DroneWatch: Die aktuelle Drohnen-Liste und -Planung der Bundeswehr

In der Bundestags-Fragestunde am vergangenen Mittwoch hat der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Ralf Brauksiepe recht detailliert eine Übersicht über den derzeitigen Bestand der Bundeswehr an unbemannten Luftfahrzeugen gegeben; dazu einen Einblick in die Planung. Mit zum Teil noch nicht so bekannten Details, wie der kurzfristigen Beschaffung einer Marinedrohne für den Einsatz im Mittelmeer (nein, nicht die Kleinen, sondern zusätzlich was Größeres).

Der Linken-Abgeordnete Alexander Neu hatte danach gefragt, und inzwischen gibt es Brauksiepes Mitteilung zum Nachlesen im Plenarprotokoll .

Die Angaben wird man bestimmt noch mal brauchen können; deshalb zur Dokumentation und zum späteren Nachschlagen:

Derzeit umfasst der Bestand der Bundeswehr insgesamt 567 unbemannte Luftfahrzeuge. Diese unterteilen sich wie folgt:

Bei den taktischen unbemannten Luftfahrzeugen in der Gewichtsklasse bis 5 kg verfügt die Bundeswehr beim System MIKADO über 145 Fluggeräte und beim System ALADIN über 290 Fluggeräte.
In der Gewichtsklasse von 25 kg bis 150 kg verfügt die Bundeswehr über 85 Fluggeräte des Systems LUNA.
In der Gewichtsklasse über 150 kg liegt der Bestand bei 43 Fluggeräten des Systems KZO.
Das System Heron I wird im Rahmen der Betreiberlösung SAATEG-Zwischenlösung seit März 2010 durch das Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif in Afghanistan eingesetzt.Der Bundeswehr steht dazu eine vertraglich festgelegte Anzahl an Flugstunden zur Verfügung. Derzeit sind drei unbemannte Luftfahrzeuge vom Typ Heron I in Afghanistan im Einsatz.
Weiterhin verfügt die Bundeswehr derzeit über einen Euro Hawk Full Scale Demonstrator.
Hinsichtlich der geplanten Beschaffungen sind in der Gewichtsklasse bis 5 kg zehn Gesamtsysteme für den Einsatzsofortbedarf Einsatz Spezialkräfte 162H Black Hornet und sechs Gesamtsysteme für die Sofortinitiative Seegestützte Aufklärung aus der Luft im Rahmen Friendly Approach zur Beschaffung geplant.
In der Gewichtsklasse bis 150 kg ist geplant, drei Gesamtsysteme mittlerer Reichweite HUSAR als Nachfolgesystem für das System LUNA zu beschaffen.
Für die Deckung der Fähigkeitslücke „Aufklärung und Identifizierung im maritimen Einsatzgebiet“ ist die Beschaffung von drei Gesamtsystemen geplant. Zur Überbrückung des Zeitraums, bis zu dem das System „Aufklärung und Identifizierung im maritimen Einsatzgebiet“ zur Verfügung steht, ist die Sofortinitiative EUNAVFOR MED 005 M mit der Beschaffung von einem Gesamtsystem geplant.
Die MALE-UAS-Überbrückungslösung sieht ein Vertragskonstrukt ähnlich zu den Verträgen SAATEG-Zwischenlösung als Betreiberlösung vor. Als unbemanntes Luftfahrzeug ist hierbei das Modell Heron TP vorgesehen. Die Anzahl einzusetzender unbemannter Luftfahrzeuge wird erst im Rahmen der noch ausstehenden Vertragsverhandlungen und der anschließenden Vertragsunterzeichnung festgelegt.
Im Juli 2016 erfolgte die Vertragsunterzeichnung für die SAATEG-Zwischenlösung Mali, die eine zur SAATEG-Zwischenlösung parallele Betreiberlösung im Einsatz für die Vereinten Nationen in Mali im Rahmen von MINUSMA vorsieht. Hierzu steht ebenfalls eine festgelegte Anzahl an Flugstunden zur Verfügung. Auch hier ist der Einsatz von drei Heron I geplant.
Zur Deckung der Fähigkeitslücke der signalerfassenden, luftgestützten weiträumigen Überwachung und Aufklärung ist noch die Auswahlentscheidung zu treffen.
Der derzeit priorisierte Lösungsvorschlag sieht die Integration des Missionssystems ISIS in eine HALE-Trägerplattform vor. Gemäß diesem Lösungsvorschlag wäre die Beschaffung von drei Luftfahrzeugen des Typs MQ-4C Triton geplant.
(…)
Seit der Beantwortung der schriftlichen Frage 99 zu Flugunfällen von unbemannten Luftfahrzeugen der Bundeswehr auf Bundestagsdrucksache 17/13991 kam es insgesamt zu vier Flugunfällen bzw. Totalverlusten und einem schweren Zwischenfall.
Im November 2013 hat die Bundeswehr eine Heron 1 in Afghanistan verloren. Die Ursache hierfür lag im Bereich des Personals.
Im Juli 2014 kam es zum Verlust einer LUNA auf dem Truppenübungsplatz Munster Süd.
Im Jahr 2015 hat die Bundeswehr im Rahmen von Übungen zwei weitere LUNA auf Truppenübungsplätzen verloren, eine im Juni auf dem polnischen Truppenübungsplatz Zagan und eine im Oktober in Altenstadt. Die Ursachen für diese drei Flugunfälle wurden im Bereich der Technik verortet.
Im August dieses Jahres hat es einen schweren Zwischenfall mit einem KZO gegeben, das auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf schwer beschädigt wurde. Auch
hier wird die Ursache im Bereich der Technik vermutet. Die Untersuchungen dauern noch an.
Für den Flugbetrieb in Deutschland wurden bisher die beiden unbemannten Systeme LUNA und KZO zugelassen. LUNA hat ein Startgewicht von circa 40 Kilogramm, KZO von circa 170 Kilogramm. Es handelt sich bei beiden unbemannten Systemen um Aufklärungsmittel.
Darüber hinaus wurde für den Erprobungsträger Euro Hawk Full Scale Demonstrator mit einem Gewicht von bis zu 15 Tonnen eine temporäre Zulassung zu Erprobungszwecken erteilt.

(Archivbild: Eine Drohne „Black Hornet“, wie sie die britischen Streitkräfte 2013 für den Einsatz in Afghanistan beschafften – Crown Copyright 2013 unter MoD News Licence)

8 Kommentare zu „DroneWatch: Die aktuelle Drohnen-Liste und -Planung der Bundeswehr“

  • Obibiber   |   23. September 2016 - 10:29

    falls sich das mit der Marinedrohne noch weiter zieht kann man gleich diese hier auswählen ;-)
    http://newatlas.com/bell-v-247-vigilant-tilt-rotor-drone/45574/

  • WO   |   23. September 2016 - 11:04

    @Obibiber dann bitte für die Amerikaner schon mal „Verdieselung“ und „Zulassungskriterien für deutschen udn europäischen Luftraum“ übersetzen.

    @ all:
    Die Korvetten seit deren Indinststellung 2008 ohne den geplanten Hauptsensor (Drehflügeldrone) zur See fahren zu lassen, halte ich für eine Frechheit gegenüber der Marine und den Kommandeuren, die in den Einsatzberichten dringend den Zulauf anmahnen.

    Selbst im Rahmen der SiE schafft es das BAAIN BW die Beschaffung zu verhindern. Können wir die Schiebeldrohne mit Diesel zulassen? Wir haben doch mit anderem Kraftstoff erprobt?
    JA, man kann! Siehe Australien.
    Der Einsatzname und Auftrag aus der SiE haben sich geändert, braucht ihr die Drone echt noch?
    JA, liebe Beschaffer, der Auftrag wurde sogar erweitert.

    Eine Anfangsbefähigung mit der Schiebeldrone oder einer gleichwertigen, ebenfalls marktverfügbaren ist dringend notwendig. Dann können wir gerne über den Atlantik schauen.

  • Obibiber   |   23. September 2016 - 14:14

    Natürlich ist es lächerlich dass man bei der marinedrohne solch ein hick hack macht… Und mal wieder zusätzlich zig tausend unnötige Sonderwünsche hat.
    Man kann doch auch einfach mal quick and Dirty ein System beschaffen und Erfahrungen damit sammeln… Zumal 3 Systeme schiebel s-100 mit 6 Drohnen wirklich spottbillig sind…
    Ein Einsatz über dem Meer stellt meiner Meinung nach auch kein Risiko dar…wenn die Drohne abstürzt dann isses halt so…eine Gefährdung von anderen Schiffen oder flugobjekten auf dem offenen Meer bei gleichzeitigem Verlust der Steuerung ist fast so wahrscheinlich wie ein 6er im Lotto
    Der Mehrwert den die Korvetten im Gegenzug hätten wäre enorm!!!

    Außerdem hätte man Zeit eine andere Drohnen nach eigenen Wünschen entwickeln zu lassen…die am Ende 10 mal teurer ist, weniger leistet und unzuverlässiger ist…und statt in 5 in 10 Jahren zuläuft :-(

  • klabautermann   |   23. September 2016 - 14:21

    Als Zeitzeuge muß ich nun mal einen Treppenwitz der Schiebelgeschichte los werden: die Forderung nach einer Diesel-Schiebel kam ursprünglich………vom Heer ! Die Marine hat sich diesem Wunsch angeschlossen, weil man aus taktischen Gründen das Heer auf seiner Seite haben wollte gegen die Lw, die ja die Korvetten-Drohne schon immer für den Untergang der Lw gehalten hat.

  • Zimdarsen   |   30. September 2016 - 8:18

    EuroHawk macht wohl weiter Probleme das Desaster von TdM kostet uns durch das ziehen der -Reißleine- (war eher eine unrechtmäßige Notbremsung mit stotternder Weiterfahrt) Mio zusätzlich ohne dass wir die geforderte ELOKA Aufklärung bekommen.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   01. Oktober 2016 - 20:37

    Army und Navy ordern zusätzliche http://www.c4isrnet.com/articles/army-navy-order-blackjack-drones , – General Atomics has been awarded a $25.2 million contract modification to deliver additional MQ-1C Gray Eagle UAVs – .
    http://www.osasip.com/marine-corps-testen-neue-blackjack-uberwachung-drohne/

    Das 61 kg RQ-21A UAS, Spitzname Blackjack, soll von Land oder vom Deck des Naval Assault Schiffs aus eingesetzt werden. Laut military.com wird der Betrieb bis Ende ’17 aufgenommen werden.
    Das Marine Corps plant 160 Blackjack zum Sammeln von Aufklärung und zur Überwachung zu verwenden. Die Lfz können mit Video-Kameras, Infrarot-Sensoren, Laser-Finder und anderen Kommunikationsgeräten, ausgestattet werden.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   01. Oktober 2016 - 20:49

    Und noch einer für UAS Enthusiasten (mit Korvetteneignung, …?), wenn schon auf dem Littoral Combat Ship vorgesehen.
    https://www.flightglobal.com/news/articles/navy-adds-10-more-fire-scout-uavs-429910/
    The next-generation Fire Scout, which will provide surveillance for the littoral combat ship, has completed 750 hours of developmental flight tests, and an operational assessment.
    The unmanned MQ-8C is derived from the four-bladed, single engine Bell 407 helicopter.

  • Zimdarsen   |   06. Oktober 2016 - 14:23

    Europäisches Drohnen-Programm MALE RPAS ist mit der auf zwei Jahre ausgelegten Definitionsphase im September gestartet.
    Das Kick-off-Meeting war unter der Leitung der OCCAR.