Noble Jump, revisited (Update: Fotos)

Vor vier Jahren, im Sommer 2015, hatte ich mir schon mal die Übung Noble Jump angeschaut – die Verlegung der NATO-Speerspitze, der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), die innerhalb weniger Tage für das Bündnis reaktionsbereit sein soll. Die damalige interim VJTF stand unter deutscher Führung; die aktuelle NATO-Speerspitze ebenfalls.

Grund genug, wieder an die deutsch-polnische Grenze zu fahren und zu schauen, wie es inzwischen mit der Verlegung über Staatengrenzen hinweg aussieht, der immer wieder beschworenen military mobility. Denn mit der vor vier Jahren noch neuen VJTF hatte sich gezeigt, dass es mit dieser Mobilität für Streitkräfte schon innerhalb des NATO- oder gar des EU-Raumes so einfach nicht ist. Auch Deutschland selbst hatte einige Hausaufgaben identifiziert.

Wie es aktuell aussieht, versuche ich am Montag und Dienstag in der Oberlausitz und an der Grenze herauszufinden. Dazu gibt’s dann hier was zu lesen, vorerst ein Video der NATO dazu:

Update 4. Juni: Hier schon mal Fotos von Brave Departure, der Übung der deutschen Unterstützungstruppen, und vom (nächtlichen) Marsch von Kampfpanzern, Schützenpanzern und Panzerhaubitzen auf Kette vom Truppenübungsplatz Oberlausitz nach Zagan in Polen:

Brave Departure

Noble Jump

 

 

19 Gedanken zu „Noble Jump, revisited (Update: Fotos)

  1. Die 20 Tage innerdeutsche Genehmigungsdauer, die polnische Zollüberprüfung in SAGAN sowie eine Berücksichtigung der Bestimmungen des 2+4-Vertrages mit Beteiligung des AA, all dies wird nach vier Jahren Umsetzen von Lessons Learned aus 2015 reibungslos gelaufen sein.
    Der Kettenmarsch von Oberlausitz aus über, je nach Streckenführung 70 – 90 km, stellt keine Herausforderung dar, über die es sich zu sprechen lohnte.
    Interessanter kann es bei den Gefechtsanteilen in Polen werden. Die beteiligten Verbände selbst sind national aber bestens vorbereitet, Verbände und selbständige Einheiten, deren Kdr und Chefs üben seit langem gemeinsam, man kennt sich.
    Ein Augenmerk muss somit auf multinationaler Zusammenarbeit liegen, sicher auch bei der Frage, wie polnische Bevölkerung die Anwesenheit deutscher Truppe aufnimmt.

  2. Wieviele kettenfahrzeuge wurden bis nach polen verlegt?
    Ich sehe auf den videos nur lkw aber keine tieflader
    mit kpz, spz oder haubitzen. Dass ist doch grade die
    Herrausforderung. Üderbreite, Übergewicht, große
    Stückzahl + 100.

  3. @TW
    Ich war vor 2 Jahren in Rumaenien, als die UK- gefuehrte VJTF(L) Noble Jump durchfuehrte. Als DeployEx geplant, verlegten nur die GefStde mit Grossgeraet. Truppe kam in Bussen und Soft- vehicles, und das auch nicht mal als Volltruppe.
    Das Ganze war eher eine Stabsrahmenuebung mit Biwakanteilen. Erfahrungsgewinn aus strat./operativer Alarmierung, Verlegung und Aufmarsch gleich Null.

    Vielleicht fallen Ihnen ja auch aehnliche Ungereimtheiten und Effekthascherei auf.

  4. Erfahrung müßte jetzt eigentlich genug vorhanden sein: TRJE15, eFP Rotationen, TrÜbPl-Aufenthalte mit Volltruppe (Brigadeebene).

  5. @Dante
    Im Vorgängerfaden ist das Wieso, Warum, Wer, Wie und Was erklärt. Wichtig dabei die Phasen der Verlegung

    Übung für die Speerspitze der NATO in Deutschland und Polen
    (pdf: 20190527_VJTF_Brave_Departure_Noble_Jump)

    Fragen und Antworten zu Noble Jump und Brave Departure
    (pdf: 20190527_Fragen_und_Antworten_Noble_Jump_Brave_Departure)

    Alarmierung von IT-Kräften der NATO-Speerspitze – Wie funktioniert das?
    (pdf: 20190527_Alamierung_IT-Kraefte_NATO-Speerspitze)

    und:
    „Die deutsche Panzerlehrbrigade 9 aus Munster sowie Niederländer und Norweger, (werden) den Weg von der Staging Area in der Oberlausitz nach Zagan nicht mit Bahn und Transportlastwagen zurücklegen. Also werden die Kampf- und die Schützenpanzer auf Kette dorthin rollen“.
    Aus diesem Grund sehen Sie keine Tieflader/Straßentransportwagen, KPz, SPz und PzHaub Rollen auf Kette.
    https://augengeradeaus.net/2019/05/exercise-watch-die-vjtf-ist-unterwegs/

    @Eric Hagen  
    Ja, das war vor zwei Jahren. Und zzt marschiert Volltruppe.
    Und: nach Oberstleutnant Michael Labsch, Kommandeur des Logistikbataillons 171/Burg, bewegt sich sein Verband sogar nach Alarmierung.

  6. @Klaus-Peter Kaikowsky

    Sie schrieben: „Ein Augenmerk muss somit auf multinationaler Zusammenarbeit liegen, sicher auch bei der Frage, wie polnische Bevölkerung die Anwesenheit deutscher Truppe aufnimmt.“

    – Gelassen, würde ich behaupten, besonders die Bevölkerung West- und Nordpolens. Durch das Multinationale Korps Nord-Ost, diverse Übungen und natürlich Gastauftritte der Militärmusik hat der Anblick deutscher Soldaten in Polen keinen allzu großen Seltenheitswert mehr. Davon abgesehen, teilen längst nicht alle Polen das Deutschland-Bild ihrer Regierung; und selbst ebendiese Regierung fordert schon seit langem, Deutschland solle mehr zum Schutz der NATO-Ostgrenze tun.

  7. @Dante:

    Straßentransport der Kettenfhz in der Größenordnung dürfte die BW schlicht nicht leisten können. Dafür dürften zu wenig Mammut und Co. zur Verfügung stehen.

  8. @ Eric Hagen | 03. Juni 2019 – 19:01

    2015 erfolgte die Verlegung der IVJTF per Bahn/Lfzg und Anteile von 371 nutzten selbstverständlich den Bw-Fuhrpark um zusätzliche Fahrzeuge vor Ort zu haben.

    Der Übungsanteil (Deutsch) fokussierte sich auf die Dog & Pony Show für die angereisten Vtg-Minister und NATO Generalsekretär und Co.

    Erkenntnis: Vieles funktioniert, vieles nicht. Vor allem „Führung“ funktionierte nicht.
    Auch bei anderen Nationen konnte man feststellen, dass einzelne Dienstposten „eben mal“ mit „jemandem“ besetzt wurden und nicht mit dem dringend benötigten Fachmann.

    Anmerkungen bzw. an ihre Berater gerichtete „Feststellungen“ der Vtg-Ministerin haben gezeigt, dass viel „Breite vor Tiefe“ beratend zur Seite steht.

    Üben hilft. Nicht Üben hilft nicht.

  9. Endlich darf ich mich mal in die Nichtmeckerer-Ecke einreihen: auch wenn die taktische Aufgabe sehe überschaubar ist, so ist der Marsch als allgemeine Aufgabe im Einsatz etwas, das nachhaltig Bilder generiert, und zwar in den Köpfen der jungen Soldaten. Danke dem Blogbetreiber, dass das auch mal dargestellt wird – trotz allerlei „Ungereimtheiten“.

    Irgendwann müssen wir halt wieder anfangen zu lernen.

  10. In den letzten Jahren standen unsere polnischen Nachbarn am Straßenrand und haben den Kameraden freudig zugewunken. Das hat es sogar bis in unsere Tageszeitungen geschafft.
    Jegliche Sorgen sind also unbegründet.

  11. Es war wohl eher friedensmarschmäßig, die Waffenstationen waren nicht besetzt, MGs auf den Tonnern nicht auflafetiert (zumindest im Video nicht gesehen) – das kann aber natürlich auch „politische“ Gründe gehabt haben.

  12. @T.W.:
    Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung („Krieg auf Probe“, online verfügbar) wird die Nachversorgung mit Munition in Deutschland nicht real geübt. Begründung: „In Deutschland ist die Nachladung mit Munition in diesem Fall aber durch Gesetze verboten.“

    Etwas seltsame Begründung – vielleicht auch nur ein Missverständnis?

    @KPK:
    Vielleicht wurden doch noch nicht alle Erfahrungen aus 2015 umgesetzt.

    [Prinzipiell richtig – MunVersorgung fand aus rechtlichen Gründen nicht statt. Werde im Laufe des Tages noch zu den Übungen machen. T.W.]

  13. Auch wenn mir Sinn und Zweck dieser Übung sowie der Kontext klar sind: ein Video von deutschem Militär, wie es die Grenze zu Polen überschreitet, unterlegt mit martialischer Musik, veröffentlicht vom deutschen Militär – das wirkt irgendwie falsch. Und als hätte man da eine ganz bestimmte Zielgruppe im Auge.
    Dabei habe ich absolut nichts gegen die Übung an sich. Das Bild, das hier abgegeben wird, sollte aber kritisch hinterfragt werden.

  14. Die Versorgung mit Gefechtsmunition wird in Deutschland seit jeher, und unverändert, geübt. Und zwar auf Truppenübungsplätzen, dabei in der Regel in Anlehnung an Schießbahnen. Die Grund-, oder Anschlussversorgung geschieht in dem Maße, wie Truppen mit Übungsschießen beauftragt ist.
    Der ggf für Noble Jump erforderliche Übungsanteil „Gefechtsmunition“ erforderte eine Übungskünstlichkeit, da die VJTF in Gänze auf Übungsplätze verlegen müsste.

    Die Aufnahme von Gefechtsmunition der Kampfbeladung stellt für Truppe keine Herausforderung dar. Der Munitionsumschlag bei Grund- und Versorgungsbeladung durch Einsatzunterstützung und Teileinheiten der Rückwärtige(n) Dienste im Umfang einer VJTF, also Brigadeäquivalent, aber schon. An Routine in den Abläufen wird es hier sicherlich Mangeln.

  15. Es wäre schon sehr hilfreich für die eigenen Fähigkeiten im MunTransport wenn die Truppe diesen im Grund -bzw Übungsbetrieb selber in Gänze durchführen würde und nicht zivilen Firmen überlassen würde.

  16. @ThoDan
    Es wurde gemacht… in Impressionsvideos auf dem Bundeswehrchannel auf YT. Dies lässt man mittlerweile sein.

    @Sebastian W: Es ist das D/NL Korps. Der Kontext ist klar defeniert. Marterialische Musik kann ich hier nicht wahrnehmen.

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