Deutschland bestellt neue (NATO-)Tank- und Transportflugzeuge

Die NATO hat über die Beschaffungsorganisation OCCAR bei Airbus fünf neue Transport- und Tankflugzeuge vom Typ A330 MRTT  bestellt, die von Deutschland und Norwegen finanziert werden. Die Bestellung ist Teil einer europäischen Initiative zur Stärkung und vor allem Erneuerung der Tankerflotte der europäischen NATO-Länder, zu der Deutschland im Februar seine Beitrittsabsicht erklärt hatte.

Geplant ist über die NATO Support and Procurement Agency (NSPA) die gemeinsame Beschaffung und Betrieb von bis zu acht dieser A330, die sowohl als Transportmaschinen als auch zur Luftbetankung zur Verfügung stehen (Multi-Role Transport Tanker, MRTT). Fünf Maschinen sollen in Eindhoven in den Niederlanden stationiert werden, wo bereits das European Air Transport Command seinen Sitz hat. Drei Flugzeuge werden von Köln-Wahn aus starten, wo die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung sitzt, die derzeit die A310-Transporter und -Tanker betreibt. Ein Airbus mit Ausrüstung für medizinische Evakuierung soll ebenfalls in Köln stationiert bleiben.

Mit den neuen Flugzeugen sollen bei der deutschen Luftwaffe vier alte  A310 in der MRTT-Version und einer in der Passagierversion ersetzt werden – das ist nach Angaben aus dem deutschen Verteidigungsministerium wirtschaftlich günstiger als eine Nutzungsdauerverlängerung der deutschen A310-Flotte, die sonst ab 2020 anstünde. Deutschland werde dafür innerhalb der so genannten Multinational MRTT Fleet (MMF) ein Flugstundenkontingent von 5.500 Stunden pro Jahr erwerben, was den Flugstunden der derzeit von Deutschland allein betriebenen fünf Maschinen entspreche.

Der Haushaltausschuss des Bundestages hatte vor der Sommerpause für diese Beschaffung ein Finanzvolumen von 1,4 Milliarden Euro freigegeben.

Die Mitteilung von Airbus zu dieser Bestellung (danke für den Leserhinweis):

Airbus Defence and Space hat von der europäischen Organisation für Verteidigungskooperationsprogramme (OCCAR) im Namen der NATO Support & Procurement Agency (NSPA) einen Festauftrag über fünf Mehrzwecktank- und -transportflugzeuge vom Typ Airbus A330 MRTT erhalten. Finanziert werden die Maschinen von Deutschland und Norwegen.
Der Auftrag folgt auf die Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) vom 29. Juni, in der beide Länder ihre Beteiligung am Europa/NATO-Programm: „Multinational Multi-Role Tanker Transport Fleet (MMF)“ bekannt gaben, an dem bereits die Niederlande und Luxemburg beteiligt sind.
Eine heute in der OCCAR-Zentrale in Bonn unterzeichnete Vertragsergänzung sieht zusätzlich zu den von den Niederlanden und Luxemburg beauftragten Flugzeugen fünf weitere Maschinen sowie vier zusätzliche Optionen vor. Damit werden weitere Länder in die Lage versetzt, sich ebenfalls anzuschließen. Außerdem wurde in der Vertragsergänzung auch eine zweijährige Anfangsunterstützung vereinbart.
Das Programm wird von den vier Staaten finanziert, die im Rahmen einer Poolingvereinbarung das exklusive Recht zum Betrieb der NATO-eigenen Flugzeuge erhalten. Die Flugzeuge werden für die Luftbetankung, den Passagier- und Frachttransport sowie für medizinische Evakuierungsflüge ausgerüstet sein.

Mehr Details von der OCCAR gibt es hier.

(Archivbild 2009: Royal Australian Air Force Airbus A-330-200 MRTT taking off from the Getafe Air Base (Spain) for a test flight – Wikimedia-User Outisinn via Wikimedia Commons unter CC-BY-Lizenz)

15 Kommentare zu „Deutschland bestellt neue (NATO-)Tank- und Transportflugzeuge“

  • Rico   |   25. September 2017 - 18:38

    Mal eine ganz praktische Frage: wie kann ein Flugzeug (sehr viel) Sprit oder Material transportieren? Werden da Tanks oder Kisten in den Laderaum geschoben?

  • Marcus Gehrlein   |   25. September 2017 - 18:52

    Ist bereits bekannt, bzw. geklärt welche nationale Kennung die Maschinen besitzen werden?

  • Fux   |   25. September 2017 - 19:21

    @Rico:

    Beim derzeitigen A310 MRTT werden (aufgrund des relativ geringen internen Tankvolumens) neben den Betankungspods und der Bedienerstation noch zusätzliche Tankmodule im Frachtraum eingebaut (DEU bis zu 4 Module, damit gesamt bis zu 65to eigene+Zusatztanks Abgabe bei 1000km vom Start-Landeplatz).
    Da der A330 als Langstreckenflugzeug bereits über eine relativ große interne Tankkapazität verfügt, ist das bei diesem nicht nötig und er kann auch so etwa 111to Sprit allein aus den eigenen abgeben.

  • Ein Leser   |   25. September 2017 - 19:36

    @Rico:

    Die Tankfrage beantwortet der oben verlinkte Wikipedia-Artikel: „Bei Luftbetankungseinsätzen können 111 Tonnen Kraftstoff aus den internen Tanks abgegeben werden, im Vergleich etwa zum A310 MRTT ist es nicht nötig, Tanks im Laderaum einzurüsten.“

    Zum Thema Frachttransport schreibt Airbus:“The versatility of the A330 MRTT enables cargo to be conveniently stored within the lower deck in a variety of cargo options covering the full range of existing under floor cargo containers and pallets, ranging from the LD1 to LD3 and LD6, as well as the standard 88×108 inch 463-L NATO military pallets. Some of the cargo can also be carried as non-palletised “bulk”.“

    Es gibt spezielle Frachtcontainer für Flugzeuge:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Unit_Load_Device

  • Carsten   |   25. September 2017 - 20:36

    Gibt es denn dann auch gemischte Crews, oder hat jeder Staat 100% des Personals?
    Und falls ja: Was passiert denn, wenn deutsche Besatzungen für etwas fliegen sollen, was der BT nicht will?

  • Elahan   |   25. September 2017 - 22:50

    @Carsten

    …..und wieviel Tankkapazitäten hätten die Staaten, wenn sie mit Deutschland keine Kooperation eingingen?

    Im V-Fall gibt es gemäß EU Vertrag keine BT-Vorbehalt und bei Abenteuer ist es gut, dass es ihn gibt. Was machen wir, wenn eine Regierung eines Partners nicht zustimmt? Ob BT oder Regierung, wo ist der Unterschied, am Ende muss man es einer Befehlen, egal in welchem Land.

  • Leser M.B.   |   25. September 2017 - 23:24

    Also bedeutet das jetzt, dass die gesamte dt. Tanker-Flotte durch gemeinsam betriebene Maschinen ersetzt wird?

    @Carsten:

    Umgekehrt stellt sich dann auch die Frage, ob die Maschinen „im Alleingang“ genutzt werden können. Ich würde meinen ja, alles andere kann ich mir kaum vorstellen. Wer weiß dazu mehr?

  • JON   |   26. September 2017 - 7:18

    Schaffen wir es dadurch auch endlich einmal wieder unsere eigenen Soldaten selbst in den Einsatz zu verlegen? Lasst mich raten …

  • Elahan   |   26. September 2017 - 8:13

    In jedem Fall kann Deutschland 5500 Flugstunden nutzen evtl nur mit den 3 in Köln stationierten Lfz. Für die 5 in Eindhoven stationierten Lfz wird evtl das bestehende Verfahren des EATC angewendet.

  • Porsche79   |   26. September 2017 - 8:31

    „Drei Flugzeuge werden von Köln-Wahn aus starten… Ein Airbus mit Ausrüstung für medizinische Evakuierung soll ebenfalls in Köln stationiert bleiben.“

    Heißt „ebenfalls“, dass dieser zu den drei A330 MRTT zusätzlich dort stationiert wird? Oder handelt es sich um eine der drei Maschinen?

    Bis es soweit ist, sind unsere A400M hoffentlich in der Lage wenigstens Eurofighter und Tornado zu betanken. Es sollten ja mal 10 Rüstsätze beschaft werden, weiß einer ob die Zahl noch steht?

  • GLADIUS   |   26. September 2017 - 8:56

    hmm…

    Zweckmäßig erscheint es mir, eine sich abzeichnende Fähigkeitslücke mit einem bereits bewährten System zu schließen. Ist ja ganz im Sinne der „Trendwende“ Material & Beschaffung.

    Unzweckmäßig bewerte ich die intransparente Informationspolitik zu diesem Thema intern i. d. Bw. Da muss erst wieder Herr Wiegold in die Bresche springen… Warum klappert man da nicht geschickter in den truppeninternen Medien, ist doch immerhin mal ein Projekt über ne Milliarde Euro, dass die besten Aussichten auf Erfolg hat…

    [Wie gewünscht, habe ich den zweiten Teil Ihres Kommentars gelöscht. T.W.]

  • Dante   |   26. September 2017 - 12:31

    @JON
    Der Testlauf mit dem A400 (beim Personal und Materialtransport) ist ja bei den Hurrikan von mehreren Staaten aus einigermaßen geglückt. Ich denke bis 2020 hat sich die Sache stabilisiert. Besser spät als nie. Bei den Tankflugzeugen müsste man sicher andersrum rangehen und vom Bedarf und der Versorgungsleistung ausgehen. Es ist ja wohl so dass die Beteiligten in Syrien nicht unbedingt unzufrieden über den deutschen Beitrag sind. Also stellt sich (für mich) doch eher die Frage wieviele Flugzeuge und Besatzungen man braucht um in solchen situationen 24/7 tatsächlich durgehend ein Flugzeug dauerhaft im Wechsel in der Luft zu halten. Ich denke da sind 10 stk wenn tatsächlich da und ausgerüßtet und bemannt (oder befraut) schon ein ansatz.

  • Hans Dampf   |   26. September 2017 - 14:14

    Es werden fünf Flugzeuge bestellt.
    Also drei als Ersatz für drei A310 MRTT und eines als MEDEVAC, stationiert in Köln/Bonn und ein Flugzeug in Eindhoven? Dann liegt ja nahe, dass es vier Lw-Maschinen und eine für NOR sind…

  • Frank   |   26. September 2017 - 14:19

    @Dante

    Der Punkt Quantität häng hier sehr stark mit den Merkmalen der Qualität bei beiden Systemen A400M sowie A330 MRTT zusammen.

    Der A400M soll ja auch als Strategischer Tanker fungieren.
    Wäre die Luftwaffe in der Lage den A400m als Tanker einzusetzen und dafür 10-12 Rüstsätze beschaffen, dann könnte alleine Dies die A3X0 MRTT Flotte erheblich entlasten, jedenfalls da wo nicht die Langstreckenfähigkeiten der A330 gefordert sind.
    Insgesamt würde auch das EATC mit einer funktionierenden Flotte aus A400m und A330MRTT und C130 ein sehr leistungsfähiges System darstellen. Dafür brauchen die einzelnen Subsysteme unbedingt eine Anschub Finanzierung um bestehende Kinderkrankheiten abzustellen. Es bringt nichts einen A400m als multirole Strategisch Taktischen Transporter zu entwickeln und zu bauen, wenn man dann auf den Letzten Metern kein Geld hat um die Fähigkeiten in den Einsatz zu bringen. Dann macht man aus einem Effizienten Ansatz eine Geldverbrennungsmaschiene. Das ist genauso unsinnig wie der bisherige Berieb des Eurofighters als reiner Jäger nur weil man sich die Luftbodenbewaffnung sparen möchte. Man könnte die Hersteller motivieren in dem Man mögliche Optionen z.B. für A330MRTT nicht auf die Lange Bank schiebt sondern umgehend einlöst, dafür aber ein höheres Engagement beim A400M verlangt.
    Die Möglichkeiten sind vielfältig.

  • Dante   |   27. September 2017 - 15:56

    @ frank
    Ich meinte ja auch die Entlasstung der Mrtt Flotte als fracht und personentransportmittel. Dass es bis zur Luftbetankung ein weiter Weg sein wird, insbesondere bei Helis (luftwirbel) ist bekannt.