Durch die VBB-Brille: „Gelddruckmaschine im Verteidigungsministerium“

Anfang der Woche kam der Spiegel mit einer Geschichte, die für das Verteidigungsministerium erheblichen Sprengstoff birgt: Für Beratungsleistungen, so heißt es unter Berufung auf einen Prüfbericht des Bundesrechnungshofes (BRH), gebe das Wehrressort bis zu 150 Millionen Euro im Jahr nur für Berater aus –  auf mindestens zweifelhafter rechtlichen Grundlage. Ein Bericht in einem internen Mitteilungsblatt einer Beamtenvertretung stützt die Vorwürfe.

Zunächst aus dem Bericht bei Spiegel Online:

In dem 18-seitigen Papier, das dem SPIEGEL vorliegt, beschreiben die Experten ein regelrechtes Chaos bei der Beauftragung von Beratern und erheben schwere Vorwürfe gegen die Leitung. Demnach gibt von der Leyens Haus bis zu 150 Millionen Euro jährlich nur für Berater aus. (…)
Noch schwerer wirkt dieses Prüfergebnis: So stellen die Experten fest, dass die Bundeswehr große Berater-Budgets „häufig freihändig ohne Wettbewerb“ vergeben hatte. Die Gründe dafür seien „nicht immer überzeugend“. (…)
„In über 80 Prozent der betrachteten Fälle hat die Bundeswehr den Bedarf für die Beauftragung externer Leistungen nicht nachgewiesen“, stellen die Prüfer nüchtern fest.

Nun steht die Stellungnahme des Ministeriums zu diesem BRH-Bericht noch aus. Interessant ist aber in diesem Zusammenhang ein Text, der bereits vor den Spiegel-Berichten erschien. Im zwar internen, aber öffentlich abrufbaren Mitteilungsblatt des Verbandes der Beamten der Bundeswehr (VBB), die im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAInBw) abeiten, der VBB-Brille.

Ein Auszug aus der Ausgabe 290:

Beraten und verkauft – als das Verteidigungsministerium die Gelddruckmaschine erfand
(…) Es geht um Beratungsleistungen, die vom BAAINBw selbst gar nicht nachgefragt worden sind. Das Konstruktionsprinzip dieser Maschine ist dabei gleichermaßen einfach, unscheinbar und genial zugleich: Man nehme einen allgemein gehaltenen Rahmenvertrag des Bundesinnenministeriums über die Erbringung von softwarebezogenen Dienstleistung mit einem Allround-Informationstechnikdienstleister, aus dem auch die Bundeswehr abrufberechtigt ist. Sodann konstruiere man dazu im Ministerium ein passendes Chassis, bei dem ein ganz anderes Äußeres beschrieben wird. Und letzten Endes beauftrage man das BAAINBw, Leistungen aus diesem Rahmenvertrag abzurufen, mit dem ausdrücklichen Wunsch, dabei aufgrund der dort vorliegenden Vorerfahrungen und der Vorkenntnisse auf bestimmte Unterauftragnehmer aus der Beratungsbranche zurück zu greifen.
Der Kreis derjenigen Beraterfirmen, die dabei eine Rolle spielen, braucht an dieser Stelle nicht wiederholt zu werden, es sind die üblichen Verdächtigen, die bereits in den letzten 4 Jahren im Mittelpunkt standen. (…)
Not macht eben erfinderisch, auch wenn es eine gefühlte Not im Verteidigungsministerium ist: Denn ob die an die externen Berater beauftragten Leistungen tatsächlich notwendig waren, weil weder verwaltungsseitige Erkenntnisse vorliegen noch diese intern erarbeitet oder erworben werden können, wurde nicht geprüft und nicht hinterfragt. Und es wurde auch nicht untersucht, ob die gewählte Art der Bedarfsdeckung mit diesen Beratungsdienstleistungen überhaupt die wirtschaftlichste Alternative ist.
Die Gelddruckmaschine läuft, gut verborgen, unter dem Tarnnetz Modernisierung und Digitalisierung der Bundeswehr. Ein wenig ministerielles Schmiermittel aus dem nichtdienstlichen Bereich hat die Maschine so richtig gut zum Laufen gebracht. Insgesamt geht es dabei um zweistellige Millionenbeträge, was bei einem zu Buche schlagenden Tagessatz von rund 1800 Euro (das entspricht 36.000 Euro pro Monat) für einen Berater auch nicht verwunderlich ist.

Das ist für die internen Kenner geschrieben und deshalb für Außenstehende nicht so direkt verständlich, zeichnet aber schon mal in Teilen das Bild, das sich auch aus dem vom Spiegel zitierten Rechnungshof-Bericht ergibt. Der Vorwurf wiegt schwer: Das Ministerium soll gezielt Berater eingesetzt und bezahlt haben, obwohl die nötigen Leistungen auch intern hätten erbracht werden können.

Was aus dem bisher bekannt Gewordenen folgt, ist im Moment noch offen. Von den Haushältern der Opposition scheint bislang nur der Grüne Tobias Lindner öffentlich auf diesen Fall eingestiegen zu sein (jedenfalls habe ich sonst noch nichts gefunden):

Das Ministerium setzt inzwischen teure Unternehmensberater für Alltagsarbeit ein, statt offene Stellen zu besetzen. Grundsätzlich spricht nichts gegen eine punktuelle Beratung durch Externe. Diese kann sogar äußerst hilfreich sein. Der dauerhafte Einsatz von externen Beratern droht zu einem Kompetenzabbau in der Verwaltung zu führen und die Lücken im Ressort zu vergrößern. Das Vorgehen des Ministerium lässt erhebliche Zweifel daran aufkommen, dass bedacht vorgegangen und nur das Notwendigste ausgelagert wird. (…) Wir haben einen Beschluss eingebracht, der die Berichterstattung an den Haushaltsausschuss ausweitet und somit mehr Transparenz schafft. Nicht nur Beratungsleistungen, sondern auch sogenannte Unterstützungsleistungen, die meist von Beratungsfirmen erbracht werden, sollen aufgeführt werden. Zudem muss mehr Transparenz über die bestehenden Rahmenverträge hergestellt werden.

Mal sehen, was daraus noch wird.

Nachtrag: Bei Spiegel Online gibt es dazu jetzt auch Stimmen aus der SPD und der FDP.

62 Kommentare zu „Durch die VBB-Brille: „Gelddruckmaschine im Verteidigungsministerium““

  • Nur 2 Cent   |   28. September 2018 - 7:38

    Zitat VBB-Brille: „Ein wenig ministerielles Schmiermittel aus dem nichtdienstlichen Bereich hat die Maschine so richtig gut zum Laufen gebracht.“

    Verbirgt sich dahinter die vermeintlich familiäre Verbindung eines McKinsey-Associate?
    (hint: linkedin)

  • Metallkopf   |   28. September 2018 - 7:42

    Wenn das sich im Detail so erschütternd bestätigt, wie es jetzt schon aussieht, dann haben im BMVg Köpfe zu rollen. Wenn es noch schlimmer kommt, und zwischen den Beratern und den Abrufinitiatoren im Ministerium (das BAAINBw scheint ja angewiesen worden zu sein, Leistungen aus den Rahmenverträgen abzurufen) auch noch politische Verbindungen oder persönliche Seilschaften bestehen sollten, könnte das sogar für die Leitungsebene gefährlich werden. Denn dann stellt sich eventuell auch die Frage, ob nicht ein StS oder gar die Ministerin selbst mit involviert gewesen sein könnte.

    Erschütternd, aber leider nicht wirklich überraschend. Das Ministerium war viel zu lange in der Hand einer Partei. Das ist immer von Übel, ungeachtet der konkreten politischen Couleur.

  • Korrektur   |   28. September 2018 - 7:57

    BAAINBw = Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung in der Bundeswehr

    [Ist zwar wirklich OT, aber auf ihrer Webseite bezeichnen die sich so wie von mir oben geschrieben. Für eine abweichende Schreibweise sollten Sie einen Beleg liefern.
    /edit Ich soll nicht so früh am morgen schon arbeiten, das geht schief. Sorry. T.W.]

  • Mitleser   |   28. September 2018 - 8:14

    Frau von der Leyens Sohn David von der Leyen ist ja Associate bei McKinsey & Company San Francisco. Die von der Ministerin als Staatssekretärin engagierte Frau Katrin Suder ist von McKinsey, ebenso diveres andere der Berater. Die Kosten und die Ergebnisse ihrer Arbeit, respektive der aktuelle Zustand der Bundeswehr, dürften bekannt sein. Es wäre sicherlich eine interessante Aufgabe für die Opposition, einmal genauer zu durchleuchten, ob es hier persönliche Interessenverquickungen, eventuell sogar persönliche Vorteilsnahme seitens der Verteidigungsministerin gab oder gibt.

  • Trevor Faith   |   28. September 2018 - 8:32

    Ich hätte gedacht, daß ausgerechnet ein Grüner sich für die Funktionsfähigkeit der Bundeswehr einsetzen würde, während alle anderen stumm daneben sitzen.
    Soweit sind wir schon gekommen.

    [Ich vermute, da fehlt ein „nicht“ am Anfang? T.W.]

  • Sachlicher   |   28. September 2018 - 8:49

    Letztlich ist nun dokumentiert, was auch hier im Blog bereits thematisiert wurde: die Bundeswehr baute, mit Minister Scharping dann verstärkt, eigene Planungs- und Verwaltungskapazität ab und muss sich zunehmend externer Kapazität bedienen.

    Ob man dabei bedachte, dass man im Bereich des Kerngeschäfts, der Kernprozesse gemäß Lehrmeinung zwar optimiert aber nicht abbaut, vermag ich nicht zu beurteilen.

    Aber unter Hinzuziehung der letzten Verbandszeitschrift des Deutschen Bundeswehrverbandes, in dem im Tenor im zivilen Bereich permanente Umstrukturierungen kritisiert wurden, ohne dass die Stellenbeschreibungen und internen Prozesslandschaften in gleicher Geschwindigkeit angepasst werden, scheint es wichtig, dass das Ministerium eine Analyse des nachgeordneten (zivilen Ämter-) Bereiches selbst durchführt und als notwendig identifizierte Konsequenzen zieht.

  • Pete   |   28. September 2018 - 8:52

    „…Demnach gibt von der Leyens Haus bis zu 150 Millionen Euro jährlich nur für Berater aus…“

    1. Man stellt sich ernsthaft die Frage, warum ein solch riesiger Apparat wie das BMVg und die nachgeordneten Ämter und Behörden überhaupt externen „Sachverstand“ benötigt. Es muß konsequent nachgefragt werden, warum dieser externe „Sachverstand“ nicht aus dem eigenen Bereich geleistet werden konnte.

    2. Als Steuerzahler fühle ich mich einmal mehr bestätigt, dass die Bundeswehr nicht mehr Geld benötigt, sondern zunächst einmal mit dem vorhandenen Budget erheblich verantwortungsvoller umgehen muß.

    3. Nur mal zum Vergleich:
    Mit 150 Millionen Euro im Jahr könnten 12 500 Rentner ein Jahr lang eine monatliche Rente von 1000 Euro erhalten.

    4. Ich stelle der Bundeswehr ernsthaft die Frage, welche besondere Qualifikation ein „Berater“ mitbringen muß, der 1800 Euro am Tag verdient und warum diese Qualifikation nicht im eigenen Bereich vorhanden ist.

    5. Auch in diesem Blog wurde viel über die angebliche Unterfinanzierung der Bundeswehr lamentiert. Ich behaupte, dass das Geld des Verteidigungshaushaltes seit Jahrzehnten richtungslos und offensichtlich „freihändig“ ausgegeben wurde. Dies war auch deswegen möglich, weil im Parlament von der Opposition und in den Medien keine wirklich inhaltlichen Fragen mehr gestellt werden, wenn es um die Finanzierung der Bundeswehr geht. Das (Nicht)Argument von der angeblichen Unterfinanzierung der Bundeswehr ist zum reinen Totschlagargument gegen jede inhaltliche Debatte geworden.

  • T.Wiegold   |   28. September 2018 - 9:11

    @all

    Ein Hinweis: Bei diesem Thema besteht die Gefahr, dass es im Hinblick auf die Person der Ministerin und ihrer Familie zu Aussagen kommt, die unter Umständen justiziabel sein könnten. Ich werde da drauf achten müssen und ggf. Kommentare deshalb schlicht nicht freigeben können.

  • Klauspeterkaikowsky   |   28. September 2018 - 9:20

    @Metallkopf
    Nur ein Kopf ist gefährdet, UvdL. Denn ohne ihre Zustimmung läuft nichts.
    Andererseits bleibt alles wie es ist, die GroKo braucht unbedingt Ruhe.
    Also steht allenfalls ein Bauernopfer ins Haus, das auch noch im Maaßen-Stil.

  • Anmerkung   |   28. September 2018 - 9:23

    Ganz sicher hat BAAIN nichts mit infrastruktur zu tun, welche website soll das denn behaupten. Sie haben sich verlesen, Mr Besserwisser….

    [So, jetzt gestehe ich beschämt ein, dass ich da trotz besseren Wissens einfach den falschen Namen hingeschrieben habe. Und heute morgen auch nicht richtig realisiert habe. Warum auch immer, jetzt steht da Informationstechnik, sorry. T.W.]

  • Dipl.-Inf(anterist)   |   28. September 2018 - 9:48

    Das der BRH in Hinblick auf die Notwendigkeit des Einkaufs von Beratungsleistungen im BMVg mal irgendwann aufschaltet war klar und fällig!
    Wenn die Opposition nun auch nur einen demokratischen Pfifferling wert ist, dann wird alles weitere wohl von einem Untersuchungsausschuss zu durchleuchten sein…!

    Interessant in diesem Zusammenhang mag auch erscheinen, dass der gestern mit einer Serenade verabschiedete, ja seinerzeit aus der Industrie geholte AL CIT zunächst offenbar nicht nachbesetzt wird…
    Will man da eine „Causa Maaßen“ vermeiden?

  • K.B.   |   28. September 2018 - 9:58

    @ Trevor Faith | 28. September 2018 – 8:32
    „Ich hätte [nicht] gedacht, daß ausgerechnet ein Grüner sich für die Funktionsfähigkeit der Bundeswehr einsetzen würde, während alle anderen stumm daneben sitzen.“

    Na, mittlerweile haben es auch kritische Stimmen aus SPD und FDP bis auf SPON gebracht.

    Es bleibt jedem selbst überlassen zu urteilen, wie viel davon politisches Kalkül ist, um vdL anzuschießen, oder echter Wille um die Bundeswehr nach vorne zu bringen. Gerade der SPD ist dieses Thema zur Abgrenzung mehr als recht, auch wenn der Hinweis auf die Scharping-Ära als Beginn der Beraterei bereits kam.

    @KPK:
    Bauernopfer? Kathrin Suder ist doch schon weg. Von daher kann man ihr ganz ungeniert die Schuld in die Schuhe schieben, auch wenn die persönliche Nahe zwischen ihr und vdL dem möglicherweise Grenzen setzt.

    Bericht von heute früh auf SPON:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ursula-von-der-leyen-spd-setzt-verteidigungsministerin-unter-druck-a-1230509.html

  • Yeoman   |   28. September 2018 - 10:28

    Jedem dürfte klar sein, welch ein politischer Preis für diese Vorgänge zu zahlen ist. Spannend wird, ob dieser Preis in der Ära der Merkel-Dämmerung eingefordert wird oder nicht.
    Zur organisationspsychologischen Einordnung sei hingewiesen auf die gezielt genutzte Rolle von externen Akteuren im Bereich des change managements. Ob die zu verändernde Organisation diese Veränderungen selbst hervorbringen könnte, ist dabei nachrangig.

  • Uwe   |   28. September 2018 - 10:33

    Der ehemalige AL CIT, Herr Klaus Hardy Mühleck, mit Tam-Tam inthronisiert, ist kürzlich relativ still entschwunden. Vermute allerdings keinen Zusammenhang mit Beraterverträgen.
    Zur Nachbesetzung gab es schon ein Gerücht, dass vermutlich zutraf. Die Person ist allerdings Protagonist des Programmes CIT Quadrat, und dafür wurden wohl Berater in Anspruch genommen. Zu CIT Quadrat siehe hier auf S. 10:
    https://www.behoerden-spiegel.de/wp-content/uploads/2018/04/AFCEA_Magazin_2018.pdf

    [Der Link ist an der Grenze – einerseits ist es eine Verlagspublikation, andererseits das Mitteilungsblatt einer Organisation. Also lasse ich es mal stehen… T.W.]
    Denkbar, dass jetzt ein anderer neuer AL CIT aus der Taufe gehoben wird.

  • FmRgt930   |   28. September 2018 - 10:40

    @Sachlicher:
    Einen überbordenden Abbau von Planungs- und Verwaltungskapazitäten kann man bei der Bw nicht erkennen! Es gibt ein Planungsamt, es gibt je TSK eine Amt für Weiterentwicklung und teilweise noch extra für Unterstützung und dazu haben alle TSK noch eigene Ressorts für Weiterentwicklung. Also allein auf Seite der Soldaten viel viel Kapa für Planung. Dazu dann noch die WTDs und das riesige BAAINBw. Dieses, als ehemals größte Ansammlung von Ingenieuren in Europa, treibt jedoch jedem dort tätigen durch seine Trägheit und den „Prozessstalinismus“ den technischen Ergeiz aus, den es braucht um gute Projekte für die Bw umzusetzen.

    @Pete:
    Für SAP/SASPF-Berater dürfen Sie gernen noch nen Riesen pro Tag drauflegen.

    Wenn man das alles mit den (kl.) Nachbarländern vergleicht und dann das Verhältnis Verwaltung/Planung vs. Truppe ansieht, versteht man die Welt nicht mehr.

    Viele Grüße!

  • Wa-Ge   |   28. September 2018 - 11:07

    @ Pete | 28. September 2018 – 8:52

    „Ich stelle der Bundeswehr ernsthaft die Frage, welche besondere Qualifikation ein „Berater“ mitbringen muß, der 1800 Euro am Tag verdient und warum diese Qualifikation nicht im eigenen Bereich vorhanden ist.“

    Ich bin kein ausgewiesener Freund von Beratern, aber hier greift die Kritik zu kurz.

    Bei einem 10h Tag, was bei Beratern nicht unüblich ist, wäre dies für die Beratungsgesellschaft (die neben dem Lohn des Beraters auch noch die Lohnnebenkosten bezahlen muss, dazu Reise/Hotelkosten) genau 180 €/h.
    Wenn man bedenkt, was bei eine Gesellenstunde bei VW/BMW/Daimler und Co. kostet, sind die 180 € dann wirklich nicht utopisch.

  • Militärökonom   |   28. September 2018 - 11:50

    Externe Berater werden zu einem Tagessatz zwischen ca. 1,5T – 2T € netto zugekauft, wenn interne Kapazitäten qualitativ und quantitativ nicht ausreichen. Meist geschieht dies projekt- bzw. auch weiterbildungsbezogen.
    Bei der Auswahl der Berater greifen Führungskräfte natürlich auf eigene Erfahrungen zurück und bevorzugen ergo bereits bekannte Kompetenz – denn preismäßig bewegt sich alles sowieso im selben Rahmen. Darin sollte man also nicht per se etwas Negatives sehen.
    Fakt ist jedoch, dass gerade schwache Führungskräfte vielfach vorhandene interne Möglichkeiten negieren und externe Leistungen zukaufen. Gehen die von diesem externen Gremium angeratenen Lösungswege dann schief, so besteht eben für diese schwachen Führungskräfte die Möglichkeit, sich hinter den externen Beratern zu verstecken und selbst keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

  • Ex-Inst   |   28. September 2018 - 12:04

    @Pete Ein Tagessatz von 1800€ ist jetzt in der Industrie nicht so hoch. Das verdient ja auch nicht der Berater, sondern das wird dem BMVg von der Beratungsfirma in Rechnung gestellt.
    Der Laden für den ich arbeite verkauft meine Dienstleistung auch für ca 130€/Std und nein
    ich bekomme das lange nicht so durchgereicht.

  • TCHe   |   28. September 2018 - 13:41

    Schön, dass diese Beratergeschichten endlich mal etwas mehr parlamentarische und mediale Aufmerksamkeit bekommen!

    Ich hoffe sehr, dass es hier Konsequenzen eben wird, zum einen vor dem Hintergrund der unklaren Vergabeverfahren und den großen Summen, die auch anders eingesetzt werden könnten; zum anderen aber auch, weil ich mehrfach erlebt habe, dass diese Projekte nicht unbedingt einen wirklichen Mehrwert bringen, außer uU karrierefördernd für den Auftraggeber zu sein.

    Ich war selbst (u.a.) in ein Projekt im Bereich CIT involviert (angestoßen durch den im oben verlinkten Behörden-Spiegel genannten Herrn) und habe erlebt, wie einem Beratungsunternehmen sehr viel Geld bezahlt wurde für
    – Berater, die man allenfalls einmal bei einer Besprechung gesehen hat,
    – einen Abschlussbericht voller Trivialitäten, der nur auf ein Folgeprojekt zielte,
    – zahlreiche Dienstreisen ohne nennenswerten Mehrwert,
    – ein Büro in der Abteilung und Hausausweise, was zum Klinkenputzen natürlich auch hilfreich ist.

    Und natürlich lief das Projekt parallel und – zumindest eine Zeit lang vollkommen umabgestimmt – zu einer ähnlichen Initiative im Kdo CIR (dort AFAIR allerdings ohne Berater).

    Ich behaupte mal sehr kühn, dass zwei halbwegs intelligente Uniabsolventen (von denen die Bw ja ein paar hat) das auch so hinbekommen hätten, aber das war nicht gewollt.

  • ThoDan   |   28. September 2018 - 13:58

    Könnte das am Vertrauen bzw. dessen Mangel auch durch die Reputation der Ministeriumsbürokratie liegen?

  • Escrimador   |   28. September 2018 - 14:39

    Wie ich Beratung bisher erlebt habe kommen da Leute, denen zwangsläufig das Bw-/Fachwissen fehlt. Die werden von Bw-Fachleuten aufgeschlaut, bringen ggf. etwas zusätzliche Kompetenz (z.B. juristisch) ein und entwickeln dann einen oder mehrere Vorschläge für die Führung. Das ganze weist eigentlich auf ein Versagen der eigenen Führungskräfte hin, die selbst in der Lage sein sollten, die richtigen Fragen zu stellen und die richtige Aufträge zu erteilen.
    Ich kenne aber mindestens einen Fall in dem auf die Frage: Welchen Auftrag haben sie den Beratern erteilt?“ die Antwort war: „Wenn wir denen einen detaillierten Auftrag erteilen könnten bräuchten wir keine Berater.“

  • Thomas Melber   |   28. September 2018 - 14:55

    Die Bw hat ja auch eine in-house expert Beratungsgesellschaft, Bw Consult(ing).

  • Feld   |   28. September 2018 - 15:02

    Ich bin ein wenig schockiert, dass der Sohn von Ministerin von der Leyen bei McKinsey arbeitet (seit 2015), ihre ehemalige Staatssekretärin Suder von McKinsey kam (2014) und wieder ging (2018) und der ehemalige ‚Beauftrage für nationale und internationale Rüstungsgeschäfte der Bundeswehr‘ Gundbert Scherf von McKinsey (dort Juniorpartner) kam und nach 2 Jahren wieder zu McKinsey ging (dann als Partner).
    Und in dieser Zeit wurden hunderte Millionen Euro für externe Beratungsleistungen ausgegeben (siehe auch Rahmenvertrag für Rüstungsprojekte hier bei AG).
    Das stinkt doch zum Himmel.
    Opposition bitte einen Untersuchungsausschuss einsetzen!

  • Zulu1975   |   28. September 2018 - 15:28

    @Escrimador
    Ich habe einige Jahre lang mit einer ehemaligen Top-Beraterin aus der Bankenbranche zusammengearbeitet. Eines Tages ergab sich die Gelegenheit, die Kollegin zu Fragen, was den einen Top Berater ausmacht. Hier die Antwort:

    Zunächst einmal benötigt man die Gabe gut zuhören zu können und eine Vertrauensbasis aufzubauen, dann das gehörte in Form zubringen und dem Kunden diese Erkenntnisse ( die der Auftraggeber eigentlich selbst erarbeitet hatte ) als zukunftsweisend zu verkaufen. Die rötliche Verfärbung des Gesichtes konnte sie nicht verhindern. Kurz und gut, wir verkaufen dem Kunden, dass, was er ohnehin schon weiß. Nur mit zwei Schritten Vorlauf.

    Ich bin überzeugt, dass die Kompetenz und die Fachleute in der BW und im BmVg vorhanden sind, Nur fehlt hier das Vertrauen in die Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter und Soldaten.

    Zulu1975

  • Berater im BAAINBw   |   28. September 2018 - 15:43

    Als Berater im BAAINBw kenne ich die Vergabe, Abläufe etc.
    Ja, der Tagessatz eines Beraters kann 1800€ betragen, für jüngere und dementsprechend unerfahrenere Kollegen liegt der deutlich darunter, teilweise bei 800€/Tag. Soviel zu den Kosten.

    Ja, häufig werden Berater nicht zielgerichtet genug eingesetzt und arbeiten „nur“ Arbeitspakete von BAAINBw Personal ab, häufig genug werden aber auch Optimierungsmaßnahmen in der täglichen Projektarbeit erzielt, zum Beispiel bei der Implementierung von Projektmanagementstandards und der Förderung der internen, sowie externen Kommunikation.

    Da meine Verlobte ebenfalls als Beraterin im BMVg tätig ist, kann ich bestätigen, dass vor allem dort die technische Expertise fehlt. Und da kann jeder ehrlich genug zu sich sein: welcher Informatikabsolvent (von IT Experten ganz zu schweigen) fängt bei dem aktuellen Lohn im BMVg/BAAINBw etc. an?
    Daher ist die Bw schlichtweg auf Beratungsdienstleistungen angewiesen und wird es auch noch eine lange Zeit sein. Nur wenn externe Ressourcen an Projekten mitarbeiten und diese fachlich und methodisch unterstützen, werden Projekte realisierbar bleiben. Dies wird sich (leider) so schnell nicht ändern lassen.

  • Thomas Winter   |   28. September 2018 - 17:19

    Fehlendes Vertrauen wird also als eine Ursache benannt. Wenn Vertrauen fehlt, dann ist es Vertrauen in das Haus BMVg. Dieser Vorgang trägt dazu bei. Wie kann so etwas entstehen? Leistung allein ist nicht mehr entscheidend, um einen verantwortungsvollen Dienstposten im Hoofstaat BMVg zu erhalten. Nibelungentreue zur Ministerin, insbesondere die für die Ministerin deutlich erkennbare Sichtbarkeit dieses Treueverhältnisses, dazu Bewährung in ihrem Apparat. Kritikfähigkeit meist nur nach unten und Rechtfertigungstalent zur Seite. „Wir würden ja gern, aber es geht gerade nicht“….Solch eine offensichtliche Schlamperei kann auch ohne BRH aufgedeckt werden, u.a. mit ehrlicher, konsequenter, innerer Revision und Fachaufsicht. Parlamentarische Kontrolle richtig angewendet kann so etwas sicher auch verhindern und aufdecken. Medien und Presse können Impulse setzen. Der BRH wird im BMVg nicht als Partner sondern als Störenfried angesehen. Dies ist ein eingeübter Reflex so wie das Unterdrücken von ehrlicher Kritik von unten nach oben. Stört nur! Nur wer im Hofstaat tätig ist, versteht alle Zusammenhänge. Andere „Auswärtige“ haben nur einen eingeschränkten Blick, den schmalen Blick der Truppe, des Amtes uvm., sind also unfähig übergeordnete ministerielle Zusammenhänge zu erfassen. Fehler werden immer nur durch „die da unten gemacht“. Wer Mißstände ehrlich und wiederholt anspricht,der „meckert“ und stört, dem wird unmittelbar die ministerielle Eignung abgesprochen. Die andere Methode ist: f you can’t beat them, join them. Auch diese „Story“ wird nun totgeschwiegen werden. Denn es hat keiner den Mut, Roß und Reiter zu benennen, Verantwortliche zu finden, zu benennen und da wo erforderlich auszutauschen. Einmal Hofstaat immer Hofstaat. Das gilt auch für die, die temporär zum Praktikum auf das Land entsandt werden. Dort sind sie Botschafter des Hofstaates.

  • Alex   |   28. September 2018 - 17:20

    Man will Digitalisierungsprojekte strategisch steuern (CIT, bestehend aus Planung, Realisierung und Cybersicherheit). Was macht eigentlich BWI, die die BW-IT betreiben und die in den letzten Monaten Dutzende Stellen ausgeschrieben haben? Sind sie nicht die perfekten Berater/Kooperationspartner?

  • Arty1986   |   28. September 2018 - 19:33

    Besonders „interessant“ vor dem Hintergrund der aktuellen „Beratungslage“ ist mEn vor allem, daß ja nun wirklich ALLE sog „Leuchtturmprojekte“, die seit Min Scharping für aufsummierte Milliarden eingekauft wurden, genau den Zustand herbeigeführt haben, der jetzt dieses jämmerliche Bild „der Bw“ (ich sehe das schon lange eher bei der „Leitung“) bestimmt!
    Und trotzdem gilt: „Die Truppe wird’s schon richten!“
    Nichts dazugelernt, aber fleißig neue Aufträge und Einsätze heranschaffen, um dann noch mehr Mittel für „Beratung“ abzuzwicken.
    Kann hier evtl jemand verständlich machen, was die ja angeblich so höchstqualifizierte Fr StS aD WIRKLICH spür- und/oder (geldwert) messbar erreicht hat?
    Mich würde auch interessieren, wie sich ihre hinzugewonnenen, größtenteils ja deutlich höher als „NfD“ eingestuften Erkenntnisse, denn nun für ihren Arbeitgeber bezahlt machen (und dann wohl auch in einem Gehalt mit „Entschädigung“ für das 4-Jahre-„Bankdrücken-mit-(für McKinsey-Berater)-prekärem-Gehalt“ im Ministerium zur Erlangung eben dieser Informationen ausdrücken)!
    Wenn ich mich richtig erinnere, war es eine Ministerin vdL, die dem „Heilsbringer“ Berggrün dabei „half“, Karstadt zu „retten“: Bis auf den Verbleib der Markenrechte bei ihm, und für die er etliche Millionen pro Jahr erhält, hat sich bei K NICHTS durch sein Tun gebessert…
    Verschiedene „BWLer“ in Vbdg mit speziellen Juristen schaffen es mit Federstrich, noch jeden anständigen Kauf- oder Privatmann oder eben auch (N)GO bis hin zu ganzen Staaten zu eigenen Gunsten auszunehmen …

  • klabautermann   |   28. September 2018 - 21:14

    Der Irrglaube, dass man durch digitalisierte Prozessoptimierung eine analoge Produktoptimierung erreichen kann, hat sich mittlerweile so verfestigt, dass man über diesen Irrglauben gar nicht mehr nachdenkt, geschweige denn redet – Mäuseschubserei rulez.
    Wie man an dem Kommentar von @Berater im BAAINBw ablesen kann, glauben die beratenden Mäuseschubser auch ganz fest an dieses Dogma – müssen sie auch, denn die wollen ja auch von etwas leben – imho völlig legitim.
    Die Realität konterkariert schon seit vielen Jahren diesen Irrglauben, denn wie wir von BER bis F125 etc. sehen können, erfolgt die Produktoptimierung von hyperkomplexen Systemen nicht am „IKEA“-CAD-Arbeitsplatz sondern in der analogen Welt.
    Ergo darf man sich nicht darüber wundern, dass insbesondere ÖAG- Projekte immer länger dauern und immer teurer werden sowie unterhalb der ursprünglichen Leistungsparameter bleiben……Spatz in der Hand……….
    Wir haben es hier schlicht un einfach/ironic mit einem systemischen Phänomen zu tun, von daher sind irgendwelche „persönlichen“ Anfeindungen völlig überflüssig – das BMVg steckt nun einmal in dieser Digitalisierungsfalle.
    Nun wird ja im politischen Berlin immer gemeckert, dassdas BMVg ja nicht einmal alle zugewiesenen HH-Mittel zur Kasse bringen kann, und deshalb keine Notwendigkeit zur Aufstockung des Wehretat bestünde. Das hat dann zur Folge, dass „man“ verfügbare Mittel – vielleicht sogar unter Inkaufnahme von höheren Risiken – versucht zur Kasse zu bringen im Rahmen eines Projektes. Wer vermutet, dass ich damit auf den Vorfall in Meppen anspiele, vermutet gar nicht einmal so falsch.

  • Schorsch der Große   |   28. September 2018 - 21:44

    Wer sind jetzt diese vier Beraterfirmen, bei denen man soviel Geld machen kann?
    Vielleicht bewirb ich mich ja dort. Weniger Arbeit und mehr Gehalt.

  • Koffer   |   28. September 2018 - 22:35

    Also ich weiß ehrlich gesagt nicht, was alle immer gegen Berater haben :(

    Wenn (und solange) ein kompetenter militärischer oder beamteter Entscheider die Beratung sachkundig bewertet und umsetzt, dann ist alles i.O.

    Es gibt zahllose fälle in denen ein Soldat oder Beamter gar nicht so tagesaktuelle kompetent und flexibel zu und abbruchbar sein kann.

    Wir brauchen nicht weniger externe Dienstleistung, sondern mEn mehr. Allerdings zielgerichteter und nicht als „Heilsbringer“, sondern und Aufsicht und in der Umsetzung mit Sachverstand.

  • Pete   |   28. September 2018 - 22:45

    @Zulu 1975
    „Ich bin überzeugt, dass die Kompetenz und die Fachleute in der BW und im BmVg vorhanden sind, Nur fehlt hier das Vertrauen in die Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter und Soldaten.“

    1. Ich stimme Ihnen zu. Die Bundeswehr hat im eigenen Bereich eine ungeheuer breitgefächerte Expertise vom Gehirnchirugen bis zum Astronauten. Und dann kommt ein Mitte 30-jähriger von McKinsey, der weit weniger Ausbildung und Erfahrung hat zur Beratung? Wie erschreckend ist das denn für die Personalführung der Bundeswehr? Warum gelingt es ihnen nicht, die eigene Expertise zu nutzen?

    2. Wenn die Führung kein „Vertrauen in die Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter und Soldaten.“ hat, dann ist das ein klassisches Führungsproblem und nicht ein Problem der Mitarbeiter.

    3. Es ist einfacher „Expertise“ mit Steuergeldern zu „kaufen“ als eigene Ideen zu entwickeln, Vorgaben an die unterstellten Bereiche zu machen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Die Bundeswehr hat in der Tat ein Führungsproblem. Der berühmte Fisch-Spruch gibt die Antwort darauf, wo diese Problem angesiedelt ist.

  • Focus   |   28. September 2018 - 22:47

    Nun bin ich auch schon lange bei der Bundeswehr und habe nur noch knapp über zehn Jahre bis zur Pension. Sicher muss der beschriebene Fall der „Ausschreibunsfehler“ aufgearbeitet und dem Parlament vorgelegt werden, aber vor dem Hintergrund der Erfahrungen im letzten Jahr bin ich in der Bewertung etwas zurückhaltend. Was wurde nicht alles über die Bundeswehr geschrieben – und hat sich nach entsprechender Untersuchung nicht bestätigt. Und ich erlebte in der Vergangenheit auch schon mehrfach, dass sich selbst in der Bewertung des BRH Fehler eingeschlichen hatten. Der Hausherr hat die Dinge sehr sachlich eingeordnet, danke dafür.
    Auch wenn ich das Vorgehen oder die Kommunikation des BMVg bezüglich des Amtes in Koblenz nicht gut heiße, halte ich die Ausführungen in der VBB-Brille für nicht sachgerecht oder gar erschreckend. Ich bin schon einige Jahre in diesem Amt und weiß auch um die Probleme. Aber zu der Familie vom Verfasser der VBB-Brille zähle ich mich wie viele andere nicht! U.a. von „Schmiermitteln“ und mehr zu schreiben ist harter Tobak. Ich hoffe, dass das belegt werden kann. (Wenn der VBB vor Ort auf CSU machen möchte, dann möge er das tun und schon landet man dort, wo die CSU in Bayern jetzt steht.) Mich jedenfalls hat man mit dieser „Brille“ verloren. Den Hausherrn bitte ich bei aller notwendigen Diskussion in der Sache wie gewohnt darauf zu achten, dass nicht Menschen voreilig in Miskredit gebracht werden. Man sollte die Untersuchung und den Bericht des BMVg abwarten. Vielen Dank.

  • Kommentator   |   28. September 2018 - 23:04

    @Berater im BAAINBw: das mag zwar stimmen, geht doch aber an Problem vorbei. Wenn das Geld da ist Berater mit solchen Stundensätzen zu entlohnen, dann könnte man für dieses Geld problemfrei auch qualifiziertes Personal anwerben. Dass der gebotene Lohn für Interne so ist wie er ist, ist ja so wenig in Stein gemeißelt wie die Notwendigkeit Berater von extern zu beauftragen.
    Bei Beratung sollte es darum gehen ihren eigene Kompetenz aufzubauen, nicht dauerhaft Aufgaben extern erledigen zu lassen. Letzteres nennt man nicht Beratung einen Outsourcing.

    Die Fragestellung lautet doch also:
    A) war die Beratung notwendig
    B) war die Beratung zielführend
    C) war die Auftragsvergabe korrekt abgelaufen

    Ihre Ausführungen beziehen sich eigentlich nur auf Fragestellung A).

  • Jochen   |   29. September 2018 - 0:27

    @ Focus: +1
    @ Pete / Koffer: sie liegen n.m.M. recht eng beieinander. M.E. tun uns Berater nicht schlecht im jetzigen Zustand der Bundeswehr / Amt. Und einige Ideen Hinweise aus den vergangenen Jahren waren gut – und ich wäre nicht darauf gekommen. Mittelfristig sollte die Ausbildung von Projektleitern etc. verbessert werden. Denn mit besserer Ausbildung, anderen Rahmenbedingungen und verbesserten Strukturen könnten wir im BAAINBW etc. wieder auf Berater verzichten.

  • JPeelen   |   29. September 2018 - 1:30

    Man darf „die Berater“ nicht über einen Kamm scheren. Es gibt herausragende Leute, die wissen wovon sie reden. Wenn man zum Beispiel einen IT-Krisenfall dank deren Hilfe in vernünftiger Zeit bewältigen konnte, weiß man das sehr zu schätzen.

    Den größten Reiz externer Berater für Entscheidungsträger hat @Zulu75 bereits angesprochen. Ideen, die man „oben“ für gut hält, finden bei den eigenen Leuten nicht immer die rechte Resonanz. Ein Brigadegeneral lud einmal zu einer Besprechung mit dem Hinweis, es sei die letzte Gelegenheit, Kritik am beabsichtigten Plan vorzubringen. Er verlor dann die Contenance, als tatsächlich Kritik kam.

    Bei externen Beratern müssen Entscheidungträger nicht mit Einwänden gegen ihre schönen Pläne rechnen. Hauptsächlich deshalb scheint mir das Beraterwesen so zu florieren.

  • Zimdarsen   |   29. September 2018 - 8:30

    1. DV hat die Pflicht zur Fürsorge, dass bedeutet auch sie vor Ansteckung zu schützen (unnötige Gefahr)

    2. Der Bfw hat die Pflicht zur Kameradschaft, auch seinem Spieß und DV gegenüber.

    3.Gemäß § 11 SG muss ein Befehl nicht ausgeführt werden, sofern er keinen dienstlichen Zweck erfüllt, gegen die Menschenwürde verstößt oder seine Befolgung für den Soldaten unzumutbar ist.

    4. Hätte ich so eine Diagnose bekommen, würde ich keinen Fuß in die Kompanie setzen und der DV bekäme von mir eine Nachricht (digital).

  • Koffer   |   29. September 2018 - 9:13

    @Jochen | 29. September 2018 – 0:27
    „Denn mit besserer Ausbildung, anderen Rahmenbedingungen und verbesserten Strukturen könnten wir im BAAINBW etc. wieder auf Berater verzichten.“

    Ich denke nicht, dass wir jemals komplett auf externe Berater verzichten sollten.

    1. Sind „Berater“ auch häufig gar keine Berater im engeren Sinne, sondern Fachleute für ein Spezialthema für das es sich für die Bw nicht lohnt jemand auf Lebenszeit einzustellen.
    2. Kann man durch Berater Spitzen auffangen und so flexibel eine Projektorganisation unterstützen.

    Trotzdem haben Sie natürlich Recht. Wenn das BAAINBw irgendwann wieder „auf Kurs“ ist, dann wird man sicherlich die Anzahl zurückfahren können.

    @Zimdarsen | 29. September 2018 – 8:30
    Falscher Diskussionssfaden

  • Zimdarsen   |   29. September 2018 - 9:27

    @T.W.

    Sorry, Kommentar im falschen Thread gepostet. Wenn möglich bitte verschieben.

    [Verschiebebühne leider weiterhin defekt. Bitte ggf. noch mal in den richtigen Thread posten. T.W.]

  • Klauspeterkaikowsky   |   29. September 2018 - 12:21

    Kontrollverlust im Bendlerblock oder der Not von „kein Personal“ gehorchend?
    Und, wer bezahlt wird, arbeitet angepasster?
    Wer ist eigentlich im konkreten Projekt der Entscheidungsträger, zumal bei ggf Auffassungsunterschieden Mc.. und mil „Begleiter“?

  • Georg   |   29. September 2018 - 14:43

    Ich denke auch man muss bei der Beratungsleistung durch ext. Berater differenzieren.

    Die Bw hat ja eine hauseigene Beratungsgesellschaft, die GEBB (von der man in letzter Zeit wenig hört). Unter Scharping gegründet, war deren Credo ein Abbau von Bw-Strukturen zugunsten von Industrieleistungen, also Privatisierungen.

    Wie weit wir mit dem Abbau von hauseigenen Leistungen und Outsourcing gekommen sind, mag jeder selber beurteilen. Manches war sicherlich erfolgreich, anderes diente nur dem Abbau von Bw-Personal und resultierte in einer schlechteren Verfügbarkeit von Ressourcen.

    Wenn jetzt von Beratungsleistungen im „Change-Management“, also dem Umbau der Bw in der Masse die Rede ist, dann mag ein Blick von Außen auf Organisationsstrukturen hilfreich sein, denn der Prophet gilt bekanntlich im eigenen Land nichts. Außerdem unterliegt jede Organisation einer gewissen Betriebsblindheit.

    Die Vorstellung jedoch, dass man im BMVg ein einheitliches IT-Komplettsystem installieren kann mit dem alle Prozesse der Bw bis auf einzelne Stellen, Personen und Funktionen von „oben“ kontrollieren kann ist eine Chimäre, ein nicht tot zu bekommender Gedanke der absoluten Kontrolle ohne Kooperation der unterstellten Bereiche, des Kontrollierten.

    Viel wichtiger wäre meiner Meinung nach die Stärkung der Kompetenzen der einzelnen Org-Einheit um möglichst autark seinen Auftrag ausführen zu können. Ein Kommandeur muss wieder Herr über sein Personal und seiner Mittel sein und wenn die Führungsebene etwas wissen will, dann frägt sie an und schaut nicht in den Computer um irgendwelche Details des unterstellten Bereiches abzufragen.

    Ganz gut wird dies meiner Meinung nach auch bei dem Moorbrand in Meppen sichtbar. Die WTD 91 hat eine Werksfeuerwehr, die untersteht aber nicht dem Leiter der WTD sondern dem Brandschutzzentrum der Bundeswehr in Sonthofen.

    Ob dies im Einsatzfall bei ca. 800 km Entfernung sinnvoll ist ?

    Bei einer Rückbesinnung auf Landes- und Bündesverteidigung gehören die Ressourcen in eine Hand – und dies kann man mMn. – ganz ohne externe Beraterleistung feststellen, einfach gesunder Menschenverstand !

  • Auslandsdiener   |   29. September 2018 - 22:10

    @Georg, 14:43:
    Danke. Könnten Sie diese Gedanken evtl. auch an die Leitung schicken?
    Wenn wir das umsetzten, wäre viel gewonnen: Verantwortung da, wo sie gebraucht wird. Denn die Vorgesetzten vor Ort brauchen keine Berater.

  • Nur 2 Cent   |   30. September 2018 - 9:40

    Die letzten Zuckungen sind halt nicht schön. Spätestens seit Scharping ist die Bw massiv abgebaut worden. Der letzte Todesstoß war dann die Neuausrichtung, bei der man ohne Not alles auf links krempeln (Nutzung ins BAAINBw! Nanu, warum wollen die Nutzungsleiter nicht? Egal, macht der Projektleiter eben nebenher mit!) und Dienstposten weiter abbauen musste (WTD 51, Arenalbetrieb Kiel).

    Der CPM wurde x-mal novelliert, aber hat sich in jeder Iteration aufgebläht. Schnittstellenreduktion? Fehlanzeige. Klare Schnittstellendefinition? Fehlanzeige.
    Gerade die Schnittstellen sind aber das A und O im erfolgreichen Projektmanagement.

    Ich frage mich, wie unsere Vorväter solche Waffensysteme wie Leo 1, Leo 2, Gepard, Tornado, Alpha Jet, Transall, Klasse 103, Klasse 122 etc ohne IT und nur mit „veralteten“ Prozesssystemen (EBMat?) beschaffen und warten konnten.

    Naja, nun richten’s halt Berater.

  • Pete   |   30. September 2018 - 10:17

    Aus einer Pressemitteilung von Matthis Höhn, MdB:

    …Das Verteidigungsministerium engagiert laut Bundesrechnungshof sogar teure Möbelberater für die Ausstattung der Bundeswehrkasernen. Insgesamt gibt das Verteidigungsministerium rund 150 Millionen Euro im Jahr für externe Berater aus. Das ist fast genauso viel wie die gesamten Personalausgaben des Ministeriums, die im Jahr 2018 rund 175 Millionen Euro betragen…“

    Meine Bewertung:

    Eine staatliche Organisation die für Berater soviel ausgibt wie für das eigene Personal ist komplett orientierungslos, ja vielleicht sogar hilflos. Das Ergebnis dieser Hilflosigkeit ist ein großer Verteidigunghaushalt und eine ineffiziente Bundeswehr.

  • Pete   |   30. September 2018 - 11:22

    @Nur 2 Cent

    „Ich frage mich, wie unsere Vorväter solche Waffensysteme wie Leo 1, Leo 2, Gepard, Tornado, Alpha Jet, Transall, Klasse 103, Klasse 122 etc ohne IT und nur mit „veralteten“ Prozesssystemen (EBMat?) beschaffen und warten konnten.“

    Antwort:
    1. Die hatten keine betriebsfremden Berater, sondern gut ausgebildete Soldaten und Beamte.
    2. Die politische Führung hat sich nicht ins taktische und operative Geschäft eingemischt, sondern hat den Soldaten und Beamten Vertrauen geschenkt.
    3. Die damaligen Strukturen und Prozesse waren auf den konkrete Auftrag der Bundeswehr ausgerichtet.

  • Koffer   |   30. September 2018 - 11:58

    @Pete | 30. September 2018 – 10:17
    „Eine staatliche Organisation die für Berater soviel ausgibt wie für das eigene Personal ist komplett orientierungslos, ja vielleicht sogar hilflos.“

    Wohl eher nicht. Denn hier werden Äpfel mit Birnen verglichen! Die Ausgaben für Berater beziehen sich ausweislich des Artikels auf die gesamte Bw. Die Personalaussgaben beziehen sich lediglich auf das Ministerium.

    Von daher haben die beiden Größen nichts mit einander zu tun.

    „Das Ergebnis dieser Hilflosigkeit ist ein großer Verteidigunghaushalt und eine ineffiziente Bundeswehr.“

    1. Der Verteidigungshaushalt ist nicht „groß“. Er ist vielmehr viel zu klein. Das ist ja einer der Gründe warum wir derzeit so viel Geld für Berater ausgeben müssen.
    2. Die Bundeswehr soll NICHT effizient sein. Sie soll effektiv sein!

  • Edgar Lefgrün   |   30. September 2018 - 12:28

    „Ganz gut wird dies meiner Meinung nach auch bei dem Moorbrand in Meppen sichtbar. Die WTD 91 hat eine Werksfeuerwehr, die untersteht aber nicht dem Leiter der WTD sondern dem Brandschutzzentrum der Bundeswehr in Sonthofen.

    Ob dies im Einsatzfall bei ca. 800 km Entfernung sinnvoll ist ?“

    Ob die Unterstellung da wirklich eine Rolle spielt?

  • Thomas Melber   |   30. September 2018 - 13:17

    @Georg
    Die Beratungsgesellschaft heißt BwConsulting

    https://www.bwconsulting.de/

  • Pete   |   30. September 2018 - 16:23

    @Koffer
    „Der Verteidigungshaushalt ist nicht „groß“. Er ist vielmehr viel zu klein. Das ist ja einer der Gründe warum wir derzeit so viel Geld für Berater ausgeben müssen.

    Ich kann den Zusammenhang nicht erkennen.

    „Die Bundeswehr soll NICHT effizient sein. Sie soll effektiv sein!“

    Die Bundeswehr ist derzeit weder effizient noch effektiv.

  • Koffer   |   30. September 2018 - 23:09

    @Pete | 30. September 2018 – 16:23
    „Ich kann den Zusammenhang nicht erkennen.“

    Das ist doch offensichtlich. Erstens besteht ein erheblicher Beratungsbedarf für das Lösen der aktuellen Probleme (welche maßgeblich durch den zu kleinen Verteidigungshaushalt der letzten Jahre im Vergleich zur Größe der SK verursacht wurde).

    Und zweitens war die Bw sämtliche Reserven im Bereich eigener Planung und Verwaltung abgebaut, weswegen für kurzfristige Fragen die personellen Spitzen durch externen Sachverstand ausgeglichen werden müssen. Und „kurzfristig“ im Zusammenhang mit dem Aufbau von kompletten Verwaltungsstrukturen meint hier fünf bis zehn Jahre pro „Spezialisierung“ (von den Sonderproblemen bei IT mal ganz zu schweigen…).

    „Die Bundeswehr ist derzeit weder effizient noch effektiv.“

    Effizient soll sie ja auch gar nicht sein.

    Und für Effektivität fehlt halt massiv Geld…