Coronavirus-Pandemie und Bundeswehr – Sammler 24. März

Der Sammel-Thread zum Thema Bundeswehr und Coronavirus-Pandemie am 24. März 2020:

• Der Stand der Amtshilfeanträge: Bislang wurden an die Bundeswehr 127 Anträge gerichtet, davon wurden 65 zurückgezogen oder abgelehnt. 27 wurden gebilligt, zwei sind erledigt (das war die Unterstützung beim Riesenstau vor der deutsch-polnischen Grenze am vergangenen Wochenende), 32 sind noch in Prüfung.

Das bereits zuvor in den Kommentaren erwähnte Projekt eines Behelfskrankenhauses in Hannover sieht konkret wohl noch ein bisschen anders aus als zunächst kommuniziert: Nach Angaben des Landeskommandos Niedersachsen ist von der Region Hannover derzeit beantragt, dass die Bundeswehr mit Fachberatung bei der Planung für ein solches 1.000-Betten-Hospital hilft. Dafür werde voraussichtlich ein Arzt des Sanitätsdienstes eingesetzt. Der ursprüngliche Antrag, in dem bereits vom Betrieb mit Hilfe der Bundeswehr die Rede war, sei deshalb erst einmal reduziert worden; Klarheit über weitere Hilfeleistung der Streitkräfte werde es erst nach der Planungsphase geben.

Die nach Bundesländern gegliederte Übersicht über die laufenden Unterstützungsmaßnahmen im Rahmen der Amtshilfe listet die Streitkräftebasis hier auf (vorerst verzichte ich darauf, das hier rüberzukopieren).

Update: Ein Amtshilfe-Beispiel von der Streitkräftebasis; so genannte Abstrichzentren im Saarland:

• Die aktuellen Zahlen zu Infektionen in der Bundeswehr:

723 begründete Verdachtsfälle (nach 544 am Vortag)
118 bestätigte Fälle (nach 104 am Vortag)

• Der Vollständigkeit halber: Nach einem Bericht des Spiegels sind in Kenia sechs Millionen bestellte FFP2-Schutzmasken auf dem Transport verschwunden, die vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) bestellt worden seien. Das Verteidigungsministerium erklärte dagegen, diese Lieferung sei nicht über eine Behörde aus diesem Ministerium bestellt worden.

• In der NATO-geführten Resolute Support Mission in Afghanistan gibt es bislang vier bestätigte Infektionsfälle; Deutsche sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen (ein deutscher Soldat war bereits am 16. März als Verdachtsfall ausgeflogen worden, ein Testergebnis gibt es noch nicht):

• Heeresinspekteur Alfons Mais ist nach seiner häuslichen Quarantäne ins Kommando Heer in Strausberg in Brandenburg zurückgekehrt:

• Wenig überraschend: der für den 13. Juni geplante Tag der Bundeswehr ist abgesagt:

Aufgrund der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sagt das Verteidigungsministerium den Tag der Bundeswehr 2020 deutschlandweit ab.(…)
Den Tag der Bundeswehr abzusagen hilft, die Weiterverbreitung des Coronavirus möglichst zu reduzieren. Die Bundeswehr steht mit allen ihr verfügbaren Mitteln an der Seite der deutschen Bevölkerung und wünscht allen an dem Virus Erkrankten schnellste Genesung.

• Generalinspekteur Eberhard Zorn machte sich bei einem Besuch im Bundeswehrkrankenhaus Berlin ein Bild von der Arbeit in der Pandemie (Foto oben) – und lobte, wie der Sanitätsdienst via Twitter mitteilte, vor allem die Einbindung der Sanitätsregimenter in die Arbeit der fünf Bundeswehrkrankenhäuser.

• Nachdem bereits am Montag bekannt wurde, dass Soldaten der multinationalen, von Deutschland geführten NATO-Battlegroup in Litauen infiziert sind, hat das niederländische Verteidigungsministerium am Dienstag mitgeteilt, dass es sich um Soldaten aus den Niederlanden handelt:

Mehrere niederländische Soldaten der enhanced Forward Presence in Litauen sind mit dem COVID-19-Virus infiziert worden. Das in der Kaserne in Rukla anwesende Personal wurde als Vorsichtsmaßnahme unter Quarantäne gestellt. Innerhalb der NATO-Battlegroup finden nun umfassende Tests für das Virus statt. (…)
Eine C-130 Hercules der Luftwaffe hat gestern Abend 5 Soldaten in Litauen abgeholt. Einer von ihnen ist mit dem Coronavirus infiziert und wurde in das Universitätsklinikum in Utrecht aufgenommen. Die anderen sind in häuslicher Isolierung.
(Übersetzt mit www.DeepL.com)

Ergänzung: Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr ist nicht die ganze Kaserne in Rukla unter Quarantäne: Rund 90 Personen insgesamt seien vorsorglich in Isolation, davon 60 Bundeswehrsoldaten. Bei keinem wurde bisher eine Infektion bestätigt.

• Ein weiterer Informationsbrief von Marineinspekteur Andreas Krause (sein vierter), darin die Ankündigung, die man morgen im Auge behalten muss: Der Inspekteur der Streitkräftebasis und Nationale Territoriale Befehlshaber, Martin Schelleis, bereite eine Weisung zu Hilfeleistungen der Bundeswehr im Inland vor.

(Weiter ggf. nach Entwicklung)

(Foto: Generalinspekteur Eberhard Zorn beim Besuch im Bundeswehrkrankenhaus Berlin am 24.3.2020 – Thilo Pulpanek/Bundeswehr)

 

25 Gedanken zu „Coronavirus-Pandemie und Bundeswehr – Sammler 24. März

  1. Ich sehe grade das der Spiegel zum verschwinden der 6mio. Schutzmasken ein wichtige Info ergänzt hat.

    „Anmerkung der Redaktion: Nach Erscheinen dieses Beitrags hat das Verteidigungsministerium seine Angaben konkretisiert. Ein Sprecher teilte am Dienstagvormittag mit, die entsprechende Bestellung sei von der Generalzolldirektion abgewickelt worden. Diese Behörde untersteht dem Finanzressort. Demnach sei die Zolldirektion auch für die „Prüfung und Seriosität des Auftragnehmers“ verantwortlich gewesen und recherchiere nun, wie die Masken verschwinden konnten.“

    Vielleicht wichtig für den Beitrag.

  2. Im Saarland errichtet die BW drei Abstrichstationen auf dem eigenen Gelände.
    Dies erfolgt ab Morgen im Rahmen der Amtshilfe.
    Quelle :DPA

  3. Während Vizeadmiral Andreas Krause in seinen ‚Infobriefen Corona‘ deutliche Weisungen zur Reduzierung von Übung- aus Ausbilgsvorhaben gibt („Identifizieren  von  Möglichkeiten  zur  weiteren  Reduzierung  von  Übungs-  und Ausbildungsvorhaben,  daraus  ableiten  von  Prioritäten  für  Ausbildung  und Instandhaltung.“ Infobrief Corona 18/03) sind in der Nordsee dennoch mehrere DEU Marineschiffe unterwegs.

    Welchen dringlichen Auftrag erfüllen die Fregatten Schleswig Holstein und Brandenburg?
    Ein Antrag auf Amsthilfe wurde diesbezüglich (noch) nicht gestellt, oder?

    Den Kameradinnen und Kameraden an Bord dürfte es nur schwerlich möglich sein, das geforderte ‚Social Distancing‘ zu wahren.

  4. @memoria am 24.03.2020 um 11:39 Uhr
    Wenn die Lage nicht so ernst wäre, müßte man darüber einfach nur lachen. So stellt sich in der Tat die Frage, ob alle Entscheidungsträger den Blick für das Wesentliche haben und Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden können. Zwar wird die Wirksamkeit von Tagesbefehlen in der heutigen Zeit sicher überschätzt, aber dazu fällt einem eigentlich nur der Spruch ein „jeder blamiert sich so wie er kann“ …

    Auch beim Verschwinden – oder vielleicht besser der aktuellen Unauffindbarkeit – einer Lie-ferung von 6 Mio Schutzmasken empfiehlt es sich, jetzt erst einmal Ruhe zu bewahren und abzuwarten, was die Nachforschungen ergeben, statt sich in Mutmaßungen über Verantwortlichkeiten, Ursachen und Schuldzuweisungen zu ergehen. Vielleicht taucht die Lieferung ja – hoffentlich bald! – ganz plötzlich an einem Ort auf, wo niemand gemerkt hat, daß sie irrtümlich ausgeladen wurde.

    [Vorsorglich der Hinweis zu den verschwundenen Schutzmasken: Das ist schlimm genug, aber ein Thema, das mit den Streitkräften nichts zu tun hat. Hätte es selbst dann nicht, wenn das BAAINBw die bestellt hatte; erst recht nicht, nachdem sich jetzt abzeichnet, dass es die Generalzolldirektion war. Wer darüber debattieren möchte, tut das bitte bei einem entsprechenden Blog zum Thema Finanzen. T.W.]

  5. Die Führungsakademie der Bundeswehr hat auf ihrer Homepage ein differenziertes Maßnahmenpaket bekannt gegeben, nachdem heute ein Minimalbetrieb wieder aufgenommen wird (vermutlich, um die weit fortgeschrittenen „Langläufer“ LGAI und LGAN zuende zu bringen). Die vorbereitenden Lehrgänge der TSK auf den 2. BLS 2020 werden nicht wieder aufgenommen bzw. sind abgsagt. Ob der der BLS selbst durchgeführt wird, dürfte vor dessen Beginn am 23.4. zu entscheiden sein. Alle Modullehrgänge bis 30. April und alle übrigen Akademie-Veranstaltungen bis 31.5. sind abgesagt.

    Wenn man den aktuellen Prognosen folgt, nachdem Covid 19 bis zu 24 Monate in Anspruch nehmen wird, ist dürfte die Priorität der Akademieleitung nun in der Beschleunigung der Transformation zur Digitalen Akademie liegen. Dazu wird es erforderlich sein, dass sie ihren Innovatoren Raum auch für „disruptive“ Innovationen insbesondere im Bereich „eLearning“ verschafft. Dem GI wird es hier obliegen unterstützend die entsprechende Methodik-Kooperation der Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr – einschließlich der Bundeswehr-Hochschulen – zu fördern. Beispiele wie die kurzfristigen Initiativen von zivilen staatlichen und privatwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen, der Hackathlon des Bundeskanzleramts „WirVSVirus“ am letzten Wochenende und die „Non-Classified“ Online-Trainings der NATO zeigen, was hier kurzfristig geht (wenn man will)

    Dies ist sicher auch eine Stunde der Bewährung der Inhausgesellschaft BWI, die zeigen muss, dass sie als agil handelnder Partner der Bundeswehr die nötige Infrastruktur auc für eLearning schnell bereitstellt und zuverlässig betreibt.

  6. Mit den 118 bestätigen Fälle von gestern und den 59 bestätigten Fällen vom Freitag 20.03. setzt die Bw ihren täglichen Steigerungstrend mit + 23 % / Tag fort. Das heißt hier ist die Dynamik der Zuwachsrate noch nicht abgeschwächt. Damit dürfte die Bw leicht über dem Durchschnitt der allgemeinen Bevölkerung liegen, die bei +20 % proTag, event. auch geringfügig unter +20 % / Tag liegt.

  7. In einer solchen Krise gibt es natürlich auch Friktionen (wie man hier verschiedenen Beispielen sehen kann).

    Interessant finde ich die erneut grundlegend unterschiedliche Vorstellungen zwischen Landes- und Kommunalbehörden bei umfangreichen Unterstützungsleistungen durch die Bundeswehr.

    Zu Beginn der Krise wurde allenthalben auf die Pandemiepläne und weitere bestehende Planungen verwiesen.

    Nun wird im Hochlauf der Krise offenbar ad-hoc (!) die Planung und der Betrieb von Behelfskrankenhäusern angestoßen.
    Die Regionalverwaltung Hannover war da gestern recht eindeutig:
    https://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Gesundheit/Gesundheitsschutz/Coronavirus-in-der-Region-Hannover/Meldungen-zum-Coronavirus/Aktuelle-Informationen-zum-Coronavirus-der-Region-Hannover

    Wenn nun mittlerweile das Landeskommamdo Niedersachsen mitteilt, dass der Amtshilfeantrag nunmehr erheblich verändert wurde und sich vorallem auf Planung bezieht (siehe oben), dann sagt das wohl auch etwas über Pandemiepläne, ZMZ/I, etc. aus.

    Das scheint alles sehr viel Improvisation und wenig Planung zu enthalten.

  8. Aktuell hat Italien ja einige russische Militärmediziner vor Ort.
    Gab es da keine Möglichkeit, ähnliche Ressourcen von der NATO abzurufen?

  9. @ Kati Schmidt sagt:
    24.03.2020 um 12:34 Uhr

    Wenn auf den Schiffen bisher keiner CoVid hat, dann kann er es ja auch nicht bekommen, wenn man niemanden rauf oder runter lässt. Wo ist das Problem? Und wenn es einen bestätigten Fall gäbe sind alle anderen sowieso automatisch in Quarantäne. Also können auch direkt alle drauf bleiben und es darf niemand runter…

  10. @HEL
    Gem „Aerztezeitung.de“
    – fehlen etwa 600 Ärzte in Reihen des Sanitätsdienstes
    – sucht der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr händeringend Reservisten zum wenigstens temporären Wiedereintritt.
    Gerade im SanDst gilt also, dem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen.
    Der Raubbau im Militär nach der Wiedervereinigung, gerade auch bei dem besonders für Wehrpflichtige verantwortlichen Sanitätsdienst, rächt sich.
    Wenn dann noch ein Bundesrechnungshof Einsparungen bei der Einlagerung von SanMat anmahnt und die Reservelazarett-Organisation obendrein aufgelöst wird, passt das ins Bild.
    Also, mit Ärzten jedenfalls kann Bw kaum unterstützen. Im NATO Bereich sieht’s kaum besser aus, allenthalben wurde die Friedensdividende gelebt.
    Dennoch hilft Deutschland in den Schwerpunktzonen durch Aufnahme von Beatmungs-Patienten aus dem Elsass, Lothringen (Grand Est) und in der Nacht aus der Lombardei nach Sachsen geflogen.

  11. @Cato
    „Beispiele wie die kurzfristigen Initiativen von zivilen staatlichen und privatwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen, der Hackathlon des Bundeskanzleramts „WirVSVirus“ am letzten Wochenende und die „Non-Classified“ Online-Trainings der NATO zeigen, was hier kurzfristig geht (wenn man will)“

    Wie ich bereits mehrfach an der Stelle sagte, es kann nur gehofft werden das in der Bw bereits jetzt ein Lessons Learned Process stattfindet um aus dieser Situation zu lernen. E-Learning waere sicher etwas, wo die Bw noch erheblich zulegen kann, auch wenn das wohl in den letzten Jahren besser geworden ist. Problematisch ist (wahrscheinlich) das man fuer BW ADL einen Dienstrechner mit Intranetzugang braucht. Aber das waere vielleicht der erste alte Zopf der abgeschnitten gehoert.

    Ist zwar etwa off-topic aber da ja viele von uns jetzt mehr Zeit haben (Home Office ohne Laptop und/oder GeNu Card) kann ich Interessierten nur mal empfehlen sich diese beiden NATO links (wenn erlaubt) anzusehen.

    Der elektronische Education and Training Opportunities Catalogue aka ETOC https://e-itep.act.nato.int/Guest/ETOCindex.aspx

    Das Joint Advanced Distributed Learning Portal der NATO https://e-itep.act.nato.int/Guest/ETOCindex.aspx

    Falls die Links nicht veroeffentlicht werden duerfen, einfach HQ SACT ETOC und NATO JADL googeln.

    E-Learning kann natuerlich niemals ein vollstaendiger Ersatz sein, aber kann definitiv in vielen Bereichen unterstuetzend eingesetzt werden.

  12. @Memoria. Ihre Bemerkung spiegelt zum einen Glanz und Elend unseres föderalen Systems wider: Während dezentrale Organisationen eine Anpassung des Planens und Handelns an lokale Gegebenheiten fördern, sorgen zentrale Regelungen dafür, dass das Handeln auf gesamtstaatlicher bzw. EU-weiter Ebene koordiniert möglich ist. In Deutschland sollten hier Kollaborationsgremien wie die Bund-Länder Konferenzen der Fachministerien die Interoperabilität der Pläne sicherstellen. Inwieweit diese dann auch praktisch funktioniert wird in Simulationen und Übungen wie der LÜKEX-Übungsserie überprüft. Die aktuelle Pandemie zeigt hier sicher wieder einmal das notorische „ZuWeLaS“-Syndrom (Zu wenig, zu langsam, zu spät), das für die Zusammenarbeit vieler großer staatlicher und privatwirtschaftlicher Organisationen typisch ist. Dazu tragen nach meiner Erfahrung politische Entscheidungsträger mit ihren „Tabuvorgaben“ für die Erstellung von Krisenplanungen und-übungen bei.
    Zum anderen ist es natürlich so, dass Pandemiepläne zunächst Rahmenpläne sind, die auf unterschiedliche Pandemien passen müssen. Diese werden dann im konkreten Fall ergänzt. (vgl. hierzu auch die entsprechenden Unterlagen auf der Webpage des RKI). Was die aktuelle Pandemie auszeichnet ist sicher vor allem die hohe Reproduktionsrate des Virus und die häufig späte Erkennbarkeit der Infektion bei. Hinzu kommt die – im Vergleich zur letzten Pandemie – schein bar recht lange Zeit, bis ein Impfstoff zur Eindämmung zur Verfügung steht. Hier wäre sicher ein früheres, radikaleres „Social Distancing“angebracht gewesen. Dies gilt auch – wie wir immer mehr erkennen – unter dem Aspekt der Gesamtfolgekosten für die Wirtschaft.
    Was die Notkrankenhäuser betrifft, sind diese eine sinnvolle Maßnahme zur Abpufferung der Patienten, die nicht intensivmedizinisch betreut werden müssen. Angesichts der Covid 19 spezifischen Zahlen ( ca. 15 % der Infizierten im Krankenhaus, 5 – 10 % mit intensivmedizinischem Behandlungsbedarf) sind diese erst spät in die Planung eingeflossen. Allerdings sind wir auch hier zögerlicher als man dies in China gesehen hat. Ich schaue vor diesem Hintergrund gespannt auf die Entwicklung der sog. „Reproduktionszahl“ in Deutschland in den nächsten Tagen.

    [Das ist wieder hart an der Grenze zur allgemeinen Pandemie-Debatte, die hier bei weitem den Rahmen sprengt… Bitte an den Bezug zu Streitkräften denken. T.W.]

  13. @HEL sagt:24.03.2020 um 15:16 Uhr
    „Aktuell hat Italien ja einige russische Militärmediziner vor Ort.
    Gab es da keine Möglichkeit, ähnliche Ressourcen von der NATO abzurufen?“

    Da sind Sie ja schön auf Putins Rochade eingestiegen. Das ist doch nur „show of force“, nach dem Motto, Russland bekommt es besser hin als die NATO. Und aus welchem NATO-Land sollen die Mediziner denn kommen? Es haben doch alle das gleiche Problem.

  14. @cato:
    Mit Bezug auf die Streitkräfte wird für mich unterm Strich doch deutlich, dass ZMZ/I nicht wirklich so läuft wie es sollte.
    Auch aus der LÜKEX 07 (Grippe-Pandemie) wurde wohl auch zu wenig in der Fläche (inkl. bei der Bw gelernt) . Oder wie sind sonst viele der Themen dieser Tage zu erklären?
    Aus den immernoch sehr geringen Anträgen auf Amtshilfe kann man entweder schließen, dass es die Länder auch so im Griff haben oder die große „Welle“ auch da bereits ankommt, wenn die Zahlen hochgegangen sind.

    Für mich ist das alles primär kein Fehler der Bundeswehr, sondern einer sehr unterschiedlich geprägten und geeigneten Katastrophenschutzbehörden in den Ländern und der Kommunalverwaltung.

  15. @ BG sagt: 24.03.2020 um 11:58 Uhr

    „Im Saarland errichtet die BW drei Abstrichstationen auf dem eigenen Gelände.“

    Testzentren werden in:

    – St. Wendel: Werk der Heeresinstandsetzungslogistik
    – Merzig: Kaserne „Auf der Ell“
    – Saarbrücken: ehemaliges Saarbrücker Messegelände

    eingerichtet und sollen ab Mittwoch betrieben werden.

    Derzeit sind 3 zivile Krankenhäuser nur eingeschränkt oder nicht nutzbar, da es unter den Ärzten/Pfelgern Verdachtsfälle bezweifelt. bestattete Felle gab.
    Trotzdem scheint die Lage bis auf fehlende Schutzausstattung und Personal nicht angespannt zu sein. In den vergangenen tagen wurden in den zivilen Krankenhäusern mehrere Patienten aus der Grenzregion Grand-Est aufgenommen.

    In der vergangenen Woche waren allerdings das SanVersZ Merzig und dessen Außenstelle in Lebach geschlossen.
    Auf Nachfrage wurde an das SanVersZ Zweibrücken verwiesen

    [Link zu deutschen Verlagswebseiten bitte i.d.R. nicht, deshalb entfernt. T.W.]

  16. Chief DEU Navy kündigt in seinem seinen vierten #Infobrief #Corona #COVID19 eine „Weisung Unterstützungsleistung Inland“ des NatTerrBefh/InspSKB an.
    https://mobile.twitter.com/deutschemarine/status/1242509635061456899/photo/1
    Währenddessen führt das Heer in Straußberg im Führungszentrum die Lage zu Corona.
    https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/aktuelles/kommando-heer-in-der-krise-einsatzbereit-229800

    [Danke, trage den Brief des Marineinspekteurs oben nach. T.W.]

  17. Der Sanitätsdienst sucht seit Jahren händeringend nach Fachpersonal und leistet es sich trotzdem dieses in fachfremden Bereichen, wie z. B. der Personalführung, einzusetzen. Vielleicht eine Möglichkeit dieses Personal, jetzt wo es dringend gebraucht wird, dort auf Zeit abzuziehen.

    Erfreulich ist aber festzustellen, dass eine Absage des Tag der Bundeswehr nun endlich erfolgt ist. Schöner wäre es gewesen wenn dies bereits vor den ersten Fragen dazu aus der Öffentlichkeit erfolgt wäre.

  18. @Münchner sagt: 24.03.2020 um 20:04 Uhr
    „Erfreulich ist aber festzustellen, dass eine Absage des Tag der Bundeswehr nun endlich erfolgt ist. Schöner wäre es gewesen wenn dies bereits vor den ersten Fragen dazu aus der Öffentlichkeit erfolgt wäre.“

    Aha, schöner wäre es gewesen. Was wäre denn daran soviel besser gewesen wenn er nicht 3 Monate vor Durchführung, sondern 3 Monate und eine Woche vorher abgesagt worden wäre?

    Eins nach dem anderen und Schritt für Schritt….

  19. „… auch bei dem besonders für Wehrpflichtige verantwortlichen Sanitätsdienst, …“

    „Früher“ hat man gerne Mediziner erst nach dem Studium eingezogen und im DG Stabsarzt eingesetzt.

  20. Anscheinend gab es keine oder kaum Kapazitäten für eine Maskenherstellung in Deutschland, obwohl z.B. die Sandler AG das Vlies produziert. Die Zulassung neuer Produkte dauert wohl 2-3 Monate.
    Wenn man das mal mit den definierten Schlüsseltechnologien oder dem Anspruch der digitalen Souveränität vergleicht, ist das eine Bankrotterklärung.

    Trägt die Pflegerin oben im Bild die Maske überhaupt korrekt?

  21. MajorTom sagt:
    In der Corona-Krise rächt sich jetzt an vielen Stellen eine seit vielen Jahren anhaltende Ignoranz weiter Teile von Bw und Lw gegenüber der Digitalisierung der Ausbildung und den damit zusammenhängenden Erfordernissen.
    Statt sich an Virtual und Augmented Reality sowie Künstlicher Intelligenz – was unstrittig im Rahmen WE richtig ist – zu versuchen, hat man das Tagesgeschäft, also die Schaffung digitaler Infrastruktur, die Anpassung der Ausbildung der Ausbilder (v.a. Medienkompetenz im Digitalzeitalter) weitgehend vergessen.
    Liegenschaftszugangsknoten mit hohen Bandbreiten und Übertragungsgeschwindigkeiten, Unterkünfte für Lehrgangsteilnehmer mit Zugang zum Intranet der Bw (nicht nur medienwirksames Betreuungs-Internet) und eine zentrale Ausbildungsplattform mit Lernmanagementsystem wären weit wichtiger gewesen.
    Auch eine ernsthafte und ehrliche Überprüfung der Ausbildungsinhalte sowie deren weitgehende Einstufung unter die Höhe VS-NfD (Offen – Amts und Dienstgeheimnis bzw. in manchen Fällen sogar Öffentlich), wo es möglich ist (ist eine Forderung, die schon mindestens 10 Jahre existiert, aber nie wirklich umgesetzt wurde), hätte der Ausbildung jetzt helfen können. Denn dann hätte z.B. die Luftfahrzeugtechnische Grundlagenausbildung durchaus offen, d.h. im Internet stattfinden können.
    Das hätte zur Folge, dass sich jetzt eben nicht 24 Lehrgangsteilnehmer mit einem Ausbilder in einem Hörsaal befinden müssten, ohne Chance den jetzt gebotenen Abstand zum Nebenmann einhalten zu können. In meinen Augen unverantwortlich. Die Lehrgangsteilnehmer könnten von zu Hause aus lernen und mit ihren Ausbildern kommunizieren etc.. Der Ausbildungsauftrag wäre nicht gefährdet.
    Zur Not könnten Lehrgangsteilnehmer auch einzeln in ihren Büros im Heimatverband sitzen und von dort aus auf die Ausbildungsinhalte auf Ausbildungsplattformen im Intranet der Bw abrufen bzw. per Sametime und anderen Möglichkeiten (virtueller Klassenraum) unterrichtet/ausgebildet werden. Das gilt zumindest für Ausbildungsinhalte bis Höhe VS-NfD.
    Alles das wäre möglich gewesen und ist mit Einschränkungen immer noch möglich.
    Dazu müssten z.B. kurzfristig Zugangs-Kapazitäten in der iTAP Bw (Internet) – eigentlich bestimmt für die Reservistenausbildung – für eben diese Grundlagenausbildung bereitgestellt werden. An manchen Ausbildungseinrichtungen gäbe es da sogar noch Laptops (mglw. aus anderen Projekten), die unter bestimmten Bedingungen trotzdem ausgegeben werden könnten.
    Wo Unterkünfte mit Zugang zum Intranet der Bw vorhanden sind, könnte die Ausbildung mit Hilfe von Ausbildungsplattformen mit Lernmanagementsystemen sogar in der Unterkunft stattfinden, ohne Ausbilder und Lehrgangsteilnehmer unnötiger Nähe und damit Ansteckungsgefahr auszusetzen. Hier könnten die vermeidbaren Kontakte auf Praxisphasen am Luftfahrzeug/Gerät reduziert werden.
    Haken bei der Sache: die meisten Ausbilder sind keine ausgebildeten Teletutoren bzw. Online-Trainer, obwohl wir das mal in 2014/2015 für nötig und besser gehalten haben, mindestens ein Drittel der Ausbilder hier zusätzlich zu befähigen… Ein entsprechender Vorschlag wurde der Ämterebene unterbreitet, meines Wissens aber ohne Begründung (wie so Vieles) verworfen bzw. schlicht ignoriert.
    Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass uns das in der Corona-Krise helfen könnte, erstens Lehrgangsteilnehmer und Lehrer vor Ansteckung zu bewahren und zweitens trotzdem wenigstens einen gewissen Ausbildungserfolg zu sichern. Man müsste es nur wollen bzw. die eigenen Fähigkeiten kennen…

  22. @KPK 19:05
    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
    Viele außerhalb der Bw denken immernoch in Dimensionen, die sie vielleicht persönlich noch vor dem Jahr 2000 als Wehrpflichtige oder ehem. SAZ erlebt haben. Und diesen Umfang gibt es schlicht und ergreifend nicht mehr.

  23. @ Topf

    Interessant, dass sich in den letzten 13 Jahren in Punkto Fernausbildung bei der Bw nicht viel verbessert hat. Ich habe 2007 die Teletutoren Ausbildung gemacht. Unsere Kritikpunkte damals waren fast die gleichen, die Sie heute auch aufführen.

    Mangelnde Bandbreite : Sonthofen als Teletutoren Ausbildungsort (Schule für Feldjäger und Stabsdienst) hatte damals eine symmetrische 2 MBit Anbindung. Bei 8 Lehrgangsteilnehmer mit je min. 250 kBit Übertragungsbedarf zu wenig, wenn die ganze sonstige Kaserne ebenfalls über diese Leitung kommunizieren wollte.

    Mangelnde dienstliche Akzeptanz: Meinen Gruppenleiter im LogABw hat das Schild an der Tür nicht gestört wenn gerade Videositzung war. Der kam trotzdem herein und hat Aufträge verteilt.

    Falsche Schwerpunktsetzung der Führung: Blended E-Learning ist nicht dazu da Dienstposten einzusparen. Einen Lehrer pro Klasse braucht man immer noch, denn Menschen wollen von Menschen lernen und nicht von Maschinen.

    Falsche Schwerpunktsetzung bei den Ausbildungshilfsmittel: Die damaligen Fernausbildungsfürsten der Bw wollten unbedingt eine eigene Lernplattform als Ausbildungsmittel entwickeln lassen. Dabei gab es damals schon Adobe Connect, das sich im zivilen Bereich wohl als Standardprogramm für Videokonferenzen / Fernausbildung etabliert hat. Die Bw wollte es aber nicht, vor allem weil die IT-Sicherheitsbeauftragten nicht akzeptieren wollten, dass außer dem Port 80 und Port 25 (wenn ich mich recht erinnere) kein weiterer Port im Intranet geöffnet wird.

    Allso zusammengefasst, falsche Anreizsysteme, falsche Schwerpunktsetzung der Führung für die betroffenen Lehrer (wer will seinen schon seinen eigenen Dienstposten selbst abschaffen), fehlende Akzeptanz der truppendienstlichen Vorgesetzten der Auszubildenden („die Ausbildung können sie auch Nachmittags ab 15:00 Uhr machen, jetzt brauche ich sie hier auf ihren Dienstposten“), eigene Sonderwege in den digitalen Medien gehen und zuwenig engagierter Ausbau der eigenen Netze.

    PS: Mein damals gerade erwachsen gewordener Sohn hat über diese Probleme gelacht und Counter Strike in Teamsitzung über ganz normalen DSL-Anschluss gespielt !

  24. Bzgl. der ZMZ Anträge gibt es nur zu sagen, dass die Bundeswehr Subsidiär hilft.
    Helfende Hände sind in der Regel ausreichend in den Landkreisen vorhanden. Medizinisches Schlüsselgerät wird oftmals auch selber benötigt bzw. bereitgehalten.
    Noch können grundsätzlich die örtlichen Kommunen mit Ihren jeweiligen Katastrophenschutzeinheiten das ganze Auffangen. Denn wie schon oft gesagt, Katastrophenschutz ist Aufgabe der Länder und die Bundeswehr unterstützt nur dort, wo die Kreise/Länder entweder nicht mehr können oder Spezialausrüstung gefragt ist.
    Im Bereich ZMZ kann ich nur sagen, dass die KVK/BVK sehr intensiv eingebunden sind und vorab vieles vorbereiten und beraten.
    Die Lage ist aber noch nicht an dem Punkt, an dem die Bundeswehr tatsächlich relevant gebraucht wird. Und das ist gut so.

    Und zum Thema Digitalisierung: Breitband und Mobilfunk/5G sind absolut notwendige Infrastruktur und erst die Voraussetzung für Digitalisierung!
    In Österreich ist gefühlt jede Gondelkabine und Skigebiet mit 4G/LTE /WLAN abgedeckt, in Deutschland weitestgehend Edge. Und viele Arztpraxen auf dem land haben schon Probleme, die Krankenkassendaten zu übertragen ohne Verbindungsabbruch. Erst wenn wir mal einen „großen Wurf“ hinbekommen, können die ganzen tollen digitalen Angebote auch greifen.

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