„Köln“ mit besonderem Dank aus Atalanta verabschiedet

Ehe es übers Wochenende untergeht: Die deutsche Fregatte Köln hat ihren Einsatz unter der EU-Antipirateriemission Atalanta beendet. Das Schiff macht sich auf den Rückweg und soll im kommenden Sommer außer Dienst gestellt werden. So weit nichts wirklich Auffälliges – aber: die Köln hat während des Einsatzes unter ihrem früheren Kommandanten Chris Karow ein bisschen mehr für die Pirateriebekämpfung getan als üblich. Das EUNAVFOR-Kommando verabschiedete die Fregatte deshalb auch mit mehr als dem üblichen Lob aus einem very succesful deployment:

(Foto: EUNAVFOR)

A total of 42 failed pirates were stopped at sea and seven small boats from four separate groups were destroyed. In addition, five Somali fishermen were rescued and the hijacked Dhow AL JABAL, with two Yemeni hostages on board, was handed over to Yemeni authorities and her owner. weiterlesen

Fregatte „Köln“ stellt Piraten-Mutterschiff (Update)

Nachdem es in der vergangenen Nacht nur etwas unklare (und nachträglich veränderte) Infos zum jüngsten Anti-Piraten-Einsatz der Fregatte Köln gab, werden jetzt die Einzelheiten etwas deutlicher:

Dem deutschen Kriegsschiff, in den vergangenen Wochen ohnehin im Indischen Ozean recht aktiv und erfolgreich, scheint ein wesentlicher Schlag gegen eine so genannte Pirate Action Group gelungen zu sein. 70 Seemeilen südlich der somalischen Halbinsel Xaafuun stellte die Besatzung der Köln am Dienstag ein Piraten-Mutterschiff mit 21 Personen an Bord. Über dieses Schiff mit dem Namen  Shu Ai 03 habe ich bislang nichts finden können, aber Name und Nummerierung deuten darauf hin, dass es sich um ein gekapertes Fischerboot möglicherweise aus Taiwan handelt, dass als Mutterschiff genutzt wurde. Korrektur: Es handelt sich offensichtlich um eine Dhau, die die Seestreitkräfte nach dem Typ mit dem Namen Shu’ai bezeichnen und durchnummerieren; der eigentliche Schiffsname scheint Deer zu sein, wie auf dieser Übersicht der NATO gezeigt.

Als sich zunächst der Bordhubschrauber der Köln und später die Fregatte dem Mutterschiff näherten, wurden Gegenstände über Bord geworfen, heisst es in einem internen Bericht. Das ist die übliche Praxis der Piraten, Waffen und andere einschlägige Ausrüstung wie Enterhaken und Leitern verschwinden zu lassen. Dem Wunsch der Köln, die Shu Ai 03 zu boarden, wurde nicht widersprochen (was angesichts der Feuerkraft einer Fregatte und ihres Hubschraubers nicht viel heißt…)

Die mutmaßlichen Piraten an Bord sollen für Angriffe auf den Frachter Elka Athina und den Gastanker BW Broker verantwortlich sein. Alle 21 Besatzungsmitglieder wurden zu Verhören auf die Köln gebracht.

Nachtrag: Von den 21 Personen an Bord der Dhau waren nach den bisherigen Erkenntnissen 19 Piraten, die beiden übrigen Jemeniten, die zur ursprünglichen Besatzung des Bootes gehörten. Die Dhau mit diesen beiden Seeleuten, unterstützt durch seemännisches Personal der Fregatte Köln, fährt jetzt Richtung Jemen. (Wenn ich das richtig verstehe, fahren jetzt also deutsche Matrosen mit einer Dhau zur See, im Indischen Ozean…)

Zur Einordnung noch mal die Karte – etwa 70 Seemeilen (gut 100 Kilometer) südlich der markierten Halbinsel Xaafuun griff die Köln zu:

(Karte: OpenStreetMap)

 

Köln gegen Piraten: Die Bilder

Als Nachtrag zur gestrigen Meldung Fregatte Köln versenkt Piratenboote haben mich heute dazu die Bilder erreicht. Erkennbar ist darauf ganz gut, dass das größere Boot, ein so genannter Whaler, zwar als Mutterschiff angesehen wird – allerdings auch nur recht wenig Leuten Platz bietet und vor allem dazu dient, Treibstoff und Wasser für eine längere Aktion weitab der Küste mitzuführen. Also kein Vergleich mit gekaperten Frachtern, die auch schon als Piraten-Mutterschiffe genutzt wurden und in einem Fall bis zu 100 (!) Piraten als Operationsbasis dienten.

(Inzwischen gibt es auch – noch nicht endgültig bestätigt – Details zu dem gestern südwestlich der Seychellen gekaperten Fischtrawler: Es handelt sich vermutlich um das taiwanesische Schiff Chin Yi Wen mit 28 Besatzungsmitgliedern – neun Chinesen, acht Filipinos, sechs Indonesiern und fünf Vietnamesen.)

 

(Fotos: Deutsche Marine)

 

Fregatte „Köln“ versenkt Piratenboote

Die deutsche Fregatte Köln, unter dem Kommando der EU-Antipirateriemission Atalanta am Horn von Afrika unterwegs, hat am Freitag – erneut – eine Piratengruppe gestoppt und ihre Boote versenkt. Die Besatzung der Köln stoppte einen so genannten Whaler, der als Mutterschiff eingesetzt wurde, und ein dazu gehörendes Skiff, ein schnelles Motorboot, 60 Seemeilen (rund 100 Kilometer) vor der Küste Tansanias. Bei Annäherung des Hubschraubers der Fregatte hatten die sieben mutmaßlichen Piraten an Bord Waffen und Ausrüstung ins Meer geworfen. Die beiden Boote wurden zerstört, nachdem die Köln die Seeräuber an Bord geholt hatte.

(Hier die Meldung der Bundeswehr dazu.)

Die Köln war in den vergangenen Wochen schon recht aktiv gewesen.

Das Seegebiet zwischen Tansania und den Seychellen hat sich in den vergangenen Tagen als eines der Hauptaktionsgebiete somalischer Piraten nach dem Ende des Monsuns erwiesen. Am Freitagmorgen war nach NATO-Angaben ein Fischtrawler 270 Seemeilen südwestlich der Seychellen gekapert worden; etliche Angriffe in dieser Region in den vergangenen Tagen blieben allerdings erfolglos, wie ein Blick auf die aktuelle Karte des NATO-Schiffahrtszentrums zeigt:

(Karte: NATO Shipping Centre)

Die „Köln“ gegen Piraten – direkt vor der Küste (neu: Commander’s Update)

Nach den Berichten über das Vorgehen der deutschen Fregatte Köln gegen die Boote somalischer Piraten hatte ich bereits gestern vermutet, dass nun auch die Kriegsschiffe unter dem Kommando der EU-Antipirateriemission Atalanta direkt vor der Küste Somalias an- und eingreifen.

Das kann man jetzt auch sehen: Dieses Video aus dem Bordhubschrauber der Köln zeigt den scharfen Schuss auf den Whaler, ein mutmaßliches Piraten-Mutterschiff – und die Küste direkt dahinter.

Commander’s Update: Vom deutschen Flotillenadmiral Thomas Jugel erreichte mich am Freitagabend dazu eine erläuternde Stellungnahme. Darin verweist der Force Commander von Atalanta am Horn von Afrika nicht nur darauf, dass  die erforderlichen Maßnahmen einschließlich des Einsatzes von Gewalt zur Abschreckung, Verhütung und Beendigung von seeräuberischen Handlungen oder bewaffneten Raubüberfällen, die im Operationsgebiet begangen werden könnten, vom Bundestagsmandat für diese Mission gedeckt sind – sondern vor allem auf den überarbeiteten Atalanta-Operationsplan vom 13. Mai:  In diesem Plan wurden die Einsatzregeln (Rules of Engagement) angepasst, um dem Befehlshaber in See weitere, nämlich robustere Handlungsoptionen in der Pirateriebekämpfung zu bieten.

Welche praktische Bedeutung das hat? Dazu Jugel:

Während der zu Ende gehenden Schlechtwetterphase des Südwestmonsuns haben sich derzeit die meisten Piraten an die Küste Somalias zurückgezogen, um auf besseres Wetter zu warten, das ihnen den Einsatz ihrer Piratenschiffe und -boote ermöglicht. Es liegt natürlich in meinem Interesse, dass die Piraten ihre Kaperfahrten erst gar nicht erfolgreich antreten können. Denn: Sind sie einmal unterwegs, sind sie in dem riesigen Operationsgebiet, das der Größe Europas entspricht, nur schwer zu orten und zu verfolgen. Die Küstenlinie Somalias lässt sich hingegen unter Beteiligung aller verfügbaren Kriegsschiffe und Militärflugzeuge, die ein entsprechendes Mandat aufweisen, recht verlässlich beobachten. Das Zauberwort zu erfolgreichem militärischen Handeln heißt dann wie so oft „Schwerpunktbildung“. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, werden daher eindeutig als Piratenschiffe erkannte Fahrzeuge auch dann bekämpft, wenn sie zur Vorbereitung ihrer kriminellen Aktivitäten innerhalb des Operationsgebietes küstennah vor Anker liegen.

Mit anderen Worten: Die EU-Mission nutzt jetzt ihre rechtlichen Möglichkeiten aus, gegen die somalischen Piraten vorzugehen. Bis direkt vor die Küste. Und das soll nach Jugels Worten kein Einzelfall bleiben: Ich bin zuversichtlich, dass auch die übrigen Einheiten meines maritimen Verbandes ATALANTA weiterhin ihren Beitrag zu robusterem Auftreten liefern werden.