Berater im Verteidigungsministerium: Probleme mit Scheinselbständigkeit? (Nachtrag: Grüne erwägen Untersuchungsausschuss)

Als Merkposten, weil das alles noch recht undurchsichtig ist: Im Zusammenhang mit den Vorwürfen, das Verteidigungsministerium gebe auf zweifelhafter rechtlicher Grundlage erhebliche Summen für Berater aus, geht es jetzt auch um sozialversicherungsrechtliche Probleme. So steht der Verdacht im Raum, dass zumindest einige der Berater als Scheinselbständige agierten, das heißt in Vollzeit allein für den Auftraggeber Bundeswehr oder Ministerium tätig waren, aber als Selbständige auftraten und damit nicht in die Sozialversicherung einzahlten. Dafür kann unter Umständen auch der Auftraggeber zur Verantwortung gezogen werden.

Aufgrund einer anonymen Anzeige prüfe die Berliner Staatsanwaltschaft entsprechende Vorwürfe, berichtet Spiegel Online am (heutigen) Donnerstag:

Nach SPIEGEL-Informationen prüft die Staatsanwaltschaft Berlin, ob der dauerhafte Einsatz von Unternehmensberatern im Wehrressort den Tatbestand der vorsätzlich verursachten Scheinselbstständigkeit erfüllt.
Die Ermittlungen der Justiz wurden durch eine Anzeige gegen die Ministerin vom 30. September ausgelöst, die offenbar von einem Insider aus dem Umfeld ihres Hauses stammt. (…)
Einen solchen Vorsatz unterstellt die Anzeige gegen [Verteidigungsministerin Ursula] von der Leyen. Demnach „wurden über einen längeren Zeitraum Berater eingesetzt, die dort wie Mitarbeiter beschäftigt“ gewesen seien.

Das Ministerium betonte in einer Stellungnahme, die Anzeige richte sich nicht gegen die Person der Ministerin, sondern gegen das Ministerium ingesamt. Außerdem seien bereits vor Bekanntwerden der Anzeige Schritte unternommen worden, den sozialversicherungsrechtlichen Status von mehreren Personen zu überprüfen:

Wir haben über die Presse Kenntnis von einer Anzeige gegen das Ministerium. Deren Rubrum lautet juristisch formal korrekt „gegen das Bundesministerium der Verteidigung vertreten durch die Bundesministerin“. Von einer gegen die Person der Ministerin gerichtete Anzeige kann keine Rede sein.
Bereits vor Kenntnis dieser Anzeige war das Ministerium mit dem Antrag auf Statusfeststellung für insgesamt sechs Personen auf die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung zugegangen. Den Vorwurf, dass das Ministerium vorsätzlich im Zusammenhang mit der Einbindung externer Unterstützungsleistungen Meldungen an die Sozialversicherungen unterlassen habe, weist das Ministerium entschieden zurück.

Nun kommt eine solche Scheinselbständigkeit in manchen Branchen öfters vor; in einem Bundesressort scheint mir das allerdings die Ausnahme zu sein.

Darüber hinaus gibt es nach Angaben von Spiegel Online auch konkrete Vorwürfe gegen einen hochrangigen, namentlich nicht genannten Soldaten:

Im Ministerium kursieren bereits ziemlich konkrete Gerüchte über eine Art Buddy-System unter Auftraggebern im Haus und den externen Beratern. Häufig wird der Name eines Drei-Sterne-Generals genannt, der persönlich eng mit einem Berater befreundet ist. Der frühere Bundeswehr-Mann wiederum zog in den vergangenen Jahren immer wieder größere Aufträge aus dem Ministerium für seine Firma an Land.

So was ist immer schwer zu verifizieren, nicht umsonst schreibt auch SpOn von Gerüchten. Eben diese Gerüchteküche verortet die Vorgänge vor allem im Bereich der besonders auf Berater angewiesenen Informationstechnik.

Nachtrag: Das Thema kam auch im Haushaltsausschuss des Bundestages zur Sprache – und danach brachte der Grünen-Haushälter Tobias Lindner einen möglichen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ins Gespräch:

Auch im Ausschuss hat Ministerin von der Leyen auf meine Nachfrage weitere Fälle einräumen müssen. Es stehen nach wie vor zahlreiche Fragen unbeantwortet im Raum über Umfang des Einsatzes Externer, über Vergabeverstöße, über Seilschaften zwischen Ministerium und Externen. Die Ministerin muss nun nicht nur zügig aufklären, sondern auch aufzeigen, wie die Bundeswehr künftig ihre Aufgaben wieder selbst erledigen kann und die Beratung und Unterstützung von außen auf ein notwendiges Minimum reduziert wird. Es ist jetzt die Entscheidung von Ursula von der Leyen, ob sie die Vorgänge in ihrem Haus vollumfassend aufklären will und die zuständigen Ausschüsse transparent informiert, oder sie weiterhin auf Vertuschung und Abwiegeln setzt. Ich erwarte, dass das Verteidigungsministerium uns vollumfänglich Einsicht in die relevanten Akten gewährt. Ansonsten sind andere Wege der parlamentarischen Aufklärung wie ein Untersuchungsausschuss unumgänglich.

26 Kommentare zu „Berater im Verteidigungsministerium: Probleme mit Scheinselbständigkeit? (Nachtrag: Grüne erwägen Untersuchungsausschuss)“

  • Organwalter   |   18. Oktober 2018 - 14:07

    Verantwortungsvolle öffentliche Auftraggeber sind für das Problem der Scheinselbständigkeit sehr sensibilisiert, das kann ich aus eigener Erfahrung bezeugen.

    Der „Beraterskandal“, an dessen Oberfläche SPIEGEL & Co. nun kratzen, enthält mindestens drei gewichtige Problemkreise:

    -> Die vergaberechtswidrige Beauftragung, die zu einer Nichtigkeit (!) und Rückabwicklung der betroffenen Verträge führt (in praxi: führen kann, weil sie wohl nicht von dritter Seite angegriffen werden..).

    -> Die „Haushaltsuntreue“, § 266 StGB, sowie ggf. die Delikte der Vorteilsannahme/-gewährung.

    -> Die im Artikel bereits angerissene Scheinselbständigkeitsproblematik, die jedoch nicht bei der Beauftragung größerer Beratungsunternehmen entstehen dürfte – es sei denn, in Wirklichkeit sind gar keine festangestellten Mitarbeiter dieser Unternehmen tätig geworden, sondern „Einzelunternehmer“…

    Genug Stoff für einen wahren Thriller…

  • FlaOffz   |   18. Oktober 2018 - 14:24

    Irritiert nur mich, wie das BMVg mit Sprach – Artistik gerade der IBuK die (politische) Verantwortung fuer das Handeln ihres Ministeriums abspricht?
    Naturlich richtet sich die Anzeige nicht gegen die Privatperson (es sei denn es wuerde hier vorsaetzliches Handeln/Vorteilsnahme der Ministerin persoenlich vorliegen), sondern gegen die Amtsperson.
    Das BMVG schreibt selbst „vertreten durch die Bundesministerin“.Aber scheinbar ist Verantwortung im BMVg, anders als in der Truppe, sehr gut teilbar.
    Oder anders formuliert, wenn an den Vorwuerfen was dran ist, aber die Ministerin nicht selbst aktiv handelnd darin verstrickt war, kann dann die Ministerin im Amt bleiben und stattdessen geht das Ministerium ins Gefaengnis?

  • Appendix1   |   18. Oktober 2018 - 16:24

    @FlaOffz: Gut hingehört.

    Es ist wohl klar, wohin die Reise geht… „man wolle „Hinweisen auf grobes persönliches Fehlverhalten von Einzelnen im Zusammenhang mit der Vergabe von Aufträgen“ nachgehen.“
    Wenn man im gleichen Abwasch dann auch berücksichtigt, wer die Vergaben erst ermöglicht, forciert und die Abrufe quasi eingefordert hat, ist ja alles in Ordnung.

  • KenAdams   |   18. Oktober 2018 - 17:47

    Überfällig. Inzwischen fragen wir zivile Berater alles und wenn wir nicht mehr wissen was wir noch fragen sollen, fragen wir das auch und bekommen aufgezeigt wo wir noch Beratung brauchen. Es ist absolut lächerlich was da im BMVg aber auch BAAINBw abläuft.

    Schlimm ist, dass keiner fragt warum? Wann fällt denn jetzt endlich mal auf, dass das Problem der Bw und BMVg nicht der Ausrüstungs- sondern der Expertise Mangel ist.

    Warum können den Generale und davon bezahlen wir etwa 200 keine Projekte mehr leiten, warum können Generalstabsoffiziere sie dabei nicht mehr Beraten und das Ganze orchestrieren. Warum müssen das alles zivile Firmen machen?

    Weil bei uns keiner mehr Anhnung hat. Let’s address the Elephant in the room.
    Warum hinterfragt keiner die Führungsakademie und ihren Output?

    Und die paar die was auf dem Kasten haben die werden solang mit Bürokratie überschüttet bis sie frustriert Kündigen. und wo gehen sie dann hin???
    Zu Beraterfirmen!!!! Das ist doch seid Jahren Gang und Gebe.

  • asplen   |   18. Oktober 2018 - 18:24

    KenAdams | 18. Oktober 2018 – 17:47

    Warum können den Generale und davon bezahlen wir etwa 200 keine Projekte mehr leiten, warum können Generalstabsoffiziere sie dabei nicht mehr Beraten und das Ganze orchestrieren. Warum müssen das alles zivile Firmen machen?

    Weil bei uns keiner mehr Anhnung hat

    Den Eindruck hat man auf niedrigerer Ebene auch. Vielleicht noch mit dem ergänzenden Faktor, dass (angehende) StOffze aus beurteilungstaktischen Gründen Probleme nicht ansprechen können oder man aus ähnlichen Gründen Schlechtes von anderen Standorten quasi importiert, um nicht durch zu viel innovatives Denken beim Beurteilenden negativ aufzufallen.

  • MA   |   18. Oktober 2018 - 18:31

    @ KenAdams | 18. Oktober 2018 – 17:47

    „Let’s address the Elephant in the room.“ 1+

    Und das geht hinunter bis in die niedrigsten Ebenen.

  • KenAdams   |   18. Oktober 2018 - 18:43

    @Asplen
    Wow, das es soweit schon ist war mir nicht klar.

    Die Innere Führung ist tot, denn sie basiert incl. der Auftragstaktik auf der Fachexpertise, des Könnens des Vorgesetzten und dem daraus erwachsenden Vertrauen des Untergebenenem gegenüber seiner Führung.

    Befehle sind auch tot, weil der Befehlsgeber gemäß Auftragstaktik verpflichtet ist die dazu notwendigen Kräfte und Mittel bereitzustellen was er bei der Resourcenlage fast nie adäquat kann. Noch schlimmer aufgrund mangelnder Fachexpertise des Vorgedetzten fehlt das Verständnis der Täglichen bzw. operationellen Details und Fachlichen Problemen der Truppe. Er kann ohne eigenes militärfachliches Können im Themenfeld kaum Befehle zur Problemlösung erteilen und macht anstelle dessen, das allerschlimmste: Das Unterlassen.

    Mit Ausnahme einzelner Kampfverbände im Einsatz ist der Befehl, die Pflichten des Vorgesetzten, die Auftragstaktik und Innere Führung wie sie im Buche steht, im täglichen Friedensdienstbetrieb vom BMVg die Ganze Leiter hinunter bis in die Verbände ausgehölt wie die Materialage und in ihren Grundfesten erodiert.

    Das Alles weil wir keine militärischen Fachleute mehr als Vorgesetzte generieren sondern oberflächliche Manager. Und dann können sie nicht mal das und lassen sich noch von zivilen Beraterfirmen erzählen wie sie ihren Job machen sollen.

    Can it get any worse?

  • Pete   |   18. Oktober 2018 - 18:45

    @Ken Adams
    „Warum können den Generale und davon bezahlen wir etwa 200 keine Projekte mehr leiten, warum können Generalstabsoffiziere sie dabei nicht mehr Beraten und das Ganze orchestrieren. Warum müssen das alles zivile Firmen machen?“

    1. Die Generäle können das natürlich. Das wäre ja auch das Normalste auf der Welt.
    2. Der gigantische Militärhaushalt läßt sich für die davon profitierenden Firmen aber leichter „melken“ wenn man „Expertenstudien“ aus eben dieser Privatwirtschaft beeinflußen kann.
    3. KEINE Privatfirma gibt ein unabhängiges Gutachten ab! Privatfirms haben ein Geschäftsinteresse und handeln entsprechend.
    4. Um Unabhängigkeit von politischen und wirtschaftlichen Interessen zu haben und öffentliche Interessen zu wahren gibt es den viel gescholtenen Beamtenapparat. Der sollte tatsächlich unabhängig ein, deswegen wird der Beamte lebenslänglich „alimentiert“ und darf keine Nebentätigkeiten haben. Das war schon bei den alten Ägyptern und im alten Rom so.

    Fazit:
    Wer ein unabhängiges Urteil will muß die Beamten fragen. Die Auswahl der qualifiziertesten Bewerber für diese Tätigkeit (in den hohen Positionen) ist die vornehmste Aufgabe des politischen Dienstherrn.
    Eigentlich ist Alles bestens geregelt,aber…

  • Zimdarsen   |   18. Oktober 2018 - 19:11

    @KenAdams

    „Das Alles weil wir keine militärischen Fachleute mehr als Vorgesetzte generieren sondern oberflächliche Manager.“

    Das ist nicht richtig wir haben militärische Fachleute und generieren sie noch weiter, doch deren militärischer Sach- und Fachverstand ist nicht gefragt.

    Das Aufträge und Mittel nicht in Übereinstimmung sind wird jeden Tag gemeldet und doch werden die Aufträge/ Missionen durchgeführt und LV/BV nicht berücksichtigt. Der Grundbetrieb ist weit über seinen Anschlag und weiter Tiefpunkte werden folgen. Die Neuausrichtung ist noch nicht beendet.

  • aufmerksam   |   18. Oktober 2018 - 20:23

    Wie war das mit dem „Führungsproblem auf verschiedenen Ebenen“ (Mai 2017)?
    SCNR

  • Koffer   |   18. Oktober 2018 - 22:51

    @KenAdams | 18. Oktober 2018 – 17:47
    „Warum hinterfragt keiner die Führungsakademie und ihren Output?“

    Weil die FüAkBw weder Berater noch (technische) Spezialisten noch Vertragsjuristen noch IT-ler noch Marketing-Fachleute noch noch noch ausbilden soll.

    So einfach.

    @all
    Ich habe auch meine Kritik an den Beratern im engeren Sinne (angeblichen Ablaufverbesserungen, Einsparung etc. etc.), aber man sollte auch wissen, dass über die „Berater“-Schiene ganz häufig Spezialsachverstand eingekauft wird, der entweder temporär gebraucht wird (und deswegen eine jahrelange Ausbildung von Bw-eigenem Personal sich nicht rechnen würde) oder die Bw hier finanziell oder sonst wie nicht konkurrenzfähig ist.

    Von daher sollte nicht jeglicher „Berater“ auch ein „Feindbild“ sein ;)

    Man sollte halt nur wissen, wann man externen Sachverstand braucht und wann lieber nicht…

  • Uwe   |   19. Oktober 2018 - 2:39

    Sind beim Thema „Berater in der Bw“ nicht wenigstens zwei Arten zu unterscheiden?
    Erstens Angestellte von Beratungs- und evtl. anderen Firmen, die zunächst unmittelbar von denen bezahlt werden. Wobei die Firmen dann ihre Kosten dem BMVg oder zuständigen Amt in Rechnung stellen.
    Zweitens Einzelpersonen, nicht nur, aber z.B. auch ehemalige Soldaten/Beamte/Angestellte des Bundes. Nur hier könnte – auch unbeabsichtigt/irrtümlich – Scheinselbständigkeit und Versäumnis von Sozialabgaben vorliegen. Wobei das wohl oft nicht die prekäre Beschäftigungsform wäre, die gesetzlich verhindert werden soll. Steuern/Sozialabgaben müssen natürlich bezahlt werden, und BMVg darf nicht einfach dulden, wenn das möglicherweise nicht passiert.
    Im zweiten Falle braucht man die Leute wohl wegen echtem Mangel. Das hat dann mit Führungskultur und Haltungsproblem auf höheren Ebenen höchstens sehr indirekt etwas zu tun.
    Im ersten Fall kann man schon einen Zusammenhang mit Kultur und Haltung sehen, wenn Beratungsfirmenwirken planerische Kernfähigkeiten des öAG (miserabel) ersetzt.

    Minister(innen) und Politik haben speziell an ersterem ihren deutlichen Anteil, aber, in der Tat, da ist ein Elefant im Raum. Die führenden Soldaten/Beamten taugen nicht, statistisch jedenfalls, nicht jeder Einzelne. Sag‘ ich als einer, der als Soldat vor langer Zeit auch mal den großen Lehrgang an der Führungsakademie absolviert hat, dort auch Dozent war und über das allgemeine Laufbahnziel hinaus gekommen ist. Die Ausbildung fand ich gut, aber die Charaktere, die sich später nach ganz oben durchsetzen, ojeh!

  • Sommerbiwak   |   19. Oktober 2018 - 2:45

    aufmerksam | 18. Oktober 2018 – 20:23:“Wie war das mit dem „Führungsproblem auf verschiedenen Ebenen“ (Mai 2017)?
    SCNR“

    Kopf, Fisch. Wissen schon.
    Damit ist der gesamte Kopf in Gestalt der Stäbe, Ämter, Ministerium insgesamt gemeint. Aber warum sollte da die Bundeswehr und BmVg besser funktionieren als der Rest des dysfunktionalen Staates gemessen an den Ergebnissen. Flughäfen kann man ja auch nicht mehr bauen usw. usf. ad nauseam. Da helfen auch keine überteuerten externen Beraterfirmen mehr. Das setzt sich natürlich bis nach unten fort.

    Keine Ahnung wie man da umsteuern könnte.

  • MA   |   19. Oktober 2018 - 6:30

    @ Pete | 18. Oktober 2018 – 18:45

    „Eigentlich ist Alles bestens geregelt, aber…“

    Eigentlich und Aber – Besser kann man es nicht ausdrücken.

  • Dipl.-Inf(anterist)   |   19. Oktober 2018 - 7:59

    Einen Untersuchungsausschuss hätte ich eigentlich schon aufgrund des Threads „Gelddruckmaschine im BMVg“ vom 28.09. erwartet, aber der ist auch hier versandet, denn da kam ja ein Moorbrand und eine „Gehorsamsverweigerung“ im Wachbataillon dazwischen… ;-)
    Wenn nun Art & Umfang der Beratungsleistungen, die Grundlagen und die Rahmenbedingungen unter denen die Berater im BMVg tätig waren aufgeklärt werden, dann könnte es für die Bundesministerin der Verteidigung aber unangenehm werden!

    Klar ist m.E. dass in diesem Hause nahezu alles militärische „Pfui“ ist, einschließlich der Expertise… und deshalb behält die/der, die/der sie hat sie lieber für sich!
    Das Ergebnis kann man nahezu täglich sehen und ja auch regelmäßig hier nachlesen!

  • KenAdams   |   19. Oktober 2018 - 8:56

    Danke für die Anmerkungen,

    Ihr verortet das Problem also weiterhin allein in der Politik und Privatwirtschaft sowie der Empänglichkeit ersterer für die Lobbyarbeit zweiterer

    Das stell ich überhaupt nicht in Abrede aber meine Erfahrung sagt mir so ungescholten kommen wir Soldaten da nicht raus. Es gibt ein zusätzliches Problem der schwindenden Operationellen Fachexpertise bei Truppenoffizieren insbesondere Stabs und GenStoffz welche deren Führungsverhalten schon unterbewusst negativ beeinflusst und eine Manager und Verantwortungslosigkeits Kultur und Klima produziert hat.

    Ich Klammer mal die Kampftruppen des Heeres aus, da kenn ich mich weniger aus und habe in joint Kooperationen den Eindruck das Auftragstaktik noch voll gekonnt und gelebt wird, was Selbst-Können des Vorgesetzten voraussetzt.

    In der Breite der Truppe und dem BMVg nachgeordneter Kdo Behörden und Stäbe kann man aber nicht alles auf die Politik und den Resourcen Mangel schieben. Dort werden täglich hunderte vermeidbare Fehlentscheidungen getroffen und noch viel mehr Entscheidungen unterlassen weil der Vorgesetzte keinen Plan von modernen Einsatzformen und Taktiken seidener Waffengattung bzw Dienstbereich hat. Er nimmt am operationellen Ausbildungs und Übungsbetrieb kaum selbst Teil weil er BU schreibt oder Besuchergruppen führt und Lono macht. Er trifft diese Fehlentscheidungen jetzt also gar nicht im Operationellen Betrieb sondern in seinen Folgerungen auf Ausbildung, Personal und alle weiteren Planungskategorien die dann wiederum den Rahmen für die Qualität der Truppe bei Operstionsfurchführung bestimmen.
    Er berät den nächsthöheren Vorgesetzten falsch und er bildet ein falsches Vorbild für die jungen Truppen, Stabs- und GenStoffze die meinen das fachliche Oberflächlichkeit des Vorgesetzten Die neue Auftragstaktik wäre, die meinen Detailkenntnis wäre unerwachsen und nicht förderungswürdig und dem Manager Schweben über den Problemen nacheifern.

    Das zu ändern ist sehr komplex und da muss die FüAk ihren BLS und LGAN mal komplett auf links drehen. Zudem müssen Werdegänge und die Kriterien für Förderungswürdigkeit neu geregelt werden. Militärische Operationen durchführen können und nicht tolle Lonos, Konjunktiv Vorträge und PowerPoint Skills müssen gefördert werden. Das müssen die Offiziere auch in der Praxis im Verlauf ihrer Karriere immer wieder beweisen und nicht ab Stoffz nur noch drüber reden und schreiben.

  • Zimdarsen   |   19. Oktober 2018 - 9:01

    @Pete

    So ist es und deshalb ist es unglaublich wie ungeniert man im BMVg Ehen Soldaten als RDL einstellt welch dann ihre Arbeit für den Arbeitgeber einfach im Dienst weiter machen und an alle Informationen kommen.

    Das ist der eigentliche Skandal, aber man will ja modern sein.

  • Zimdarsen   |   19. Oktober 2018 - 9:33

    @KenAdams

    „…Dort werden täglich hunderte vermeidbare Fehlentscheidungen getroffen und noch viel mehr Entscheidungen unterlassen weil der Vorgesetzte keinen Plan von modernen Einsatzformen und Taktiken seidener Waffengattung bzw Dienstbereich hat. Er nimmt am operationellen Ausbildungs und Übungsbetrieb…..“

    ? In diesen Bereichen haben wir aber eher keine besonderen Probleme!

    Unsere Probleme sind in der Mat-Bewirtschaftung/Pers-Planung, da hauptsächlich außerhalb der TSK, im Wesentlichen organisatorisch durch Neuausrichtung und vorhergehende Reformen verursacht.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   19. Oktober 2018 - 9:58

    @Dipl.-Inf(anterist)  
    „… könnte es für die Bundesministerin der Verteidigung aber unangenehm werden!“
    Wird es definitiv nicht.
    Die Regierung hat dermaßen viele Baustellen auf der koalitionären „Dilemmaliste“ national&international, – noch eine dazu -, dann auch gar das Topthema Verteidigung (sarc), da ändert sich nichts.

  • Karl Mohr   |   19. Oktober 2018 - 13:03

    Das erinnert mich an meinen Genstlehrgang 38.LGAN:
    Angekündigt waren Berater mit besonderer Expertise:
    Auf der Bühne entpuppt sich einer der Berater als Hauptmann der Reserve ohne Kp Chef Erfahrung (SAZ 12 mit Studium Dipl-Kfm und 15 Monate Roland Berger) und erklärt wie unter dem System HIL alles besser werden wird.

    Das ist den Lehrgangsteilnehmern übel aufgestoßen. Konsequenz: der Tutor wurde gerüffelt, weil er seine unbotmäßigen Lehrgangsteilnehmer nicht im Griff habe.

  • Tom   |   19. Oktober 2018 - 14:12

    @Karl Mohr | 19. Oktober 2018 – 13:03

    Das erinnert mich an meinen Genstlehrgang 38.LGAN:
    Angekündigt waren Berater mit besonderer Expertise:
    Auf der Bühne entpuppt sich einer der Berater als Hauptmann der Reserve ohne Kp Chef Erfahrung (SAZ 12 mit Studium Dipl-Kfm und 15 Monate Roland Berger) und erklärt wie unter dem System HIL alles besser werden wird.

    Ja und?
    Auch ein fachlich versierter Oberleutnant (Truppendienst) oder ein guter Hauptfeldwebel können einem Stabsoffizier und angehenden Generalstäbler in ihrem Fachbereich etwas beibringen bzw. dessen Augen öffnen und schärfen. Dienstgrad, Laufbahn und Lebensalter sind nun mal nicht die einzigen Qualifikationen.

    Man könnte es daran festmachen, dass dieser Experte in Wahrheit doch keine Expertise hatte. Außer eben dass er „extern“ und „Berater“ war.
    Aber so ist das doch etwas plump vom vermeintlich hohen Ross herunter.

  • Anderer LGAN   |   19. Oktober 2018 - 14:25

    Hoffentlich ist zumindest ein einziger der „unbotmäßigen“ B6+ geworden :-)

  • Pio-Fritz   |   20. Oktober 2018 - 12:49

    KenAdams | 19. Oktober 2018 – 8:56

    Es gibt ein zusätzliches Problem der schwindenden Operationellen Fachexpertise bei Truppenoffizieren insbesondere Stabs und GenStoffz welche deren Führungsverhalten schon unterbewusst negativ beeinflusst und eine Manager und Verantwortungslosigkeits Kultur und Klima produziert hat.

    Woher soll die Fachexpertise denn kommen, wenn man als junger OA nach 15 Monaten für 4-5 Jahre im Studium verschwindet, hinterher die Lehrgänge im Express-Verfahren und dann in ein Amt oder einen Stab versetzt werden? Truppenpraxis und Know-How? Fehlanzeige.

    Die haben dann Defizite in ihrer militärischen Expertise und Sozialisation. Und die holen Sie auch nicht auf dem StOffz- oder GenStOffz-Lehrgang auf. Sozialisation kann man nicht aus Büchern lernen.

  • 0815   |   20. Oktober 2018 - 13:29

    @aufmerksam
    Zitat: „Es wird noch einiges hochkommen“….Verfasser bekannt.

    Warten wir also ab, wann die Rehabilitation der Abgesetzten Kommandeure erfolgt, denn eigentlich trifft diese „dann“ nach derzeitiger Sprechart und vermuteter Sichtweise im eigenen Fall des Ministeriums, keine Schuld.
    Oder wird hier etwa mit zweierlei Maß gemessen?

    Einige zeigen mit dem Finger auf andere Ländern. Besser mal im eigenen Stall ausmisten bevor sich die Bananenkisten allzu hoch stapeln.

    Mehr fällt mir zu alledem nicht mehr ein!

  • T.Wiegold   |   20. Oktober 2018 - 16:23

    Sorry, Leute, es geht hier um die Beauftragung externer Berater. Das jetzt zu einem Thread über die Arbeit, Expertise, Fachkenntnis von Truppen/StabsOffizieren zu machen, dann Generalstabsoffiziere gegen Nicht-Generalstabsoffiziere abzuwägen usw… das muss an dieser Stelle wirklich nicht sein.

  • FNU SNU   |   22. Oktober 2018 - 14:29

    Ich finde es sehr befremdlich, dass man sich aufregt, dass externe „Berater“ eine Eamiladresse und Intranetzugang bekommen.

    Dass externe nicht Ihre eigene IT nutzen sollen sondern IT des Ministeriums ist doch bei VS Daten sonnenklar.
    Und auch eine authentizierung erfolgt in der Regel über das Actice Directory, hier in der Regel ebenfalls über eine Kennung mit Emaildaten.

    Hätten die Personen als mit Ihren firmenemailadressen arbeiten sollen und Ihren eigenen PC’s? Wie hätte man denn dann Daten übertragen sollen?

    Und dass externe auch ebenfalls ein festes Büro bekommen für die Projektdauer ist mehr als normal und kommt in allen Ministerien und auch auf Landesebene vor.

    Die andere, kritikwürdige Seite ist natürlich die Frage der Dauer des Einsatzes und eben die Frage ob hier tatsächlich ein scheinselbsständiges Arbeitsverhältnis vorlag.
    Und eben ggf. das Buddy System.
    Und nicht das vorhandensein von Emailadressen oder Zugang zum Intranet…

    Aber scheinbar ist da bei einigen Herren ebenfalls noch Neuland…