Blue Flag: Hierzulande kein Thema?

Es ist nicht nur die größte Luftwaffenübung der israelischen Streitkräfte, sondern auch das erste Mal, dass deutsche Kampfjets mit dem Eisernen Kreuz über Israel üben: Das Manöver Blue Flag 2017 läuft seit gut einer Woche und noch ein paar Tage, und trotz der Superlative und der deutsch-israelischen Geschichte findet es in Deutschland wenig Beachtung.

Die israelische Luftwaffe hatte sogar am 8. Oktober zu einem Medientag auf die Basis Uvda in der Negev-Wüste eingeladen – aber die Auswirkung blieb in deutschen Medien spärlich: Der Deutschlandfunk berichtete darüber, ARD und Bayerischer Rundfunk in einem Nachrichtenfilm und das kombinierte Zeitungs/TV-Medium Welt N24. Aber einen Korrespondentenbericht der dpa, den es ja auch gab, findet man in deutschen Zeitungen praktisch nicht…

Nun hat das vielleicht damit zu tun, dass angesichts verschiedener innenpolitischer Ereignisse hierzulande die Prioritäten andere sind. Vielleicht aber auch damit, dass die Bundeswehr selbst und das Verteidigungsministerium damit sehr sparsam umgehen, wie eine Suche auf deren Webseite zeigt:

Das kann sich ja nur bessern. Vielleicht, wenn die Übung in zwei Tagen vorbei ist…

Nachtrag: Am 17. November, sozusagen zum Übungsende, hat die Luftwaffe ihren Bericht zu Blue Flag veröffentlicht – und ihn trickreich auf den 9. November vordatiert (da war er vielleicht verfasst, aber garantiert noch nicht auf der Webseite eingestellt):

Blue Flag: Die Luftwaffe übt zum ersten Mal in Israel

(Vorsorglich, damit er bei Technik-Wechsel auf den Bundeswehrseiten nicht verschwindet, hier der Bericht als pdf-Datei: 20171117_Lw-Bericht_Blue_Flag_Israel )

Die deutschen Video-Berichte:

(Aufmacherfoto: Ein Eurofighter der Luftwaffe nach der Landung auf der israelischen Airbase Uvda am 7. Oktober 2017 – Foto IDF)

 

 

19 Gedanken zu „Blue Flag: Hierzulande kein Thema?

  1. In der Tat, die „Prioritäten“ sind andere.
    Wieso die Lw/das BMVg sparsam mit der Bewerbung des Übungseinsatzes deutscher Kampfflugzeuge in Israel auftritt, kann auch nicht wirklich ein Geheimnis sein.
    Denn, wer nicht auffällt, vermeidet dass ein Fass aufgemacht wird: Deutsche Soldaten in Nahen Osten, deutsche Waffenhilfe (U-Boote) mit 30%er steuerlicher Beihilfe an den Staat, der ganz offiziell „Teil deutscher Staatsraison“ ist. – Die Zurückhaltung, davon gehe ich aus, ergibt sich nicht aus eigenem Antrieb, sondern wurde auf politischer Ebene nahe gelegt -. Vielleicht etwas weit hergeholt, aber ein positiver und offensiver Umgang mit Aussagen zur militärischen Zusammenarbeit (denn genau das sind gemeinsame Übungen) mit Israel wird dem potenziellen grünen Jamaika-Partner in seiner bekannt kritischen Israel-Haltung wegen des Palästinenserproblems kaum schmecken können. Also lässt man die Kuh gar nicht erst auf das Sondierungseis.

    Und die Prioritäten der veröffentlichten Meinung dirigiert die Denke des medialen Konsumenten nun einmal verständlicherweise zu Koalitionsbildung, Trump als Dauerbrenner und derzeit zur 23. UN-Weltklimakonferenz (COP 23).
    Selbst die äußerst angespannte Lage im Mittleren Osten zwischen den Saudis und dem Iran um Dominanz im Libanon, sowie die politischen Säuberungen des jungen Prinzen, die sich bereits in steigenden Preisen an den Zapfsäulen bemerkbar machen, wird ignoriert, da nicht als bedrohlich erkannt.

    Verständnisvoll ausgelegt, herrscht also das übliche „freundliche Desinteresse“ zu allem Militärischen, nur für 24 Stunden durch PESCO unterbrochen. Na, immerhin!
    Bitte aber niemanden in X-beliebiger Fußgängerzone fragen, was denn PESCO wohl sei.

  2. Meine Antwort:
    Der hohe Export DE‘ an erklaete Feinde Israels, welche in der Vergangenheit bereits ‚moralische‘ Argumente zu Ungunsten oekonomischer Entwicklungen hoeher bewertet haben erfordet von DE eine moeglichst unauffaellige Art Israel zu unterstuetzen.
    Also: So wenig wie moeglich veroeffentlichen.

  3. Der „Tagesspiegel“ bringt ein aktuelles Interview mit dem israelischen Botschafter in Berlin, dass den Schwerpunkt der Beziehungen aus Sicht Tel Avivs kurz und bündig mit militärischen und SiPo Interessen umreißt:
    U.a.:
    „Deutsche U-Boote spielen für uns eine große Rolle … (sie) spielen in Israels strategischen Überlegungen eine große Rolle … Das bedeutet noch nicht konkreten militärischen Beistand …“
    und
    “ …aber auch strategische Fragen wie den Austausch von Geheimdienstinformationen, Anti-Terrorkampf oder Cyberkriminalität“.

    Sehr lesenswert, wegen sein undiplomatischen Klarheit, auch mit Aussagen zum Verhältnis zu den Saudis, den Golfstaaten und der Türkei.
    Israel als machtvollen Player im Konflikt des vorderen Orients zu übersehen hieße, die diplomatischen Hausaufgaben wurden nicht gemacht.
    Insofern bleibt die mediale Zurückhaltung zu deutschen Teilnahme an „Blue Flag“ mehr als fremd.

  4. Leider kein Einzelfall,

    So wurde ähnlich verfahren als Ende 2015 deutsche Infanteristen in Israel übten. Auch damals eine historische Erstbegegnung, welche völlig unterging. Die beteiligten Soldaten sind damals sogar inkognito nach Israel geflogen um kein öffentliches Aufsehen zu erregen.

  5. Die Öffentlichkeitsarbeit der BW ist nicht nachvollziehbar. Wenn Soldaten aus Israel die BW besuchen wird darüber berichtet. auf der BW HP. Warum das umgekehrte dann möglichst nicht berichtet wird von der BW ist unverständlich. Israel hat kein Problem damit, wie die Berichte zeigen. Über Brillant Arrow 2017, Frisian Flag, Two Oceans 2017 oder Taktisches Schießen 2017 berichtet die Luftwaffe ganz selbstverständlich.

    Ein normaler Umgang mit der Geschichte sieht anders aus!

    Peinlich, daß deutsche Infanteristen inkognito nach Israel fliegen mussten.

    Ich bleibe bei meiner Ausgangsthese,. daß die BW-Führung die Frage nach der Verteidigung Israels durch Deutschland fürchtet,. weil dies die einzige logische Erklärung für dieses Verhalten mir zu sein scheint.

  6. Generell habe ich den Eindruck, daß die Bundeswehr so ziemlich jede Übungsbeteiligung kaum öffentlich macht. War doch schon 2014 und 15 bei den Übungen in Polen und dem Baltikum so. Offenbar fürchtet die Politik bei medialer Aufmerksamkeit in eine Debatte zu rutschen, die sie weder kontrollieren noch mit „alternativlos“ abwürgen kann. Das ist schon bei der NATO im Osten kitzlig, aber bei Israel ist das aufgrund der Geschichte und der weit verbreiteten Kritik an Israels Politik bzgl der Palästinenser noch ein paar Zacken heftiger. Da regiert wieder die Angst vor schlechter Presse …

  7. @ Klaus-Peter Kaikowsky | 14. November 2017 – 16:08

    „Deutsche U-Boote spielen für uns eine große Rolle … (sie) spielen in Israels strategischen Überlegungen eine große Rolle … Das bedeutet noch nicht konkreten militärischen Beistand …“

    Im konkreten Einzelfall bedeutet es den deutschen Beitrag von 300Mio Euro pro Boot zum israelischen Vtdg Haushalt.

  8. Interessant ist sicherlich der hier angesprochene Interessenskonflikt. Völlig richtig: alles was Mil und ähnliches angeht fällt, solange es keine stabile (wenn überhaupt ) Regierung
    giebt raus. Weiterhin @tw wurde durchaus gestern auf Tagesschau 24 eine kleine Reportage gezeigt. Und die Israelische Politik spielt da sicher auch mit rein. Wie soll man dem Stimmvieh ( mündiges Wahlvolk) erklären dass man die völkerrechswiedrige de facto Annektion des Westjordanlandes auf der einen Seite scharf verurteilt, sich aber auf der anderen Seite mit Handkuss zu der Übung einladen lässt. Ist ähnlich wie wenn ich zu meiner angeheirateten Schwiegermutter (Israel) deren Politische Ansichten ich absolut nicht teile hinfahre weil der Kuchen (der Mehrwert des Trainings unter realen Bedingungen) der Skepsis überwiegt. Weitere Frage @all: Der Pilot sagte dass auch Luft-Boden Angriffe simuliert wurden. Wie wird die Zunahme des Leistungsdefizites
    durch die zusätzliche Waffenlast simmuliert? Wird da elektronisch der Schub reduziert oder wie läuft dass?

  9. @Dante:

    1. Dass der Schub reduziert wird, kann ich mir aus Gründen der Flugsicherheit nicht vorstellen. Denkbar ist, dass entsprechende G-Limits bei Eingabe einer simulierten Waffenlast durch das Flight Control System gesetzt werden. Im Zweifelsfall ist es einfach so, dass der Pilot die Limits im Kopf haben muss, die durch eine entsprechende Aussenlast einzuhalten sind. Das hängt aber sicher noch alles vom Flugzeugmuster ab.
    2. Da ich mal vermute, dass ihre Frage auch darauf hinausläuft, wie sich dies dann im Luftkampf wiederspiegelt, dazu noch folgende Anmerkung: Wenn das jeweilige Lfz den Auftrag hat, Ziele am Boden zu bekämpfen umd eine entsprechende Waffenlast trägt, dann sind bestimmte Luftkampfsituationen („Dogfight“) von vornherein zu vermeiden. Diesen Auftrag haben dann andere. (Abgesehen davon, dass man den Dogfight ohnehin versucht zu vermeiden)

  10. @Phantom | 15. November 2017 – 13:38

    Ergänzend: … bzw. dass ein Flugzeug, dass mit entsprechender Waffenlast für den Bodeneinsatz in einen Luftkampf gezwungen wird, sich der Waffenlast per Notabwurf entledigt, um die Manövrierfähigkeit zu steigern.

  11. @ closius | 14. November 2017 – 19:48

    Die Öffentlichkeitsarbeit war schon immer ein Problem der Bundeswehr

    Anfang des Jahres wurde seitens des HSG-64 Kommuniziert das man sich mit einen „fly out“ und einen „Open Hangar Day“ von der Bevölkerung in Rheine und Umgebung verabschieden will.
    Aktuell sieht es aber danach aus das man sich bei Nacht und Nebel davon schleicht !
    Dann muss man sich nicht wundern das man in der Republik nicht mehr wahrgenommen wird !

    Die alle zwei Jahre abgehaltene Luftwaffenübung „Blue Flag“ ist bei weiten nicht die einzige Übung, von der es keine Berichterstattung gibt. Da her würde ich diesen Umstand nicht überbewerten. ( Siehe Aufstellung )

    – Steadfast Noon 2017
    – NATO Tiger Meet 2017
    – EMBOW XVI
    – Fighter Weapons Instructor Training 2017

    Ferner gab es in Wittmundhafen einer gemeinsamen Übung mit der Austrian Air Force und der Aeronautica Militare in Nörvenich.

  12. @all
    Stimmt danke. Daran hatte ich nicht gedacht. Völlig richtig man kann Luft-Boden und zusatztank im zweifelsfall abwerfen. Ne weitere Frage die natürlich ungern beantwortet wird ist, wie die De Piloten eigendlich abgschnitten haben. Die Isr. so wurde gesagt sollten angeblich die „Bösen“ stellen um die eigenen und die fremden Fähigkeiten auszutesten.

  13. @all

    Inzwischen gibt es den Bericht dazu auf der Luftwaffen-Webseite, siehe Nachtrag oben.

  14. Vom 9.11.17 ist der Bericht über Blue Flag auf der BW Seite bestimmt nicht, es sei denn er wäre zuerst nur im Archiv eingestellt gewesen, wo er jetzt steht und ich nicht geschaut hatte. ‚Aber ich hatte mehrfach auf der Luftwaffenseite und unter Übungen, wo die anderen Übungen stehen, danach geschaut und habe dort noch am Freitag nichts gesehen. Auch jetzt gibt es nur einen kleinen Hinweis unter aktuelles auf die Übung, während über die Räumung von Penzig oder Mantis nach Mali groß berichtet wird auf der Luftwaffenseite.

    Es ist aber auch nichts neues, daß das angegebene Veröffentlichungsdatum und die tatsächliche Veröffentlichung nicht überein stimmen. Gerade bei den aktuellen Lageberichten aus den Einsätzen habe ich es schon öfters erlebt, daß diese rückdatiert waren oder viel später veröffentlicht wurden tatsächlich als angegeben.

    Eine gute Öffentlichkeitsarbeit sieht anders aus. Man könnte einen Vorbericht vor der Übung bringen, über die Übung berichten, gerade wenn es auch die Zeitungen aufgreifen und einen Nachbericht hinterher. Außerdem könnte man selbst ein paar Top Gun Videos veröffentlichen zur Nachwuchswerbung.

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