Nicht nur Freiwillige für die Litauen-Brigade: „Operational Readiness is the key“
Die – eigentlich inhärent längst beantwortete – Frage, ob die neue Bundeswehr-Kampfbrigade in Litauen nur mit Freiwilligen in Dienst gestellt werden kann, führt hier bereits zu heftigen Debatten. Nachdem Verteidigungsminister Boris Pistorius im ARD-Bericht aus Berlin bereits angekündigt hatte, dass am Ende Soldaten und Soldatinnen zu diesem Einsatz auch verpflichtet werden müssten, legte er in Litauen noch mal nach.
Die Aussage des Ministers in der ARD-Sendung (hier ab Minute 20:20) am (gestrigen) Sonntag kam schon nicht überraschend. Und auch die Ansage am (heutigen) Montag beim Besuch der Panzerbrigade 45 Litauen, bei einer Übung auf dem litauischen Übungsplatz Pabrade, war ebenso erwartbar: Ein geringer Teil der Soldaten der künftigen Brigade, kündigte Pistorius an, werde auch ohne freiwillige Meldung in das baltische Land versetzt werden müssen. Denn operational readiness is the key, entscheidend sei die Einsatzbereitschaft.
Das machten der Minister und Heeresinspekteur Christian Freuding beide gleichermaßen deutlich, mit fast gleicher Wortwahl. Der Inspekteur halt nur etwas prägnanter am Schluss. Hier zum Nachhören (die jeweiligen Passagen aus der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem litauischen Verteidigungsminister Robertas Kaunas zusammengestellt, zur Kennzeichnung akustisch getrennt):
Fairerweise sollte auch zur Einschätzung gehören: Bei Neuaufstellung eines Verbandes in Deutschland würde vermutlich niemand erwarten, dass allein freiwillige Meldung für das nötige Personal sorgen. Zu glauben, das könne bei der ersten dauerhaften Auslandsstationierung einer Bundeswehreinheit so laufen, ist vermutlich ziemlich illusorisch.
(Foto: Ein Leopard2-Kampfpanzer des Panzerbataillions 203, der Turm mit Netzen gegen Drohnen gesichert, überquert auf der Panzerschnellbrücke Leguan ein Gewässer bei der Übung „Freedom Shield“ der Panzerbrigade 45 auf dem litauischen Übungsplatz Pabrade am 6. Juni 2026 – Marco Dorow/Bundeswehr)
Na da sind scheinbar die Hochrechnung des Minister und BMVg nicht eingetroffen. Das war aber zu erwarten und wurde schon lange vermutet. Meine Glaskugel hätte dies auch profizeit.
Ich gehe mal davon aus, dass einen recht detaillierten Aufwuchsplan für die Brigade gibt. Schließlich soll sie ja in 1,5 Jahren komplett stehen. Natürlich kann man dabei auch zwischenzeitlich mal die eine oder andere Minderbesetzung akzeptieren. Am Ende muss jedoch genügend Personal da sein. Deshalb gehe ich auch davon aus, dass es je nach benötigter Qualifikation auch unterschiedliche Zeitpunkte geben wird, zu denen die Verpflichtungen aktiviert werden. Es wird also Zug um Zug gehen.
Was gibt es da noch zu debattieren? Klare Ansage und „fullstop“!
Vielleicht bräuchten ein paar „Nasen“ (hier gebräuchlicher Jargon) noch eine Übersetzung ins Deutsche, mangels Fähigkeit sozusagen. Im Übrigen wäre es der Sache dienlich, wenn gerade die älteren gedienten Nasen hier auch mal ihre Klappe halten könnten.
[Huch. Wir machen schon einen etwas gepflegteren Debattenton hier, ist ja nicht Befehlsausgabe Zwote, gell. T.W.]