Nachwuchswerbung: ‚Mit großer Macht kommt große Verantwortung‘

Bei den großen deutschen Automobilkonzernen Volkswagen und Ford droht ein Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen. Am (gestrigen) Donnerstag sahen die Männer und Frauen, die um ihre Jobs zittern, beim Blick in die Lokalzeitung oder vor dem Werkstor Nachwuchswerbung der Bundeswehr. Die, sagen wir zurückhaltend, genau ihre Situation aufgreifen sollte.

Zu dieser Art der Werbung für eine Zielgruppe, die Angst um ihre wirtschaftliche Existenz hat, ist einiges zu sagen. Ich mache das an dieser Stelle mal nicht selbst, sondern gebe dem Bendler-Blogger das Wort: Der war Offizier (Fallschirmjäger und OpInfo), vor allem aber ist er jetzt ziviler PR-Profi und kann diese Aktion nicht nur aus seiner Kenntnis der Bundeswehr, sondern auch aus der Sicht der professionellen Kommunikation einordnen:

Die Bundeswehr sucht Personal. Dringend. Mancher sagt sogar: verzweifelt. Nach dem Aussetzen der Wehrpflicht hat die Truppe deshalb die Investitionen in die Nachwuchswerbung deutlich erhöht. Auf (fast) allen Kanälen versuchen die Werber den Dienst in den Streitkräften attraktiv zu machen. Dabei setzen sie auch auf unkonventionelle Maßnahmen – und treten dabei regelmäßig in den Fettnapf. Ob bei der Internet-Konferenz re:publica, der Spielemesse Gamescom oder jüngst vor den Werkstoren von Ford und Volkswagen, das Kernpublikum und vor allem die Verantwortlichen der jeweiligen Veranstaltungen, zeigten sich, nun ja, nicht wirklich begeistert.

Nun lässt sich über Geschmack bekanntermaßen trefflich streiten. Weil das aber in der Regel nicht über die Verfestigung der eigenen Meinung hinausweist, möchte ich kurz die kommunikative Mechanik hinter diesen Aktionen beleuchten. Dann werden nämlich Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich, die helfen können, die jeweiligen Reaktionen besser zu verstehen.

In allen drei Fällen setzt die Bundeswehr auf Provokation. Das ist einfach, das ist billig, und die Aufregung im medialen Wassserglas ist Teil des Kalküls, wenn nicht sogar das vorrangige Ziel. Daraus ergeben sich gleich drei Probleme.

Erstens: Provokation nutzt sich ab. Wer ständig hier, hier, hier schreit, den nimmt das Publikum irgendwann nicht mehr ernst. Die Folge: man schreit lauter. Damit wächst die Gefahr, über das Ziel hinauszuschießen.

Zweitens: Man instrumentalisiert Menschen. Wenn von vorneherein die mediale Wirkung das eigentliche Ziel ist, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Veranstaltungen nicht das Publikum der Kommunikation sondern bilden nur den Resonanzraum. Wer behauptet, Menschen erreichen zu wollen, muss aber mit ihnen sprechen, nicht über sie. (Eine Forderung, die übrigens Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr zu Recht immer wieder erheben, zuletzt anlässlich des umstrittenen Antrags der Berliner SPD, die Bundeswehr de facto aus dem schulischen Kontext auszuschließen).

Drittens: Der Ton macht die Musik. Eine große, wenn nicht gar die größte Kunst in der Kommunikation ist es, den richtigen Ton zu treffen. Ein Großteil unserer Wahrnehmung läuft unbewusst ab. Wir sind Meister darin, Dinge zwischen den Zeilen wahrzunehmen. Sie wirken, ohne dass wir immer sofort verstehen, warum. Zur Angemessenheit gehört dabei auch immer Respekt.

Wie wirken diese drei Faktoren nun angesichts der aktuellen Aktion in Köln?

Die Provokation hat gewirkt – allerdings hat sie nicht nur mediale Aufregung ausgelöst, sondern kritische Stimmen von Menschen, die der Bundeswehr grundsätzlich wohlgesonnen sind. Das kann bzw. sollte nicht die Wirkunsgabsicht sein.

Die Instrumentalisierung ist deutlich geworden. Nicht die Menschen, die um ihren Arbeitsplatz fürchten, waren das Publikum, sondern die Beobachter des Dramas. Wäre es der Bundeswehr um die Menschen im Werk gegangen, hätte sie die Bitte des Personalchefs respektiert, auf diese Werbung zu verzichten und wäre stattdessen in konstruktive Gespräch gegangen, von denen die Öffentlichkeit zunächst nichts mitbekommen hätte. Um wieviel wirkungsvoller und positiver wäre eine Geschichte gewesen, bei der die Bundeswehr Menschen eine Perspektive gibt? Und: wenn die Bundeswehr bereit ist, für ein bisschen Fame die Ford-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu instrumentalisieren, wie weit geht sie dann mit ihren eigenen?

Es fehlt den Nachwuchswerbern der Bundeswehr an Respekt. Wer, wie in Köln, mit dem Logo eines Unternehmens spielt, das weltweit mehr als 200.000 Menschen beschäftigt (oder im Fall von VW mehr als 600.000), beschädigt auch sich selbst. Was als Guerillataktik für AdBuster angemessen ist, ist es für den Goliath Bundeswehr nicht, zumal man sich selbst gerade um sein Corporate Design bemüht. Auch die unsesnsible Nutzung des Claims „Mach, was wirklich zählt.“ ist in diesem Kontext völlig unangemessen, denn es relativiert die Lebensleistung der Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter der Ford-Werke.

Warum handelt die Bundeswsehr also trotzdem so? Meine Spekulation: Die Erfolge in der Nachwuchswerbung, für die die Bundeswehr zu Recht einige Kommunikationspreise gewonnen hat, haben dazu geführt, dass den Verantwortlichen ein Korrektiv fehlt. Sie sind von ihren Erfolgen besoffen. Es fehlt ihnen an Führung. Und weil sich bislang im Bendler-Block niemand dafür v erantwortlich fühlt, diese den jungen Kommunikations-Padawanen angedeihen zu lassen, habe ich hier mal ein Weiterbildungsvideo herausgesucht. Vielleicht schafft es es ja in die Morgenlage.

Die entsprechende Instagram-Einträge auf dem Account BundeswehrKarriere wurden bereits gestern entfernt; die beteiligten Nachwuchswerber feiern auf ihren persönlichen Accounts die Reaktionen in den sozialen Netzwerken dennoch als Erfolg.

Nachtrag: Auf der Facebook-Seite Bundeswehr Karriere wird die Aktion weiterhin beworben:

(Danke an den Bendler-Blogger für die Erlaubnis, das auch hier einzustellen; der dauerhafte Link zu seinem Eintrag hier.)

(Foto oben: Ford Köln; Grafiken vom Instagram-Account BundeswehrKarriere; Foto Ausriss Kölner Express: Anne Schüssler)

97 Kommentare zu „Nachwuchswerbung: ‚Mit großer Macht kommt große Verantwortung‘“

  • Bold   |   06. April 2019 - 2:01

    Abseits der Frage, ob konkrete Aktionen gelungen sind oder nicht und welches Medium wie geschickt ausgenutzt wird, stelle ich mir folgende Fragen:
    Wen will man damit erreichen, wen erreicht man tatsächlich und mit welchen Vorstellungen bzw. unter welchen Voraussetzungen treten die Leute dann den Dienst an?
    Wie hoch ist angesichts irreführender Werbung oder gar „Rekrutierungs(not)lügen“ nach amerikanischem Vorbild die Abbrecherquote und die Zahl derer, die ziemlich flott zur sog. inneren Kündigung gelangen?

    Langfristig bekommt man gutes, „bleibewilliges“ und auch sonst motiviertes Personal nur durch Transparenz schon im Vorfeld. Und durch ein ehrlich nach außen transportiertes Selbstbild. Das setzt aber voraus, dass dieses Bild für die Zielgruppe attraktiv ist und da stelle ich fest, dass es am „Markenkern“ nach wie vor deutlich mangelt; nicht nur in Sachen Material, sondern – mMn viel schlimmer – bei der Diskrepanz zwischen dem Anspruch Innere Führung, Auftragstaktik und eigenverantwortliches Handeln auf der einen und der Wirklichkeit Bürokratie, Mikromanagement und ständiges Führungsversagen auf der anderen Seite.

    Zu diesem schlechten Eindruck passt Georgs Beitrag bez. „hire and fire“-Mentalität leider nur zu gut. So schafft man keine „Trendwende Personal“ und erst recht keine „Trendwende Motivation“.

  • Closius   |   06. April 2019 - 9:34

    Ford bekommt es seit Jahrzehnten nicht hin, Autos für den europäischen Markt zu produzieren, verliert seit langem Marktanteile und jetzt soll Personal rausgeschmissen werden. VW hat mit der Dieselaffäre Millionen von Autokäufern betrogen und anstatt den Vorstand oder Ex-Vorstand zur Verantwortung zu ziehen, sollen die Kosten der Dieselaffäre jetzt durch den Rausschmiß von Personal wieder rein geholt werden.

    Wer jetzt auf deren gejammer über die BW-Werbung reinfällt, lenkt von selbstgemachten Problemen der Unternehmen nur ab.

    Die BW-Werbung ist frech, modern und schnell. Tausende von Stellen sind in der BW oder im Beschaffungsamt nicht besetzt. Da ist es gut, daß die BW direkt die Betroffenen darauf hinweist, daß die BW Personal sucht, im zivilen und militärischen Bereich.

    Natürlich kann das Angebot nicht allen Helfen, die dort rausgeschmissen werden sollen, weil mache zu alt sein werden, um noch Soldat zu werden und wer nur am Band gearbeitet hat, ohne große Ausbildung, für den gibt es vielleicht keine Stelle in der BW. Aber qualifizierte Mitarbeiter von VW oder Ford könnten sicherlich für die Instandsetzung in der Truppe, für die HIL GmbH oder fürs Beschaffungsamt gebraucht werden. Und diese wissen jetzt, daß es eine Alternative geben könnte, an die diese – vor dieser Werbeaktion vielleicht nicht gedacht haben.

    Ergänzend wäre noch schön, wenn die BW in der Lage wäre, konkrete Stellengesuche an die Unternehme VW und Ford zu schicken bzw. deren Betriebsrat.

    Diejenigen, die die Wehrpflicht leichtfertig abgeschafft haben, haben es der BW eingebrockt, daß diese jetzt aggressiv werben muss!

    Interessant wäre hier glatt eine Abstimmung auf augen geradeaus zu dieser Werbung mit Altersangabe und vermutlich würden wir feststellen, daß je jünger die Kommentatoren und Mitleser hier sind, umso größer die Zustimmung zu der Werbung und umso älter, umso mehr Bedenken gegen diese Werbung. Allerdings bin ich selbst schon lange Ü30 und trotzdem für diese Werbung.

  • Alex   |   06. April 2019 - 12:18

    @Closius
    Ob die Arbeitsagentur wohl bei der frechen, gar obszönen Sicherheitsüberprüfung mitspielen wird?

    Ernsthaft: Die Werbung sorgt m.E. in erster Linie für mehr als kurzfristige Aufmerksamkeit in den eigenen Reihen.
    @Bold volle Zustimmung!

  • seagull   |   06. April 2019 - 12:58

    @Closius: +1
    Ich kann dem nur zustimmen. Auch innerhalb der Truppe (wenn auch nicht Zielgruppe) kam die Aktion bei U40 jährigen positiv an. Ich halte es im Gegensatz zu den Bedenkenträgern sehr clever, schnell auf solche Stellenkürzungen zu reagieren. Ändern wird die Bundeswehr die Streichungen nicht, aber den letzten ggf. einen Weg aufzeigen, an den die vorher noch nicht gedacht haben. Siehe auch die Werbung bei der Insolvenz von Air Berlin („Flugbegleiter? Jetzt umsteigen“). Damals war in der Presse u.a. von einer „gewieften Imagekampagne“ die Rede.
    Eine Umfrage zur Wirkung bei der Zielgruppe wäre tatsächlich interessant!

  • Nur 2 Cent   |   06. April 2019 - 12:58

    Frech? Eher hämisch. Aber für die empathisch Verkrüppelten, die mir derzeit in der Führung begegnen, mag es frech daherkommen.

    Modern? Ach ja, Polygon, damit ist’s modern-dynamisch.

    Wozu machen die eigentlich solche Werbung, wenn Bedarfsmeldungen für mehr DP mit „bitte zu 100 % kompensieren“ beantwortet werden? Trendwende Personal? Am A….

  • Voodoo   |   06. April 2019 - 13:22

    @ Daniel Lücking

    Ich werde die Bitte des Hausherren berücksichtigen und daher Ihren Vorwurf unbeantwortet lassen.

    @ all
    Ich frage mich, warum alle meinen, dass diese Kampagne in der Zielgruppe eingeschlagen hat? Als jemand der täglich mit jungen Menschen arbeitet, darf ich sagen, dass sich zumindest in meinem Umfeld niemand damit beschäftigt bzw. sie wahrgenommen hat. Ich möchte nochmals darauf hinweisen: Im Umfeld der mir bekannten (Berufs-)Schulen ist die Bundeswehr in all ihrer Vielfalt nur rudimentär von Interesse, da sie nach Meinung junger Menschen aufgrund von Stationierungsort / Tätigkeit / Einsätze / negative Schlagzeilen über Ausrüstung nicht attraktiv genug ist. Daran ändert auch tolle Werbung nichts, selbst wenn Marketingprofis dies behaupten mögen.

  • Johannes Clair   |   06. April 2019 - 17:11

    @Sascha Stoltenow:

    Zu 1: Mir ging es nicht um das Gegenüberstellen von Wirkmechanismen des Schlagabtausches zwischen Bundeswehr und Bundeswehrgegnern. Ich bezog mich allein auf die gezeigte Argumentation „nutzt sich ab“ und habe diese durch mein Beispiel entkräftet.

    Zu 2: Ich bin mir bewusst und habe es nie bezweifelt, dass die Arbeit des Soldaten oder der Soldatin in der breiten Bevölkerung attraktiv erscheint. Das zeigen die Umfragen sehr deutlich. Deshalb habe ich den Begriff „sicherheitspolitische Debatte“ gewählt, der ein gänzlich anderes Thema zum Inhalt hat. Eine solche Debatte war lange Jahre in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit inexistent. Durch die Finanzierungsproblematik kann da seit ganz kurzer Zeit ein Beginn einer solchen Debatte beobachtet werden.
    Mein Argument war also lediglich (und habe ich auch so geäußert): Wenn solche (hier diskutierten) PR-Maßnahmen zu einer solchen Diskussionsbildung beitragen, halte ich das für einen aus meiner Sicht sehr wünschenswerten Synergieeffekt.

    Das trifft dann Punkt 3. Ich vermag derzeit nicht zu sagen (kann es möglicherweise nie), inwieweit dies intern evaluiert wird und ob es zu mehr Bewerberzahlen führt. (Was die Bewerberzahlen angeht, kann das vermutlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt (noch) niemand sagen.)
    Ich lese nur, dass versteckt der Vorwurf geäußert wird, dass nicht evaluiert wird, was erstmal nur eine Behauptung ist. Wenn sich darauf die Gesamtkritik maßgeblich stützt, halte ich das für wenig zielführend.
    Im Umkehrschluss könnte ja die Annahme bestehen, dass die gezeigte Strategie der PR Arbeit der BW komplett durchdacht und jederzeit absichtlich genau so erfolgt. Dies kann und darf selbstverständlich kritisiert werden. Wer aber anbringt, dass dies „besoffen“ sei, verlässt mMn den Pfad der reinen Analyse und bringt an solcher Stelle persönliche Gefühle in einer generellen Kritik unter, die durch die versteckten persönlichen Gefühle mMn nicht unbedingt gestützt wird.

  • Johannes Clair   |   06. April 2019 - 17:24

    @all – Klarstellung

    Da ich noch nicht auf D. Lückings Einlassungen bezüglich meiner Person reagieren konnte, möchte ich trotz (und im respektvollsten Maße) für Thomas‘ Wunsch, eines kurz klarstellen. Denn ich finde, dass man einerseits Kommunikationsspiralen durchbrechen, aber gleichzeitig nicht immer jeden mit seinen Einlassungen und persönlichen Angriffen gewähren lassen sollte:

    -Selbstverständlich wurde und werde ich niemals und zu keiner Zeit von der Bundeswehr oder einer anderen Institution geschickt, beauftragt oder anderweitig instruiert, gedrängt oder genötigt, etwas in deren Sinne öffentlich zu verlautbaren.
    Wer meine öffentlichen Statements kennt weiß überdies sehr genau, dass auch der Vorwurf des „überall Jammerns nach Anerkennung“ (entgegen D. Lückings Falschbehauptung) nicht zutrifft (interessanterweise hatte er sich hier im Forum dagegen sogar selbst als sofortiger Interviewpartner im Thema dargestellt…).

    Und dass er augenscheinlich gern Forderungen an andere nach Berücksichtigung seiner Meinung und Haltung formuliert, dagegen aber anderen deren Recht zur Meinung oder Äußerung abzusprechen sucht, haben @Vodoo und @Wa Ge bereits angesprochen.

  • Left Blank   |   06. April 2019 - 20:58

    @Closius
    „Ford bekommt es seit Jahrzehnten nicht hin, Autos für den europäischen Markt zu produzieren, verliert seit langem Marktanteile und jetzt soll Personal rausgeschmissen werden. VW hat mit der Dieselaffäre Millionen von Autokäufern betrogen und anstatt den Vorstand oder Ex-Vorstand zur Verantwortung zu ziehen, sollen die Kosten der Dieselaffäre jetzt durch den Rausschmiß von Personal wieder rein geholt werden.“

    Die Bw bekommt es seit Jahrzehnten nicht hin, zur Verfügung gestelltes Geld abzurufen, verliert Vertrauem in der Bevölkerung und jetzt soll mit Schockwerbung Personal geworben werden. Das BAAINBw hat mit der GF-Affäre alle Steuerzahler betrogen (wie VW) und anstatt Prozesse zu ändern soll der Steuerzahler mehr Geld zur Verfügung stellen.

    Merken Sie was? Internationale Unternehmen und die Bw lassen sich nicht vergleichen.
    Aber, an was die operativen Ebenen bei beiden leiden, sind schlechte Politiker/Management Entscheidungen.
    Die Dieselaffäre wäre nicht passiert, wenn unsere Politiker in der EU die Abgaswerte nicht immer verweichlicht hätten.
    Wenn das KBA seiner Aufgabe nachgekommen wäre. GF = Prüfer der GF.

    Beide Automobilhersteller sind größere Tanker als die Bw, bekommen aber Kurswechsel schneller hin.
    Würde die Bw sich ein wenig öffnen und von ihrem „Sonderstatus“ herunterkommen, könnte sie lernen.
    In Bezug auf Zulieferverträge/-steuerung, Logistik, Kommunikation….
    Bw und Automobilhersteller sind im Hauptprozess im PLM unterwegs.

    Es ging um Werbung:

    Schockwerbung ist mal OK. Zu oft angewandt, nutzt sie sich ab.
    „Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst“ fand ich noch gut.
    Wenn’s auch gelebt wird, umso besser.
    „Job Fort“ finde ich geschmacklos und einer Behörde nicht würdig.
    Selbige Behörde würde bei umgekehrten Vorzeichen nicht so ruhig reagieren wie die Automobilhersteller.

    Langsam macht mich das hysterisch Geschrei nach Personal, auf mil. wie ziv. Seite, stutzig.
    Bei fast gleichbleibendem BIP. Sind wir zu effizient?.

  • asplen   |   06. April 2019 - 21:05

    Und als Letzter laufe ich jetzt auch noch ins Ziel.

    Die Kampagne ist genauso zum fremdschämen wie der LKW und die zugehörigen Falschverlautbarungen bei der re:publica.

    Oh toll…Aufmerksamkeit um jeden Preis…Leute, die sowieso schon gegen uns sind, provozieren…wir sind ja ein richtig kecker Haufen.

    Dann kommt der Bewerber bei uns an und darf erstmal nicht in den Kraftraum, weil er keine Kraftraumzugangsberechtigungskarte hat, die man nur 2 mal pro Jahr bekommen kann, wenn der Sportbeauftragte zufälligerweise Zeit für eine „Kraftraumeinweisung“ hat. Das Ritual wiederholt sich in jedem Standort, den man betritt.

    Nach 3-5 Jahren stellt der Bewerber fest, dass er sich in seiner „Tätigkeit“ zu Tode langweilt, weil alle interessanten Aufgaben nur durch Firmen und Berater erledigt werden dürfen.

    Eine bundeswehr-interne Veränderung muss also her. Der Laufbahnwechsel ist nicht ganz so ergebnisoffen wie bei externen Bewerbern, weil isso. (Jaja, Eignung, Leistung, Befähigung…bla bla) Die Versetzung geht auch nicht durch, weil man nicht in der gleichen Fahrgemeinschaft wie der Perser ist und der Chef einen nicht mag.

    Bei 2000 netto aufwärts für wenig Arbeit findet man sich schlussendlich mit seiner Situation ab und verrottet auf seinem Dienstposten bis DZE, weils halt bequemer ist, als jede andere erdenkliche Option.

    Muss die Polizei solche peinlichen Kampagnen fahren? Nicht dass ich wüsste. Und ganz ehrlich – man belehre mich mit Daten und Fakten eines Besseren – die haben mit Ausnahme weniger bw-spezifischer Ausreißer im Schnitt ein deutlich höheres Risiko und ähnliche Belastungen wie wir.

    Zum Dienstschluss hat man regelmäßig nicht den Eindruck, dass man in den letzten 9 Stunden die Gesellschaft mit seiner Tätigkeit in irgendeiner Form bereichert hat, wenn nicht gerade eine Naturkatastrophe mit Manpower betreut werden muss. Vielleicht sollte man da mal ansetzen anstatt wahrscheinlich Millionen für peinliche Werbekampagnen zu verpulvern. Dann löst sich das Problem aufgrund positiver Mundpropaganda von selbst.

    Weils gerade in Mode ist, auch noch mein Senf zu Herrn Lücking: Unabhängig vom Inhalt und ob ich den immer gut finde oder nicht bieten seine Beiträge eine andere und überwiegend sachliche Perspektive.

    [Zum letzten Absatz: Ich hatte darum gebeten, diesen OT nicht weiter zu verfolgen. T.W.]

  • Landmatrose   |   06. April 2019 - 22:08

    @ Johannes Clair: +1!
    Persönliche Meinung: Erinnert jetzt etwas an Sixt-Werbung, ist Geschmackssache. Aber mann kann da auch mal die Kirche im Dorf lassen. Im Bereich PR ist die BW derzeit aktiv, agil, kreativ, probiert aus, und machmal geht eben vielleicht auch was leicht daneben (bisher ohne das es jetzt wirklich schlimm wehtut). Ich würde es ja ganz schön finden wenn dieser gedankliche Ansatz sich in vielen vielen anderen Bereichen der BW finden würde.

    Wenn die Aktion nun in Bausch und Bogen zu verdammen sein sollte, dann doch lieber Schnarchnasigkeit, Muff und verschämtes Auftreten wie oft geübt? Bitte nicht ;-) Wer vernünftige Fehlerkultur in der BW möchte sollte doch bitte auch von aussen bitte nicht aus einer gefühlten Mücke einen Elefanten machen.

  • Sascha Stoltenow   |   06. April 2019 - 22:55

    @Johannes Clair: Ich verstehe nicht, warum Du meinst, mit dem, was Du schriebst, mein Argument entkräftet zu haben, dass Provokation sich abnutzt. Die Provokationen gegenüber der Bundeswehr zeigen doch genau das. Sie müssen entweder immer krasser werden – Schweinevergleiche, Tierblut etc. – oder sie verpuffen bzw. verPENGen, denn das gleichnamige Kollektiv macht irgendeinen lahmen Käse. Der gleiche Gewöhnungseffekt wird auch bei weiteren Guerilla-Aktionen der Nachwuchswerber eintreten – es sein denn, sie gehen über bestimmte Grenzen.

    Außerdem lässt Du einen wichtigen Aspekt außer Acht. Die Aktionen der Gegner richten sich gegen das, was den Kern des militärischen Dienens ausmacht. Wogegen richten sich die Provokationen der Nachwuchswerber? Weil sie sich nicht explizit gegen das deutsche Volk, inklusive aggressiver Bundeswehrgegner, richten können, weil man das ja gelobt hat zu verteidigen, müssen sie sich gegen irgendwelche Stimmungen richten und Grenzen des Geschmacks überschreiten. Und wenn Du im Zusammenhang mit der re:publica von Aktionen gegen die Bundeswehr schreibst, würde ich gerne mal wissen, was an der Entscheidung der re:publica von ihrer Vertragsfreiheit Gebrauch zu machen, eine Aktion gegen die Bundeswehr sein soll?

    Auch Dein Argument mit der sicherheitspolitischen Debatte ist schwach. Gerede und Empörung über als geschmacklos wahrgenommene Aktionen der Bundeswehr sind substanzlos und eben kein Beitrag zu einer Debatte.

    Schließlich zur Klarstellung: Ich habe keinen Vorwurf geäußert, dass keine Evaluation vorliegt. Mit Blick auf Kennzahlen wie Website-Aufrufe etc. gibt es sie, und wenn das Ministerium die Zahlen nicht schönt, sind diese gestiegen. Das ist schön. Entscheidendn ist aber, ob es der Bundeswehr gelingt, nachhaltig qualifizierte Bewerber zu finden. Das ist umfassender als Anziegen schalten und mit Trucks rumfahren.

    @closius @seagull: Ich wäre auch sehr daran interessiert, mehr darüber zu erfahren, wer die Aktion positiv bewertet und wer sie kritisch sieht. Mein Eindruck (anekdotische Evidenz): Je jünger, je geringerer Status (Dienstgrad/Bildung) und je näher an der Truppe, umso höher die Zustimmung. Sehr schön lässt sich das auf dem Instagram-Profil von Marcel Bohnert und auf dem Facebook-Profil von Johannes Clair nachvollziehen (Bohnert: https://www.instagram.com/p/Bv3OT-rna22/

    Dort macht sich eine aggressive „Wir hier unten, die da oben (Manager, Politiker“-Stimmung breit, die mich zu folgender Hypothese bringt: Eben weil insbesondere die politische Führung den Soldaten nicht genug Anerkennung zu Teil werden lässt, begeistern sie sich dafür, wenn angesichts der teilweise traurigen Realität und der kritischen Berichterstattung zumindest in der Werbung ein positives Bild gezeichnet wird. Marcel Bohnert und die Nachwuchswerbung werden zur Ein-Mann-Anerkennungs-Maschine für die, die sich nicht genug gelobt fühlen. Je weiter Soldatinnen und Soldaten von der Schlammzone entfernt sind, umso suspekter erscheinen diese Artefakte. An der Diskussion wird also wieder deutlich, dass die Truppe vielfach gespalten ist. Ministerin doof, Berater doof, SPD doof, GEW doof, Zivilisten doof, Wirtschaft doof, alle sind Veteranen, auch doof, weil man selbst ja Einsatzveteran ist, alle im Einsatz sind Einsatzveteranen, auch doof, weil man ja selbst Draussi und nicht Drinni war. Ich habe das vor einiger Zeit mal hier beschrieben: http://bendler-blog.de/2017/05/05/die-vielen-bundeswehren-der-ursula-von-der-leyen/

    Was heißt das? Vielleicht ist das eigentliche Publikum der Nachwuchswerbung ja gar nicht der Nachwuchs, sondern die emotional zu kurz gekommenen in der Truppe. Und genau hier liegt der grundlegende Führungs- bzw. Kommunikationsfehler der politisch Verantwortlichen: Sie haben es nicht geschafft, eine überzeugende Erzählung von einer starken Bundeswehr zu etablieren, die solche Kinkerlitzchen wie bei Ford nicht nötig hat.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   07. April 2019 - 9:36

    @Sascha Stoltenow
    Lob und Anerkennung!

  • Rudolf D.   |   07. April 2019 - 11:21

    Zur Frage, ob sich die Zielgruppe angesprochen fühlt:

    Ich bin 24, gelernter Industriemechaniker und finde die Aktion nur peinlich.

    -Jeder der vor einigen Jahren eine Ausbildung gemacht hat und seitdem in der freien Wirtschaft arbeitet, dürfte um das Angebot der Bundeswehr gewusst haben. Entweder man hat das Thema direkt verworfen und sich nicht näher damit beschäftigt, oder hat sich nach genauerem Hinsehen dagegen entschieden. Dass sich jetzt noch einer von der Bundeswehr abholen lässt, scheint mir doch zweifelhaft (zumindest mit solchen Aktionen).

    -Auch das Aufzeigen einer Alternative bei betriebsbedingter Kündigung dürfte bei der derzeitigen Situation auf dem Arbeitsmarkt wenig Früchte tragen. Vom Logistiker bis zum Ingenieur werden derzeit alle Fachkräfte händeringend gesucht. Da brauch es nicht viele Bewerbungen um eine neue Stelle zu finden (das gilt meiner Meinung nach mittlerweile durchaus auch für ältere Arbeitnehmer, die vor 10 Jahren noch in die Röhre geguckt hätten).
    Erschwerend kommt hier hinzu, dass der Bewerbungsprozess bei der Bundeswehr zu lange dauert. Bis zum 2ten Termin im Karrierecenter und dem damit verbundenen Versand der Bewerbungsunterlagen gehen schon mal einige Monate ins Land (eigene Erfahrung. Bis dahin bin ich schon längst bei einem neuen Arbeitgeber unter gekommen.

  • MA   |   07. April 2019 - 11:27

    @ Sascha Stoltenow | 06. April 2019 – 22:55

    „Ich wäre auch sehr daran interessiert, mehr darüber zu erfahren, wer die Aktion positiv bewertet und wer sie kritisch sieht. Mein Eindruck (anekdotische Evidenz): Je jünger, je geringerer Status (Dienstgrad/Bildung) und je näher an der Truppe, umso höher die Zustimmung.

    Absolute Zustimmung, auch wenn hier „nur“ der geringe Status/das niedrige Bildungsniveau angesprochen wird. Die Feststellung könnte auch noch mit „Dumpf-/Stumpfheit“ etc. ergänzt werden.

    Interessant auch zu sehen, dass Menschen im höheren Status und formell besserer Bildung (nicht nur bei diesem Thema) der Mut fehlt zu ihrer Meinung zu stehen, wenn Vorgesetzte eine andere haben.

    Als jemand der an einem betroffenen Ford Standort lebt und dient, kann ich Ihnen versichern, dass diese Art der Werbung in der Bevölkerung nicht als (positive) Werbung für die Bundeswehr wahrgenommen wird.

    Auch wenn sich dort gar nicht zu wenige Soldaten als Bundeswehr „Elite“ ansehen, ordnet die Bevölkerung dies sehr pragmatisch ein:

    A.) Die Bundeswehr bringt zusätzliche Arbeitsplätze etc..
    B.) Die Kinder/Enkel/Verwandte etc.:
    – die nicht bei zivilen Arbeitgebern (selbst bei Ford am Montageband) untergekommen sind und
    – für die eine Verwendung im öffentliche Dienst etc. in weiter Ferne liegt, werden eben „Fachkraft“ Bw.
    C.) Die „formell“ schlauen und im Status besser gestellten sind besser bei der Bw als Manager im zivilen.

    Und die Einsatzerfahrenen Soldaten die in der Lage sind ihre Erfahrungen (auch im Gefecht/ Feuerkampf etc.) zu reflektieren sagen zu dem letzten Punkt noch: „Wenn es knallt, sind die geilenTypen sowieso alle weg.“

  • asplen   |   07. April 2019 - 11:33

    Landmatrose | 06. April 2019 – 22:08

    Ich würde es ja ganz schön finden wenn dieser gedankliche Ansatz sich in vielen vielen anderen Bereichen der BW finden würde.

    Genau das ist doch der Punkt. Nach Außen hin wird etwas kommuniziert, das innen durch den allgegenwärtigen Mief längst vergangener Jahrzehnte zunichte gemacht wird.

  • Sascha Stoltenow   |   07. April 2019 - 14:16

    Ich habe den Gedanken noch mal etwas weiter gesponnen:

    ADHS, oder die Anerkennungs-Defizit-Hyperaktivitäts-Strategie der Bundeswehrnachwuchswerbung

    http://bendler-blog.de/2019/04/07/adhs-oder-die-anerkennungs-defizit-hyperaktivitaets-strategie-der-bundeswehrnachwuchswerbung/

  • MA   |   07. April 2019 - 16:26

    @ Sascha Stoltenow | 07. April 2019 – 14:16

    Selbst bei „Provokanter“ Werbung ist gerade diese Aktion zu kurz gedacht.
    Bei den gleichen Ford-Managern/Betriebsräten wird gleichzeitig darum geworben, Reservisten öfter bzw. länger für Wehrübungen etc. freizustellen.

    Bei all den klugen Köpfen in der Bundeswehr passieren immer wieder diese schrecklichen Unfälle beim Denken.

    Aber so ist das, wenn es nur noch um das Erreichen von Zahlen geht. Den Rest kann man sich in gewohnter Weise und schicken Wortkreationen schönreden.

  • 0815   |   07. April 2019 - 16:50

    Nochmals zur Thematik Automobilhersteller und der Bw Nachwuchswerbung.

    In der Regel sind die Arbeiter dort mehr oder weniger „technisch“ eingesetzt. Ob am Fließband oder nicht.
    Was will diesen Menschen die Bw nun bieten und vor allem wo? Am Beispiel Ford, VW oder Opel lässt sich das m.E. sehr gut vormachen. Wo um aller Himmels Willen sollen die Menschen eingesetzt werden? In einem dieser „aufgelösten“ Instandsetzungs- und Logistikbataillone. Von denen gibt es wie viele (?) an den Beispielhaften Standorten Kassel/Baunatal, Köln,Bochum, Rüsselsheim, Hannover oder gar Wolfsburg. Nur um mal so einige zu nennen.

    Vollkommen Hirnrissig das ganze.
    Denn am Ende stehen diese vor Ort auch vor den alltäglichen Problemen der Truppe….

    @Rudolf D. | 07. April 2019 – 11:21
    “ Bis zum 2ten Termin im Karrierecenter und dem damit verbundenen Versand der Bewerbungsunterlagen gehen schon mal einige Monate ins Land (eigene Erfahrung. Bis dahin bin ich schon längst bei einem neuen Arbeitgeber unter gekommen.“

    Genau da liegt das Problem. Habe ich einen guten FWDL’er der auch länger machen will, verliere ich Zeit und meist auch den Mann weil es entweder Monate dauert oder der freie DP durch einen anderen externen Haubentaucher von oben besetzt bekomme.
    Hierzu muss die Personalführung und Nachwuchsgewinnung (bis zu einem bestimmten Grad) zurück in die Hände der Truppe.
    Hab ich einen guten Mann, verliere ich ihn meist durch den Wasserkopf und die ausufernde Bürokratie der Nachwuchsgewinnung.

    Aus der Schlammzone betrachtet eine absolute Katastrophe.

  • Ha-Wa   |   07. April 2019 - 17:23

    Verstehe nicht warum diese Geschmacklosigkeit seitens der BW als „Generationenfrage“ von einigen dargestellt wird.

    Bin selbst U30 und ich stimme hier Herr Stoltenow und Frank Sauer aus dem Podcast zu: Die BW hat nicht aktiv um die gekündigten Mitarbeiter geworben, sondern diese als Resonanzkörper benutzt um Reichweite und Aufmerksamkeit zu generieren (Bild etc.).

    Natürlich darf man nicht den Fehler machen und mit alten Kamellen versuchen junge Leute zu werben, allerdings darf man auch nicht jegliche Contenance und Ernsthaftigkeit vermissen lassen, man ist nämlich kein hippes Unternehmen, sondern die Streitkraft eines Staates.

    Alles in allem mal wieder ein großer Fettnapf in den man getreten ist. Ich Frage mich dennoch wer beim Social-Media-Team für die Dienstaufsicht zuständig ist. Anscheinend reicht ein Major i.G. nicht aus, um reflektierte aber zielgruppenorientierte Werbung zu publizieren.

  • Johannes Clair   |   07. April 2019 - 18:27

    @Sascha Stoltenow:

    Das die sicherheitspolitische Debatte in der letzten Zeit an Fahrt aufgenommen hat und zum ersten mal überhaupt (von mir) zu beobachten war, dass in den Medien Fragen gestellt wurden, die zB lauteten „Wofür wollen wir eine Bundeswehr?“, etc. ist eine Tatsache.
    Die Frage ist nur, wie sich solche Aktionen auf eben jene auswirken. Dies kann weder ich noch Du derzeit beantworten. Deshalb habe ich auch nur einen Wunsch dazu geäußert. Und kann zumindest aus der Marketinglehre dazu anbringen, dass es zumindest dazu beiträgt, dass Thema Nachwuchs der Bundeswehr zu erhalten.

    Ich verstehe übrigens überhaupt nicht, warum immer wieder postuliert wird, die Politik würde die Soldatinnen und Soldaten nicht ausreichend anerkennen.
    Dies höre und lese ich ständig aus allen möglichen Ecken: Alle Altersgruppen, Vertreter aller Einkommensschichten, Bundeswehrangehörige, Zivilisten, usw usw.

    Ich halte das für komplett undifferenziert. Es gibt im Alltag kaum so viele positive Bekundungen der Anerkennung wie durch die Bank in der Politik. Und zwar von Lokal- über Landes- bis zur Bundespolitik.
    Diese werden bloß kaum wahrgenommen und meiner Beobachtung nach durch pauschales „die da oben interessieren sich nicht/lassen uns/ die Jungs und Mädels im Stich“ – Gejaule überlagert.

    Man könnte natürlich fehlende Unterstützung seitens der Politik in Form der fehlenden sicherheitspolitischen Konzeption und mangelnder Stringenz der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik feststellen. Aber meiner Beobachtung nach hat der oben genannten „Mangel an politischer Unterstützungs“ – Duktus nichts mit diesem Aspekt zu tun, weil sich die Betroffenen Soldatinnen und Soldaten selbst keine Gedanken über eben jenes machen. Weshalb ich übrigens das Staatsbürger-in-Uniform-Konzept in Teilen für seit Jahrzehnten gescheitert halte.
    In diesem Zusammenhang bieten solche PR Aktionen wie vor den Fordwerken natürlich absolut keinen sinnhaften Resonanzkörper für eine Änderung dessen.

    Aber meine zuerst geäußerte Kritik bezog sich auch nur rein auf die Reaktion von Ford selbst.

  • Koffer   |   07. April 2019 - 18:58

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum auf dem Kameraden Bohnert immer so rumgehackt wird. Er ist weder der Macher der Kampagne noch der Entscheider.

    Er ist einer der Mitarbeiter in der Nachwuchswerbung und davon gibt es einige… und mehrere davon haben einen höheren Dienstgrad als er.

  • Sascha Stoltenow   |   07. April 2019 - 23:08

    @Koffer: Ha, ha, ha. (Und im Übrigen lege ich wert auf die Feststellung, dass ich nicht auf Marcel herumhacke.)

  • califax   |   08. April 2019 - 11:40

    Die Aktion ist zynisch und hämisch. Hat irgendwer mal dran gedacht, wie jemand drauf reagiert, der vielleicht gerade mit einer Hausrenovierung tief in den Schulden steckt, Kinder in der Kita, Frau noch nicht voll erwerbstätig, Kündigung vor der Nase, und dann vor dem Werkstor so ein höhnischer Schlag ins Genick?
    Das ist keine Stellenanzeige sondern eine Ohrfeige.
    Wer arbeitet freiwillig bei einem Arbeitgeber, der so mit Leuten umgeht, die er umwirbt?

  • Wa-Ge   |   08. April 2019 - 14:20

    @califax | 08. April 2019 – 11:40

    Ich finde die Aktion ebenfalls nicht gelungen, aber die Begründung die Sie beschreiben, teile ich persönlich nicht.

    Wir leben in einem freien Land, und in einem solchen Land wird niemand gezwungen Häuser zu Bauen oder Schulden aufzunehmen. Als Angestellter in der Privatwirtschaft muss man auch immer mit dem Risiko leben seinen Arbeitsplatz, auch ohne eigenes Verschulden, zu verlieren. Genau deswegen zahl die Privatwirtschaft auch mehr als der Staat.

    Von daher ist es durchaus legitim auch vor solchen Werken zu Werben (egal ob Bushaltestelle oder Werbetruck).

    Das können jetzt sicherlich einige als unsensibel betrachten, aber in letzter Konsequenz würde es sonst bedeuten, dass man nirgendwo werben könnte, da man immer jemandem vor den Kopf stößt. Vor dem Werk ist es der Arbeiter, auf der Bushaltestelle ist es das Kind des Arbeiters, irgendwo anderes ist es ein Flüchtling oder ein PTBS Geschädigter.

    Zwei nicht zu 100% ernst gemeinte Gedankenanregungen:
    1. Wird im Radioprogramm, welches auf dem Ford/VW Gelände sicherlich auf gespielt wird, Personalwerbung (bspw. der Deutschen Bahn) aus Rücksicht auf den drohenden Arbeitsplatzverlust auch nicht gesendet?
    2. Wurden die Freitagsdemos fürs Klima in den betroffenen Städten aus Rücksicht auf die Ford/VW Mitarbeiter ebenfalls abgesagt?

    Ich denke nicht. Von daher könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass die „Betroffenheit“ der Ford/VW Mitarbeiter im Zuge mit dieser Bundeswehr Aktion von den Kritikern der Bundeswehr ebenfalls als „Resonanzkörper“ genutzt wird um die Bundeswehr zu kritisieren.

    Von daher liebe Bundeswehr, gerne weiter und oft Werben, aber nicht mit solchen hohlen Slogans, sondern mit denen die den Dienst in den Vordergrund stellen, ganz nach dem Motto: Lieber Lücke, statt Krücke!

  • Nur 2 Cent   |   09. April 2019 - 13:03

    @Wa-Ge: Die Werbung der Bw ist speziell auf die Fälle zugeschnitten (fort, mehr volk wagen) und nutzt die drohende Notlage einzelner als Punchline. Andere Personalwerbung zielt nicht auf Konkurrenten, sondern wirbt für das eigene Unternehmen. Gerade von der Bahn kann die Bw lernen („wir sind nicht immer perfekt, aber… Du passt zu uns!“).

    Wir leben in einem freien Land und müssen keine einsatzunfähige Armee alimentieren, die im eigenen Land rumätzt. Nur, um mal ihre Pech-gehabt-Mentalität zu reflektieren.

  • Wa-Ge   |   09. April 2019 - 13:47

    @ Nur 2 Cent | 09. April 2019 – 13:03

    Ich scheine missverstanden worden zu sein, ich kritisiere ebenfalls die handwerkliche Ausführung der Werbung. (Ich finde finde die Bw muss nicht cool sein, Dienst ist nicht cool. Dienst ist kalt, dreckig, schwitzig, Entbehrung aber auch Erfüllend, wenn er richtig gestaltet ist.

    Nichtsdestotrotz finde ich es legitim, dass die Bundeswehr überall im Rahmen des ihr erlaubten werben darf. Ich habe mich wirklich angestrengt und habe sowohl im GG als auch in anderen Gesetzen eine Menge Aufträge und Pflichten für die Bundeswehr gefunden, die Rücksichtnahme auf persönliche Befindlichkeiten einzelner (so tragisch dies im Einzelfall auch immer sein mag) ist es nicht.

  • Zimdarsen   |   09. April 2019 - 14:23

    @Wa-Ge

    Zum Teil fällt die Rücksichtnahme auf persönliche Befindlichkeiten unter die Würde des Meschen.

    Das nennt man dann Achtung der Würde!

    Siehe GG Artikel .

    Aber in was für einem Land leben wir in welchem man Anstand, Menschlichkeit, Achtung und Respekt gesetzlich als Auftrag erteilen muss?

    Leider gilt vieles was für uns Soldaten selbstverständlich ist nicht für das BMVg und das ist Teil der Misere.

  • Jk   |   09. April 2019 - 16:35

    Nebenbei ist die Kampagne übrigens völlig am Ziel vorbei.
    Wie in sämtlichen Medienberichten ersichtlich ist, wird bei VW und auch zum Teil bei Ford keiner Rausgeschmissen. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Bei Ford maximal eine Abfindung und Vorruhestand.

    Es geht um Abbau von Stellen. Das erreicht VW durch das Resultat des demografischen Wandels – kurz alte gehen in Rente und es wird kein neuer dafür eingestellt.
    Aber um das zu wissen müsste man ja mehr als die Überschrift lesen..

  • Wa-Ge   |   09. April 2019 - 17:07

    @Zimdarsen | 09. April 2019 – 14:23

    Sprechen wir die selbe Sprache? Wo habe ich geschrieben, dass die Werbung Art 1 GG missachten darf? Überhaupt wenn dies in dem Falle zutreffen sollte, dann hätten die Verantwortlichen neben dem schlechten Geschmack auch noch Probleme mit dem Disziplinarrecht.

    Und nochmal schwarz auf weiß, ich finde die Aktion ebenfalls daneben! Aber ich weigere mich zu akzeptieren, dass die Bundeswehr, genau so wie andere Arbeitgeber, bei der Personalwerbung generell Rücksicht auf alle möglichen Gefühle und Befindlichkeiten nehmen müssen. Gesetzeskonforme Sachen sind einfach zu tolerieren.

    Um es zu verdeutlichen. Gesetzt dem Fall, dass neben den Werken nicht diese Botschaft sondern eine allgemeine Pers. Werbung der Bundeswehr gezeigt worden wäre. Wieso sollte die Bundeswehr oder jemand anderes darauf aus Gefühlen auf die Arbeiter verzichten? Glauben Sie andere Arbeitgeber die gerade Personal suchen, haben sich nicht längst in Stellung gebracht?

  • Koffer   |   09. April 2019 - 17:46

    @Jk | 09. April 2019 – 16:35
    „Nebenbei ist die Kampagne übrigens völlig am Ziel vorbei.
    Wie in sämtlichen Medienberichten ersichtlich ist, wird bei VW und auch zum Teil bei Ford keiner Rausgeschmissen. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Bei Ford maximal eine Abfindung und Vorruhestand.“

    Das Primärziel der beiden einzelnen (!) Wagen war doch auch gar nicht viele (bald ex)-Mitarbeiter zu werben.

    Es ging vermutliche eher um mediale Aufmerksamkeit und Reichweite in den Social Media.

    Ob die Bw so werben sollte oder ob das unter unserer Würde ist, darüber kann man natürlich streiten, aber die Aktion ansich dürfte ihr Ziel voll erreicht haben.

    @Wa-Ge | 09. April 2019 – 13:47
    „Ich scheine missverstanden worden zu sein, ich kritisiere ebenfalls die handwerkliche Ausführung der Werbung. (Ich finde finde die Bw muss nicht cool sein, Dienst ist nicht cool. Dienst ist kalt, dreckig, schwitzig, Entbehrung aber auch Erfüllend, wenn er richtig gestaltet ist.“

    Grundsätzlich Zustimmung mit Blick auf kalt, dreckig, schwitzig. Aber die Bw darf mEn zusätzlich auch witzig in „cool“ werben.

    Ob die konkrete Werbung das erfüllt, darüber kann man natürlich streiten ;)

    „Nichtsdestotrotz finde ich es legitim, dass die Bundeswehr überall im Rahmen des ihr erlaubten werben darf.“

    +1

  • Daniel Lücking   |   09. April 2019 - 17:55

    @Wa-Ge

    Nur, weil es der Bundeswehr dient, soll es o.k. sein und Sie suchen Rechtfertigungsgründe?

    Nur so zum Verständnis, was hier zu unterscheiden ist:

    Allgemeine Werbung im Radio ist etwas völlig anderes, als eine direkte Zielgruppenansprache über die individuelle Plakatwerbung.

    Das hat die Qualität, wie vor einem Hospiz für Organspende oder vor der Suchtklinik mit „Besser süchtig nach Arbeit!“ zu werben.

    Da Sie das Thema PTBS ansprechen:

    Ich sehe schon „gesunde“ Soldaten bei den dümmlichen Werbesprüchen abkotzen – das dürfte für Menschen mit einer PTBS noch wesentlich heftiger ausfallen.

    Ich kritisiere nicht ausschließlich die stupiden Inhalte, sondern dass sie mich auf allen Kanälen erreichen. Ein Werbeplakat kann ich ja noch halbwegs ignorieren. Wenn aber wieder einmal mit einer Provokation gearbeitet wird, dann landet das in der Presseberichterstattung und wird kontrovers diskutiert. Mich hält es vom arbeiten ab, weil es mich triggert und in die Diskussion zieht.

  • Wa-Ge   |   09. April 2019 - 22:15

    @Daniel Lücking

    Ich kann Ihre persönliche Betroffenheit verstehen, stelle mir aber nun folgende Fragen:

    1 Was wiegt mehr, der vom GG dem Bund vorgegebene Auftrag zur Aufstellung von Streitkräften (inkl. Personal) oder Ihre persönliche Situation? Irgendwie muss die BW ja zu Personal kommen wenn die Wehrpflicht ausgesetzt ist, ohne Werbung kommen nunmal nicht genug.

    2. Ist die Presse nicht frei zu berichten was immer sie für berichtenswert sieht? Keiner zwing sie der Bw Werbung auf den Leim zu gehen. Wenn keiner Hahn danach gekräht hätte, dann hätten wir alle davon nichts mitbekommen.

  • Koffer   |   09. April 2019 - 22:22

    @Daniel Lücking | 09. April 2019 – 17:55
    „Wenn aber wieder einmal mit einer Provokation gearbeitet wird, dann landet das in der Presseberichterstattung und wird kontrovers diskutiert. Mich hält es vom arbeiten ab, weil es mich triggert und in die Diskussion zieht.“

    Unabhängig davon ob das jetzt im konkreten Fall eine gute und/oder eine angemessene Werbung war, es ist der Bundeswehr nicht zuzumuten ihre Personalwerbung mit Blivk auf einzelne Krankheitsbilder innerhalb der DEU Gesellschaft einzuschränken.

  • Sascha Stoltenow   |   09. April 2019 - 22:51

    @Koffer: Wenn es das Ziel der Aktion war, die mediale Erregung zu bedienen, ist genau das die Instrumentalisierung von Menschen (und der Unternehmen, für die diese – noch – arbeiten), die mich stört. Nicht, weil ich übermäßig empfindsam wäre, sondern weil ich ganz romantisch an den Diensteid glaube. Wir dienen Deutschland ist – zumindest für mich – kein Kalenderspruch, und dazu gehört verdammt nochmal auch, unsere Wirtschafts- und Sozialordnung. Auch wenn diese es Unternehmen erlaubt exorbitante Vergütungen zu zahlen und gleichzeitig Arbeitsplätze abzubauen. Und dazu gehört übrigens auch, einem Unternehmen wie der re:publica nicht auf die Eier zu gehen, wenn dieses von seiner Vertrahsfreiheit Gebrauch macht. Dass die Nachwuchswerber meinen, sich überhaupt für solche Kinkerlitzchen hergeben zu müssen, ist kindisch. Dass mir bislang noch niemand überzeugend darlegen konnte, inwiefern das der Bundeswehr dabei hilft, ihren Auftrag zu erfüllen, ist peinlich. Ich habe in meinem Leben wahrlich schon viele dämliche Sprüche gekloppt und mich über voll lustige Wortspiele amüsiert – ich habe sie nur nicht auf Plakate gedruckt, unter denen eine grundsätzlich ernst zu nehmende Organisation als Absender steht.

  • Koffer   |   09. April 2019 - 23:02

    @Sascha Stoltenow | 09. April 2019 – 22:51
    „Wenn es das Ziel der Aktion war, die mediale Erregung zu bedienen, ist genau das die Instrumentalisierung von Menschen (und der Unternehmen, für die diese – noch – arbeiten), die mich stört.“

    Ihre Argumentation habe ich durchaus verstanden, aber ich teile sie nicht umfänglich.

    Die Bw sollte eine dem deutschen Werbemarkt angemessene Marketingsstrategie fahren und dazu kann (!) auch witzige oder (bis zu einem gewissen Grade!) provozierende Werbung fallen.

    Ob die konkrete Aktion angemessen einer staatstragenden Organisation war kann man natürlich hinterfragen, aber total daneben Fan ich es jetzt auch nicht.

    In Bezug auf dir re:publica wiederum sehe ich nicht die Maßnahme ansich als unangemessen an. Das hat sich der Veranstalter mit seiner Scheinheiligkeit selbst eingebrockt.

    Hier stört mich, dass mit Mitteln der Personalwerbung Öffentlichkeitsarbeit gemacht wurde. Dafür sind diese Steuermittel nicht vorgesehen gewesen und ich bezweifle zudem, dass der Staat ÖA mir werblichen Mitteln wie Guerillamarketing machen sollte.

    [Ich weiß, der Bendlerblogger hat die re:publica erwähnt, aber die Debatte dazu mit nicht wirklich neuen Argumenten und merkwürdigen Vorwürfen erneut zu führen, bringt es wirklich nicht. Das Thema wird uns dieses Jahr sicherlich auch noch mal beschäftigen; deshalb gehe ich nicht auf die Aussage ein, die „Scheinheiligkeit“ rechtfertige die Mißachtung grundlegender Regeln. Das heben wir uns für später auf. T.W.]

  • Landmatrose   |   09. April 2019 - 23:54

    Sorry TW, aber @Lücking, Stoltenow: Trotz der frühen Bitte von TW ans Forum nicht namentlich zu attackieren betreiben Sie, die als Journalisten oder PR-Profi öffenliche Reichweite haben, das weiterhin. Was soll das? Herr Stoltenow wirbt dann auch noch für seinen Blogbeitrag in dem er auch noch auf das Facebook-Profil verweist von Person etc etc…

    Merken Sie was? Sie sind auch nicht besser als das was Sie bekritteln. Sie nehmen nämlich Ihr Gegenüber nicht ernst und leisten sich in Herabwürdigungen. Sie machen die die Arbeit von Leuten die offenbar am Beispiel von Maj. i.G. Bohnert mit Begeisterung Ihren Job betreiben (ja, siehe Instagram Bohnert) verächtlich („stupide!“), antworten auf engagierte Blogteilnehmer hier recht merkwürdig („Ha, Ha, Ha“) und erklären mit Verve Ihre Position nicht für Ihre persönliche subjektive Meinung, sondern als allgemeingültige Richtschnur an die man sich aber gefälligst zu halten hat. Was Ihnen an Johannes Clair nicht passt blieb mir bisher im Nebulösen. Sie wollen dich nicht ernsthaft vermitteln dass er in personam die Gesellschaft militarisiert?

    Persönlichen Geschmack oder PTBS-Betroffenheit in allen Ehren. Zu einem vernünftigen Journalistenethos wie ich das für geboten halte passt das überhaupt nicht. An einem offenen Diskurs ist Ihnen hier offenbar nicht gelegen, eher an der Verbreitung von Befindlichkeiten, sonst, @ Sascha Stoltenow, hätten Sie Koffer ja die aktuelle Position von Maj Bohnert einfach erklären können. Stattdessen offenbar Schaum vorm Mund.

    Nochmal@TW: Sie können den Kommentar gerne einkassieren, wenn Ihnen das aus dem Ruder zu laufen droht. Gar kein Problem. Ich wäre Ihnem aber dann sehr dankbar wenn Sie den Herren Lücking und Stoltenow einen deutlichen Hinweis zukommen liessen und eine Fortsetzung dessen unterbinden. Das hat für mich hier Bullying-Tendenzen ausgehend von Personen mit erheblicher Multiplikatorenwirkung. Gegen sowas bin ich allergisch, egal wo.

    [Na, denn… Sie befördern jetzt zwar genau das, was Sie kritisieren – nämlich die Debatte über eine einzelne Person. Ich weiß nicht, ob das beabsichtigt ist, und behalte mal sehr genau im Auge, wie sich das entwickelt. T.W.]

  • Koffer   |   10. April 2019 - 7:15

    @T.W.
    „[re:publica] und „Scheinheiligkeit“ rechtfertige die Mißachtung grundlegender Regeln.“

    Wir können das Thema gerne auch nochmals an anderer Stelle diskutieren, hier ist es in der Tat etwa OT, aber nur zur Klarstellung: ich habe auch erhebliche Zweifel ggü. der Aktion der Bw vor der Veranstaltung. Und zwar aus viel grundsätzlicheren Erwägungen heraus als @Sascha Stoltenow. Für mich stellt sich die rechtliche und politische Frage, ob hier nicht das rechtliche und haushälterische Trennungsgebot von ÖA und Personalwerbung durchbrochen wurde. Vielleicht war es ja ein Grenzfall, aber gefallen hat mir das nicht.

    Mein Punkt war lediglich, dass rein werblich/handwerklich die Aktion gut und erfolgreich war und das ich nicht sehe, weswegen man die er:publica bedauern sollte. Es war eine Maßnahme die perfekt zum Umfeld und zur Argumentation und zum Verhalten der Veranstalter passte…

  • Nur 2 Cent   |   10. April 2019 - 11:34

    Ah, einen habe ich noch…

    Die Schiffe im Marinestützpunkt Wilhelmshaven wurden ja freigezogen. Das bedeutet, dass alle nicht unterkunftspflichtigen Soldaten (i.d.R. > 25 Jahre) sich Wohnungen suchen mussten.

    Entsprechend schnell hatte die lokale Immobilienwirtschaft reagiert: https://jade-immobilien.de/unternehmen/pressezentrum/das-suchen-hat-ein-ende/

    „Sie sind Marinesoldat und stehen aufgrund des aktuellen EU-Beschlusses vor der Herausforderung, eine adäquate Wohnung an Land zu finden?“

    Nur mal zur Reflexion, wie das sich auf der anderen Seite anfühlen kann. Die Kameraden haben Einkommenseinbußen und Mehraufwand. Aber wir leben ja in einem freien Land und niemand wird gezwungen, Marinesoldat zu werden…

  • hagion pneuma   |   10. April 2019 - 11:52

    Die beste Werbung kommt am Ende vom Produkt selbst. Stichwort: Überzeugungskraft.

    Mit „Produkt“ oder „Gegenstand“ meine ich die Bundeswehr.

    Und Werbung sollte positive Aufmerksamkeit für ihren Gegenstand erzeugen. Alles andere halte ich für kontraproduktiv.

    Wenn ich mir überlege, wie diese Werbung auf ihren Gegenstand zurückwirkt, überlege ich lieber nicht zu Ende.

    Bei dieser Werbung sollte sich niemand über den Zuwachs von „emphatisch Verkrüppelten“ oder „externe Haubentauchern“ in den Reihen der Bundeswehr wundern.
    Klingt nach Teufelskreis!

  • Sascha Stoltenow   |   10. April 2019 - 14:48

    @Koffer: Wie Thomas Wiegold schon sagte, das Thema re:publica wird uns vermutlich noch einmal beschäftigen. Hier nur so viel: Vielleicht habe ich das nicht klar genug gemacht, aber viel grundsätzlicher als mein Einwand, dass es sich hier um eine Informationsoperation im Inneren handelt, kann es nicht werden. Insofern teile ich Ihre Bewertung der fehlerhaften Mittelverwendung uneingeschränkt.

    @Landmatrose: Ich verstehe den Eindruck. Dazu folgende Anmerkungen:
    1. Johannes habe ich um Entschuldigung gebeten, er hat sie akzeptiert. Mit ist in der Diskussion der Hut hochgegangen und ich war unsachlich.
    2. Wenn ich ihn und Marcel Bohnert verlinke, geht es mir um ihre – selbst gewählten – öffentlichen Rollen, die insbesondere Marcel eng mit seiner beruflichen vermischt. Die Reaktionen auf seine Beiträge sind damit relevant.
    3. Das wissen sowohl er als auch Koffer, weshalb Ha, ha, ha genau die richtige Reaktion ist.

    Schaum vorm Mund habe ich nicht, aber Lust an der Debatte. Unter anderem deshalb habe
    ich gemeknsam mit dem Freundeskreis Seebataillon das erste Barcamp zur Kommunikation der Marine aus der Taufe gehoben. In meiner Freizeit, ehrenamtlich. Hätte die Bundeswehr selbst drauf kommen können. Stattdessen verplempert sie ihre Zeit mit Schafsscheiße wie in Köln und wolfsburg.

  • Koffer   |   10. April 2019 - 19:22

    @Sascha Stoltenow | 10. April 2019 – 14:48
    „[re:publica] dass es sich hier um eine Informationsoperation im Inneren handelt“

    Diesem Vorwurf schließe ich mich nich nicht mal ansatzweise an und widerspreche entschieden!

    „Marcel Bohnert verlinke, geht es mir um ihre – selbst gewählten – öffentlichen Rollen, die insbesondere Marcel eng mit seiner beruflichen vermischt. Die Reaktionen auf seine Beiträge sind damit relevant“

    Lesen Sie bitte was ich geschrieben habe. Hier (und auch in Ihrem Blog) werden Maj Bohnert von bestimmter Seite polemische Unterstellungen gemacht, die jedem echten Kenner schon wegen ihrer Abwegigkeit ins Auge springen müsste! B. ist ein Referent in Erstverwendung nach Lehrgang, da weiß jeder, der auch nur ein bisschen Ahnung hat, was er entscheiden darf. Nix, gar nix.

    Zudem kommt hier nich etwas anderes, besonders absurdes zum tragen. Hier im Blog und an vielen anderen Stellen wird immer die mangelhafte sicherheitspolitische „community“ und die öffentliche Sprachlosigkeit von Offizieren (jenseits des Lodenmantelgeschwaders) beklagt.

    Da gibt es nun endlich mal wieder einen Jungen Offizier, der es nicht nur geschafft hat über eine (streitbare) Publikation auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen, sondern auch noch eine Artikel in der FAZ Sektion „fremde Federn“ platzieren konnte. Und das führte dazu, dass er nicht nur nicht vom AkKdr gelobt wurde, sondern vielmehr sogar öffentlich getadelt wurde.

    Trotzdem setzt er sich immer noch und aktiv für die Bw öffentliche ein. Privat und dienstlich. Und ausgerechnet das wird ihm jetzt unsachlich zum Vorwurf gemacht???

    Ich finde die Vermischung von dienstlichem und privaten auch schwierig (einer der Gründe, warum ich hier unter nick kommentiere), aber es ist gültige Linie der Bw, dass das zulässig ist. Nach bauddessinscher Linie ja sogar erwünscht.

  • Johannes Clair   |   12. April 2019 - 9:57

    @Sascha Stoltenow:

    „Dass mir bislang noch niemand überzeugend darlegen konnte, inwiefern das der Bundeswehr dabei hilft, ihren Auftrag zu erfüllen (…).“

    -Ich glaube, es ist in erster Konsequenz in erheblichem Maße Auslegungssache, was „beim Erfüllen des Auftrages hilft“.
    So kann man zB erst nach einem abgeschlossenen Einsatz/Krieg/Hilfsleistung feststellen, was nun bei der Erfüllung geholfen hat (und selbst da manchmal nur undeutlich).
    Zweitens denke ich, dass man natürlich argumentieren kann, dass Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit der Erfüllung des Auftrages dienen, wobei letzteres ersteres teilweise bedingt.
    Ich glaube, die Schwierigkeit besteht darin, feststellen zu können, ob eine bestimmte Aktion der ÖA eine klar definierbare Konsequenz hat oder hatte (zB Werbung vor den Fordwerken führt zu X mehr Bewerberinnen und Bewerbern für die Bundeswehr). Dies betrifft mMn aber einen großen Teil der PR. Sie lässt sich oft schwierig evaluieren (man könnte jetzt natürlich gezielte, unabhängige Befragungen bezüglich der Werbeaktion durchführen). Dazu sollte man aber bedenken, dass viele der jüngsten Kampagnen der Nachwuchswerbung der BW besonders bei jungen Menschen eine hohe und positive Resonanz erzeugt haben (was anhand der öffentlichen Kommentare ersichtlich ist) und ich diese Aktion bei den Fordwerken als Teil dieser neuen Gesamtstrategie der BW begreife. Nicht jede Einzelne Facette dieser neuen Strategie scheint sinnvoll oder gut umgesetzt. Allerdings scheint sie insgesamt doch für mehr (positive) Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe zu sorgen und und würde dann im zweiten Schritt der Bundeswehr bei der Erfüllung des Auftrages helfen (was ja sowohl über mehr Bewerber, als auch bessere Wahrnehmung erfolgen könnte). Aber insgesamt lässt sich das wohl erst in einigen Jahren differenziert auswerten.
    PS: Mit Zielgruppe meine ich übrigens Einstellungsfähige. Ich bin strikt gegen die Einstellung Minderjähriger in die Streitkräfte.

    @Zimdarsen

    „Aber in was für einem Land leben wir in welchem man Anstand, Menschlichkeit, Achtung und Respekt gesetzlich als Auftrag erteilen muss?“

    -Das ist vielleicht zu philosophisch und OT, aber ich sehe darin ganz klar einen Irrtum: Sie nehmen diese Werte als selbstverständlich. Wenn sie es wären, bräuchten wir kein StGB oder exekutive Durchsetzung dessen.
    Bildungseinrichtungen (zB Schule) haben ja einen ganz klaren Auftrag, im Sinne dieser Werte und des GG zu bilden und zu formen (ob sie das im Einzelnen effektiv tun, ist eine andere Frage…).
    Und die psychologische Prägung des Nachwuchses durch den Wertekanon, den die Eltern und andere Vorbilder vorgeben und vorleben, prägt diese Werte. Ergo müssen sie immer wieder neu geprägt und belebt werden, sie sind kein Selbstläufer (weil Menschen so nicht funktionieren).
    Ihre Aussage dazu (und das meine ich in keinster Weise despektierlich) belegt meinen Eindruck, dass es von Menschen in diesem Land (nach meiner Beobachtung von vielen) als sehr selbstverständlich angesehen wird, dass wir so frei und sicher leben können.
    Aber dies ist eben kein Selbstläufer. Nicht umsonst gibt es die ständigen Ringkämpfe um Persönlichkeitsrechte, Datenschutz, Big Data, usw…

  • Holzi   |   12. April 2019 - 10:30

    Das Agieren von Major B. tut m.E. nichts zur Sache und die alte re:publica – Geschichte ist für mich durch. Ich stelle für mich fest:
    1. Es gab sehr gute Kontakte zu den Ford-Werken bezüglich der Personalwerbung und -gewinnung von Fachkräften (Techniker, Ingenieure) und anderen. Das BAPersBw hatte gute Verbindungen zum Personalvorstand sowie Betriebsrat aufgebaut und es gab gute Gespräche über mögliche Transfers.
    2. Es folgte die bekannte Werb-Idee. Davon wurde seitens einiger Fachleute ausserhalb des PrInfoStabes abgeraten. Die Leitungsebene entschied dennoch, dass die provokante Linie weiterverfolgt wird.
    3. Es gab ein vorheriges Gespräch dazu unter dem Radar, das erkennen lies, dass die Ford-Führung inklusive des Betriebsrates „not amused“ über eine derartige Werbung sein und entsprechend reagieren würden. Dies wurde LtgBMVg mitgeteilt und dennoch hielt man an der Realisierung der Werbemaßnahme fest.
    4. Nach Realisierung gab es prompt die zu erwartenden Reaktionen mit folgenden Konsequenzen:
    – die Verbindung zum BAPersBw wurde seitens Ford gekappt.
    – der Betriebsrat wandte sich mit großem Unverständnis bezgl. dem Agierens der Bundeswehr an die Belegschaft. „Mach, was wirklich zählt“ wurde negativ mit der Bundeswehr in Verbindung gebracht.
    – vom Kommunalpolitiker bis zum Ministerpräsidenten wandten sich viele Menschen mit großem Unverständnis über die Aktion an das BMVg etc.
    5. Im BVMg nimmt man das schulterzuckend hin und schmunzelt über ein gelungene „coole“ Aktion, die doch angeblich von anderen viel kritischeren Themen (Gorch Fock etc.) ablenke.
    Jetzt frage ich mich, um was des dem Presse/Info-Stab wirklich geht. Um die Bundeswehr samt ehrlich gemeinter Personalgewinnung und -bindung oder um „coole Aktionen“ die von Problemen einer IBUK ablenken sollen. Sie können sich vorstellen, zu welcher Antwort ich tendiere. Und wenn einzelne Personen des Ressorts davon sprechen, dass doch durch die Aktion zumindest über die Bundeswehr gesprochen würde, dann können wir auch weiter die materielle Einsatzbereitschaftslage offenlegen. M.E. sorgte die schlechte Werbe-Aktion für einen Imageschaden. Aber interessiert das wirklich?

  • Koffer   |   12. April 2019 - 20:25

    @Holzi | 12. April 2019 – 10:30
    Ihr Bericht passt leider zu ähnlich gelagerten Entscheidungen der Leitung und vor allem des Pr-/InfoStabes.

    Auch wenn ich Ihre Schlussfolgerungen nicht teile, so bestätigt sich für mich wieder einmal, dass vdL und ihr kleiner Kreis Vertrauter immer noch nicht akzeptiert (oder verstanden) haben, dass die Bundeswehr nicht (nur) ihr kleiner Privatkarrierepfad ist :(

    „M.E. sorgte die schlechte Werbe-Aktion für einen Imageschaden.“

    Hier muss ich Ihnen allerdings rein fachlich widersprechen. Bei unserer Primärzielgruppe (17-25jährige) sicherlich nicht und bei der Sekundärzielgruppe (Eltern etc.) vermutlich nur in sehr kleinem Umfang.

    Rein Werbetechnisch/fachlich war es ziemlich sicher die richtige Entscheidung.

    Ob es allerdings eine „angemessene“/würdige Entscheidung für eine Organisation wie die Bundeswehr war, dafür gibt es sicherlich nicht nur pro Argumente…

  • klauspeterkaikowsky   |   15. April 2019 - 10:33

    Retourkutsche.
    https://mobile.twitter.com/Sicherheitspod/status/1117702970681036800/photo/1

    [Zur Ansicht mal eingebettet, der Tweet:

    Allerdings ist das Schild m.W. deutlich älter als die Bw-Aktion. T.W.]

  • Koffer   |   15. April 2019 - 17:42

    @klauspeterkaikowsky | 15. April 2019 – 10:33
    „Retourkutsche.“

    Was soll denn daran eine Retourkutsche sein?! Das macht Amazon schon seit Jahren und in Kooperation mit dem BFD. Und es ist nicht das einzige (international geprägte) Unternehmen in DEU welches spezielles Recruiting bei abgehenden SaZ macht.