Claymore goodbye? USA verzichten auf neue Antipersonen-Minen

 

Die USA haben am (heutigen) Freitag offiziell erklärt, künftig auf die Entwicklung, Beschaffung und den Ersatz von Anti-Personen-Minen verzichten zu wollen – ein entscheidender Schritt der größten Militärmacht der Erde, künftig ganz auf diese Waffen zu verzichten. Die USA sind bislang der so genannten Ottawa-Konvention, die das Verbot dieser gegen Menschen gerichteten Schützenminen vorsieht, nicht beigetreten. Aus der Mitteilung des Weißen Hauses:

Today at a review conference in Maputo, Mozambique, the United States took the step of declaring it will not produce or otherwise acquire any anti-personnel landmines (APL) in the future, including to replace existing stockpiles as they expire.  Our delegation in Maputo made clear that we are diligently pursuing solutions that would be compliant with and ultimately allow the United States to accede to the Ottawa Convention—the treaty banning the use, stockpiling, production, and transfer of APL.  They also noted we are conducting a high fidelity modeling and simulation effort to ascertain how to mitigate the risks associated with the loss of APL.  Other aspects of our landmine policy remain under consideration and we will share outcomes from that process as we are in a position to do so.

Die konkrete Bedeutung dieses Schritts der Vereinigten Staaten müssten wahrscheinlich Völkerrechtler bewerten – offensichtlich bedeutet es nicht, dass die USA in absehbarer Zeit der Ottawa-Konvention beitreten, auch wenn das als Ziel genannt wird. Denn erst einmal geht es offensichtlich darum, einen Ersatz für den als militärische Lücke empfundenen Verzicht auf diese Minen zu finden, zum Beispiel auf die berühmte – und berüchtigte – Claymore-Mine.

(Foto: M18 Claymore – U.S. Army via Wikimedia Commons)

25 Gedanken zu „Claymore goodbye? USA verzichten auf neue Antipersonen-Minen

  1. Meines Wissens nach verbiete die Ottawa Konvention nicht direkt Claymores.

    In den Definitionen in Art. 2.1. der Konvention steht: „Anti-personnel mine“ means a mine designed to be exploded by the __ presence, proximity or contact of a person__ and that will incapacitate, injure or kill one or more persons. […]“.

    Daher sind solche Minen, welche fernausgelöst werden, auch wenn sie gegen Personen gerichtet sind, immer noch zulässig. Das gilt auch für die Claymores, wenn sie lediglich im „commando-detonated“ Modus verwendet werden. Strittig wäre jedoch, ob man den anderen Modus vorher unschädlich machen muss.

  2. und wenn man die Minen mit einem Stolperdraht verbindet? Oder können die nur ferngezündet werden?

  3. Moin, wie bereits angesprochen ist der springende Punkt bei der Ottawa Konvention, dass das Wirkmittel nicht durch das Opfer ausgelöst werden darf. Fernauslösung hingegen ist erlaubt. MfG

  4. Ich halte das einfach für eine betriebswirtschaftliche Maßnahme.
    Die Bevorratung und pyrotechnische Wartung und Sicherheit von Minen etc ist verdammt teuer. Und wie sieht die US-Army den operativen Bedarf für solche Teile ?
    Natürlich wird das vom Oval Office unter „voluntary compliance“ außenpolitisch vermarktet.

    It’s the (war) economy, stupid !

  5. @Sgt Thrash:

    Das ist genau der Punkt. Die Zündung über einen Fernzünder ist lt. Ottawa Konvention erlaubt, über Stolperdraht jedoch nicht. Beides ist mit der Mine jedoch möglich.

    Ich kenn jetzt den genauen Aufbau der der Mine nicht. Daher kann ich auch nicht sagen, was verändert werden müsste, damit die Mine auch nach der Ottawa-Konvention erlaubt ist. Es kann sein dass einfach die Anweisung den Stolperdraht nicht mehr einzusetzten ausreicht. Es kann aber auch sein, dass der Draht aus dem Minen-Set entfernt werden muss oder die Mine leicht verändert werden muss, damit die Drahtvariante nicht mehr funktioniert.

    @klabautermann
    Die USA haben noch relative viele Minen in Korea liegen. Die alle zu räumen, ist nicht einfach.

    Auch wollten die USA die Fähigkeit behalten sich selbstzerstörende AP Minen einzusetzen. Das Problem war für die USA, dass der Ban zu rigid ist. Aber das scheint sich ja zu ändern.

  6. @Karsten

    da der transfer von nicht Ottawa-konformen APL verboten ist, gibt es für die Claymore as is praktisch keine Abnehmer mehr. Selbst Südkorea investiert fast gar nicht mehr in APL und an der Grenze zu Mexiko macht sich das Teil auch nicht gut ;-)

  7. @klabautermann

    Das stimme ich Ihnen zu. Mein Punkt war jedoch ein leicht anderer. Fakt ist, dass in der DMZ zwischen Nord- und Südkorea noch Minen liegen. Mit einem Beitritt zur Ottawa-Konvention wird der Unterhalt dieser Felder schwierig/unmöglich. Ggfs müssten diese sogar geräumt werden. Da laut Art. 19 der Konvention Vorbehalte verboten sind, könnte man diese Felder nicht ausnehmen. (Auch wenn es jetzt nicht um den Beitritt ging)

    Ich wollte halt nur ein Beispiel für eine derzeitige „operative Verwendung“ in den Ring werfen, um auf ihre rhetorische Frage einzugehen. ;)

  8. „Fakt ist, dass in der DMZ zwischen Nord- und Südkorea noch Minen liegen.“

    Das ist bei den Unmengen an Minen, die an dieser Grenze verlegt wurden, eine ziemliche Untertreibung. ;) Dieser Beschluss hat sicherlich keinen Bestand, reine PR-Aktion.

    Hat die BW eigentlich noch die sowjetische MON-50 im Bestand? Das ist das Gegenstück zur Claymore und kann ebenfalls ferngezündet werden.

  9. Die Bw hat m.W.n. schon lange keine AP Minen mehr. Auch die PzAbwM „1.Generation“ sind raus, da nur noch selbstzerlegende bzw. -entschärfende Wirkmittel verwendet werden sollen / dürfen / müssen. Panzerabwehr aller Truppen wird also auf die PzFst und Brandflaschen reduziert, der Rest macht der liebe Freund und Helfer in der Verteidigung: Ihr Pionier des Vertrauens ;-)

  10. Laut BW fällt die DM51 (MON-50) nicht unter das Verbot, weil Fernzündung oder Stolperdraht. Das würde dann auch für die Claymore gelten. So ist zumindest mein Stand.

  11. Ich habe bisher nie etwas von Schützenabwehrminen gehört, außer der alten DM31 und etwaige Vorgänger, die definitiv nicht mehr eingesetzt werden. Alles andere bezieht sich auf PzAbw(Ri)Mi.

  12. Dass die BW russische Claymore-Gegenstücke aus NVA beständen im Bestand hat ist mir neu. Vor allem kann ich mir kaum vorstellen, daß sie immer noch da sind, solch Pöse Dinge hätten doch schon längst ausgemustert sein müssen ;)
    Kommunistisch und dann noch mit Kugellagern drin…

  13. „Im Bestand des Heeres befinden sich zur Zeit (Anm. 1995) die
    Schützenabwehrminen DM 31 und DM 51 (MON 50 aus Beständen der
    ehemaligen NVA).
    Schützenabwehrmine DM 31, seit 1962 im Bestand der Bundeswehr,
    Auslösung durch Zugzünder,
    Schützenabwehrmine DM 51, seit 1994 im Bestand der Bundeswehr,
    Auslösung durch elektrischen Zünder auf Knopfdruck eines
    Beobachters, keine Gefährdung für Zivilbevölkerung.
    Die Wirkung beruht bei beiden Minenmodellen auf Splittern und
    Detonationsdruck.“

    „Aus Beständen der ehemaligen NVA wurden zirka 33 000 Schützenabwehrminen DM 51 (ehemalige MON 50) übernommen.“

    http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/13/014/1301473.asc

    Ist allerdings von 1995 und das Abkommen trat 1997 in Kraft.

  14. Mal wieder zum zündeln (oder in die Luft gehen)
    Mine, nach dem Attentäter die perfekte und billige Waffe, – SeemineG2- betriebswirtschaftlich deshalb wohl auch vorbei, hätte vielleicht ja auch bei dem falschen Schiff aua gemacht.
    Immer wieder kommt man auf Breite vor Tiefe.
    Auch ich als gelernter Sperri (mit mehreren Sinnsprüchen, die noch nicht verboten sind), verachte Personenminen, so sie denn feige verlegt sind. Aber genau das ist doch der Plan für diese Teile.

  15. Panzerabwehr-Richtminen wären dann aber erlaubt weil nicht primär gegen weiche Ziele?

  16. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Mitteilung des Weißen Hauses auch auf command detonated directed anti-personnel mines Anwendung findet. Zur Absicherung eigener Positionen vor allem für zahlenmäßig schwache Spezialkräfte in gegnerischem oder umkämpften Territorium sind diese Kampfmittel ideal. Eines der Argumente gegen den Beitritt der USA zum Ottawa-Abkommen, war ja immer die weitere Verwendung dieser Kampfmittel im Einsatz, um US-Soldaten effektiv zu schützen.
    Außerdem richtet sich das Ottawa-Abkommen maßgeblich gegen APM, die in Einsatzgebieten „vergessen“ wurden, dauerhaft Gelände sperren sollten oder zum Zweck der Terrorisierung der Bevölkerung bewusst ohne militärschen Zweck verlegt wurden. Keiner dieser Zwecke wird westliche Streitkräfte verfolgt, wie ein Blick in die Einsatzdoktrin zeigt. Der Beitritt oder die faktische Umsetzung westlicher Staaten zum Abkommen bringt es dem Ziel also nicht näher, da die Produzenten Russland und China, sowie die Nutzer in allen Teilen der Erde nicht beitreten werden.
    Westliche Staaten nehmen sich damit nur Möglichkeiten im Einsatz, die dann durch das Improvisieren „versteckter Ladungen“ mit geringerer Effektivität bei höherer Gefährdung der Soldaten kompensiert werden.

    @ Thomas Melber
    Richtig die DM-12 PARM fällt nicht unter das Verbot und ist deshalb auch die einzige noch durch Infanterie verlegbare Sicherungsmine. Das Unverständliche daran ist, dass die gute alte DM-21 AT als „dumme“ Mine, die sich nicht selbst sichern oder zerstören konnte, ausgemustert und vernichtet werden musste, die DM-12 aber nicht. Die DM-21 AT tut keiner Person etwas, die darauf tritt, weil das nötige Auslösegewicht fehlt. Die DM-12 könnte sogar durch ein Kind ausgelöst werden, das auf den Lichtwellenleiter tritt. Und warum vor dieser Diskrepanz keine command detonated APM zulässig sind, bleibt mir unverständlich, denn die gefährden wirklich niemanden.

  17. Nochmal zur Klarstellung. Das Ottawa Abkommen verbietet NICHT:
    – fernausgelöste Antipersonenminen (command detonated AP mines) und
    – AT Minen jeglicher Art

  18. „- AT Minen jeglicher Art“

    Kommt noch. Die AT-2 hat zum Beispiel einen Aufhebeschutz und da schießen sich die Herrschaften schon länger drauf ein.

    „da nur noch selbstzerlegende bzw. -entschärfende Wirkmittel verwendet werden sollen / dürfen / müssen.“

    Vorrauseilender Gehorsam des BmVg?

  19. Nein, die Claymore wird vermutlich beleiben. Es wird so ähnlich sein wie in der Schweiz, dort wurden einfach die Stolperdrähte der Richtminen weggeworfen, die Aussparung für den Draht befindet sich übrigens immer noch in der Kiste.

    Wer glaubt, dass die Amerikaner ohne Schützenabwehrmine dastehen werden, der irrt. In Zukunft werden Systeme mit „man-in-the-loop“ in diese Lücke springen. U. a.: Spider XM-7 Network Command Munition.

  20. Die Bundeswehr hat keine Anti Personenminen mehr im Bestand. Auch definitiv keine MON-50
    Die einzigen Minen sind die PARM DM12, evtl. noch Bestände an AT-2 Minen in den MARS Raketen und PzAbwMinen DM 31 (wobei ich mir bei DM31 auch nicht sicher bin).

  21. „evtl. noch Bestände an AT-2 Minen in den MARS Raketen“

    evtl? Die AT2 dürfte den Hauptbestand an AT-Minen ausmachen. Der Minenwerfer Skorpion dürfte ebenfalls noch vorhanden sein?

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