DroneWatch: Die Übersicht über die Bundeswehr-Drohnen (m. Korrektur)

So schön ausführlich wie im September 2016 bekommt man leider derzeit keine Übersicht über die aktuellen und geplanten unbemannten Flugsysteme alias Drohnen der Bundeswehr. Aber immerhin eine Liste mit den (zusammengezählten) Flugstunden der früher und derzeit eingesetzten Systeme. Aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag:

Wenig Überraschung dabei: Dass die Heron 1, in Afghanistan und Mali zur Langstrecken-Überwachung eingesetzt, mit den meisten Flugstunden angegeben wird, war zu erwarten. Interessant übrigens die – nur noch historisch bedeutsamen – Daten zur vor zehn Jahren ausgemusterten CL 289: Das von der Bundeswehr vor allem auf dem Balkan eingesetzte System hatte, umgerechnet pro Nutzungsjahr, deutlich weniger Flugstunden als heutige Drohnen.

In der Bundestagsdrucksache wird weder die Zahl der jeweils genutzten Systeme noch Genaueres für die geplanten weiteren Drohnen genannt. Dazu hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Thomas Silberhorn allerdings schon im Februar im Bundestag auf eine FDP-Frage Details genannt:

Seit dem Jahr 2009 hat die Bundeswehr zur Aufklärung und Identifizierung folgende unbemannte Systeme im Heer in Nutzung:
• zehn Systeme Nano UAS – ein Kleinstaufklärungssystem für den unmittelbaren Nahbereich mit der Fähigkeit zur Echtzeitaufklärung; [Black Hornet; T.W.]
• 145 Systeme MIKADO – eine Mikroaufklärungsdrohne für den Ortsbereich zur Lageaufklärung und Sicherung in Echtzeit im urba-nen Gelände;
• 145 Systeme ALADIN – eine abbildende luftgestützte Aufklärungs-drohne im Nächstbereich zur Lageaufklärung und Sicherung in Echtzeit;
• neun Systeme LUNA – eine luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung zur Lageaufklärung von Objekten, Geländeteilen, Ortschaften oder Aktivitäten von Personengruppen und Einrichtungen im Nahbereich des Einsatzgebiets und
• zwölf Systeme KZO – ein mit einem Booster-Triebwerk zu startendes Kleinfluggerät zur Zielortung und Wirkungsaufklärung.
(…)
In der Marine befinden seit dem Jahr 2009 folgende Systeme in Nutzung:
• 30 Systeme DJI Phantom 4 – ein handelsübliches Quadrocopter-System und
• drei Systeme LARUS – ein unbemanntes System zur luftgestützten Aufklärung, welches im Nahbereich genutzt wird.
Die Luftwaffe setzt jeweils ein System SAATEG ZwL zur abbildenden Aufklärung bis in die Tiefe des Einsatzgebietes in mittlerer Höhe seit dem Jahr 2010 in Afghanistan und seit dem Jahr 2016 in Mali ein. [Gemeint ist die Heron 1; T.W.]

KORREKTUR: Bei dem vom Verteidigungsministerium genannten System Larus  handelt es sich eben nicht über das gleichnamige System Lageunterstützung bei Seenoteinsätzen durch unbemannte Luftfahrtsysteme des Bundesforschungsministeriums. Gemeint ist vielmehr, darauf weist mich das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hin, eine Drohne der Spezialkräfte der Marine, deren Beschaffung im vergangenen Jahr eingeleitet wurde. Larus steht in diesem Fall für Luftgestützte Aufklärung mit Unbemannten Systemen (und es scheint, die Zahl der Akronyme ist endlich).

Die Fragen nach der Ausstattung der einzelnen unbemannten Flieger mit Lasermarkierern und Laserzielmarkierern wird in der veröffentlichten Fassung der Antwort auf die Kleine Anfrage nicht beantwortet; dazu wird auf einen als Verschlusssache eingestuften Antwortteil verwiesen. Das Internet-Portal netzpolitik.org scheint die Antwort allerdings zu kennen:

Auch unbewaffnet werden die Bundeswehrdrohnen für Kampfeinsätze genutzt. Die HERON 1 trägt beispielsweise einen Lasermarkierer, der mit Nachtsichtgeräten von Einheiten am Boden erkennbar ist. Die neue HERON TP soll einen Laserzielmarkierer befördern, mit dem Bomben ins Ziel gelenkt werden können.

(Angesichts des etwas irreführenden Titels der Kleinen Anfrage
Entwicklung und Vertrieb von Drohnen durch den Rüstungskonzern Rheinmetall hatte ich die Antwort zunächst übersehen und bin erst durch die netzpolitik.org-Geschichte darauf gestoßen – habe dann allerdings von dort auch die falschen Angaben zu Larus zunächst übernommen.)

(Foto: Ein Soldat demonstriert den Einsatz der neuen Drohne PD-100 Black Hornet im Rahmen einer Vortragsreihe zur Digitalisierung in der Bundeswehr im BMVg in Berlin am 17.01.2018 – Jana Neumann/Bundeswehr)

5 Gedanken zu „DroneWatch: Die Übersicht über die Bundeswehr-Drohnen (m. Korrektur)

  1. Nachdem ich vor einigen Monaten den großartigen Sicherheitspod für mich entdeckte, hörte ich auch die älteren Folgen nach und nach durch. Kürzlich war #2 u.a. mit dem Thema der bewaffnungsfähigen Drohnen dran. Da ging es es dann auch um die breite politsche Debatte, die dazu zu führen sei (und die wurde ja wiederum schon vor einigen Jahren angekündigt). Ein ernsthafter Versuch dazu oder gar ein Vorbereitung drauf ist mir seither nicht aufgefallen. UvdL wird sich damit auch nicht mehr beschäftigen müssen. Gibt es darüber hinaus aus Politik oder Verteidigungsministerium irgendein Anzeichen, sich dieser Debatte stellen zu wollen?

  2. Dass die „Heron TP“, auch wenn sie noch nicht als Kampfdrohnen unterwegs sind, einen Laserzielmarkierer befördern, stand schon hier. Im Technikfolgenbericht des Bundestages zu Drohnen hieß es, dass auch die „Heron 1“ einen Laserzielmarkierer befördern. Laut BMVg stimmt das aber nicht.

    [Der Link führt auf eine nicht existente Seite… ? T.W.]

  3. „Nach SZ-Informationen geht die Ausstattung der neuen Bundeswehr-Drohnen aber über den öffentlich bekannten Stand hinaus: So soll die Heron TP bereits einen Laserzielmarkierer für Kampfmissionen enthalten.“

    Siehe

    [Wie bekannt, finden Links zu (aktuellen) deutschen Verlagswebseiten hier i.d.R. nicht statt. T.W.]

  4. Die Verfügbarkeit der DJI Drohnen muss bei dieser Flugstundenzahl ja unterirdisch sein ;-)

  5. @ Bernd

    Oder deren praktischer Nurzwert geht gegen Null !
    Vermutlich wird die kleine handelsübliche Drohne nur zur Aufklärung vor dem Boarding von feindlichen Skiffs, Schiffen der Piraten vor Somalia eingesetzt im Kurzstreckenbereich von einigen 100 m Entfernung. Davon gibt es noch mehr allzuviele.

Kommentare sind geschlossen.