo keine Kampftruppen entsendet werden- geht es auch zustimmungslos vorbei am Parlament und der Öffentlichkeit…

  • autostaedterin   |   05. September 2014 - 18:44

    @Björn Sefari | 05. September 2014 – 13:21

    Ich denke, dass es in diesem Bereich fließende Übergänge gibt und die Definitionen so erstellt werden, wie man sie gerade braucht. Söldner ist halt ein pejorativer Begriff (obwohl die meisten großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts von Wehrpflichtigen durchgeführt oder zumindestens flankiert wurden), Defense Contractor klingt viel netter, am Ende steht aber, dass private Firmen (para/semi)militärische Aufgaben übernehmen. Die UN selbst, die über keine eigene Armee verfügt, leistet sich eine Arbeitsgruppe zum Einsatz von Söldnern, die dann gerade die Leute kontrolliert, die im Auftrag von AU/EU/UN z.B. die Amisom und die SNA in Somalia trainieren (also keinen Angriff führen).
    Hier werden Begriffe für moralische Abwertung verwendet, ohne dass aufgezeigt und bewertet wird, wer was wie und vor allem in wessem Auftrag (DoD, DoS, MoD, CIA) und zu welchem unmittelbaren Zweck macht, neuerdings oft nur, um dem skeptischen Publikum zu vermitteln, man wäre als Land nicht mit „boots on the ground“ involviert, was einer ehrlichen Diskussion zur Sipo entgegensteht. In diesem Zusammenhang wäre es schon interessant zu fragen, was deutsche private Sicherheitsfirmen im Irak zu suchen haben, wenn sie es denn wirklich da gibt.

  • Henrik   |   06. September 2014 - 8:30

    @autostaedterin | 05. September 2014 – 18:44

    Beim Begriff „pejorativ“ musste ich erst mal nachschlagen. So weit ich gelesen habe, wird damit aber eher die Absicht des Redners ausgedrückt, in dem er neutrale Wörter, wie z.B. „Laden“, in einem negativen Zusammenhang – „Funktioniert in diesem Laden denn gar nichts“ verwendet. Man kann also nicht sagen, das „Söldner“ an sich ein pejorativer Begriff ist.
    War jetzt vielleicht etwas kleinlich, aber bei Fremdwörtern bin ich immer etwas vorsichtig. Habe da mal schlechte Erfahrungen mit „dezidiert“ und „dediziert“ gemacht.

  • autostaedterin   |   06. September 2014 - 16:29

    @Henrik | 06. September 2014 – 8:30

    So steht’s bei Wikipedia:

    Als Pejorativum (Pl.: Pejorativa) oder Pejorativ (Pl.: Pejorative) (zu lat. peior ‚schlechter‘) wird in der Sprachwissenschaft, namentlich in der Semantik, ein sprachlicher Ausdruck dann genannt, wenn er das mit ihm Bezeichnete „implizit abwertet“.[1] (Das zugehörige Adjektiv pejorativ bedeutet ‚abwertend‘.) Ein Pejorativum ist demnach keine grammatikalische Wortart, sondern deutet auf die Absicht des Sprechers hin, mit einem solchen Ausdruck etwas oder jemanden bewusst schlechter darzustellen.

    Das heisst in diesem Zusammenhang: Bezeichne ich einen Kämpfer als Soldaten, gestehe ich ihm Legitimität zu und dass er sich an bestimmte Regeln hält, bezeichne ich ihn als Söldner, impliziere ich amoralisches und illegitimes Verhalten, am Ende machen beide in einem Konflikt möglicherweise dasselbe. So werden medial moralische Etiketten vergeben, ohne in den Vordergrund zu stellen, auf wessen Geheiß und Rechnung beide Typen agieren.