Früherer TV-Korrespondent Thiels wird neuer Sprecher des Verteidigungsministeriums

Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine weitere Personalentscheidung mit Außenwirkung getroffen: Christian Thiels, derzeit Chefredakteur der Bundeswehr-Medien und zuvor langjähriger ARD-Korrespondent, wird neuer Ministeriumssprecher.
Das bestätigte der 48-jährige gegenüber Augen geradeaus!. Thiels hatte bereits in seiner Zeit als TV-Reporter die Bundeswehr in den Auslandseinsätzen, aber auch die Rüstungspolitik und die Beschaffung intensiv und keineswegs nur zustimmend begleitet. Erst im Februar dieses Jahres hatte er die Chefredaktion der Bundeswehr-Zentralredaktion übernommen. Mit der Berufung zum Ministeriumssprecher als Nachfolger von Jens Flosdorff wird er zugleich Leiter des Presse- und Informationsstabes im Wehrressort.

Thiels, der seit 1996 journalistisch tätig ist und seit 2006 – mit einer vierjährigen Unterbrechung als Chef vom Dienst der ARD-Tagesthemen – im Berliner ARD-Hauptstadtstudio arbeitete, hatte bereits in dem knappen halben Jahr an der Spitze der Bundeswehr-Medien die Berichterstattung intensiviert. Zusätzlich führte er ein, dass bereits vorhandene, aber kaum genutzte Kanäle wie der Twitter-Account von Bundeswehr und Ministerium regelmäßig neues Material über die Streitkräfte verbreiteten.

Künftig wird sein Aufgabengebiet deutlich breiter: Zu den Aufgaben des Leiters Presse- und Informationsstab gehört neben der Tätigkeit als Sprecher der Ministerin auch die Verantwortung sowohl für die klassische Pressearbeit (Informationsarbeit, sagt die Bundeswehr) als auch für die Öffentlichkeitsarbeit und das, was als Arbeitgebermarke Bundeswehr unter anderem mit Videos wie Die Rekruten oder Mali Aufsehen erregt hat – oder mit umstrittenen Werbeaktionen.

Die Angaben in seinem – privaten- Twitter-Account hatte Thiels am Donnerstagabend bereits entsprechend geändert:

(Ehe die Frage kommt, wieso weitere Personalentscheidung: Bereits unmittelbar nach ihrem Amtsantritt hatte Kramp-Karrenbauer die bisherigen Parlamentarischen Staatssekretäre Thomas Silberhorn und Peter Tauber im Amt bestätigt.)

(Archivbild: Thiels, damals noch ARD-Korrespondent, bei der Vorstellung des neuen Sportprogramms für Rekruten beim Panzergrenadierbataillon 401 in Hagenow im Juli 2018)

9 Gedanken zu „Früherer TV-Korrespondent Thiels wird neuer Sprecher des Verteidigungsministeriums

  1. Dann bin ich ja mal gespannt, wie er seine Erklärung zum Einsatz der BW in der Straße von Hormus formuliert.

  2. Ich finde, dass die Ministerin eine gute Entscheidung getroffen, Christian Thiels als ihren Sprecher und Leiter des Presse – und InfoStabes auszuwählen. Er hat ein ausgeprägtes Verständnis über die sicherheits- und verteidigungspolitischen Themen , kennt die Probleme und Vorzüge der Bundeswehr sowohl aus unmittelbarer Nähe als auch mit kritischer Distanz.

  3. Halte ich auch für eine gute Wahl.

    @ t.w. wie stehen sie, bzw ihre zunft denn dazu, dass Journalisten zum ehemaligen Objekt ihrer Berichterstattung wechseln?

    Sieht man das mit Bauchschmerzen?

  4. @wacaffe

    Hm, ich sehe das glaube ich kritischer als die meisten in meiner Branche – wobei in den vergangenen Jahren recht viele Journalisten in solche Jobs gegangen sind, nicht weil sie es wollten, sondern weil die Zahl der Stellen im Journalismus immer weiter reduziert wurde und wird. Und sehr oft waren es sehr gute Kolleginnen und Kollegen, die ich lieber weiter in einer Redaktion gesehen hätte…

    Das heißt jetzt nicht, dass das bei Thiels auch so zutrifft; schon immer gab es solche Wechsel. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Ich bedauere das grundsätzlich, unabhängig von diesem Fall, weil gerade im Themenbereich Verteidigung die Zahl der Auskenner und Interessierten ohnehin gering ist und jeder Wechsel dieser Art ein Verlust für einen – wo nötig auch kritischen – Journalismus ist.
    Aber wie gesagt, meine sehr persönliche Meinung und sicherlich nicht Branchenkonsens.

  5. Ganz sicher braucht jede Regierung/Ministerium auch im Bereich „Presse/ÖA“ höchst qualifizierte (was mEn eine entsprechende Sachkenntnis impliziert!) Kräfte in den eigenen Reihen!
    Und da sind Journalisten, die mit dem Thema vertraut UND durch gute Arbeit (was NICHT heißt „Hofberichterstattung“!) aufgefallen sind, natürlich bevorzugte Kandidaten.
    Gerade im tgl Gegenüber mit (ex-) Kollegen ist das sicher von Vorteil, als wenn ein zwar fachlich kompetenter und sprachlich-rhetorisch versierter aber eben nicht-Journalist, diese Aufgabe erledigt.
    Daß das Fehl solcher Personen, gerade in Zeiten der schwindenden Menge an Journalisten, die aufgrund ihrer „Arbeitsumstände“ journalistisch hervorragende Arbeit zu leisten im Stande sind, schmerzlich ist, ist leider auch nur allzu verständlich!

  6. Ganz bei dir, Thomas!

    Als ich anmerkte, dass ich die Personalie kritisch sehe, ergab das sofort eine Diskussion und man stellte sich schützend vor Thiels. Bei der Kritik geht es mir aber nicht um die Person selbst, sondern um den Weg generell. Es bleibt der fade Beigeschmack von Parteibuch-Journalismus und es wirft für mich ein negatives Licht auf Thiels‘ Berichterstattung zum Themenkomplex in den letzten Jahren.

    Anders und besser wäre, wenn Thiels weiterhin seinen Twitter-Account aktiv hätte und mit Professionalität und journalistischem Verständnis auch Fragen beantworten, sowie Kritik aushalten würde. Nun mit anzusehen, wie ein kompetenter Experte zur „Fragen-Abwimmel-Task-Force“ wechselt, ist nicht schön.

  7. Christian Thiels „Parteibuch-Journalismus“ zu unterstellen und dann auch noch seine gesamte Arbeit der letzten Jahre in Zweifel zu ziehen ist schon ein starkes Stück. Man kann ja gern unterschiedlicher Meinung sein, aber so generell und undifferenziert zu kritisieren, ist nicht gerechtfertigt. Herr Thiels ist in seiner Zeit bei der ARD auch gern mal durch kritische Nachfragen und objektive Betrachtung aufgefallen. Etwas, was man in Kommentaren natürlich nicht machen muss, aber machen könnte.

    Und von vornherein einer neuen Ministeriumsspitze und ihrem Pressevertreter vorzuwerfen eine „´Fragen-Abwimmel-Task-Force´“ zu sein, widerspricht auch der Gepflogenheit, jedem die ersten hundert Tage einzuräumen und dann zu urteilen. Es geht um ein faires Miteinander und nicht um „die Bösen da oben – wir armen Guten hier unten“!

  8. Gratulation! Mit seinem Profil als sicherheitspolitischer Experte, Journalist und Reservist kennt er Kommunikation zwischen Bundeswehr und Gesellschaft sowie beide Empfängerhorizonte bestens und hat zum Glück keine Verwaltungskarriere hinter sich, die dazu nicht erforderlich ist. Zu – Gleich!

Kommentare sind geschlossen.