Gabriel-Besuch in Ankara bringt keine Wende bei Besuchsverbot für Incirlik

Der Abzug der Bundeswehr von der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik scheint nicht mehr zu vermeiden zu sein. Nach einem Gespräch von Außenminister Sigmar Gabriel mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu am (heutigen) Pfingstmontag in Ankara wurde deutlich, dass die Türkei auf einem Besuchsverbot für deutsche Abgeordnete bei Bundeswehrsoldaten in Incirlik beharrt. Damit wird die schon erkundete Verlegung von deutschen Aufklärungstornados und einem Tankflugzeug auf eine Basis in Jordanien immer wahrscheinlicher.

Aus der gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Minister und den gleichlautenden Agenturmeldungen, hier in der Zusammenfassung von Spiegel Online:

Die türkische Regierung erlaubt nach den Worten von Außenminister Sigmar Gabriel weiterhin keine Besuche deutscher Parlamentarier auf dem Militärstützpunkt Incirlik. Die Türkei müsse verstehen, dass unter diesen Umständen die deutschen Soldaten von dort abgezogen werden müssten, sagte Gabriel am Montag in Ankara.

Deutsche Parlamentarier könnten den Nato-Standort Konya besuchen, „nicht aber Incirlik“, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach einem Gespräch mit seinem deutschen Kollegen. Gabriel sagte daraufhin: „Ich bedauere das, aber bitte um Verständnis, dass wir aus innenpolitischen Gründen die Soldaten verlegen werden müssen.“

Damit ist jetzt die Bundesregierung bzw. das Verteidigungsministerium am Zug – mit konkreten Entscheidungen zu dieser Verlegung. Das Ministerium hatte zuvor schon mehrfach darauf hingewiesen, dass eine Verlegung von Incirlik an einen anderen Standort, noch dazu in einer Nicht-NATO-Nation, logistisch aufwändig werden und die Beteiligung der deutschen Aufkklärungsflugzeuge an der Anti-ISIS-Koalition für etwa zwei Monate oder mehr unterbrechen würde.

Update: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen soll nach diversen Agenturberichten eine Kabinettsbefassung für kommenden Mittwoch angekündigt haben. Eine Quelle oder eine Bestätigung aus dem Ministerium gibt es dafür bislang nicht. Aus der dpa-Version:

Nach dem gescheiterten Einigungsversuch im Incirlik-Streit hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Kabinettsentscheidung am Mittwoch zum Abzug der Bundeswehr-Soldaten vom türkischen Luftwaffenstützpunkt angekündigt. «Wir werden das weitere Vorgehen am Mittwoch im Kabinett gemeinsam besprechen und entscheiden», sagte die CDU-Politikerin. «Wir sind auf eine Verlegung vorbereitet.»

Die erste offizielle Mitteilung des Auswärtigen Amtes dazu, via Twitter:



Das Thema hat sehr viel mit der deutschen Innenpolitik zu tun – und ist damit offensichtlich auch Teil des Wahlkampfs.

Bei den Grünen, die in der Opposition sind, ist die Stellungnahme ihrer verteidigungspolitischen Sprecherin Agnieszka Brugger wenig überraschend:

Die Grenze des Erträglichen ist nicht erst jetzt erreicht, sondern die hat die türkische Regierung schon vor langer Zeit weit überschritten. Nun steht die Bundesregierung beim Dauerstreit um Incirlik wieder einmal mit leeren Händen nach den Gesprächen mit der türkischen Regierung da. Es überrascht wirklich nicht, dass Sigmar Gabriel sich mit Blick auf die Abgeordnetenbesuche die nächste Abfuhr und ein neue Klatsche abgeholt hat. Die Bundesregierung hat sich mit ihrem Spiel auf Zeit blamiert und ist mit ihrem Kurs der Gutgläubigkeit völlig gescheitert. Jetzt muss sie ihre Worte endlich wahr machen und unverzüglich mit dem Abzug aus Incirlik beginnen. Dieser wäre aus vielen Gründen längst geboten gewesen, das Erpressungsmanöver um die Abgeordnetenbesuche war dabei nur eine weitere Unverschämtheit. Wir Grüne haben uns immer für ein umfassendes Besuchsrecht ausgesprochen und dabei auch klar gemacht, dass etwa eine Reiseerlaubnis allein für die Obleute des Verteidigungsausschusses viel zu wenig wäre.

Aber bei der Union, die ja – noch – in einer gemeinsamen großen Koalition mit den Sozialdemokraten steckt, ist die harsche Wortwahl gegenüber dem Außenminister von der SPD schon auffällig – ihr verteidigungspolitischer Sprecher Henning Otte im Wortlaut:

Der Bundesaußenminister Sigmar Gabriel ist mit seinen Gesprächen in der Türkei krachend gescheitert. Die Bundesregierung muss nun in der kommenden Kabinettsitzung am Mittwoch eine Entscheidung treffen. Für die CDU/CSU ist klar, dass wir aus Incirlik abziehen müssen – auch wenn wir dort militärisch gut aufgehoben waren. Das parlamentarische Besuchsrecht für uns ist unverzichtbar. Das Verteidigungsministerium ist auf eine Verlegung vorzugsweise nach Jordanien gut vorbereitet. Gut, dass die Verteidigungsministerin von der Leyen bereits Vorbereitungen für einen Umzug getroffen hat. Die SPD hat ihren sicherheitspolitischen Kompass verloren: während Herr Gabriel sich in politischen Gesprächen bemüht, hatte die SPD-Fraktion ihrem Außenminister mit einem Abzugsbeschluss bereits die politische Rückendeckung entzogen.

Den Wahlkampf-Faktor muss man dann wohl bei der Debatte darüber in nächster Zeit mit berücksichtigen (im Klartext: Sehr viel von dieser Debatte muss hier gar nicht stattfinden, weil es mit den Fakten nichts zu tun hat).

Am Rande bemerkt, was eher ins Zentrum gehört: Der türkisch-deutsche Streit über Incirlik ist bei weitem nicht die einzige Auseinandersetzung innerhalb der Ant-ISIS-Koalition, und längst nicht das größte Problem. Von der New York Times:

5 Arab States Break Ties With Qatar, Complicating U.S. Coalition-Building

(Foto: Außenminister Sigmar Gabriel (l) bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Aussenminister der Türkei, Mevlüt Cavusoglu in Ankara – Thomas Trutschel/ photothek.net)

68 Kommentare zu „Gabriel-Besuch in Ankara bringt keine Wende bei Besuchsverbot für Incirlik“

  • MikeMolto   |   06. Juni 2017 - 12:18

    Ich wiederhole meine Frage nach info aus dem blog:
    Hintergrund: Die Tuerken (Regierung/Tuerkei) sind ja nicht (ganz) doof. Sie wissen welche Vorteile die Stationierung der Tornados in Incirlik ihnen verschafft. Dennoch ‚zwingen‘ sie die Deutschen zum Abzug.
    Frage: Cui bono? Was stoert die Tuerkei so sehr, dass diese Vorteile nicht mehr ins Gewicht fallen? Befuerchtet TUR dass die Aufklaerungsergebnisse auch Aktionen der TUR gegen die Kurden aufdecken?
    Meine Anfrage bei der RND, dessen Redakteurin Fr. Kormbaki heute zwei diesbezuegliche Beitraege in der KN veroeffentlichte, brachte keinen Aufschluss.

  • Ex-Zivi   |   06. Juni 2017 - 12:33

    Solange Fr. Merkel für ihre Position und die ihrer Partei zu Hause keinen Vorteil aus einer Verlegung von Incirlik nach Jordanien (oder wo immer auch hin) sieht, passiert da nichts. Erst wenn wirklich etwas passiert oder aus anderen Ländern plötzlich kräftig gegen die Türkei geschossen wird, wird es zu einer Abzugsentscheidung kommen. Ansonsten werden für Fr. Merkel die vorgeblichen Druckpotenziale der Türkei gegenüber Deutschland und der EU (z.B. im Zusammenhang mit dem EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen) deutlich mehr Gewicht haben. Eine eigene Position zu formulieren, standhaft und offensiv zu vertreten habe ich bei Fr. Merkel bisher noch nie gesehen.

    Abgesehen davon zeigt die Diskussion hier mal wieder auf, dass die Bundeswehr eine Menge Probleme hat, die sie eigentlich lösen müsste, um wirklich funktionieren und schnell reagieren zu können (Stimmt das wirklich, dass wegen einer nicht gelisteten Schraube in einem Materialbewirtschaftungssystem Hubschrauber nicht fliegen durften?Überhaupt SAP, seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn als Festangestellter höre ich aus Bekanntenkreisen, unterfüttert durch Berichte, nur schlechtes zu SAP-Produkten.)

    Mir kommt es so vor, dass nur per Zufall die Bundeswehr ihre Auslandseinsätze katastrophenfrei über die Bühne bringt. Da bringen anscheinend eine ganze Reihe von Soldaten eine Menge Enthusiasmus und Arbeitsethos ein, um ihren Job gut zu erledigen, Hut ab.

    Abseits davon: Wofür werden denn eigentlich die ganzen Beamten (Telefondesinfizierer?)im Bundesverteidigungsministerium bezahlt? Handelt es sich dabei um eine Art bedingungslose Besoldung?

  • klabautermann   |   06. Juni 2017 - 13:15

    @MikeMolto

    Na ja, sie können sich ja einmal die Frage stellen wie man politisch und diplomatisch korrekt einen politisch und diplomatisch völlig inkorrekten „Erpresser erpressen“ kann ;-)
    Geht nicht – man kann ihn noch nicht einmal international an einen offiziellen Pranger stellen, solange er „nur“ inkorrekt redet und handelt. Aus Sicht von E. bieten IHM die deutschen Tornado in Incirlik keinerlei Vorteile – im Gegenteil, und da die Tornado nicht der NATO unterstehen, auf Grundlage des EU-Vertrages mandatiert sind und I. keine NATO Basis ist, sind die deutschen Tornado aus seiner Sicht so etwas wie ein unangenehm störendes Sandkorn im Auge, dass man am besten wegwischt. Hinzu kommt, dass E. in seinem Putsch-Trauma in Verbindung mit seiner Güllen-Paranoia ja selbst der eigenen Lw kaum über den Weg traut. Die USA werden schon nicht abziehen aus I., aber auf fliegende deutsche Augen in I. und über der Südost-Türkei kann er sehr gut verzichten. Und auch daran, dass er den Abzug der Tornado innenpolitisch natürlich zu seinen „Gunsten vermarkten“ wird, können wir wohl nichts ändern.
    Einsatz militärischer Mittel kann Politik ergänzen, sie sind aber kein Ersatz für Politik, und so verwundert mich nicht, dass E. auch die letzte goldene Brücke, die das AA versucht hat zu bauen in Sachen Parlamentarierbesuche, von E. einfach ignoriert wurde.

  • MikeMolto   |   06. Juni 2017 - 13:39

    @ klabautermann | 06. Juni 2017 – 13:15

    “ aber auf fliegende deutsche Augen in I. und über der Südost-Türkei kann er sehr gut verzichten. “

    Genau dies ist auch meine Erklaerung, Andererseits bekommt E. gute Devisen fuer diese Stationierung…besonders nach dem Tourismus-Einbruch. Frage dazu ist natuerlich warum ist die BR urspruenglich in die Falle geschliddert?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Juni 2017 - 13:45

    @MikeMolto
    Gehört sich ja normal nicht, aber:
    – Gegenfrage, welches sind denn die Vorteile unserer Stationierung/unseres Einsatzes in Incirlik? DEU AufklErgebnisse gehen ihnen (offiziell) unmittelbar nicht zu, was im EU/NATO/CJTF OIR-Rahmen vor sich geht, ist etwas anderes. Aber: Die Mandatierung ist doch wohl ein EU-Job, also kriegen die Türken gar nichts. Desweiteren, wenn sich ein Anrainer Syriens/des Iraks in der Region auch ohne unsere LuftAufkl bestens zurecht findet, dann sind es die Türken. Sie führen schließlich sein fünf Jahrzehnten Krieg gegen PKK auf Territorien der Nachbarn mit, so werte ich die Lage, eigener HUMINT beim Gegner.
    – Die harte Haltung dient allein innenpolitischer Machtdemonstration: „Seht her, wir lassen uns von den deutschen PKK-Helfern nicht auf der Nase herumtanzen“, so oder ähnlich. Das Thema „DEU Stationerung Incirlik“ findet in den staatstreuen TUR Medien nahezu nicht statt. Beherrschend sind: (angebliche) Deutsche PKK-Helfer, journalistische Hilfe für die GÜLEN-Bewegung sowie Asyl für „Putsch“-Offiziere.
    Incirlik hält in diesem Kontext nur als willkommener Hebel gegenüber der Bundesregierung her. Da die Koalition in Berlin dies natürlich weiß, und sich keinerlei Illusionen bezüglich der autokratisch-nationalistisch Haltung Erdogans hingeben dürfte, muss schon gefragt werden, wie es denn mit der Mündigkeit des Außenministers aussieht? Wirklich nur Wahlkampf um daheim plakatieren zu können „… ich hab’s versucht“? Mündigkeit bedingt ehrliche Analyse und ff. Reflexionsfähigkeit. Wäre dies gegeben, hätte sich Deutschland das VORGEFÜHRTWERDEN ersparen müssen.

    Unsere Beziehungen zur Türkei gestalten sich schon lange nicht mehr nach: „Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839“ von Helmuth von Moltke d. Ä., genannt „der große Schweiger“, als Militärberater im osmanischen Reich verwendet.
    Lange schon, genau genommen seit Atatürk, hat die sich die Türkei freigeschwommen.
    Sie demonstriert es, die ehemaligen deutschen Lehrmeister sind dazu willkommenes Objekt der Beweisführung.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Juni 2017 - 14:08

    Ar-Raqqa
    https://www.bing.com/maps?&ty=18&q=ar-Raqqa&satid=id.sid%3a2e17f16a-deea-38dd-6202-a6fa3013d299&vdpid=7461051&mb=35.965729~39.009102~35.939709~39.07222&ppois=35.9500007629395_39.01
    Bei n-tv: „Die Türkei reagierte besorgt auf den Kampf um Rakka. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, seine Regierung werde umgehend Vergeltung üben, sollte die Offensive gegen den IS in Rakka eine Bedrohung für die Türkei darstellen.
    Grund:
    Im Rebellenbündnis SDF kämpft auch die kurdische Miliz YPG, die die Türkei als mit der PKK verbündete Terrorgruppe einstuft.
    Fairerweise verdienen die SDF besser das Etikett „Befreiungsbündnis“, nämlich Befreiung sowohl von Assad als auch von Daesh.
    Mit Blick auf obige Karte, aus TUR Sicht sind Sorgen nicht unbegründet, eine siegreiche kurdische SDF, frisch mit U.S. Waffen versorgt, einschließlich TOW, wird nach ar-Raqqa nicht untätig bleiben, sondern ggf. das Momentum nutzen. Die Entfernung zur TUR Grenze bleibt mit ca. 80 Km überschaubar.

  • Luftwebel   |   06. Juni 2017 - 14:16

    Wenns nicht so traurig wäre, müsste man fast lachen. Man will im Konzert der „Großen“ mitspielen, aber bei 6 Geigen und einem Klavier fängt die Luft an zu brennen. Das hier nur Symbolpolitik betrieben wird, ist sowas von offensichtlich. 260 ehrliche, deutsche Soldaten für Wahlkampfstartegien zu missbrauchen ist m.E. mehr als schäbig

  • klabautermann   |   06. Juni 2017 - 14:18

    @MikeMolto

    Na ja, die BuReg konnte ja wohl auch nicht den Putsch in der Türkei „vorhersehen“ – und danach war eben fahren nach Sicht angesagt. Man hätte allerdings den „vernetzten Ansatz“ in diesem „Spezialfall“ Türkei früher aufgeben sollen. Da hat sich auch die BuReg von „besonders“ engagierten MdB zu sehr treiben lassen. Spätestens nach dem Putsch und allerspätestens nach der Wahl von Trump hätte eine nüchterne realpolitische Neu-Analyse in Sachen Türkei und Tornado in Berlin erstellt werden müssen. Da hat wohl die „German Angst“ (Zögerlichkeit) verhindert, dass Deutschland die Tornado-Stationierung aus dem vernetzten operativen Politikansatz nicht früher heraus genommen hatt. Der eigentliche Fehler war aber wohl, dass man in Sachen Stationierung nie einen Plan B hatte…und so mußte die BuReg natürlich auch auf Zeit spielen in Sachen Standort-Alternative, denn ein Abzug nach Deutschland wäre der GAU schlechthin gewesen.

  • MikeMolto   |   06. Juni 2017 - 15:02

    @ Klaus-Peter Kaikowsky | 06. Juni 2017 – 13:45

    „– Gegenfrage, welches sind denn die Vorteile unserer Stationierung/unseres Einsatzes in Incirlik?“
    Meiner Kenntnis (Hoerensagen aus Bln) wird die Nutzung monatlich mit 5Mio US$ an TUR bezahlt. Das ist doch schon etwas fuer die TUR?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Juni 2017 - 15:30

    @MikeMolto
    5Mio US$ = die allseits bekannten Peanuts: $60 Mio pro anno.
    Eine finanzielle Rolle machen allein die 6 MILLIARDEN € „Fluchtverhinderungsbestechung“ der EU aus, die den Angriff auf Frontex-geschützte EU-Außengrenze unterbinden sollen.
    Und genau dies ist unsere Achillesverse. „Flüchtlinge“ mit freundlichem Erdogan-Push im Spätsommer mitten im Wahlkampf.
    Dies wollen beide der GroKo-Kontrahenten verhindern, dazu „frisst man auch Diplomaten-Kreide“.
    @klabautermann
    In Trumps Saudi-Deal steht mit Sicherheit nirgends eine Paraphe zur diplomatischen Attacke gegen Katar. Da KSA glaubt freie Hand zu haben, weil POTUS sich verbal den Iran verknöpfte, wird er seine „make America-great-again-Sponsoren“ schnellstens auf den Wüstenboden zurückholen müssen.
    Bezeichnenderweise hat er sich umgehend als Mittler zwischen KSA-Iran in dieser Causa angeboten, um Schlimmeres auszuschließen. Darauf wird Teheran gerade warten, oder?
    Die Kontrahenten seit Abspaltung der Schia am einem Tisch mit den Todfeinden der Sunna im Ringen um Hegemonie am Golf, in der Mitte der „Führer der Ungläubigen“. Beim Barte des „Propheten“, das wird nichts.

  • klabautermann   |   06. Juni 2017 - 16:11

    @Klaus-Peter Kaikowsky

    Zustimmung. Die whahhabitischen Hardliner sind ja in Vorbereitung auf den Trump-Besuch vom Königshaus ziemlich „zurechtgestutzt“ worden, damit dann protokollarisch Frau und Tochter Trump so auftreten konnten wie sie eben für die ganze Welt sichtbar in KSA aufgetreten sind. Eine unerträgliche öffentliche Demütigung für einen orthodoxen Whahhabiten königlichen Geblütes. Und dann noch Milliarden Petrodollar-Verpflichtungen für Militärschrott Richtung USA ohne jede konkrete politische Gegenleistung außer Lippenbekenntnissen. Diese Petro-Dollar werden den Saudis fehlen beim Umbau ihrer Volkswirtschaft. Und die Kataris sind host nation der größten US-amerikanischen Kommandozentrale in der Region, sitzen im Gegensatz zu KSA auf unendlich mehr Gas als Öl (das sie nun mit Iran und amerikanischer Technik kooperativ ausbeuten wollen) und machen Geschäfte mit Rußland (Rosneft), Europa (insbesondere Deutschland und Frankreich), haben einen Marktanteil von 30% am weltweiten LNG-Markt, die größte LNG Tankerflotte, bieten der Welt ein modernes arabisches Gesicht (Welt-Meisterschaften) etc.pp.
    Also mußte der saudische König etwas für die Gesichtswahrung „seiner“ Whahhabis tun, damit keine Palastrevolution ausbricht ?
    Zeitenwende auch in der arabischen Feudal-Welt. Frage mich bloß wie die Saudi aus dieser Nummer einigermaßen gesichtswahrend wieder raus kommen wollen.
    Jordanischer König ?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Juni 2017 - 16:37

    @Klabauterman
    Jordanien, das wäre mehr als tricky, fast dynastiegefährdend, für die Wahhabiya.

    Abdullah II, bin al-hussein ist König der HASCHEMITEN(!)

    Die Haschimiten sind ein Clan des mekkanischen Stammes Quraisch, der nach Hāschim ibn Abd Manāf, dem Urgroßvater des Propheten Mohammed benannt ist.
    Mohammed der „Prophet“ war also Angehöriger diese Stammes und bekanntermaßen Urvater der Muslime, der schiitischen als auch der sunnitischen.
    Bis zur Usurpation durch die Wahhabiten (Muhammad ibn Abd al-Wahhab), sie begannen ihre Missionierung 1731, zählte nur was die Haschemiten wollten. Im Jahr 1740 verkündete al-Wahhab in Huraimala nahe Riad puristische Glaubenssätze zur „Reinigung“ des Islams und löste in folgenden Jahrhunderten die Haschemiten als sunnitisch-religiöse Wortführer der arabischen Halbinsel ab.
    Die Saudis sind sich dieses Abstammungsmakels durchaus bewusst, sie sind quasi die Parvenüs des wahren Glaubens, und rühmen sich daher als „Beschützer der Heilgen Stätten“ (Mekka und Medina) um auch etwas vorführen zu können.
    Die haschemitische Karte im Spiel, das kann den Hardlinern in Riadh kaum gefallen.

  • klabautermann   |   06. Juni 2017 - 17:06

    Klaus-Peter Kaikowsky | 06. Juni 2017 – 16:37

    Also ab und zu sollten sie mal Kommentare lesen, die nicht an sie gerichtet sind ;-)
    z.Bsp.:
    http://augengeradeaus.net/2017/06/bmvg-papiere-vom-urheberrecht-geschuetzt-jetzt-soll-eu-gerichtshof-entscheiden/comment-page-1/#comment-270882

    Als Strategic Back-Ground-Analyst des Leiters Planungsstab hätte mich der „Großabmiral“ kielgeholt, wenn ich die „haschemitische Karte“ in Sachen Israel/KSA/Golfmonarchien etc nicht auf der Pfanne gehabt hätte.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Juni 2017 - 20:34

    @Klabautermann 06. Juni 2017 – 17:06
    Pardon.
    Hatte ich nicht gelesen, aber ALLES geht eben nicht.
    Aber dann sind wir ja hier schon zu Zweien mit Kenntnissen zu Unterschieden von Sunna und Schia sowie deren jeweiliger Ausformung im arabischen Staaten- und Stammeskuddelmuddel der Jetztzeit.
    Seit Scholl-Latour nicht mehr zu Wort kommen kann, fehlt bei den uns tagtäglich präsentierten „Experten“ nicht nur der Mainstream-Medien, jegliches Ohr für Bedeutung des Mystischen in der Politik. Öl-Gas-Dollar-Kurse sind nicht alles.
    Die muslimische Karte kommt, insgesamt betrachtet, hinsichtlich ihrer machtpolitischen Dimension weitaus zu kurz.
    Zeiten, in denen in Europa Religion/Konfession Bedeutung ausübten, sind gottlob weitgehend passée. Für MENA trifft beides nicht zu.

  • klabautermann   |   06. Juni 2017 - 20:45

    Klaus-Peter Kaikowsky | 06. Juni 2017 – 20:34

    Zustimmung – ohne weitere Worte ;-)

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Juni 2017 - 20:53

    Außenminister Gabriel betätigt sich als Wortschöpfer der deutschen Sprache, er spricht von der „Trumpisierung“ des Mittleren Ostens, der zu begegnen sei.
    Anlass, die heute erfolgte weitgehende diplomatische und logistische Isolierung der „Gas“-Emirates KATAR im persischen Golf, die schon am Nachmittag zu Hamsterkäufen führte.
    Da auch die arabischen Airlines dem Boykott folgten, sieht es bei der Versorgung bereits nach wenigen Stunden bedenklich aus: das Emirat ist nahezu 100% importabhängig, was Lebensmittel angeht.
    Die emotionale Charakterisierung des Außenministers dürfte, wie Vieles der vergangenen Tage, dem nahenden 24.09. geschuldet sein.
    Hoffe, das http://www.handelsblatt.com/my/politik/international/gabriel-unterstuetzt-katar-angst-vor-der-eskalation-am-golf/19896234.html?social=twitter&ticket=ST-7662139-OQdaDSO9GX66e7tv1i3c-ap3 ist ok.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Juni 2017 - 21:08

    Aufschlussreiche Übersicht zum Einsatz U.S.-Luftkriegsmittel in der air campaign gegen Daesh.
    Die geringen Zahlen bei UAS werden mit der oftmaligen Verwendung in ISR-Aufträgen begründet. A-10 stets gut dabei.
    http://www.military.com/daily-news/2017/06/02/f15es-a10s-leading-air-war-isis-stats-show.html

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   08. Juni 2017 - 14:52

    @Rado
    Die hier im Zusammenhang mit „Angriffen“ auf DEU Soldaten durch Sie (AFG) und andere (Jordanien) angesprochene Tötung von drei U.S. Army Green Berets, als Ausbilder in JOR verwendet, kommt in JOR vor Gericht.
    Offenbar war es ein tragischer „green-on-blue“-Vorfall, unter Mitschuld der Green Berets, vor einem JOR-checkpoint..
    https://www.armytimes.com/articles/jordan-soldier-hears-murder-charges-in-deaths-of-3-us-troops