Bundeswehr-Tradition und Selbstverständnis: Noch mehr Lesestoff (m. Nachtrag)

Passend zum heutigen Gastbeitrag auf Augen geradeaus! zur Traditionspflege der Bundeswehr noch ein wenig mehr aktueller Lesestoff zum Thema Tradition und Selbstverständnis:

• Der Deutsche Bundeswehrverband hat in der Juli-Ausgabe seines Mitgliedermagazins einen Schwerpunkt dem Thema Kein Beruf wie jeder andere: das Berufsethos des Bundeswehrsoldaten  gewidmet. Um die öffentliche Debatte zu unterstützen, steht dieser Teil des Magazins online (ein Text von mir ist auch dabei).

• Bei War on the Rocks ein interessanter – englischer – Text eines ehemaligen Bundeswehrsoldaten und heutigen Wissenschaftlers (danke für den Leserhinweis):

Germans Should Accept What a Military is For, or Get Used to Disappointment

Möglicherweise doppelt sich die Debatte dazu mit der zum vorangegangenen Gastbeitrag; ich fände es sinnvoll, die eigentliche Traditionsdebatte dort zu führen und hier was zum Ethos und Berufsverständnis zu sagen – sofern sich das trennen lässt.

• Nachtrag: Ein Interview der Zeitschrift IP der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, komplett nachzulesen hier:

„Man wächst mit seinen Aufgaben“

unter anderem mit der Aussage:

Was wir aber dringend brauchen, ist eine viel breitere Debatte. Das mag jetzt wie ein Gemeinplatz klingen. Aber in der aktuellen Diskussion darüber, inwiefern die Wehrmacht für die Bundeswehr traditions- und identitätsstiftend ist, ist mir aufgefallen, dass ein Narrativ über stolze 61 Jahre Bundeswehr bei uns schlicht nicht vorhanden ist.

(Foto: Offizier der Deutschen Marine am Strand des Truppenübungsplatzes Putlos in Holstein, im Hintergrund die USS Arlington)

73 Gedanken zu „Bundeswehr-Tradition und Selbstverständnis: Noch mehr Lesestoff (m. Nachtrag)

  1. @Adlas-doe: Auch Staufenberg und Treskow haben dem Hitler-Regime nach außen gedient, sonst wären sie gleich aufgeflogen. Für einen Auslandsmilitärgeheimdienst gilt dies natürlich genauso. Admiral Canaris war an dem geplanten Staatsstreich von 1938 beteiligt, mit dem ein Krieg verhindert werden sollte, Aber weil Chamberlain das Sudetenland Hitler kampflos überlassen hat, musste der Staatsstreich abgesagt werden.

    Die Abwehr hat Kriegspläne verraten ans Ausland, Juden wurden beschäftigt um sie zu schützen oder es wurde eine gefakte Spionageoperation in der Schweiz angesetzt, um 14 Juden in die Schweiz in Sicherheit zu bringen.

    Schindler gilt als Held, warum nicht Canaris und Hans Oster, der der Kopf des Widerstandes in der Abwehr war? Warum wird nur der Widerstand vom 20. Juli 1944 gewürdigt in der BW und nicht der gesamte militärische Widerstand?

  2. @closius | 30. Juni 2017 – 15:28
    Inhaltliche Zustimmung, aber einfachlicher Widerspruch.

    „Warum wird nur der Widerstand vom 20. Juli 1944 gewürdigt in der BW und nicht der gesamte militärische Widerstand?“

    Wird er doch. Nur die Verengung ist für manchen weniger geschichts- oder traditionsbegeisterten vielleicht bequemer ;)

    Das Beispiel ist doch auch die überdeutliche Betonung von Stauffenberg, der ja nur ein „Kofferträger“ war, statt der viel wichtigeren Personen wie Beck oder Tresckow…

  3. @Georg | 30. Juni 2017 – 14:54

    Kleiner Hinweis noch in Sachen Tradition, BW und Gesellschaft: bürgerlich-republikanisch-„landsmannschaftliche“ Traditionslinien Einfach einmal „Freistaat“, „Freie Reichstadt“ und „Räterepublik“ googeln Und wenn sie dann noch Lust haben „Imperatives Mandat“ versus „Freies Mandat“. Wie soll man diese ganzen historisch-politischen, historisch-soldatischen ineinander verschlungenen „Traditionslinien“ in Sachen „Staasbürger-in-Uniform“ auf einen zukunftsfähigen, gemeinsamen Nenner bringen, wenn man andauernd im politisch-militärischen Schlammzonenbereich des 3. Reiches rumstochert ? Aber das genau ist doch der Ansatz der „Affen für Deutschland“: die Diskussion ewig am „Köcheln“ zu halten weil sie programmatisch nichts anderes zu bieten haben. Und wenn sich Höhere Offiziere zum Affen für die Affen machen – ohne es zu merken – dann verzichtet man eben auf deren „treue“ Dienste als befehlshabender oder kommandierender „Staatsbürger-in-Uniform“. Als Ehemalige können sie ja dann wieder ihre räterepublikanischen Reflexe individuell oder über den DBwV/VdRBw ausleben ;-)

  4. klabautermann | 30. Juni 2017 – 15:41:
    “ … Und wenn sich Höhere Offiziere zum Affen für die Affen machen – ohne es zu merken – dann verzichtet man eben auf deren „treue“ Dienste als befehlshabender oder kommandierender „Staatsbürger-in-Uniform“. Als Ehemalige können sie ja dann wieder ihre räterepublikanischen Reflexe individuell oder über den DBwV/VdRBw ausleben ;-)“
    Mann – Kamerad schreib ich schon gar nicht mehr – auf welcher Sandbank sind Sie gestrandet?
    Hans Schommer
    Ehemaliger

  5. Was mich bei diesen Diskussionen nur stört ist, dass man immer wieder in der gleichen Endlos-Schleife verfängt, und nun wieder über 300 Kommentare die gleiche Leier der gleichen User über irgendwelche WWII-Begebenheiten kommen wird…

    Darum geht es nicht..es geht um ein Gesamt-Gesellschaftliches Problem in einer Zeit, in der Streitkräfte wichtiger werden als in den 50 Jahren zuvor…in dem die Bedrohung des alten Ost-West-Konfliktes wieder auflebt…..in dem Zivilflugzeuge in Nachbarländern abgeschossen werden, während die Staatengemeinschaft tatenlos zusieht….und wir verfangen uns wieder in den gleichen, endlos-langweiligen „Wir sind aber Schuld und Böse, und unterliegen einer immerwährenden Universal-Schuld“ Platitüden….

    Es geht NICHT um den Krieg, es geht NICHT um Nationalsozialismus-es geht darum, ob die Bundeswehr eine Tradition braucht (haben soll)….und wenn überhaupt, dann geht es darum, ob man im Jahre 2017 nicht endlich einmal in einer Zeit angekommen sein sollte, in der die Taten EINZELNER-völlig losgelöst und aus dem Zusammenhang, sondern einfach nur EINZELN betrachtet-nicht doch auch als heroisch bezeichnet und als Traditionswürdig befunden werden können…..

    Damit beende ich meinen Beitrag zu dieser Diskussion auch schon-denn ich habe mittlerweile gelernt, das Godwin leider recht hatte, und damit jede erfolgreiche Konfliktlösung im Internet schon im Keim unmöglich ist..

  6. huey | 30. Juni 2017 – 16:15
    1 + – und ich mach’s jetzt auch so.
    Hans Schommer

  7. Kann mich den beiden letztgenannten nur anschließen: wo Kameraden öffentlich als Affen (siehe K. um 15:41) diffamiert werden, weil sie eine andere Meinung haben als man selber, muss jede Diskussion aufhören.
    Vielleicht sollte sich der ein oder andere besser in einem Bananenblog mit Vulgärsprache aufhalten.

  8. Denkanstoß am Bsp. Panzertruppe:

    Wie soll ein 20-jähriger FWDL von Truppe zum Bleiben begeistert werden, wenn die Entstehung „seiner“ Truppengattung (Einsatz der Panzerwaffe im WW2 als eigene Truppengattung) und damit die beginnende Tradion nicht sinnstiftend sein darf?

    Soll diesem Jungen Kameraden überspitzt gesagt werden: Die Alliierten schenkten uns 1956 ausrangierte M47 Panzer und haben somit die Panzertruppe in Deutschland erfunden?

    Soll man ihm sagen dass unser Vorschrift aus militärischen Lehren dieser Zeit stammen, aber dies ja keine Tradition ist, wenn eine Vorschrift seit gefühlt 60 Jahren auf diesen Lehren beruht, so geschrieben ist und bestand hat? („Fahren wie das Wasser fließt“)

    Wie soll er begeistert werden, wenn von ca. 225 Kampfpanzern ein Klarstand an Einsatzbereitschaft von max. 50% herrscht, gerade genügend Munition für Dienstpostenausbildung vorhanden ist und Ersatzteilmangel Instandsetzubgszeiten jenseits dessen was zivil vertretbar ist, normal ist?

    Und DANN sagt man ihm: Machen Sie sich keine Sorgen wir bilden ja bald wieder als Infanteristen Infantrie in Einsätzen (die ein Großteil der Bevölkerung garnicht will) aus.

    Wie soll sich für diesen Kamerad Tradition und Truppengattungsstolz in sich selbst begründen, wenn 40 Jahre Übungsplatz-Tätigkeit in Kanada, fehlende für den Verband individuelle Truppenfahnen, Flachbildschirme und kein Internet auf 8-Mannstuben, Hochwassereinsätze und Infanterieeinsätze in Afghanistan gepaart mit mangelder Einsatzbereitschaft des Geräts nur Widersprüche im Dienstalltag produziert?

    Der Großteil derer die über Truppe spricht und über Diese bestimmt ist soweit weg von Ihr, dass es nur noch zum Kopfschütteln ist…

    Ich erwarte bitte keine Antworten!

  9. Erziehung und Bildung von Waffenstolz der Deutschen Panzertruppe ohne Panzer I – VI, ohne Rommel, v. Manstein (v. Lewinski), Guderian und Höppner ist zum Scheitern verurteilt.
    Wichtig für jegliche Abschreckung ist und bleibt die Kampfkraft des Heeres, noch deutlicher, der Gefechtswert von Panzer- und Panzergrenadiertruppe.

    Ein tapfer handelnder junger deutscher Soldat vor einem serbischen Kloster im Kosovo ist vorbildhaft.

    Der Richtschütze im Kampfpanzer Leopard und sein Kommandant braucht und sucht aber Panzervorbilder.
    Die zieht er aus der Vergangenheit der Deutschen Panzertruppe.
    Die taktische Verständnis vom Damals zu Abläufen von heute sind nämlich schnell hergestellt. Das Wesen des Panzereinsatzes ist, auch unter Digitalisierung, unverändert:
    Fahren – Funken – Schießen.
    Auftrag der politischen Führung ist es, den Soldaten mit allen geistigen, politischen und militärischen Mitteln zu erfolgreicher Kriegführung auszustatten. Streitkräfte stellen DAS Machtmittel des Staate zu seiner Selbstbehauptung dar.
    Staatliche Zweifel an Verfassungstreue und Demokratieverständnis seiner Soldaten lassen DEN SOLDATEN an seinem Deutschland verzweifeln.
    Soldat sein, Aufgabe SUI GENERIS.

  10. Die DNA der Bundeswehr ist der Eid, die FDGO und InFü. Tradition soll gerade diese DNA vererben unsere Gefühle ansprechen.

    Wo ist der Stolz zum erhalt des Friedens über 60 Jahre.
    Wo sind die Symbole für die gelungene Abschreckung.
    Die Kür einer Verteidigungsstreitkraft ist es Kriege zu verhindern das Land zu beschützen und gerade nicht für Billigprodukte und Landgewinn in den Krieg zu ziehen.
    Die Tradition im Krieg zu suchen halte ich für geradezu absurd und zeigt unser Haltungsproblem.

    Wo ist die Tradition des offenen Wortes?
    Langsam muss man sich ja schämen für das Schweigekartell über uns?
    Wo ist die Tradition einer angemessenen Zeremonie zur Beförderung/Übernahme BS?
    Wo ist die Tradition einer angemessenen Verabschiedung in den Einsatz/Ruhestand?
    Wo ist die Tradition der unformellen Beteiligung/Einbindung der unterstellten Soldaten?
    Wo ist die Tradition der angemessenen Information und Befehlsgebung?
    Wo ist die Tradition des Dienstgrades, dem Erkennen von Erfahrung und Vorgesetzten verhältnis?
    Wo ist die Tradition der Feiern und Verabschiedung bei Dienststellenwechsel?
    Wo ist die Tradition des kameradschaftlichen Umgangs über Dienstgradgruppen hinweg?
    Wo ist die Tradition des Auftretens in der Gesellschaft (zB der Gesellschaftsanzug/Knigge uem)?
    Wo ist die Tradition des Staatsbürgers in Uniform?
    Uvm

    Nicht der Untertan wird bei uns Soldat, sondern der freie Bürger.
    Wir benötigen eine Tradition der Freiheit und des ständigen Ringens um diese.
    Ich benötige gerade keinen adligen Massenmörder welcher nach Jahren des Krieges merkt, dass im sein Land in Stücke geschlagen wird und seine Familie und Güter in Gefahr sind.
    Die meisten waren ausgesprochene Gegner der Freiheit und Demokratie. Ihnen ging es um die Nation und nicht um die Menschen/Bürger.
    Da war ein Georg Elser oder eine Sophie Scholl uvm wohl ehrenwerter. Das fehlen des freien/aufrichtigen Wortes gegenüber der Führung/Presseleitung im BMVg zeigt doch, dass uns an ganz anderer Ecke die Tradition fehlt. Es fehlt uns die Courage, welche zur DNA der deutschen Soldaten gehören sollte. Jetzt sind wir bald wieder soweit, dass sich ein Teil eine starke autoritäre Hand wünscht. Wenn das über HAND nehmen sollte, sähe man was uns fehlt => der Mut uns für unser Bürgertum und Freiheit einzusetzen.

    Die Tradition des Handwerks kommt über die Historie, fachliche Ausbildung, Verfahren, Vorschriften, Ausstattung und Organisation. Man benötigt da die 12 Jahre Heroisierung von Personen nicht. Es reicht, dass wir fast ihre Ausgehuniform tragen.

    @klabautermann

    Ihren Schmähhinweis verstehe ich nicht? Im Gegensatz zur Bw pflegt der DBwV die Tradition der Freiheit, Demokratie und lebt Kameradschaft.

  11. @Zimdarsen | 30. Juni 2017 – 23:30
    NIEMAND hat etwas dagegen die Bw-eigene Tradition zu stärken. Und viele der Dinge, die Sie aufzählen müssten a.m.S. dringend gestärkt werden (bei einigen bin ich aber nicht bei Ihnen und das meiste sind auch keine Traditionen, aber trotztdem bin ich weit überwiegend bei Ihnen).

    Aber…

    „Die Tradition im Krieg zu suchen halte ich für geradezu absurd und zeigt unser Haltungsproblem.“

    Wo soll die Kampftruppe und Kampfunterstützungstruppe denn sonst Ihre Tradition finden? Auf dem Truppenübungsplatz?

    Nichts spricht gegen Bw-eigene Traditionen, aber trotz 60 Jahren ist das inhaltlich doch ein bißchen dünne…

    „Wir benötigen eine Tradition der Freiheit und des ständigen Ringens um diese.“

    Warum wollen Sie dann anderen Truppengattungen Vorschreiben, wie diese ihre Tradition ausgestalten?

    „Ich benötige gerade keinen adligen Massenmörder welcher nach Jahren des Krieges merkt, dass im sein Land in Stücke geschlagen wird und seine Familie und Güter in Gefahr sind.“

    Das ist so unsachlich und historisch unzutreffend, dass ich darauf jetzt gar nicht erst eingehe.

  12. @Koffer | 01. Juli 2017 – 8:31

    Wo auch immer die Kampf- und Kampfunterstützungstruppe Tradition „suchen“ will (warum eigentlich nicht auf dem Truppenübungsplatz- dort hat man den Kalten Krieg sehr erfolgreich „geführt“. Das sollte man auch mal entsprechend würdigen), die Wehrmacht brauchen sie dazu nicht. Denn das Handeln der Bundeswehrsoldaten ist per Recht und Gesetz wertgebunden an Freiheit, Frieden und Demokratie. Jenes der Wehrmachtsoldaten eben nicht, egal ob unschuldig verführt oder schuldhaft verstrickt in den Nationalsozialismus.
    Freiheit, Frieden, Demokratie und unantastbare Menschenwürde – das sind die Werte, welche es zu tradieren gilt. Diese werden Sie in der Wehrmacht jedoch in der Regel nicht finden!
    Ich denke, weder @Zimdarsen, noch ich, noch irgendjemand hier hat große Lust darauf, Ihnen Vorschriften zu machen. Schade nur, dass Sie offenbar einen Vorgesetzten brauchen, der Ihnen (respektive den Kampftruppen) vorschreibt, was zu tradieren ist und was nicht.
    Im Jahre 2017 sollten eigentlich Bildung, Vernunft und Anstand ausreichen, auch bei den Kampftruppen Einsicht in die Unwürdigkeit der Wehrmacht zu erzeugen.

  13. @Zimdarsen | 01. Juli 2017 – 10:11
    „Ich schreibe keinem was vor, ich schrieb meine Meinung zu einer Debatte.“

    Ja und das ist natürlich nicht nur Ihr gutes Recht, sondern auch eine Bereicherung der Debatte!

    Allerdings fordern Sie inhaltlich eine Verengung der Traditionspflege, die faktisch Ihre Meinung allen Soldaten vorschrieben würde, auch denjenigen, die dies nicht wollen.

  14. @JPG | 01. Juli 2017 – 11:39
    „Wo auch immer die Kampf- und Kampfunterstützungstruppe Tradition „suchen“ will (warum eigentlich nicht auf dem Truppenübungsplatz- dort hat man den Kalten Krieg sehr erfolgreich „geführt“.“

    Diese „Tradition“ sei Ihnen gegönnt. Mir und vielen Kameraden reicht das nicht aus.

    „Ich denke, weder @Zimdarsen, noch ich, noch irgendjemand hier hat große Lust darauf, Ihnen Vorschriften zu machen.“

    Danke.

    „Schade nur, dass Sie offenbar einen Vorgesetzten brauchen, der Ihnen (respektive den Kampftruppen) vorschreibt, was zu tradieren ist und was nicht.“

    Das ist nicht notwendig. Der aktuelle Traditionserlass ist da sehr gut und weitsichtig. Er gibt Rahmenbedingungen vor und überlässt es dem mündigen Staatsbürger in Uniform dann selbst Traditionen zu schaffen.

    Besser kann es in einer pluralistischen Gesellschaft nicht sein…

    „Im Jahre 2017 sollten eigentlich Bildung, Vernunft und Anstand ausreichen, auch bei den Kampftruppen Einsicht in die Unwürdigkeit der Wehrmacht zu erzeugen.“

    1. Die Wehrmacht ist NICHT traditionswürdig.
    2. Bildung, Vernunft und Anstand fordern mehr als nur die Beschränkung auf 60 Jahre, das ist zu wenig.

  15. @Koffer!

    „Allerdings fordern Sie inhaltlich eine Verengung der Traditionspflege, die faktisch Ihre Meinung allen Soldaten vorschrieben würde, auch denjenigen, die dies nicht wollen.“

    Nein, eben nicht, ich vordere keine Verengung der Traditionspflege, denn ich stehe dazu, dass diese von unten gewollt und getragen werden soll. Ich vordere, dass wir in der Debatte (Anfang des Prozess, nicht an dessen Ende) erweitern, den Blick öffnen und nicht wie geschehen auf die WKII Namensdiskussion verengen. Meine pers Meinung ist nur EIN Beitrag.

    Messerschmitt hat epochale Luftfahrzeuge entwickel, er war prägend für die LUFTWAFFE und ist es in der Technik noch heute, warum sollten wir die Person huldigen? Das gleiche gilt für W. Braun für das Heer! Es ist geschichte, doch ICH (meine Person) benötige keine Heiligen und dabei verschweige ich nicht, dass ich Menschen anderer Vorstellung respektiere. Mir doch wurscht ob die Rommelkaserne so heißt wie sie benannt wurde. Dann kann man sich in polBil abarbeiten und das ist gut so. Aber muss ICH daraus eine Traditiin pflegen? Evtl die des Umgangs mit dem Thema :-)

  16. @ JPG

    […] (warum eigentlich nicht auf dem Truppenübungsplatz- dort hat man den Kalten Krieg sehr erfolgreich „geführt“ […]

    Mit respekt, das kann hinsichtlich einer sich daraus abzuleitenden Tradition unmöglich Ihr Ernst sein… Übrigens wurde es in der überarbeiteten Vorschrift „Einsatznah ausbilden“ bereits versucht – der mir bekannte Nachwuchs fand diese krude Krücke eher belustigend als denn wirklich zielführend.

    Sie fordern in Ihrem letzten Absatz zudem den gebildeten und vernünftigen Menschen, sprechen diesem dann aber eine Meinungsbildung über die jüngere deutsche Militärgeschichte ab, weil die Institution Wehrmacht insgesamt unwürdig sei. Dass beißt sich doch, oder? Ja, die Wehrmacht kann keine Tradition begründen, aber generelles Totschweigen wäre und ist das andere Übel.

    Ich hatte es eingans bereits einmal erwähnt – diese Debatte hier wird viel zu Bundeswehr-zentriert geführt. Dabei blenden viele aus, dass unser Nachwuchs bereits mit einem fertigen Geschichtsbild zum Dienst antritt. Das Bild der Wehrmacht ist dabei zumeist viel entspannter gezeichnet, als dem ein oder anderen hier bewusst zu sein scheint. Der Prozess, welcher sich dahinter versteckt, ist die sog. Historisierung: Die Wirkmächtigkeit einer einschneidenden Episode der Geschichte nimmt im Laufe der Zeit auf natürliche Art und Weise ab und ist irgendwann lediglich eine von vielen weiteren Aspekten.

    Nochmals aus der Praxis: Ich habe einen sehr detaillierten Einblick in den Geschichtsunterricht der Sek. II in NRW (auch wenn der klabautermann da jetzt wieder abschätzig lächeln mag) und krass ausgesprochen: Das Thema Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg lockt keine Sau mehr hinterm Ofen hervor, egal wie gut die Reihe geplant und durchgeführt wird, egal ob mit Ausschwitz-Fahrt, regionalem Gedenkstättenbesuch o.ä. Für die meisten Schülerinnen und Schüler ist das Thema mittlerweile so weit weg, wie die Franz. Revolution. Was an Vorwissen aber oftmals abrufbar ist (vor allem bei den Schülern), bezieht sich auf Großgeräte-Dokumentationen bei N24 oder dem History Channel. Panther, Tiger, Messerschmitt oder Flying Fortress sind geläufig, wenn auch nicht immer richtig kontextualisiert. Die Wehrmacht wird als deutsche Armee der vergangenheit wahrgenommen und deren Kriegsverbrechen mit einbezogen – trotzdem wird sie überwiegend wertneutral betrachtet, d.h. weder „vergöttert“ noch verdammt. Bedenklicherweise rutscht mittlerweile die Waffen-SS mit in dieses Schema, wobei ein eindeutiger Hinweis auf ideologische Einbindung ins Regime, Fanatismus in den letzten Kriegstagen, Holocaust u.ä. korrigierend auf dieses Geschichtsbild wirkt.

    Was möchte ich damit sagen: Der „junge“ Nachwuchs der Bundeswehr kommt bereits mit einem Geschichtsbild in die Streitkräfte, welches bezüglich Wehrmacht mittlerweile oftmals entspannter ist, als von den Bestandssoldaten gewöhnt oder gedulded. Ausschlaggebend dabei ist in den allermeisten Fällen aber keineswegs eine ideologische Verblendung, sondern ein normaler historischer Prozess. Diesen jungen Menschen nun schlicht ein „Wehrmacht = Bäh!“ anzubieten, ist kognitiv deutlich zu wenig. Ralf Raths, der Direktor des Panzermuseums, hatte diesbezüglich darauf hingewiesen, dass es auch in Deutschland in fünfzehn, zwanzig Jahren höchstwahrscheinlich normal sein wird, Wehrmachtsreenactment anzutreffen – mag für uns unvorstellbar sein, ist aber der Lauf der Dinge.

  17. @Zimdarsen | 01. Juli 2017 – 12:12
    „Nein, eben nicht, ich vordere keine Verengung der Traditionspflege, denn ich stehe dazu, dass diese von unten gewollt und getragen werden soll.“

    Insoweit sind wir dann wohl beieinander.

    Dann hatte ich Sie falsch verstanden.

    „Ich vordere, dass wir in der Debatte (Anfang des Prozess, nicht an dessen Ende) erweitern, den Blick öffnen und nicht wie geschehen auf die WKII Namensdiskussion verengen.“

    In der Tat ist eine Verengung auf die WKII Kasernennahmen abzulehnen. Das ist wirklich viel zu wenig…

    „Messerschmitt hat epochale Luftfahrzeuge entwickel, er war prägend für die LUFTWAFFE und ist es in der Technik noch heute, warum sollten wir die Person huldigen? Das gleiche gilt für W. Braun für das Heer!“

    „Huldigen“ müssen wir niemanden. Aber wenn jemand Messerschmitt oder Braun nicht nur fachlich interessant findet, sondern auch als vorbildhaft betrachtet, dann spräche nichts dagegen ihren Beitrag zur jeweiligen Tradition zu würdigen.

    Ich persönlich sehe vor allem Messerschmitt aufgrund seiner persönlichen Verwicklung in das System der Zwangsarbeiter mit eigener Gewinnerziehlungsabsicht allerdings eher kritisch und auch bei v. Braun müsste man sicherlich deutliche und einschränkende Einordnungen vornehmen bevor man sie als (eingeschränkt) traditionswürdig eingruppieren könnte.

  18. @Koffer | 01. Juli 2017 – 12:04

    Der geltende Traditionserlass überträgt die Verantwortung der Traditionspflege den Einheitsführern und Kommandeuren. Diese wählen das zu Tradierende aus, nicht sämtliche Staatsbürger in Uniform einer bestimmten Einheit und nicht die Mehrheit der Dienstgrade einer Einheit.
    Sie widersprechen sich mehrfach selbst und zeigen dabei grandios auf, wie der Traditionserlass mancherorts ignoriert, sinnentleert oder völlig verdreht wird.
    Wenn Sie schon feststellen, dass die Wehrmacht nicht traditionswürdig ist, warum verteidigen Sie dann die Malereien von Illkirch?

    @Vodoo
    Die Belastungen und Entbehrungen der Soldaten des Kalten Krieges sollten nicht ins Lächerliche gezogen werden. Es ist halt auch eine Frage der Vermittlung von Leistungen, aber vor allem der Vermittlungen wofür diese Leistungen vollbracht wurden.
    Außerdem denke ich, dass es an historischer Bildung mangelt, was nicht zuletzt durch diese ganze Wehrmachtsdiskussion hier belegt wird. Darüber hinaus fallen ja auch solche Bemerkungen wie: „die Historiker haben nichts zu melden in Fragen der Traditionsbildung.“
    Dass die Wehrmacht totgeschwiegen werden sollte, habe ich auch keineswegs unterstellt. Im Gegenteil bin ich der Meinung, dass die Geschichte des deutschen Militarismus, der in der Wehrmacht und dem 3. Reich kulminierte, sehr dezidiert in der historischen Bildung behandelt werden muss, um unsere jungen Soldaten zu vergewissern, dass dort keine Vorbilder zu finden sind und die Operationsgeschichte nicht von den politischen Zielen seinerzeit getrennt zu denken ist.

    Und wenn man glaubt, die rein handwerklich soldatischen „Leistungen“ der Wehrmacht als Beispiel nehmen zu können, dann darf man gleichzeitig nicht verschweigen, dass diese allzu häufig auf ideologischen Feindbildern und Hasserziehung beruhten, was der Bundeswehrtradition diametral entgegensteht. Wie vorbildlich derartige Leistungen dann noch sein mögen…?

  19. Meine sehr verehrten Herrne Stabsoffiziere, das ist doch alles eine sehr theoretische Diskussion hier. Warum meine Herren genben Sie ihre Statements nicht mal da ab wo sie wichtig wären?
    Das Theoretisieren über den militärischen Wiederstand innerhalb der Wehrmacht, nun keiner kann heute sagen, wie er sich damals verhalten hätte. Ob Mitläufe, Systemblockierer oder gar aktiver Wiederständler bis hin zum Attentat auf den Despoten. Wie viele der damals lebenden und agierenden Soldaten hatten denn tatsächlich die Chanche zu erkennen was der GröFaZ wirklich ist. Wir haben alle nicht in dieser Zeit gelebt.
    Ich würde mir in unserer Zeit manchmal ein paar mehr Wortmeldungen aus ihrem Kreis wünschen………
    Übrigens war dies einer meiner letzten Besiche auf AG. Die Diskussionen insbesonder um die aktuellen Ereignisse seit Pfullendorf sind wirklich bezeichnend.

  20. @JPG | 01. Juli 2017 – 14:51
    Mein lieber @JPG in der Tat liegt die VERANTWORTUNG gem. den Richtlinien Nr. 21 bei den Kommandeuren und Einheitsführern. Aber bei wem soll sie denn sonst liegen?!?!

    Zum Entstehungsprozess der Traditionen sagt der Erlass aber folgendes aus:

    „3. In der pluralistischen Gesellschaft haben historische Ereignisse und Gestalten nicht für alle Staatsbürger gleiche Bedeutung, geschichtliche Lehren und Erfahrungen nicht für alle den gleichen Grad an Verbindlichkeit. Tradition ist auch eine persönliche Entscheidung.
    4. Traditionsbewußtsein kann nicht verordnet werden. Es bildet sich auf der Grundlage weltanschaulicher Überzeugungen und persönlicher Wertentscheidungen. Dies gilt auch für die Bundeswehr mit ihrem Leitbild vom mündigen Soldaten, dem Staatsbürger in Uniform. Die Freiheit der Entscheidung in Traditionsangelegenheiten gilt innerhalb des Rahmens von Grundgesetz und Soldatengesetz.“

    Besser konnte man es glaube ich nicht formulieren :)

    Natürlich müssen am Ende die verantwortlichen Vorgesetzten (die Chefs und Kommandeure) Entscheidungen treffen, aber gem. den Nr. 3 und 4 wächst die Tradition maßgeblich aus der Truppe heraus auf.

    „Sie widersprechen sich mehrfach selbst und zeigen dabei grandios auf, wie der Traditionserlass mancherorts ignoriert, sinnentleert oder völlig verdreht wird.“

    Aber, aber… müssen denn schon wieder solche Angriffe und Unterstellungen sein?!

    „Wenn Sie schon feststellen, dass die Wehrmacht nicht traditionswürdig ist, warum verteidigen Sie dann die Malereien von Illkirch?“

    1. Die Wehrmacht als ganzes ist nicht traditionswürdig.
    2. Einzelne Personen und/oder einzelne Handlungen und Operationen sehr wohl.
    3. Illkirch hat nur relativ wenig mit Traditionspflege zu tun (das habe ich im fraglichen Kommentarfaden auch schon mehrfach gesagt), sondern wesentlich mehr eher mit „wie mache ich mir meine Sozialräume schön und was gefällt mir“.

    @Panzerhurra | 01. Juli 2017 – 15:11
    „Meine sehr verehrten Herrne Stabsoffiziere, das ist doch alles eine sehr theoretische Diskussion hier.“

    Natürlich, was soll sie denn sonst sein?

    „Warum meine Herren genben Sie ihre Statements nicht mal da ab wo sie wichtig wären?“

    Woher wissen Sie, dass (die Aktiven unter den Kommentatoren) das nicht auch machen? Ich für meinen Teil muss Ihre Unterstellung scharf zurück weisen.

  21. BwVerb und Stuttgarter-Nachrichten:
    Vier Soldaten klagen gegen ihre Entlassung wegen Pfullendorf.
    – Wahrnehmung demokratischer Rechte -.

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