Sicherheitshalber der Podcast #102: Blick in die Zukunft: Die große Vorausschau zum Jahresende | Buchempfehlungen
Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 102, am Ende des Jahres 2025, schauen Ulrike Franke, Frank Sauer, Carlo Masala und ich nach vorne. Welche Entwicklungen, die unsere Sicherheit berühren, sind in den nächsten 5 Jahren plausibel? Die Mammutfolge thematisiert unter anderem die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA, das transatlantische Verhältnis, die Sicherheit in Europa mit Blick auf NATO und EU sowie die Perspektiven in punkto Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Proliferation von Nuklearwaffen, die Rolle Chinas und die Umwälzungen, die die Künstliche Intelligenz mit sich bringt, können wir trotz zwei Stunden Diskussion nur streifen. Es sind eben bewegte Zeiten, und es gibt viel zu besprechen.
Danach gibt es noch – pünktlich vor Weihnachten, falls jemand noch Inspiration braucht – die allseits bekannten und beliebten Buchtipps.
Abschließend dann wie immer der Sicherheitshinweis, der kurze Fingerzeig auf aktuelle, sicherheitspolitisch einschlägige Themen und Entwicklungen – diesmal mit mit ere neie chline schwiizerische sicherheitspolitische Strategie (nicht, oder?), einem überraschend kleinen Dark Eagle Gefechtskopf, einem überraschend großen Pentagon-Budget und einem nur bedingt überraschenden Fragebogen für den neuen Wehrdienst.
Vorausschau: 00:01:04
Fazit: 01:35:02
Buchempfehlungen: 01:36:09
Sicherheitshinweise: 01:47:33
Anlässlich der 100. regulären Folge Sicherheitspod gibt es im Shop jetzt das irre originell benannte “Sicherheitshalber 100 Folgen Shirt”:
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Finom
Thema: Voraussschau
Abigail Hauslohner and Alec Russell: The Trump back channel: how diplomacy works in Washington, FT, 16.12.2025
Florence Gaub (Hrsg.): What if…? 12 Dragon King scenarios for 2028, NATO Defense College, 2024
Bengüsu Özcan et al: Europe and the geopolitics of AGI, RAND, 16.12.2025
William Dixon and Maksym Beznosiuk: Russia is Losing – Time for Putin’s 2026 Hybrid Escalation, RUSI, 19.12.2025
Daniel Kokotajlo, Scott Alexander, Thomas Larsen, Eli Lifland, Romeo Dean: AI 2027, AI Futures Project.
Buchtipps:
Thomas: Florence Gaub: Szenario – Die Zukunft steht auf dem Spiel, 2025
Frank: Norman Ohler: Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich, 2015
Carlo: Bret Anthony Johnston: We Burn daylight, 2025
Rike: R.F. Kuang: Babel: Or the Necessity of Violence: An Arcane History of the Oxford Translators’ Revolution, 2022
(Hinweis auf die Folge #90 vom 18.12.2024 mit Florence Gaub, Thema u.a. Mental gesund und zuversichtlich, trotz Krisen, Krieg, Atomangst?)
Sicherheitshinweise:
Rike: Die neue sicherheitspolitische Strategie der Schweiz
Carlo: US NDAA (2025-2026)
Frank: Warum man mit Dark Eagle Russlands Nukleardispositiv nicht bedrohen kann
Thomas: Jetzt mit Fragebogen: der “Neue Wehrdienst”
BlueSky:
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Rike: @rikefranke.bsky.social
Frank: @drfranksauer.bsky.social
Carlo: @carlomasala1.bsky.social
Thomas: @wiegold.de
Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie sich auf die Zukunft beziehen 😎 Aussagen zu Rußlands Absichten und unser Handeln passen m.A.n. überhaupt nicht zusammen.
Weshalb sollte Rußland mit einer begrenzten Aktion (Narva, Spitzbergen) warten bis wir „kriegstüchtig“ geworden sind ? Bzw., wenn es likely / highly likely ist, daß Rußland ab 2029 zuschlagen kann (oder wird ?), dann müssen unsere vorbereitenden Abwehrmaßnahmen bis spätestens Ende 2028 abgeschlossen sein.
Zum Finanzbedarf der UKR aus dem Westen für 2026 und 2027 folgende Korrektur. Der liegt nicht bei 90 Mrd. €, was die EU nun zugesagt hat; er liegt bei 137 Mrd. € – den Rest erwartet man in der EU vom IMF. Darüber entscheidet des IMF’s Executive Board erst im Januar 2026.
Apropos Verwunderung über das, was thematisiert wird, und was nicht: Wieso meldet sich niemand aus der EU und sagt: UK und Norwegen, bitte beteiligt Euch! Ihr seid Mitglieder der Coalition of the Willing, und die ist nicht auf militärische Solidarität beschränkt.
@Thomas Melber
Kyrylo Budanow, der Chef des ukrainischen Militärnachrichtendienst GUR, hat diese Woche verlauten lassen das Russland seine Pläne das Baltikum anzugreifen von 2030 auf 2027 vorgezogen hat.
Was die Diskussion um die Sicherheitsstrategie der USA, genauer um die „westliche Hemisphäre“, meiner Meinung nach verpasst, sind 2 entscheidende Worte zur erweiterten Monroe-Doktrin: Kanada und Grönland. Da ist das machtpolitische Interesse, das Herr Masala sucht.
Und noch eine Anmerkung zu der Beobachtung, dass Trump sich bei der Wahl F. Merz zum Bundeskanzler gefreut hat und jetzt das (s. Sicherheitsstrategie). Ich stelle mir einfach vor, das Trump es gut fand, dass Merz ein „Konservativer“ ist, ihn dann von „liberaler Demokratie“ reden hört und ihm die Zornesröte ins Gesicht steigt, weil in USA „liberal“ halt praktisch das Gegenteil von dem meint, was man in Europa damit verbindet. Altbekannte Sache, aber ich denke es ist es immer wieder wert, sich daran zu erinnern. Und Trump selbst kennt den Unterschied sicher nicht, vielleicht auch nicht M. Rubio.
@Ingolstädter:
Der GUR war an der NS2 Sprengung beteiligt.
Den „Blick in die Zukunft“ hätte ich mir sehr gewünscht. Nur sehe ich hierzu nichts.
Europa ist im Kreuzfeuer aus Moskau und Washington. Die tagesaktuellen Probleme hieraus werden umschifft und nicht wirklich ausgesprochen. Es fehlt meines Erachtens nach an Orientierung und der klaren Bereitschaft zur Positionierung. Da kam von Carlo und Frank in der Vergangenheit deutlich mehr. Ob bitte ist der Blick in die Zukunft?
Frank nimmt Bezug auf „Dark Eagle“ und einen Streifzug des US-Kriegsministers Hegseth mit Offizieren durch das Redstone Arsenal. Schön, die Amerikaner haben große Arsenale. Wir nicht, jedenfalls im Moment noch nicht. Über die Reichweite wird philosophiert. Von Guam kann China erreicht werden. Von London sogar Moskau. Von Quatar reichts freilich auch nach Tehran. Ich breche den US-Zirkus als Show of Force ab und überlasse den Kommentatoren ihre eigene Meinungsbildung. Phantasie und Hirngespinnste Made in USA sind für mich jedenfalls kein Blick in die Zukunft.
Lob verdient meines Erachtens nach der Deutsche Bundeskanzler. Der ist wenigstens mal „all-in“ gegangen, als beim EU – Gipfel unter dem 19.12.2025 für Moskau die wirtschaftliche Strangulation drohte. Interessant, wie Hysterisch in Moskau reagiert wurde. Und „Towarischtsch Viktor“ war ja völlig aus dem Häuschen. Mensch, da ging es auf einmal ums „Völkerrecht“ (für Oligarchen und Super-Reiche). Auch unserem Amerikanischen Freund schien dies ganz und gar nicht gefallen zu haben.
Auf Deutsch : auch wir in Europa haben so einiges im Arsenal.
@Ingolstädter
Budanow ist „biased“, ähnlich hat sich auch Selenskyi bzw. Tusk dieser Tage geäußert. Wenn man nicht weiß auf welcher Grundlage diese Erkenntnis aufbaut ist es nur ein Szenario unter mehreren. Aber vielleicht wissen unsere Dienste mehr.
Interessant fände ich wie wir uns positionieren sollten die USA tatsächlich in Venezuela, Panama oder Grönland militärisch aktiv werden (Kanada halte ich nicht für highly unlikely). Der dänische Militärgeheimdienst hat in seinem neuesten Bericht die USA ja als Bedrohung bezeichnet.
@Thomas Melber
Blick in die Zukunft / weshalb sollte Russland mit einer begrenzten Aktion warten
Konkret: was machen die etwa 360.000 voll ausgerüsteten in Belarus stationierten Russischen Soldaten, wie Kiesewetter zutreffend hinterfragt. Vielleicht sind es „Kundschafter des himmlischen Friedens“, nein, ganz sicher nicht.
Insoweit sind meines Erachtens nach Prognosen in die Zukunft bei dieser Tatsachenlage nicht wirklich schwierig. Man muss nur einmal ganz genau hinschauen.
[Vielleicht hinterfragen wir erstmal die genannte Zahl, oder? Auf dem Level bitte nicht. T.W.]
@myself
„(Kanada halte ich nicht für highly unlikely)“ – streiche „nicht“ 🙄😇
Das war mal eine sehr interesante Folge. Sorgar meine Sorge über die zu starke Abhängigkeit von Waffensystemen, die ausserhalb der EU produziert werden, wurde angesprochen.
Zu ein paar Punkten hätte ich jedoch Anmerkungen.
Was die Finanzierung der Ukraine anbetrifft, so glaube ich nicht, dass man nochmal versuchen wird, die russischen Gelder anzufassen. Die Sorgen, einen finanzpolitischen Präzedenzfall mit unkalkulierbaren Folgen zu schaffen, werden auch im nächsten Jahr genauso groß sein, wie jetzt. Nächstes Jahr wird man aber wieder vor demselben Problem stehen. Der ursprüngliche Plan war ja rund 200 Milliarden Euro für die Ukraine bereitzustellen. Das hätte für zwei Jahre gereicht. Nun aber wurden es gerade mal 90 Milliarden und auch die werden nicht vollumfänglich der ukrainischen Regierung zur Verfügung stehen. Laut einer Aufstellung der ukrainischen Nationalbank: https://bank.gov.ua/files/ES/ExDebt_q_en.pdf werden im nächsten Jahr Creditrückzahlungen in Höhe von mehreren Milliarden Euro fällig.
Was die hektischen Verhandlungsrunden anbetrifft, so fand ich die Bezeichnung „transatlantische Therapiesitzung“ schon ganz erheiternd. Ich glaube aber auch, dass wir hier die Overtüre zum „Blame Game“ erleben. Sollte die Ukraine im nächsten Jahr kapitulieren müssen, dann will man mit Überzeugung darauf hinweisen, dass dies allein die Schuld der US Regierung ist. Schließlich hat man ja wirklich alles versucht, eine Niederlage der Ukraine zu verhindern.
Die russische Regierung hat übrigens auch klar gestellt, was sie unter ernsthaften Verhandlungen versteht. Nämlich Treffen von Rubio und Lawrow, die im Vorfeld von Diplomaten vorbereitet wurden, dann hinter verschlossenen Türen durchgeführt werden und über deren Details nicht nach außen geredet wird.
Solange wir also nichts davon hören, dass ein Treffen von Rubio und Lawrow stattfinden wird, solange wird es auch kein ernsthaftes Verhandeln geben.
Kupiansk: Was Carlo Masala über die Fähigkeiten der Russen im Info-Krieg anspricht, trifft genauso auf die Ukrainer zu. History Legends hat sich dazu an einer Analyse der Vorgänge um Kupiansk versucht. Der von Putin ausgezeichnete Generaloberst Kusowlew hatte tatsächlich zuvor gegenüber Putin behauptet, Kupiansk völlig unter Kontrolle zu haben. Das Video ist ganz lustig.
https://www.youtube.com/watch?v=PxepBlVsojw
Ich wünsche dem Hausherrn und allen Kommentatoren besinnliche Feiertage und alles gute für das neue Jahr.
Dunkelste Weihnachtsfolge bisher.
Zusammenfassend:
– Trump tritt natürlich zu einer dritten Amtszeit an.
– Die nukleare Abschreckung funktioniert vollumfänglich nur noch zwischen den neuen Weltmächten China, Russland und den USA. Die konsequenterweise die Welt unter sich aufteilen.
– Diplomatie wird im 21. Jahrhundert, äh bzgl. des Ukraine-Kriegs natürlich, nur noch geheuchelt.
– Die europäische Sicherheitsstrategie der USA kann so verstanden werden das wir in letzter Konsequenz am A**** sind.
Noch vor ein paar Jahren hätte dieselbe Sicherheitshalber-Runde jeden einzelnen Punkt wohl für sehr unwahrscheinlich bis nahe unmöglich gehalten. Heute fällt es schwer auch nur einen der obigen Punkte als völlig unwahrscheinlich abzutun.
Man kann sich also dieses Jahr den Bruce Willis Weihnachtsklassiker „Stirb langsam“ sparen…
Ist von 1988, im kalten Krieg, da war alles noch besser ;-)
Im englischen Originalton waren die Bösen übr. eine deutsche Terroristengruppe, in der deutschen Synchro war die aber europäisch.
Hätte Trump gefallen…
Welche Zukunft hat Belorus langfristig in Putins Vorstellungen einer Restauration Großrusslands? Wiedervereinigung oder Fortbestand der formalen Unabhängigkeit im russisch-belorussischen Unionsstaat? Wäre eine Wiedervereinigung nicht am aussichtsreichsten, so lange Lukaschenko noch Herr der Lage ist? Schließlich ist er mit 71 auch nicht mehr der Jüngste und sein Regime könnte sehr schnell mit ihm untergehen. Noch hält Russland den Unionsstaat für das kleinere, weil kostengünstigere Übel im Gegensatz zu einer Annektion. Würde es irgendjemanden verwundern, wenn nach dem Fall der Ukraine und einer angemessenen Konsolidierung Belorus als nächstes dran ist?
@Sandro Valecchi sagt:
21.12.2025 um 17:09 Uhr
„[….]Konkret: was machen die etwa 360.000 voll ausgerüsteten in Belarus stationierten Russischen Soldaten, wie Kiesewetter zutreffend hinterfragt. Vielleicht sind es „Kundschafter des himmlischen Friedens“, nein, ganz sicher nicht.[…]“
Haben Sie irgendwas konkretes zu dieser Zahl?
Ich habe sie vor ein paar Tage bei Click-bait Facebook-Gruppen und -„Nachrichten“-Seiten gesehen. Recherchiert man 10 Sekunden stellt man fest, dass fast jeder Bericht auf Herrn Kiesewetter als Quelle verweist. Sonst findet man dazu nur Quellen die sagen: für die Behauptung gibt es keine Quelle.
Bitte – und das sollte jeder von uns immer tun – wir leben in unruhigen Zeiten und es ist wichtig, dass wir Quellen hinterfragen, Nachrichten wo es geht gegenprüfen und nicht einfach alles teilen.
@Uhrmacher
„Welche Zukunft hat Belorus langfristig in Putins Vorstellungen einer Restauration Großrusslands? “
Keine eigenständige, das weiß jeder in Weißrussland. Im Gegensatz zu Russland gibt es aber noch eine lebendige Opposition, mit der Russland einige Zeit beschäftigt wäre, sollten sie mit Härte annektieren. Es wird dadrum wohl eher weiter ein schleichender Prozess sein. Nach Lukashenko erwarte ich eine schwächere russlandfreundliche Marionette die den Prozess vorrantreibt.
Will Russland wirklich das Baltikum 2027 angreifen, lassen sie dort alles wie es ist würde ich meinen. Aber ich Zweifel sehr stark den russischen Angriffsplan an. Baltikum ist immer noch Nato (Moldawien und Georgien nicht)
@Apollo 11 22.12.2025 um 6:53 Uhr:
Vielen Dank für den „Turbo“, ich stimme Ihnen zu, die Runde hat wieder mal gezeigt, was für eine super Kombination an Sachverstand und Persönlichkeiten dieser Podcast bietet, um harte Fragen und mögliche Antworten anzugehen. In letzter Zeit, so auch in dieser Folge, in meinen Augen besonders stark in dieser Hinsicht: PD Dr. Sauer.
Dennoch bleibt die Runde, genauso wie Sie in Ihrem Kommentar, im Paradigma der Staatlichkeit verhaftet. Aber genau dieses Konstrukt wird derzeit pro-aktiv von innen heraus von Akteuren geschwächt, die vom liberalen Verfassungsstaat mit gleichen Rechten und Pflichten für alle, unabhängig von Einkommen und Ansehen der Person, weg wollen, weil sie diesen a) als unangemessene, anmaßende Instanz wahrnehmen, der Gleichheit feststellt und herstellt, wo nach Wahrnehmung von Thiel, Musk & Co. selbstevident keine Gleichheit existieren DARF, und b) sie selber schon über ausreichend proto-staatliche Ressourcen zur Informationsgewinnung, Alimentation und Willensdurchsetzung verfügen, so dass gar kein staatlicher Rahmen mehr existieren MUSS. Einstmals hat der nicht umsonst „bürgerlich“ genannte Staat für eben jene (Besitz-Bürger mit unabhängigen Einkommen und entsprechenden Hausständen, nicht Kleinbürger mit max. einem Haus und einem Hund, wie die meisten hier) wichtige Güter gestiftet: „Geld, um es zu verdienen, Soldaten, um es zu beschützen, Priester, um es zu segnen.“ Die neuen, von uns selbst auf den Podest der „Ausnahmemenschen“ gehobenen anti-etatistischen Eliten und ihre Handpuppe Trump meinen es ernst mit Schwächung/Abschaffung des „administrative state“. Und sie haben überall, auch in vielen EU-Staaten, Verbündete, die nichts lieber tun wollen, als im Namen der globalen Allianz der Sozialdarwinisten diese Staaten von Innen heraus bis zur Handlungsunfähigkeit gemessen an der jeweils vorhandenen Verfassungsordnung zu zersetzen. Hier ist also eine große Interessenschnittmenge von US-Plutokraten, der russischen Macht-Mafia um Putin, der selbsternannten „Revolutionären Avantgarde“ des Geheimbundes um Xi Jinping in China, und Schafott-Monarchien wie die der Saudis.
Wer unter uns ag-Lesenden auch nur ein Fünkchen Sympathie für diesen nihilistischen Schwachsinn verspürt, den neo-autoritäre Propheten vermeintlich im Namen des „einfachen Mannes von der Straße“ verbreiten, dem sei gesagt: Korruption, Willkür und Selbstherrlichkeit von räuberischen Eliten haben noch kein Gemeinwesen groß gemacht, und selbst die, welche mit einem bisschen Grundbesitz und Geld auf der Bank vermeinen, aggressive Plutokratie sei doch was Feines, solange man die Füße stillhält, sind am Ende gekniffen.
Wer das nicht adressiert, und nicht zumindest schleunigst Maßnahmen fordert, dass der uneingeschränkte Informationskrieg auf X, TikTok etc. gegen das freie Europa eingedämmt wird, bleibt also in einer intellektuellen Komfortzone verhaftet. Aber alle freuen sich einen Keks, weil die USA mindestens 70.000 Soldatinnen und Soldaten auf europäischen Boden stationiert lassen möchte. Aber was sind das dann für Truppen, wenn diese für Abschreckung und Verteidigung im Bündnis gar nicht mehr zur Verfügung stehen? Auch hier bleibt trotz der von Dr. Sauer zu Recht aufgestellten Forderung, anstatt Wunschdenken den Ansatz des „worst case“ mit in strategische Debatten aufzunehmen, die „Sicherheitshalber“-Truppe unter ihren Möglichkeiten. Aber schafft damit doch so viel mehr als die meisten Rundfunk-Talkrunden.
J10:
Ich konnte Ihnen nicht folgen.
Habe deshalb nur eine Frage hierzu:
„Geld, um es zu verdienen, Soldaten, um es zu beschützen, Priester, um es zu segnen.“
Der Staat stellt aus sich selbst heraus Geld zur Verfügung, um es zu verdienen und der Staat stellt Priester, die uns segnen?
@CRM-Moderator:
Ich verstehe J10 so, daß der Bürgerliche Staat den Rahmen für das Wirtschaften seiner Bürger schafft: Zentralbankgeld, Rechtsordnung (für wirtschaftliche und private Betätigung) Polizei und Armee für den inneren und äußeren Schutz dieser Ordnung. Die Priester passen da nicht so recht rein.
[Irgendwie drängt sich da die Vermutung auf, dass jetzt ein OT ausgewalzt werden und das Thread-Thema zur Seite schieben könnte… Machen wir bitte nicht. T.W.]
Ganz aktuell.
Es gibt jetzt einen Sondergesandten für Grönland ( Gouverneur des südlichen Bundesstaats Louisiana, Jeff Landry ):
„…Landry bezeichnete es auf der Plattform X als eine Ehre, dazu beitragen zu dürfen, „Grönland einen Teil der USA zu machen.“
Einige Punkte im Sicherheitshalber Podcast entwickeln sich schneller als gedacht…
In diesem Falle die Aufteilung der Welt durch das atomare Establishment.
Man könnte auch sagen:
„Bevor ihr es macht, machen wir es. Denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben…“
Wieder eine gute Folge, diesmal lang genug für zwei Spaziergänge :-)
Auch wenn es mal wieder Doomsday war. Aber Deutschland und Europa müssen sich von den USA abnabeln und in jeder Beziehung eigenständig werden.
Könnte es nicht auch so gewesen sein?
Gast: Kannst Du mal die deutsche Nationalhymne spielen?
DJ: Hab ich nicht.
Gast: Können wir von meinem Handy streamen.
DJ: Okay.
(Auf den Partys von heute wollen alle über die Boombox streamen.)
Von Russland, China oder autokratischen Monarchen erwarte ich ja gar nichts anderes, als dass sie das tun, was sie eben tun. Aber wenn ich die Entwicklung der USA sehe, wird mir übel, vor allem davon, wie viele Diederich Heßlings, die effektiv außer einem großspurigen Egostreicheln nichts davon haben, den Finanzeliten und ihrem selbstgebräunten Vollstrecker-Messias hinterherlaufen und laut „Hurra“ jubeln. Wo ist der amerikanische Heinrich Mann, der diesem Land seinen „Untertan“ schreibt? Und wo sind die US-Bürger, die noch solches zu lesen und zu verstehen im Stande wären?
Selbst wenn man berechtigtermaßen Kritik an der historischen US-Politik auch vor Trump selbstverständlich festmachen konnte und kann. Es folgte alles einem hinreichend in sich schlüssigen Konzept. Bei Trump ist wenig bis nichts in sich geordnet und schlüssig. Alles wirkt vielmehr fahrig und stümperhaft. Traumtänzerisch und selbstverliebt. Letzter Schrei ist jetzt die Benennung einer neuen Klasse größerer Kampfschiffen nach sich selbst.
Wieder eine sehr gute Folge, wenn sie auch nicht fröhlich und versöhnlich ins neue Jahr blicken lässt. Vor ein paar Tagen bin ich über ein Zitat von Helmuth von Moltke „gestolpert“, wasfür mich irgendwie in den aktuellen Kontext passt:
„Der ewige Friede ist ein Traum und zwar nicht einmal ein schöner Traum. Der Krieg ist ein Element der von Gott eingesetzten Ordnung. Die edelsten Tugenden des Menschen entfalten sich daselbst: der Mut und die Entsagung, die treue Pflichterfüllung und der Geist der Aufopferung. Der Soldat gibt sein Leben hin. Ohne den Krieg würde die Welt in Fäulnis geraten und sich im Materialismus verlieren.“
Dennoch und gerade deswegen allen frohe Feiertage, einen guten Rutsch und ein friedliches neues Jahr! Wie sagten wir früher immer im Geschwader Boelcke, zu meiner Zeit noch Strike-Verband: Atomfreies Wochenende! Leider aktueller denn je…
Danke an den Hausherren und seine Podcaster sowie Fanny!
@Metallkopf
Mich verwundert / ärgert, u.a. vor allem, daß Deutschland, das sich ja der regelbasierten internationalen Ordnung verschrieben hat, sich überhaupt nicht zu den amerikanischen Völkerrechtsverstößen äußert (Grönland pending, Venezuela, u.a.). Glaubwürdigkeit aber auch Verläßlichkeit geht anders.
Davon ab hoffe ich, daß wenigstens hinter den Kulissen dies auch Israel gegenüber angesprochen wird oder man sich hier ehrlich macht und von der Schimäre eines eigenen Palästinenserstaates abrückt, so wie es wohl auch realistischerweise keine unabhängige West Sahara geben wird.
Daher: eine Politik der Gesinnungsethik oder der Verantwortungsethik ?
@JMWSt 23.12.2025 um 9:29 Uhr
Das Moltke-Zitat ist intellektuell kaum satisfaktionsfähig.
Mein aufrichtiges Mitgefühl dafür, dass Sie auf diesem Niveau steckengeblieben sind.
Hier könnten Sie Versäumtes zum Molte-Zitat nachholen:
https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/bp_2016/wege-in-die-moderne/ludwig-pfau-demokratischer-oppositioneller-und-kritischer-journalist-im-kaiserreich/ab8.pdf
[Ok, damit haben wir diesen Punkt abgeschlossen, einschließlich der offensichtlich unvermeidlichen Pöbelei. T.W.]
Eine dritte Amtszeit Trumps ist nicht möglich, weder als Präsident noch als Vizepräsident.
Sämtliche (über 50 an der Zahl) Resolutionen, die die 12th/22nd amendments dahingehend verändern wollten, wurden seit 1956 konsequent abgeschmettert.
Dafür wird es die erforderliche 2/3-Mehrheit weder im Repräsentantenhaus noch im Kongress geben, noch werden die erforderlichen 3/4 aller Bundesstaaten sowas ratifizieren.
Ist auch egal, welche Seite diese Änderung versucht einzubringen, Serrano (Demokrat) war damit genauso erfolglos wie es Ogles (Republikaner) sein wird.
@Ferngärtner:
Das mit der dritten Amtszeit Trumps ist wohl der unwahrscheinlichste Punkt, stimmt schon…
Was unter all diesen Negativpunkten am gefährlichsten erscheint ist allerdings die militärisch aktive Einmischung der USA in Venezuela und auch die aktive, nicht militärische Einmischung in Grönland.
Beides völlig ohne Not, ersteres liefert China und Russland gute Gründe bei der UN zu agitieren.
Letzteres spaltet die EU / NATO in noch nie dagewesenem Maße. Zudem ist wohl jedem klar: Wenn Trump will, ist Grönland weg.
Übertragen auf die Weltsituation rücken die anderen Szenarien damit auch näher:
Wenn China will ist Taiwan weg.
Wenn Russland will ist die Ukraine ( + X ? ) weg.
Das es so kommt ist sehr unwahrscheinlich. Das hatte man aber im Januar 2022 auch gedacht…
@GolfEcho83
@TW
Gerne nehme ich den Punkt der Journalistischen Sorgfalt auf und stimme hierbei auch gerne zu. Die konkreten Zahlen über die in Belarus stationierten russischen Soldaten hat wahrscheinlich niemand. Jedenfalls nicht die exakten Zahlen.
Ebenso hat absolut niemand die exakten Zahlen über die Gefallenen und oder verwundeten Soldaten.
Dies darf um aber nicht davon abhalten, konkret Stellung zu nehmen und keinesfalls die Augen zu verschließen.
„Wir leben in unruhigen Zeiten und es ist wichtig, dass wir Quellen hinterfragen“, gerne, absolut korrekt. Es geht um Objektivität und Glaubwürdigkeit.
Indes dominiert die bewusste Falschinformation sowohl von unseren Gegenern im Osten als auch von unseren Verbündeten im Westen.
Dies ist Teil der psychologischen Kriegsführung Made in Moskau und grober Bestandteil gezielter Desinformation under permanente Faktenmanipulation Made in Washington.
Sie werden jetzt nicht erwarten können, dass ich schweige und einen auf „Liebe Vaterland magst ruhig sein“ mache.
Wie gesagt : gerne nehme ich die Hinweise auf.
Ich schließe mit dem ebenfalls freundlichen, journalistischen Hinweis, dass die Gegenseite weder die Stationierung russischer Truppen in Belarus – noch die Größenordnung dieser Verbände bisher dementiert hat.
Kommen sie alle gesund und erfolgreich in das neue Jahr 2026, mit der Hoffnung, dass sich ernsthafte Möglichkeiten zur Friedensfindung ergeben und die Chancen genutzt werden
[Kein Grund, ebenfalls nach der PsyOps-Devise „irgendwas wird schon hängen bleiben“ zu verfahren. Und die dringende Bitte, so was hier zu lassen. T.W.]
Nachtrag ( erst vorhin bei meiner Bike-Runde zuende gehört ):
Seltsamer Sicherheitshinweis von PD Dr. Frank Sauer zur neuen US-Rakete Dark Eagle. Ein Sprengkopf mit nur um die 10 kg, echt jetzt ?
( In einem US-Vortrag war zwar mal von „unter 30 Pfund“ die Rede, es blieb aber unklar wie gross genau denn der effektiv eingesetzte „Warhead“ wirklich ist )
Bei einem Preis von 40 Millionen und vor allem einer Startmasse von 7400 kg wäre diese „Nutzlast“ lächerlich.
Übliche Nutzlastanteile liegen bei 5 bis über 15 % der Startmasse. Und nicht im Promille-Bereich.
Was die USA wirklich auf ihre (rein konventionelle) Dark Eagle schrauben wollen ist unklar wenn man ehrlich ist.
Nimmt man Abschreckung ernst sollte eine echte Wirkung gegen grosse Schiffe und verbunkerte Landziele möglich sein. Dafür braucht es einen konventionellen Sprengkopf mit 500 bis 1000 kg.
Was auch zur Startmasse von 7,4 t passen würde.
Gruseliger Exkurs Russland: Bei Neustationierungen wird hier ja immer die atomare Karte gespielt.
Erst in Kaliningrad mit der Iskander und jetzt mit der Oreschnik in Belarus.
Es dauert in den USA übr. um die 10 Jahre bis ein neuer Nuklearsprengkopf „operational“ ist. Die Russen sind da offensichtlich schneller.
Beim neu aufgelegten atomaren Tomahawk Programm der USA gut nachzuvollziehen, man überfliege nur mal diese offizielle Seite:
https://www.congress.gov/crs-product/IF12084
Die atomare Tomahawk-Version soll es irgendwann um 2032 bis 2035 wieder geben. Start der Entwicklung war 2024 und die Summen sind astronomisch.. Über eine atomare Dark Eagle ist dagegen nichts zu finden.
Was immer besonders irritiert ist die schamlose Darstellung Russlands man würde schon durch die nur geplante Aufstellung der ( rein konventionellen ) Tomahawk und Dark Eagle derart bedroht das man sich seit August 2025 an gar nichts mehr gebunden fühle. Das alles vor dem Hintergrund der Atom-Iskander in Kalliningrad seit mind. 2018…
( Der INF-Vertrag galt bis 2019, danach gab es ein Hin und Her der „Argumente“ ).
PS:
Was mir auch nie gefällt ist das als Stationierungsort immer Wiesbaden oder genauer Mainz-Kastell genannt wird.
Da sitzt zwar die Führungsebene, aber mit dem Ort an dem die Raketen tatsächlich aufgestellt werden hat das nichts zu tun…