Merkposten: Trump verfügt Rückkehr der Anti-Personen-Minen

In einer – erneuten – Abkehr von der Politik seines Vorgängers Barack Obama hat US-Präsident Donald Trump den US-Streitkräften eine weiter reichende Nutzung von Anti-Personen-Minen erlaubt. Trump hob die Beschränkung des Einsatzes dieser Waffen auf die koreanische Halbinsel auf. In der vom Pentagon veröffentlichten neuen Einsatzdoktrin ist allerdings festgelegt, dass neue Minentypen automatisch nach einer bestimmten Zeit deaktiviert werden sollen.

Die neue Politik des US-Präsidenten war bereits seit einigen Tagen erwartet worden und wurde am (gestrigen) Freitagabend vom Weißen Haus verkündet:

As part of President Donald J. Trump’s steadfast commitment to ensuring our forces are able to defend against any and all threats, the President has canceled the Obama Administration’s policy to prohibit United States military forces from employing anti-personnel landmines outside of the Korean Peninsula. The Department of Defense has determined that restrictions imposed on American forces by the Obama Administration’s policy could place them at a severe disadvantage during a conflict against our adversaries. The President is unwilling to accept this risk to our troops.
The Department of Defense is issuing a new landmine policy. This policy will authorize Combatant Commanders, in exceptional circumstances, to employ advanced, non-persistent landmines specifically designed to reduce unintended harm to civilians and partner forces.

Im Gegensatz dazu hatte die Obama-Regierung ausdrücklich das Ziel verfolgt, den Einsatz dieser Waffen möglichst weitgehend einzuschränken und die USA an die Ächtung von Anti-Personen-Minen durch die Weltgemeinschaft heranzuführen. Diesen Schritt hatte die US-Regierung im Juni 2014 verkündet:

Today at a review conference in Maputo, Mozambique, the United States took the step of declaring it will not produce or otherwise acquire any anti-personnel landmines (APL) in the future, including to replace existing stockpiles as they expire. Our delegation in Maputo made clear that we are diligently pursuing solutions that would be compliant with and ultimately allow the United States to accede to the Ottawa Convention—the treaty banning the use, stockpiling, production, and transfer of APL. They also noted we are conducting a high fidelity modeling and simulation effort to ascertain how to mitigate the risks associated with the loss of APL. Other aspects of our landmine policy remain under consideration and we will share outcomes from that process as we are in a position to do so.
The United States shares the humanitarian goals of the Ottawa Convention, and is the world’s single largest financial supporter of humanitarian mine action, providing more than $2.3 billion in aid since 1993 in more than 90 countries for conventional weapons destruction programs
.

Die so genannte Ottawa-Konvention, das Übereinkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung, war von den USA nicht unterzeichnet worden – aber auch nicht von Russland und China. Das dürfte Trump zu der Aussage veranlasst haben, dass die US-Streitkräfte damit gegenüber ihren Gegnern einen schweren Nachteil hätten.

Zeitgleich mit der Erklärung des Weißen Hauses veröffentlichte das US-Verteidigungsministerium die Grundlinien des neuen Umgangs mit Anti-Personen-Minen. Darin heißt es unter anderem:

These systems help protect defending forces from both enemy armor and dismounted threats and ensure units are not outflanked or overrun when under attack. They obstruct and influence the enemy’s direction of movement, channeling enemy forces into zones in which U.S. forces can better concentrate overwhelming firepower. They also delay or stop enemy forces, enhancing the effectiveness of other weapons that U.S. forces can then bring to bear, while doing so with reduced manpower requirements and fewer munitions. Ultimately, they serve as a force multiplier, helping U.S. forces to fight effectively against enemy threats, which may be numerically superior or capable of exploiting operational or tactical advantages over U.S. forces. (…)
The Military Departments and Combatant Commands, in keeping with U.S. obligations under the Amended Mines Protocol annexed to the Convention on Conventional Weapons (CCW), will use remotely delivered anti-personnel landmines only if they have compliant self-destruction mechanisms and self-deactivation features, and they are detectable by commonly available technical mine detection equipment.
Consistent with the Amended Mines Protocol, the Military Departments and Combatant Commands will take feasible precautions to protect civilians from the use of landmines, record all necessary information concerning mined areas, and address such mines without delay after the cessation of active hostilities.
The Department also hereby maintains or establishes the following restrictions regarding landmines:
The Department will continue its commitment not to employ persistent landmines. For the purposes of this policy, “ persistent landmines“ means landmines that do not incorporate self-destruction mechanisms and self-deactivation features. The Department will only employ, develop, produce, or otherwise acquire landmines that are non-persistent, meaning they must possess self-destruction mechanisms and self-deactivation features.
The Department will continue to apply standards that, in certain respects, are more protective of non-combatants than standards required under the Amended Mines Protocol. For example, all activated landmines, regardless of whether they are remotely delivered or not, will be designed and constructed to self-destruct in 30 days or less after emplacement and will possess a back-up self-deactivation feature. Some landmines, regardless of whether they are remotely delivered or not, will be designed and constructed to self-destruct in shorter periods of time, such as two hours or forty-eight hours.

Mit der erklärten Beschränkung auf Anti-Personen-Minen mit eingebauter Selbstzerstörung will das Pentagon offensichtlich den Vorwurf entkräften, es setze erneut auf Waffensysteme, die vor allem Zivilisten gefährden – in schwer verminten Ländern wie Afghanistan oder Bosnien-Herzegowina waren vor allem diese Zivilisten die Opfer, oft lange nach den Kampfhandlungen.

Nicht so ganz klar ist, was die neuen Richtlinien für bereits vorhandene Minen wie die berüchtigte Claymore (Foto oben) bedeuten: Diese Minen, seit Jahrzehnten im Gebrauch, sind unverändert im Arsenal der Streitkräfte vorhanden, werden allerdings nicht als Anti-Personen-Minen mit automatischen Auslösung, sondern als ferngezündete Waffen eingesetzt. (Übrigens auch in anderen Staaten, zum Beispiel Finnland.) Ob die Claymores ohne eine automatische Selbstzerstörung als Minensperre ausgelegt werden dürfen, ist vermutlich eine Frage der Definition.

(Archivbild August 2019: Pioniere der U.S. Army trainieren auf Hawaii den Einsatz von Claymore-Anti-Personen-Minen, allerdings ferngezündet und nicht automatisch ausgelöst – US Army photo by Sgt. Thomas Calvert)

 

41 Gedanken zu „Merkposten: Trump verfügt Rückkehr der Anti-Personen-Minen

  1. Hm. Sind solche selbstzerstörende/deaktivierende Minen schon verfügbar oder müssen die erst noch entwickelt werden?

  2. Wenn man sich die Änderungen genauer anschaut, dann ist der Ansatz mit Blick auf „great powers competition“ ja durchaus nachvollziehbar.

    Gilt aus meiner Sicht auch aus deutscher Sicht.
    Sperren in jeder Form werden mit LV / BV wieder wichtiger. Gleichzeitig sind verschienede Systeme kurz vor dem Nutzungsende.

  3. Ich durfte im Unikom Einsatz im Irak die Zivilbevölkerung als Notarzt behandeln die das Glück hatte auf solche Innovationen treten zu dürfen.
    It always differs to be on the receiving end of things…
    Vulgo- Herr Trump hat wie bisher zwischen zwei Cheeseburger einen Gehirnfurz gelassen und die nächsten 30 Jahre müssen wieder andere das ausbaden. May you rot in hell.

  4. Eine ziemlich traurige Entscheidung, aber typisch für diese Präsidentschaft. Denn es geht Herrn Trump lediglich darum, dass sich die USA internationalen Übereinkommen nicht unterzuordnen hätten.

  5. @muck

    Die usa haben das landminenverbot nicht unterzeichnet.

    Insofern müssen sie sich hier auch keinem internationalen abkommen „unterordnen“

  6. Unterm Strich besser etwas das sich sicher selbst zerlegt als verdrahtete Handgranaten und Claymores die nachher liegen bleiben und irgendwann keiner mehr den Sperrplan hat.

    Aber wir machen ja sowas böses nicht…das ist reiner Zufall das der HMMWV dem TPz der leichten PiGrp auf Schritt und tritt folgt. Und wo die Claymore am abgelegten Verpackungsmaterial der Richtmine herkommt… also das können wir uns auch beim besten Willen nicht erklären…

  7. @chris sagt: 02.02.2020 um 12:01 Uhr
    „Unterm Strich besser etwas das sich sicher selbst zerlegt als verdrahtete Handgranaten und Claymores die nachher liegen bleiben und irgendwann keiner mehr den Sperrplan hat.“

    Ehrlich gesagt, hatte ich dazu immer eine etwas andre Wahrnehmung.

    Die internationale Ächtung von Antipersonenminen ist mEn richtig. Insbesondere die Massenverlegung von solchen Minen hat unsägliches Leid über unbeteiligte Zivilbevölkerung gebracht.

    Aber gerichtete Ladungen (z.B. Claymores), Handgranaten o.ä. als sog. Alarmladung zur Sicherung militärischer Gruppen im Gelände war ein wichtiges Mittel zur Eigensicherung insbesondere versprengter Gruppen und Feldposten und der Wegfall durch die enge Auslegung der Ottawa-Konvention habe ich immer sehr kritisch bewertet.

  8. @Koffer

    Selbst finde ich den Verbot toll und möchte ja selbst nicht auf sowas treten aber man muss halt immer an die Realität denken.
    Wenn an sich alles verboten ist was über Bodenleuchtpunkt hinaus geht aber man die Mittel hat es zu machen, wird es früher oder später nun mal gemacht (es ist ja auch einfach und effizient) nur bei der aktuellen Lage halt unter der Hand und am Ende sind dann alle überrascht und keiner weiß was wo ist.

    Das man Länder nicht großflächig mit Antipersonenminen überziehen soll ist klar gilt aber auch für Antifahrzeugminen die Aufnahmesicherung löst schließlich genauso aus wenn ein Kind gegen tritt. Die neue Haltung der USA sagt aber auch nicht dass man es grundsätzlich und überall machen darf.

  9. @chris sagt: 02.02.2020 um 13:41 Uhr
    „Die neue Haltung der USA sagt aber auch nicht dass man es grundsätzlich und überall machen darf.“

    Ja, in der Tat ein Problem. Und zudem eine mögliche Rechtfertigung für andere aus dem Vertrag auszuscheren oder erst gar nicht beizutreten.

  10. Trumps postulierter „schwerer Nachteil“ (s.o) folgt der Beurteilung aus Sicht Nationaler Sicherheitsstrategie, dass die USA in „strategischer Konkurrenz“ zu China und Russland sich keiner Mittel versagen sollten, die genannten globalen Gegnern zur Verfügung stehen.
    Abgesehen davon, dass Anti-Personen-Minen in einer möglichen Auseinandersetzung der großen drei Superpower keinerlei gewichtige Rolle inne haben, will sich die Army, mehr noch das Marine Corps kaum der Fähigkeit des Umgangs mit, wie es ehedem treffend hieß, Schützenabwehrminen berauben.
    Letztere sind analog IED das Mittel der Wahl asymmetrisch denkender und handelnder Opponenten. Wer das Thema weder in der Doktrin durchdenkt noch taktisch beherrscht, gibt jedem Gegner in z.B. terroristischer Gangart den Schlüssel zur Gefechtsfeldbeherrschung in die Hand.

    Wenn das Verbot zu Ende gedacht würde, müsste außerdem umgehend die internationale Ächtung von Spreng-Splitter-Handgranaten folgen. Im Infanteriekampf sind diese Kampfmittel analog Anti-Personen-Minen verwendbar, selbst wenn geringfügig umständlicher handhabbar über herkömmliche Zugzünder.

  11. Landarzt sagt:
    01.02.2020 um 21:34 Uhr

    „Ich durfte im Unikom Einsatz im Irak die Zivilbevölkerung als Notarzt behandeln die das Glück hatte auf solche Innovationen treten zu dürfen.“

    Sie haben mich da an etwas erinnert, aber der Reihe nach.

    Das Thema Landminen und Clusterbomben mischt sich sehr schnell, da erstere gerne von zweiteren Ausgebracht werden.
    Die Wunden bzw fehlende Körperteile dieser Opfer könnten auch mit Clusterbomben zu tun haben, die nur Bomblets statt Minen abgeworfen haben.
    Schon im ersten Irakkrieg kamen zehntausende Clusterbomben zum Einsatz. Davon alleine knapp 28.000 CBU-100/Mk-20 Rockeye II mit je 247 dummen Bomblets, die grade mal 600 Gramm wiegen. Insgesamt waren das 6,9 Millionen Sprengladungen nur von diesem Bombentyp. Andere Bomblets sind noch kleiner und leichter, die Abwurfbehälter noch größer, was die Zuladung oft in Richtung 400, 600 oder gar 1800 erhöhte (Vietnam: CBU-75 Sadeye). Dazu gesellen sich Muster wie die CBU-87/CBU-103 Kombieeffekt Bombe, die 202 Submunitionen mit Hohlladungs-, Splitter- und Brandeffekt aussetzt. Davon sind knapp 10.000 abgeworfen worden, was knapp 2 Millionen Sprengladungen entspricht. Die offizielle Blindgängerquote beträgt 5%, real sollen es eher 7 bis 8% sein. Ein Prozent sind schon 20.200 Blindgänger, fünf Prozent dann über 100.000, acht Prozent fast 162.000.

    Als Arzt ist das nicht so leicht zu unterscheiden, ob das nun eine Antipersonenmine oder ein altes Bomblet war. Für das Opfer ist das auch egal.

    ____________________

    Kommen wir zu dem Punkt, wo sie meine Erinnerung geweckt haben.

    Es ist durchaus denkbar das die USA ihre „smarten“ Antipersonenminen mit den lange bewährten und immer noch genutzten Clusterbombendispensern ausbringen. Es wäre die Wiedergeburt des GATOR mine system (CBU-89/CBU-104 (Lenksatz) und CBU-78). Dessen Minen können auf eine Einsatzdauer von 4 oder 48 Stunden, bzw 15 Tage eingestellt werden. Danach soll die Selbstzerstörung erfolgen. Die Batterie ist nach spätestens 40 Tagen tot, womit eine Zündung verhindert werden soll. Das Prinzip ist ähnlich der deutschen AT-2. Mehr als 200 Antipersonenminen sollten da mindestens reinpassen, wenn man die Antipanzerminen weglässt.
    Dieses System hat bereits im ersten Irakkrieg bewiesen wie beschissen es ist. Es gab eine Blindgängerquote von 0,5 – 2% bei der BLU-91 Panzerabwehrmine und stolze 6 – 21% bei der BLU-92 Antipersonenmine. Die sind also in etwa so smart wie Trump selbst. Selbstzündungen wurden auch beobachtet, vermutlich auf Grund der Hitze.

    Die Minen können auch, wie früher bei uns mit dem Skorpion, per Landfahrzeug ausgebracht werden. Oder eben per Helikopter:
    https://www.youtube.com/watch?v=vmBw0B_KboA

    Das System sollte komplett ersetzt werden, dazu unten mehr.

    Auch im zweiten Golfkrieg wurden wieder Clusterbomben eingesetzt. Die USA haben wie Russland, China und einige andere Länder bis heute keine Konvention zu Clustermunition oder Landminen ratifiziert. Auch im Jemenkrieg hat Saudi Arabien Clusterbomben eingesetzt. Namentlich CBU-97 bzw CBU-105 (mit Lenksatz), die jeweils 10 Submunitionen mit 4 Hohlladungen aussetzen. Sprich 40 Gefechtsköpfe. Das ist vergleichsweise wenig. Die Hohlladungen formen eine Hauptladung, die gegen gepanzerte Fahrzeuge wirken soll und diverse Nebenladungen gegen ungepanzerte und Weichziele.
    Diese „smarten“ Hohlladungen sollten sich eigentlich selbst zerstören, wenn sie kein Ziel finden, fanden sich aber en Masse am Boden wieder. Viele haben sich nicht mal von ihrem Träger getrennt und lagen dann teils als Blindgängerquartett im Gelände. Saubere Leistung bei 750.000 $ je Bombe.
    Nach der Clusterbombenkonvention sind diese Bomben obendrein illegal. Sie enthalten mit 40 Sprengköpfen 30 mehr als erlaubt. Desweiteren sind diese zu klein und leicht, was das spätere Auffinden erschwert. Die geforderte Selbstzerstörung scheint ebenfalls nicht gegeben zu sein.

    Textron Systems hat die Produktion aller Clustermunition kurze Zeit später eingestellt und dies mit ausbleibenden Aufträgen begründet…
    Gekauft haben die USA, Saudi Arabien, Süd Korea, Indien, Oman, Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.
    Wenn die USA nun neue Clusterbomben mit Antipersonenminen produzieren, könnte der Kundenkreis ähnlich ausfallen.

    Die einzig legale Cluster“bombe“ der USA ist die CBU-107 Passive Attack Weapon, welche 3750 Metallbolzen freisetzt. Die thermobarische CBU-72 ging sogar als Chemiewaffe durch, da ihr Aerosolbrennstoff hoch giftig war und es ohne Zündung der 3 Ladungen zur Verseuchung des Abwurfgebietes kommt.

    Warum macht Trump das jetzt?
    Erstens ist er ein Idiot, dem man alles einreden kann, wenn es in seinen Ohren unfair für die Wirtschaft in den US oder den USA gegenüber klingt. Und da Trump gerne ekelhafte Menschen um sich herum versammelt, bekommt er auch entsprechende Ratschläge.
    Zweitens nimmt er quasi jede Handlung aus der Regierungszeit von Barack Obama zurück, womit wir wieder zum GATOR System kommen.

    Unter Obama starte da ein neuer Anlauf das GATOR Minensystem, die Claymores und andere zu ersetzen. Es sollte vernetzte Minen entwickelt werden, mit einer Man in the Loop Absicherung gegen Personenschäden. Dazu wurden auch Umbauten in der Verwaltung vorgenommen, damit alles unter einem Dach ist:
    https://www.army.mil/article/165263/peo_ammo_stands_up_new_product_management_office

  12. Eine vernueftige Entscheidung. Auch wenn der eine oder andere das mit seiner Einstellung nicht vereinbaren kann, aber hier werden Gefuehle wieder mal ueber Fakten gestellt. Krieg und alles was damit zu tun hat ist nun mal Sch….. und versuche ihn besser zu machen indem man bestimmte Waffensysteme verbietet bringt meisst wenig. Insbesondere wenn sich nicht alle Player an diese Regeln halten. RoEs im Umgang mit Minen sind sicherlich wichtig, aber die die Minen in erster Linie benutzen um Terror zu verbreiten, haben sich auch vorher nicht um ein Verbot oder eine Aechtung gekuemmert.

  13. (Westliche) Werte, Abkommen, Menschlichkeit, Vermeidung von Leid der Zivilbevölkerung, all das zählt nicht mehr, wenn man in Kategorien der Großmächtekonkurrenz denkt und handelt(!). Trump liefert damit ein weiteres Argument, warum man nicht in diesen Kategorien handeln sollte und entfernt sich weiter vom Rest der Welt und Menscheit. Wenn man bei etlichen Abkommen (Internationaler Gerichtshof, JCPOA, Landminen, Klima…) im Gegensatz zu 185+ Staaten dieser Erde ständig absent ist und das häufig in Gemeinschaft mit Nordkorea, Syrien, Russland und China, darf man sich nicht wundern, wenn „der Westen“ erodiert und einem die Verbündeten (selbst UK nicht) trotz Drohungen nicht mehr (bedingungslos) folgen.

  14. @JohSte sagt:03.02.2020 um 16:12 Uhr

    „Insbesondere wenn sich nicht alle Player an diese Regeln halten. RoEs im Umgang mit Minen sind sicherlich wichtig, aber die die Minen in erster Linie benutzen um Terror zu verbreiten, haben sich auch vorher nicht um ein Verbot oder eine Aechtung gekuemmert.“

    Zum einen spricht Trump von einem Nachteil gegenüber China und Russland, nicht von Terroristen oder ähnlichen Bedrohungen. Zum anderen, was für eine haarsträubende Begründung. Wozu machen wir überhaupt noch internationale Verträge, wenn die USA als größte Militär- und Handelsmacht (noch) keinen Pfifferling dafür geben? Was ist das für ein Beispiel für kleinere Staaten? Dann sollte man das Chemiewaffenübereinkommen doch auch gleich kündigen, wenn man Ihrer und Trumps Logik folgt.
    Ach so, und ab sofort gilt das Recht des Stärkeren, den ganzen anderen Schmus braucht ja kein Mensch./sarc

    @SvD sagt:03.02.2020 um 1:41 Uhr

    Was wollen Sie mit Ihrer technischen Abhandlung zum Ausdruck bringen? Was die Mine für ein tolles Wirkmittel ist? Ein Versuch, etwas völlig inhumanes einen humanen Anstrich zu verpassen? Es wird immer etwas in diese Richtung geben, siehe IEDs, Sprengfallen etc.. Es ist eben günstig und schnell umsetzbar. Aber muss man es deshalb salonfähig machen? Nichts anderes ist jetzt geschehen. Traurig.

  15. Pio-Fritz sagt:
    03.02.2020 um 21:10 Uhr

    „@SvD sagt: 03.02.2020 um 1:41 Uhr

    Was wollen Sie mit Ihrer technischen Abhandlung zum Ausdruck bringen? Was die Mine für ein tolles Wirkmittel ist? Ein Versuch, etwas völlig inhumanes einen humanen Anstrich zu verpassen? Es wird immer etwas in diese Richtung geben, siehe IEDs, Sprengfallen etc.. Es ist eben günstig und schnell umsetzbar. Aber muss man es deshalb salonfähig machen? Nichts anderes ist jetzt geschehen. Traurig.“

    Keine Ahnung was Sie da gelesen haben. Wir schwant eher, das Sie etwas bestimmtes lesen wollten. Ich bin vielleicht, mal wieder, nicht richtig auf den Punkt gekommen und habe alle anderen mit Details abgehängt… aber wo sehen sie denn eine Zustimmung zu der Position von Trump oder zu Antipersonenminen? Die Formulierung der „bewährten Clusterbombendispensern“ ist ironisch gemeint. Es sind schließlich schon zehntausende davon abgeworfen worden. Die Dinger funktionieren auch deutlich zuverlässiger als ihre Ladung. Mag auch daran liegen das die Bomblets und Minen bei Geschwindigkeiten an die 1000 km/h, aus einer Höhe von zum Teil über einem Kilometer abgeworfen werden und schlicht zu billig konstruiert sind um das heil zu überstehen. Da die USA nun mal gerne Luftkriege führen und Clusterbomben für den Minenabwurf nutzen, ist das ein wichtiger Punkt.

    Was da jetzt als humane Lösung angepriesen wird, konnte bereits das GATOR System. Ich zitiere mich mal selbst:
    „Dieses System hat bereits im ersten Irakkrieg bewiesen wie beschissen es ist. Es gab eine Blindgängerquote von 0,5 – 2% bei der BLU-91 Panzerabwehrmine und stolze 6 – 21% bei der BLU-92 Antipersonenmine. Die sind also in etwa so smart wie Trump selbst. Selbstzündungen wurden auch beobachtet, vermutlich auf Grund der Hitze.“

    Eine Blindgängerquote von 0,5% wäre ok, 2% ist schon 4 mal soviel. Und man sieht an den Zahlen, was für ein Murks die Antipersonenminen sind, die eine Quote von 21% erreichten. Worst Case: Mehr als jede fünfte Mine hat sich nicht selbst zerstört und die passive Sicherheit war durch spontane Selbstzündung nicht gegeben. Der jetzt verfolgte Ansatz ist schon einmal gescheitert. Darum sollten die Minen vernetzt werden. Ein Soldat müsste das Minenfeld im Zweifel scharf schalten, nachdem es einen Eindringling gemeldet hat, vorher ginge da gar nichts hoch. Das war ein Ansatz, den Militärs ihre Minen zu lassen, die aber gleichzeitig auf ein völlig neues Level zu heben.

    Daran wurde aber seit den späten 90ern bereits gearbeitet. Textron Systems hatte sowas auch jahrelang im Angebot, allerdings reichte den Militärs der Funktionsumfang und die Zuverlässigkeit des M7 Spider Systems noch nicht. Das liegt vor allem daran, das es von Hand ausgebracht werden muss. Es handelt sich quasi um Granatwerfer mit Sensoren, die nur Feuern wenn sie die Freigabe dazu bekommen. Die Dinger sind aber zu unförmig und zu groß für die leichte Infanterie, Clusterbomben, Artillerieraketen und Minenaussetzsysteme, die von Hubschraubern und Landfahrzeugen aus Minen abfeuern. Mit einem ollen Minenlegeanhänger könnte das aber gehen. Dazu sind die einzelnen Werfer, der Steuerungscomputer und der Datenlink unzuverlässig gewesen. Daher wurde der Ansatz auch geändert, Kompetenzen zusammengezogen und ein neuer Anlauf gestartet, der unter Trump nicht vorwärts kommt.
    Damit wir wissen wovon wir reden:
    https://www.youtube.com/watch?v=1y1Yd8bI8Hw

    Wenn die USA eine Flächenwirkung haben wollen, die mit der Landminen- und Clusterbombenkonvention vereinbar ist, geht das im Moment nur bei direkten Luftschlägen. Da kann man die CBU-107 Passive Attack Weapon abwerfen, die nur mit Metallprojektilen und der Schwerkraft arbeitet. Man könnte einen Flügelkit dranfummeln und daraus eine Gleitbombe mit hoher Reichweite machen, wenn man denn wollte.

  16. @Pio-Fritz

    Haarstraeubend ist so zu tun als wenn Minen nun etwas ganz Neues und ganz Schlimmes sind. Im uebrigen sind sie ein sehr gutes Wirkmittel wenn sie richtig eingesetzt werden. Und ja, im Rahmen einer glaubhaften Abschreckung sollte man ein moeglichst grosses Arsenal von Waffen haben und Willens sein es einzusetzen um ein moeglichen Kontrahenten wirksam davon abzuhalten etwas Dummes zu tun. So funktioniert Abschreckung…(nicht das Deutschland auch nur im geringsten etwas davon versteht, abgesehen vom theoretischen Ansatz vielleicht). Und das Gerede ueber humane und inhume Waffen ist ja wohl ein Witz in Tueten. Die gute alte 20mm HE oder der Einsatz von 155m Granaten mit Annaeherungszuender auf Weichziele ist also human, die PzAbwMine aber nicht? Kann man sicherlich so sehen, aber das halte ich fuer etwas naiv! If you can’t stand the heat, get out of the kitchen….Krieg als solcher ist nun mal inhuman, deswegen versuchen ja fast alle (und Trump wahrscheinlich mehr als seine Vorgaenger) diesen zu vermeiden. Aber Minen zu bannen um den Krieg ein kleines bisschen humaner zu machen halte ich fuer relativ nutzlos. Und ja, es galt schon immer das Recht des Staerkeren und daran wird sich auch nichts aendern, auch wenn wir uns das alle ganz doll wuenschen und mit inbrunst Kumbaja singen!
    Was Chemiewaffen angeht, die sicherlich genauso schrecklich sind wie alle anderen WMD, wo war denn der hier von einigen so hochgelobte Obama als Assad die beruechtigte rote Linie deutlich ueberschritten hatte? Das war das Resultat einer NICHT glaubhaften Abschreckung.

  17. @JohSte
    Thematisch geht es hier aber immer noch um Anti-Personen-Minen und deren Wirkung gegen Nichtkombattanten noch Jahre nach einem Krieg.
    Ich persönlich favorisiere auch einen weltweiten thermonuklearen Krieg! Denn nur der kann die wahrscheinlich längste Friedensphase der Welt einläuten! (das war ironisch, wenn nicht sogar sarkastisch und zynisch)

  18. @JohSte

    Glückwunsch, Sie blenden eine wesentliche Komponente zur Ächtung von Minen gekonnt aus: unverhältnissmäßig hohe Schäden unter Zivilisten insbesondere noch lange nach Beendigung von Kampfhandlungen. Das man darüber in 2020 noch diskutieren muss.

    Cheers
    Flip

  19. @ Flip and Bundesbuerger

    Das Leben ist nun mal kein Ponyhof…und Krieg erst recht nicht. Und es sind nicht die Minen die durch NATO Verbaende im Rahmen LV/BV gelegt werden die massenweise Zivilisten toeten werden, sondern die, die durch Extremisten und Terroristen gezielt fuer diesen Zweck verlegt wurden und werden. Die Chancen das Minen im Bestand der NATO Nationen in die falschen Haende geraten sind relativ gering (insbesondere im Rahmen der Abschreckung) und die oa aufgefuehrte Personengruppe bekommt ihren Nachschubsowieso eher aus Russland, dem Iran oder Nordkorea, oder sie basteln sich das Zeug selbst. Der weltweite Bann von Minen, wenn sich nicht alle daran halten (was ja nun auch nicht der Fall ist) wird nichts daran aendern, das in 20 Jahren immer noch Zivilisten durch Minen ums Leben kommen und jeden Tag Minen von Terroristen genau deswegen gelegt werden. Aber wir sind ja im Jahr 2020 und da kann man ja auf seinem persoenlichen Ponyhof leben, wenn man die Augen zumacht und ganz fest daran glaubt.

  20. Bei aller Gegensätzlichkeit der Ansichten wäre es schön, wenn nicht der Eindruck aufkäme, dass man die anderer Meinung schlicht für blöd oder weltfremd hält…

  21. ja,neh Herr Wiegold, ist schon okay, geht mir ja nicht anders.
    Herr JohSte scheint ja schon an mehreren Kriegen teilgenommen zu haben. Auf jeden Fall mit allen Wassern gewaschen. So ein richtig harter Bursche.

    [Yep, genau so was meinte ich. Fördert die Debatte nicht wirklich. T.W.]

  22. Mich würde dann mal interessieren, wo für JohSte denn die Grenze ist, dessen was wir nach seiner Logik dann alles wieder im Krieg erlauben können.

    Landminen sind ja okay, Giftgas dann wohl auch. Gefangene erschiessen? Dumdum Geschosse? Biologische Waffen? Bombardieren von Krankenhäusern? Gezielte Angriffe auf Zivilisten? Sollte nach der Logik doch alles in Ordnung sein, oder?

    Und wenn ja: wozu sollten wir dann eigentlich noch kämpfen, außer aus reiner (Macht) Gier? Aus moralischen Gründen ja wohl eher nicht, denn die hätten wir dann aus dem Fenster geworfen.

  23. @ Flip 04.02.2020 um 15:41 Uhr

    „Glückwunsch, Sie blenden eine wesentliche Komponente zur Ächtung von Minen gekonnt aus: unverhältnissmäßig hohe Schäden unter Zivilisten insbesondere noch lange nach Beendigung von Kampfhandlungen. Das man darüber in 2020 noch diskutieren muss.“

    Blenden Sie grade aus, dass Präsident Trump von Minen spricht, die nach definierter Zeit inaktiv werden?

  24. @JohSte sagt:04.02.2020 um 19:38 Uhr

    „…sondern die, die durch Extremisten und Terroristen gezielt fuer diesen Zweck verlegt wurden und werden.“

    Haben Sie da Beispiele für größere Minensperren, die durch Terroristen angelegt wurden und jahrelang nachwirken? Oder ist das nur eine stramme Behauptung?
    Tatsache ist doch, das selbst Minensperren, die durch reguläre Kräfte verlegt wurden, z.T. sogar mit Sperrnachweis, selbst Jahrzehnte nach Beendigung der Konflikte noch Opfer fordern. Und da muss man nicht 50 oder 80 Jahre zurückblicken. Da ist BOSNIEN, GEORGIEN (Abchasien und Südossetien), IRAK, AFGHANISTAN (sowjetische Besatzungszeit) und noch ein paar andere Konflikte in Afrika.
    Das Problem haben Sie bei anderen Waffen nicht. Und ob eine elektronische Entschärfungsvorrichtung auch zuverlässig funktioniert, wenn die Mine erst mal einige Jahre in der Erde gelegen hat und anfängt zu gammeln – ich habe da so meine Zweifel, solange noch ein Zünder enthalten ist. Und um die Minen wieder aufnehmen zu können, bräuchte man auch die Kontrolle über das betreffende Gebiet, was im Zweifelsfall auch nicht immer gegeben ist. Es bliebe dann nur, das die Minen sich nach Zeitablauf selber zerstören, also sprengen, was bei den bisherigen marktverfügbaren Modellen nicht der Fall ist.
    Und räumen ist so eine Sache, das ist bei alter Munition schon nicht ohne, bei Minen erst recht nicht, besonders, wenn sie gegen Wiederaufnahme gesichert sind. Und da reicht schon jede zehnte Mine. Ich musste da entsprechende Erfahrungen in Bosnien, Georgien und in der Wittstocker Heide nach Abzug der Sowjettruppen machen.

  25. Escrimador sagt:
    05.02.2020 um 9:20 Uhr

    „Blenden Sie grade aus…“

    Fragt jemand der hier wohl nur sehr grob mal drübergelesen hat. Das GATOR Minensystem gibt es seit den 80ern. Blindergängerquote von 6 – 21% bei der BLU-92 Antipersonenmine und dazu spontane Selbstzündungen.
    Was die smarten Minen werden sollten, hatte ich auch angerissen, Sie werden es finden, wenn es tatsächlich interessiert.

  26. @ Pio-Fritz 05.02.2020 um 9:29 Uhr

    „Und ob eine elektronische Entschärfungsvorrichtung auch zuverlässig funktioniert, wenn die Mine erst mal einige Jahre in der Erde gelegen hat und anfängt zu gammeln“
    An Jahre bis zur automatischen Deaktivierung ist, glaube ich, nicht gedacht.
    ( For example, all activated landmines, regardless of whether they are remotely delivered or not, will be designed and constructed to self-destruct in 30 days or less after emplacement and will possess a back-up self-deactivation feature.)

  27. Obwohl diese Plattform hier durchaus informativ ist, sind im vorliegenden Thema noch einige wissenswerte Fakten “vernachlässigt”.
    Ich versuche mal im Ansatz, auf einige Dinge einzugehen (grob nur, aber der geneigte Leser kann die Quellen und Hintergründe sehr schnell “ergoogeln”)

    Zunächst einmal gilt es zu wissen, dass es außer dem Ottawa Übereinkommen auch noch das VN-Waffenübereinkommen gibt, welches in seinem geänderten Protokoll II von 1996 verbindliche Vorgaben zu Verboten und Einschränkungen im Bereich der Nutzung und Weitergabe von Landminen, also Antipersonen- und Antifahrzeugminen (APM, AFM), vorsieht. Diese Vorgaben beziehen sich in unterschiedlicher Weise auf Typ und Wirkungsweise von Landminen, unter besonderer Berücksichtigung ihrer Verlege- und Funktionsweise, nämlich ob permanent oder zeitbegrenzt wirkend.
    Das geä. Protokoll II verfolgt den Ansatz, humanitäres Leiden nach dem Ende eines Konflikts/Kriegs zu vermeiden.
    Auf der Haben-Seite sind alle fünf Ständigen Mitglieder des VN-Sicherheitsrat dem Protokoll beigetreten, rechtlich daran gebunden und zur jährlichen Berichterstattung über die Vertragserfüllung verpflichtet. Militärische Planungen mit Landminen sollten also für CHN, RUS und USA nach den gleichen Regeln erfolgen. Bisher gab es auch noch keine Vorfälle, die einen eindeutigen Regelverstoß in staatlicher Verantwortung nachweisen (Beispiel Ostukraine).

    Im Ottawa Übereinkommen sind zunächst die APM Typen nicht verboten, die jederzeit durch die Soldaten ausschließlich kontrolliert eingesetzt werden können (command mode, man-in-the-loop), so zB die Claymore Mine. Anmerkung: Trotzdem hat die Bw auf die Einsatzoption der übernommenen DM 51, vormals MON-50, verzichtet, vermutlich um die Diskussion darüber zu vermeiden.
    Die für die USA nachhaltig wichtigste Einschränkung im Ottawa Übereinkommen, dies bereits seit der Verhandlung des Textes in 1996, war das absolute Verbot von APM, ohne Rücksicht auf die Funktion “permanent” oder “wirkzeitbegrenzt”. Die USA hätten, mit Ausnahme zunächst der Minen in Korea, eine Zustimmung erteilt, wenn alle APM und (!) AFM ohne Wirkzeitbegrenzung mit Übergangsfrist einbezogen worden wären. Hier sahen sie (m.E. zu Recht) einen deutlichen humanitären Fortschritt. Die Kerngruppe der verhandelnden Staaten, plus die beteiligten NRO’s, stimmten diesem Ansatz nicht zu.

    Seitdem hat im Prinzip jede neue USA Regierung die Einsatzoptionen zu Landminen, insbesondere zu APM angepasst. Dabei wurde die Abwägung von militärischem Nutzen zu humanitären Folgen immer betrachtet. Daneben haben die USA im Prinzip alle Kernelemente des Ottawa Übereinkommen berücksichtigt: keine neue Produktion von permanenten APM (und AFM), Vernichtung der bisherigen Bestände, keine Weitergabe (Export) und, vielleicht am bedeutendsten, sie sind mit Abstand der größte Geber für weltweite Minenräumprogramme, tragen also wirkungsvoll zur Vermeidung neuer Opfer bei. (Nebenbei: wer den jährlichen LandmineMonitor aufmerksam liest, kann die summierten Opferzahlen recht genau nach Art des Unfalls und auslösendem Kampfmittel unterscheiden.)

    Fazit: die vom DoD verkündete, in der Presse fast alleine Präsident Trump zugeschriebene neue Ausrichtung, darf individuell unterschiedlich bewertet werden. Nichtsdestotrotz gilt zukünftig immer noch ein höherer humanitärer Standard im Vergleich zu CHN und RUS.

  28. @Escrimador 05.02.2020 um 9:20 Uhr

    Da ich von Ächtung von Minen und damit insbesondere von der Ottawa Konvention sprach, blende ich alles aus was Präsident Trump sagt oder gesagt hat. Ich sehe auch nicht welche Relevanz gedachte technische Entwicklungen der Zukunft und halbherzig funktionierende existierende Systeme dabei haben sollten (siehe @SvDs Erläuterungen). Genauer, das nicht vorhanden Sein von für die Zivilbevölkerung 100% sicheren Antipersonenminen (APM) ist das beste Argument für ein Totalverbot/Ächtung.

    @JohSte

    Ihre gesamte Argumentationslinie klingt für mich so, als ob sie das Humanitäre Völkerrecht als hinderlich, den als Errungenschaft unserer modernen Welt- und Gesellschaftsordnung ansehen, welches man lieber ignorieren oder abschaffen sollte.
    Ich kann den Gedanken, Effizienz im Krieg eine besondere Beachtung zu schenken nachvollziehen, aber warum um jeden Preis und vor allem warum gerade bei APM?
    Die Abschreckungswirkung von APM im Arsenal wage ich ebenfalls stark zu bezweifeln. Da gibt es auch konventionell Besseres.

    Cheers
    Flip

  29. @Escrimador sagt: 05.02.2020 um 10:49 Uhr

    „…to self-destruct in 30 days or less after emplacement and will possess a back-up self-deactivation Feature.“

    Um Ihr Zitat aufzugreifen. Es hätte geholfen, meinen Post komplett zu lesen. Haben die Minen nun einen Selbstzerstörungsmechanismus (self-destruction) der die Mine sprengt? Oder deaktiviert sich nur der Zünder (self-deactivation feature)? Dann bleibt die Mine intakt, der Zünder ist zwar nicht aktiv, sein nicht-handhabungssicherer Sprengstoff aber noch vorhanden.
    Und dann muss man die Stellung aufgeben und das Zeug liegt da, und liegt usw., es kommt zu einer chemischen Reaktion. Irgendwann kommt die hübsche Sennerin mit ihren Kühen vorbei. Das gibt dann kein Happy-End.

  30. @ SvD 05.02.2020 um 10:44 Uhr

    Tja, man muss unterscheiden zwischen Bomblet-Blindgängern und Minen-Blindgängern.
    Und hat der Präsident denn gesagt, er will alte Systeme weiterverwenden?

    Fragt sich, wer nicht genau gelesen hat.

  31. @ Flip 05.02.2020 um 12:39 Uhr + 04.02.2020 um 15:41 Uhr

    Erst schreiben Sie von “ unverhältnissmäßig hohe Schäden unter Zivilisten insbesondere noch lange nach Beendigung von Kampfhandlungen.“, wenn Ihnen da die Argumente ausgehen fordern Sie „vorhanden Sein von für die Zivilbevölkerung 100% sicheren Antipersonenminen“ und haben überhaupt „von Ächtung von Minen und damit insbesondere von der Ottawa Konvention“ gesprochen, ohne das Ganze zu erwähnen.

    Das ist irgendwie wenig konsistent.

  32. @ Pio-Fritz
    „BOSNIEN, GEORGIEN (Abchasien und Südossetien), IRAK, AFGHANISTAN (sowjetische Besatzungszeit) und noch ein paar andere Konflikte in Afrika“. Die Masse derer, die in diesen Konflikten Minen gelegt haben die in erste Line Zivilisten schaden fallen unter die Kategorie „Extremisten oder Terroristen“.
    Wir reden ja nun auch nicht ueber die Minen die vom Afrika-Korps in der Wueste verlegt worden sind, sondern ueber Minen die von NATO Nationen unter Umstaenden in Konflikten der Zukunft eingesetzt werden!

    @Flip
    Das Du mich hier offensichtlich falsche verstehen willst nehme ich mal als gegegben hin. Das Humanitaere Voelkerrecht hat mit der Diskussion ueber die Beschaffung von APM durch die USA aber auch gar nichts zu tun. Und mit keiner Silbe habe ich erwaehnt, dass man davon Abstand nehmen sollte. Strategisch gesehen haben APM natuerlich auch keine grosse Abschreckungswirkung, aber auf taktischer Ebene sieht das schon ganz anders aus. Jeder der schon mal einen Minen-Parcour in seiner Vorausbildung absolviert hat, kann das bestaetigen.

  33. Ich glaube, dass hier in weiten Teilen ein grundsätzliches Missverständnis bezüglich der Beweggründe der Trump-Regierung zu dieser Entscheidung besteht. All diese sicherheitspolitischen und völkerrechtlichen Argumente, über die sich trefflich diskutieren lässt (was ja hier auch passiert), waren meines Erachtens dafür bestenfalls zweitrangig. In erster Linie geht es diesem Präsidenten und seinen Anhängern der reaktionären Rechten darum, das Vermächtnis seines Vorgängers, des ersten (und in deren Augen hoffentlich einzigen) schwarzen Präsidenten der USA zunichte bzw vergessen zu machen. Deswegen ist diese Verfügung in einem größeren Zusammenhang an wirtschafts-, finanz-, sozial-, umwelt- und sicherheitspolitischen Kehrtwenden zur Obama-Regierung zu sehen. Vergleiche mit der Krankenversicherung, zahlreichen Umweltschutzauflagen, dem Pariser Klimaabkommen, dem Iraner Atomabkommen und vielen weiteren Errungenschaften drängen sich geradezu auf.

  34. @JohSte sagt:05.02.2020 um 15:04 Uhr

    „Wir reden ja nun auch nicht ueber die Minen die vom Afrika-Korps in der Wueste verlegt worden sind, sondern ueber Minen die von NATO Nationen unter Umstaenden in Konflikten der Zukunft eingesetzt werden!“

    Ah, ok. es irritiert mich zwar, das Sie die Konflikte, die ich aufgezählt habe als „Extremisten und Terroristen“ bezeichnen, insbesondere die russische Armee dürfte das erfreuen, aber gut.
    Die Probleme bleiben doch die gleichen, die man bisher auch schon hatte. Wenn das wirklich nur temporär sein soll, dann müssen die Minen nach ihrer Wirkzeit und automatischen Deaktivierung aufgenommen werden, ansonsten verschieben Sie nur zeitlich das Problem. Oder die Mine sprengt sich selbst, dann ist auch alles gut.

  35. @Escrimador

    Wenn Sie in dem Stil meine Kommentare selektiv zitieren und damit völlig andere Zusammenhänge konstruieren bin ich an dieser Stelle raus aus der Debatte.

    Cheers
    Flip

  36. @BJK2107
    Danke für Ihre Ausführungen. Das klingt doch gar nicht mal so schlecht.
    Nun sind CHN und RUS aber per se schon „dreckig, feige und gemein“. Von denen erwarten wir doch auch gar nichts gutes.
    Vom „Führer der freien Welt“ mit Anspruch auf Vorbildwirkung, erwarte ich dann schon einen höheren Standard.

  37. @ Flip 05.02.2020 um 15:56 Uhr
    „Wenn Sie in dem Stil meine Kommentare selektiv zitieren und damit völlig andere Zusammenhänge konstruieren bin ich an dieser Stelle raus aus der Debatte.“

    Ich wüsste jetzt nicht wo ich viel selektiert hätte – Sie haben ja kaum mehr geschrieben als ich zitiert habe.

  38. @Pio-Fritz

    „Ah, ok. es irritiert mich zwar, das Sie die Konflikte, die ich aufgezählt habe als „Extremisten und Terroristen“ bezeichnen, insbesondere die russische Armee dürfte das erfreuen, aber gut.“
    „The Soviet troops may be gone, but they have left a lethal legacy behind in Afghanistan: up to 30 million mines, scattered like deadly seeds across the Afghan landscape.“ (NYT)
    Ich bin mir ziemlich sicher das selbst die Russen nicht ueber den vollkommen unkontrollierten Einsatz ihrer „Schmetterlingsminen“ stolz sind…aber gut!

  39. @JohSte sagt:06.02.2020 um 16:34 Uhr

    Was soll mir das jetzt sagen? Ich bin gerade ratlos, ich habe nichts anderes behauptet, im Gegenteil. Oder ist jeder, der Minen einsetzt oder eingesetzt hat automatisch ein Extremist und Terrorist, wenn er nicht NATO-Mitglied ist?
    Und automatische Deaktivierung macht es nicht besser und ist ein alter Hut. Wo sehen Sie da den wesentlichen Unterschied zu „zukünftigen“ APM-Systemen?

Kommentare sind geschlossen.