Kämpfen mit Kakerlaken
Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 stellte das Unternehmen Swarm Biotactics erstmals seine Biobots, elektronisch gesteuerte Kakerlakenschwärme im militärischen Einsatz, der breiteren Öffentlichkeit vor. Inzwischen laufen die ersten praktischen Versuche in der Bundeswehr – mit den Insekten als Aufklärungssensoren.
Videos dazu veröffentlichte der Cyber Innovation Hub (CIH) der Bundeswehr am (heutigen) Dienstag auf Instagram und YouTube. Darin wird ein Versuch an der Heeresaufklärungsschule Munster gezeigt, bei dem die Kakerlaken zur Aufklärung eines Gebäudes eingesetzt werden. Weitergehende Tests, wie sie Swarm Biotactis auch in einem Imagevideo gezeigt hatte, mit Kakerlaken als Träger von Explosivstoffen scheint es noch nicht gegeben zu haben.
Aus der Video-Beschreibung des CIH:
Mit AutoBugs testen wir gemeinsam mit SWARM Biotactics, wie Biobots — ferngesteuerte Kakerlaken mit Mini‑Elektronik — die Möglichkeiten der taktischen Aufklärung erweitern können. Ziel ist es, ein Lagebild aus Distanz zu erzeugen und damit Abstandsfähigkeit herzustellen, bevor Kräfte sich annähern müssen.
In der aktuellen Praxis bedeutet erste Aufklärung fast immer eine Annäherung an das Zielgebiet. Kräfte müssen sich vorarbeiten, Sicht herstellen und prüfen, was sich im unmittelbaren Umfeld befindet. Diese Schritte kosten Zeit und erhöhen je nach Lage die Gefährdung für die eingesetzten Soldat:innen.
AutoBugs kann diese initiale Aufklärung übernehmen und liefert Daten, bevor Kräfte die Position wechseln müssen. Die Plattform ist erweiterbar: zusätzliche Sensorik, automatisierte Analyse oder KI‑gestützte Mustererkennung sind je nach Bedarf denkbar und anschlussfähig.
(Eingebettes Instagram-Video durch YouTube ersetzt)
(Foto: Screenshot aus dem Video)
Können wir bitte zuerst über die Feldmütze des guten Herren sprechen?
Die Kakerlaken… Coole Sache! Die Witze schreiben sich natürlich trotzdem hier von selbst.
Sollte es jemals als Kakerlaken als Waffensystem bei der Bundeswehr geben, bin ich gespannt welche Bezeichnung diesem System dann gegeben wird.
…Kakerlake wird es auf jeden Fall nicht sein.
Auch auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=k4vu5AKTkJk
[Ah danke, ist besser einzubinden. T.W.]
Mein erster Gedanke waren gar nichtmal Explosivstoffe, sondern eher biologische Kampfführung – die Kakerlaken mit einem Herbizid beim Gegner abwerfen o.ä.
Keine allzu gute Vorstellung.
Olle Kamelle im neuen Desinformationsraum (Insta), selbstverständlich im KI-Rausch skalierbar.
Für die Historiker unter uns mal ein Einstiegslink:
Source: https://www.theguardian.com/science/2013/feb/17/race-to-create-insect-cyborgs
[Mit der Argumentation ist natürlich vieles eine „olle Kamelle“, auch Drohnen gibt es schon ziemlich lange… T.W.]
Da werden den – im zu meiner Zeit – BW-Jargon „Innendienstschaben“ (den Marsch-Sport-Geländebefreiten) endlich „Außendienstschaben“ zugesellt…. 😂
google: Das wurde bereits im Film „Das fünfte Element“ verwendet. Nun sieht „intelligenter“ Staub in Form von Nanopartikeln vielversprechend aus, da er bereits in großen Mengen vorhanden ist. (Smiley)
Und da
https://www.youtube.com/watch?v=4s11BK_pd5k
gehts hin…
Aber interessant das unser Dino Bw da schon mitmischt!
@Dr sponge: Wer sonst nix kann, der kann immer noch Anzug… Es gibt halt Feldmütze, Kevlar (früher: Stahl), knitterfrei, oliv und die Feldmütze, tarndruck. Die ist eben nicht knitterfrei. Persönlich finde ich den zur Faust geballten Blick des Kameraden eher bemerkenswert, aber das ist wohl Geschmackssache.
Der Name ist natürlich NATO-Konform ein Akronym: SCHABE (SCHneller Aufklärer, Biologisch-Elektronisch) bzw. ROACH (Remote Organic Advanced Computer Hybrid).
Die Wirklichkeit überholt SiFi.
Abartig.
Wir sind wirklich der ausbeuterische Schmutz, den wir in den „Die Aliens überfallen die Erde und knechten alles und jeden- Filmen“ immer beschreiben.
Da muss ich gerade an Stanislaw Lems „Waffensysteme des 21. Jahrhunderts“ von 1983 denken, eine fiktive Abhandlung über künftige Waffensysteme. Dort wird zum Ende des militärischen KI-Zeitalters festgestellt, dass künstliche Intelligenz gerade nicht benötigt wird, sondern eher „künstlicher Instikt“. In der Folge werden synthetischen Insekten bzw. „Synsekten“ entwickelt und massenhaft zum Einsatz gebracht. Passenderweise wurde das Buch vor einigen Jahren im Projekt „Literatur im Heer“ empfohlen.
Der Mann mit dem schwarzen Barrett (***hust***) sagt: Es ist neu, daher ist es ein „Game changer“. Ernsthaft?
Der Rest ist auch nur Geschwurbel. Hätte das am 1. April verortet.
Die Biester kriechen da rum, und dann? „Sensoren“? Eine Kamera? Warum keine Drohne, viel schneller und flexibler?
Sind die Biester dann wenigstens unfruchtbar gemacht? Sonst sehe ich nicht nur beim Feind eine schwärze bekämpfende Schabenplage
Was bin ich sehend? Ich dachte kurz ich hätte mich im Datum geirrt und es wäre wieder der erste April.
Das ist ja absolut dystopischer SciFi.
seid ihr euch sicher dass es nicht ein Fake ist? wenn ich meiner Freundin erzähle dass die Bw Kakerlaken fernsteuert. Da wandere ich doch sofort in die Gummizelle.
Möge solche Manipulation von Tieren bitte irgendwie geächtet werden. Leider ist die Pandora aber wohl mal wieder aus der Büchse. Was das jetzt soll, bleibt mir rätselhaft. Ich kann mir keinen BT vorstellen, der dafür eine Beschaffungsentscheidung treffen wird. Die BW hat Baustellen ohne Ende, und es gibt genug Themen, die ein CIH abarbeiten könnte die wirklich Fortschritte bedeuten würden. Aber wir können uns dann ja „ferngesteuerte“ Vögel oder Affenhorden mit Sensorik und Wirkmitteln ausmalen. Wenn jemand behauptet, dass sowas bei Schaben im Einklang mit den Schutzzielen des Tierschutzgesetzes ist, gilt das dann ja für alle Tiere. Mir wird da ziemlich schlecht.
@Landmatrose3000 sagt: 22.04.2026 um 14:55 Uhr
„Möge solche Manipulation von Tieren bitte irgendwie geächtet werden.“
Da sind Sie aber um Jahrtausende zu spät dran. Es geht doch schon mit Hannibal und seinen Elefanten los. Es folgt Reiterei (Pferde) und Zugtiere (Ochsen etc.) usw. usf.. Und zieht sich bis heute.
Seit Jahrzehnten experimentieren Russen und Amerikaner mit Delphinen, Walen und Seelöwen. Die Gebirgsjäger haben Mulis zum Transport. Riesenhamsterratten suchen Minen in Afrika (Tansania) und Asien (Kambodscha).
Von all den Wach-, Dienst- und Spürhunden auf der Welt ganz abgesehen. Es gibt bestimmt noch weitere Beispiele.
Und jetzt empören Sie sich moralisch ob ein paar Kakerlaken? Really? Voll mein Humor. Satire bitte kennzeichnen.
Ich erkenne mittelfristig den Bedarf einer DSchSBw (Dienstschabenschule der Bundeswehr), gerne mit einem DstStLtr A16.
@mietsch: Bewerbung ist raus. :-D
Ohne Spaß – §3 S.1 Nr. 11 TierSchG: „Es ist verboten … ein Gerät zu verwenden, das durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine Bewegung, erheblich einschränkt oder es zur Bewegung zwingt und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, soweit dies nicht nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften zulässig ist,“
Gemeint ist damit zwar grundsätzlich das Elektroschockhalsband für Hunde, aber wenn die Motorik durch direkte Stromeinwirkung mittels Elektroden an den Muskeln fremdgesteuert wird, ist das vermutlich wenig artgerecht. Fraglich ist lediglich, ob hierdurch „nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden“ zugefügt werden. Wenigstens letzteres würde ich hier allerdings als gegeben voraussetzen, weil das Tier vermutlich verhungert, wenn es sich nicht selbst artgerecht ernähren kann, weil es mit Sensoren bepackt die Schützengräben auskundschaftet.
Die erweiterten Verbotsnormen des TierSchG gelten mit Ausnahme der Tierversuchsregelungen überwiegend nur für Wirbeltiere, zu denen Insekten bekanntlich nicht gehören. Dass Kakerlaken gemeinhin als Schädlinge und Krankheitsüberträger gelten sorgt aber vermutlich nicht für eine große Lobby der schäbigen Kameraden.
Angesichts der aktuellen gesetzlichen Regelungen habe ich jedenfalls Zweifel an der Zulässigkeit von BioBots.
Metallkopf sagt: „Angesichts der aktuellen gesetzlichen Regelungen habe ich jedenfalls Zweifel an der Zulässigkeit von BioBots.“
Einfach mal eine Anzeige beim zuständigen Veterinäramt machen.
Von Metallkopf: „Die erweiterten Verbotsnormen des TierSchG gelten mit Ausnahme der Tierversuchsregelungen überwiegend nur für Wirbeltiere, zu denen Insekten bekanntlich nicht gehören.“
Genau auf die Tierversuchsregelungen in § 7a I Nr. 1 TierSchG zur Grundlagenforschung werden sie das auch stützen.
@Thot: Naja, über Grundlagenforschung geht das vermutlich doch schon hinaus. Das sieht mir doch eher nach fortgeschrittener Anwendung aus.
Metallkopf schrieb:
„@Thot: Naja, über Grundlagenforschung geht das vermutlich doch schon hinaus. Das sieht mir doch eher nach fortgeschrittener Anwendung aus.“
Das Unternehmen wird das anders sehen und argumentieren, dass man natürlich anwenden muss, um zu „testen“. Ursprünglich war das sicher auch mal Grundlagenforschung aber, wie du richtig sagst, wollen sie jetzt mit der Anwendung Geld verdienen. Dann spätestens bräuchte es wohl eine gesetzliche Ausnahmeregelung.
Es gibt ja auch noch das Verbot keine Tierversuche zur Waffenentwicklung.
Da wären solche Cyborg-Insekten bei einer weiten Auslegung von Aufklärungsinsekten als Teil eines „Angriffs- oder Verteidigungssystems“ von erfasst.
@keiner
„Die Biester kriechen da rum, und dann? „Sensoren“? Eine Kamera? Warum keine Drohne, viel schneller und flexibler?“
Sie meinen einen Quadcopter? Nun die sind laut und passen schlecht durch Ritzen in Türen. Insofern sind ferngesteuerte Schaben mit Kameras wohl schon sehr nützlich für unauffällige Aufklärung, aber ja, vor ein paar Jahren hätte sich die Bundeswehr wohl nicht getraut, das offiziell als Projekt zu teilen.
@Pio-Fritz einen Wachhund halten und kommandieren sehe ich schon als etwas anderes an, als Tiere mittels Elektroschocks und invasiver Elektronik gezielt zu steuern. Aber die Büchse der Pandora ist wohl in der Tat offen.
Lukan schrieb:
„@Pio-Fritz einen Wachhund halten und kommandieren sehe ich schon als etwas anderes an, als Tiere mittels Elektroschocks und invasiver Elektronik gezielt zu steuern.“
@Lukan
Wer schon einen Post mit
„What about Hannibal and his elephants“ beginnt, hat sich selbst aus der Diskussion verabschiedet.
[Wir gehen hier einfach mal anders mit anderen Kommentatoren um. Danke. T.W.]
Witzig wäre, wenn der in das KBS SK eingebrachte Vektorenschutz Permethrin die Viecher unmittelbar bei der Ausbringung vernichten würde. Aber da hat bestimmt jemand Mitgedacht…
@Foxtrott Delta Foxtrott 25.04.2026 um 10:47 Uhr
@Tierversuchsdebatte: Da geht es eigentlich immer um Wirbeltiere/Primaten, wenn es um Schutzrechte geht.
Insekten sind da eher nicht eingeschlossen. Man schreibt keinen Tierversuchsantrag, wenn man mit Drosophila arbeitet.