Exercise Watch: Die VJTF ist unterwegs

Die von der Bundeswehr geführte NATO-Speerspitze, die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), macht sich in diesen Tagen auf zu einer Übung, bei der die schnelle Verlegbarkeit der Deutsch-niederländisch-norwegischen Brigade und ihrer Unterstützungskräfte erprobt wird. Die Staging Area, der Ort, an dem die Truppen zusammengeführt werden, ist der Truppenübungsplatz Oberlausitz nahe der deutsch-polnischen Grenze – und von dort geht es über die Grenze auf den Übungsplatz Zagan in Polen, wo schon 2015 die erste Übung der damals neu aufgestellten VJTF stattfand.

Die ersten Einheiten und Verbände sind in diesen Tagen schon auf dem Weg, wie die Bundeswehr  auf ihrer Webseite mitteilte. Dabei ist das Nebeneinander der verschiedenen Übungsnamen ein wenig verwirrend:

Vereinfacht gesagt: Noble Jump I ist die Alarmierung, Noble Jump II die Aufmarschübung bis nach Zagan; Brave Departure der Aufmarsch der Nationalen Unterstützungskräfte (NUK). Und dann gibt’s auch noch Capable Logistician, wie das genau reinpasst, finde ich auch noch raus – spätestens am kommenden Montag (3. Juni) beim Medientag der Streitkräftebasis auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz.

Im Unterschied zur Noble-Jump-Übung des Jahres 2015 sollen die Soldaten und das Gerät der VJTF-Land, im Kern die deutsche Panzerlehrbrigade 9 aus Munster sowie Niederländer und Norweger, den Weg von der Staging Area in der Oberlausitz nach Zagan nicht mit Bahn und Transportlastwagen zurücklegen. Also werden die Kampf- und die Schützenpanzer auf Kette dorthin rollen. Dieser Abschnitt, die damit verbundenen logistischen Probleme und natürlich die Frage, wie vier Jahre nach der damaligen interim VJTF die military mobility an einer Staatengrenze in Europa funktioniert, werden aus meiner Sicht das Interessanteste an diesen Übungen.

Zum Thema Logistik für die VJTF hat die Bundeswehr ein Video veröffentlicht, bei dem das Logistikbataillon 171 die Hauptrolle spielt:

Fürs Archiv schon mal die bisherigen Veröffentlichungen der Bundeswehr dazu (auch gesichert als pdf-Datei):

Übung für die Speerspitze der NATO in Deutschland und Polen
(pdf: 20190527_VJTF_Brave_Departure_Noble_Jump)

Fragen und Antworten zu Noble Jump und Brave Departure
(pdf: 20190527_Fragen_und_Antworten_Noble_Jump_Brave_Departure)

Alarmierung von IT-Kräften der NATO-Speerspitze – Wie funktioniert das?
(pdf: 20190527_Alamierung_IT-Kraefte_NATO-Speerspitze)

(Foto: Patch der NATO Response Force bei der  Exercise NOBLE JUMP der Interim Very High Readiness Task Force (VJTF) im Juni 2015; Grafik: Bundeswehr)

13 Gedanken zu „Exercise Watch: Die VJTF ist unterwegs

  1. Betreffend „Marsch auf Ketten“:
    Von Nochten nach Zagan sind es keine hundert Kilometer. Welche logistischen Probleme dabei entstehen sollen, ist mir schleierhaft, das kann man ohne Marschpausen durchfahren wenn man will.
    Der Grenzübertritt ist wirklich der einzig spannende Teil. Wobei hier vermutlich, ähnlich der Verlegung Trident Juncture 18 seit Monaten geplant, koordiniert und vmtl. entkonfliktet wird, anstatt eben mal zu üben, wie man sowas in wenigen Tagen plant, vorbereitet und durchführt…

  2. Hallo Herr Wiegold, gestern hatte ich zum Thema einiges geschrieben, existiert das noch?

    [Ja. Aber „grundlegende Hinweise zur taktischen Aufgabe Marsch“ gehören in die Truppeninformation. T.W.]

  3. Das war die Einleitung zum Gesamtverständnis. Soll ja hier Mitleser ohne Heeresverständnis geben.

  4. Ich bin ja doch recht erstaunt das man Gabelstapler zur Verladung anmieten muss, eine VJTF Einheit sollte solch Gerät dich im Fuhrpark haben.
    Hoffentlich tanken die auch Diesel und kein Benzin, sonst wird es mit entlüften der Kraftstoffleitung nicht getan sein… ;)

  5. @FlaOffz

    Aus einer rein technischen Sichtweise ist das sicherlich notwendig, aber ich vermute mal, dass bei der Truppe aus historischen / politischen Gründen keiner besonders scharf darauf ist, bei einem Missverständnis / Stopp an der Grenze derjenige zu sein, der die schlechte PR im eigenen und Ausland (nicht mal das können die bzw. Hilfe, die Deutschen fahren ungefragt mit Panzern durch Polen) verursacht hat.

    Es lässt sich aber darauf hoffen, dass diese Verlegungen in Zukunft schneller und spontaner geübt werden.

  6. @klauspeterkaikowsky apropos „Mitleser ohne Heeresverständnis“, zu denen ich mich auch zählen darf. Daher die Frage: Wie kommt der (wenn ich das richtig sehe) Korvettenkapitän ins Heer, der uns da als Kompaniechef im Filmchen ab 1:03 präsentiert wird? Und ist soviel Lametta nicht ein bißchen zuviel für einen Kompaniechef? Beförderungsstau im Nachschub?

    [Wieso Heer? Ich möchte lösen und würde sagen, SKB? T.W.]

  7. Jetzt verzweifelt @Zivi a. D. möglicherweise an der Abkürzung SKB?
    Daher hier zum Nachlesen https://de.m.wikipedia.org/wiki/Streitkräftebasis
    Kurzform: Die SKB, sie ist ein Teil des Militärischen Organisationsbereiches, in dem Soldaten aller drei TSK (=Teilstreitkräfte) dienen. Somit ist dort auch Marine- und Luftwaffenpersonal vertreten.
    Und zum – hier – OT zu viel Lametta: Bin Ihrer Meinung, aber das Heer jedenfalls hat den KpChef auch zum Major katapultiert, leider.

  8. KKpt – ab 0:45 Matrosen-OStG, da geht es doch schon los – und Herr Wiegold Sie müssen icht lösen. zusammenkratzen wo geht, ist doch die Lösung. nur mit dem Verstehen von Bedürfnissen wird es dann irgendwann schwierig, ach ich vergass, es gibt ja die Vorschrift – holla die Waldfee im echten Krieg.

  9. @Zivi a.D.

    Das ist mittlerweile Gang und Gebe, dass Kompaniechefs Major sind.

    @Roter Milan
    Der war vielleicht nur nervös. Wenn ich mal aufzählen würde, wieviele Leute mir immer was von „da fließen 230 Volt“ und sowas erzählen……man kann ja mal durcheinander kommen.

  10. @Zivi a.D.
    Noch zur SKB bei derzeitiger Übung.
    Auftrag generell ist die logistische Unterstützung bei Verlegung der Truppenteile, Gewährleistung der Unterbringung, der Kraftstoff-, Trinkwasser- und Lebensmittelversorgung.
    Das Kommando Streitkräftebasis (KdoSKB) nutzt die NATO-Übung „Noble Jump (NOJU) I/II 19“, um den Einsatz des nationalen Unterstützungsverbandes NATO Response Force (UstgVbd NRF) realitätsnah zu üben. Dies erfolgt unter dem Übungsnamen „Brave Departure 2019“, s.a. oben: „Fragen und Antworten zu Noble Jump und Brave Departure“.

    Analog zu den Kräften der VJTF (L) 19 werden sowohl der Stab der deutschen Unterstützungskräfte als auch Anteile des UstgVbd NRF ( NATO Responce Force) alarmiert und verlegen seit dem 27. Mai 2019 auf den Truppenübungsplatz Oberlausitz. Dort schafft der UstgVbd NRF die Voraussetzungen für die Phasen „Reception sowie Staging“ = Aufnahme der Truppe, Bereitstellung von Material für den Anschlussauftrag der Truppe und deren Realversorgung.
    Was bei einer Übung logischerweise kaum darstellbar ist, betrifft die Munitionsversorgung, die gerade bei Panzer- und Artilleriemunition erhebliche Transportraten und Sicherungskräfte im Raumschutz Luft/Boden erfordert.

  11. @ FlaOffz | 27. Mai 2019 – 23:22

    Also als ich noch diente, da haben 2 von 6 Leos es nicht mal die 15km von der Truppenschule in den Verfügungsraum vor die Schießbahn geschafft. Und da hatten die noch viele davon, sowie auch jeden Personalposten besetzt und wir reden von der Schule und nicht irgend einem Wald- und Wiesen Btl kurz vor der Auflösung…
    Insofern finde ich, dass es schon spannend zu sehen ist, in welcher Quote es zu Marschausfällen beim Großgerät (Kettenfahrzeuge) kommt – oder eben auch nicht kommt.

  12. @Alpha November
    Als ich noch diente, rückten vom Btl 41 von 41 KPz zur Korps- oder DivÜbung aus, marschierten zwischen 300 – 400 km, hatten pro Kp 1-2 Kurzausfälle in 14 Tagen und erreichten den Standort wieder vollständig. Merke, die „Böcke“ müssen rollen.

    „@JFC_Naples #VJTF is building up! 180 vehicles, 400 soldiers just arrived in Lehnin, Germany“!
    Auf Bundeswehr.de findet sich zu Lehnin nichts.
    Dafür aber: „Die Herausforderung bei einer Alarmierungsübung dieser Art ist, sie einfach laufen zu lassen, um im Ergebnis rauszufinden, was eben noch nicht funktioniert. Falsch verstandener Perfektionismus in dieser Übung ist fehl am Platze“, so Oberstleutnant Michael Labsch, Kommandeur des Logistikbataillons 171/Burg.
    „Alarmierungsübung“, … dass Noble Jump anstand, war bekannt. Wer wurde also überraschend alarmiert?

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