Protokoll einer Seefahrt: Schleichfahrt mit Hindernissen

Eigentlich ist es ein schöner Septembermorgen, an dem die Besatzung die Fregatte Brandenburg für zwei Tage in See klarmacht. Beim Frühstück noch vor Sonnenaufgang fällt nicht auf, dass die Kombüse des Kriegsschiffs nach einem Wasserschaden gesperrt ist, Brötchen gibt es auch so. Auch dass die Fregatte in den zwei Tagen nicht alzu weit in die Nordsee hinausfahren wird, weil wegen eines technischen Problems die Höchstgeschwindigkeit auf elf Knoten (rund 20 km/h) begrenzt ist, wissen die Männer und Frauen an Bord. Immerhin kommt die Brandenburg mal wieder aus dem Stützpunkt  heraus.

Die Fregatte der Klasse F123 hatte in den vergangen Monaten so ziemlich alle Probleme durchlitten, die die Schiffe der Deutschen Marine derzeit plagen. Eine – planmäßige – Instandsetzung in der Werft, bei der einiges schiefging und die deshalb vier Monate länger dauerte als geplant. Schlimmer noch: selbst nach dem Werftaufenthalt wurde die Brandenburg nur mit eingeschränkter Erklärung der Funktions- und Betriebssicherheit freigegeben. Und das nächste Eindocken ist dringend nötig – wird aber wegen fehlender Dock-Kapazität voraussichtlich erst im Januar kommenden Jahres stattfinden können.

Von den aktuellen technischen Schwierigkeiten, die die Fregatte und ihre Besatzung plagen, scheint die Sperrung der Kombüse zwar nicht das größte. Für ein Schiff, dessen rund 200 Männer und Frauen auf See regelmäßig mit Mahlzeiten versorgt werden müssen, ist das allerdings schon ein Problem. Die Küchenmannschaft behilft sich mit einer winzigen Not-Kombüse, in der gerade mal zwei Personen auf wenigen Quadratmetern kochen können, gegessen wird in der Messe der Portepee-Unteroffiziere. In Schichten.

Für die Funktionalität eines Kriegsschiffes bedeutsamer ist die Geschwindigkeit, die die Fregatte erreichen kann. Die kombinierte Antriebseinheit aus Diesel und Gasturbinen könnte die Brandenburg auf eine Dauerhöchstfahrt von knapp 30 Knoten (etwa 55 km/h) bringen. Diese Leistung wird jetzt nicht benötigt: mehr als elf Knoten sind nicht erlaubt, weil das Fenster des Sonardoms einen Riss hat – um den auszutauschen, ist ja der erneute Dockaufenthalt vorgesehen.

Zunächst hat das Schiff auch gar keinen Bedarf für Geschwindigkeit. Von der Pier im Marinestütztpunkt Wilhelmshaven geht es zunächst nur wenige Minuten hinaus in den Jadebusen: Dort soll überprüft werden, ob nach den umfangreichen Nachrüstungen in der Werft das SMART-S-Radar einwandfrei funktioniert und für den Einsatz der Waffen genutzt werden kann.

Dummerweise funktioniert das SMART-S nicht nur nicht einwandfrei, sondern gar nicht. Die nötige Kühlung der Anlage ist nicht gewährleistet, und Schiffstechniker wie auch die eingeschifften Spezialisten von Marinearsenal und Herstellerfirma suchen über Stunden erfolglos nach Ursache und Schadensbehebung. Am Nachmittag gehen die Spezialisten von Bord; die Brandenburg wird nun ohne dieses wesentliche Radar ihre Fahrt in die Nordsee fortsetzen.

Damit ist allerdings ein wichtiges Ziel des Kommandanten nicht mehr erreichbar: Fregattenkapitän Jan Hackstein (45) wollte die zweitägige Seefahrt nicht zuletzt nutzen, um das Zusammenspiel von Radar, neuem Führungs- und Waffeneinsatzsystem und dem 76mm-Bordgeschütz zu erproben. Mit dem Ausfall des SMART-S kann dieses Schießen nicht mehr stattfinden. So sei das eben, wenn man mit historischen Schiffen mit antiker Elektronik zur See fahre, kommentiert der Kommandant lakonisch die Probleme des 25 Jahre alten Kriegsschiffs.

Aber eine Fregatte hat ja noch etliche andere Waffen an Bord, an denen auch trainiert werden muss. Zum Beispiel das Auslaufen aus dem Jadebusen unter so genannter asymmetrischer Bedrohung – mit der (angenommenen) Gefahr, das Terrorangriffe mit kleinen, schnellen Booten gegen das Kriegsschiff gefahren werden. Dafür ist die Brandenburg, nicht selbstverständlich in der Marine, bereits mit den neuen Maschinengewehren des Typs MG5 ausgerüstet.

Allerdings wurden zwar die Maschinengewehre bereitgestellt, aber noch nicht die weitere Ausstattung für die Männer und Frauen, die mit dieser Waffe die Umgebung des Schiffes überwachen. Die vorgesehenen neuen Helme, unter die auch die Kopfhörer der bordinternen Sprechanlage passen, sind ebenso wenig an Bord wie die Schutzwesten. Beides soll noch nachgeliefert werden.

Das MG5 ist nicht die einzige Waffe, die die Fregatte für den Nahbereich zur Verfügung hat. Schwere Maschinengewehre vom Kaliber 12,7mm stehen ebenso zur Verfügung wie zwei Marineleichtgeschütze (MLG) mit dem Kaliber 27mm. Die werden aus der Operationszentrale unter Deck fernbedient, das Einlegen der Munition ist aber traditionelle Handarbeit an Deck.

Auf der rechten Seite, an Steuerbord, war das Kabel für die Bedienung des MLG beschädigt worden – deshalb gibt’s den ersten Schießversuch, als die Fregatte die offene See erreicht hat. Mit unbefriedigendem Ergebnis. Störung kommt die lapidare Meldung über die Lautsprecheranlage an Bord, als der erste Versuch schiefgeht. Was darauf folgt, kennen die meisten Computernutzer: Die Konsole für die Steuerung des Geschützes muss neu gestartet werden, erst danach geht der erste Feuerstoß in die Nordsee. Im Ernstfall ein wenig zu spät.

Auch wenn das Schiff langsam fährt, auch wenn die Technik Probleme macht: Eine Seefahrt ist immer auch eine Gelegenheit, die Besatzung zu trainieren. Erst recht, wenn die Brandenburg nach der Werftliegezeit etliche neue Besatzungsmitglieder an Bord hat und von einer zusammengeschweißten Mannschaft noch ein gutes Stück entfernt ist. Also geht in diesen beiden Tagen auch um die Klassiker: Mann über Bord und Feuer im Schiff. Nicht immer zur Begeisterung der Besatzung, wenn ein Mann über Bord-Manöver kurz vor Mitternacht gefahren wird.

Am Ende dauert die Seefahrt dann noch ein bisschen kürzer als vorgesehen – denn am zweiten Tag in See fällt dann auch noch das LW08-Luftüberwachungsradar aus. Die Brandenburg ist damit als Kriegsschiff praktisch blind (auch wenn sie natürlich, wie jeder Frachter, noch ein Navigationsradar an Bord hat). Kommandant Hackstein entscheidet sich für eine frühere Rückkehr nach Wilhelmshaven, aus ganz praktischen Gründen: Je eher das Schiff wieder im Stützpunkt liegt, um so eher können auch die Techniker des Marinearsenals wieder an Bord kommen, um die (neuen) technischen Defekte in Angriff zu nehmen.

Vermutlich habe ich bei dieser kurzen Seefahrt mit ihren zahlreichen Pannen eine nicht wirklich typische Häufung von Problemen miterleben können. Andererseits: Die Steigerung von Chaos heißt Marineinstandsetzung, schimpfte Mitte September der Gewerkschaftsfunktionär Frank Oltmanns in einem Gastbeitrag für die Wilhelmshavener Zeitung (Link aus bekannten Gründen nicht). Der ist im Hauptberuf Personalratsvorsitzender im Marinearsenal in Wilhelshaven – und sieht klare Ursachen für die Misere: Wehe, wehe, wenn die Leistungen des Marinearsenals weiter privatisiert und aus dem Rüstungskomplex herausgelöst werden, wie es einige Politiker fordern, dann werden wir beängstigende Zustände bekommen! Die Marineinstandsetzung ist ein Verbundsystem, wo ein Rädchen in das andere greift, sehr arbeitsteilig, das funktioniert nur reibungslos, wenn alles zusammenbleibt.

Vielleicht bekommt Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrem Besuch bei der Marine am (heutigen) Donnerstag in Rostock ähnliches zu hören. Denn wie es mit der Arbeit des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), zu dem das Marinearsenal gehört, weitergehen soll – das steht ziemlich weit oben auf ihrem Aufgabenzettel.

64 Gedanken zu „Protokoll einer Seefahrt: Schleichfahrt mit Hindernissen

  1. Mir tun Besatzung und Schiffsführung aufrichtig leid.
    Zum Glück sind sie wohl unbeschadet wieder eingelaufen.
    Ich bin nur froh, in dieser Marine nicht noch einmal Kommandant sein zu „dürfen“!

  2. Das Schiff ist 140 Meter lang und kann eigentlich nichts. Schon gar nicht kämpfen. Flugabwehr schächte leer, keine Harpoon, Sonarprobleme. Glücklich kann sein wenn dieses Schiff nicht den Ernstfall erlebt, wahrscheinlich wäre es sehr schnell auf dem Grund

  3. Das tut so weh, diesen traurigen Zustand der deutschen Bundesmarine lesen zu müssen.
    Ich war 2000 mit der Brandenburg zusammen beim DESEX in Südafrika. Da war noch alles flott.
    Ich bin froh den jetzigen Zustand nicht mitmachen zu müssen.

  4. Ich sage Folgendes mit sehr, sehr vielen Tränen in den Augen:

    Im jetzigen Zustand ist die Bundeswehr eine einzige Geldverschwendungsmaschine. Wenn sich da nichts bessert – und das schnell – sollte man ernsthaft über eine Abschaffung nachdenken.

  5. Das MG5 schiesst deutlich langsamer als das MG3. Ensprechend geringer ist die Feuerkraft bei der Überwachung des Nahbereichs geworden, was im Hinblick auf Ziele hoher Geschwindigkeit doppelt zählt. Das Waffenreinigen ist deutlich umständlicher und zeitraubender. Leider ist also auch das neue MG kein Lichtblick in dieser Beschreibung einer trostlosen Situation.

  6. „Vermutlich habe ich bei dieser kurzen Seefahrt mit ihren zahlreichen Pannen eine nicht wirklich typische Häufung von Problemen miterleben können.“ – das stimmt sicher so. Ja, die F123 „Brandenburg“ ist nicht mehr taufrisch und auch der Nachschub lässt manchmal zu wünschen übrig und natürlich kann viel gemacht werden bei einer Werftliegezeit, aber neu gebaut wird das Schiff nicht und alte Anlagen bleiben eben alte Anlagen. Dass es dann manchmal holpert, das passiert eben.

    Zwischen dem Sachstand im Artikel und heute ist nicht einmal eine Woche vergangen und viele der geschilderten Probleme wurden gemeinsam von Bordbesatzung, Marine-Arsenal und dem BAAINBw zügig behoben. So gar nicht beamtisch wurden sehr schnell die Kühlungsprobleme der SMART-S behoben, die LW08 zum Strahlen gebracht, und viele weitere Problemchen und Fehlerchen beseitigt. Und mal ehrlich: eine außerplanmäßige Werftliegezeit zur Reparatur des Sonars kurzfristig im Januar zu organisieren ist in der heutigen Staats-Verteidigungsorganisation in Deutschland ja auch schon eine Leistung.

    Und so hat die Fregatte „Brandenburg“ in den vergangenen Wochen sehr viel möglich gemacht, um das ehrgeizige Programm der Funktionsnachweise für die Einrüstung des Systems SABRINA21 erfolgreich abschließen. Die Seefahrt für die Durchführung des FN diese Woche ist erfolgreich verlaufen und das Schiff hat einen großen Schritt hin zur Einsatzfähigkeit gemacht. Die restlichen Reparaturen werden sicher auch zügig erfolgen und die FGS „Brandenburg“ sehr bald wieder ihre Aufgaben erfüllen.

    Ich denke, die Meckerei und Schlechtmacherei ist manchmal wirklich übertrieben. Klar gibt es Probleme, aber wer ehrlich ist weiß, die gab es schon immer, und genauso klar gab und gibt es in der Organisation der Marine gute Frauen und Männer, die die Probleme lösen und ein Funktionieren der Marine sicher stellen.

  7. @Besserwisser, 18:18:
    Danke für diesen Beitrag, ich wollte gerade nach der Lektüre der Texte davor schon wieder Depressionen kriegen.

    Irgendwo war mal irgendwann zu lesen, bis Ende dieses Jahres sollten die F123 mit Harpoon ausgerüstet sein. Scheint nicht mehr zu stimmen – und der Ersatz von NSSM durch ESSM sei gar nicht mehr vorgesehen? Ist das der Sachstand? Der Beitrag von Rolf Müller oben scheint mir in die Richtung zu deuten.
    Und was in den letzten Dienstjahren der F123 nach 2025, wenn der Sea Lynx nicht mehr da sein wird (?), in Sachen Hubschrauber passieren wird, ist anscheinend auch noch nicht klar, wenn der Sea Tiger/NH90, wie es heißt, nicht in den Hangar passt? Vielleicht spielt man mit der Idee, unbemannte Drohnen wie für K130 zu nutzen? Schwer vorstellbar, die hätten doch wohl keinerlei Ujagd-Fähigkeiten, wenn ich als Landratte das richtig deute. Und U-Jagd war doch wohl mal die Hauptaufgabe der F123.

  8. @Besserwisser:

    „Und so hat die Fregatte „Brandenburg“ in den vergangenen Wochen sehr viel möglich gemacht, um das ehrgeizige Programm der Funktionsnachweise für die Einrüstung des Systems SABRINA21 erfolgreich abschließen.“

    Als ich das gelesen habe, bin ich fast aus meinem Stuhl gefallen – was um Gottes Willen ist denn bitte in den letzten 8 Jahren passiert, dass erst heute SABRINA eingefuehrt wird.

    Ich habe Wilhelmshaven und die Marine 2011 (!!!) verlassen, wo das System bereits im Einsatz- und Ausbildungszentrum lief … das waere ja so, als wenn ich heute Windows 7 auf meinem Rechner installieren wuerde.

  9. „Ich denke, die Meckerei und Schlechtmacherei ist manchmal wirklich übertrieben.“
    Nein, einfach nur Nein.
    Denn nur mit ordentlich Druck (Meckerei – Öffentlichkeit) werden Probleme angepackt.
    Meiner Meinung nach sind die Probleme nicht Geld, sondern wie schon angerissen Organisationsversagen über Jahrzehnte. Das ständige Transformieren der Bundeswehr, Standortschließungen hier, Erhalt dort, nein alles zurück, Auflösen, Zusammenlegen, Auseinanderreißen von Einheiten und wieder rückgängig machen – DAS schadet mehr als fehlende 5 Milliarden Euro pro Jahr.
    Ganz zu schweigen von schwachen Verträgen mit der Rüstungsindustrie.
    Eine 25 Jahre alte Fregatte ist in bester Gesellschaft in den Streitkräfen der Welt.
    Nicht nur in Europa fahren ältere Kriegsschiffe, auch die ersten noch fahrenden 7 Arleigh Burke Zerstörer sind im gleichen Alter und die nächsten 14 Zerstörer der Klasse nur 3 Jahre jünger.

  10. Tja
    Danke Herr Guttenberg und Danke deutsche Industrie.

    Mehr kann man dazu nichts sagen.
    Das kommt dabei raus, wenn ein Stuffz d.R. der Gebiergsjöger Truppe versucht die Bundeswehr zu Gunsten der deutschen Industrie zu reformieren.

  11. Peinlich und beschämend die Besatzung mit diesem Equipment arbeiten zu lassen.
    Wann soll sich daran denn generell etwas ändern? Gab’s zuletzt neue Infos zur Auftragsvergabe MKS180? Das sollte doch eigentlich auch dieses jahr noch passieren, oder?

  12. @Mariner: Zur Einrüstung der Hardware braucht es ein paar Monate. Also muss das mit Werftliegezeiten getaktet werden. Die Einrichtung des Systems kann dann erst nach Beendigung der Werftliegezeit erfolgen — wenn das Gesamtsystem wieder vollständig ist. Deshalb gab es für die Brandenburg wohl auch eine eingeschränkte Erklärung zur Funktionsbereitschaft — FüWES ohne Software ist halt eingeschränkt funktionsbereit.

    Also zieht sich die Einrüstung so eines Upgrades schon mal Jahre (abh. von planmäßigen Liegezeiten der Einheiten) hin.

  13. @Besserwisser
    Das Sonar ist der Hauptsensor dieser besonders für die Ubootjagd konzipierten Klasse 123.
    Es als Fortschritt zu bejubeln, dass für dessen Instandsetzung „kurzfristig im Januar“ eine außerplanmäßige Werftliegezeit „organisiert“ wurde, zeigt doch, wie sehr man sich in der Marine schon mit den gravierenden Mängeln abgefunden hat. Mindestens ein weiteres Vierteljahr kann dieses Schiff nicht dafür eingesetzt werden, wofür es mit erheblichen Steuermitteln einst beschafft wurde.
    So wird auch diese Teilstreitkraft („Wir sind Marine“) weiter zum Gespött in der Bevölkerung.
    Das ist nicht nur dem GORCH FOCK Debakel geschuldet, um die es momentan AUFFÄLLIG ruhig geworden ist.

  14. Ebenso unbefriedigend ist die Situation der immer wieder ausser Betrieb gehenden Seeschleuse in Wilhelmshaven. Das führt in letztet Zeit öfter dazu, dass beim Marinearsenal zeitweise nichts rein und nichts rausgeht. Selbst einem schnell reparierten Schiff kann es passieren, zur Untätigkeit im Hafenbecken festzuliegen.

  15. @Lucky.Sailor: Die Bundesrepublik Deutschland unterhält 1 — in Worten „1“ — Schwimmdock für seine Marine. Entsprechend ausgelastet ist es. Jede außerplanmäßig notwendige Dockung muss zugekauft werden (8.000-10.000 EUR/Tag). Angesichts der Summen, die für Dockmiete und Durchführung der mehrwöchigen Arbeiten zusammenkommen, darf das nicht einfach an die erstbeste Werft gegeben werden (mal abgesehen davon, dass die Werftkapazitäten auch übersichtlich sind). Von daher ist das kurzfristige Organisieren in der Tat ein Erfolg, bei den prekären Randbedingungen. Für Fragen zu Infrastruktur und Vergaberecht wenden sie sich bitte an die Politik.

  16. Nach dem Satz mit der geschlossenen Kombüse habe ich angefangen zu schmunzeln. Was für eine nutzlose Geldverschwendung das ganze System. Sieht es in anderen Armeen ähnlich aus? Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass die Elektronik in Armeen anderer Länder reibungslos funktioniert? Oder werden dort die Hersteller solcher Produkte mit ernsthaften Konsequenzen konfrontiert, wenn die Elektronik nicht so arbeitet, wie sie sollte?

    Wenn ein Maschinengewehr ausfällt, weil es eine „Störung“ irgendwo in der Elektronik gibt, lässt sich so ein Teil nicht mehr händisch bedienen?

    [Kurz ein Missverständnis aufklären: Nicht ein Maschinengewehr, sondern das Marineleichtgeschütz hatte die Störung – und nein, so weit ich weiß, lässt es sich nicht händisch bedienen. T.W.]

  17. @Nur 2 Cent
    zu dem vorhandenen Schwimmdock soll ja noch ein Trockendock dazu kommen. Alle Dampfer passen ja zukünftig nicht mehr ins Schwimmdock. Baubeginn fürs Trockendock 2020 – vorbereitende Räumungsarbeiten wurden schon begonnen.
    Die früher in Kiel vorhandenen 3 Schwimmdocks fehlen natürlich trotzdem.

  18. Ich kann jeden Marinekameraden verstehen, der bei solchen Berichten Tränen in den Augen bekommt… vom schneidenden Rückenwind im Gesicht.

    Allerdings fürchte ich, dass diese Zustände auch an anderer Stelle durchaus so, oder so ähnlich vorkommen und traurige Realität sind. Ob das nun beim Heer oder bei der Luftwaffe sei. Unter jedem Tarnnetz kann auch dort das Grauen lauern. Es wird wohl noch eine Weile dauern, in der man sich solche Sachen nebst dem anschließenden Spott wird anhören müssen. Die Situation verbessert sich ja selbst dann nicht über Nacht, wenn ab sofort nur noch richtige und zukunftsweisende Entscheidungen getroffen werden. Aber es ist gut, dass solche Berichte kommen. Denn nur, wenn das Lagebild das abbildet, was ist, besteht die Chance, dass Bedarf zutreffend erkannt, ehrlich bewertet und klug gehandelt wird.

  19. @Frig: Bauen ist leider in Deutschland eine mittlere Katastrophe. Wenn der Bund baut, muss er das trotzdem an Behörden und Ämter auf Landes-/Gemeineebene weiterreichen. Und das staatliche Baumanagement in Niedersachsen ist mangels Personal am Limit.

    Somit sehe ich dem Baubeginn eher pessimistisch entgegen.

  20. Die BRANDENBURG ist derzeit sicherlich besonders arg gebeutelt, aber leider, leider nicht in absurdem Maße. Insofern ist sie weniger Karikatur als vielmehr Schauglas für den allgemeinen Zustand der Flotte (über nahezu jede Klasse hinweg). Die Ursachen sind mannigfaltig, aber da viele Probleme aus Jahrzehnten des hingenommenen Verfalls (auch materiell, aber insbesondere strukturell/personell) resultieren und ich noch nicht die Anstrengung sehe, dort jetzt mit allen Mitteln Abhilfe zu schaffen, wird selbst bei einer eingeleiteten Trendwende noch viele, viele Jahre kein Niveau erreicht sein, das auch nur annähernd als „halbwegs akzeptabel“ bezeichnet werden könnte.

    Ich drücke der Besatzung die Daumen, dass möglichst bald wieder bessere Zeiten kommen, bevor zu viele gute Leute frustriert der Seefahrt den Rücken kehren, wie es immer öfter passiert.

  21. @Metallkopf

    Das Problem ist, daß man sich an solche Widrigkeiten gewöhnt und schließlich resigniert – oder schlimmer, es einem irgendwann einfach „egal“ ist. Man schreibt seinen Bericht, legt ihn vor und geht weiter seinen Verrichtungen nach.

  22. Es schein in unseren Streitkräften alles so organisiert zu sein, daß möglichst viele Stellen mizuentscheiden haben und niemand am Ende Verantwortung zu tragen hat. Quasi die organisierte Unzuständigkeit mittels Zuständigkeitszersplitterung. Ich weiß nicht, ob es wahr ist, aber ich hörte, daß die Bundeswehr für die Beschaffung neuer Stiefel acht Monate brauchte, bis die bestellt werden konnten. Die Gorch Fock wurde 1958 für acht Millionen Mark auch in acht Monaten fertiggestellt. Ich glaube, daß es vollkommen hoffnugslos ist. Ich war 1981 auf einem Troßsschiff und schon damals hieß es unter uns einfachen Soldaten, daß die deutsche Marine nur dazu da sei, den Feind an der Grenze so lange zu amüsieren, bis richtiges Militär kommt. Ach ja. stimmt das, daß die Küstenwache von New Yorck mehr Schiffe hat als unsere ganze Marine ?

  23. Als ich 1996, mit der F125, als OG für STANAVFORMED unterwegs war, gab es für uns nichts Wichtigeres, als diesen „Prototypen“ der F123-Klassen täglich weiter zu entwickeln. Das Schiff und die Besatzung hatte kurz vorher ‚Plymouth‘ GESCHAFFT, und ist dann für knapp 4 Monate ins Mittelmeer zum ersten deutschen Krisen-Einsatz (‚Bosnien‘) für die NATO ausgelaufen. Trotz widriger Umstände haben wir, bei Ausfall einer der beiden Wellen, Ausfall des Ausleger-Kranes, Ausfall der Otto-Melarer, u.v.m. unseren Einsatz durch gezogen.
    Es war hart und frustrierend für uns, aber wir wussten auch, dass hier alles getan werden musste, damit die anderen Schwester-Schiffe, davon profitieren konnten.
    Heute, Entwickler in der Automobil Industrie, weiß ich einen Prototypen, weil die ‚Brandenburg‘ dennoch ablieferte, auch vor allem zu schätzen, für die Erfahrung die ich machen konnte.
    Ja, viele Nachrichten von Euch
    schmerzen zu hören, und das wir, die Bürger, aufzeigen müssen, das ‚Gemacht‘ werden muss, ist mehr als Notwendig!
    Ich möchte hier dennoch meinen Stolz und ein Lob Ausdruck verleihen; an die Erinnerungen an AK-Fahrten, den erfolgreichen Einsatz uvm., die das Schiff nebst Besatzung dennoch hinbekam, als Motivation, dran zu bleiben!
    HG a.D. C.M., Wehrpflichtiger

  24. Mich würde interessieren, wie lange die Brandenburg denn nach den Instandsetzung noch genutzt werden kann?

  25. Wer eigene Docks hat braucht weder Ausschreiben noch auf andere warten.

    Früher, vor dem Krieg, gab es in dem heutigen Arsenal 3 kleine und 3 große Docks sowie 2 Hellinge/Slipanlagen. Da wo das neue Trockendock hin soll (Ostseite) sind keine alten Docks im Boden zu erwarten. Diese Anlagen waren an der Nord- und Westseite zu finden. Der überwucherte Bereich ist eine Schutthalde aus der Zeit des Wiederaufbaus.
    In das Arsenal würden auch locker noch 2 weitere Schwimmdocks passen und die sind ja nun nicht schwer zu beschaffen.

    Für die kleineren Einheiten (Korvette abwärts) eignen sich auch Slipanlagen und Lifte um die aus dem Wasser zu bekommen. An Land, kann man die auf Schienensystem zur Arbeitsposition unter freiem Himmel oder in der Halle bringen. Sowas gibt es auf deutschen Werften eher selten, die Technik gibt’s aber z.B. von Damen aus den Niederlanden.
    Die Werft bietet auch schlüsselfertige Werften und Modernisierungen an…
    https://www.damen.com/en/markets/civil/concepts-and-consultancy

    Schwimmdocks haben die ja auch mehr als genug im Programm:
    https://products.damen.com/en/ranges/modular-floating-drydock/modular-floating-drydock-18036

    Der jetzige Zustand war ja aber gewollt, sonst hätte man die Azubis ja nicht zum Teufel gejagt und mal was investiert.

    @BG
    Die Klasse soll neue Radare von Thales bekommen, die mit dem Sabrina21 Führungsystem kompatibel sind. So zumindest die Ausschreibung. Man plant wohl sie deutlich länger als 30 Jahre in Dienst zu halten.

  26. @ SvD

    Die Ausschreibung für den Ersatz der Radarsysteme ist offensichtlich ergebnisoffen. Ansonsten bräuchte man keinen öffentlichen Teilnahmewettbewerb… Siehe Details auf evergabe des Bundes. Thales ist dort nur für die Integration in das FüWES gesetzt…

  27. Zum Foto der Dame am MG. Wird in diesem Anzug wirklich heutzutage eine äußere Waffenstation bedient? Sie scheint mir ziemlich ungeeignet dafür.

  28. @JPeelen sagt: 26.09.2019 um 18:08 Uhr

    „Das MG5 schiesst deutlich langsamer als das MG3. Ensprechend geringer ist die Feuerkraft bei der Überwachung des Nahbereichs geworden, was im Hinblick auf Ziele hoher Geschwindigkeit doppelt zählt. Das Waffenreinigen ist deutlich umständlicher und zeitraubender.“

    Vielleicht installiert die Marine in Zukunft ja ein paar MG6 und folgt damit nicht zuletzt dem Beispiel der Royal Navy. OK, das Waffenreinigen wird dadurch auch nicht einfacher. :-)

  29. Was mir am meisten zu denken gibt, ist, dass unsere Rüstungsindustrie immer seltener die vertraglich vereinbarten Leistungen erbringen kann. Und es glaube niemand, das wäre allein ein sicherheitspolitisches Problem. Die diversen technischen Probleme der bundesdeutschen Streitkräfte werden im Ausland längst in einem Atemzug mit dem Berliner Flughafen und dem VW-Abgas-Skandal genannt. Das Label „Made in Germany“ leidet.

    @Wühlmaus
    Dem Artikel ist zu entnehmen, dass Schutzwesten, Helme usw. bestellt aber nicht an Bord geliefert wurden.

  30. @Wühlmaus

    Herr Wiegold schrieb doch, dass die neuen Helme, sowie Splitterschutzwesten noch nicht verfügbar und daher nicht an Bord waren. Ist für die Ausbildung während der kurzen Fahrz wohl auch nicht sonderlich nachteilig.

    Cheers
    Flip

  31. @DeltaR95

    Sie haben recht. Das Radar muss auf die Thales Systeme abgestimmt werden. Es ginge allerdings auch so wie von mir beschrieben, wenn der Wettbewerb auf die Dienstleistung verengt würde.
    Sollte die Modernisierung nicht völlig in die Hose gehen, bleiben uns die F123er auf jeden Fall noch eine Weile erhalten.

  32. Vielleicht sollten wir uns für eine Weile die USS Constitution von unseren amerikanischen Verbündeten ausleihen. Antrieb und Bewaffnung funktionieren, amagnetische Bauweise, sehr leise in der Marschfahrt, großer Beobachtungshorizont von den Marsen, hat Platz für eine Boardingkomponente und die Kombüse funktioniert auch. Könnte außerdem die Aufgaben der Gorch Fock 2 gleich mit übernehmen…

    /sarc off

    Ich erwähnte es schon, aber weil ich gern den Finger in die Wunde stecke: China baut jedes Jahr mehr Kampfschiffe als die gesamte Royal Navy hat. Unsere Marine sowieso. Gerade eben ist Chinas 22. Typ 052D Zerstörer in Dienst gestellt worden. Neben vielen anderen Typen, wie vorvorgestern einem Hubschrauber-Docklandungsschiff. Übrigens ist es der 9. (in Worten: der NEUNTE) Typ 052D Zerstörer in DIESEM Jahr. Technische Daten: https://en.wikipedia.org/wiki/Type_052D_destroyer Das ist das chinesische Pendant zur amerikanischen Arleigh Burke Klasse.

    Ach ja: Wäre China ein NATO-Staat, müßten es sich jetzt sagen lassen, daß es das 2-Prozent-Ziel nicht einhält. Die chinesischen Nicht-2-Prozent erzeugen aber deutlich mehr Bang for the buck als die deutschen Nicht-2-Prozent. Sehr viel mehr. Just saying.

  33. @ muck

    Zitat: „Was mir am meisten zu denken gibt, ist, dass unsere Rüstungsindustrie immer seltener die vertraglich vereinbarten Leistungen erbringen kann. Und es glaube niemand, das wäre allein ein sicherheitspolitisches Problem. Die diversen technischen Probleme der bundesdeutschen Streitkräfte werden im Ausland längst in einem Atemzug mit dem Berliner Flughafen und dem VW-Abgas-Skandal genannt. Das Label „Made in Germany“ leidet.“

    Ja das ist so ! Die Frage aber ist warum ist dies so und wie hat es sich entwickelt ?

    1. Die Spitzeningenieure der deutschen Industrie arbeiten heute nicht mehr in der Rüstungsindustrie. Beispielhaft seien die Softwareingenieure der AWACS „Sensor Fusion“-Technologie genannt, die Mitte der 90er Jahre in die Finanzindustrie überwechselten und dort den Hochgeschwindigkeit-, computerisierten Aktienhandel entwickelten. Ohne eine entsprechende Rüstungsbeschaffungsnachfrage halten die Hersteller auch keinen Entwicklungsingenieurpool mehr vor !

    2. Mitte der 90er Jahre wurde aus dem Ingenieur geprägten Hochtechnologieland Deutschland, betriebswirtschaftlich dominierter Aktiengesellschaften mit vierteljährlichen Ergebniszahlen nach amerikanischen Vorbild. Im Ergebnis ist nur noch der deutsche Mittelstand, meist familiengeführt und nicht im 3-Monats Ergebnisrhytmus, weltweit Spitze !
    Im Schlepptau von dieser betriebswirtschaftlich dominierten Führungskultur wurde auch in Deutschland das „Hire and Fire Prinzip“ beim Personal eingeführt. Also ein Projekt ist abgeschlossen, ein Anschlussprojekt ist noch nicht spruchreif, das Personal wird „freigesetzt“. Im Ergebnis fand so in der deutschen Industrie ein unglaublicher „Brain Drain“ statt. Rühmliche Ausnahme ist hier wieder der familiengeführte Mittelstand, der in Generationsfolge denkt und sein Personal entsprechend aufbaut, entwickelt und behält.

    3. Die Übertragung von industriellen, gesellschaftlichen Prinzipien auf die Bundeswehr, oder die öffentliche Verwaltung allgemein.
    Im Zuge dieser „projektorientierten“ Personalpolitik der Industrie wurde dieses Muster, vor allem durch die verschiedenen externen Beratungsfirmen, auf die Bundeswehr übertragen. Im Ergebnis wurde 25 Jahre Standorte geschlossen, Personal vor allem aus der technischen Logistik freigesetzt in der Erwartung man kann jegliche logistische Leistung „just in time“ auf dem Markt einkaufen.

    Für die Marine heißt dies, die Schließung des Marinearsenals in Kiel mit der speziellen U-Boot und Schnellbooterfahrung war ein großer Fehler. Man kann Dienststellen (wie Marinearsenal in Kiel) oder militärische Verbände (wie Hubschraubergeschwader in Rheine) nicht verlegen, soll heißen der größte Teil des Personals geht bei so einer Verlegung, z.B von Kiel nach Wilhelmshaven nicht mit, Erfahrungen von 2000 Mannjahren (z.B. 100 – 200 Angestellte mit durchschnittliche 10 – 20 Jahren Erfahrung im Job), in der speziellen Marinelogistik gehen ersatzlos verloren. Das Personal verliert sich im Orbit der Gesamtorganisation der Bw (z.B. wenn der Nachprüfer für technische Systeme oder der Dockchef im Range eines OStFw anschließend der Fw für Reservistenangelegenheit in der Region wird, damit er nicht versetzt werden muss).

    Erst in jüngster Zeit hat aufgrund des Demografieproblems ein Umdenken stattgefunden. Man kann aber die nicht erfolgten Einstellungen von Personal in den letzten 20 Jahren nicht nachholen. Denn dieses Personal wäre nun aufgrund des Verwendungsaufbaus in den entscheidenen Positionen angelangt. Dabei kommt das eigentliche Demografieproblem auf die Bw erst noch zu. Die Baby-Boomer Gerneration endet mit dem Geburtsjahr 1965. Als Soldat gehen sie mit 55 – 60 Jahren, also die technischen Offiziere in der Masse ab 2020 und die Ingenieure des Marinearsenals und des BAAINBw mit 65 Jahren spätestens 2030 in Ruhestand. Dann wird es in der technischen Logistik der Bw erst richtig dunkel werden !

  34. @Mitleser:
    Ich stimme Ihnen zu, dass bei uns in der Rüstung vieles, vieles schiefläuft. Ganz fair finde ich den Vergleich aber nun wiederum nicht, weil Rüstung in China zum einen unter ganz anderen Vorzeichen steht, zum anderen die offiziellen Militärausgaben Chinas ungefähr so realistisch sind wie die anderen, finanzbezogenen offiziellen chinesischen Statistiken, bloß eben in die entgegengesetzte Richtung.

    Ich möchte nicht sagen, dass ich froh bin, dass unsere Rüstung so ist wie sie ist, und nicht wie die chinesische, dafür ist erstere derzeit einfach zu schlecht. Letztere sollte aber für uns keinesfalls Ziel und Vorbild sein, sondern wir sollten unser System auf Grundlage westlicher Werte und Stärken reformieren. Für den (allerersten) Anfang bin ich schonmal ganz froh, dass wir wenigstens eine (im Rahmen) offene Diskussion über die Probleme mit unseren Rüstungsgütern führen können. Das ist mir lieber als das Propagandamodell. In China hätte man Herrn Wiegold (und dank – selbst bei Berücksichtigung amerikanischer Dienste – beispielloser Überwachung auch gleich eine ganze Reihe Kommentatoren) wohl schon längst im Wald verscharrt.

  35. @Sailors have alot more fun
    @Mitleser
    Nüchtern betrachtet.
    Der chinesische Aufrüstungsprozeß in Marine ist wirklich beeindruckend.
    Gründe für den schnellen Aufwuchs liegen im politischen Willen zum Bau der Schiffe, einer ergebnisorientierteren Planung, was man an den relativ kurzen Entwicklungs- und Bauzeiten der Schiffe erkennen kann, sowie den Fähigkeiten der dortigen Industrie.

    Vorsichtig ausgedrückt:
    Die Werftkapazitäten sind sind gegenüber Deutschland gigantisch und die Losgröße der einzelnen Baureihen ist nicht vergleichbar. China hat innerhalb von 10 Jahren 30 Fregatten des Typs 054A in Dienst gestellt, circa 40 Korvetten, obengenannte Zerstörer und verschiedene U-Bootklassen, wobei eine kontinuierliche Neuentwicklung weiterer Typen erfolgt. Dazu kommt noch der zivile Schiffbau, der mehr als ein Viertel der Weltproduktion beinhaltet. Die Dalian Shipbuilding Industry Company allein beschäftigt 15000 Mitarbeiter und besitzt riesige Werftgelände und Dockanlagen. Ähnliche Kapazitäten der Industrie gibt es in Deutschland nicht.

  36. Ich kann mir die Frage nicht verkneifen, ob die Halterung auf dem MG5-Bild vom Hersteller für Tassen gedacht war, oder ob da was anderes rein sollte?

  37. Beruhigend ist jedenfalls, dass die Versorgung der MG-Schützin mit Kaffee und Apfelsaftschorle funktioniert.
    Was geben wir nur für ein Bild ab ?!

  38. Ja, die chinesischen Zahlen mögen prima facie beeindrucken, aber die Frage ist natürlich, was am Ende dort an Fähigkeit rauskommt und was die einzelnen Schiffe qualitativ zu leisten im Stande sind. Ohne das chinesische Qualitätsmanagement genau zu kennen, würde es aber natürlich schon reichen, wenn die Schiffe zwar nicht „super“, aber eben „gut genug“ sind. Dann ist mit Masse auch schon richtig was anzufangen.

    Aber was den Zustand der Streitkräfte und der Rüstungsindustrie betrifft, kann auch ein Blick in die Statistiken des weltweiten Vergleichs vielleicht einen Einblick bieten, was da vielleicht schief läuft:

    Russland ist nach dem Human Capital Report 2015 des Weltwirtschaftsforums inzwischen das Land, in dem am meisten (nämlich gut 454.000) Ingenieure ausgebildet werden, für China und Indien fehlen Daten, deshalb waren die hier nicht auf dem Schirm, aber die Zahlen dort schätze ich noch höher ein. Die USA sind mit etwas unter 238.000 Absolventen Zwoter und danach kommt mit knapp 234.000 schon der Iran! Japan und Südkorea folgen, dann Indonesien, Ukraine, Mexiko, Frankreich und Vietnam. Deutschland ist da nicht in den Top Ten vertreten, dafür aber im Spitzenfeld bei der Betrachtung des Anteils inaktiver Menschen mit höherem Bildungsabschluss im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. (Quelle: http://reports.weforum.org/human-capital-report-2015/infographics-and-shareables/)

    Da dauert es halt eben, bis man entsprechende Ergebnisse hat, wenn eine Fregatte Upgrades bekommen soll. Qualität wird gottlob immer noch gelebt, aber entsprechend komplex ist die Technik und es fehlt schlicht an der Zahl qualifizierter Menschen.

    Jetzt stellt man sich natürlich die Frage, woher die Motivation kommen soll, Qualität und Quantität der deutschen Rüstungsindustrie zu erhalten. Insbesondere für junge Absolventen der technischen Berufe lautet die Antwort selten „Patriotismus“. Erstens, weil öffentlich vor allem damit gehadert wird, wenn die halbe Welt deutsche Waffen kaufen will; zwotens, weil Patriotismus auch gern schnell in Chauvinismus umschlagen kann, und drittens, weil ein Softwareentwickler oder Ingenieur sich von Patriotismus allein auch nichts kaufen oder ein Haus finanzieren kann. Und deshalb arbeitet man dann am langen Ende dort, wo man am Ende des Monats mehr Scheine auf der Bank hat.

    Und das ist im Regelfall nicht dort, wo öffentliche Aufträge an das Angebot mit dem geringsten Preis gehen müssen, weil fiskalische Zwänge seit Jahren vernünftige Ausschreibungen verhindern oder wo versteckte Subventionspolitik um diverse Kirchtürme betrieben wird.

  39. Den OT „Na gut, sie hat weder Helm noch Weste, aber wieso stehen da Kaffeetassen?“ beenden wir jetzt mal ganz schnell wieder.

    (BTW, solche Kommentare machen zunehmend Fotos aus der Truppe schwieriger – weil es immer Bedenkenträger gibt, die eine leere Saftflasche für schlimmer halten als Ausrüstungsmängel. Wer gerne so ablenken möchte, macht das bitte woanders.)

  40. Das waren dann ja bei unserer alten Lütjens traumhafte Zustände.
    Kann mich nicht erinnern das wir einen Einsatz wg. technischer Defekte absagen mussten.
    Zugegeben: Die Systeme waren halt derart einfach (alt), so das man eigentlich alle Reparaturen durch die bordeigenen Serviceleute erledigen konnte.

    Vielleicht hätte man sie nicht verschrotten sollen… ;)

  41. „Beides soll noch nachgeliefert werden.“

    Ja…. in welcher zukünftigen Transforeformation genau? Dreißig Jahre Friedensdividende und beständige TRansformation, Reform und großer Sprung nach vorn hinterlassen nur noch Zynismus bei mir. Ich bin wirklich mittlerweile froh auch nicht mehr in der Reserve zu sein.

  42. Metallkopf,
    Sie behaupten also mit dem letzten Satz, dass in der Rüstungsindustrie ein Ingenieur weniger (oder sogar zu wenig) verdient, als in anderen Ingenieurssparten (Automobil, Maschinenbau etc.) ?

    Zum Absatz mit den Abschlüssen im Vergleich muss man sich viel tiefer einlesen, als nur die nackten Zahlen zu nehmen.
    Die Zahlen aus „Top 10 countries with the most graduates in Engineering, Manufacturing and Construction“ können extrem unterschiedliche Gründe haben.
    a) Konstruktion bedeutet Bauwesen. Die Zahl an Ingenieuren für Rüstungsbereiche (Maschinenbau/Elektrotechnik etc.) kann man nicht wissen, da zusammengefasst mit Bauingenieuren.
    b) Die Vergleichbarkeit der Abschlüsse (Vorsicht vor dem Wort „Diplom“ – unterschiedliche Abschlüsse in den Ländern) zwischen den Ländern.
    c) Die Wirtschaftsingenieure gehören dazu oder nicht dazu? – siehe b)

    Ich selbst bin nicht in den Rüstungsbereich gewechselt, obwohl ich großes Interesse an dieser Technik besitze.
    Ein paar moralische Fragen muss man sich selbst im Vorfeld stellen und ich kam für mich zum Schluss, dass exportierende Rüstungsindustrie (weltweit) nichts für mich ist.

    Zur Marine allgemein.
    Vielleicht wäre weniger auch mehr. Das setzt aber Admiräle mit Rückgrat voraus und dann Politiker, die das duchsetzen.
    Man muss sich in Deutschland vielleicht fragen, ob man nicht mit weniger Schiffen (und damit auch weniger Fähigkeiten) auskommen MUSS. Alles andere ist doch in die Tasche lügen, weil nichts wirklich richtig funktioniert.
    Die Brandenburg wäre doch im spontan eintretenden Verteidungsfall überhaupt nicht einsatzfähig oder mehr ein schwimmender Sarg.
    Hätte man jetzt aber weniger Schiffe (bei gleichbleibender Dockkapazität), dann wäre die Instandhaltung einfacher.
    Stattdessen gibt es neue Korvetten, für die man wieder Matrosen finden muss und Werftkapazitäten freihalten muss. Also am Ende wieder 20 Schiffe mit 50 % Einsatzfähigkeit, statt 10 Schiffe mit 95 %.

  43. Wer jetzt noch gegen ein 2. Marinearsenal in gleicher Grössenordnung, (1.750 Mitarbeiter), wie in Wilhelmshaven wettert, wie ein Herr Otte, der hat vieles nicht verstanden. Mit einem 2. Marinearsenal, bekäme man weitere Dock-Kapazitäten. Meinetwegen könnte man ein 2. Marinearsenal entweder in Wismar aufbauen, zeit-gleich müsste man dann die ehem MV Werften zu 60% aufkaufen. Oder man baut eines in Rostock auf, plus weitere, kleinere Kapazitäten in Kiel, um dort U-Boote instandsetzen zu können.

  44. @bw-interssierter
    Es gibt bereits konkrete Pläne. Die Außenstelle des MArs, sprich Kiel, wird die Hege und Pflege des 2. Loses der Korvetten übernehmen. Wäre natürlich ein Witz, wenn sie Schiffe des ersten Loses weiter durch den NOK nach WHV fahren würden. Die U-Boote und z.T. die Mieneneinheiten werden schon jetzt in Kiel betreut. Auch Dockkapazität soll in Kiel wieder geschaffen werden mit einer, wie ich finde, recht sinnvollen Lösung.
    Nun muss nur noch die Infrastruktur, Kajen und Hallen, auf Vordermann gebracht werden…

  45. @ HustHust

    Ihre Auswertung der Zahlen zum Ingenieurmangel in Deutschland lassen aber auch Fragen offen.
    Gehen Sie mal an die Fachhochschule nach Heide, in Schleswig Holstein, einem Landstrich der traditionell dem Schiffbau zugetan sein sollte. Dort finden Sie 5 „Klassen“ BWL-Studenten und 1 Klasse Maschinenbau- / Elektrotechnikstudenten. Auf die Frage was all die BWLer nach ihrem Abschluss machen sollen, geben die Profs vor Ort die etwas zynische Antwort „die werden diplomierte Kioskverkäufer auf Sylt“.

    Zweites Beispiel. Mein Sohn hat ein Gastsemester an der renomierten Georgia-Tech Uni in Atlanta studiert. Bei der Begrüßung wurde von den Profs die Frage gestellt, wer von den Informatikstudenten aus Indien kommt. Nahezu alle Informatikstudenten erhoben sich von ihren Sitzen.

    Das Deutschland ein Problem mit mangelnden „MINT“-Studenten (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaft und Technik) hat, können Sie im Bundesbildungsbericht nachlesen. Also ganz klar Deutschland hat ein Problem mit dem mangelnden Ingenieurnachwuchs.

    Zu ihrer Aussage mit der Konzentration auf weniger Schiffe:
    Zitat:
    „Hätte man jetzt aber weniger Schiffe (bei gleichbleibender Dockkapazität), dann wäre die Instandhaltung einfacher.
    Stattdessen gibt es neue Korvetten, für die man wieder Matrosen finden muss und Werftkapazitäten freihalten muss. Also am Ende wieder 20 Schiffe mit 50 % Einsatzfähigkeit, statt 10 Schiffe mit 95 %.“
    Wenn Sie bei Kriegsschiffen eine Einsatzfähigkeit von 50 – 70 % erreichen, dann haben Sie ihr Ziel erreicht. Dies sind schwimmende High-Tech Plattformen, die in jeder Hinsicht auf Maximalleistung am Rande des technisch Machbaren gebaut wurden. Von einem Formel-1 Wagen erwarten sie auch nicht, dass er 100 000 km bis zur 1. Inspektion durchhält !

  46. China hat heute zum Nationalfeiertag 580 Panzer und Waffensysteme und 160 Flugzeuge paradieren lassen. Also gleichzeitig, am selben Tag.

    Wieviele unserer Panzer und Flugzeuge können wir noch mal an einem Tag und möglichst zur selben Stunde fahren bzw. fliegen lassen? Abgesehen mal von der Anzahl im Bestand überhaupt…

    /sarc
    Falls jemand ein paar Augen findet – bitte im Verteidigungsministerium abgeben. Die sind dann wohl unserer Verteidigungsministerin ausgefallen.
    /sarc off

    Politischer Wille. Das ist der Dreh- und Angelpunkt. Nicht Trendwenden und wohlfeile Worte.

  47. @T.Wiegold 30.09.2019 um 11:09 Uhr

    > Den OT „Na gut, sie hat weder Helm noch Weste, aber wieso stehen da Kaffeetassen?“ beenden wir jetzt mal ganz schnell wieder.

    Ich wollte tatsächlich nicht die Debatte zum entgleisen bringen. Es ging mir auch nicht darum, den Getränkekonsum zu kritisieren, eher im Gegenteil: Ich finde es großartig, wenn die Einsatzbereitschaft so aufrechterhalten wird. Daher war auch die Frage ernst gemeint, ob das vom Schiffsbau genau so gedacht war. Ich würdem ich freuen, wenn das jemand weiß und mir unauffällig antworten kann. Dankeschön.

  48. @Georg
    „Wenn Sie bei Kriegsschiffen eine Einsatzfähigkeit von 50 – 70 % erreichen, dann haben Sie ihr Ziel erreicht. Dies sind schwimmende High-Tech Plattformen, die in jeder Hinsicht auf Maximalleistung am Rande des technisch Machbaren gebaut wurden. Von einem Formel-1 Wagen erwarten sie auch nicht, dass er 100 000 km bis zur 1. Inspektion durchhält !“

    Von Kriegsmaschinen erwartet man, daß sie robust und zuverlässig sind. Bei der ganzen High-Tech ist die Unzuverlässigkeit sozusagen eingebaut.

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