Deutsch-französischer Kampfpanzer-Demonstrator: Hier kommt der Leoclerc

Vive le Leoclerc, hatte ich vor vier Jahren etwas flapsig getitelt, als der Zusammenschluss der beiden Panzerunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus Deutschland und Nexter aus Frankreich angekündigt wurde – orientiert an den Kampfpanzern Leopard (Deutschland) und Leclerc (Frankreich).

Auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris war es am (heutigen) Montag so weit: Das gemeinsame Unternehmen, das als KNDS firmiert, präsentierte den Demonstrator eines neuen europäischen Kampfpanzers. Der heißt natürlich nicht Leoclerc, sondern European Main Battle Tank:

EMBT – First step towards an European Main Battle Tank
The E-MBT is an important step in the consolidation of KNDS Group. It is a proof that KMW and Nexter have established a first significant joint KNDS product together in record time: the EMBT drives and fires – in short, it works!

Concerning the EMBT Demonstrator exhibited, the hull, engine and entire chassis come from the Leopard 2 A7 and were modified to host the compact and light turret with automatic loader from the Leclerc: it is composed of proven and tested technologies. The EMBT is to be seen as a model in the KNDS product portfolio next to the Leopard and Leclerc.

Einige technische Daten dazu:

Das Interessante an dem Demonstrator: Das Kampfpanzer-Konzept setzt auf einen Turm mit automatischem Nachladen, damit sind nur drei statt vier Mann Besatzung erforderlich* – und ist deshalb leichter als der deutsche Leopard2:

[Francois Groshany, Nexter’s head of tracked armoured programmes] added that because the Leclerc features a lighter autoloading turret, compared with the manually loaded Leopard 2, the EMBT is lighter and has a growth potential of around 6t (10% of the EMBT’s 60t GVW).

berichtet der Kollege Grant Turnbull von Shepardmedia, der sich das neue Gefechtsfahrzeug auf der Eurosatory ansehen konnte. Er hat auch noch am Rande ein interessantes Detail der Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und dem französischen Unternehmen mitbekommen:

[Rudolf Neuhaus, project manager for EMBT for KMW] added that this was, for the time being, the limit as to how much technology can be shared between the two countries, owing to German legislation. ‘This is the limit that we can go …due to German law we cannot exchange technologies.’

*KORREKTUR: Ich hatte irrtümlich von einem unbemannten Turm geschrieben.

(Foto: KMW)

57 Kommentare zu „Deutsch-französischer Kampfpanzer-Demonstrator: Hier kommt der Leoclerc“

  • 4./383   |   15. Juni 2018 - 13:42

    Netter Versuch !
    Die politische Aussage dahinter ist eher kritisch zu betrachten. Kernbaugruppen System in Frankreich (Waffe, Munition, Feuerleitung etc. ) Fahrgestell (Kettenschlepper) in Deutschland. Dazu kommt, dass eigentlich entschieden ist, Deutschland hat die Führung beim zukünftigen Hauptkampfsystem Land; Frankreich beim Luftfahrzeug. Bei diesem Konzept hat Frankreich bei einem angenommenen System GU KNDS auch schon 50% Anteile. Wo ist da der deutsche Lead ??
    Nachtigall ick hör Dir trapsen…..

  • Bow   |   15. Juni 2018 - 13:45

    Vielleicht mal ein neuer Gedankenansatz, der hoffentlich nicht Wahrheit wird.

    Wenn ich die Aussage von Rudolf Neuhaus anders interpretieren will, könnte es auch heißen: „Dieser „Lego-Panzer“ ist das Maximum, was wir juristisch im Stande sind technisch zusammenzurödeln. Der KMW/NEXTER-Deal ist eine reine PR-Kampagne und führt nur zu zusammengewürfelten Bastarden, aber nie zu einem sinvollen und marktfähigen Produkt.“

    Also eher die bewusste zur Schau Stellung politisch gewollter Unfähigkeit unter dem Deckmantel des Schutzes vor Wissens- und Fähigkeitstransfer.

    Kurz: Wir machen das, weil die Politik das will, aber wenn ihr Produkte wollt, fragt lieber nur bei KMW oder NEXTER selber an.

  • SvD   |   15. Juni 2018 - 18:50

    @Alpha November

    Haben Sie schon mal einen Schützenpanzer gesehen, bei dem der Motor hinten sitzt?
    Die sind grausig und alle samt aus alten umgebauten Kampfpanzern entstanden.
    Bei diesen Frankensteinfahrzeugen müssen die Soldaten entweder vorne oder hinten über den Motor raus. Beide Wege führen dabei durch ca 1,5 Meter lange, sehr enge Tunnel.

    Es macht halt konstruktionsbedingt Sinn das ein SPz den Antrieb vorne hat.

    Der Merkava hat den Motor vorne, weil die Panzer im Stellungskrieg eingesetzt werden.
    Da braucht es die Heckluke für die Besatzung und zum schnellen Nachladen.
    Infanterie kann er auch nur aufnehmen, wenn keine Munition in der Wanne mitgeführt wird und dann halt auch nur im Schleichgang. Da die Soldaten auf dem Boden kauern und mit dem Kopf oben anstoßen muss man wirklich behutsam fahren.

    Bei einem Dieselelektrischen Antrieb kann man die Stromerzeugung auf mehrere Aggregate aufteilen, die man frei in der Wanne platzieren kann. Dazu kann man die Elektromotoren Vorne oder Hinten unterbringen.
    Da fehlt aber die Grundlagenforschung in der Wehrtechnik. Die zivile Industrie könnte da freilich aushelfen.

    Das aktuelle PowerPack von MTU ist wesentlich kompakter als der Klotz im Leopard 2, wodurch mehr Raum in der Wanne frei würde. Wenn der ‚Leopard 3‘ dann aber in Serie ginge, wäre dieses Powerpack ~25 Jahre alt.

  • Klauspeterkaikowsky   |   17. Juni 2018 - 10:46

    „Defence Europe“ als retweet von:
    @Konflikt_Sicherheit
    Deutschland wird bis zur „Leopard 3“ (?) Einführung verbesserten Leopard 2 mit erhöhtem Schutz bekannter Schwachstellen & neuer 130mm Rheinmetall-Kanone nebst automatischen Lader entwickeln, die vorhandene 120mm Kanone wird ersetzt, um T14/T90 zu kontern.
    Die dann präsente Gefechtsmasse unter evtl Verwendung eines neuen, zugleich kompakteren und leichteren Triebwerks parallel denkbar. Jetzige Masse 2A7 erreicht Grenze des Sinnvollen.
    (stern.de)
    Passt zu obiger DEU/FRA Absprache nicht wirklich, es sei denn als Zwischenschritt und quasi „Komponententräger zur Erprobung“!

  • Voodoo   |   17. Juni 2018 - 21:49

    @ KPK

    Bei allem Enthusiasmus, den ich angesichts meines schwarzen Hutes teile, aber ich muss mit Blick auf einen deutlich angespannten Wehretat trotzdem fragen:

    Der neue KPz „Leo 3“ wird um 2030 erwartet – macht es da wirklich Sinn, dem altehrwürdigen „Leo 2“ noch eine derartige Umgestaltung für knapp 15 Jahre zu gönnen bzw. der Wanne zuzumuten (die sind dann um die 40 Jahre alt…)?

    Ich bin mir da nicht so sicher, zumal der T14 (noch) kein stichhaltiges Argument ist.

  • T.Wiegold   |   18. Juni 2018 - 8:53

    Ein bisschen mehr Erklärung der Firma bzw der Firmen für diesen Demonstrator hat Defense News abgefragt:

    Why create a Leclerc-Leopard 2 hybrid?

  • SvD   |   18. Juni 2018 - 20:03

    Hier gibt es die Erklärung nochmal aber mit Video von der Erprobung. Er fährt und schießt also trotz mancher Unkenrufe hier:

    https://www.youtube.com/watch?v=YGPwtNqbecc