Änderungen in der NATO-Kommandostruktur: USA geben Verantwortung ab, behalten Kontrolle
Als Folge eines veränderten Engagements der USA in der NATO sollen mehrere regionale Kommandobehörden der Allianz einen europäischen Chef bekommen. Zugleich behalten die USA aber die Kontrolle über Domain-Kommandos und weiten diese noch aus. Entsprechende Medienberichte sind zwar noch nicht bestätigt, dürften aber in den nächsten Tagen in Brüssel eine offizielle Erklärung bekommen.
Über die geplanten Veränderungen berichteten am (heutigen) Montag aus Brüssel das französische Medienportal La Lettre, Politico, sowie die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters. Aus der Reuters-Meldung:
The United States will turn over two of NATO’s major command posts – in Naples, Italy and Norfolk, Virginia – to European officers, a military source told Reuters on Monday. (…)
However, the U.S. would take the reins of three commands slightly lower in the hierarchy but which bear significant responsibility for operations – Allied Air Command, Allied Maritime Command and Allied Land Command, the military source and another person familiar with the matter said.
Bislang steht von den drei Joint Force Commands (JFC) der NATO in Neapel, Brunssum/Niederlande und Norfolk/USA nur das Kommando in Brunssum nicht unter dem Befehl eines US-Admirals oder Generals: Der deutsche Vier-Sterne-General Ingo Gerhartz, der frühere Luftwaffeninspekteur, hat derzeit das Kommando inne. Umgekehrt stehen US-Offiziere bislang an der Spitze des Allied Land Command in Izmir und des Allied Air Command in Ramstein, kommandieren aber nicht nicht das Allied Maritime Command in Northwood bei London, das von einem britischen Admiral geführt wird.
Nach den Berichten sollen die Joint Force Commands, die jeweils regional für einen Teil Europas zuständig sind und die Truppen Teilstreitkraft-übergreifend führen, künftig alle drei von einem Europäer befehligt werden. Damit solle die stärkere Verantwortung der europäischen NATO-Mitglieder hervorgehoben werden, zitieren die Agenturen Quellen im Hauptquartier des Bündnisses.
Mit der Kontrolle über künftig drei statt zwei Domain-Kommandos behalten die USA aber wichtige Entscheidungsmittel in der Hand. Das wird mit der Übernahme des Maritime Command durch einen US-Admiral weiter gefestigt. Bereits jetzt sind die US-Offiziere an der Spitze des Land Command und des Air Command zugleich Befehlshaber der jeweiligen US-Streitkräfte – Landstreitkräfte und Luftwaffe – in Europa.
(Foto: MARCOM held a change of command ceremony on 23 January 2026 at its headquarters in Northwood. Royal Navy Admiral Sir Keith Blount KCB OBE, Deputy Supreme Allied Commander Europe, presided over the ceremony as Royal Navy Vice Admiral Robert Pedre CB assumed command from Royal Navy Vice Admiral Sir Mike Utley KCB CB OBE – Foto NATO MARCOM HQ)
Wie wird sowas in der NATO entschieden?
Wie ist das auf Ebene der Operationsführung zu bewerten ? Die USA „krallen“ sich ja bzw. behalten die Domänen Land, Luft und See. AIRCOM (RAMSTEIN) war bisher bereits grundsätzlich amerikanisch. LANDCOM sollte aber an eine andere Nation gehen.
Problematisch bei AIRCOM sehe ich, daß dort auch die SPACE-Verantwortung verortet ist, ein Bereich, in dem gerade Deutschland massiv investiert um unabhängiger – von den USA – zu werden.
Davon ab: Gen. BREUER soll ja Vorsitzender des NATO Militärausschusses werden, wenn auch erst in 2028 (was ich etwas spät finde in Bezug auf seine reguläre Restdienstzeit).