Einsatz in Afghanistan: Jetzt wieder aufstocken?

Nach Jahren der Truppenreduzierung in Afghanistan erhöhen die USA wieder die Zahl ihrer Soldaten am Hindukusch – und auch für die Bundeswehr gibt es Überlegungen, erneut das Kontingent aufzustocken. Hintergrund ist die nicht nur anhaltend schlechte, sondern sich wieder verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan und faktische Erfolge der Taliban, mit der die Afghan National Security and Defense Forces (ANSDF), neben der Armee vor allem die Polizei, nicht klarkommen.

Über die deutschen Überlegungen für eine Aufstockung berichtete zuerst der Spiegel (bereits vor einigen Tagen eher vage und am heutigen Samstag erneut): Um bis zu 450 Soldaten solle die bisherige Obergrenze von knapp 1.000 Soldatinnen und Soldaten angehoben werden; entsprechende Forderungen aus der Bundeswehr (nicht dem politischen Bereich) gebe es bereits.

Die offizielle Reaktion des Verteidigungsministeriums auf den heutigen Bericht:

(Die) Mandatsobergrenze Resolute Support liegt derzeit bei 980 Personen. Es endet am 31.12.17
Aufgrund der derzeitigen noch andauernden Regierungsbildung bei gleichzeitiger Verantwortung gegenüber unseren Partnern im Einsatz gibt es Überlegungen, die anstehenden Mandate insgesamt ohne inhaltliche Änderung noch in diesem Herbst für erstmal ein Quartal zu verlängern
Unabhängig davon gibt es im BMVg Überlegungen in verschiedene Richtungen, aber noch keine Entscheidung auf konkrete Zahlen.
In Bezug auf der von den USA geforderten generellen Erhöhung von Truppen für Resolute Support sieht sich Deuschland weiterhin nicht als erstes angesprochen, da wir bereits unsere Mandatsobergrenze letztes Jahr angehoben haben.

Entscheidend ist da der dritte Satz: Unabhängig davon gibt es im BMVg Überlegungen in verschiedene Richtungen, aber noch keine Entscheidung auf konkrete Zahlen. Ein Dementi einer möglichen Aufstockung sieht anders aus. Auch nicht als erstes angesprochen ist eine Aussage, die bereits für den Mali-Einsatz fiel: Da sah sich Deutschland bei der Nachfrage nach Hubschraubern für die UN-Mission nicht in der ersten Reihe – das Ergebnis ist bekannt.

Nach Informationen von Augen geradeaus! gibt es in der Tat die Aussage von hochrangigen deutschen Militärs gegenüber den USA, deren Aufstockung in Afghanistan mit einem Anteil von rund zehn Prozent der zusätzlichen US-Soldaten zu begleiten – das wären rund 400. Allerdings dürfte es dabei nicht allein, wie es im Spiegel heißt, um mehr Force Protection gehen: Die mit dem Übergang von ISAF zu Resolute Support zurückgefahrene Beratung der afghanischen Armee unterhalb der Korps-Ebene dürfte wieder im Fokus stehen. Konkret also mehr auch deutsche Berater, und dann auch an mehr gefährlichen Orten neben Masar-i-Scharif und Kundus.

Um eine Vorstellung von den erforderlichen Größenordnungen zu bekommen: Die so genannte expeditionary Train-Advise-Assist, zu deutsch: die mobile Beratung für den vorgeschobenen Gefechtsstand des 209. Korps der afghanischen Armee und der 808. Polizeizone in Kundus bindet derzeit rund 50 deutsche Soldaten (von knapp 120 Soldaten der Resolute Support Mission in dieser mobilen Beratung insgesamt). Wobei eine Ausweitung der Beratung auf Ebenen unterhalb des Korps eben nicht nur mehr Berater, sondern auch mehr Soldaten zu deren Schutz erfordern würde.

Die Bundesregierung wird sich vermutlich dann dazu erklären müssen, wenn sie (siehe den zweiten Satz der BMVg-Erklärung oben) dem Bundestag ein zunächst unverändertes Mandat zur Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes über das Jahresende hinaus vorlegt. Das dürfte noch im Oktober passieren. Zudem wird ebenfalls in diesem Monat US-General John Nicholson, Chef der US-Streitkräfte in Afghanistan ebenso wie der NATO-geführten Resolute Support Mission, in Berlin erwartet. Und der möchte vermutlich dann auch hören, wie sich Deutschland das künftige Engagement am Hindukusch vorstellt.

Nachtrag 9. Oktober: Ein paar aktuelle Meldungen aus Afghanistan vom heutigen Montag – nur als Schlaglicht für die Situation:

ICRC Closes Offices in Kunduz, Faryab Over Insecurity

British Special Forces Back in Helmand to Hunt Taliban Bomb-Maker

 

(Archivbild: Tag der deutschen Einheit 2015 im Hauptquartier Resolute Support in Kabul, mit dem damaligen deutschen Stabschef Frank Leidenberger – Resolute Support Media)

69 Kommentare zu „Einsatz in Afghanistan: Jetzt wieder aufstocken?“

  • Zum Heulen   |   10. Oktober 2017 - 10:43

    @ Pio-Fritz | 10. Oktober 2017 – 9:51

    Diese latent antiamerikanischen Narrative, die Sie uns hier unterschieben wollen, halte ich für inakzeptabel.

    Die „Überbleibsel“ der Mudschahedin haben nach 9/11 an der Seite von Nato-Soldaten als Teil der Nordallianz gegen die Taliban gekämpft. Es ist schlicht ein Märchen, was Sie hier verbreiten.

    Das Problem, was wir uns mit Afghanistan eingehandelt haben, lässt sich mit „Jede gute Tat rächt sich!“ zusammenfassen.

    Klassische Lehre nach sowas wie 9/11 war die OEF-Mission. Rein, böse Buben verhauen, sich ansonsten raushalten, dem geringsten Übel zur Macht verhelfen, raus.

    Insbesondere Deutschland und hier insbesondere Grüne und SPD haben das als zu archaisch und „wenig nachhaltig“ angesehen und die Bunnen-Bohr- Mission ISAF in der Nato ins Leben gerufen. Theoretisch unter Ausblendung zahlreicher Realitäten dieser Welt mag das ja sogar eine humanistisch nachvollziehbare Idee gewesen sein, praktisch haben wir uns damit verhoben und das Gegenteil vom dem erreicht, was beabsichtigt war.

    Im Prinzip bleiben uns jetzt nur zwei Möglichkeiten:
    1) Bedingungslos abziehen und damit den Weg frei machen für ein zentralasiatisches Talibanland.
    2) Wiederholung von OEF ohne ISAF. Der dann eingesetzte „Despot“ für Afghanistan wird weit weg von dem sein, was wir staatspolitisch wollen, aber eben die ganz bösen Buben von der Macht fernhalten.

    Für die von einigen bundesdeutschen weltfremden Kreisen intendierte afghanische Musterdemokratie fehlen uns die Ressourcen und die Willenskraft. Zudem haben wir (aus guten Gründen) nicht die Brutalität, unsere Werte in Talibanhirne reinzubomben. Wir haben ja nicht mal die Hoheit über Bildungseinrichtungen, damit das in der nächsten Generation besser werden könnte.

    Entwicklungshilfe in einem Land wie Afghanistan ist ein ganz gefährliches Thema. Nicht selten fließen die mit der Entwicklungshilfe zur Verfügung gestellten Ressourcen in die Hände derer, deren Erstarken wir auf gar keinen Fall wollen, die diese Mittel dann zur Machtausweitung einsetzen und nicht zur Entwicklung des Landes.

    Die USA würden die Rolle des Weltpolizisten gern abgeben. Nur mit Russland/China würde man den Bock zum Gärtner machen und Europa bekommt es wie immer nicht auf die Kette. Die hochtrabenden Ankündigungen der deutschen Verteidigungsministerin auf der Münchner Sicherheitskonferenz haben sich ja als Geschwätz eines Eunuchen entlarvt.

  • T.Wiegold   |   10. Oktober 2017 - 10:47

    Sorry, Leute, aber es droht wieder in persönliche Anwürfe abzugleiten. Bitte nicht.

    Ansonsten wäre es auch gut, bei den Fakten zu bleiben – z.B.

    Insbesondere Deutschland und hier insbesondere Grüne und SPD haben das als zu archaisch und „wenig nachhaltig“ angesehen und die Bunnen-Bohr- Mission ISAF in der Nato ins Leben gerufen. Theoretisch unter Ausblendung zahlreicher Realitäten dieser Welt mag das ja sogar eine humanistisch nachvollziehbare Idee gewesen sein, praktisch haben wir uns damit verhoben und das Gegenteil vom dem erreicht, was beabsichtigt war.

    blendet die Realität ja doch schon ein wenig aus. ISAF wurde mitnichten von Deutschland ins Leben gerufen und war die ersten Jahre schon gar keine NATO-geführte Mission. Die Fakten den politischen Ansichten anzupassen, halte ich für gefährlich.

  • Zum Heulen   |   10. Oktober 2017 - 11:18

    @ T.Wiegold | 10. Oktober 2017 – 10:47

    ISAF war ein Kind der Petersberg-Konferenz im Dezember 2001 („Bonner Vereinbarung“), wurde dann mit UN-Mandaten abgestützt. ISAF wurde operativ von Nato-Mitgliedern geführt, wurde später dann auch offiziell von der Nato übernommen, weil sich die Lead-Nations rarmachten, seit Ende 2003 war das dann endgültig organisatorisch beim Hauptquartier der NATO angesiedelt. Der Tagungsort war kein Zufall, sondern ist auf den Initiator zurückzuführen.

    Soweit zu den Fakten. Den Vorwurf der Geschichtsklitterung muss ich daher zurückgeben.

    Ich kann mich noch lebhaft an die primär Deutschen auf dieser Konferenz erinnern, die doch mal den amerikanischen Cowboys erklären wollten, wie man denn Nation-Building betreibt, nachdem die US-geführte OEF Mission in kürzester Zeit die Taliban militärisch geschlagen hatte, was doch viel zu brutal gewesen sei…

    Zu rot-grünen Aktivitäten 2001 muss man nur ein paar TV-berichte aus der Zeit rauskramen. Man war politisch ja so stolz, den „Rambo-Amis“ abgerungen zu haben, als „Friedensmacht“ aufzutreten. Dass diese politischen Kräfte heute ihre damalige Naivität verleugnen, wundert mich wenig.

    Die Fakten den politischen Ansichten anzupassen, halte auch ich für gefährlich.

  • Pio-Fritz   |   10. Oktober 2017 - 11:24

    Was ich in den Beiträgen der Befürworter einer Fortsetzung und Aufwuchs der Mission RSM vermisse, ist die Beantwortung von einigen elementaren Fragen und die Definition eines Zieles.

    Was soll am Ende der Mission als Ergebnis herauskommen? Wer sind die „Bösen“, wer die „Guten“? Sind wir dort im „Krieg“? Und als zentrale Frage: Was will das afghanische Volk? ist das deckungsgleich mit dem, was die Allianz der westlichen Staaten will?

    Und dann haben wir noch nicht über den Weg der Zielerreichung gesprochen…

  • Elahan   |   10. Oktober 2017 - 12:25

    @Zum Heulen

    Ich wurde das vereinzelte Brunnenbohren (keiner war zu viel) nicht zur Dolchstoßlegende aufbauen. Es wär und ist besser, egal wo, in Infra und Sicherheit zu investieren als Geld an Warlords zu geben oder Bomben auf Dörfer zu werfen. Was fehlt und das hatten nicht nur die Grünen 2010 und früher gefordert, eine klare Abzugsperspektive/-plan und mehr Invest in Polizeiarbeit.

    Es ist hingegen keine Legende, dass das Verhalten der USA und der Saudis (ob gewollt oder als Folge) sehr viel zur Situation in AFG beigetragen hat und dies m.E. nicht im positiven Sinn.

    Was im Moment geschieht kommt leider in unseren Medien viel zu kurz/nicht vor und fördert nicht das Vertrauen der Bevölkerung.

  • Pio-Fritz   |   10. Oktober 2017 - 14:14

    @ Zum Heulen

    Sie beziehen sich auf den sog. Petersberg-Prozess als Ergebnis der ersten Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg in Bonn in 2001. In der Tat war Deutschland da federführend. Den USA fiel dabei der Aufbau der Armee zu, Deutschland der Polizei etc..

    Was Sie nicht erwähnen ist, das auf der Afghanistan-Konferenz 2006 in London die erfolgreiche Umsetzung des Petersberg-Prozess festgestellt wurde, er war mit den Parlamentswahlen 2005 in Afghanistan beendet.

    In London wurde Afghanistan Compact beschlossen, ein Fünf-Jahres-Plan, der vor allem eine höhere Sicherheit sowie soziale und wirtschaftliche Entwicklung als Ziel hatte. Federführend unter der Ägide der UN und Großbritannien.
    Es gab ein gemeinsames Kontrollgremium geführt von einem afghanischen und einem UN-Beauftragten.

    Insofern ist die damalige rot-grüne Regierung der falsch Adressat für Ihr „Gutmenschen-Bashing“, die jetzige Situation resultiert nicht aus der Petersberg-Konferenz.

  • Wunduk   |   10. Oktober 2017 - 15:26

    Der Krieg in Afghanistan gehört den Afghanen. Und wir unterstützen dabei diejenigen Afghanen, die sich mit Al-Qaida, dem IS und den Taliban herumschlagen, und dabei auch das größte Opfer bringen. Und zwar seit langer Zeit.

    Ich empfehle vielen der historisch interessierten Kommentatoren das Buch ‚Fountainhead of Jihad‘ von Don Raster und Valid Brown oder Anne Stenersens Doktorarbeit ‚Al-Qaida in Afghanistan‘ (gerade erschienen). Beide zeigen, wie stark man in der weiterleiteten Analyse Al-Qaida auf eine Perspektive des Anti-Amerikanismus durch spektakuläre Anschläge verengt hatte. Stenersen gerade hat durch ihre Meisterschaft sowohl des Arabischen, wie auch des Dari einen großen Teil der Dokumente im Original selbst lesen können.

    ISAF ist Geschichte. Wird auch nicht neu aufgelegt. Und in vielen afghanischen Augen war es ein Erfolg. Die Regionalfürsten (warlords) haben ihre Privatarmeen verloren, zum ersten Mal in der afghanischen Geschichte hat es einen Machtwechsel durch Wahlen gegeben, die auf dem Petersberg wieder neu ins Leben gerufenen Staatsorgane richten sich langsam wieder ein. Wird eine Generation oder zwei brauchen, bis man da an das Niveau der Nachbarländer aufgeschlossen hat.

    Die neue US-Strategie, von Trump verkündet, ist im Wesentlichen von Gen. H.R. McMaster erarbeitet worden. McMaster ist einer der fähigsten amerikanischen Kommandeure in Irak und Afghanistan gewesen, der schon früh mit den auch oft angesprochenen Verwundbarkeit unserer Verbündeten und des ISAF-Einsatzes zu tun hatte (Korruption war sein Spezialgebiet – er weiss wo weniger mehr ist).

    Das Endziel bleibt ein Verhandlungsfrieden mit den Taliban, alle Kanäle, wie die QCG Initiative, aber auch Qatar gehen weiter. Um es den Taliban es zu verunmöglichen, sich einfach auf einen Abnutzungskrieg mit der Regierung in Kabul einzustellen, wird diese unterstützt, und man zwickt die Taliban Führung ein wenig. Die Schonzeit für die Taliban wurde offiziell am 4. Oktober aufgehoben (neue RoEs von Mattis erklärt). Aber niemand spricht von einem erneuten ISAF-Einsatz, gat mir Kampftruppen, sondern einer bedarfsabhängigen, nicht durch ein vorab genanntes Datum begrenzten, Unterstützung der Afghanen.

    Der Ansatz, afghanische Truppen verstärkt zu unterstützen, ist richtig. Trotz horrender Verluste zeigt das anständige Afghanistan den Willen zu kämpfen, und stellt das auch recht gut unter Beweis, finde ich. Belege dafür sind die unverändert hohen Rekrutenzahlen – trotz schlimmer medizinischer Versorgung, Terrorangriffen auf Familie und urlaubende Truppenangehörige, und in vielen Fällen schlechter Führung.

    Ich habe letztes Jahr im August in Nangarhar einen jungen Hauptmann gefragt, warum er das alles noch mitmacht, und er hat mir gesagt, dass Afghanistan eben sein Land sei. Und er würde nicht den Schwanz einziehen wollen und sich nach Deutschland absetzen wollen. Die oben von manchen angesprochenen kulturellen Normen arbeiten nicht nur gegen als Besatzer empfundene ISAFler, sondern auch ganz stark gegen zugewanderte Problembären aus dem Mittleren Osten und Pakistan.

    Gerade war ein befreundeter Major in Deutschland zu Besuch, ist gerade wieder nach Kabul zur Familie zurück. Alles eingerechnet, glaubt er, dass seine ANA gegen die Taliban gewinnen wird. Gerade wenn jetzt die Afghanen selber die Sachen in die Hand nehmen können.

    Da will auch keiner das alte mentoring zurückhaben. Aber bessere Luftunterstützung, medizinische Versorgung, und ein paar Ausländer die sich um Nachschub kümmern, und denen man stecken kann, dass der Bn-Kdr schon wieder den ganzen Diesel des kandak auf dem Bazaar verscherbelt hat.

  • Zum Heulen   |   10. Oktober 2017 - 17:19

    @ Pio-Fritz | 10. Oktober 2017 – 14:14

    Ein Problem unseres Engagements in Afghanistan war die Bereitschaft, Erfolgsberichte zu akzeptieren, die leider weitgehend dem Reich der Fiktion entstammten. Der formale Abschluss des so genannten Petersberg-Prozesses war einer dieser Akte des „sich einen in die Tasche lügen“.

    Nach der Definition illusorischer Ziele mit unzureichenden Mitteln 2001 verkündet man dann bereits 2006 die Plansollübererfüllung (gab noch ein paar weitere derartige Selbst-Beweihräucherungen) und wundert sich spätestens seit 2009, dass Afghanistan immer noch keine zentralasiatische Musterdemokratie ist. Anschließend verkündet man ein Abzugsdatum für ISAF, denn der Job sei ja getan und wundert sich wieder, dass immer noch nicht alles gut wird.

    Mit der Petersberg-Konferenz 2001 wurde der Zug aufs falsche Gleis gesetzt und fuhr in die falsche Richtung. Feindselige Akteure erkannten schnell, dass man „den Westen“ mit seinen eigenen Werten schlagen kann, weil sie in einem Umfeld wie Afghanistan nicht durchhaltbar und bezahlbar sind.
    Die einst selbst gefeierte Urheberschaft wird rot-grün nicht mehr los, wir können das aber gern parteipolitisch entkoppeln, denn andere Regierungen haben den Zug auch nicht gestoppt, was genau so schlimm ist.

  • Elahan   |   10. Oktober 2017 - 22:15

    „The Trump administration targeted the Taliban and the Islamic State militant group (ISIS) with 751 airstrikes in Afghanistan in September, a seven-year monthly high, according to data from the U.S. Air Forces Central Command.“
    http://www.newsweek.com/trumps-military-dropped-751-bombs-over-afghanistan-september-highest-number-681208?piano_t=1

    Bin gespannt auf die Reaktion der Taliban.

  • Wait&C   |   10. Oktober 2017 - 23:00

    > Tatsache ist, das die Taliban in den Flüchtlingslagern in Pakistan unter massiver
    > Unterstützung des pakistanischen Geheimdienst ISI in enger Zusammenarbeit mit
    > der CIA entstanden sind.

    Diese Argumentation läuft darauf hinaus dass tausende unsichtbare CIA-Ninjas heimlich hundertausende Milizionäre ausgebildet haben und zwar in einem der bevölkerungsreichsten Länder der Welt ohne dass irgendwelche Augenzeugen oder Dokumente existieren.

    Das erinnert mich an die „Venutian Dinosaur Fallacy“: Auf der Venus nichts zu sehen, also leben da Dinosaurier… (http://bigthink.com/experts-corner/the-venutian-dinosaur-fallacy)

    Bei derart schwacher Beweislage bleibe ich bei der These dass die Taliban sich mehrheitlich aus den hundertausenden radikalen Madrassen der Region rekrutieren. Das ist natürlich weniger spannend und mystisch aber dafür existieren viele Augenzeugen und Dokumente.

    TL;DR Verschwörungstheorien nerven.

  • Koffer   |   11. Oktober 2017 - 0:33

    @Wunduk | 10. Oktober 2017 – 15:26
    +1

    Danke!

    @Wait&C | 10. Oktober 2017 – 23:00
    „Bei derart schwacher Beweislage bleibe ich bei der These dass die Taliban sich mehrheitlich aus den hundertausenden radikalen Madrassen der Region rekrutieren. Das ist natürlich weniger spannend und mystisch aber dafür existieren viele Augenzeugen und Dokumente.“

    ;)

  • Pio-Fritz   |   11. Oktober 2017 - 12:04

    @Wait&C | 10. Oktober 2017 – 23:00

    „…dass die Taliban sich mehrheitlich aus den hundertausenden radikalen Madrassen der Region rekrutieren.“

    Wenn Sie noch dazuschreiben, dass diese aus den Koranschulen der Flüchtlingslager kommen, stimme ich Ihnen sogar zu. Etwas Gegenteiliges habe ich auch nie behauptet.
    Nur- wer finanzierte die Koranschulen, wo haben die Taliban ihre militärische Ausbildung her und die Waffen?

    Ale diese Fragen lassen Sie unbeantwortet.

    Wenn Sie unbedingt „Krieg gegen das Böse“ führen wollen, ok, ist eine Meinung, kann ich akzeptieren.

    Inakzeptabel sind für mich Ihre und andere Versuche, mich als Märchenonkel und Verschwörungstheoretiker zu diskreditieren. Alle meine Ausführungen sind durch öffentlich zugängliche, seriöse Quellen zu belegen.
    Auf diesem Niveau ist eine Diskussion hier nicht zielführend.

  • Pio-Fritz   |   11. Oktober 2017 - 16:59

    Hier etwas Lektüre zu den Taliban:

    http://www.washingtoninstitute.org/policy-analysis/view/who-is-responsible-for-the-taliban

    und hier die Bestätigung des pakistanischen Präsidenten (wenn der link zulässig ist)

    https://timesofindia.indiatimes.com/world/pakistan/CIA-and-ISI-together-created-Taliban-Zardari/articleshow/4508279.cms

    Zwei Beispiele von vielen. Wer es nicht wahr haben will, der sieht es nicht…

  • Boots on the Ground   |   11. Oktober 2017 - 18:45

    Pio-Fritz | 10. Oktober 2017 – 9:51

    Sie glauben doch nicht allen Ernstes die Mär, die Taliban seien 1994 aus dem Nichts aufgetaucht, militärisch und politisch völlig unerfahren, und haben die anderen islamischen Milizen innerhalb von 2 Jahren besiegt, die bereits 15 Jahre Krieg hinter sich hatten. Und dann noch das Land von 1996 – 2001 regiert.
    Tatsache ist, das die Taliban in den Flüchtlingslagern in Pakistan unter massiver Unterstützung des pakistanischen Geheimdienst ISI in enger Zusammenarbeit mit der CIA entstanden sind. Alle anderen Milizen wurden dort übrigens auch trainiert und ausgerüstet.

    Sie haben offenbar den Ihnen verlinkten Artikel des Washington Institute selbst nicht gelesen, denn dieser widerlegt Ihre Aussagen zur „Schaffung“ der Taliban durch den CIA und den ISI. Alternativ sollten Sie das Buch des in dem Artikel erwähnten Ahmed Rashid lesen. Tatsache ist, dass sich die Taliban aus verschiedensten islamistischen Bürgerkriegsfraktionen, lokaler Selbstschutzmilizen und Freiwilligen aus Madrassen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet zusammensetzten. Zum Zeitpunkt der Entstehung und ihres anfänglichen Vormarsches in Afghanistan unterstützte der ISI noch Gulbuddin Hekmatyar, der sich dann wie so viele andere Bürgerkriegsfraktionen, darunter auch Jalaluddin Haqqani, mit den Taliban arrangierten und diese im Gegenzug unterstützten.
    Dass „alle anderen Milizen“ in den pakistanischen Flüchtlingslagern ausgebildet wurden stimmt auch nicht, der ISI konzentrierte Personal und Material auf die islamistischen Gruppieren, die – von Jamiat-e Islami abgesehen – auch alle paschtunisch waren. Dies entsprach den Interessen des islamistischen Regimes in Pakistan unter General Zia Al-Huq und Saudi-Arabiens; das primäre Interesse der USA war, die effektivsten Mudschaheddin-Fraktionen zu unterstützen und die Sowjetunion zu besiegen – weshalb sie ihre Unterstützung nach Abzug der Sowjetunion auch relativ schnell verringerten. Material und Geld wurden zwar primär durch die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien bereitgestellt, die Verteilung kontrollierte jedoch der ISI.

  • Pio-Fritz   |   12. Oktober 2017 - 10:35

    @Boots on the Ground | 11. Oktober 2017 – 18:45

    Mal abgesehen von Ihrem persönlichen Anwurf bin ich ja schon froh, das ich insofern Zustimmung bekomme, als das die Taliban nicht als gänzlich neue Gruppierung „plötzlich“ aufgetaucht ist.

    Mit Widerspruch habe ich bei dem Artikel gerechnet, man muss auch betrachten, wann er geschrieben wurde (März 2002). Nämlich zu einem Zeitpunkt, als OEF in vollem Gange war. Da kann die US-Regierung natürlich nicht zugeben, das sie gegen ihr eigenes Problem kämpfen muss.

    Der Versuch, die „Schuld“ auf Pakistan abzuschieben, finde ich sehr offensichtlich in dem ansonsten sehr guten Artikel. Vor allem die Aussage, die USA mussten ja eine Opposition unterstützen, um der Sowjetunion nicht das Terrain zu überlassen ist (in meinen Augen) ein eindeutiger Hinweis.

    Die Äußerung des pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zadari im Interview mit NBC News Channel am 07.05.2009 ist da doch eindeutig:

    „I think it was part of your past and our past, and the ISI and CIA created them together.“

    Aus dem von mir am 11. Oktober 2017 – 16:59 verlinkten Artikel wird deutlich, das mit „them“ die Taliban gemeint sind. Eindeutiger geht es doch nicht.

  • Boots on the Ground   |   12. Oktober 2017 - 13:36

    @Pio-Fritz | 12. Oktober 2017 – 10:35
    Sie suchen sich aus aus den Kommentaren und Artikeln das raus, was Ihnen passt.
    1. Das Washington Institut ist ein unabhängiger Think Tank; für die Annahme, dieser würde die Position der US-Regierung vertreten oder ihre Politik der Vergangenheit verteidigen, gibt es keine Grundlage.
    2. Der pakistanische Präsident Asif Ali Zadari ist dagegen der Präsident eines Landes, dessen Sicherheitsorgane und religiöses Gruppen – über die die Regierung wenig bis keine Kontrolle hat – nicht für die Unterstützung militanter islamistischer Gruppen in ganz Südasien und damit für den Tod Tausender Menschen verantwortlich ist, einschließlich allierter Soldaten.
    3. Sie übergehen die Aussagen des wohl intimsten Kenner der ersten Taliban-Generation, Ahmed Rashid, komplett.
    4. Ein kurzer Blick in „Pakistan: Between Mosque and Military“ von Husain Haqqani, ehemaliger pakistanischer Botschafter in den Vereinigten Staaten und anerkannter Südasienexperte, bestätigt ebenfalls die beiden wesentlichen Aussagen:
    – Der ISI hat die Unterstützung für die Mudschaheddin-Fraktionen im Bürgerkrieg kontrolliert und sie gezielt islamsitischen Fraktionen zukommen lassen.
    – Die Taliban wurden nicht geschaffen, wenngleich ihre Entstehung jedoch durch religiöse Gruppen (insb. Jamiat-e Islami Pakistan und Jamiat-e Ulama Islami), wirtschaftliche Interessengruppen (die sog. Transport-Mafia) und evtl. auch Teile des ISI gefördert wurde. Die USA oder der CIA waren nicht beteiligt. Der wesentliche Faktor für die Entstehung der Taliban war jedoch die Anarchie des Bürgerkrieges nach dem Abzug der Sowjetunion.

  • Pio-Fritz   |   12. Oktober 2017 - 15:44

    @Boots on the Ground | 12. Oktober 2017 – 13:36

    Was sollen mir Ihre Ausführungen zu dem pakistanischen Präsidenten sagen?
    Das er ein „böser Bube“ ist? Geschenkt. Davon gibt’s da in der Ecke mehr als genug.
    Das er lügt? – Warum sollte er? Was hätte er davon?

    Zu Ihren zwei Kernaussagen:
    Ja, Pakistan hat gezielt islamistische Gruppen unterstützt, es sollte ja auch eine islamistische Regierung in Kabul an die Macht kommen, so der Plan. Zudem war neben den USA Saudi-Arabien und der Iran die größten Geldgeber für Militärhilfe in Afghanistan. Die letzteren beiden wollten natürlich ihre sunnitisch bzw. schiitisch geprägten Gruppen unterstützen. Den USA war es nahezu egal, Hauptsache den Russen wurde Paroli geboten.
    Nachdem Anfang 1992 die Militärhilfe sowohl von russischer als auch von amerikanischer
    Seite offiziell eingestellt wurde (man hatte sich entsprechend geeinigt) war es nur eine Frage Zeit, bis das kommunistische Regime fiel. So kam es dann auch, nur das die verschiedenen Mudschaheddin-Gruppen dann anfingen, sich gegenseitig zu bekriegen (verkürzt dargestellt). In dieser Phase hat Pakistan die Kontrolle und den Einfluss auf die von ihr unterstützten Gruppen verloren. Es entstand im Süden des Landes ein Machtvakuum, in das die Taliban hineinstießen. Einige Quellen berichten, das die Taliban neben den von Ihnen bereits erwähnten Koranschülern und Mudschaheddin Gruppierungen auch aus ehemaligen Angehörigen der Regierungstruppen, vornehmlich des paschtunischen Chalq-Flügels, bestanden.
    Soweit sind wir uns wohl einig.

    Jetzt der Teil, wo wir in der Meinung wohl auseinandergehen:
    Um wieder Einfluß in Afghanistan ausüben zu können, hat Pakistan die Taliban massiv unterstützt, mit dem Einverständnis der USA. Ziel war eine halbwegs stabile Zentralregierung, die mit den zerstritten Mudschaheddin-Gruppen nicht mehr zu erreichen war. So sollte das Land dem russischen Einfluss entzogen werden.
    Kern oder Keimzelle der Taliban waren dabei die von Pakistan finanziell unterstützten und aufgebauten Koranschulen in den afghanischen Flüchtlingslagern. Von daher war der Zugriff auf diese Menschen relativ einfach.

  • Klauspeterkaikowsky   |   13. Oktober 2017 - 0:01

    USA haben ihre erste von sechs SFAB installiert.
    https://www.strategic-culture.org/news/2017/10/08/security-force-assistance-brigades-us-creates-new-foreign-policy-tool.html
    Die „Brig“ mit 529 DP eher als Btl einzustufen, leisten im weitesten Sinn Hilfe zur Selbsthilfe.
    Das Auftrags-Portfolio kann m.E. auch mit TAA oder military – military Co-Operation umschrieben werden.
    AFG bzw. Syrien/Irak werden erste Bewährungsgebiete.

  • Klauspeterkaikowsky   |   18. Oktober 2017 - 12:08

    [Link entfernt]
    Ernüchternde, ehrliche Bilanz im Bw_Journal, gem US Sonderermittler.
    Erhebliche Zweifel an RSM in bisheriger Durchführung sowie Eignung ANA, ausgenommen AFG SOF.
    Bloße Mandatsverlängerung nicht zielführend.

    [Der Bericht des US-Sonderermittlers stammt vom 21. September, nicht vom 29., und wurde hier schon ziemlich ausführlich vorgestellt, der Link zum download bereitgestellt und auch kommentiert:

    http://augengeradeaus.net/2017/09/aufbau-der-afghanischen-streitkraefte-was-so-schief-lief-und-laeuft/#more-28341

    Das jetzt noch mal unter Hinweis aufs Bw-Journal hier einzustellen und mit dem Link die übliche Policy zu unterlaufen, halte ich nicht für so zielführend. T.W.]