Bitte gib mir nur ein Wort

Die heftige Diskussion über das Bundeswehr-Video im Youtube-Kanal der Bundesregierung ist aus Sicht des zuständigen Bundespresseamtes irgendwie nicht nachvollziehbar. Schließlich sei das Video nach nur einem Tag online nur deshalb entfernt worden, weil es nicht der Coporate Identity dieses Youtube-Kanals entsprach, sagt der stellvertetende Regierungssprecher Georg Streiter: Da sind gar keine Worte, das ist übersehen worden.

Interessanterweise fielen die fehlenden Worte gerade dann auf, als sich Oppositionsabgeordnete kritisch zu dem Videoclip äußerten…

(Hier ist er übrigens noch mal zu finden; es scheint, als wolle die Bundesregierung nicht gegen diese – eigentlich illegalen – Uploads auf Youtube vorgehen. So jedenfalls verstehe ich Streiter mit der etwas resignierten Bemerkung, auf Youtube könne man ja nichts verhindern.)

Im Wortlaut und zum Nachhören: Die Erklärungen erst vom Sprecher des Verteidigungsministeriums, Stefan Paris, und dann vom stellvertretenden Regierungssprecher heute vor der Bundespressekonferenz dazu:

Bundeswehr-Video – Bundespressekonferenz 18.11.2011 (mp3)

Das Frage-und-Antwort-Spiel jetzt auch zum Nachlesen:

FRAGE: Herr Paris, gestern gab es eine Stellungnahme des Verteidigungsministeriums zu dem Nachwuchs-Werbevideoclip auf YouTube. Es gab Kritik von einer Abgeordneten der Grünen. Jetzt ist festzustellen, dass der Nachwuchs-Werbevideoclip auf YouTube nicht mehr platziert ist. Haben wir das richtig wahrgenommen? Was ist der Grund für den Sinneswandel, dass das Video jetzt doch heruntergenommen worden ist?

PARIS: Ich möchte zunächst immer darauf hinweisen, dass es sich nicht um einen Nachwuchs-Werbeclip, wie Sie sich ausdrücken, handelt, sondern das ist ein Beitrag des Bundesverteidigungsministeriums bzw. der Bundeswehr zum YouTube-Auftritt der Bundesregierung. Wir hatten den auf Bitten des Bundespresseamtes zur Verfügung gestellt. Er ist dann auch von dort aus online gestellt worden. Insofern geht Ihre Frage jetzt zuständigkeitshalber an den Kollegen Streiter!

SRS STREITER: Das ist ganz leicht zu beantworten: Die Bundesregierung will auf ihrem YouTube-Kanal in Bild und Wort über ihre Arbeit informieren. Wir haben dieses Video zurückgezogen, weil es halt nicht in diese Kategorie fällt, da es darin kein Wort gibt. Das Video hat seinen berechtigten Platz auf den Seiten des Bundesverteidigungsministeriums, weil es realistische Szenen aus dem Alltag der Soldatinnen und Soldaten zeigt. Aber es passte halt nicht 1:1 in die Sprache des YouTube-Channels der Bundesregierung, weil es dabei um Wort und Bild geht und es in diesem Fall kein Wort gab.

ZUSATZFRAGE: Ist der ausschließliche Grund für den Rückzug also, dass es kein Wort in dem Video gibt?

SRS STREITER: Genau. Wir haben das auch bevor Sie jetzt nachfragen, sage ich es Ihnen gleich übersehen und dann einfach gesagt: Wir nehmen es wieder herunter.

FRAGE: Herr Streiter, ich entnehme Ihren Worten, dass die heftige Kritik vonseiten der SPD und der Grünen natürlich gar nichts damit zu tun hatte, dass das Video aus dem YouTube-Kanal entfernt wurde.

SRS STREITER: Gute Frage. Ich würde einmal sagen: Wir sind das Presse- und Informationsamt, bekommen ja auch Informationen und sind halt von außen darauf aufmerksam gemacht worden.

ZUSATZFRAGE: Bedeutet „von außen“ jetzt konkret „diese beiden Oppositionsabgeordneten“?

SRS STREITER: Wir lesen alle Nachrichten.

ZUSATZFRAGE: Ich glaube, dass Sie alle Nachrichten lesen; das ist mir schon klar. Aber Sie beziehen sich ja jetzt darauf, dass es offensichtlich Nachrichten gab, die nicht die Kritik der beiden Abgeordneten beinhalteten und die dazu geführt haben.

SRS STREITER: Nein, das habe ich alles gar nicht gesagt. Es ist einfach so: Wir haben irgendwann bemerkt, dass wir einen Fehler gemacht haben.

FRAGE: Ich habe eine Frage an Herrn Streiter und auch eine an Herrn Paris:

Herr Streiter, teilen Sie denn die Kritik, die von den Abgeordneten Malczak und Arnold geübt worden ist, dass dieses Video sehr militaristisch oder gar gewaltverherrlichend sei?

Herr Paris, wenn dies Szenen aus dem Alltag der Bundeswehr sind, werden Sie dieses Video dann auf die Homepage der Bundeswehr nehmen?

SRS STREITER: Da ich zuerst gefragt wurde, antworte ich gerne zuerst: Nein, die Kritik wird nicht geteilt. Das Video zeigt einfach realistische Szenen aus dem Alltag von Soldatinnen und Soldaten innerhalb von, glaube ich, 1 Minute und 37 Sekunden. Aber es entsprach eben in dieser Form sozusagen nicht der Corporate Identity, wie es so schön auf Neudeutsch heißt, dieses YouTube-Channels der Bundesregierung.

PARIS: Wr haben, wie ich eben sagte, dieses Video für das Bundespresseamt erstellt. Wir werden es meiner Ansicht nach nicht auf den Bundeswehr-Auftritt nehmen, weil es sich um einen Trailer handelt. Wir selbst betreiben YouTube ja durchaus schon erfolgreich seit August des vergangenen Jahres. Wir haben auf dem YouTube-Kanal der Bundeswehr insgesamt 626 YouTube-Clips eingestellt. Das ist eine hohe Zahl und eine Zahl, die auch stetig steigt. Wir haben, um die Zahl einfach einmal zu nennen, seit August letzten Jahres insgesamt 1,8 Millionen Kanalaufrufe und rund 6 Millionen Videoaufrufe zu verzeichnen. Das heißt, jeder Kanalaufrufende schaut sich im Schnitt drei Filme bei uns an.

Wir haben eine Vielzahl von Filmen, die völlig unterschiedlicher Natur sind. Es sind beispielsweise, um auf den Begriff von Herrn Borchers zurückzukommen, nachwuchswerbliche Filme, darstellende Filme, Filme aus dem Einsatzgebiet und Filme über ganz bestimmte Sparten bei der Bundeswehr. Deshalb ist es für uns verzichtbar, diesen Clips jetzt noch hinzuzufügen, weil er, wie gesagt, ein Trailer ist und letztendlich ein vorbereitender Trailer für das ist, was wir in Zukunft auch gegenüber dem Bundespresseamt präsentieren werden. Die Bitte ist ja nicht aufgehoben, sondern wir werden regelmäßig und in zeitlicher Abfolge neue Videoclips für den YouTube-Auftritt der Bundesregierung zur Verfügung stellen, die entweder im Allgemeinen von der Arbeit der Bundeswehr handeln oder die zu ganz bestimmten Anlässen ganz bestimmte Themen YouTube-mäßig aufbereitet für die Bundeswehr darstellen werden. Es ist aber nicht unbedingt notwendig, das jetzt auf die Bundeswehr-Seite zu ziehen.

ZUSATZFRAGE: Herr Paris, hat die Leitung Ihres Hauses eine Meinung zu der Kritik dieser Oppositionsabgeordneten an der ganzen Intonierung dieses Clips?

PARIS: Sie sagten ja eben in Ihrer Frage, dass diese Kritik maßgeblich dahingehe, dass es gewaltverherrlichend sei, dass es irgendwo ähnlich wie ein Ego-Shooter aufgemacht sei. Diese Kritik teilen wir nicht, sondern wir haben uns bemüht, einen Film von 1 Minute und 37 Sekunden zu produzieren, der dem Typischen des YouTube-Auftritts entspricht. Das ist eben eine schnelle Abfolge von Bildern. Das ist eine musikalische Untermalung. Das sind Beiträge, die sich insbesondere durchaus an ein sehr junges Publikum wenden. Die Altersstruktur der Nutzer liegt bei 50 Prozent im Alterssegment unter 25 Jahre und bei 20 Prozent im Segment zwischen 45 bis 55 Jahre. Insofern ist immer irgendwann der Punkt erreicht, an dem sich jeder über das Empfinden beim Anschauen solcher Clips äußern kann.

Wir haben diesen Film eingestellt. Ich habe diesen Film abgenommen. Insofern ist es so, dass wir durchaus zu dem, was wir gemacht haben, stehen und diesen Clip als durchaus geeignet angesehen haben. Aber natürlich ist der Hinweis von Herrn Streiter richtig. Wenn es sich um Wort und Bild handeln soll, werden wir künftig auch Wort liefern.

FRAGE: Herr Streiter, ich wüsste gerne, wie so ein Clip bei Ihnen auf die YouTube-Seite kommt. Gibt es keine freiwillige Filmselbstkontrolle? Gibt es keinen Regisseur, der sich das anschaut? Kann jeder oder jedes Haus wenn ja, ab welcher Hierarchiestufe einen Clip einstellen, Sie schauen sich das an und lesen dann irgendwann in den Nachrichten „Das ist jetzt aber nicht das Gelbe vom Ei“ und sagen „Oh Gott, dann nehmen wir das einmal wieder weg“? Ist das modernes Filmmanagement der Regierung auf YouTube? Welche grundsätzlichen Konsequenzen ziehen Sie aus diesem Fall?

SRS STREITER: Die grundsätzlichen Konsequenzen sind, dass wir einfach noch einmal genauer hinschauen. Das geht ja auch alles ein bisschen schnell. Natürlich kann nicht jeder irgendeinen Film einstellen.

ZURUF: Sondern?

SRS STREITER: Der Film wird angeliefert, begutachtet und technisch auf die Seite gestellt. So ist der Film eben auch auf die Seite gekommen.

ZUSATZFRAGE: Offenbar gibt es so etwas wie eine freiwillige Filmselbstkontrolle, wenn Sie sagen, der Film werde begutachtet. Offenbar sind Ihrer Ansicht nach Fehler bei der Begutachtung gemacht worden. Oder ist der Film nur deswegen von der Seite genommen worden, weil es Kritik gab?

SRS STREITER: Ich sehe das so: Es ist einfach nicht auf das geachtet worden, was ich vorhin ich weiß schon gar nicht mehr, wie man das auf Deutsch sagt als „Corporate Identity“ bezeichnet habe. Es ist einfach etwas übersehen worden und man hat festgestellt: Huch, da sind ja gar keine Worte. Das ist einfach übersehen worden.

ZUSATZFRAGE : Also ist der Film nicht begutachtet worden? Jedem qualifizierten Mitarbeiter wäre ja aufgefallen, dass in dem Clip gar keine Worte enthalten sind.

SRS STREITER: Dem einen fällt es früher auf, dem anderen fällt es später auf. Fehler passieren auch anderswo.

FRAGE: Wenn, wie Herr Paris gerade gesagt hat, vom Verteidigungsministerium auch Wortinhalt geliefert werden kann, würden Sie dann diesen Clip, wenn er mit Wortinhalt versehen wird, gerne wieder auf die Seite nehmen?

SRS STREITER: Dann würden wir ihn uns neu anschauen.

ZUSATZFRAGE: Heißt das, dass es eine Verabredung gibt, diesen Clip neu mit Worten zu versehen?

SRS STREITER: Nein, das hat doch Herr Paris gerade schon gesagt.

PARIS: Um das noch einmal deutlich zu machen: Das ist ein Trailer. Der Trailer ist bewusst so gemacht. Er verzichtet auch auf Wortbeiträge. Insofern ist die Entscheidung, die das Bundespresseamt getroffen hat, völlig nachvollziehbar, weil Wortbeiträge fehlen. Jetzt können Sie aber nicht davon ausgehen, dass wir auf die 100 Sekunden Wortbeiträge drauflegen, sondern wir liefern das ist schon in Auftrag und in der Vorbereitung weitere Filme. Ich habe Ihnen gesagt, dass wir seit einem Jahr dabei sind, sehr intensiv dieses Format, dieses Social Media zu nutzen. Wir sind ja auch gestern dafür geehrt worden, dass wir uns da sehr bemüht haben.

Insofern werden wir weitere Beiträge in all den Facetten (erstellen), die die Bundeswehr liefert und die Sie auch in diesem 100-Sekunden-Stück dort sind ja viele Bilder zu sehen durchaus sehen können. Gehen Sie einfach einmal davon aus, dass wir quasi zu jedem Bild, das dort in einer kurzen Zeit von ein bis zwei Sekunden gezeigt wird, sicherlich in Wort und Bild noch eine ganze Geschichte erzählen können. Das werden wir tun. Das ist ja ein fortlaufender Prozess.

FRAGE: Jetzt bin ich etwas irritiert. Herr Streiter spricht von Corporate Identity, Wort und Bild. Herr Paris sagt: Der Trailer verzichtet bewusst auf Wort. Das scheint irgendwo ein Absprachemanko zwischen den beiden Häusern gewesen zu sein. Der eine wusste nicht, dass der andere kein Wort will oder umgekehrt.

Zum anderen würde mich eines interessieren: Herr Streiter, das Internet vergisst nichts. An einigen Stellen ist dieses Video wieder aufgetaucht. Es wurde von anderen Usern auf YouTube hochgeladen. Wird die Bundesregierung das so stehen lassen? Oder werden Sie dagegen vorgehen?

SRS STREITER: Wenn Sie sich selber mit YouTube auskennen, werden Sie wissen, dass Sie kaum bzw. gar nicht dagegen vorgehen können. Was wollen Sie eigentlich mehr, als dass ich sage „Wir haben das irrtümlich auf die Seite gestellt“?

ZUSATZ: Es scheint ja ein Grundsatzproblem zu sein.

SRS STREITER: Es ist kein Grundsatzproblem. Da hat halt jemand nicht aufgepasst. Jetzt passen halt noch mehr auf.

PARIS: So ist es. Wir haben das habe ich auch gesagt in diesem Fall auf Wortbeiträge verzichtet. Insofern werden wir in Zukunft nicht mehr darauf verzichten, sodass wir gemeinsam entsprechend den Auftritt der Bundesregierung in Bezug auf YouTube weiter voranbringen werden. Wo ist das Problem?

FRAGE: Ich würde gerne noch einmal die Frage des Kollegen Wiegold aufgreifen. Ich verstehe ja nicht, wie Abläufe innerhalb einer Regierung sind. Wenn das Bundespresseamt ein Ministerium bittet, einen Beitrag zur Darstellung der Corporate Identity der Bundesregierung zu liefern, wird das dann ganz allgemein formuliert oder gibt es bestimmte Kriterien, die dieser Clip erfüllen muss? Ist das zum Beispiel das Kriterium, das auch ein Wortinhalt enthalten sein muss?

SRS STREITER: Es soll jetzt nicht arrogant klingen, aber es ist so ähnlich wie in einer Zeitungsredaktion, wenn Sie jemanden anrufen und sagen: Schreibe mir einmal 30 Zeilen über das Thema. Dann kommen die zurück, Sie stellen sie auf die Seite, und irgendwann stellen Sie fest: Irgendwie war das doch nicht so ganz (das Richtige).

ZUSATZ: Wenn ich etwas dazu sagen darf: Bei uns wird normalerweise der Beitrag geprüft, bevor er auf die Seite gestellt wird.

SRS STREITER: Bei uns auch. Ich habe ja nun gerade schon gesagt, dass er nicht ausreichend geprüft wurde. Mehr kann man doch nicht tun.

38 Kommentare zu „Bitte gib mir nur ein Wort“

  • Ein Kollege   |   18. November 2011 - 12:30

    Schön nachgehakt, Herr Wiegold!

  • Sascha Stoltenow   |   18. November 2011 - 12:58

    „Mehr kann man doch nicht tun“, oder wie es so schön heißt: Warum Absicht vermuten, wen Dummheit als Erklärung völlig ausreicht. Das ist doch völlig gaga. Na ja.

  • Michael   |   18. November 2011 - 13:00

    Was für eine Pressekonferenz. „Da sind gar keine Worte“

    You’ve gotta be fucking kidding me!

    Mir fehlen wirklich die Worte. Die Erklärung ist feige – ist man ja gewohnt.

  • SG   |   18. November 2011 - 13:22

    Gerade (überflüssigerweise) an den Channel von BW gesendet:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    zuerst möchte ich ihnen zu der verdienten Auszeichnung des Econ Verlages gratulieren. Sie leisten großartige Arbeit in einer Aufholjagt zum aktuellen Stand des Social Medias einer Nato Armee.
    Ich selbst war bis vor einem halben Jahr aktiver Soldat für 4 Jahre, und studiere jetzt mit dem verdienten Geld.
    Leider muss ich ihnen mitteilen das ich tief über die neusten Entwicklungen zu dem Video „Die Bundeswehr im Internet“ betrübt bin:
    Sicher sind die musikalischen Geschmäcker verschieden, aber ein solches Video „als [schädigend] für den Ruf der Bundeswehr“ zu bezeichnen ist eine bodenlose Frechheit, denn auch wenn sie sich bemühen hier eine möglichst emotionslosen Kanal über die deutschen Streitkräfte da zu bieten, ich BIN mit meinem G36 und G3 durch Afghanistan (TF KDZ mit XX TICs und XX IEDs) und den Kosovo gelaufen. Wenn das aber in ihrem Channel gezeigt wird, wird das als „Darstellen eines Zerrbildes des Dienstes“ bezichtigt, eine Frechheit und eine Nicht-Anerkennung des von mir persönlich geleisteten Dienstes folgt aus dieser Aussage!
    Ich bin enttäuscht über das fehlende Rückgrat in der deutschen Politik, der Bundeswehr und vor allem des Verteidigungsminsiteriums! Das ganze wird noch weiter ab absurdum geführt und ins Lächerliche gesteigert, indem behauptet wird: „Da sind gar keine Worte, das ist übersehen worden“
    Ich bitte sie inständig nicht die Kameraden, Veteranen und ihrer Angehörigen noch mehr zu demütigen, sagen sie einfach die Wahrheit:
    Die deutsche Politik schämt sich für ihre Einsatzarmee
    Mit kameradschaftlichen Gruß:

    SG XXX

  • Schneider   |   18. November 2011 - 13:23

    Als ehemaliger Berufssoldat bin ich von den Kommentaren einiger meiner ehemaligen Kameraden zutiefst betroffen. Mit übelsten Verbalattacken und Beleidigungen werden andere Meinungen niedergemacht. Kein Wort wird darüber verloren, für welche Werte und Überzeugungen sie eintreten. Der Primat der Politik wird offen in Frage gestellt. In ihren Kommentaren wird den Vorgesetzten unverblümt das Vertrauen entzogen. Ich hoffe, dass dies die Meinung Einzelner ist und die Mehrheit nur schweigt. Ansonsten wäre es um die Moral der Truppe katastrophal bestellt.

    Übrigens, ich schreibe diesen Kommentar unter meinem richtigen Namen und nicht unter einem Synonym.

  • Michael   |   18. November 2011 - 13:44

    Welche Verbalattacken und Beleidigungen? In welchen Foren waren Sie unterwegs? Sicherlich nicht hier. Ihre Beobachtungen kann ich nicht bestätigen.

  • Sascha Stoltenow   |   18. November 2011 - 13:52

    Ach Mensch, Schneider, Sie sind es. Gleich wiedererkannt. Kein Wunder bei dem außergewöhnlichen Namen.

    Spaß beiseite: Hier stellt niemand den Primat der Politik in Frage sondern – berechtigter Weise – die Motive und Kompetenzen zweier exponierter Politiker. Dieser Widerspruch ist nicht nur mein staatsbürgerliches Recht, nein, ich empfinde es als meine Plicht zu widersprechen, wenn Politiker so offenkundig lügen und versuchen, die Öffentlichkeit zu täuschen.

  • McKenzie   |   18. November 2011 - 13:58

    @ SG
    Zu Ihren Bemerkungen:
    Volltreffer!

  • Orontes   |   18. November 2011 - 15:10

    @Herr/Frau Schneider
    „Übrigens, ich schreibe diesen Kommentar unter meinem richtigen Namen und nicht unter einem Synonym.“

    Ihnen gebührt zweifellos der Claudia-Roth-Preis für Zivilcourage, das Ehrenkreuz der Bundeswehr für dezente Bescheidenheit und ein Ehrenpreis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern noch dazu!

    Es wurde jedoch nicht der Primat der Politik in Frage gestellt, sondern die Politik. Ihre Verwechslung von beidem kenne ich sonst nur von drittklassigen Politikern, die, wenn sie argumentativ am Ende sind, gerne den Akt der Kritik zu einem Akt der Illoyalität umzudeuten versuchen.

  • JoHoMe   |   18. November 2011 - 16:09

    @Sehr geehrter Herr Schneider,
    1. Herr Arnold hat den scharfen Ton der Diskussion mit seiner Presseerklärung vorgegeben, nicht die Diskutantinnen und Diskutanten. Sie verwechseln da Ursache und Wirkung.
    2. Ihre Hoffnung geht fehl. Die Stimmung ist so katastrophal wie Sie befürchten.
    3. Ihre Einstellung ist vorbildlich. Ich habe mir vorgenommen, Ihrem Beispiel zu folgen und nach meiner Pensionierung im Internet mit Klarnamen zu agieren.

    Bis dahin verbleibe ich in Verbundenheit als Ihr JoHoMe

  • JCR   |   18. November 2011 - 16:54

    Was die Reaktion von Frau Walczak angeht, sie ist nun mal abrüstungspolitische Sprecherin und überzeugte Pazifistin. Das ist eine legitime politische Einstellung deren Argumente in jedem Fall gehört werden sollten, nur sollte man deswegen eine Kritik an Einzelmaßnahmen der Bundeswehr in jedem Fall vor diesem Kontext sehen.
    Ein Nachwuchswerbespot der Bundeswehr, der eine positive Reaktion einer Abrüstungsbeauftragten hervorruft ist schwer vorstellbar ;)

    Herr Arnold hingegen erhebt ja einen über Fundamentalkritik hinausgehenden Anspruch und will Verteidigungspolitik konkret mitgestalten. Ich denke durch die sehr sachliche Debatte hier wurden ihm, wenn er denn willens ist zuzuhören, interessante Denkanstöße gegeben.

  • T.Wiegold   |   18. November 2011 - 16:59

    Oha, jetzt kommt SpOn…

    Sehr schön: Eine Einstellung jagt die andere. (SpOn hingegen bevorzugt Videos, die nur aus einer Einstellung bestehen.)

    (SCNR)

  • David Ermes   |   18. November 2011 - 17:11

    Mich würde übrigens mal interessieren, welche ‚besonderen‘ Erfahrungen wir Deutsche mit dem Krieg gemacht haben, die die USA nicht haben? Da es ja nicht um Motive und politische Positionen geht (die BW ist ja nun mal Parlamentsarmee und man kann wohl ohne Revisionist zu sein auch behaupten, dass die meisten Deutschen Soldaten im 1. und 2. Weltkrieg lieber bei ihren Familien gewesen wären, als in Russland oder Frankreich im Felde zu stehen) bleiben die harten Fakten. Soldaten kämpfen, Soldaten töten, Soldaten sterben, Soldaten retten Leben, Soldaten… und zwar die Deutschen genauso wie die Dänen, die Niederländer, die US-Soldaten und und und.
    Bei solchen Berichten will mir nie eingehen, was „historisch da so eine Sache ist“.

    Und auch der Kommentar „So schön kann Krieg sein“ ist. Naja…

  • Sascha Stoltenow   |   18. November 2011 - 17:12

    Interessant an SPON finde ich ja, dass sie munter behaupten, der Film erinnere an einen Ego-Shooter und dabei Bilder zeigen, die das genau nicht tun. Andererseits: Mit dem Kommentar ist aus dem Spot ja nun ein Beitrag mit Worten geworden. Ob man ihn der Bundesregierung anbeiten sollte?

  • T.Wiegold   |   18. November 2011 - 17:14

    So, eine – letzte – Kollegenschelte kann ich mir nicht verkneifen:

    Den Gipfel der Heuchelei liefert stern.de – die einerseits über die Anatomie eines PR-Gaus schreiben und direkt daneben stellen: Tipps von Werbeprofis – So wird die Bundeswehr sexy.

    Kostprobe: Die aktuelle Werbestrategie der Bundeswehr wirkt bemüht. Die Truppe könnte doch mit Panzern auf Marktplätze fahren, mit Hubschraubern landen, Wirbel machen.

    Kollegen, was wollt ihr denn nun?

  • JCR   |   18. November 2011 - 17:15

    Lol hat der Arnold mal schnell in Hamburg angerufen weil die bösen Kommentatoren ihn so zerlegt haben?
    Da wurden dann halt größere Kaliber aufgefahren.
    Positiv ist, die Reaktionen im SpON Forum sind, bis auf die üblichen 1-2 „Studienräte in Pension“ etwa die selben wie hier ;)

  • JoHoMe   |   18. November 2011 - 17:33

    Irgendwie vermisse ich jetzt in dieser real existierenden Satire noch die zwingend notwendige Kleine Anfrage an die Bundesregierung einer weiteren Oppositionspartei. Da diese gewohnheitsmäßig mindestens zwei Seiten Fragen umfassen muss, kann das allerdings noch dauern. Btw: Kann man die derzeit überzähligen Berufssoldaten nicht in ein Bundesamt für Parlamentsanfragen überführen? Die Kompetenz liegt mittlerweile ausreichend vor.

  • chickenhawk   |   18. November 2011 - 17:34

    Kostprobe: Die aktuelle Werbestrategie der Bundeswehr wirkt bemüht. Die Truppe könnte doch mit Panzern auf Marktplätze fahren, mit Hubschraubern landen, Wirbel machen.

    Der Gedanke ist schon reizvoll: Ich stelle mir gerade vor, wie ein Panzer der Bundeswehr zu PR-Zwecken auf den Markplatz unseres Städtchens rollt und vor der Geschäftsstelle von Bündnis/Die Grünen parkt.

  • Ziege   |   18. November 2011 - 17:38

    So eine selten dähmliche Pressekonferenz habe ich schon lange nicht erlebt!
    @Chickenhawks
    Bingooo!!

    so und jetz noch mal seriös:
    http://bendler-blog.de/2011/11/18/sex-lugen-und-video/

  • Niklas   |   18. November 2011 - 18:59

    Man wird den Eindruck nicht los, es laufe eine signifikante Menge schizophrener Journalisten (nicht Sie Herr Wiegold) und Politiker durch die Landen.
    Ich weiß nicht so recht ob ich das jetzt ärgerlich, lustig oder traurig finden soll. Es ist vermutlich alles… Schizophren oder?

  • Bendler-Blog » Blog Archive » Sex, Lügen und Video   |   18. November 2011 - 19:00

    […] Inzwischen gibt es eine Stellungnahme des Bundespresseamtes. Diese ist in sich schlüssig, liefert aber eine abwegige und unglaubwürdige Begründung. So lange […]

  • Oskar Lichner   |   18. November 2011 - 20:13

    Tag Herr Wiegold,

    vielen Dank für Ihren treffenden Kommentar im Zuge der Nachrichtenbeiträge im TV.

    Grüße
    Lichner

  • j. hunter   |   18. November 2011 - 20:17

    Herr Wiegold, sie beim duchzappen auf RTL 2 zu sehen, ist auch ungwöhnlich. ;-)

  • T.Wiegold   |   18. November 2011 - 20:19

    Huch, gar nicht gesehen (war für RTL, wusste nicht, dass das auch an RTL2 geht…).

  • UmPp   |   18. November 2011 - 21:39

    Hallo Herr Wiegold…kann mich nur den Anderen anschließen.
    Eben bei RTL2 News sind Sie aufgetaucht:) War gut:)

    sagen Sie,…zeigen Sie teilweise die Kommentare bzw. die Stimmung ein paar Abgeordneten bezüglich dieses Themas?…nur wenn ich mal lieb fragen darf?
    Wäre nämlich echt vorteilhaft. Evtl. kann man so auch die Stimmung in der Truppe zeigen.

    PS: Ich denke, wenn man die mediale Landschaft mal durchforstet, stellt man fest, wie sehr „links-angehaucht“ die Gesamtsituation ist. Herr Ethienne Rheindalen hat das sehr gut formuliert im Bendler-Blog von Herrn Stoltenow.
    Wie dem auch sei,…die Einsatzrealität und die Sicherheitsrelevanten Interessen haben die politische Bühne, wie auch und vor Allem unsere breite Gesellschaft längst überholt!
    Und jetzt hinken wir hinterher:(
    ..
    herrje…jetzt kann man Vieles schreiben…ich erspare mir das.

    MkG

  • T.Wiegold   |   18. November 2011 - 21:52

    @UmPp

    Zum einen: danke! (Ich hab’s selbst noch nicht gesehen…)

    Zum anderen: Was meinen Sie mit „zeigen Sie Abgeordneten…“? Ich werde kaum zum Internetausdrucker werden ;-) Aber ich habe schon den Eindruck, dass die einschlägigen Abgeordneten bzw. deren Referenten mitplotten, was hier läuft.

    Zum PS: Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass es mit einer, wie Sie es formulieren, „links angehauchten“ Gesamtsituation zu tun hat. Bei der Welt würde ich z.B. eine solche Positionierung nicht vermuten – und die war in diesem Fall auch nicht anders als andere Medien.

    Ich fürchte, es hat mehr – und unabhängig vom politischen Standort – damit zu tun, wie viel Interesse und Verständnis man für die Aufgaben von Streitkräften hat; und das daraus folgende Bild von ihnen.

  • UmPp   |   18. November 2011 - 22:00

    Vielen Dank für die Antwort Herr Wiegold:)
    Entschuldigen Sie bitte meine Unkenntnis diesbezüglich.
    Ich wollte nicht aufdringlich sein…ich hatte wohl einen „Gehirnrfurz“ wie man sagt:(
    Aber stimmt, die „Welt“ ist eher konservativ einzuordnen.

    MkG

  • Huey   |   18. November 2011 - 22:25

    Welches Interesse und Verständnis jemand (das „Volk“?) von der Armee hat, hängt davon ab, welches BILD dieser jemand von der Armee hat…

    Und dieses Bild wird (in einer Zeit, in der die Politik die „Ächtung“ öffentlicher Gelöbnisse ebenso durchgesetzt hat wie die Abschaffung von „Tagen der offenen Tür“ in Kasernen mit „Kinderbelustigungs-Panzerfahren“ oder „Waffen ansehen“ bzw. „Luftgewehrschießen“) vor allem durch eins geprägt:
    Durch die Präsenz in den Medien.

    Und diese ist-wenn überhaupt vorhanden-vor allem geprägt von (den linken Flügel aller Parteien zufriedenstellende) gewaltlose Darstellung von Aufbauhelfern in Uniform, die in Afghanistan völlig unmartialisch Schulen bauen und Brunnen bohren, und sich dabei auf keinen Fall mit einer Waffe zeigen dürfen.

    Würde diese Politik (die scheinbar nicht zu wissen scheint, wie es in ihrer Armee eigentlich aussieht-und dies trotz (oder gerade?) wegen des „Primat der Politik“) sich für das Meinungsbild der Öffentlichkeit zur Bundeswehr interessieren, gäbe es mehr:
    Mehr Informationen (aus und über die Truppe), Mehr Präsenz (nicht in der Fläche-aber mehr öffentliche Gelöbnisse, mehr öffentliche Veranstaltungen etc.), Mehr Transparenz-vor allem aber MEHR EHRLICHKEIT……

  • Sascha Stoltenow   |   18. November 2011 - 22:40

    @Huey: Genau das ist der strategische Punkt. Dank des Internet wäre es der Bundeswehr möglich, ihre eigene Publizität herzustellen. Damit könnte ein Bedeutungsverlust der etablierten Medien einhergehen. Im Gleichklang der Berichterstattung könnte man auch eine Abwehr gegen den drohenden Bedeutungsverlust sehen. Das aktuelle „Gefecht“ scheinen sie gewonnen zu haben. Der Preis ist die Entfremdung vom sachkundigen Teil des Publikums. Den „Krieg“ werden sie vermutlich also verlieren.

  • T.Wiegold   |   18. November 2011 - 22:53

    „Dank des Internet“ ist nicht – seit paar Stunden sind bundeswehr.de und bmvg. de nicht aktiv: Dieses Portlet ist vorübergehend inaktiviert.

  • Sascha Stoltenow   |   18. November 2011 - 23:22

    Oh, schon der Re-Launch? Dann hätte sich die Aufregung ja gelohnt ;-) Im Übrigen habe ich „wäre“ geschrieben, Konjunktiv.

  • Transatlantik   |   18. November 2011 - 23:27

    Sehr gut, Herr Wiegold. Und unglaublich, mir fehlen die Worte:

    „Wir lesen ja auch Nachrichten.“

    Werden so politische Entscheidungen getroffen? Erst wird angetestet, und dann, je nach Medienreaktion, entweder zurückgezogen oder weiter kommuniziert?

  • T.Wiegold   |   18. November 2011 - 23:32

    @Sascha: wieder da, allerdings derzeit ohne Fotos (und auch ohne Relaunch).

    @Transatlantik: Ich weiß es leider nicht. Ich ahne nur.

  • jugendoffizier   |   18. November 2011 - 23:41

    Mei Herr Wiegold – Ihre Frage war ja schon recht fies. Schade, dass es keinen Gesichtsausdruck hier zu sehen gibt. Hätte ich mir gerne angesehen bei Ihren Nachfragen…
    Ob es einen Kommunikationsplan bei der Bundeswehr gibt???

  • sd   |   19. November 2011 - 5:34

    @David Ermes
    „Mich würde übrigens mal interessieren, welche ‘besonderen’ Erfahrungen wir Deutsche mit dem Krieg gemacht haben, die die USA nicht haben?“

    Verloren zu haben und ausgebombt zu werden. Da wird schon etwas Fingerspitzengefuehl gebraucht. Wenn man so einen Clip am Vorabend im ZDF zeigen wuerde, haette das vermutlich sehr schlimme Konsequenzen. Man darf nicht vergessen, dass ein grosser Teil der Bevoelkerung, die Kriegskinder, sehr stark traumatisiert wurden.

    (Das trifft natuerlich nicht auf Youtube zu, dort halte ich ein recht flottes Video nicht nur fuer legitim sondern auch fuer unbedingt notwendig.)

  • Someone   |   19. November 2011 - 8:52

    Danke an Soldatenglück.de:
    https://www.youtube.com/watch?v=r1hOleEoKMk

    Die RTL-News mit einigen dreisten Zitaten dieses Blogs, natürlich nicht kenntlich gemacht! ;-)

  • Someone   |   22. November 2011 - 21:45

    Wenn von div. Politikern das Video als „Ballerspiel“ bezeichnet wird, wie sieht denn das mit folgendem Wallpaper des Deutschen Heeres aus?

    http://www.deutschesheer.de/resource/resource/MzEzNTM4MmUzMzMyMmUzMTM1MzMyZTM2MzEzMDMwMzAzMDMwMzAzMDY3Njc3ODYxMzI2ODM1NjIyMDIwMjAyMDIw/hg2.jpg

    Das erinnert mich an das ein oder andere Cover von Spielen/Filmen/o.ä.