Neue beste Freunde: U-Boote für Kanada, Weltraumbahnhof für deutsche Firma
Die Planung Kanadas, bis zu zwölf U-Boote des deutsch-norwegischen Projekts U212CD zu kaufen und damit vor allem dem deutschen Unternehmen TKMS (gebürtig Thyssen Krupp Marine Systems) sein bisher größte Geschäft zu ermöglichen, ist nur ein Teil der jüngsten Kooperationen der beiden NATO-Länder: An der kanadischen Westküste kauft sich das deutsche Unternehmen Isar Aerospace in einen Weltraumbahnhof ein und sichert damit weitere von den USA unabhängige Startplätze für Satelliten.
Das U-Boot-Geschäft war am (gestrigen) Dienstag von der Regierung in Ottawa bekannt gegeben und von der Bundesregierung begeistert begrüßt worden. Meldungen dazu gibt es überall, deshalb nur exemplarisch aus der Mitteilung von TKMS*:
TKMS begrüßt die Entscheidung der kanadischen Regierung, das Team 212CD als bevorzugten Lieferanten für das Canadian Patrol Submarine Project (CPSP) auszuwählen, in dessen Rahmen potenziell zwölf 212CD-U-Boote geliefert werden sollen. Dies ist ein historischer Meilenstein für Kanada, Deutschland und Norwegen und der Beginn einer langfristigen strategischen Partnerschaft, die die Sicherheit, die industrielle Zusammenarbeit und die kollektive Verteidigung im gesamten Nordatlantik stärken wird.
Die Ankündigung markiert den Beginn eines neuen Kapitels in der Verteidigungszusammenarbeit zwischen drei engen NATO-Verbündeten, in dem gemeinsames Fachwissen und gemeinsame Sicherheitsinteressen
zusammengeführt werden. Für Kanada stellt die Entscheidung eine bedeutende langfristige Investition in die maritime Sicherheit und die souveränen Fähigkeiten dar. Für Deutschland und Norwegen spiegelt sie eine Vertiefung der Partnerschaft mit einem wichtigen Verbündeten sowie ein gemeinsames Engagement zur Förderung der transatlantischen Sicherheit, der technologischen Zusammenarbeit und der operativen Interoperabilität wider.
Für TKMS wird die potenzielle Ausweitung des 212CD-Programms über
Deutschland und Norwegen hinaus den anhaltenden profitablen
Wachstumskurs des Unternehmens weiter unterstützen. Der aktuelle
Auftragsbestand wird um mehr als 50% gestützt.
Angesichts dieses Großvorhabens blieb da die andere Industrie-Vereinbarung ein wenig unter dem Radar, die der kanadische Starbasis-Betreiber Maritime Launch Services Ltd. und die deutsche Gesellschaft Isar Aerospace ebenfalls am Dienstag bekanntgaben. Aus der Mitteilung des kanadischen Unternehmens:
Space company Isar Aerospace and spaceport operator Maritime Launch Services Ltd. have signed a contract under which Isar Aerospace will develop a dedicated launch complex for its Spectrum launch vehicle at Spaceport Nova Scotia near Canso, Canada. The agreement marks a decisive step toward advancing Canada’s sovereign access to space and extending Isar Aerospace’s end-to-end launch capability globally.
Spaceport Nova Scotia is being developed as Canada’s dual-use orbital spaceport, providing launch infrastructure for commercial, civil and defence missions and clients. The agreement builds on the letter of intent signed by both parties in May 2026.
Isar Aerospace offers fully integrated space access, covering the entire value chain—from designing and operating launch pad infrastructure to engineering and launching its in-house-developed Spectrum vehicle. Maritime Launch Services will provide the licensed launch site, including the launch pad, assembly, integration and testing (AIT) facilities, a launch operations center, and a facility for payload integration. Build-out is planned to begin in 2026, with first orbital launches targeted for 2028. The launch site will be designed to support frequent launches, with the potential for Spaceport Nova Scotia to offer additional capacity for future expansion.
Was ganz offenkundig – auch – dahinter steht, obwohl es natürlich nicht ausdrücklich erwähnt wird: Auf beiden Seiten des Atlantik laufen die Bemühungen, sich von den USA unabhängiger zu machen, und sei es nur ein klein wenig, auf Hochtouren.
Nachtrag zum Thema U-Boote: Dazu die Aussagen von Generalinspekteur Carsten Breuer auf Instagram, wo er von der Möglichkeit spricht, dass Deutschland, Norwegen und Kanada in der Zukunft einfach Besatzungen ihrer U-Boote austauschen könnten:
Es ist eine Entscheidung der Superlative. Es ist eine Entscheidung nicht nur für Interoperabilität, sondern für Interchangeability – echte Austauschbarkeit. Dank engmaschiger Logistik, Ausbildung und Instandhaltung können perspektivisch komplette Uboot-Besatzungen zwischen Deutschland, Norwegen und Kanada ausgetauscht werden.
Deutschland, Norwegen und Kanada bauen so den Verbund der größten und modernsten konventionellen Uboot-Flotte der Welt auf. Es entsteht eine strategische Partnerschaft auf Jahrzehnte, geprägt von Arktistauglichkeit, einem sicheren Nordatlantik und logistischer Unterstützung bis nach Singapur.
Diese Entscheidung stärkt die rüstungsindustrielle Standardisierung innerhalb der Allianz. Für den Rüstungsstandort Deutschland ist es der größte Einzelexportauftrag aller Zeiten – ein historischer Meilenstein. Das Ausbildungszentrum Uboote in Eckernförde kann sich schon jetzt auf die neuen kanadischen Kameraden freuen.
(Am Rande: der Instagram-Post ist mit Fotos vom Besuch der kanadischen Generalstabschefin Jennie Carignan in Deutschland im März bebildert – eine gewisse Ironie, da Carignan gegen Breuer bei der Wahl des künftigen Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses antritt. Diese Kampfabstimmung, betonte allerdings Breuer im Gespräch mit Augen geradeaus!, sei nichts Außergewöhnliches: Das ist eine ganz normale Wahl. Das ist immer so gewesen.)
*Fürs Archiv die komplette TKMS-Mitteilung vom 7. Juli 2026:
20260707_TKMS _Kanada_U-Boote
(Grafik: Artist’s view der U-Boote für Kanada – Quelle TKMS)
Sehr sehr wichtige strategische Partnerschaft!!
wenn man bedenkt dass bis Ende der 2030er/anfang der 2040er nahezu 24 identische UBoote der NATO im Nordatlantik verfügbar sind… ist das mehr als top 👍🏻
Gestern wurden noch mehr Projekte innerhalb der NATO beschlossen!
– neue AWACS Flotte – SAAB Globaleye auf Bombardier Basis
– Ausbau MRTT Flotte Basis A330
– Neuaufbau gemeinsame Transporterflotte auf Basis A400M
– 5 neue AGS Drohnen für den hohen Norden
– weitere P8 UJagd Flugzeuge – auch der neue Standard in der Nato
-> es werden für bestimmte Systeme Standards gebildet und gemeinsam beschafft und betrieben! Fokus immer mehr auf nicht US Systeme! US Systeme nur noch da wo sinnvoll!