Schnelle Beschaffung neuer Korvetten: Neuer Ärger mit der Industrie

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Dass die geplante Beschaffung von fünf weiteren Korvetten für die Deutsche Marine in der deutschen Werftindustrie nicht von allen begrüßt wird, war schon lange klar: Bei dem Milliardenprojekt, mit dem die Bundeswehr fünf Schiffe des Typs bekommen soll, den sie schon hat, soll viel Zeit gespart werden – mit einem Nachbau der Kriegsschiffe durch die Lieferwerften der bisherigen fünf Korvetten, ohne Ausschreibung.

Ein Protest der deutschen Werften, die an diesem Projekt eben nicht beteiligt sein werden, war zu erwarten. Und die German Naval Yards mit Sitz in Kiel  (GNYK) hatten deshalb das (Nicht-)Vergabeverfahren auch formal gerügt, also einen Prozess eingeleitet, der bis zur Klage gegen das Vorgehen des Verteidigungsministeriums führen kann.

Jetzt aber scheint in diese ohnehin komplizierte Lage ein ganz neuer Aspekt zu kommen: Die libanesischen Eigentümer der Werft, so berichtet die Welt am Sonntag (Link aus bekannten Gründen nicht), protestieren ebenfalls gegen diese Rüstungsbeschaffung. Und zwar, das ist das Neue, unter Berufung auf ein bilaterales Investitionsschutzabkommen zwischen dem Libanon und der Bundesrepublik Deutschland:

„Die Entscheidung, die Verträge direkt zu vergeben und ohne jegliche Beteiligung von GNYK an einem solchen Prozess, ist rechtswidrig“, sagte ein Privinvest-Sprecher der „Welt am Sonntag“. Die Maßnahmen der Bundesregierung verstießen gegen den bilateralen Investitionsschutzvertrag (BIT) zwischen Libanon und Deutschland. (…)
In einem Schreiben an das Wirtschaftsministerium rügt Privinvest die Verletzung des BIT-Abkommens und behält sich eine Klage vor einem internationalen Schiedsgericht vor, falls binnen sechs Monaten keine Einigung mit der Bundesregierung erzielt werden sollte – „eine Option, die wir sehr ernst nehmen werden, wenn die Regierung die BIT-Verletzung nicht beheben sollte“, heißt es von Seiten des Unternehmens.

Eine solches Verfahren vor einem internationalen Schiedsgericht, parallel dazu eine mögliche Klage vor der Vergabekammer des Bundes und dann dem Oberlandesgericht Düsseldorf: Das wäre genau das, was den Plan des Verteidigungsministeriums torpedieren würde, die neuen Korvetten so schnell wie möglich zu beschaffen. Denn ein Vertragsabschluss mit der Lürssen-Werft, die zusammen mit der inzwischen gehörenden Werft Blohm+Voss in Hamburg die Kriegsschiffe bauen sollte, wäre damit ziemlich sicher vor der Wahl nicht mehr möglich.

Wie sehr die Feinheiten des Vergabeverfahrens in die Prozesse der Rüstungsbeschaffung eingreifen, zeigt sich an einem anderen Großprojekt: Bei den bewaffnungsfähigen Drohnen mittlerer Größe hatte sich die Bundeswehr für ein System aus Israel entschieden – aber der unterlegene US-Konkurrent klagte. Der nächste Gerichtstermin ist Ende Mai; bislang ist noch offen, ob eine Entscheidung so rechtzeitig fällt, das noch vor der Bundestagswahl ein Vertrag abgeschlossen werden kann.

Nun war im Fall der Korvetten ohnehin der Protest von GNYK absehbar; aber mit ihrer Bekanntmachung, die Beschaffung ohne Ausschreibung zu vergeben, hat das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) offensichtlich über die eigentliche Vergabe hinaus einen weiteren wunden Punkt getroffen.

Beim Blick in die öffentliche Bekanntmachung dazu fällt was auf:

Die kurzfristig erforderliche Bedarfsdeckung ist unter Zugrundelegung des vorgegebenen Zeitrahmens bei gleichzeitiger Beachtung der Grundsätze von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, gerade auch im Betrieb nur dann zielführend möglich, wenn sie mit weitestgehend baugleichen Korvetten der bereits vorhandenen K 130 erfolgt und kein neues System eingeführt wird. Die Einhaltung des Lieferdatums ist aufgrund der o. a Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland ein essentieller Bestandteil der Leistung selbst. Ein schneller Projektablauf und die umfassende Versorgungs- und Einsatzreife sind nur zu realisieren, wenn durch eine grundsätzlich baugleiche, aber obsoleszenzbereinigte Nachbeschaffung und gleichzeitige Obsoleszenzbeseitigung bei den vorhandenen Korvetten (Harmonisierung des Bauzustands), der personelle, materielle und auch zeitliche Aufwand für Ausbildung und technisch-logistische Unterstützung entsprechend niedrig gehalten wird. Ein gänzlich neuer Systemansatz scheidet daher aus. Die Beschaffung ist aus vorgenannten Gründen zwingend in enger Anknüpfung an das vorhandene System Korvette K 130 durchzuführen. Den Nachbau des Systems Korvette K 130 einem anderen als dem bisherigen Auftragnehmer zu übertragen ist, bei der ohnehin nur theoretisch vorhandenen Möglichkeit eines know-how-Transfers, aufgrund der technischen Komplexität des Gesamtsystems im gegebenen Zeitrahmen nicht denkbar. Die Vergabe des Nachbaus im Wege des Verhandlungsverfahrens ohne Teilnahmewettbewerb beruht somit auf auftraggeberseitigen, nachvollziehbaren und objektiv auftragsbezogenen Gründen.

(Hervorhebung von mir, T.W.]

Das wird offensichtlich von der Industrie so interpretiert, dass Lürssen und Co. nicht nur den Auftrag zum Bau der fünf neuen Korvetten bekommen – sondern auch das Monopol für Modernisierung und möglicherweise auch Instandhaltung der fünf bereits vorhandenen Kriegsschiffe dieses Typs. Ein Grund mehr, dagegen vorzugehen.

Was das ganze für die Beschaffung nun wirklich bedeutet? Fragen wir mal nächste Woche; am Sonntag wird es kaum brauchbare Antworten dazu geben.

(Archivbild Juli 2015: Verteidigungsministerin von der Leyen beim Besuch des Korvettengeschwaders in Rostock-Warnemünde)

35 Kommentare zu „Schnelle Beschaffung neuer Korvetten: Neuer Ärger mit der Industrie“

  • Memoria   |   09. April 2017 - 11:43

    Agenda Rüstung meets politics…

    Es gibt eben eine Welt fernab von IPP, CPM (nov.), Agenda Rüstung und all der neuen Boards, Prozesse, Risikomanagement, Vergabehandbücher und anderer McKinsey-Ideen.

    Damit wird hoffentlich im aufkommenden Wahlkampf einer breiteren Öffentlichkeit deutlich was für ein Spiel hier gespielt wird.

  • politisch inkorrekt   |   09. April 2017 - 12:07

    Das kommt davon wenn Rüstungsbeschaffung der reinen Industriesubvention und Klientelbeglückung dient.

    Landesverteidigung war gestern.

    So einen Vorgang sollte man sich einmal in Ländern wie Israel vorstellen.

    pi

  • Obibiber   |   09. April 2017 - 12:11

    LOL
    Das bedeutet…wenn in Zukunft Luxemburg in Deutschland einmarschieren will…dann muss man im Vorfeld einfach gegen alle beschaffungsentscheidungen klagen und diese blockieren…dann stehen die Streitkräfte mit ein paar zahnstochern zur Verteidigung da ;-)

  • closius   |   09. April 2017 - 13:24

    Das Rüstungswesen liegt im Argen in Deutschland. Kluger weise hätte man auch die neuen Fregatten MKS 180 in dieser Legislaturperiode entschieden und alle Werften damit versorgt. Denn in der Vergangenheit war es sol, daß alle Werften auch den Aufträgen für Fregatten beteiligt wurde, ergo hat niemand geklagt.

    VDL sollte also schleunigst Komensation in Aussicht stellen oder schnell die Gesetz ändern, daß es bei Sofortbedarf oder dringendem Bedarf der BW keine Klagemöglichkeit mehr gegeben ist, jedenfalls nicht mehr auf Verhinderung oder Beschaffungsstopp, sondern höchstens noch auf Schadensersatz geklagt werden kann.

    j

  • kvogeler   |   09. April 2017 - 13:26

    Es ist wie bei den Banken. Systemrelevante, alternativlose Größe muss zu 51% vom Staat kontrolliert werden. Wer das nicht will, lässt sich von diesen Institutionen am Nasenring durch die Manege führen.
    Und Vorschriften, die Waffen zur freien Ausschreibung mit der Möglichkeit, dass Länder, denen wir diese Waffen nicht auch verkaufen würden, den Zuschlag bekommen, gehören abgeschafft.

  • Carsten   |   09. April 2017 - 14:09

    @closius: Entsprechende Möglichkeiten gibt es zwar, aber man müsste das auch Begründen können. Und zwar real, nicht mit „demnächst ist Wahl“.

    Alles in allem eine gute Entwicklung. Schließlich hat ja GNYK schon angekündigt, sie „kann die Korvetten zu einem besseren Preis, höherer Qualität und in kürzerer Fertigungszeit liefern.“ (welt.de, „Libanesen setzen von der Leyen ein Ultimatum“).

    Stellt sich nur die Frage, wie oft das BMVg noch gegen die Wand rennen will, bis man mal endlich einen Wettbewerb zulässt. Das hätte hier auch nicht zu solch einem Aufwand geführt, wie beim MKS 180, das in einer ganz andern Liga spielt (Neuentwicklung).

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 14:30

    Libanesischer Eigentümer….so, so……
    Also, nun muß ich mal wieder Klartext schreiben. Die Kieler haben sich in ihrer Exportgeilheit und -gier auf einige „Deals“ eingelassen, die eben eine Beteiligung an Marinebeschaffungen etwas „schwierig“ macht.
    Wissen sollte man, dass TKMS die „Design-Kompetenz“ im Über- und Unterwasserbereich (auf Drängen und mit Unterstützung der deutschen Regierungen) nie versilbert hat, sie haben nur den Plattform-Fertigungsbereich zu Silber gemacht.
    Wissen sollte man auch, dass die K-130 nicht nach CPM gebaut wurde, sondern nach dem alten Verfahren und dass in der K-130 erhebliches „ämterseitiges Know-How“ steckt in Form von Beistellungen und Zuarbeit bei der Entwicklung insbesondere des Einsatzsystems. Wissen sollte man auch, dass es keinen anderen Schiffstyp gibt, bei dem Einsatz-und Plattformsystem so „verwoben“ sind wie bei K-130. Dieser rückkopplungs-axiomatische, evolutionäre „Weiterentwicklungsbau“(Obsoleszenzbeseitigung bei den vorhandenen Korvetten) der K-130 ist also eine in mehrfacher Hinsicht vernünftige Sache, und da sollten die Kieler mal den Ball flach halten, die haben sich selber auf die Export-Schiene begeben. Abgesehen davon, dass die Auftragsbücher der Kieler mit UBoot (auch Export), Fregatten für Algerien, Korvetten für Israel eigentlich ganz gut gefüllt sind. Apropos Korvetten für Israel. Verzockt, liebe Kieler ? Bekommt ihr die Integration der israelischen Systeme in eine K-130 Plattform nicht hin, weil ihr nur MEKO könnt, aber eben nicht kompakt-hochintegrativ ? Na ja, 700 Millionen Schekel Kompensationskäufe müssen erst einmal erwirtschaftet werden, gelle ?

  • Voodoo   |   09. April 2017 - 14:47

    Wie dem auch sei, sieht es nun nach langwieriger Schlammschlacht und eben nicht nach zügiger Nachbeschaffung aus. Erinnert mich an KMW vs. Rheinmetall beim KPz – und mal wieder ist die Truppe am Ende die Dumme, weil dringend benötigtes Gerät erst 2024+ auf dem Hof / an der Pier liegen wird…

    Man sollte den „Bossen“ ein herzliches „F*** you! :-)“-Fax schicken.

  • Memoria   |   09. April 2017 - 15:05

    @klabautermann:
    GNY pokern auch aus meiner Sicht schon längere Zeit sehr hoch.
    Schon mehrfach meldete sich die GNY-Chefin via WELT zu Wort und stellte Forderungen zu MKS 180 und K130. Nun auch noch der Eigner mit einer rechtlich exotischen Zusatzvariante.

    Anstatt sich medial ruhig zu verhalten und hinter der Kulissen einen sinnvollen workshare zu erwirken. Die Konsortien werden sich eh in beiden Projekten in der Praxis helfen müssen (Expertise und Kapazität).

    Oder sind Bemühungen einer gütlichen Einigung (ARGE oder workshare) gescheitert?

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 15:30

    @Voodoo

    Am 7. Mai sind Landtagswahlen in SLH…..Öff-Öff. Da muß man „libanesische Eigentümer “ bei Laune halten, denn „Arbeitsplätze“ müssen ja auch unternehmerisch finanziert werden. Dumm bloß, wenn man sich als Werft in den Spagat zwischen einen libanesischen Unternehmer und einen israelischen Kunden begibt, der seine Systeme gem. Küstenklatschfunk nicht in Deutschland, sondern in Israel in die Plattform integrieren will………na ja, bis zum 7. Mai sind es nicht mehr 6 Monate, danach schau’n mehr mal, was von diesem „Ultimatum“ der Privinvest übrig bleibt. Bei B&V hat Luerssen die Briten rausgekauft, wenn also GYNK keinen deutschen Ersatz für Libanese Safa findet, dann sind sie eben raus. Affentheater.

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 15:44

    @Memoria

    Susanne Wiegand hat mit dem Investor Libanese Safa und dem Systempartner BAE gleich auf 2 falsche Pferde gesetzt. Da kann sie so hoch pokern wie Sie will bei Welt.de, aber da wird nix laufen bei K-130 und auch nicht bei MKS. Die Kernkompetenz im deutschen Kriegsschiffbau bleibt in Deutschland, bzw. in (Kontinental)Europa.

  • ONA   |   09. April 2017 - 15:46

    @klabautermann

    So ganz leuchtet mir Ihre Argumentation nicht ein. Die ARGE K130 soll Auftragnehmer des 2. Loses sein. Zu der gehört TKMS m.W. weiter dazu, auch wenn Emden, die vormalige TKMS K130-Werft, heute weitgehend dicht ist.
    GNY steht (hier) für das an ADM/Privinvest verkaufte HDW-Gaarden, also eine Werft, die bisher Kriegsschiffe immer im Unterauftrag von TKMS baut hat (Algerien/Israel), weil TKMS im Gegensatz zum Design für den Bau von Überwasserschiffen keine größere Kapazität dafür mehr vorhält.
    Den Protest von GNY habe ich bislang so verstanden, dass man in Konkurrenz zur ARGE als Hauptauftragnehmer bieten dürfen wollte und dann modifiziert auf die ISR-Korvetten ausetzen wollte.
    TKMS würde es meiner Logik nach jetzt obliegen, zu entscheiden, ob der frühere TKMS-Arbeitsanteil Emden am Bau K130 dort noch abgewickelt werden kann (kaum), zu Lürssen/B&V oder als TKMS-Unterauftrag an GNY gegeh soll.
    Das wäre für GNY natürlich weniger Auftrag als eine gewonnene neue Ausschreibung bedeuten, für die modifizierten ISR-Korvetten als hauptauftragnehmer, aber immer noch ein Arbeitsanteil, der in etwa dem alten TKMS-Anteil in der ARGE entsprechen könnte (minus dem Anteil des Hamburger Designbüros, das noch zu TKMS gehört).

    Für die Schekelkompensationsgeschäfte ist m.W. der Bund zuständig, nicht die Werften.

  • Memoria   |   09. April 2017 - 15:49

    @klabautermann:
    Die Landtagswahl halte ich als Beweggrund für sehr weit hergeholt. Vielmehr ist es die anstehende Beauftragung der K130 mit der parlamentarischen Sommerpause in Berlin.

  • Memoria   |   09. April 2017 - 15:55

    @klabautermann 15:44:
    „Die Kernkompetenz im deutschen Kriegsschiffbau bleibt in Deutschland, bzw. in (Kontinental)Europa.“

    Das mag ihre Erwartung sein, dass Vergabeverfahren MKS 180 ist anders angelegt. In den letzten Jahren hat schon so manch anderer lernen müssen, dass die altbekannten Lehrsätze nicht mehr gelten (Geiz ist geil…).

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 16:13

    @Memoria

    Zum Pokern gehört natürlich auch der „Bluff“, um den Gegner zu verunsichern und zum hinschmeissen zu drängen. Allein dieses 6 Monate-„Ultimatum“ deutet imho darauf hin, dass Susanne Wiegand ganz genau weiß, dass sie keine besonders guten Karten in der Hand hat. Die Karten werden aber erst nach den BT-Wahlen neu gemischt. Also einfach nicht bluffen lassen, sondern zwischen dem 7. Mai und der BT-Sommerpause Nägel mit Vergabe-Köpfen machen, Die GroKo in Berlin sollte vor der SLH/Kieler SPD einfach nicht einknicken.

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 16:20

    @Memoria

    MKS hat ja in jeder Hinsicht eine andere Dimension als K-130. Wenn das BMVg selbst bei dieser – im Vergleich zu MKS – Peanut-Beschaffung K-130 2.Los auch die Verfahrenshoheit lokal-politisch oder auslandsinvestorenschutzjuristisch aus der Hand nehmen läßt, dann können wir den Laden gleich dicht machen.

  • Memoria   |   09. April 2017 - 16:37

    @klabautermann:
    „Wenn das BMVg selbst bei dieser – im Vergleich zu MKS – Peanut-Beschaffung K-130 2.Los auch die Verfahrenshoheit lokal-politisch oder auslandsinvestorenschutzjuristisch aus der Hand nehmen läßt, dann können wir den Laden gleich dicht machen.“

    Eben das ist ja der Auslöser für die nun anstehenden Streitigkeiten. Die Verfahrenshoheit bei der Nachbeschaffung K130 hat sich das BMVg schon zu Beginn aus der Hand nehmen lassen. Beweggründe hierfür sind lokalpolitisch.
    Um diese Anforderungen zu erfüllen musste man vergaberechtlich seltsame Wege gehen, die nun in auslandsinvestorenschutzjuristische Probleme führen.

    Am Beginn Stand eben nicht die NATO-Forderung, sondern die Küstengang:
    http://augengeradeaus.net/2016/11/noch-fuenf-korvetten/comment-page-1/#comment-251786

    Nun steht die Quadratur des Kreises an.

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 17:03

    @Memoria

    Sie verschwurbeln hier politische Initiative mit Verfahrenshoheit. Die Groko hat eine – aus mehrerlei Gründen – zeitkritische Beschaffungsentscheidung parlamentarisch durchgeboxt und nun ist es Aufgabe des BMVg diese Entscheidung konzeptionell und verfahrenstechnisch asap umzusetzen. Punkt. Und wenn die „Küstengang“ politisch cleverer ist als auslandsinvestorengesteuerte Segelyachtbaumanager dann ist das halt so. Da bekommt das Image von Frau Wiegand einen kleinen Kratzer und sie tut so als ob sie am Verbluten ist.

  • Memoria   |   09. April 2017 - 17:16

    @klabautermann:
    Wenn die Küstengang lokalpolitische Belange durchsetzt, dann muss oder kann man den Laden also nicht dicht machen?

    Die Initiative und die Verfahrenshoheit haben eben viel miteinander zu tun. Der Zeitplan war nur ohne Ausschreibung mit sehr viel kreativer Anwendung der Verfahren möglich.

    Die Wünsche von Kahrs und Rehberg wurden in der GroKo durchgeboxt und nicht andersherum.

    Was Frau Wiegand oder sonstwer der Zeitung erzählt ist dabei nicht das Problem.

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 17:27

    @Memoria

    Ach, Frau Wiegand agiert nicht „lokalpolitisch“ ? Und das ohne jedes politische Mandat ?
    Also nun wollen wir mal die Wettbewerbs-Kirche im Dorf lassen, denn sonst kommt demnächst eine Bodenseewerft aus Konstanz-Wallhausen auch auf die Idee, dass sie „am Wettbewerb“ um militärische Beschaffungen des Bundes doch eigentlich auch beteiligt werden müsste./SCNR

  • Memoria   |   09. April 2017 - 17:37

    @klabautermann:
    Natürlich ist auch dieses Verhalten lokalpolitisch.
    Mir geht es darum aufzuzeigen, dass das BMVg sich erneut durch sachfremde Erwägungen des Haushaltsausschusses zu veränderten Prioritäten entschieden hat. Danach hat man diese lokale Wirtschaftspolitik wieder mit sachlichen Argumenten untermauert.

    Im weiteren Verfahren stolpert man nun über die absehbaren Fallstricke.

    Sie finden das unterm Strich positiv, da es der Marine hilft.
    Ich sehe es kritisch, da erneut Kahrs und Co erheblich in die Planung eingreifen – ohne substanzielle Debatte im Parlament oder der Öffentlichkeit.

    Wer dann nun die grauen Kisten zusammenbaut ist dann zweitrangig.

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 17:40

    @Memoria

    Kleine Nachfrage: was ist denn bitte aus ihrer Sicht „das Problem“ ? Zum einen sind sie immer in der ersten Reihe wenn es darum geht endlich militärische Beschaffungen rasch und zügig auf die Schiene zu setzen und wenn BT/BMVg dann genau das macht, dann meckern sie rum und kritisieren „lokalpolitische Einflußnahme“ auf den BT und „kreative“ Verfahrenshabung“ durch das BMVg. Ich glaube, „das Problem“ liegt daran, das sie offenbar nicht seefest sind ;-)

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 17:51

    „….ohne substanzielle Debatte im Parlament oder der Öffentlichkeit“

    Ja, wir schicken demnächst alle 25 Mio-Vorlagen an das Plenum des deutschen Bundestages, stellen sie zur öffentlichen Debatte – besser zur Volksabstimmung – auf BT.de ins Netz und schicken die zuständigen Ausschüsse in Urlaub ? So funktioniert repräsentative Demokratie in Deutschland afaik nicht. Versuchen sie es einmal in der Schweiz/SCNR

  • Memoria   |   09. April 2017 - 17:53

    @klabautermann:
    Nicht seefest. Soso.
    Das Problem sehe ich in Leuten wie dem Abg. Kahrs, die ihre Partikukarinteressen durchboxen können.
    Gesamtplanerisch hat das Thema eben erhebliche negative Auswirkungen, die vom BMVg ja sogar komplett bestritten werden.

    Man kann alles tun, man sollte halt die Konsequenzen kennen (weniger HHM für…?).

    So nun verständlicher?

  • Koffer   |   09. April 2017 - 18:05

    @Memoria | 09. April 2017 – 17:53
    „Gesamtplanerisch hat das Thema eben erhebliche negative Auswirkungen, die vom BMVg ja sogar komplett bestritten werden.

    Man kann alles tun, man sollte halt die Konsequenzen kennen (weniger HHM für…?).“

    Ich für meinen Teil stimme Ihnen zu ;)

    Durch den Verdrängungseffekt angesichts des derzeit beschränkten Budgets und der eingeschränkten Ressource Planung&Vergabe dürfte das 2. Los Korvetten in der Tat Auswirkungen weit auf den gesamten EP 14 haben :(

    Nicht das solche Abwägungsentscheidungen nicht notwendig wären (Ressourcen sind immer endlich), aber es ist halt ärgerlich, dass fachfremde Finanzpolitiker und nicht zuständige Offiziere und Beamte oder zumindest Sicherheits-&Verteidigungspolitiker diese Entscheidungen getroffen haben (und auch in anderen Fällen viel zu häufig treffen)…

  • klabautermann   |   09. April 2017 - 18:06

    @Memoria

    Im Rahmen ihres „freien Mandates“ können Abgeordnete ihre politischen Interessen durchboxen wie es Ihnen gefällt – auch „sachfremd“, wobei ich mich frage, was Sie darunter verstehen. Und wenn sie ihre Interessen mehrheitsfähig durchboxen können, dann ist das eben so. So funktioniert Politik in Deutschland. Wir sind hier nicht im real existierenden Sozialismus, wo Abgeordnete parlamentarisch nur das durchwinken, was der 5-Jahresplan der Einheitsparteiregierung hergibt.
    Und damit verabschiede ich mich …..für heute ;-)

  • Memoria   |   09. April 2017 - 18:13

    @klabautermann:
    Immer wieder interessant was sie in einer Diskussion dem Gegenüber unterstellen. Eigenwilliger Diskussionsstil, der Widerspruch dadurch begegnet den anderen herabzusetzen oder logische Nachfragen mit SCNR-Anmerkungen abzufangen.

    Ich bin dann mal weg.

  • ME   |   09. April 2017 - 19:08

    Vielleicht nochmal eine kurze Orientierung in der Werftenlandschaft:
    – tkMS hat Kiel als Standort für U-Boote, Design und Fertigung
    – tkMS hat Hamburg und Emden als Standorte für Überwasser, nur Design
    – Lürssen hat Bremen, Hamburg (ehem. B&V), Wolgast (u.a.), Design/Fertigung
    – GNYK war zuletzt für tkMS Fertigungswerft; „die bessere K130“ als eigenes Design sollte zumindest hinterfragt werden

  • Ottone   |   09. April 2017 - 19:08

    „Nicht seelenfest“ war nicht nett.

  • nur 2 Cent   |   09. April 2017 - 20:10

    Alle paar Jahre wird eine Kommission eingerichtet, um zu erarbeiten, warum die Rü nicht läuft.

    Alle paar Jahre ist das Ergebnis, dass politische Einmischung in die gegebenen Prozesse sowie zuviele Schnittstellen (=extrem schwieriges Stakeholder-Management) das Problem sind.

    Alle paar Jahre demonstriert die Politik eben diese Probleme neu.

    Mehr als Kopfschütteln sollte man für das Theater nicht mehr übrig haben.

    Dabei wäre ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb in weniger als einem Jahr durch – wenn denn das Lastenheft fertig wäre.

    Und nein, das Lastenheft der K 130 ist nicht fertig, denn die Obsoleszenzen und alle zwischenzeitlich eingerüsteten PÄ müssen ja berücksichtigt werden, damit das 2. Los überhaupt zur Teilnahme am Seeverkehr zugelassen wird (eben die oben hervorgehobene Bauzustandsangleichung). Wieweit die geänderte Leistungsbeschreibung dann noch ein Nachbau ist, können Juristen entscheiden.

  • Aspelund   |   09. April 2017 - 20:21

    Firma Lürssen hat im September 2016 den Rest von B&V in Hamburg übernommen. Trotz des „freien Mandats“ ist MdB Kahrs doch nicht so frei und muss für Herrn Lürssen die Arbeitsplätze in Hamburg sichern. Entlassungen im eigenen Wahlkreis vor der BT-Wahl sind halt doof. Und MdB Rehberg aus M-V freut sich einfach nur über ein paar zusätzliche Steuerzahler in Warnemünde.

    Wichtig: Wie bereits durch ME ausgeführt: Es gibt nicht“ die Kieler“. TKMS und GNYK gehören ganz und gar nicht zusammen, obwohl sie auf dem gleichen Gelände sind und in Teilen zusammenarbeiten.

    Schlau wäre es wir oben bereits geschrieben, wenn GNYK hier den Kulissen erpressen und mitverdienen würde; besste Voraussetzungen: Auslastung, aber das Risiko haben die anderen. So gibt’s mit Pech gar keine Schiffchen.

  • beobachter   |   09. April 2017 - 21:44

    @ T W
    danke fuer erstklassige journalistische recherche !

  • Fgraf   |   09. April 2017 - 22:44

    Laut Artikel der Zeitung „Der Aktioner“ könnte es auch ein Manöver seitens Safa sein um Thyssen bei der Umstrukturierung die Entscheidung für einen Verkauf von der Marine-Sparte zu erleichtern.

  • Voodoo   |   10. April 2017 - 10:01

    Wobei „Der Aktionär“ in diesem Bereich auch eher die BILD ist – die hauen gerne mal einen raus…

  • Quino   |   10. April 2017 - 10:04

    closius | 09. April 2017 – 13:24

    Da sind Ihre Erwartungen an vdL aber ziemlich hoch.