Neues Gewehr fürs KSK: 50 Prozent teurer als geplant?

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr soll ein neues Sturmgewehr bekommen – das ist seit der Ausschreibung im Januar dieses Jahres allgemein bekannt. Inzwischen seien Gewehre  des Typs HK416 vom Oberndorfer Hersteller Heckler&Koch als neue Standardwaffe für die Elite-Einheit in Calw ausgewählt worden, berichtet der Spiegel in seiner jüngsten Ausgabe. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es dagegen, die Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Vermutlich wird sich an diesem Wochenende nicht mehr klären lassen, wie weit der Entscheidungsprozess formal gediehen ist. Viel auffälliger ist jedoch etwas anderes: Nach den Spiegel-Angaben werden die Gewehre gut die Hälfte teurer als zunächst geplant.

In einem Auswahlverfahren setzte sich eine Variante des Gewehrs HK416 gegen mehrere Konkurrenten durch. Nun soll es als Standardwaffe für die Kommandokämpfer angeschafft werden, die bisher für ihre streng geheimen Missionen mit einem Sondermodell des G36 ausgestattet sind. Noch in diesem Jahr sollen erste Verträge geschlossen werden, bis 2020 bekommt das KSK dann insgesamt 1730 Gewehre für etwa 20 Millionen Euro.

heißt es in der Spiegel-Meldung.

In der Ausschreibung war noch von einem erheblich niedrigeren Preis für insgesamt 1.750 Gewehre die Rede:

Gesamtmenge bzw. -umfang:
a) 5 Stück (EA) Sturmgewehr als Muster zur Produktvorstellung (vorvertraglich im Rahmen des Bietervergleichs).
b) 40 Stück (EA) Sturmgewehr als Nachweismuster. Die integrierte Nachweisführung besteht aus der Qualifikation und der Einsatzprüfung sowie Realisierung der Systemverträglichkeit Waffe/Optiken.
c) 1 705 Stück (EA) Sturmgewehr (Serie).
Geschätzter Wert ohne MwSt: 11 000 000 EUR

Selbst mit Mehrwertsteuer liegt der in der Ausschreibung geschätzte Wert mit dann gut 13 Millionen Euro deutlich unter der vom Spiegel genannten Zahl von 20 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer.

Laut Verteidigungsministerium bedeutet die noch nicht gefallene Entscheidung auch, dass zu den Kosten nichts gesagt werden kann. Dann warten wir mal ab, bis tatsächlich beschafft wird (durch den Haushaltsausschuss des Bundestages muss dieses Vorhaben nicht, weil es unter 25 Millionen Euro Gesamtwert liegt). Der Unterschied in den jetzt genannten Summen ist jedenfalls ziemlich auffällig.

(Archivbild: Soldaten des Kommando Spezialkräfte des Heeres und ABC-Abwehrkräfte bei der Lehrvorführung ‚Resolute Solution‘ auf dem Standortübungsplatz Bodelsberg im Allgäu am 30.05.2017 – Bundeswehr/Jana Neumann)

41 Gedanken zu „Neues Gewehr fürs KSK: 50 Prozent teurer als geplant?

  1. Sind der Preistyp und der Preisstand zu den o.g. Preisen bekannt? Sonst werden gerne Äpfel mit Birnen verglichen.

    MfG.,
    Hinnack

  2. versteh ich nicht – 11 000 000 / 1750 = 6285 pro Stück was hatten die Franzosen bezahlt und dann 1750 Stück, mehr als das KSK an Soldaten hat? und wieso HK416 wenn HK433 schon da ist? aber ich muß ja nicht alles verstehen.

  3. Ist in den 20 Millionen eventuell noch Zubehör erfasst, d.h. die 20 Millionen sind nicht ausschließlich in dem Vertrag angelegt?

    Wobei auch seltsam ist, warum die BW hier keinen Rahmenvertrag ausgeschrieben hat, sondern einen Lieferauftrag. Mit ersterem wäre man deutlich flexibler gewesen.

  4. Zu den ganzen Detailfragen: Die kann ich leider derzeit auch nicht beantworten (wüsste ich auch alles gerne).

  5. Ganz schlecht ausgeschrieben und wahrscheinlich fehlerhafte Schätzung des Auftragswertes schon beim Start des Vergabeverfahrens !
    Ja , ganz klar wäre es klüger gewesen, einen Rahmenvertrag auszuschreiben und die Musterwaffen in die Angebotsphase zu integrieren. Schwache Leistung der Vergabestelle in Koblenz.

  6. Naja bei einem Auftragsvolumen von 200.000 (Frankreich, gl AW be ich) vs. 2000 dürfte der Preis deutlich unterschiedlich sein, somit zwar interessant aber nicht wirklich Aussagekräftig.
    Was das 433 angeht, das ist ein komplett neues Waffensystem welche noch nirgends eingeführt ist und auch sonst noch nicht wirklich erprobt ist, das dürfte noch einige Kinderkrankheiten m it sich bringen.
    Die 416 hat für das KSK denke ich auch noch deutlich mehr Vorteile, Synergieeffekte zu anderen Waffensysteme (Hk G27/28) und vorallem Word es

  7. Besonders lustig an dieser Beschaffung IM JAHR 2 0 1 7 finde ich, dass bei Recherchen zum Thema immer wieder ein Beitrag bzw. Kommentardiskussion auf diesem Blog aus DEM JAHR 2 0 1 0 herausfliegt.

    Dieser hier:

    http://augengeradeaus.net/2010/08/in-westen-was-neues/

    Meine subjektive Zusammenfassung der Waffen-Diskussion aus 2010:
    – Mit dem G36 stimmt was nicht, wenn man damit mehr als Schießstand machen möchte und tatsächlich Infanterie-Krieg führen muss.
    – Die Waffen HK416 bzw. HK 417 sind eine am Markt verfügbare Lösung für diesen Mangel.
    – Die Infanterie braucht (wieder) einen Waffen-Mix und unterschiedliche Spezialisten (DMR etc.)

    2017, also SIEBEN JAHRE und DREI MINISTER später bekommt dann das KSK das HK 416 als Ersatz fürs G 36…

    Wenn ich sowas sehe, bin ich richtig froh, dass Deutschland nur noch von Freunden umgeben und die Notwendigkeit der Landesverteidigung eher eine grundsätzlich theoretische Annahme ist.

    Leid tun mir die Jungs, die mit so einem Beschaffungswesen in den scharfen Auslandseinsatz geschickt werden. Wenn das bei einem relativ einfachen Knallstock schon so geht, wie ist dann erst die Situation und Anpassungsgeschwindigkeit bei komplexen Systemen?

  8. @ T.W

    Das Dokument aus dem Sie da zitieren ist nicht die Ausschreibung, sondern aus dem Papier die im Zuge des Teilnahmewettbewerbes Anfang des Jahres veröffentlich wurde.

    Die darin Enthaltetnen Daten sind seit mehreren Monaten nicht mehr Aktuell, da sich in der Ausschreibung in der Zwischenzeit einige Änderungen ergeben haben.

    @All

    Weder die Bundeswehr, noch das KSK kauft nur ein neues Gewehr. Es wird ein System beschafft, dieses beinhaltet zwar ein Gewehr, dieses ist aber nur für einen Bruchteil der Kosten verantwortlich. Neben dem Gewehr ist noch einiges an Peripheriegerät und Dienstleistung ausgeschrieben worden, daher sind Vergleiche mit Ausschreibungen im Ausland nicht zielführend. Während die einen den Golf in einer Grubdausstattung gekauft haben, haben wiederum andere sich für eine Vollausstattung inklusive einer Vollmotorisierung entschieden.

  9. Ich meine, Ausschreibung und Schätzung sind eines, eine Schätzung kann schon am tatsächlichen Wert vorbeigehen, ein Angebot darauf kann schon etwas anders sein.

  10. @Wa-Ge

    Das war im Januar die amtlich veröffentlichte Ausschreibung („Auftragsbekanntmachung – Lieferauftrag“). Es mag sein, dass später nachgebessert wurde (den Link stellen Sie bitte hier noch ein), aber der Ausgangspunkt vor gut einem halben Jahr waren die 11 Millionen netto.

  11. @T.W.

    Die „Richtigen“ Ausschreibungsunterlagen wurden nicht veröffentlicht, die wurden nur an die qualifizierten Bieter versandt, daher kann man hier auch keinen Link reinstellen.

    Und was die Zahlen im Teilnahmewettbewerb angeht, so sind diese immer sehr spekulativ und dienen nur als Platzhalter/Nährungswert im Haushalt. Siehe K130, Drohne… oder die Milliarden für das STH Programm, obwohl noch kein Einziges Angebot eingeholt wurde.

    Daher ist die Behauptung die der Spiegel da aufwirft, dass das Gewehr doppelt so teuer wird aus mehreren Gründen falsch. Diese Behauptung wäre nur richtig, wenn a) nur Gewehre gekauft werden würden (System) und b) die Anbieter Ihre Angebote nach oben korrigieren würden. Beide Fälle treffen nicht zu.

  12. @Wa-Ge

    Ehe was durcheinander kommt: Der Hinweis auf die Preissteigerung kommt von mir; der Spiegel hat nur die Summe genannt, die ich dann der Bekanntmachung vom Januar gegenübergestellt habe.

    Und auch wenn die Zahlen als Näherungswert für den Haushalt dienen: Den Unterschied finde ich schon beachtlich. Darüber hinaus weiß ich nicht, ob die Anbieter ihre Angebote nach oben korrigiert haben – aber Sie offensichtlich?

  13. @ T.W.

    ob die Anbieter Angebote korrigiert haben oder nicht weiß ich nicht, was ich aber weiß ist, das die Ausschreibung so wie Sie Anfang des Jahres angekündigt wurde zur Mitte des Jahres verändert wurde. Einzelne Merkmale werden in einer separaten Ausschreibung beschafft.

    Daher ist es eben sehr undurchsichtig worauf sich diese angeblichen 20Mio beziehen. Auf eine oder auf beide Ausschreibungen?

    Zur Erläuterung, die Laserlichtmodule wurden aus der Ausschreibung herausgenommen.

  14. Bei den Summen, um die es sonst in diesem Bereich geht, ist das doch eher ein Rundungsdifferenz. Wundert mich abgesehen davon ansonsten natürlich nicht, dass das jetzt „plötzlich“ teurer wird. Hauptsache, die Bundeswehr insgesamt bzw. das Heer beschaffen das Teil jetzt auch zeitnah, damit ein Haken daran gemacht werden kann an dieses unerträgliche Thema.

  15. Also ich weiß nicht wie die BW es es hält, aber dort wo ich arbeite (öffentlicher Auftraggeber) wir setzen immer nur die unterste Grenze der Schätzung rein. Das ist Verhandlungstaktik. Wir können dann immer sagen „schauen Sie wir sind xy Prozent über dem Schätzwert, da muss noch ein Abschlag drin sein“.

  16. Jeder der aufgerufenen Preise ist jeinseits meine Vorstellungskraft. Als Jäger beseitzte ich die zivile Version in Kaliber 308 also das HK417. Der wesentliche Unterschied ist hier, dass nur Einzelfeuer geschossen werden kann. Ich habe für die Waffe ohne Optik deutlich unter 3.000 € gezahlt. Optiken kosten i. d. Regel nochmals bis 2.000 €. Wie man dabei auf 20. Mio. € also auf über 11.400 € pro Waffe kommt ist mir schleierhaft.

  17. Ich dachte, die KSK-Soldaten dürfen ihre Waffen selbst auswählen. Wenn man bedenkt, dass bei rund 1000 Soldaten nicht jeder ein Sturmgewehr trägt bzw. Nichtstandard-Waffen wie SCAR-L, Tavor oder Steyr AUG A2, werden die restlichen dann eingelagert oder ist ein komplett neues Gewehr günstiger als die Ersatzteile?

  18. Ist das „Gewehr Spezialkräfte“ eigentlich ausschleßlich für das KSK vorgesehen, oder bekommt auch das KSM eine neue Standartwaffe?

  19. Ich weiß nicht mehr, ob es in den 1970ern Hans Apel oder Georg Leber war, aber von einem stammt die folgende Erkenntnis, die scheinbar jeder im Amt macht:
    „Das Wort des Verteidigungsministers ist genau so gut wie die Lizenz zum Geld drucken!“

  20. @Alex
    Selber Waffe wählen heißt zwischen Waffen der Bw also G36 (mit Comp4, T1, eins der Eotechs, PMII Short Dot, Elcan Spectre, ZO 4×30) G27, MG4, MP7 usw..

    Nicht welche existierende Waffe willst du gerne haben.

  21. @Helge

    Sie vergleichen Äpfel mit Birnen.
    1) eine Optik ist hier nicht Bestandteil des Pakets.
    2) wenn Sie als Jäger eine Waffe Kaufen, dann kaufen Sie nicht gleich noch ein Erstazteilpaket, Logisitische Leistungen etc. dazu. Das „teure“ bei Waffenausschreibungen sind weniger die Waffen als die dazu gebuchten Dienstleistungen.

  22. @ChrisB – und? wie ich hier las wurde auch ein Scharfschützengewehr eingeführt, ohne das es erprobt war, sondern nur von einem zivilen Ausbilder für den Hersteller konzipiert wurde. Ich will „weder wieder“ „eine“ „Diskussion“ über Kaliber losbrechen, noch mir Rüffel vom Hausherrn einhandeln – aber das ganze kommt mir, in immer mehr oder wieder kritischen Zeiten so vor, als wenn es wie mit dem T3F eine Selbstbedienung „von einigen“ gibt die Entscheidungsbefugnisse oder Einfluß haben. Ich denke das Ergebnis werde ich noch erleben, aber nicht mehr ausbaden müssen. Und leider gibt es keine Partei noch geeignete Prädendentin die dem ganzen Einhalt gebieten kann – also doch ein Schleuderposten. Wer ihn inne hat geht, früher oder später. Und für alle ist die Bundespolitik vorbei. Meist auch die Landespolitik. Aber vielleicht hilft da nur eines ………

  23. Also diese Abweichung vom Standardsturmgewehr-„Schätzpreis“ erstaunt mich eigentlich auch nicht besonders.
    Wenn HK eine „Variante des Gewehrs HK416“ als GU mit den entsprechenden logistischen Lebenszeit-Dienstleistungen garantieren soll/kann, dann geht natürlich bei dieser Stückzahl der Preis kräftig nach oben. Das ist sozusagen eine exklusive KSK-Sonderserie. Die „Waffenmeister“ des KSK stellen bestimmt auch sehr hohe (An)Forderungen an die dazu gehörige „Werkzeugkiste“ und Zusatzausrüstung.
    Eigentlich ist der Preis imho völlig nebensächlich. Wenn das KSK mit dieser Auswahl „happy“ ist, dann sollte die BW das auch sein – für die Besten eben nur das Beste.

  24. „Eigentlich ist der Preis imho völlig nebensächlich. Wenn das KSK mit dieser Auswahl „happy“ ist, dann sollte die BW das auch sein – für die Besten eben nur das Beste.“

    Voll einverstanden ! Die Jungs sind die einzigen die mich als „Liniensoldaten“ raushauen können, wenn es mal notwendig wird. Deshalb auf jeden Fall für die Besten das Beste…..und Vollausstattung+Reserven.

  25. @Matthias Hake
    Das G25 wurde ausgiebig in Meppen erprobt.

    @all
    Der feine Unterschied zu anderen Gewehren, z.B. die französische Beschaffung liegt in der Präzision der Rohre. Nur speziell gefertigte Rohre mit einer sehr geringen Streuung werden in den Spezialkräften geführt. Vielleicht auch daher der höhere Preis.

  26. Hallo Zusammen. Nur so viel, den Schätzpreis aus der Veröffentlichung zum Teilnahmewettbewerb bitte nicht zu ernst nehmen. Gruß Grashüpfer

  27. @Grashüpfer

    Klar, das hätten manche natürlich gerne. Was heißt „bitte nicht zu ernst nehmen“? Phantasiezahlen? Wir denken uns mal was aus, was günstig klingt, muss ja nicht so laufen? Hey, ich – und Sie vermutlich auch – bezahlen den Krempel. Dann fühle ich mich mit solchen Aussagen, äh, nicht wirklich ernstgenommen.

  28. Grashüpfer hat schon recht. Im nicht militärischen Bereich ist es bei Liefer- und Dienstleistungen nicht einmal zwingend, einen Schätzpreis bei der Veröffentlichung anzugeben. Wie es beim li. Beschaffungswesen ist, weiß ich nicht.

    Das hat mit dem Steuerzahler überhaupt nichts zu tun. Die Intention hinter den Veröffentlichungen ist auch nicht, den Bürger zu informieren, sondern um die potenziellen Marktteilnehmer zu informieren bzw. ein für Bieter/Bewerber transparentes Vergabeverfahren durchzuführen.

    Ob der Bürger sich dabei ernstgenommen fühlt oder nicht, ist daher völlig irrelevant, da nicht eigentlicher Adressat.

  29. Mittelbar ist das trotzdem ein Problem: Wenn die Angebote so ausgearbeitet werden, dass man den Auftrag bekommt, aber nicht verpflichtend sind oder der fette Gewinn bei Änderungen und Serviceleistungen, die nicht von vorherein klar abgesteckt sind, gemacht wird, kann so der Auftrag an den falschen Bieter gehen (zu Ungunsten des Steuerzahlers) und/oder der Preis getrieben werden, weil die Ausschreibung magelhaft ist.
    Aber hier will doch niemand glauben, dass nicht der Sieger (vlt. wegen perfekt zugeschnittener Ausschreibung) schon vorher festgestanden hat, oder? Kann eine Nuance in der Ausschreibung das Ergebnis ändern?

  30. @T.W.

    Ich denke Wa-Ge liegt richtig, wenn er sagt, dass die 11 Millionen nur im Teilnahmewettbewerb aufgeführt waren. Es handelt sich um ein Verhandlungsverfahren nach VSVgV. Der Teilnahmewettbewerb dient erstmal nur dazu, zu entscheiden ob ein Bieter überhaupt qualifiziert ist die geforderte Sache zu liefern. Qualifizierte Bieter rücken dann zu Verhandlungen mit dem Auftraggeber vor. Erst dort bekommen die Bieter die vollständigen Ausschreibungsunterlagen. Auftraggeber und Bieter können dann recht frei verhandeln, was Leistung und Bezahlung angeht. Das ist hier anders als in einem offenen Verfahren, bei dem es keine Verhandlung gibt.

    Auf der Seite des BAAINBw gibt es unter Vergabe das PDF „Auftraggeber Bundeswehr“ zum Download. Ich kann nur jedem empfehlen, dieses Dokument einmal zu lesen bevor man über Vergabe im Bundeswehrkontext spricht. Dann reden nicht mehr alle aneinander vorbei :-)

  31. Das gilt für KSK.
    Was ist aus der grundsätzlichen Neuauschschreibung für das G36 geworden?
    Sollte das weiter oben drinne stehen dann sorry.

  32. 11560 EURO pro Gewehr ist schon ein sportlicher Preis. Es ware auch aus Steuerzahlersicht interessant zu wissen, was dieses neue Gewehr so speziell macht und warum jeder Kommandokämpfer en solches benötigt.

  33. @Bernd:
    Ihre Ausführungen sind so nicht ganz richtig. Das Verfahren, was die BW hier nutzt lautet „Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb“. Das ist _ein_ Verfahren, in zwei Stufen. Die Auftragsbekanntmachung ist für beide Stufen die gleiche. Das Gesetz fordert explizit, dass bei der Schätzung des Auftragswertes von der voraussichtlichen Gesamtvergütung ohne Umsatzsteuer für die vorgesehene Leistung einschließlich etwaiger Prämien oder Zahlungen an Bewerber oder Bieter auszugehen ist.

    Damit könnte auch diese Beschaffung zum Desaster werden, falls ein unterlegener Bieter zeigen kann, dass die Angebotsaufforderungen nicht so klar war, dass sie von allen gleich verstanden wurde.
    Hat etwa HK wegen „logistischer Lebenszeit-Dienstleistungen“ gewonnen, obwohl diese nicht klar umrissen waren, dann kann das zum Problem werden.
    Um das zu Bewerten müsste man die Preise der anderen Bieter kennen. Wenn die dann nur ~11Millionen verlangt haben, ist von einer Anfechtbarkeit auszugehen.

  34. @JAG

    Erstens ist diese Zahl nicht bestätigt, zweitens wird nicht nur ein Gewehr sondern unter anderem ein Gewehr beschafft. Dazu kommen noch diverse Dienstleistungen, Anbaugeräte (Signaturdämpfer, vielleicht 40mm Granatwerfer?, Trageriemen, Magazinpakete,…).

    Das nackte Gewehr würde vielleicht nur 20% dieser Summe kosten.

  35. Das ist halt so wie immer: Der Beschaffer rechnet zuerst das Beschaffungsvorhaben runter, dann kommen die Add-Ons dazu,- und schwupps ist der Hersteller glücklich …

  36. @Carsten

    Vielleicht habe ich mich da beim letzten Post unverständlich ausgedrückt. Teilnahmewettbewerb und anschließende Verhandlung sind genau die zwei Stufen eines Verfahrens. Das habe ich vielleicht nicht ganz klar dargestellt.

    Der Punkt bei einem Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb ist aber, dass in der Auftragsbekanntmachung vor dem Teilnahewettbewerb das eigentliche Werk nur sehr grob beschrieben wird. Nur die Bieter, die beim Teilnahmewettbewerb „bestanden“ haben, bekommen die vollständigen Ausschreibungsunterlagen zusammen mit der Aufforderung zur Angebotsabgabe. Und über dieses Erstangebot wird im Nachgang verhandelt.

    Der geschätzte Wert i.H.v. 11.000.000,- € in der Auftragsbekanntmachung hat nix mit dem zu tun was später verhandelt wird. Dafür sind die Ausschreibungsunterlagen (welche die Bieter erst nach dem Teilnahmewettbewerb erhalten) und das Erstangebot der Bieter die Grundlage. Das BAAINBw kann ja auch nicht dem Bieter sagen welchen Preis er in sein Angebot schreiben soll.

    Der Grund, warum ein Auftragswert in der Auftragsbekanntmachung angegeben wird, ist ein anderer. Im Vergaberecht wird zwischen einem Unterschwellenbereich und einem Oberschwellenbereich unterschieden. Bis zu einem bestimmten geschätzten Schwellenwert wird nach nationalem Recht (Unterschwellenbereich) und oberhalb des Schwellenwertes nach EU-Recht (Oberschwellenbereich) vergeben. Im Unterschwellenbereich muss die VOL/A und im Oberschwellenbereich das VSVgV angewendet werden. Der Schätzwert dient also nur dazu, die anzuwendenden Rechtsvorschriften zu bestimmen.

    §22 VSVgV (5): „Im nicht offenen Verfahren und Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb dürfen die Vergabeunterlagen nur an geeignete Unternehmen übersandt werden. …“

    Das ist die Krux bei der Behauptung, dass das Gewehr 50% teuerer als geplant geworden ist. Es ist ja niemals ein Preis von 11.000.000 € mit der Industrie vereinbart worden. Der tatsächliche Preis, die (laut Spiegel) 20.000.000 €, sind ja noch in Wirklichkeit noch in Verhandlung.

    Bezüglich der Verhandlungen ist das Amt natürlich an seine Ausschreibungsunterlagen gebunden und muss alle Bieter gleich behandeln. Im Amtsdeutsch heißt das, dass die Zuschlagskriterien nicht verhandelt werden dürfen. Auch kann das Amt das Erstangebot ohne Verhandlungen annehmen. Meine Aussage „recht frei verhandeln“ ist da vielleicht irreführend. Aber das ganze Verfahren ist deutlich flexibler als beispielsweise eine offene Vergabe.

    Fazit: Die 11.000.000 € des Teilnahmewettbewerbs so mit den angeblichen 20.000.000 € zu vergleichen und zu behaupten, dass dies Auffällig ist, ist nicht korrekt.

    Zum einen sind die 11.000.000 € für die Angebote nicht bindend und zum anderen sind
    50% Abweichung nach unten oder oben bei einer anfänglichen Schätzung auch vollkommen normal. Das muss in diesem Kontekt auch ganz klar gesagt werden. In der Initialphase eines Projektes kann man regelmäßig mit Abweichungen bis zum 4-fachen des Schätzwertes rechnen (siehe Steve McConnell, Software Estimation – Demistifying the Black Art, Chapter 4.2 The Cone of Uncertainty). Erst im Projektverlauf, wenn man mehr dazugelernt hat, werden die Schätzungen genauer.

    Wenn man auf den Schätzungen rumreitet und die Leute für ihre vermeindlich schlechte Schätzung schlecht macht, wird irgendwann niemand mehr bereit sein vernünftig zu schätzen und sich hier auf einen Wert festzulegen. Das ist ein echtes Problem. Man braucht die Schätzungen, weil man nix besseres hat und dann steht man dumm da, dass man „falsch“ geschätzt hat. Das kritisiere ich (hoffentlich konstruktiv und auch nicht böse gemeint) an diesem Artikel und auch am Artikel des Spiegel.

    Gruß
    Bernd

    P.S. Noch am Rande: die korrekte Verfahrensbezeichnung ist „Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb“. In der Auftragsbekanntmachung im Abschnitt IV steht aber nur „Verhandlungsverfahren“ (der Teilnahmewettbewerb ergibt sich aus dem restlichen Kontext). Daher vorhin auch meine schlampige Verfahrensbezeichnung.

    P.S. (2) Die 20.000.000 € sind auch ein Schätzwert oder basieren zumindest auf einer Schätzung! In diesem Fall ein Schätzwert der Industrie. Das Projekt kann also am Ende auch günstiger (eher unwahrscheinlich) oder noch deutlich teurer werden :-)

  37. @Bernd:
    Das ist schon klar, aber ich stimme ihnen explizit nicht in den Punkten der unverbindlichkeit der Preisschätzung zu. Natürlich kann man sich verschätzen, aber es ist doch unwahrscheinlich, dass eine erfahrene Dienststelle sich derart verschätzt. Man möge beachten, dass die BW ja umfangreiche Erfahrungswerte hat, was Gewehre kosten können.

    Ja, das kann egal sein. Es kann aber, wie oben beschrieben, auf ein größeres Problem hindeuten. Dafür müsste man aber die Preise der Alternativanbieter wissen, falls es Alternativen gab.

    Weiß man, ob HK alleiniger Bieter war? Das könnte den Unterschied natürlich auch erklären. =)

  38. Dass „Beschaffung“ in der „Juristischen Verwaltungsrepublik D“ mittlerweile weniger mit der Beschaffung bestimmter Erzeugnisse selbst, als mit dem Prozess zu tun hat, ist schlimm genug, aber worauf kommt es an?
    Im Ergebnis braucht die Bw, in diesem Falle sogar eine ausgewaehlte Gruppe Hochleistungsspezialisten, ein „Werkzeug“.
    Und dieses Werkzeug hat verdammt nochmal ein Spitzenprodukt zu sein, nicht „irgendetwas“! Das gehoert klar angesagt und nicht nur bei den Pruefmodellen auch detailliert getestet. Und testen sollten nicht nur wiederum spezialisierte Ingenieure etc, sondern auch „stumpfe“ Anwender, da sich im taeglichen Umgabng eben doch andere Fehler oder Schwaechen bemerkbar machen, als wenn das Fachleute tun. Wer kauft schon gern ein Auto aus der allerersten Produktionsreihe?
    Und natuerlich kosten Streitkraefte vergleichsweise viel Geld. Sie fuehren allerdings auch einen „unvergleichlichen“ Auftrag aus, und die Ausruestung ist eben auch sehr speziell und deshalb, gerade bei Waffen auch aufgrund des doch eher beschraenkten „Marktes“, nicht mit sonstiger Massenproduktion vergleichbar.
    „Sturmgewehr fuer 11000,- eur“ klingt natuerlich viel, man sollte aber vlt erst einmal schauen, was da „geboten“, „geliefert“ und evtl anderes „haette“ geliefert werden koennen, testen, vergleichen und dann entscheiden, ob der Preis fuer die Leistung „in Ordnung“ geht.
    Ich bin – immer noch – weit davon entfernt, Vorstandsgehaelter in 7-stelliger Hoehe zu „verstehen“, da die mEn auch zum Leben in M immer noch nicht „notwendig“ sind, aber eine Produktion in D ist ganz sicher DEUTLICH teurer, als „irgendwelche“ Importware aus „PRC“ etc.
    Und dass wir uns gerade im Bereich der MilTech sowieso schon ins Abseits geschossen haben, ist schlimm genug!
    Waehrend nicht nur EUR (auch die sicher nicht „abgeruesteten“ USA haben deutlich gespart und Defizite in bestimmten Bereichen) in den letzten 20+ Jahren huebsch „abgeruestet“ hat, haben andere, nicht zuletzt mit euros fuer Gas (RUS) und „fast alles“ (PRC) ein auch qualitativ weit von alten „Sowjetzeiten“ entferntes Arsenal aufgebaut, dass einem wirklich Angst, zumindest jedoch Respekt und „Aktivitaet“ abverlangen sollte!
    Vom „Krieg mit anderen Mitteln“ nicht zu sprechen.

    Es wird Zeit, den Realitaeten ins Auge zu schauen, eine sachliche Bewertung vorzunehmen UND entsprechend zu HANDELN!
    Das wird in anderen Bereichen noch GANZ VIEL MEHR kosten!!!

    Aber nach ueber 20 Jahren ein (im uebrigen deutlich besseres, als es „dargestellt“ wird) Haupthandwerkszeug durch ein leistungsfaehiges „up-to-date“-Modell zu ersetzen waere ein Anfang…

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