Nicht nur Freiwillige für die Litauen-Brigade: „Operational Readiness is the key“
Die – eigentlich inhärent längst beantwortete – Frage, ob die neue Bundeswehr-Kampfbrigade in Litauen nur mit Freiwilligen in Dienst gestellt werden kann, führt hier bereits zu heftigen Debatten. Nachdem Verteidigungsminister Boris Pistorius im ARD-Bericht aus Berlin bereits angekündigt hatte, dass am Ende Soldaten und Soldatinnen zu diesem Einsatz auch verpflichtet werden müssten, legte er in Litauen noch mal nach.
Die Aussage des Ministers in der ARD-Sendung (hier ab Minute 20:20) am (gestrigen) Sonntag kam schon nicht überraschend. Und auch die Ansage am (heutigen) Montag beim Besuch der Panzerbrigade 45 Litauen, bei einer Übung auf dem litauischen Übungsplatz Pabrade, war ebenso erwartbar: Ein geringer Teil der Soldaten der künftigen Brigade, kündigte Pistorius an, werde auch ohne freiwillige Meldung in das baltische Land versetzt werden müssen. Denn operational readiness is the key, entscheidend sei die Einsatzbereitschaft.
Das machten der Minister und Heeresinspekteur Christian Freuding beide gleichermaßen deutlich, mit fast gleicher Wortwahl. Der Inspekteur halt nur etwas prägnanter am Schluss. Hier zum Nachhören (die jeweiligen Passagen aus der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem litauischen Verteidigungsminister Robertas Kaunas zusammengestellt, zur Kennzeichnung akustisch getrennt):
Fairerweise sollte auch zur Einschätzung gehören: Bei Neuaufstellung eines Verbandes in Deutschland würde vermutlich niemand erwarten, dass allein freiwillige Meldung für das nötige Personal sorgen. Zu glauben, das könne bei der ersten dauerhaften Auslandsstationierung einer Bundeswehreinheit so laufen, ist vermutlich ziemlich illusorisch.
(Foto: Ein Leopard2-Kampfpanzer des Panzerbataillions 203, der Turm mit Netzen gegen Drohnen gesichert, überquert auf der Panzerschnellbrücke Leguan ein Gewässer bei der Übung „Freedom Shield“ der Panzerbrigade 45 auf dem litauischen Übungsplatz Pabrade am 6. Juni 2026 – Marco Dorow/Bundeswehr)
@Closius: dienstfrei geht immer, so lange die 41Std. erreicht werden. Allerdings haben die Airlines 1.) die Preise ordentlich angezogen und 2.) den Flugplan eher ausgedünnt als verstärkt. Weiterhin sind die Flüge inzwischen recht „wochenendunfreundlich“, so dass man (je nach Zielflughafen) schon mindestens 2 Tage extra frei nehmen muss, dass es auch wirklich funktioniert. Alles so, wie es nicht angekündigt war…Ich möchte dieser Tage nicht Dienst im BAPers leisten müssen, da werden die Interessensbekundungen reihenweise widerrufen….
Das hier überhaupt diskutiert werden muss, ob man „einen Befehl“ – hier: „Sie gehen nach Litauen“ befolgen muss, ist nach meiner Ansicht schon traurig. Daran hat die Bundeswehrführung aber selbst schuld. Zu lange wurde (auch aus Rekrutierungsgründen) so getan, als sei Soldat ein ganz „normaler“ Beruf, man dürfe nicht länger als 11 Stunden am Tag arbeiten und wenn man sich nur genügend private „Unpässlichkeiten“ ausdenkt, wird man sich schon gegen die Berufswirklichkeit durchsetzen. Am schlimmsten ist aber die Kommunikation der politischen Führung. Warum verspricht ein Minister, dass nur Freiwillige versetzt werden, warum wird ein Gesetz erlassen, dass sich Wehrpflichtige zu einem Auslandaufenthalt „abmelden“ müssen, warum wird ein Rüstungsprojekt (F 126) über den Klee gelobt, dass dann – mit 2 Milliarden Verlust – beerdigt wird. Niemand hat dies von den Verantwortlichen verlangt – sie haben es trotzdem getan. Man kann sagen, „ja, dass kennen wir von der Politik“. Der Unterschied ist: im Zweifel müssen sich Soldaten auf das verlassen können, was ihre Führung von ihnen verlangt – bis zum Einsatz des eigenen Leben. Da bleibt kein Platz für politische Spielereien. Das müsste sich vor allem auch die militärische Führung hinter die Ohren schreiben.
@Metallkopf sagt: 24.06.2026 um 9:50 Uhr
„Die Brigade dient ja vor allem dazu, dass das auch in Zukunft absehbar so bleibt.“
Mir ist das schon klar, nur dem Mitforisten nicht, auf den ich reagiert habe. Wenn die Brigade in DEU ist, dann verfehlt sie ihre Wirkung.
@someone sagt: 24.06.2026 um 10:39 Uhr
Wenn Sie meinen Post aufmerksam gelesen hätten, dann wüssten Sie, das ich das gar nicht gefordert habe.
Der Mitforist @Der_Picard wollte gerne die deutsche Brigade mit den US-Reforger-Kräften vergleichen. das ist falsch, die Brigade muss mit den damals fest in DEU stationierten Kräften verglichen werden. Ansonsten bin ich bei Äpfeln und Birnen.
Und die USA hatten mehr als 120.000 Soldaten, @Closius hat die genaue Zahl gepostet (vielen Dank für die Korrektur), es waren mehr als doppelt so viele.
Wenn man schon Vergleiche ziehen möchte, sollte man auf die Parameter und Variablen achten, sonst kommt nur Murks heraus. Mehr wollte ich nicht aussagen.
@Sani sagt: 24.06.2026 um 14:59 Uhr
Dann gibt es eben Wochenend-Shuttleflüge durch die Flugbereitschaft. Freitags Abflug Vilnius und Zielflughäfen Berlin und Köln-Bonn, am Sonntag oder Montag früh umgekehrt.
Es hat mit den Ministerien beim Umzug von Bonn nach Berlin doch auch funktioniert. Und wenn die Fluggesellschaften spitz kriegen, dass da deutsche Soldaten am Wochenende zwischen Litauen und Deutschland in entsprechender Zahl pendeln, dann gibt es ruck-zuck auch ein entsprechendes Angebot. So funktioniert ein freier Markt, Angebot und Nachfrage. Es ist ganz simpel.
Man darf nicht die aktuelle Situation als gottgegeben hinnehmen, die Lage verändert sich ständig. Irgendwann ist der derzeitige Krieg im Mittleren Osten beendet, der Kerosinmangel behoben, die Preise sinken. Es gibt genügend Flugzeugtransportkapazität am Markt. Man sieht es doch am Wettbewerb vor dem Krieg. Oder meinen Sie, es ist kostendeckend, wenn die Fluggesellschaften einen Teil der Plätze bei vielen Flügen für 19,00 oder 29,00 Euro verramschen?
Und wenn es dann doch einen heißen Konflikt geben sollte, ist mit Wochenendheimfahrten sowieso Schluss. Für alle. Nur falls das Argument kommt „im Spannungsfall“ etc.pp..
Die Bundeswehrführung liefert wieder einmal den Beweis, dass sie Personalpolitik ungefähr so gut beherrscht wie ein Leopard 2 den Tiefflug.
Man wundert sich ernsthaft, warum Soldaten nicht freiwillig für Jahre nach Litauen gehen wollen. Dabei ist die Antwort simpel: Weil man Attraktivität predigt und Bürokratie liefert.
Wer 5.000 Soldaten in Litauen haben will, muss aufhören, mit PowerPoint-Folien und Flyern in den monatlichen Bezügeabrechnungen zu werben, und anfangen, echte Vorteile zu schaffen:
– Zonenstufen anpassen für alle Gleich ( die russische Raketen Artillerie schießt bis nach Klaipėda)
– Gleiche Auslandszulage für jeden Soldaten vor Ort.
– Kostenlose Wohnung bis 1.000 € Warmmiete.
– Rentenpunkte und Karriereausgleich für mitziehende Partner.
– Bevorzugte Versetzung zurück nach Deutschland nach der Verwendung.
– Wöchentliche Heimflüge für Z.B. 20 € Eigenanteil.
– Kostenlose Kita- und Schulplätze.
– Garantierte Kinderbetreuung mit erweiterten Öffnungszeiten und wirklich guten Betreuern und Lehrern
– Steuerfreie Litauen-Prämie für jeden Soldaten der freiwillig geht in Höhe von 10000€
– Ein zusätzlicher Beförderungs- bzw. Auswahlvorteil für erfolgreiche Verwendung.
– Bonusurlaub für Familienheimfahrten in Höhe von 10 Tagen pro Kalenderjahr um schlechte Flugverbindungen auszugleichen
– Schnelle Internet- und Mobilfunkpauschalen
– Unbürokratische Unterstützung für Partner bei Jobsuche und Anerkennung von Berufsabschlüssen.
– steuerfreie unbürokratische Möglichkeiten des KFZ Kaufs
– usw…
Die eigentliche Blamage ist nicht der Mangel an Freiwilligen. Die eigentliche Blamage ist, dass offenbar niemand in den oberen Ebenen verstanden hat, dass Soldaten Menschen mit Familien sind und keine Schachfiguren auf einer NATO-Landkarte. Besonders dann nicht wenn die Politik es nicht schafft die restliche Bevölkerung zu motivieren.
Statt die Verwendung attraktiv zu machen, diskutiert man jetzt über Zwangsversetzungen. Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant auf leere Tische reagieren, indem es die Gäste verpflichtet zu kommen.
Wenn sich für ein sicherheitspolitisches Prestigeprojekt nicht genug Freiwillige melden, dann ist das kein Versagen der Truppe. Dann ist es ein Offenbarungseid der Führung.
@ ORR
23.06.2026 um 11:33 Uhr
„Dienst für die FDGO, kein Job, wie jeder andere, fordernde Ausbildung, Gefahr,…Fehlanzeige.“
Welchen jungen Mann interessiert denn die FDGO ? Damit lockt man doch keinen, sein Leben zu riskieren. Aber man ist ja zu verklemmt zu sagen, worum es wirklich geht. Um die Verteidigung des Vaterlandes, um die Verteidigung Deutschlands.
Solange man rumdruckst, das nicht positiv besetzt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn das als ein Job wie jeder andere angesehen wird.
Verteidiger der FDGO zieht nicht wirklich !
@Markus H. sagt: 24.06.2026 um 16:47 Uhr
Das kann man alles machen, mit der Maßgabe, diese Vergünstigungen regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen und nachzujustieren. Denn die kommen wahrscheinlich unterschiedlich gut an oder werden vielleicht auch gar nicht abgefordert.
Ein Teil Ihrer Forderung wir durch das NATO-Truppenstatut abgedeckt, auf dem das Abkommen DEU-LIT ja fußt. Und was Beförderungen angeht, wer Karriere machen will, war in LIT, ganz einfach.
Letztendlich – herausfinden wird man es nur, indem man es einfach macht. Da bin ich mir bei der mittlerweile herrschenden Verantwortungsdiffussion nicht sicher.
@ Florian Staudte, 24.06.2026, 7:30 Uhr:
„… Hätte der Minister von Anfang an klar kommuniziert, dass Versetzungen auch gegen den Willen nach Litauen möglich sind, dann hätte sich bei den Soldaten nicht im Gehirn eingebrannt, es geht nur auf Basis von Freiwilligkeit nach Litauen.“
Volle Zustimmung.
Militär lebte (lebt noch heute?) von klaren und einfachen Aussagen, in die man nichts hineininterpretieren mus. Die klare Ansage á la „Wir werden die Besetzung der Brigade 45 attraktiv gestalten und setzen auf Freiwilligkeit. Sollte dies wider erwarten nicht ausreichen, so werden auch Pflichtversetzungen betrachtet.“
Das wäre klar, einfach und ehrlich.
@ Michael Elstermann, 24.06.2026, 17:04 Uhr:
„..Um die Verteidigung des Vaterlandes, um die Verteidigung Deutschlands.“
Ich habe mich -mal wieder- unscharf ausgedrückt.
Das Kernelement Deutschlands ist seine bzw. unsere FDGO. Damit ist die Verteidigung der FDGO auch die Verteidigung Deutschlands.
@Pio-Fritz: mir ist die freie Wirtschaft durchaus ein Begriff, ebenso Angebot vs. Nachfrage….es wurde nur anfangs mal wieder anders kommuniziert. und ja, es gibt Sonderkonditionen bei einigen Airlines, allerdings sind das diese Airlines, welche auch nach Abzug des Rabatts immer noch wesentlich teurer sind als die Billigflieger. Es ist auch unattraktiv, sich mit der Flugbereitschaft nach Wunsdorf fliegen zu lassen, wenn der Heimweg von dort nochmal 7 Std dauert….. sorgt einfach nicht dafür,dass es für jemanden aus dem Süden auch nur ansatzweise in Frage kommt, sich dafür freiwillig zu melden.
@Sani sagt: 25.06.2026 um 8:58 Uhr
@Markus.H. hat in seinem Post ja Flüge gegen Zuzahlung gefordert. das wäre ein gangbarer Weg. Schließlich dürfen alle Soldaten in Uniform die DB kostenlos benutzen, das geht auch mit Flügen. Da lässt sich mit Sicherheit ein Rahmenvertrag verhandeln.
Es sind kreative Lösungen gefragt. Allerdings wird Sie niemand vor die Haustür fliegen, Ein Flughafen mit vernünftiger Bahnanbindung wäre gut.
@Pio-Fritz:
Ich bin da voll bei Ihnen, und dass man keine „allinclusive-Mentalität“ erwarten darf, ist mir komplett bewusst. Aber ist es nicht so, dass das BMVg genau mit solchen Dingen noch vor 1-2 Jahren geworben hat( Flüge zum Wochenende, angepasst an Dienstzeiten…quasi genau wie im Inland, total stressfrei…man merkt quasi gar nicht, dass man sich nicht in Deutschland befindet)….
Und jeder Soldat hat diese Dinge noch im Ohr(wurde ja auch oft und gerne in Vorträgen wiederholt), nun aber zeigt sich die Realität. Auch der viel beschworene „Flughafenshuttleservice“ ist mehr Papier als Wirklichkeit<eher angepasst an die typische Telearbeit/Halbtags/Mobiles Arbeiten-Fraktion.
Im Grunde klag es früher danach, als wäre es in Litauen einfacher nach Hause zu kommen als an einem Freitag von München nach Hamburg vom Lehrgang. Und diese Wahrheiten kommen nun immer mehr zum Vorschein, die meisten Soldaten haben inzwischen jemanden, der schon in LTU ist, und da wird Tacheles gesprochen. Da kann auch keine "wir-machen-eine-tolle-Erkundungsreise" a la´"Hier ist alles super" drüber hinweg helfen. Weiterhin sind bei uns sehr viele junge Soldaten(teilweise noch vor ZAW) und denen ist inzwischen auch bewusst geworden, dass die Reise nach ZAW nicht mehr an den(vorher festgelegten) Standort gehen wird< manch einer überlegt, die Bw noch vor Beginn der ZAW wieder zu verlassen.
Es ist traurig, dass sich für die Brigade 45 kein positives Bild im Feldheer hat zeichnen lassen – das liegt aber am Feldheer selbst, bis Dr. Freuding kam, sogar am damaligen Inspekteur. Von „Speerspitze“, „nur die Besten“, „Trageberechtigung Ärmelband Litauen bis DZE“ oder Ähnlichem keine Rede. Welches Ärmelband? Eben. Stattdessen eher „Was sollen wir da?“, oder „das geht zu Lasten der Verbände in der Heimat“, etc.. Wenn ich als LitauerIn oder jemand aus Estland oder Lettland sowas lesen würde, müsste ich mir meinen Teil denken. Die Frauen und Männer müssen heiß gemacht werden auf Dienst in Litauen, und zumeist kann man das vor Ort auch einlösen, eFPlerInnen mögen das bestätigen: Man kann da richtig rödeln, und die litauische Bevölkerung liebt einen dafür. Wobei alle wissen, und der Vergleich zu dem, was einst nicht nur die USA im Kalten Krieg in Westdeutschland am Eisernen Vorhang stehen hatte, ist ja schon gezogen worden, dass eigentlich die eine Brigade nur die Vorhut sein kann. Würden wir es ernst meinen, müsste mindestens eine Division nach Litauen, womit Deutschland einen glaubwürdigen Beitrag zur Abschreckung und Verteidigung leisten würde. Macht, was wirklich zählt. Aber nein, der geneigte Landser soll von Kaunas oder Vilnius nach Bad Salzuflen fernpendeln können, sonst wird das ja nix. Was sollen den die Kanadier in Lettland zu ihren Leuten sagen? Dieses ganze Denken in Kleinvieh-Ausscheidungen ist doch bezeichnend, anstatt die Leute einfach mal loszuschicken und machen zu lassen. Ich schließe, wie ich angefangen habe: Das Feldheer hat es selbst mit Ansage vermasselt, und ich unterstelle, dass es dort an verantwortlicher Stelle / in zwoter Reihe weiterhin genügend KameradInnen gibt, die nichts dagegen hätten, wenn das Ding in die Grütze ginge.
Da hat wohl jemand ,den Mund zu voll genommen mit den vielen freiwilligen . Ich erinnere mich, einige von uns haben Dtl. am Hindukusch verteidigt und das ist schon mal in die Hose gegangen … also ich habe nicht dafür unterschrieben Deutschland in Litauen zu verteidigen und so Denken viele …
MKG
@J10, 25.06.2026, 11:48 Uhr:
„…das liegt aber am Feldheer selbst,…“
Dieser Bewertung stringent folgend müßte man also die Führung des Feldheeres auswechseln.
ORR sagte am 24.06.2026 um 22:32 Uhr:
„…Militär lebte (lebt noch heute?) von klaren und einfachen Aussagen, in die man nichts hineininterpretieren muss. Die klare Ansage á la „Wir werden die Besetzung der Brigade 45 attraktiv gestalten und setzen auf Freiwilligkeit. Sollte dies wider erwarten nicht ausreichen, so werden auch Pflichtversetzungen betrachtet.“
Das wäre klar, einfach und ehrlich.“
Das war von Anbeginn an die klare Aussage – damals waren wohl nicht wenige (jeder prüfe sich selbst) gerade „beim Kreide holen“. Macht aber nix, denn auch das Wissen um diesen Sachverhalt hätte doch keinen weitergebracht. Na ja, ausgenommen diejenigen, die darauf hin präventiv durch KDV vorgesorgt hätten oder sich gar nicht erst für den Dienst in der Bw gemeldet hätten. Aber ersteres kann man ja noch nachholen, und Entlassungsersuchen geht auch. Dann ist doch alles wieder gut.
@Hans Schommer, 26.06.2026, 18:16 Uhr:
„… Das war von Anbeginn an die klare Aussage…“
Naja, da muß man nicht Kreide holen gehen, um eine andere Wahrnehmung zu haben.
Die Aussage des BM, u.a. am 11.10.23 (hier im Blog zu finden) spricht er davon, dass er keinen Zweifel daran hegt, dass die Freiwilligkeit ausreicht. Sollte dies nicht so sein, müßte man sich etwas überlegen. Die klare, einfache Ansage „“Dann wird befohlen“ hätte gereicht.
Aber auch das ist Ansichtssache.
@ORR sagt: 27.06.2026 um 23:30 Uhr
„Die klare, einfache Ansage „“Dann wird befohlen“ hätte gereicht.“
Für Politikersprech qae das schon sehr deutlich.
Noch mehr Deutlichkeit kann man nur von der militärischen Führung erwarten.
@Pio-Fritz, 28.06.2026, 11:13 Uhr:
Volle Zustimmung.
Von dem IBUK erwartet der Soldat, wie von allen anderen Vorgesetzten auch, kein „Politikersprech“, sondern klare Ansagen.
@J10: Dieses Denken, dass man auch dienstlich nur an den Eigennutz denkt, ist mir neulich wieder begegnet. Besprechung von ca. einer Stunde mit mehreren Stabsoffizieren einer Kommandobehörde über ein Querschnittsthema mit Außenwirkung. KLARE ABSPRACHEN das Wesentliche, nicht die Arbeitsbelastung. Fragt ein Abteilungsleiter zum Schluss: „Jetzt aber noch einmal: Was nutzt MIR diese Sache?“ Antwort, die ihn zum Staunen brachte: „Es nutzt der Bundeswehr“. Eine Woche später hat genau dieser StOffz eine kaum bekannte und kaum angewendete Weisung für Zuständigkeiten ausgegraben, wonach man das Thema so garnicht bearbeiten dürfe, sondern nach oben abgeben müsse. Was in der Praxis niemand macht, weil „oben“ eigentlich froh, wenn „unten“ sich mitkümmert… Brutale Arbeitnehmermentalität in der Besoldungsgruppe A15. Mit solchen Leuten in der Bundeswehr kann eine Verlegung nach Litauen nichts werden…
@ORR: Widerspruch! Vom Bundesminister der Verteidigung erwarte ich zunächst einmal die Übernahme der politischen Verantwortung für das Ressort. Der ist nämlich als Bundesminister geborener Politiker und nicht oberster Soldat!. Der Bundeminister für Wirtschaft ist immerhin auch nicht der oberste Gewerbetreibende Deutschlands.
Die Funktion(!) des IBUK ist in Friedenszeiten an den Minister geknüpft. Das stimmt. Aber die (meist politischen) Vorgaben und Vorstellungen des Ministers in hinreichend verständliche und vor allem umsetzbare Befehle zu gießen ist Auftrag der Ministerialverwaltung, speziell des militärischen Teils.
Wenn Sie von einem politischen (zivilen) Kopf die gleichen Ansprüche stellen, wie an die Befehlsausgabe Erste im Übungskontext und sich pikiert geben, dass Ihnen da bestimmte Dinge hinsichtlich der potenziell zu ergreifenden Maßnahmen bis in die unterste Ebene unklar waren, dann erwarten Sie offenkundig zu viel.
Leutnant Dosenkohl kann und soll sich auch nicht aus dem Divisionsbefehl das nötige für sich und seinen Zug selbst heraussuchen. Dafür gibt es die Befehlskette und den Führungsprozess auf allen Ebenen mit sinkendem Abstraktionsgrad, je weiter es nach unten geht.
Aber selbst Leutnant Dosenkohl sollte intellektuell in der Lage sein, sich an seinen zehn Fingern abzuzählen, dass selbst bei einem Setzen auf Freiwilligkeit auch Versetzungen befohlen werden. Das hat der Hausherr auch schon durch die Formulierung
ausgedrückt (Hervorhebung von mir).
Hier sehe ich auch ein Stück weit Medienversagen. Das was heute in den Berichten daraus gemacht wird, passt überhaupt nicht mit dem zusammen, was 2023 tatsächlich gesagt und erklärt wurde. Ich habe sogar einen Bericht gefunden, in dem aktuell behauptet wurde, Pistorius habe „versprochen“, ausschließlich Freiwillige zu entsenden, wozu freilich jegliche belastbare Quelle fehlt.
Im Oktober 2023 ist in diesem Beitrag die rechtliche Möglichkeit, Versetzungen auch nötigenfalls zu befehlen, ausdrücklich erwähnt. Auch andere Berichte aus 2023 lesen sich dezidiert anders als heute: „Bei der Suche nach Soldatinnen und Soldaten sei Freiwilligkeit „das erste Prinzip“, sagte Pistorius im Oktober weiter. „Aber am Ende zählt das Ergebnis.“ Zwang wäre demnach nicht ausgeschlossen.“ (Quellenlink aus bekannten Gründen nicht).
Wenn jetzt hingegen fleißig geschrieben wird, dass die Bundeswehr die Freiwilligkeit „kippe“, ist das letztlich schludrige Berichterstattung oder gar bewusste Geschichtsklitterung zur Meinungsmache.
Mir ist schleierhaft, wie sich bei Menschen, die in einer immer noch mit Anspruch auf Funktionstüchtigkeit versehenen Armee dienen, die Vorstellung „ins Gehirn einbrennen“ kann, es würden „ausschließlich Freiwillige“ versetzt. Denn die Kommunikation hat nie einen Ausschluss der Versetzung auf Befehl in Aussicht gestellt. Es sei denn, da wäre bei vielen der Wunsch Vater des Gedanken gewesen.
Wenn der Vorgesetzte in der AGA sagte, „Schütze XY, Bitte gehen Sie zum UvD und holen den Schlüssel für den Schulungsraum!“ gab’s immer wieder diesen einen Spaßvogel der dann gemeint hat „SiE hABeN AbeR ‚bItTE‘ GesAGt, uNd BIttEn kAnN mAN jA AuCH AbLEhnEN(!)“. Macht man erfahrungsgemäß aber nur exakt ein einziges Mal.
Vielleicht könnte der eine oder andere auch einfach nur noch mal im Selbststudium die Grundlagen von Befehl und Gehorsam auffrischen. Dann klappts auch mit der Gewinnung individueller Klarheit.
@Windlicht:
Diese Art von Weisungen sind für eine Verwaltung, die funktionieren soll, die Pest. Entweder gelten sie, dann ist aber ihre Bekanntheit vorauszusetzen, oder sie sind nicht mehr gültig und durch andere Weisungen inzwischen überholt und aufgehoben worden (kann auch konkludent erfolgen).
Weisungen und Erlasse regelmäßig ordnen und auf Aktualität zu prüfen, ist kein doller Auftrag, aber es ist ein offenkundig notwendiger. Vielleicht auch einer für einen Abteilungsleiter A15, der sich damit offenbar schon recht gut auskennt und somit Eignung und Interesse bewiesen hat.
@Metallkopf 29.06.2026 um 9:10 Uhr:
Danke für die ausführliche Darstellung.
Mein Eindruck ist, daß einerseits viele Medien Sachverhalte eindampfen (damit sie in 7 s aufgenommen werden können) und andererseits viele Konsumenten nur noch Überschriften lesen. Heraus kommen Fehldeutungen, die sie gut herausgearbeitet haben.
@Metallkopf, 29.06.2026, 9:10 Uhr:
Da stimme ich nur teilweise zu. Der BM hat den Doppelhut auf. Zum Einen muss er als Leiter eines Bundesministeriums auf dem politischen Parkett tanzen, zum Anderen muss er als IBUK die klare Sprache ohne Interpretationsbedarf beherrschen.
@ORR sagt: 29.06.2026 um 12:15 Uhr
Ich bin der Meinung, Sie interpretieren da zu viel in diesen IBUK-Status hinein, der ja auch nur im Friedensfall so gilt. Wenn Sie da ganz klare Ansprache erwartet hätten, die auch der letzte Begriffstutzige kapiert hätte, dann hätte die vom Generalinspekteur kommen müssen. Der hätte es vielleicht noch dem Heeresinspekteur übertragen können.
Wenn ich mir diese sehr kleinteilige Diskussion um einen drei Jahre alten Halbsatz des VM in einem Pressetermin jetzt anschaue, hätte man lieber eine andere Lösung gewählt. Nämlich kurz, prägnant und glasklar: „Brigade X vorbereiten der Verlegung nach Litauen, Lage….“.
Verlegen des Verbandes als Ganzes, ohne den ganzen Kuschelrock, der jetzt gespielt wird. Letztendlich sind wir eine Armee, und wenn nötig, wird diese eingesetzt. Wir leben schon lange nicht mehr im tiefsten Frieden sondern tragen hybride Konflikte aus, auf allen Ebenen. Der Durchschnittsmichel will es nur nicht wahrhaben, weil er Angst hat. Fragen Sie mal Telekommunikationsunternehmen oder Energieversorger, wie viele Hackerangriffe die jeden Tag haben, warum das GPS-Signal über der Ostsee gestört ist und das bis in die nordostdeutsche Tiefebene Auswirkungen zeigt etc,pp..
@Metallkopf: Das Ergebnis ist aber, dass NICHTS passiert. Oben ist es egal, weil kompliziert und nur nachhaltig wirksam, unten hat erfolgreich Arbeit und Initiative beseitigt. Ähnliches sehe ich bei der Auffüllung der Litauen-Brigade. Über Jahre hat die Kommunikation/Führung des BMVg die Pflicht zum Dienst an jedem Punkt, an den einen der Auftrag führt, de facto nicht durchgesetzt, um als „guter Arbeitegeber zu punkten“. An diesen Zustand haben sich jetzt viele gewöhnt, obwohl eigentlich wider besseres Wissen. Also auch ein Donau-Delta zwischen Weisungslage, Mindset und Auftragserfüllung… In meinem Beispiel hätte man schon vor Jahren „von ganz oben“ die Freiheit zur eigenverantwortlichen Bearbeitung auf untere Ebenen geben müssen. Wer Chancen sieht – der ergreife sie. Heute gibt es aber einen Flickenteppich der sinnvollen Eigenmächtigkeiten in Kenntnis der Weisungslage, der Erfolge in Unkenntnis der Weisungslage und des korrekten Stillstandes gemäß bekannter Weisung… Wie andere schon geschrieben haben: Mal wieder ein Kommunikations- und Führungsdesaster…
@Pio-Fritz, 29.06.2026, 16:20 Uhr:
„…hätte man lieber eine andere Lösung gewählt. Nämlich kurz, prägnant und glasklar: „Brigade X vorbereiten der Verlegung nach Litauen,…“
Wäre eine Möglichkeit gewesen. Auf jeden Fall klar, deutlich ohne „Politikersprech“, das es zu interpretieren gilt.
=> volle Zustimmung.
@Pio-Fritz, 29.06.2026, 16:20 Uhr:
„…hätte man lieber eine andere Lösung gewählt. Nämlich kurz, prägnant und glasklar: „Brigade X vorbereiten der Verlegung nach Litauen,…“
Wäre eine Möglichkeit gewesen. Auf jeden Fall klar, deutlich ohne „Politikersprech“, das es zu interpretieren gilt.
=> volle Zustimmung.
GenLt Freuding bei „Streitkräfte & Strategien“/NDR:
F: Wird es Versetzungen nach Litauen geben?“
A: „Wir werden alle Dienstposten besetzen.“
F: „Indem es befohlen wird?“
A: „Es wird gelingen“.
Was soll er auch sonst sagen?
Es ist eine politische Entscheidung. Jede Kommandierung/Versetzung ist ein Befehl.
Wenn Sie Ihren Dienst vor dem Jahre 1992 angetreten haben, könnte man dem zustimmen – ich denke aber, dass Sie (falls Sie kein Troll sind) deutlich jünger sein dürften und „vor Unterschrift“ ihren Dienst in den Streitkräften in vollstem Bewusstsein der Out-of-area-Einsätze angetreten haben. Ihnen hätte also von Anfang an klar sein müssen, dass man nicht unbedingt jedes Wochenende heim zu Mutti fahren kann.
Davon ab haben Sie „nach Unterschrift“ geschworen, der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen (so wahr Ihnen Gott helfe). Wo dies zu geschehen hat, befiehlt Ihnen der Dienstherr, im Auftrag gewählter Volksvertreter und unter Berücksichtigung geltender Gesetze und Vorschriften,
Falls Sie das nicht mittragen können, haben Sie offensichtlich beim falschen Arbeitgeber unterschrieben und es wäre ein KDV-Antrag überfällig.
@Voodoo zu @Tattootyp
Auf den Punkt, besser geht’s nicht.
Der Angesprochene denke bitte über das wechselseitige Treueverhältnis zwischen Eidnehmer und Eidgeber nach.