Brigade Litauen: Ganz ohne Pflicht wird es nicht gehen
Für die vollständige Besetzung der neuen Panzerbrigade 45 in Litauen, der ersten dauerhaft im Ausland stationierten Kampfbrigade der Bundeswehr, werden die Streitkräfte am Ende auch auf verpflichtende Abordnungen von Spezialisten zurückgreifen müssen. Dazu sollen alle Bereiche der Bundeswehr beitragen Die Einheit soll bis Ende kommenden Jahres ihre vollständige Einsatzbereitschaft erreichen.
Dass die Brigade zwar vor allem aus Freiwilligen aufgestellt werden soll, am Ende aber ohne die Verpflichtung vor allem in Bereichen mit Mangel an Fachkräften nicht auskommen dürfte, hatte sich schon länger abgezeichnet. Am (heutigen) Montag unterrichtete das Verteidigungsministerium erst die Abgeordneten des Verteidigungsausschusses und dann die Öffentlichkeit über die – erwartete – Entscheidung von Minister Boris Pistorius: Damit die Brigade die geplante Einsatzbereitschaft erreichen kann, sollen für wenige Bereiche ab sofort auch ergänzend verpflichtende Maßnahmen zum Einsatz kommen.
Diese Formulierung bedeutet nichts anderes als die Abkommandierung von Soldaten und Soldatinnen, deren – für die Funktion entscheidenden – Dienstposten nicht mit freiwilligen Meldungen besetzt werden können. Zwar seien aktuell fast 80 Prozent der Stellen bereits mit Freiwilligen besetzt, teilte das Ministerium mit. Seit Mai dieses Jahres htten sich mehr als 2.500 Soldaten und Soldatinnen für die gut 4.800 Dienstposten gemeldet.
Allerdings gebe es Verwendungen, die mit langer Qualifizierung unverbunden und naturgemäß weniger verfügbar sind, erklärte das Ministerium. Dazu gehörten Logistik-Spezialisten oder IT-Fachleute, aber auch Köche.
Wie bisher schon sollen diese Vakanzen aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Truppe aufgefüllt werden – die Brigade als Leuchtturmprojekt der Zeitenwende, heißt es im Ministerium, sei eine Aufgabe der gesamten Bundeswehr und nicht nur des Heeres. Als Beispiel nannte das Ressort einen Schiffskoch, der bei längerem Werftaufenthalt eines Kriegsschiffes nicht an Bord benötigt werde (Randbemerkung: bei wirklich langen Werftaufenthalten, und die gehen inzwischen auch schon mal in mehrere Jahre, dürfte der Smutje allerdings schon anderswo angeheuert haben…).
Zwar sollten, sicherte das Ministeirum zu, auch bei verpflichtenden Versetzungen die persönlichen Belange der Soldatinnen und Soldaten so weit wie möglich Berücksichtigung finden. Am Ende gelte allerdings: Einsatzbereitschaft geht im Zweifel vor Freiwilligkeit.
(Archivbild: Verteidigungsminister Boris Pistorius, r., und der damalige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am 26. Juni 2023 auf dem litauischen Truppenübungsplatz Pabrade nach der Ankündigung der dauerhaften Stationierung einer Brigade in Litauen – Lea Bacherle/Bundeswehr)
@Apollo 11 sagt:15.09.2026 um 15:40 Uhr
„@Closius:
„Was die Zahlen angeht, sind 2.500 von 4.800 nur ca ca 60 % und keine 80 %. Ich habe deshalb den Verdacht, dass hier mit den Zahlen getrickst wird. Zumal mehrere Medien Schreiben, es gäbe nur 60 % an Freiwilligen.“ “
Die derzeitig den Litauern unterstellte deutschgeführte Battlegroup wird auch der deutschen Brigade unterstellt. Die ist in den hier kolportierten 2.500 Pax nicht drin. Wenn Sie die dazu rechnen, dann haben Sie die 80%, alles eine Frage der Darstellung.
@Pio-Fritz: Die Mütze noch im Dorf lassen. Die angeblich ca 3.800 Euro Auslandszuschlag für einen Hauptgefreiten mit Frau und 2 Kindern in Litauen sind irreführend auf der BW HP dargestellt, wenn man freundlich formuliert oder Fake News, wenn man einen strengen Maßstab anlegt(Erst der Hinweis auf die Broschüre ist hilfreich & korrekt). Denn tatsächlich beruht die Zahl auf 4 verschiedenen Zuschlägen. Auslandszuschlag, Kinderzuschlag, Ehegattenzuschlag & Ehepartnerzuschlag. Der Ehepartnerzuschlag von ca 580 Euro ist Zweckgebunden und muss mit Nachweisen zur Alterssicherung der Ehefrau verwendet werden. Er steht nicht zur freien Verfügung und eventuelles Einkommen der Ehefrau wird teilweise angerechnet. Beim Auslandszuschlag selbst, der ca die Hälfte des Gesamtbetrages ausmacht, ist dieser ohne Gemeinschaftsunterkunft & ohne Gemeinschaftsverpflegung berechnet. Da die dt Soldaten in Kasernen untergebracht werden sollen und der BW Köche fehlen für Litauen, sollen die dt Soldaten mindestens überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften & mit Gemeinschaftsverpflegung untergebracht werden, so dass dass vom Auslandszuschlag 30 % in Abzug gebracht werden müssen. Damit stehen dem Hauptgefreiten tatsächlich insgesamt über 1.000 Euro weniger zur freien Verfügung. Die Unterbezahlung für Litauen zeigt sich aber an anderen Beispiel. Ein Hauptgefreiter, Single ohne Kinder, hat bei Gemeinschaftsunterbringung & Verpflegung nur ca 1 200 Euro Auslandszuschlag in Rukala! Ein Hauptgefreiter mit Frau und zwei Kindern, wenn Familie in Deutschland bleibt, nur 1.600 Euro bei Gemeinschaftsverpflegung. Dafür geben die Soldaten ihre persönlichen Kontakte zur weiteren Familie, zum Freundeskreis & Vereinen auf. In einem Land wie Litauen, dessen Sprache kaum ein dt. Soldat können wird. Die Entfernung nach Deutschland ist von Litauen aus erheblich. Im Gegensatz zum Elsass(Jägerbataillon 291), Belgien oder Niederlande, von wo aus dort stationierte dt. Soldaten schnell Mal nach Deutschland fahren können. Die BW versetzt seine Soldaten generell zu oft. Der Auslandseinsatz sollte es Soldaten ermöglichen, eine hübsche Summe in der Zeit auf die Seite zu legen. Bei 1.200 -1 600 Euro sehe ich dies nicht als erfüllt an, die Nachteile Litauen nicht ausgeglichen. Wir hatten keine Probleme Soldaten für Afghanistan oder Mali zu finden, trotz Gefahr, weil gut bezahlt wurde, was jetzt für Offiziere gilt oder Soldaten, die Familie mitnehmen, aber als Single oder wenn Familie in Deutschland bleibt, ist die Bezahlung unzureichend, sonst müsste niemand „zwangsverpflichtet“ werden. Die Brigade ist das Leuchtturm Projekt von Pistorius, deshalb wäre es dessen Job, dafür zu sorgen, das Mannschaftssoldaten für Litauen besser vergütet werden. Auch wenn dafür ein längst überfällige Soldatenvergütung, unabhängig von Innenministerium & Auswärtigen Amt zu schaffen ist. Der Fehler im Auslandszuschlag ist bisher, dass Offiziere viel mehr Zuschlag bekommen, als Mannschaften, obwohl der Nachteil vom Gefreiten bis zum General gleich groß ist.