NATO-Gipfel: Das geht ja gut los. (neu: Transkript Trump)

Der NATO-Gipfel in Brüssel hat am (heutigen) Mittwoch noch nicht mal offiziell begonnen, da setzt US-Präsident Donald Trump schon mal den Ton. Mit deutlichen Vorwürfen in Richtung Deutschland.

Einfach mal reinhören in dieses Video. Seine ganzen Aussagen waren noch etwas länger, aus dem Transkript:

PRESIDENT TRUMP: Well, I have to say, I think it’s very sad when Germany makes a massive oil and gas deal with Russia, where you’re supposed to be guarding against Russia, and Germany goes out and pays billions and billions of dollars a year to Russia. So we’re protecting Germany. We’re protecting France. We’re protecting all of these countries. And then numerous of the countries go out and make a pipeline deal with Russia, where they’re paying billions of dollars into the coffers of Russia.So we’re protect you against Russia, but they’re paying billions of dollars to Russia, and I think that’s very inappropriate. And the former Chancellor of Germany is the head of the pipeline company that’s supplying the gas. Ultimately, Germany will have almost 70 percent of their country controlled by Russia with natural gas.
So you tell me, is that appropriate? I mean, I’ve been complaining about this from the time I got in. It should have never been allowed to have happened. But Germany is totally controlled by Russia, because they will be getting from 60 to 70 percent of their energy from Russia and a new pipeline. And you tell me if that’s appropriate, because I think it’s not, and I think it’s a very bad thing for NATO and I don’t think it should have happened. And I think we have to talk to Germany about it.
On top of that, Germany is just paying a little bit over 1 percent, whereas the United States, in actual numbers, is paying 4.2 percent of a much larger GDP. So I think that’s inappropriate also. You know, we’re protecting Germany, we’re protecting France. We’re protecting everybody. And yet we’re paying a lot of money to protect.
Now, this has been going on for decades. This has been brought up by other presidents. But other presidents never did anything about it because I don’t think they understood it or they just didn’t want to get involved.
But I have to bring it up, because I think it’s very unfair to our country. It’s very unfair to our taxpayer. And I think that these countries have to step it up not over a 10-year period; they have to step it up immediately. Germany is a rich country. They talk about they’re going to increase it a tiny bit by 2030. Well, they could increase it immediately tomorrow and have no problem. I don’t think it’s fair to the United States.
So we’re going to have to do something because we’re not going to put up with it. We can’t put up with it. And it’s inappropriate.
So we have to talk about the billions and billions of dollars that’s being paid to the country that we’re supposed to be protecting you against. You know, everybody is talking about it all over the world. They’ll say, well, wait a minute, we’re supposed to be protecting you from Russia, but why are you paying billions of dollars to Russia for energy? Why are countries in NATO, namely Germany, having a large percentage of their energy needs paid to Russia and taken care of by Russia?
Now, if you look at it, Germany is a captive of Russia because they supply. They got rid of their coal plants. They got rid of their nuclear. They’re getting so much of the oil and gas from Russia. I think it’s something that NATO has to look at. I think it’s very inappropriate. You and I agree that it’s inappropriate. I don’t know what you can do about it now, but it certainly doesn’t seem to make sense that they paid billions of dollars to Russia and now we have to defend them against Russia.

Und es scheint, dass sich nicht nur der US-Präsident auf Deutschland als Sündenbock eingeschossen hat – das hier aus einer Begleitveranstaltung des Gipfels:

Eine erste Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt es auch schon – bei der Vorfahrt zum Gipfel:

… und deshalb schauen wir gespannt nicht nur auf den Fortgang des Gipfeltreffens, sondern auch auf das für den Nachmittag angekündigte bilaterale Treffen von Merkel und Trump:

 

(Weiter nach Entwicklung)

(Aufmacherfoto: NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg beim Arbeitsfrühstück mit Trump – Foto NATO)

37 Kommentare zu „NATO-Gipfel: Das geht ja gut los. (neu: Transkript Trump)“

  • Tom   |   11. Juli 2018 - 10:15

    Deutlich besser ist die Bildqualität im identischen Videobild von Foxnews: https://twitter.com/GavinLeeBBC/status/1016947190479060992/video/1

    Ändert aber wenig am Inhalt. Ua am indirekten Vorwurf an die Bundesrepublik dass Gerhard Schröder Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG ist. Also ob Deutschland sich das ausgesucht hätte.

    [Hm, Sie haben den gleichen Link zum Tweet von GavinLeeBBC verwendet wie ich oben auch? T.W.]

  • Alf   |   11. Juli 2018 - 10:25

    Ich bin zwar kein Freund von Trump aber mit dem GAS hat einen wunden Punkt erwischt, dass kann leider keiner bestreiten.

  • Tom   |   11. Juli 2018 - 10:27

    Ähm, ja, ähm, … Korrektur des Links:

    https://twitter.com/FoxNews/status/1016952075102629888

    (Sorry)

    [Danke, aber jetzt habe ich mal den Tweet des Trump-Teams oben reingenommen. T.W.]

  • wacaffe   |   11. Juli 2018 - 10:44

    Währenddessen sitzt VdL bräsig im Morgenmagazin un behauptet wahrheitswidrig man würde sich doch auf die zwei prozent zubewegen und auch ansosnten sei alles ganz wunderbar.

    Fakt:
    -Mittelfristige Finanzplanung führt zu sinkenden! nicht steigendem bip Anteil Richtung 1,2 % in 2022.

    – Investanteil geht kontinuierlich zurück. Die Ausrüstungssituation wird sich demzufolge dramatisch verschlechtern, nicht verbessern.

    Irgendwann fällt einem eine derart dreiste Politik der Falschaussage eben auf die Füße. Die Kritik daran wird übrigens von so ziemlich allen europäischen Nato Alliierten geteilt. Trump formuliert sie nur wie üblich etwas pointierter.

  • Pio-Fritz   |   11. Juli 2018 - 11:15

    Anscheinend darf man nur noch das tun, was Trump-el für gut befindet und den Interessen der USA dient.

    Wer sich so einen Eingriff in seine Souveränität gefallen lassen will, bitte schön, ich möchte in so einem Land nicht leben. Der Vertrag über North Stream 2 dient der Versorgungssicherheit DEU, wo sind Alternativen? Im selben Umfang? Und Öl aus dem Iran ist böse, aus Venezuela auch, Handel mit China ist ganz böse, mit Mexiko und Kanada auch. Geht´s noch? Wie will Trump mit Putin klarkommen (seine Worte) und gleichzeitig solche Forderungen stellen? Das ist doch schizophren.

    Und der TUR FM als Vertreter einer Diktatur mit Demokratieanstrich soll mal den Ball flachhalten. War es nicht so, das unsere Soldaten dort nicht willkommen waren, beschimpft und bedroht wurden? Und wo ist die Schutzbedürftigkeit der TUR? Frei nach dem Motto „haben ist besser als brauchen“.

    Hier muss einfach klare Kante gezeigt werden, ein Eingriff in vitale Interessen DEU von außen darf nicht geduldet werden. Für mich gibt es da mehrere Hebel:
    1. DEU tritt teilweise aus der NATO aus und hat einen Sonderstatus wie FRA von 1966 -2009.
    2. Man bittet die USA, ihre Truppen aus DEU abzuziehen. Alternativ alle Kostenbeiträge des Bundes zu den Stationierungskosten der USA streichen und Pacht verlangen.
    3. Sofort den DEU Beitrag zu AFG RS beenden.

    Das hört sich zwar alles doof und realitätsfern an, ist es auch, entspricht aber genau der Vorgehensweise von Trump. Die Sprache würde er verstehen.

  • D.F.   |   11. Juli 2018 - 12:04

    Wir sind doch nicht mehr im kalten Krieg. Dieses Schwarz-Weiß-Denken führt nirgendwo hin, außer in weitere Eskalation. Wir sollten mehr Energie in den Dialog mit Russland stecken, als in Konfrontation. Zumindest zweigleisig sollte man fahren. Handel ist ein starker Motivator im Gespräch zu bleiben. Außerdem sollte man sich genau überlegen, welche Argumentationen man blind von einem D.T. übernimmt. Noch bestimmen wir selber, mit wem wir Handel treiben. Trump sucht nur Abnehmer für sein teures Schieferöl. Und warum sollte das Gas politisches Druckmittel sein? Wir können notfalls auch woanders unseren Energiebedarf decken. Das plumpe Deutschlandbashing und 2 %-Gejammer ist so eintönig wie fehlplatziert. Die Etatmittel steigen und 2024 ist noch weit entfernt. Die vorhandenen Mittel müssen erstmal sinnvoll eingesetzt werden. Russland wird morgen keinen Krieg vom Zaun brechen, selbst wenn die USA sich aus der NATO verabschieden.

  • wikinger   |   11. Juli 2018 - 12:28

    Ich bin ja durchaus ein Freund davon, dass man in verstaubten und behäbigen Institutionen mal mit einer polarisierenden Aussage für Unruhe sorgt und damit vielleicht sogar dafür sorgt, dass so mancher Papiertiger wach geküsst wird ;-)
    Der von Präsident Trump eingeschlagene Kurs beunruhigt mich jedoch, da ich seine Intention nicht verstehe!? Sein Verhalten erinnert mich oftmals an ein unerzogenes Kind. Kind auch deshalb, weil er sich der möglichen Konsequenzen nicht bewusst zu sein scheint.
    Nichts desto Trotz: auch in seinen neusten Tiraden steckt ja durchaus das eine oder andere Fünkchen an Tatsache, jedoch großzügig gemixt mit falschen Tatsachen und Halbwahrheiten. Dieser Mix ist – meiner persönlichen Meinung nach – sehr explosiv…

  • HeinzG   |   11. Juli 2018 - 12:29

    Und zwei neue Umfragen heute, zum 2% Ziel und zur Stationierung von Truppen in Deutschland zeigen deutlich einen Trump Effekt. Daher stellt sich nur die Frage, macht er es mit Absicht und auf Betreiben von Dritten oder ist er nicht lernfähig.

  • C.H.   |   11. Juli 2018 - 12:46

    Hallo,

    @ wikinger: Trumps/US Intention KÖNNTE sein, dass die USA durch Fracking zum Erdgasexporteur geworden sind. Obs beim Öl auch dazu reicht bin ich mir gerade nicht sicher. Entsprechend wäre es doch schade wenn Deutschland, mit dem Kohleausstieg eventuell mehr auf Gas setzen muss und will und dann russisches Gas kauft anstatt des US-Gases.
    Wenn wir uns klar zu den USA bekennen, dann sollten wir den Nordstrom wohl sein lassen. Alles andere wird wohl die Tage diskutiert. Es sind eben sehr spannende Zeiten im Moment.

    Grüsse

  • Klauspeterkaikowsky   |   11. Juli 2018 - 13:02

    Ramms bei Phoenix: USA zahlen bei 29 Mitgliedsstaaten 76% des NATO-Budgets, zzt Kalter Krieg und 19 Mitgliedern waren es 56%, ich verstehe Trump.

  • Andreas L   |   11. Juli 2018 - 13:12

    @ wikinger

    Dies ist die Um- (Fort) setzung der US Politik wie bereits 2011 !!!!!! beschrieben.

    How to Manage Russia

    Russia does not threaten America’s global position, but the mere possibility that it might collaborate with Europe and particularly Germany opens up the most significant threat in the decade, a long-term threat that needs to be nipped in the bud. The United States can’t expect Germany to serve the role it played in the Cold War as the frontier set against the Soviet empire. In the next decade, the United States must work to make Poland what Germany was in the 1950s, although the Russian threat will not be as significant, forceful, or monochromatic as it was then.
    …..
    Aus: George Friedmann: Next Decade

    [Das war ein bisschen lang für ein Zitat, deshalb gekürzt. Ggf. gibt’s ja einen Link dazu? T.W.]

  • Andreas L   |   11. Juli 2018 - 13:28

    @ T. W.

    Leider kein Link verfügbar, der für alle lesbar wäre.
    Das Zitat ist aus dem Buch: The Next Decade: Where We’ve Been . . . and Where We’re Going by George Friedman (STRATFOR)

  • Pham Nuwen   |   11. Juli 2018 - 14:08

    Ach ja, jetzt gilt es plötzlich Deutschland (militärisch) vor Russland zu beschützen? Heute morgen wurde Trump noch vor seinem Abflug zum Gipfel im DLF wie folgt zitiert: Putin sei weder ein Freund noch ein Feind, sondern ein Mitbewerber (im O-Ton „Competitor“).

    Aber wäre ja nicht überraschend, wenn drei Tweets und ein Geistesblitz später wieder alles anders aussieht.

  • Militärökonom   |   11. Juli 2018 - 14:22

    Bizarr.
    Anders lässt sich das Verhalten des Mr. D. Trump wohl kaum noch beschreiben.
    Kontern könnten die Europäer entweder mit (undiplomatischem) Gegendruck wie vor einer Schulhofprügelei oder mit (noch undiplomatischerem) Sarkasmus. Zum Beispiel damit, dass die USA eine viel größere Differenz ihres Verteidigungshaushaltes zum anvisierten 2%-Ziel haben als DE.
    Mhm. Alles nicht das Wahre.

  • Anubiswaechter   |   11. Juli 2018 - 14:34

    Politisches Verzögerungsgefecht bis zum 3. November 2020. Das wird schon.

  • MA   |   11. Juli 2018 - 14:45

    Klauspeterkaikowsky | 11. Juli 2018 – 13:02

    „Ramms bei Phoenix: USA zahlen bei 29 Mitgliedsstaaten 76% des NATO-Budgets, zzt Kalter Krieg und 19 Mitgliedern waren es 56%, ich verstehe Trump.“

    1+

    Durch UdL und Merkel wurde inzwischen mehrfach darauf hingewiesen, dass die USA nicht nur auf die 2% des BIP für Verteidigungsaufgaben hinweisen dürften. Deutschland sei in mehreren Einsätzen aktiv und in AFG neben den USA größter Truppensteller.

    Auch hier wird es unterschiedliche Ansichten über die tatsächlichen Leistungen (im Einsatz) geben.

  • Klauspeterkaikowsky   |   11. Juli 2018 - 14:52

    Phoenix: Entlarvend bei Ankündigung des HubSchr-Vorbeiflugs vorm neuen NATO-Stab, dass auch DEU dabei sei, aus dem off, Mikro noch offen, Ramms: Oh Gott wo haben sie die denn her?
    Noch ehrlicher und bloßstellender geht’s kaum.

  • Passivleser   |   11. Juli 2018 - 15:24

    „I think it’s very sad when Germany makes a massive oil and gas deal with Russia. We’re supposed to be guarding against Russia and Germany goes out and pays billions and billions of dollars a year to Russia“

    Naja, das zieht ja auch nur bei dem amerikanischen Wählervolk die auf der Landkarte den Balkan nicht von Deutschland unterscheiden können.
    Ein Schutz gegen russisches Militär (oder in Sprache der Putinversteher: Vor den „Urlaubern“ welche sich „holen was ihnen zusteht“) ist für Deutschland nun wirklich nicht notwendig….

    Den Vorwurf, dass Deutschland den strategischen Zielen der Nato mit einer solchen Pipeline zuwider handelt, könnte man, korrekter und weniger polemisch formuliert, durchaus in den Raum stellen. Dann müsste man aber z. B. auch diskutieren, warum die USA gegen ihre (Nato-)Verbündeten einen Handelskrieg führt.

  • BG   |   11. Juli 2018 - 15:24

    Ein paar Worte von mir:
    Fakt:
    1) Wir sind nicht auf einem Weg zum 2%-Ziel, da dieser Wert in 2018 kaum erhöht wird, 2019 auf ca 1,3%, und danach sinken wird.
    2) Dennoch steigt die Höhe der Verteidigungshaushaltes bis 2025 auf 1,5%.
    Je nach Höhe des BIP (4 billionen bis 4,5 billionen) ergäbe sich ein Verteidigungshaushal i.H.v. ca 60mrd € bis 68mrd €.
    Das ist gegenüber heute eine Steigerung von ca 50%.
    3.) Nord-Stream 2 wird fast parallel zu Nord-Stream 1 verlegt, also durch die Nordsee.
    Rußland spart dadurch die Transitkosten, die sonst an Polen, Ukrain, etc gezahlt werden müssten. Und DE bekommt somit auch günstigeres Gas.
    4.) Wenn die USA IHr Öl und Gas an uns verkaufen wollen, dann sollen Sie die gleichen Konditionen bieten.
    Das nennt sich Marktwirtschaft, die dem Präsidenten der USA nicht unbekannt sein dürfte.
    Und davon kaufen wir dann gerne auch Rüstungsgüter aus den USA, wie z.B. Hubschrauber (falls der STH kommt).

  • T.Wiegold   |   11. Juli 2018 - 15:29

    @all

    Das Transkript von Trumps Aussagen bei dem Frühstück mit dem NATO-Generalsekretär liegt nun vor und ist länger als der Ausschnitt im Video. Habe das oben mal nachgetragen.

  • Zimdarsen   |   11. Juli 2018 - 15:43

    @C.H.  

    Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, dass wir uns als Europäer nicht zu den USA bekennen müssen. USA first kann und darf nicht unsere Lösung sein und mit wem wir Handel treiben sollte eine DEU Entscheidung sein und bleiben.

    Zu den 2% der Umfang der Bw ergibt sich aus dem Haushalt und den bestimmt zum Glück nicht die Partei mit der Mehrheit der Stimmen, sondern das Organ welches den Haushalt beschließt. Keine Regierung kann somit durch Verträge oder wagen Zusagen die Haushaltshoheit aushöhlen und das ist gut so.

  • ADLAS-Doe   |   11. Juli 2018 - 16:44

    @KPK

    „Ramms bei Phoenix: USA zahlen bei 29 Mitgliedsstaaten 76% des NATO-Budgets, zzt Kalter Krieg und 19 Mitgliedern waren es 56%, ich verstehe Trump.“

    Das „NATO-Budget“ beträgt 2Mrd. Davon zahlen die USA rund 22%, DEU etwas mehr als 15%.

    Was Ramms meint, sind wohl eher die Gesamtausgaben fürs Militär. Da sind unsere 44 im Vergleich zu den round about 600 Mrd der USA natürlich nix. Der Vergleich taugt aber m.A.n. nix, wenn man das Burdensharing innerhalb der NATO irgendwie angemessen thematisieren will.

  • TobyR   |   11. Juli 2018 - 16:56

    Mal abgesehen davon, dass Trump sich seine Zahlen wie immer ad hoc aus den Fingern saugt, kann man doch diese durchsichtige und krude Vermischung von Kommerzinteressen und Sicherheitspolitik nicht ernst nehmen.

    Polen, das sich ja als Frontstaat gegen Russland und als europäisches Gasterminal in Stellung zu bringen gedenkt, ist von russischem Gas zur Zeit noch stärker abhängig, kriegt aber von Trump natürlich keine Schelte.

  • Piio-Fritz   |   11. Juli 2018 - 17:03

    @Klauspeterkaikowsky | 11. Juli 2018 – 13:02
    + @MA | 11. Juli 2018 – 14:45

    Ramms bei Phoenix: USA zahlen bei 29 Mitgliedsstaaten 76% des NATO-Budgets, zzt Kalter Krieg und 19 Mitgliedern waren es 56%, ich verstehe Trump.

    Ohne Erläuterung sind solche Zahlen nichts wert, auch wenn sie von einem General a.D. kommen.
    Etwas Recherche hätte gut getan, hier die offiziellen NATO-Zahlen zum direct funding:

    https://www.nato.int/cps/ie/natohq/topics_67655.htm

    USA 22,1387% Anteil, Deutschland 14,7638% Anteil dann noch GB und FRA mit jeweils rd. 10,5% Anteil am zivilen, militärischen und am NSIP (NATO Security Investment Programm) Haushalt für 2018 und 2019. Alle anderen Mitglieder haben niedrigere Beiträge.
    Daneben gibt es noch das indirect funding, und da zählt u.a. das 2%-Ziel mit rein, wie man so etwas berechnen will, wird leider nicht ausgeführt.

    Wie man da auf 76% US-Anteil kommen will, ist mir schleierhaft. So produziert man Fake News.
    Fakt ist, dass die USA überproportional viele Schlüsselpositionen in der NATO besetzen, gemessen an ihrem finanziellen Beitrag.

  • Shock   |   11. Juli 2018 - 17:05

    Dieses neue Pipeline-System umgeht die Ukraine, das Baltikum und Polen.

    Natürlich, schon im Kalten Kriege bezog die BRD (und auch die DDR) Erdgas aus Sibirien. Aber die damals genutzten Pipelines werden durch die neuen Ostsee-Pipelines obsolet. Das heißt zwar, dass für Deutschland das Gas billiger werden sollte, da die massiven Durchleitungsgebühren entfallen – aber es heißt auch, dass Polen speziell unter einen gewissen Druck gerät.

    Warum sollten die USA (oder größer: die Angelsachsen) aber ein spezielles Interesse an Polen haben? Vielleicht, weil ein von deutschem Gelde dominiertes Kontinentaleuropa nicht in ihr strategisches Kalkül passt? Polen ist sehr amerika- und englandfreundlich…

    Die deutsche Außenpolitik (BRD) beruhte für die längste Zeit auf zwei Säulen:“Nie wieder allein“ und „Westbindung“! D hat nach dem noch zu erfolgenden BREXIT eher eine Südbindung… und steigt zur dominierenden Macht Kontinentaleuropas auf, alleinig dominierend…

  • Zimdarsen   |   11. Juli 2018 - 17:46

    @Schick

    So sieht’s aus und für Trump ist Deutschland ein Konkurrent und somit ein Gegner. Was früher die Angst vor einer zu engen Bindung Deutschlands an Russland war ist nun die Befürchtung, dass DEU mit China und Russland an Macht gewinnt. Es geht nicht um Politik oder Militär, sondern ums Geschäft und im Weltbild von Trump sind wir da der Feind den es zu besiegen gilt. Kooperation mit win-win Situation ist für Trump nur in einer Käufer-verkäuferbeziehung

  • MikeMolto   |   11. Juli 2018 - 17:50

    @ Shock | 11. Juli 2018 – 17:05
    “ Polen ist sehr amerika- und englandfreundlich…“

    Andersherum, zumindestens fuer die USofA noch mehr. fuer Amerikaner kommt Polen gelich nach GB in der Beliebtheit. … – Was aber politisch wenig bedeutet oder/und wenig Auswirkung hatte..

    @all
    Es stellt sich mir so dar als wuerde Mr Trump die gesamten Kosten des US Militaers als der NATO ‚geschuldet‘ darstellen oder zuordnen.

  • Alex   |   11. Juli 2018 - 17:51

    @Shock
    Deutschland will Frieden durch Mischkalkulation von wirtschaftlichen Vorteilen und sicherheitspolitischen Bündnissen. EU-Austritte sind praktisch nicht möglich. Dadurch werden potentielle Konfliktgebiete (Serbien, Albanien, Mazedonien) zu Verbündeten.
    Dies steht allerdings im Gegensatz zu „mehr Verantwortung“, Fähigkeiten und 2%, zu denen man sich öffentlich bekennt.

  • Zimdarsen   |   11. Juli 2018 - 17:55

    @Shock

    DEU hat klar eine Bindung zu FR und allen anderen Nachbarn. Zudem treibt Trumps Handelspolitik Europa nach Osten bis China. Wir sind in der Welt von Trump Gegner und da können DEU Politiker machen was sie wollen. Jeden Tag werden es mehr Bürger in DEU welche sich wünschen, dass DEU sich von den USA löst und das ist die eigentliche Tragödie, denn wenn es um die Verteidigung unserer Werte geht (auch nach Trump) sind China und RUS nicht wirklich Partner. Es bleibt wohl nur Europa.

  • Klauspeterkaikowsky   |   11. Juli 2018 - 17:56

    In der Kommentierung vom Gipfel wird im Zusammenhang von 4 x 30 leider regelmäßig von Geschwadern statt Staffeln gesprochen, und zwar seitens der Simultanübersetzer, was dann vom jeweiligen Moderator übernommen wird.
    So komplex die Materie für Fachfremde auch sein mag, von Reportern, die den Gipfel kommentierend begleiten, sind basics erwartbar.
    Auch hierzu hatte allerdings Ramms, deutlicher werdend von ca. 300 Lfz gesprochen, die den 30er Luftwaffenanteil stellen sollen.
    Interessant wird die kurzfristige Ausgestaltung der Ausbildungsmission-Irak von 100 Mann sein, werden wir dabei sein? Aus gesamt-SiPo-Verantwortung in DEU Sicht ist dies ein Muss. Einfluss übt aus, wer präsent ist, nicht wer „nur“ zahlt! Hinsichtlich der bekannten Flüchtlingssituation mit erklecklichen Zahlen ethnischer Iraker hat gerade DEU ein fundamentales Interesse an der Konsolidierung der Sicherheitslage mit mil/pol Pers zu stützen.

  • T.Wiegold   |   11. Juli 2018 - 18:01

    @all

    Was den Gipfel insgesamt – jenseits der spezifischen deutsch-amerikanischen Spannungen – angeht: Es gibt einen neuen Thread zur Gipfelerklärung; bitte die entsprechende Debatte dort fortsetzen.

  • Zimdarsen   |   11. Juli 2018 - 18:27

    @Klauspeterkaikowsky

    „Einfluss übt aus, wer präsent ist, nicht wer „nur“ zahlt! Hinsichtlich der bekannten Flüchtlingssituation mit erklecklichen“

    …..und präsent ist man im arabischen Raum besser mit Handel, Beratung, Diplomaten und Hilfe, weniger mit Militär.

  • Sepp   |   11. Juli 2018 - 18:43

    MikeMolto | 11. Juli 2018 – 17:50
    „@all
    Es stellt sich mir so dar als wuerde Mr Trump die gesamten Kosten des US Militaers als der NATO ‚geschuldet‘ darstellen oder zuordnen.“

    Genau ! Das ist der Punkt auf dem ich auch schon zwei Tage `rumdenke !

    Nach NATO-Vertrag Artikel 6 umfasst das Bündnisgebiet :
    „“Im Sinne des Artikels 5 gilt als bewaffneter Angriff auf einen oder mehrere der Parteien jeder bewaffnete Angriff

    (i) auf das Gebiet eines dieser Staaten in Europa oder Nordamerika, auf die algerischen Départements Frankreich, auf das Gebiet der Türkei oder auf die der Gebietshoheit einer der Parteien unterliegenden Inseln im nordatlantischen Gebiet nördlich des Wendekreises des Krebses;

    (ii) auf die Streitkräfte, Schiffe oder Flugzeuge einer der Parteien, wenn sie sich in oder über diesen Gebieten oder irgendeinem anderen europäischen Gebiet, in dem eine der Parteien bei Inkrafttreten des Vertrags eine Besatzung unterhält, oder wenn sie sich im Mittelmeer oder im nordatlantischen Gebiet nördlich des Wendekreises des Krebses befinden.“

    https://crp-infotec.de/wp-content/uploads/nato-vertragsgebiet.gif

    Interpretiere ich so dass nur dieses Gebiet von der NATO zu verteidigen ist und somit die
    2% BIP zur Verteidigung nur für dieses NATO-Gebiet aufzubringen sind.

    Die USA haben aber weltweite Interessen vor allem auch im Pazifischen Raum,
    würde bedeuten diese Kosten wären aus dem Militärhaushalt der US herauszurechnen, da sie nicht für die Verteidigung der NATO aufgebracht werden.

    Wäre interessant wenn man mal mit spitzen Bleistift rechnen würde, also z.B. die sündteure Pazifikflotte, die Streitkräfte in Irak, Syrien, Südkorea und Japan, sowie die Nicht-NATO-Dienststellen in EU, z.B. AFRICON in Stuttgart,herausrechnet, ob dann die USA überhaupt selbst das 2%-Ziel für die NATO erreicht !

    Aber vielleicht bin ich ja auch nur zu naiv, lasse mich diesbezüglich gerne belehren…

    PS : @TW, Ich hoffe das Zitat ist nicht zu lange ?!

    [Bei offiziellen Schriftstücken wie dem NATO-Vertrag gibt es keine Zitierprobleme – die Länge sollte sich dennoch an der Notwendigkeit orientieren… ;-) T.W.]

  • Zimdarsen   |   11. Juli 2018 - 19:19

    @Sepp

    So ist es und dieser Punkt würde schon vor Jahren in AG gesetzt. Deutschland bringt ALLES Verfügbare in die NATO ein (ob viel oder wenig) die USA machen das nicht und behalten sich überall vor selbst zu entscheiden. Das sieht im Übrigen die NATO so vor. Es geht eben nicht um die Verteidigungsfähigkeit sondern ums Geschäft und seine Wähler.

  • TobyR   |   11. Juli 2018 - 19:34

    „Warum sollten die USA (oder größer: die Angelsachsen) aber ein spezielles Interesse an Polen haben? Vielleicht, weil ein von deutschem Gelde dominiertes Kontinentaleuropa nicht in ihr strategisches Kalkül passt? “

    Lesen Sie mal die von Andreas angegebene und von meiner Wenigkeit verlinkte Quelle. Das, was Friedman (der Stratfor-Gründer, der stellvertretend für verschiedene andere Dr. Strangeloves des neuen Jahrtausends stehen kann) da empfiehlt, ist: Polen als ‚Bedrohung‘ für Russland UND Deutschland aufzubauen, damit sich beide nicht zu sicher fühlen.
    Im Klartext: Stabilität und friedliche Beziehungen in Europa unterminieren, damit das US-amerikanische ‚Divide et Impera‘ reibungslos funktioniert.

    Ich sage nicht, dass Trump genau diesem Drehbuch folgt. Aber dass es einflussreiche Leute in den USA gibt, die nur danach schielen, wo irgendwie ein geostrategischer Gegner der als Axiom gesetzten amerikanischen Hegemonie ausgemacht werden kann, den es unterzubuttern gilt, ist eine traurige Tatsache.

  • SvD   |   12. Juli 2018 - 1:58

    @C.H. | 11. Juli 2018 – 12:46

    Auch die USA importieren noch Gas, sogar russische über Umwege (Zwischenspeicher an Umschlagplätzen), weil das Pipelinenetz in den USA nicht alle Ecken des Landes erreicht. Sollte nach Trump ein Präsident von der Kohle abrücken und mehr auf Gaskraftwerke setzen, geht der mögliche Exportüberschuss erst recht flöten. Dazu kommen auch noch die Küsten- und Binnenschifffahrt, die ebenfalls auf LNG umgestellt werden könnte. Sogar große Containerschiffe können mit LNG betrieben werden.
    Da die USA gerne machen was ihnen in den Kram passt, könnte ein Politikwechsel zu einer Situation führen, wie wir sie so mit Russland noch nie hatten.

    Gasreserven haben übrigens auch Katar und besonders große der Iran. Gas aus diesen Ländern wird nicht durch Fracking gefördert, ist also umweltfreundlicher.

    Das Problem an Nordstream 2 ist, dass die Pipelines durch das Baltikum und die Ukraine an Bedeutung verlieren. Diese Pipelines bieten ein wenig stabilität, da Russland seine Geldquelle nicht angreifen kann und sie liefern Einnahmen für diese Länder. Langfristig könnte man die Energiewende zu einfach machen und einfach von Öl auf Gas umstellen.

    @Klauspeterkaikowsky | 11. Juli 2018 – 13:02
    „USA zahlen bei 29 Mitgliedsstaaten 76% des NATO-Budgets“

    Das ist, wie ja bereits erwähnt so nicht richtig.
    Die Explosion der US Verteidigungsausgaben nach 9/11 ist darüber hinaus nicht unser Problem.
    Mit der Nato hat das nichts zu tun. Die USA haben hunderte von Militärbasen rund um den Globus errichtet. Der Iran ist z.B. komplett umzingelt. Dazu betreibt das Pentagon exzessives Outsourcing, und verdreifacht damit die Kosten einer erbrachten Leistung gegenüber eigenem Personal. ~25 Mrd sind alleine für die 3 kruden Kreuzer der Zumwaltklasse drauf gegangen. Viel nützlicher als unsere F125 sind die auch nicht.

    Diese Aussage verfehlt auch komplett wofür die Nato eigentlich da ist. War der Sinn der Nato, dass viele Länder prozentual ähnlich viel Geld fürs Militär verschwenden wie die USA?

    @Sepp

    Treffer, versenkt. Zumindest für konventionelle Streitkräfte trifft das zu.
    Die USA haben Probleme mit den einfachsten militärischen Taktiken, da diese im Irak keine Rolle spielten. Nichtmal Geld für Grüne Farbe war da. Dieses Elend zog sich bald 2 Jahre und es macht den Eindruck als würde das immer noch nicht laufen.
    700+ Mrd $ an Verteidigungsetat und OCO (Overseas Contingency Operations) und man kann sich keine grüne Farbe oder grüne Tarnnetze leisten.

    Die nukleare Abschreckung ist ein anderes Thema, wobei man da den USA den Bruch des ABM Vertrages anlasten muss. Das führte ja zu der sehr verhaltenen nuklearen Abrüstung. Man könnte heute wesentlich weiter sein, hätten die USA nicht wieder wilde Sau gespielt.

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