Sarin-Angriff in Syrien: Frankreich beschuldigt syrische Regierung

Das zunächst mal nur als Merkposten; die Folgen könnten noch interessant werden: Für den Einsatz chemischer Kampfstoffe in Khan Sheikhoun in Syrien am 4. April, bei dem das Nervengift Sarin eingesetzt worden sein soll, hält Frankreich nach Auswertung eigener Quellen die syrische Regierung für verantwortlich:

Based on this overall evaluation and on reliable and consistent intelligence collected by our Services, France assesses that the Syrian armed forces and security services perpetrated a chemical attack using sarin against civilians in Khan Sheikhoun on 4 April 2017.

heißt es als Schlußfolgerung in einem Bericht der französischen Regierung, den das Außenministerium in Paris am (heutigen) Mittwoch (auch auf Englisch) veröffentlichte.

Das ist deshalb bedeutsam, weil es bislang entsprechende Aussagen aus den USA und der Türkei gab, sonst aber keine Regierung unter Berufung auf eigene Erkenntnisse zu einer solchen Aussage kam (die Bundesregierung hat nach meiner Erinnerung wiederholt betont, dass sie keine eigenen Erkenntnisse habe).

Von russischer Seite wird die französische Aussage allerdings nicht akzeptiert, wie TASS berichtet:

French Foreign Minister Jean-Marc Ayrault’s statement about Syrian army using sarin gas is unable to change Russia’s position as Moscow stands for an international investigation into this incident, Kremlin Spokesman Dmitry Peskov told reporters on Wednesday. (…)The Kremlin and President (Vladimir) Putin still believe that conducting an impartial international investigation is the only way to find out the truth,“ the Russian presidential spokesman added. „We still do not understand and express regret as the OPCW (the Organization for the Prohibition of Chemical Weapons) refrains from carrying out such an investigation,“ Peskov added.
Als Reaktion auf den Kampfstoff-Einsatz hatten die USA eine syrische Luftwaffenbasis angegriffen.

 

35 Kommentare zu „Sarin-Angriff in Syrien: Frankreich beschuldigt syrische Regierung“

  • Pete   |   26. April 2017 - 14:37

    Na dann werden die Franzosen ja sicherlich ihre konkreten Beweise einer unabhängigen Untersuchungskommission zur Verfügung. Denn wir wollen ja sicherlich alle dass die wirklichen Attentäter zur Rechenschaft gezogen werden. Auch um weitere Giftgas Anschläge im Interesse der syrischen Bevölkerung zu verhindern gibt es keinen anderen Weg als den unabhängigen internationalen Untersuchung unter Leitung der UNO.

  • Walter Eucken   |   26. April 2017 - 15:14

    Geheime Probe aus geheimer Quelle – das ist nur noch peinlich.

    Nicht mal im Ansatz ist hier ein Bestreben erkennbar, elementare kriminalistische Standards einzuhalten – Untersuchung des Tatorts, Befragen von Zeugen, ordentliche Dokumentation der Ermittlungshandlungen.

    Falls das Regime die Schuld für des Chemiewaffeneinsatz trägt, wäre die Sicherheit einer Bodenmission durchaus gegeben, denn gerade die Rebellen vor Ort hätten ja das größte Interesse an einer kriminalistisch einwandfreien Untersuchung des Tatorts.

    Davon ist aber nichts erkennbar – und das spricht Bände.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   26. April 2017 - 16:00

    Im Zusammenhang mit FRA Ergebnissen Hinweis auf Michael Lüders Recherche, u.a. bei „Lanz“ letzte Woche verbreitet: Demnach hat TUR Armee al-Nusra mit Sarin beliefert und in der Anwendung ausgebildet.

  • beobachter   |   26. April 2017 - 16:37

    >danke – wie immer – f gute jorno arbeit !
    >wenn der bericht stimmt , dann haette ich an die franzosen noch eine frage:
    POURQUOI ?
    WARUM toetet assad sein eigenes -ziviles- volk ? ich moechte verstehen, was bringt ihm oder seinem militaer das?
    semper gratus

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   26. April 2017 - 16:59

    @Beobachter
    Assad schaffte sich Sunniten vom Hals. Seine schiitisch-iranischen Helfershelfer danken es ihm und seinen (schiitischen) Alawiten.
    Macht und Macht und Macht: RUS/IRAN/ASSAD im Mantel der schiitischen Konfession verkleidet.
    Daesh, Kurden, alles Sunniten.

  • Robert   |   26. April 2017 - 17:08

    @Klaus-Peter Kaikowsky:

    Doof nur, dass sein Kronzeuge, Can Dündar, ihm sogleich kräftig widersprochen hat.

    @beobachter: o.O

    Das Assadregime wirft seid Jahren Fassbomben ab bei denen man froh sein darf den richtigen Stadtteil zu treffen. Dazu intensiven Artillerieeinsatz in Städten ect.
    Natürlich tötet er auch ’sein‘ eigenes ziviles Volk.

    Davon ab:
    – der Ort des Einsatzes, Khan Sheikhoun, war eine strategisch wichtige Stelle auf der M5 zwischen Idlib und Homs
    – es könnte auch ein politischer Test von Trump gewesen sein um zu testen wie er reagiert.
    – Auch Zivile Unterstützer seiner Gegner zu töten bringt Assad etwas. Oder eben harte Angriffe im zivilen Raum auf Aufständische. Er hat dort keine großen Skrupel gegenüber Kollateralschäden.

    @Pete: wenn die UNO aber, v.a. wegen Russland, nur ein Mandat dafür bekommt OB Sarin eingesetzt wurde aber nicht VON WEM, dann bringt eine solche ‚unabhängige‘ Untersuchung eben nicht viel.

    Ich weiß ja dass das Publikum hier zumeist konservativ, russophil und Systemkritisch ist, aber so langsam ist es nicht mehr schön die Komentarspalten mitzulesen :/

  • Pete   |   26. April 2017 - 17:32

    @Robert

    Sie machen es such ein wenig zu einfach. Selbstverständlich nutzen alle Vetomaechte des UN Sicherheitsrats auch für die Durchsetzung eigener Interessen. Das gilt für die USA genau so wie für Russland.

    Im konkreten Fall habe ich lediglich geschrieben, dass Frankreich ja dann sicher seine Beweise transparent macht. Warten wir mal ab. Bislang gibt es eben KEINE Beweise dass das Regime Assad den Giftgasangriff durchgeführt hat. Ich wünsche mir nur dass Frankreich seine Beweise vorlegt. Warum eigentlich nicht?

  • student   |   26. April 2017 - 17:55

    @Robert

    Die Frage nach dem Warum lässt sich nicht ohne Weiteres mit „er ist ein grausamer Mensch“ abbügeln.

    Von strategischer Bedeutung her ist ein Chemiewaffen Einsatz aufgrund der internationalen Ächtung und den entsprechenden Statements, gerade von amerikanischer Seite zu dem Thema, für die Ziele nicht wirklich hilfreich: bessere Chancen ohne weitere internationale Eskalation, gegen die Rebellen/daesh zu gewinnen und eine angestrebte Stabilisierung nach dem Sieg.
    Selbst wenn man als Nebenziel das Töten möglichst vieler Sunniten unterstellte (was mE äußerst fragwürdig ist, da es Assad in der Vergangenheit mit der religiösen Diskriminierung eigentlich nicht so sehr hatte, sondern vielmehr der Machterhalt per se als Motivation unterstellt werden kann) ist bei einem Chemiewaffen Einsatz Kosten-Nutzen mäßig sehr sauber abzuwägen.

    Der taktische Einsatz von Chemiewaffen vor diesem strategischen Hintergrund ist demnach fast überhaupt nicht zu rechtfertigen. Gerade weil das internationale Echo unklar ist, ist das mE ziemlich hart gezockt wenn man das ignoriert, kosten nutzenmäßig ist hier in Khan Sheikhoun das aber auch nicht nötig. Ein konventioneller Sprengkörper hätte auch funktioniert. Wenn jetzt zB flächenweise gasbombardements zum „ausräuchern“ ganzer Wohnviertel genutzt worden wären, dann hätte man noch über die Wirksamkeit des Mittels diskutieren können. Aber hier in Khan Sheikhoun war der erzielbare Nutzen, insbesondere auch aufgrund der potenziellen Unbeherrschbarkeit von Gaswaffen, durch einen so klein skalierten Angriff einfach äußerst gering.

    Auf der anderen Seite stehen Interessengruppen, die an einer Schwächung Assads durch internationale Eskalation ausgeprägtes Interesse haben, die aber nicht so eindeutig mit einem identifizierbaren Label wie der „Regimeführer Assad“ ausgestattet sind, was ein blaming nach entsprechenden Geschehnissen medial abschätzbar machen könnte.

    Steckt man nicht drin. Eindeutig ist hier aber zumindest nicht alles.

  • Walter Eucken   |   26. April 2017 - 21:28

    @ Robert

    „Doof nur, dass sein Kronzeuge, Can Dündar, ihm sogleich kräftig widersprochen hat.“

    Das kann man so nicht stehen lassen:

    Das „kräftig widersprochen“ bezieht sich auf ein unwesentliches Detail, und keineswegs auf die Berichte an sich, dass Türkei und Al-Nusra was mit dem Sarin-Anschlag 2013 zu tun haben könnten.

    Ja, Can Dündar war nicht der Autor dieser Berichte, anders als von Lüders behauptet. Richtig ist aber auch, dass Can Dündar zu der Zeit der Chefredakteur der Zeitung war, in der diese Berichte erschienen.

    In einer Life-Talkshow hatte Lüders das verwechselt, und wurde dafür in mehreren Medien als Lügner dargestellt. Schaurig.

    Das alles kann man sehr schön bei Stefan Niggemeier auf Übermedien nachlesen: http://uebermedien.de/14739/ist-michael-lueders-als-fake-news-verbreiter-ueberfuehrt/

  • Eric Hagen   |   26. April 2017 - 23:08

    Ich kann bestaetigen, dass Cumhurriyet unter Cundar 2013 nicht ueber TUR „Amtshilfe“ zu C-Waffen fuer JaN berichtet hatte, sondern um Art-/ArtMun und Handwaffen.
    Lueders ist trotz besseren Wissens nicht davon abzubringen, dennoch diese falsche Behauptung zu wiederholen. – –
    Wer in Khan Sheikun keine eigenen Ermittler innerhalb der ersten 1-6 h vor Ort hatte, wird nie herausfinden, was dort wirklich geschehen sein mag.
    Erstens kommt in SYR ( aber auch in der TUR- bin Augenzeuge) Forensik von Floristik und zweitens werden alle Spuren gewollt oder nicht, innerhalb kuerzester Zeit aufgeraeumt und durch die buchstaebliche Muellabfuhr entsorgt.

    Wie FRA jetzt zu dieser Zuordnung kommt?- Bestimmt nicht aufgrund eigener Erkenntnisse.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   26. April 2017 - 23:20

    Und hier Lüders‘ offizielle Stellungnahme.
    http://www.chbeck.de/_assets/pdf/Stellungnahme_Lueders.pdf

    Oft vergessen, aber Chemie gehört mit zu https://en.wikipedia.org/wiki/Weapon_of_mass_destruction
    in Syrien, im Irak (auch bei Saddam, siehe: CHEMICAL ALI – Ali Hasan al-Madschid at-Tikriti war ein irakischer Politiker und General. Der Vetter von Saddam Hussein bekam aufgrund der von ihm befohlenen Giftgas-Einsätze von den westlichen Medien den Namen Chemical-Ali), überall.

  • Pete   |   27. April 2017 - 1:38

    @Eric Hagen
    „Wer in Khan Sheikun keine eigenen Ermittler innerhalb der ersten 1-6 h vor Ort hatte, wird nie herausfinden, was dort wirklich geschehen sein mag.“

    „Wie FRA jetzt zu dieser Zuordnung kommt?- Bestimmt nicht aufgrund eigener Erkenntnisse“.

    Danke für die obige Klarstellung. Damit stellt sich die Frage was FRA mit einer solchen Festlegung in der gegenwärtigen Lage bezweckt?
    MfG

  • Walter Eucken   |   27. April 2017 - 8:10

    @Robert

    „Ich kann bestaetigen, dass Cumhurriyet unter Cundar 2013 nicht ueber TUR „Amtshilfe“ zu C-Waffen fuer JaN berichtet hatte“

    Zitat Can Dündar über die Verstrickungen der Türkei und Al-Nusra in den Vorfall 2013:

    „[…] meine Zeitung hat einige entsprechende Behauptungen veröffentlicht, während ich Chefredakteur war.“ (http://uebermedien.de/14739/ist-michael-lueders-als-fake-news-verbreiter-ueberfuehrt/)

    Daher die ernstgemeinte Frage:

    Aufgrund welcher Informationen können Sie die Abwesenheit entsprechender Berichte bestätigen, wenn selbst der Chefredakteur da anderer Meinung ist?

  • Pete   |   27. April 2017 - 9:09

    @Walter Eucken

    Vielen Dank für die inhaltliche Klarstellung mit dem dazugehörigen Link. Ich hatte auch bereits die Glaubwürdigkeit von Lüders in Frage gestellt. Nun sieht das wieder anders aus. Ein Beispiel wie leicht es ist jemanden zu diskreditieren. Ohne Ihre Klarstellung hätte ich Lüders für unseriös gehalten.
    MfG

  • Jürgen   |   27. April 2017 - 14:20

    „Für den Einsatz chemischer Kampfstoffe in Khan Sheikhoun in Syrien am 4. April, bei dem das Nervengift Sarin eingesetzt worden sein soll, hält Frankreich nach Auswertung eigener Quellen die syrische Regierung für verantwortlich“

    Das Frankreich sich auf eigene Quellen stützt, ohne Indizien oder Beweise zu liefern, wird wohl damit zusammenhängen, daß Theodore Postol die Anschuldigungen des White House Intelligence Report schon atomisiert hat.[1]

    Und mit Scott Ritter hat sich ein weiterer US Fachmann klar auf die Seite derer geschlagen, die bezweifeln, daß an den Anschuldigungen etwas dran ist.[2]

    [1] http://www.washingtonsblog.com/wp-content/uploads/2017/04/The-Nerve-Agent-Attack-that-Did-Not-Occur__Analysis-of-the-Alleged-Nerve-Agent-Attack-at-7-AM-on-April-4_2017-in-Khan-Sheikhoun_Syrian_April182017_Optimized_.pdf

    [2] http://jfmxl.sdf.org//Syria/20170411-scott-ritter-et-al-say-that-assad-did-not-launch-chemical-weapons-attack.html

  • Eric Hagen   |   27. April 2017 - 14:47

    Ich hatte mich dstl. mit den Vorgaengen in SYR und ab 2013 denen in der TUR auseinanderzusetzen. Ende 2013 berichtete Cumhurriyet mit Bildern und einem dazu gehoerigen Telefonmitschnitt, dass der TUR ND MIT Waffen- und LogHilfe an damals AQ in SYR ( vmtl. also JaN) lieferte. Daruber entbrannte heftiger Streit zwischen MIT, Regierung auf der einen, Staatsanwaltschaft und Gendarmerie auf der anderen Seite.
    Letztere sind ueber einen abgehenden Trsp zum Gesamtkomplex gestossen. Staatsanwaelte und Gendarmen verloren ihre Posten, es folgte eine landesweite Saeuberung, die bis heute anhaelt. Cumhurriyet hat die Berichterstattung sehr geschadet.

    Cumhurriyet hatte zu diesem Vorfall niemals ueber angebl. C-Material in Ausbildung und/ Lieferung berichtet.
    Mir ist auch kein weiterer Fall bekannt, dass die Redaktion Cumhurriyet in einem Zusammenhang OHNE MIT- Beteiligung berichtet haette. Mglw. ist das aber auch der Zensur geschuldet, die seit 2014 zu beruecksichtigen ist.
    Herr Lueders konnte bislang keinen Beleg fuer seine Behauptung vorlegen. Auch Dundar wird da nicht praeziser.
    Aber: Wer die z.T. abenteuerlichen „Praeventiven und Vorwand“-Operationsplaene von MIT und der AKP Regierung kennt, wird eine TUR Beteiligung an Planspielen, die zu einer eskalatorischen Intervention des Westens fuehrt, nicht als Hirngespinst abtun koennen.

  • Jürgen   |   27. April 2017 - 15:08

    @ Eric Hagen

    Google liefert zu „Cumhurriyet sarin“ aber ettliche Treffer bei Ch.
    Die Google-Übersetzung ist holprig, aber ich deute aus diesem Artikel,
    daß die AKP der Lieferung von Sarin an Terrorristen beschuldigt wird.

    https://translate.google.de/translate?sl=tr&tl=de&js=y&prev=_t&hl=de&ie=UTF-8&u=http%3A%2F%2Fwww.cumhuriyet.com.tr%2Fhaber%2Fsiyaset%2F391457%2FDosya_TBMM_de…__Sarin_gazi_sorumlusu_AKP_.html&edit-text=

  • klabautermann   |   27. April 2017 - 16:51

    @Erich Hagen

    Wenn und wann immer Geheimdienste „im Spiel“ sind, dann kann man immer dieses öffentlich-mediale Wechselspiel zwischen Verschwörungstheorie und Verschwörungspraxis beobachten. Politisch geht es dabei um die „Deutungshoheit“, also es geht um die Etablierung von politischen Wahrheiten zur Rechtfertigung von politischen Entscheidungen. Und so ist die französische Dokumentation zu Sarin und Assad nichts anderes als eine offiziell, politisch beglaubigte Verschwörungstheorie. Und „in line with that“ müssen natürlich andere Theorien nicht etwa im Sinne von Popper falsifiziert werden, es reicht aus sie als Verschwörungstheorie medial zu keulen und deren Protagonisten in die mediale Ecke zu stellen. Das gemeinsame Interesse der player on the ground ist, dass es nur perceived truthes geben darf, aber keinesfalls eine objektivierte ground truth, also spielen alle das Spiel der plausible deniability, der deception of science, justice and public opinion.und clubbing of alternative theories.
    Bei Giftgas und Kernwaffen kommt dann noch ein „Im Zweifel gegen den Angeklagten“ hinzu. Dem Angeklagten muß keine Schuld nachgewiesen werden, sondern der muß seine Unschuld beweisen. Anglo-amerikanischer, politischer Rechts-Pragmatismus in Reinkultur. Und da sind auch die Franzosen keine Rechtspositivisten, sondern sie spielen dieses Spiel an vorderster Front mit.

  • Stephan   |   27. April 2017 - 18:45

    Was mir nicht einleuchtet: Das Hauptargument ist doch eigentlich „air capacities required“ und fehlendes Fachwissen der Assad-Opposition. Die irakische Armee hat im Krieg mit dem Iran aber etwa 27 000 Kurzstreckenraketen (122 mm) mit 5-8 L Sarin abgeschossen. Also braucht mal wohl nicht immer eine Luftwaffe und das Wissen ist in der Region wohl noch vorhanden?

  • K.B.   |   27. April 2017 - 23:17

    Danke für die ganzen Links und die guten Informationen!

    @ Jürgen | 27. April 2017 – 14:20

    „Das Frankreich sich auf eigene Quellen stützt, ohne Indizien oder Beweise zu liefern, wird wohl damit zusammenhängen, daß Theodore Postol die Anschuldigungen des White House Intelligence Report schon atomisiert hat.[1]“

    Naja. „This abbreviated summary of the facts has been constructed entirely from basic physics, video evidence, and absolutely solid analytical methods.“

    Nur schließen sich in diesem Fall basic physics und solid analytical methods ziemlich aus.

    Laut dem verlinkten Bericht hat sich die Sarin-Wolke bei einer Windstärke von 1-2 in einem Winkel von gerade mal 10° in urbanem Gebiet ausgebreitet. Das ist doch nicht seriös.
    Für eine fundierte Ausbreitungsanalsyse braucht man mehr als ein Geodreieck und einen Googlemaps-Screenshot.

    Linktip: https://www.tms-bonn.de/de/produkte/news/

    Auch die Behauptung, der Reporter, der gegen 11 Uhr am Krater stand, hätte sterben müssen, ist nicht nachvollziehbar. Bereits um 9 Uhr war es in Khan Shaykhun 21 °C warm – im Schatten wohlgemerkt. Also herrschten mindestens 2 h lang am Einschlagsort sommerliche Temperaturen mit z.T. direkter Sonneneinstrahlung.
    Von daher hatte der Reporter eine realistische Chance, dass das Sarin bereits weg war.

  • Eric Hagen   |   28. April 2017 - 0:46

    @Stephan
    Die SYR Sk haben mehr als ausreichende fachliche Expertise, um mit C- Waffen umzugehen. Praktische Erfahrung damit sicherlich nur begrenzt, aber da SYR ein umfangreiches Arsenal ha(t)te, muessen Kenntnisse vorausgesetzt werden.
    Politisch gibt es ebenfalls Gruende, die durchaus uns nicht nachvollziehbar erscheinen, die Anwendung zu riskieren.
    Alle Seiten koennten politisch gewinnen, auch wenn sie sich in der taktischen militaerischen Verwertbarkeit verrechnet zu haben.

    Alle Weisheit aus dem Westen greift hier zu kurz.
    Ich suche immer noch nach dem auch hier nachgefragten „cui bono“.
    Ich erkenne keinen Profiteur.

  • Kommentator   |   28. April 2017 - 7:38

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Leute auf die Propaganda hereinfallen, dass Partei X es nicht gewesen sein könnte, weil Know How und Material fehlen würde. Das zeigt eigentlich nur, wie schlecht es um unseren Chemieunterricht bestellt ist.

    Es reicht ein einziger Mensch vor Ort, der im Unterricht nicht gepennt hat, um diese ganze Argumentationslinie zu Fall zu bringen. Dazu kommt, dass niemand hier weiß, welcher Kampfstoff eigentlich zum Einsatz kam. Damit steht und fällt aber jede Argumentation zu Flüchtigkeit, Zugänglichkeit der chemischen Bestandteile, Schwierigkeit der Produktion usw. usw. usw.

    Oder anders gesagt: jeder der sich da auf ein Szenario festlegt ist unseriös oder lügt.

  • Jürgen   |   28. April 2017 - 9:25

    @ K.B.

    „Nur schließen sich in diesem Fall basic physics und solid analytical methods ziemlich aus.“

    Das kommt darauf an, wie Sie den Satz interpretieren.
    Die Interpretation, daß ALLE genannten Fakten auf „basic physics, video evidence,
    AND absolutely solid analytical methods“ beruhen, ist jedoch leicht nachweisbar falsch, da es nicht für alle Fakten Videobeweise gibt.
    Die Interpretation, daß die Fakten durch die genannten Methoden ermittelt wurden, aber nicht für jeden Fakt, jede Methode zum Einsatz kam, ist dagegen sowhl sprachlich, als auch fachlich richtig.
    Weiterhin kann man darüber streiten, ob sich basic physics und solid analytical methods wirklich widersprechen. Bei einer auf dem Pflaster zerschellten Person kann man mit basic physics ermitteln, daß ein Sturz aus nicht unerheblicher Höhe (kein Sprung aus dem Keller) die Ursache war. solid analytical methods werden erst verletzt, wenn anhand des Schattenwurfs im Fotos auch noch das Stockwerk bestimmt wird.

    „Laut dem verlinkten Bericht hat sich die Sarin-Wolke bei einer Windstärke von 1-2 in einem Winkel von gerade mal 10° in urbanem Gebiet ausgebreitet. Das ist doch nicht seriös.

    Auch die Behauptung, der Reporter, der gegen 11 Uhr am Krater stand, hätte sterben müssen, ist nicht nachvollziehbar.“

    Ich bin im Gegensatz zu Postol (und Ihnen?) kein Experte auf diesem Gebiet.
    Allerdings widerspricht eine kurze Google-Suche nicht Postols Aussage.
    http://www.gifte.de/B-%20und%20C-Waffen/sarin.htm
    Sarin und seine Zerfallprodukte sind bei Temperaturen unter 49°C und Sonnenlicht stabil.

    Ich empfehle, daß Sie die oben genannten Punkte direkt mit ihm diskutieren.
    Er hat in seinem Blog[3] bereits einen Fehler bei der Windrichtung korrigiert, und vermutlich auch kein Problem damit, auch andere Aussagen zu korrigieren.

    [3] http://www.washingtonsblog.com/2017/04/67182.html

  • wolle   |   28. April 2017 - 10:35

    @K.B.: „Auch die Behauptung, der Reporter, der gegen 11 Uhr am Krater stand, hätte sterben müssen, ist nicht nachvollziehbar. Bereits um 9 Uhr war es in Khan Shaykhun 21 °C warm – im Schatten wohlgemerkt. Also herrschten mindestens 2 h lang am Einschlagsort sommerliche Temperaturen mit z.T. direkter Sonneneinstrahlung.“
    Ich würde das nicht testen wollen. Sarin verdunstet zwar oberflächlich relativ schnell, aber wesentlich langsamer als Wasser. So wie befeuchteter Boden bei Sonne nicht sofort tief durchtrocknet, kann auch Sarin im Boden sehr viel länger erhalten bleiben. Nimmt man dann ungeschützt eine Bodenprobe, liegt man sehr schnell daneben. Bei Hautkontakt führen ganz kleine Mengen(2-3 kleine Tröpfchen; <<1/20cm³) zur Handlungsunfähigkeit(da steht man beim Erbrechen nicht mehr, wie in einem Video zu sehen; quasi blind ist man auch). Sarin haut einen wirklich mit sehr unangenehmen(sic!) Symptomen um! Der Abstand ausgefechtsetzender und tödlicher Dosis bei Sarin ist gering. In den diversen Videos waren sehr viele Sachen zu sehen, die strickt gegen einen Sarineinsatz sprechen.
    Mein Background: Offizier chemischer Dienst NVA

  • K.B.   |   28. April 2017 - 16:23

    @Jürgen:
    Das sprachliche Florettfechten schenke ich mir.

    „Sarin und seine Zerfallprodukte sind bei Temperaturen unter 49°C und Sonnenlicht stabil.“
    D.h. Sarin zersetzt sich nicht chemisch. Dennoch verdunstet es unzersetzt und ist irgendwann weg, im Sinne von woanders.

    Auch die Aussagen zur Ziege, die umgekommen war, obwohl sie entgegen der Windzugrichtung lag, sind nicht logisch. (Postol behauptet, sie könne nicht von einer Freisetzung am Einschlagsort getötet worden sein.)
    Die Ziege liegt maximal 30 m vom Krater entfernt. Wenn ich da ein Wasserfass aus großer Höhe hinschmeiße, spritzt das mind. 15 m in alle Richtungen. Dann geben wir dem Gas 5 m durch Verwirbelungen an Mauer- und Hauskanten, der Ziege 10 m Restlaufzeit und schon sind die 30 m zusammen.
    In jedem Fall bedeuten die 30m Abstand zum Einschlagsort, dass sich die Ziege mitten in der Release Area befand.

    @wolle:
    „Ich würde das nicht testen wollen.“

    Ich auch nicht. :-) Insbesondere das Nehmen der Bodenprobe kann in der Tat tödlich enden.
    Mir geht es primär darum aufzuzeigen, dass auf einer asphaltierten Straße bei T > 20°C und direkter Sonneneinstrahlung Sarin durchaus innerhalb von wenigen Stunden verdunstet sein kann.

    @all:
    Heise verlinkt auf folgenden Text von Moon of Alabama, in der die Hinweise, die gegen Sarin und für Chlor sprechen, zusammengefasst sind:
    http://www.moonofalabama.org/2017/04/only-chlorine-not-sarin-involved-in-the-khan-sheikhun-incident.html

  • wolle   |   28. April 2017 - 17:09

    @K.B.: „Mir geht es primär darum aufzuzeigen, dass auf einer asphaltierten Straße bei T > 20°C und direkter Sonneneinstrahlung Sarin durchaus innerhalb von wenigen Stunden verdunstet sein kann.“
    Das „kann“ würde ich ganz dick schreiben. Es gibt aber Bilder eines Kraters. Da war freies Erdreich und da saß einer drin zur Probenentnahme mit Latschen und einer Staubmaske!!!

    Zur Legende „Ein Einsatzgebiet von Sarin kann man bei sommerlichen Temperaturen nach etwa 6h passieren/betreten.“ Solche zeitlich Angaben beziehen sich meist auf militärische Einheiten im Teil- bzw. Vollschutz bzw. in hermetisierten Fahrzeugen und die auf ein solches Szenario vorbereitet sind. Jedes Umdrehen eines Steines, Bergen von Toten, Einschlage von Granaten, Anlegen von Stellungen … kann handlungsunfähig machende oder gar tödliche Mengen von Sarin freisetzen. Ungeschützte Personen sind dann fällig.

  • AoR   |   28. April 2017 - 22:59

    Ich stimme @Eric Hagen zu. Die Türkei hat Daesh sowie Al-Nusra mit allem möglichen unterstützt. Gerade bei ersterem hat die SDF/YPG teils vernichtende Beweise geliefert.

    Spezifisch zu C oder anderen WMD gab es noch nie etwas.

    P.S: Die EU ist in Syrien kein Player mehr. Der Versuch einer Strategie FRA?

  • wolle   |   29. April 2017 - 12:01

    Diese Bilder sprechen Bände:
    http://i1.wp.com/21stcenturywire.com/wp-content/uploads/2017/04/Idlib-Chemical-Attack-story.png
    http://pbs.twimg.com/media/C8vHHSFUQAIt7n5.jpg
    Wäre da wenige Stunden zuvor Sarin eingesetzt worden, dann sind diese Leute lebensmüde, verrückt oder sarinimmun.

  • AoR   |   29. April 2017 - 16:54

    Laut Sputnik sollen sich US Panzer an der Befreiung von Raqqa beteiligen.

  • AoR   |   29. April 2017 - 20:01

    Livebilder auf Kurdistan 24 wie US Panzer sich zwischen türkische Streitkräfte und die YPG stellen.

  • K.B.   |   29. April 2017 - 22:40

    @wolle:

    Nun weiß ich nicht, wann die Bilder aufgenommen worden sind (den Schatten zu Folge um die Mittagszeit, bestätigt am 04. April?). Aber wenn dort 4-6 h vorher der Angriff stattfand, spricht dies in der Tat eher gegen den Einsatz von Sarin als dafür. Wobei wir (vermutlich) beide nicht wissen, wie tief die „Experten“ dort gebuddelt haben und welcher Stabilitätsgrad vor Ort herrschte.

    Was die Legendenbildung angeht: Ich dachte, wir machen diesen ganzen ABC-Scheiß, damit wir auch in kontaminiertem Gelände überleben und kämpfen können – und eben nicht 6h warten müssen… Aber wir stimmen 100% überein, dass auch wenn oberflächlich keine Kontamination mehr messbar ist, noch längere Zeit versteckte Gefahren lauern.

    OT zum Thema „lebensmüde“: Sven Ortmann hatte mal ein Video verlinkt, in dem sich ziviler Straßenverkehr mitten im Gefecht zwischen syrischen Panzern durchschlängelt. Direkt zu finden gibt es im Netz noch ein Standbild (evtl. vom selben Ereignis), siehe 2. Link.

    http://defense-and-freedom.blogspot.de/2013/11/its-wonder-there-are-not-more-dead.html
    https://motherboard.vice.com/en_us/article/incredible-video-shows-civilian-traffic-passing-through-a-syrian-tank-battle-1

  • wolle   |   01. Mai 2017 - 23:05

    @K.B.: „Was die Legendenbildung angeht: Ich dachte, wir machen diesen ganzen ABC-Scheiß, damit wir auch in kontaminiertem Gelände überleben und kämpfen können – und eben nicht 6h warten müssen…“
    Das ist ja gerade der Irrtum, Militärs machen das für eine Chance zum Überleben. Die Zivilbevölkerung ist da ganz arm dran, keine Ausrüstung und keine Ausbildung!
    Vollschutz hilft, aber hinterher heißt es entgiften. Selbst ohne Kampfhandlungen besteht auch unter Vollschutz in einem vergifteten Gelände und danach immer sehr hohe Gefahr. Kleinste Fehler. Löcher usw. sind fatal. Man versucht solche Gebiete eigentlich nicht zu betreten. Bei Sarin muss man ja nicht lange warten. VX macht Gelände für Wochen dicht. So hab ich das jedenfalls gelernt in den späten 70ern.

    Stabil ist Sarin, es verdunstet nur. Die Dämpfe sind für das Militär eher harmlos für Leute mit Staubmaske bestimmt nicht. Die Bilder sollen vom 4.4. sein, ich sah die jedenfalls zeitnah, IMHO am 5. morgens.