Folgerungen (nicht nur) aus Pfullendorf-Skandal: ‚Neue Meldekultur‘ für die Bundeswehr

Nach den Vorfällen am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf und Vorwürfen von Mobbing, sexueller Belästigung und entwürdigender Behandlung auch an anderen Standorten der Bundeswehr hat Generalinspekteur Volker Wieker einen ersten Sachstand einer Analyse zur Inneren Lage der Bundeswehr vorgelegt. Der Bericht zur Tagung des Bundestags-Verteidigungsausschusses am (heutigen) Mittwoch, über den zuerst tagesschau.de berichtete, enthält allerdings nicht die detaillierten Zahlen, mit denen die Süddeutsche Zeitung aufwartet (dazu mehr unten), das dürfte im Ausschuss noch für Unmut sorgen.

Aber der Generalinspekteur nennt in seinem Schreiben an die Abgeordneten schon die Folgerungen aus den verschiedenen Vorwürfen: Vor allem das Ziel einer neuen Meldekultur – und eine zentrale Datenbank zur Erfassung solcher Vorkommnisse.

Wesentliche Teile aus Wiekers Schreiben:

Das BMVg hat in einem ersten Schritt – wie auch durch den Verteidigungsausschuss erbeten – analysiert, ob möglicherweise für weitere mit den Ereignissen am Standort Pfullendorf vergleichbare Verstöße gegen die Grundsätze der Inneren Führung in der Bundeswehr vorliegen.
(…)
Dazu wurden alle dem BMVg bereits bekannte [sic] Verdachtsfälle zu möglichen Verstößen gegen die Innere Führung im Zeitraum 2015 bis 2017 durch Meldungen aus dem nachgeordneten Bereich vervollständigt und anschließend den nachfolgenden Kategorien zugeordnet:
– herabwürdigende Praktiken in der Ausbildung,
– entwürdigende Aufnahmerituale,
– Diskriminierung,
– systematisches Mobbing und
– sexuelle Übergriffe.
(…)
Im Zuge erster Erkenntnisse zeichnet sich ab:
• Die untersuchten Verdachtsfälle von Verstößen gegen die Innere Führung sind im Schwerpunkt Standorten der Truppe mit infanteristisch geprägten Verbänden und in Teilen Ausbildungseinrichtungen zuzuordnen.
• Im Fokus stehen überwiegend Mannschaftssoldaten und Unteroffiziere, vorrangig im Altersband zwischen 20 bis 30 Jahren. Dieses lässt ein besonderes Erfordernis an stringenter Führung, Ausbildung und Erziehung für diesen Personenkreis erkennen.
• Das bisherige Meldesystem mit parallelen Informationssträngen weist in der Praxis Defizite auf. Es ist zersplittert, nicht kohärent und wird uneinheitlich gehandhabt. Ebenso erfolgen Meldungen nicht immer zeitgerecht, auch weil offenkundig die Handlungssicherheit – insbesondere bei unerfahrenen Vorgesetzten – über Meldeanlässe und Meldewege verbesserungsbedürftig ist.
• In der Zukunft gilt es, alle relevanten Ergebnisse aus unterschiedlichen Informationsquellen effektiver zusammenzuführen und auszuwerten. Zu diesen Quellen gehören neben den o.a. Meldungen alle Eingaben an den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Disziplinarverfahren, Meldepflichtige Ereignisse, Studien, Briefe sowie anonyme Hinweise an das BMVg. Es fehlt eine gemeinsame Datenbasis.
(…)
• Bei den rund 40 Hinweisen, die bei der „Ansprechstelle Diskriminierung und Gewalt in der Bundeswehr“ bisher eingegangen sind, werden von zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorrangig „Mobbing“-Vorwürfe vorgebracht, bei Soldatinnen und Soldaten liegt ein Schwerpunkt im Bereich „sexueller Übergriffe“.
• Bei der Betrachtung unserer internen Abläufe und Verfahren zeichnet die alleinige Nutzung von bundeswehrinterner Kompetenz nur ein unvollständiges Bild. Der unvoreingenommene und kritische „Blick von außen“ kann uns bei der Überprüfung und Optimierung unseres Handelns helfen. Hierdurch können wichtige Handlungsfelder für eine tiefergehende Analyse identifiziert werden.
(…)
Im Ergebnis der Analyse „Innere Lage Bundeswehr“ werden die nachfolgenden Maßnahmen veranlasst:
• Das bisherige Meldewesen zur Inneren und Sozialen Lage der Bundeswehr (ISoLa) wird überprüft. Hierbei sind neben einer Straffung der Meldeverfahren auch die Voraussetzungen für eine neue „Meldekultur“ zu schaffen.
• Eine neue rechnergestützte Datenbank zur „Inneren Lage Bundeswehr“ wird aufgebaut. Sie soll helfen, rascher und leichter als bisher Trends und Fehlentwicklungen zu identifizieren bzw. Querverbindung zwischen einzelnen Meldungen zu erkennen.
• In einem neuen Referat in der Abteilung Führung Streitkräfte im BMVg werden alle truppendienstlichen Angelegenheiten der Inneren Lage und Menschenführung gebündelt. Dieses Referat berücksichtigt die Interessen aller Angehörigen der Bundeswehr und wird sehr eng mit dem Beauftragten des Generalinspekteurs für Erziehung und Ausbildung, der Ansprechstelle „Diskriminierung und Gewalt in der Bundeswehr“ und dem nachgeordneten Bereich zusammenarbeiten.
(…)
• Um einen gleichermaßen professionellen wie methodisch erfahrenen Außenblick auf die Innere Lage der Bundeswehr zu gewährleisten, soll zur weitergehenden Analyse der vorhandenen Daten externer wissenschaftlicher Sachverstand hinzugezogen werden. Prof. Dr. Pfeiffer, ehem. Leiter Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, wird im Rahmen einer systematischen und vertiefenden Analyse die identifizierten Handlungsfelder in den Blick nehmen, mögliche Schwachstellen identifizieren sowie Vorschläge zur Schulung und Weiterbildung von Fachpersonal, aber auch zur Verbesserung unserer Methodik entwickeln helfen.
• Die Aus- und Weiterbildung von Disziplinarvorgesetzten und Rechtsberatern wird überprüft und – wo erforderlich – verbessert. In diesem Zusammenhang ist, auch um die Handlungssicherheit zu festigen, die Erläuterung und Veranschaulichung von Rechtsbegriffen/-kategorien und Maßstäben sinnvoll.
• Die Verbesserung der Dienstaufsicht (in und außer Dienst) durch Vorgesetzte, insb. auf Einheitsebene ist erforderlich. In diesem Verständnis sind auch infrastrukturelle Rahmenbedingungen (z.B. räumlicher Zusammenhang von Unterkunfts- und Funktionsgebäuden relevant.
(…)
• Darüber hinaus wird zusammen mit Frau Bundesministerin dieser Thematik ein Workshop zur Inneren Lage der Bundeswehr mit Spitzenkräften auf Abteilungsleiter-, Inspekteurs- und Präsidentenebene gewidment. Dieser wird um weitere Workshops und Seminare u.a. der militärischen Gleichstellungsbeauftragten der Bundeswehr und „Spießtagung“ der Bundeswehr ergänzt.

Den letzten Punkt habe ich hier noch mit zitiert, weil der schon mal in Berichten erwähnt wurde – allerdings ist dieser Workshop mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vermutlich weit weniger ausschlaggebend für die Truppe als die anderen zuvor genannten Veränderungen. Das ist ja durchaus zweigespalten – auf der einen Seite die Forderung nach mehr Dienstaufsicht auf Einheitsebene, ganz im Sinne der Auftragstaktik, auf der anderen die neue Meldekultur und die zentrale Datenbank.

Die Süddeutsche Zeitung (Link aus bekannten Gründen nicht) hat zu der Analyse des GI  noch einige zusätzliche Zahlen geliefert:

Nach SZ-Informationen wurden aus den Jahren 2015 bis 2017 insgesamt 7800 sogenannte „Meldepflichtige Ereignisse zur Inneren und Sozialen Lage der Bundeswehr“ analysiert, wobei es sich lediglich um 3600 sogenannte Erstmeldungen handelte, also neue Fälle. Davon wiederum wurden 3100 als Meldungen mit „Relevanz Innere Führung“ identifiziert – wobei die Spanne hier nach Angaben aus Ministeriumskreisen „von der eigenmächtigen Abwesenheit bis zur vollzogenen Vergewaltigung“ reichte.
So gab es etwa in den beiden zurückliegenden Jahren mehr als 300 Fälle des Verdachts auf „Diebstahl, Unterschlagung, Raub oder Erpressung“, fast 500 Unfälle mit Personenschäden sowie mehr als 250 Fälle von „Straftaten und Ordnungswidrigkeiten nach dem Betäubungsmittelgesetz“. Und in mehr als 200 Fällen ging es um „sexuelle Belästigung, Benachteiligung, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ – wobei auch hier sowohl Fälle innerhalb der Bundeswehr als auch im privaten Bereich erfasst wurden.

Entscheidend ist dabei der letzte Satz: In den Zahlen – und damit vermutlich auch in der Analyse der Inneren Lage der Bundeswehr – sind auch Vorfälle enthalten, die außerhalb des Dienstbetriebs stattfanden. Also die Fahrerflucht mit dem Privatauto genau so wie die sexuelle Belästigung bei der Grillparty am Wochenende. Das ist angesichts der besonderen Stellung von Soldaten zwar nachvollziehbar, muss aber auch in die Bewertung der Zahlen mit einbezogen werden.

(Archivbild Februar 2017: Übung im Gefechtsübungszentrum – Jane Schmidt/Bundeswehr)

135 Gedanken zu „Folgerungen (nicht nur) aus Pfullendorf-Skandal: ‚Neue Meldekultur‘ für die Bundeswehr

  1. @Umpp | 31. März 2017 – 22:36
    und andere mit „Uniformproblemen“

    Was sie da von sich geben ist grober Unfug!
    Sie differenzieren nicht und können mit Dingen wie Formaler Disziplin und Funktionaler Disziplin vmtl auch nichts anfangen.
    „Ordentliches“ Auftreten in der Etappe(im normalen Dienst und funktionales Auftreten im Einsatz/auf Übung/ Im Gelände…egal vmtl. ist Disziplin ja nur mit ihren benannten Preussischen Stinkefinger-tugenden verwurzelt. Und der Stinkefinger scheint bei einigen wohl legitim.

    Im Übrigen sind die „Männer“ keine Jungs und die „Frauen“ in den Streitkräften keine Mädchen! Jungs stehen wo anderst…

    Für alle anderen die immer gerne auf anderer Nationen verweisen , unnötig, brauchen wir nicht. Konnten wir einmal besser.
    Und nochmal, wer selbst schon im Tagesdienst seine Grenzen auslotet, wird es an anderer Stelle auch tun wenn dies nicht gestoppt wird.

    Glauben Sie mal, über 3 Jahrzehnte in der Truppe weiß ich wovon ich rede. Die von einigen benannten anderen Nationen haben früher tlw Respektvoll auf „unser“ Können geschaut. Das(unser können) verlieren wir von Tag zu Tag.

    Fast jedes mal, wenn großes Antreten zum Ende des Quartales ist, sehe ich wachen Auges was die gerne gelobte Stinkefinger Elite teilweise drauf hat….Zahnbelag!
    Und noch etwas…die von einigen wenigen benannte Disziplin nach Dienst, ohne Uniform als Staatsdiener ist genau so wichtig wie mit besagter.
    Ein Ereignis der Zeit? Erziehungssache? Persönliches Ausleben seiner Wertevorstellung? Ich erlaube mir keine Verurteilung von irgend etwas wenn ich nicht dabei war oder nicht genau weis um was es sich da handelt. Das könnte sich der ein oder andere hier auch mal auf die Agenda schreiben.

    Wie heute nachmittag im Radio zu hören war, ist der WB auch der Meinung das mehr kontrolliert werden muss….aber auch er hat wohl dazu feststellen müssen das dazu auch jemand vor Ort sein muss.

    @MP richtig!
    (Früher war nicht alles besser, aber die „Bewaffneten Schülerlotsen“ , wie sie unrechtmäßigerweise genannt wurden strahlten tlw. deutlich mehr Authorität aus als heute…)
    Bei „den anderen Nationen“ wird tlw. auch gerne eine „Police“ als Base /(Force) Protection Coy eingesetzt.
    Aber das kann man nur verstehen wenn man es selber erlebt hat. Abschließend dazu: deren Anzug ist immer Tip-Top….soll schließlich Authorität ausstrahlen , macht es auch!
    Und Ruhe herrscht dort in der Regel „on Base“ auch…ohne ausufernde Fremdsteuerung.

  2. @Koffer

    Wenn Sie Aluhuette für die Kampftruppen haben wollen, soll mir das recht sein, aber es gibt keine Ausbildung jenseits des Artikels 1 GG.

    Die Kampftruppen ist weder die Praetorianergarde noch Sparta… Sie sind Angehörige der Bundeswehr! Und da gibt es sehr klare und sehr eindeutige Regeln.

  3. @Soenke Marahrens | 01. April 2017 – 21:55
    Ich bitte Sie meine Beiträge nochmals zu lesen.

  4. Ich finde so das eine oder andere Kampftruppen-Argument schon ganz schön entlarvend.
    Das klingt für mich so a bisserl nach KSK-Möchtegernsein–Einstellung. Da war man „in der guten, alten Zeit“ als Falli oder Gebi oder Fernspäher eigentlich die Elite der Elite und nun gibt es da eine Truppe, die mich auf „Rang 2“ setzt und dann muß ich auch noch Schwule und Frauen kameradschaftlich in meine kleine, ach so feine Kampfgemeinschaft integrieren. Wir sind zwar nicht KSK (und viele Kampftruppler wollen und/oder können gar nicht KSK’ler werden), aber der eine oder andere kann wohl der Verlockung nicht widerstehen, so zu tun als ob – es schaut ja grad keiner so genau hin. Und dann läßt man im Dienst schon mal „einen (Hosenzipfel ?) raus hängen“ oder läßt sich einen Talibart stehen, denn die langhaarige Blondine mit ihren Sachsenkriegerinzöpfen geht mir so aufs Kriegergemüt, dass da schon mal das Gummi aus der Hose rutschen kann. Und nach Dienst – wo erst recht keiner hinschaut –
    zeigen wir den Schwulen und Weibern, dass ein echter und wahrer Kämpfer nur der/die ist, wer sich freiwillig den „Rotar….. “ tamponieren läßt. Ersatzweise eine Private Poledance Performance nach dem Motto: wer bei Drei nicht oben an der Stange ist und sich den Schlips umbindet, der hat „bei uns“ nichts verloren. Erinnert mich an die eine oder andere „Geschichte“ aus vermeintlichen Elite-Internaten, die ihre Tore auch für Schüler öffnen mußten, die eben nicht aus dem Echt-oder Geldadel abstammten. Da wurde schon mal nächtens der Neuarsch mit Schuhwichse poliert und anschließend mit Spannlack versiegelt. Lustiger Anblick, wenn der Neuarsch dann tagelang mit der Pinzette vor dem Spiegel den Lack sich vom Hintern zupfen mußte. Und petzen war nun absolut „Mädchen“. Tja, und so kann ich mir gut vorstellen, dass in einem Elite-Soldaten-Internat wie Pfullendorf, das nun kein frauen- und schwulenfreies Eliteelite-Reservat ist, eine KSK-Möchtegernsein-Subkultur entstehen kann – insbesondere in diesem traditionell-inzestös-provinziellen, lokalen Fernspäh-Milieu.
    Ja, Klabautermänner können manchmal ganz schön bösartig sein ;-)

  5. @0815

    On base in USA ist das Leben auch nicht sicherer, da sind auch nur Wunschtraeume, lesen Sie dazu mal Army, Navy und Air Force Magazine. Als Deutsche sind wir (als alte Preußen ;-) wahrscheinlich eher nur von der Konsequenz deren Einsatzes beeindruckt, wobei die beim Einsatz aber nicht zwischen Actors und Bystanders unterscheiden.

    Das Problem ist doch schon beschrieben:
    Wir haben schlichtweg zu wenig Personal, und den den Sie am Wochenende zum E (rzieher) vom Dienst einteilen wollen/müssen, fehlt Ihnen unter der Woche für 1 bis 2 Tage im normalen Dienst. Also muessen wir irgenie dort ansetzen.

    Und auch wenn Koffer immer erklärt, dass Fallschirmjaeger anders sind (ich bin persönlich eher der Meinung, die werden anders geformt) haben wir es am Ende mit mündigen Bürgern zu tun, die einen Anspruch darauf haben, dass Fehlverhalten getadelt und Wohlverhalten gelobt wird. Und von 16:30 bis 07:00 haben die frei….. Wenn wir wollen, dass sie sich auch in dieser Zeit bw/lw/h/marine oder sonst wie konformverhalten, dann muessen wir das zwischen 07:00 bis 16:30 Vorleben und hoffen, dass wir B.eispiel genug sind. Von Nichts kommt nichts…… Auch wenn Soldat sein eher Beruf (von Berufung) statt Job sein sollte, was bestärkt diese denn? Das Vorbild des Vorgesetzten, und das beginnt beim unmittelbaren….und nicht erst, beim imaginären der da oben. Und umgekehrt es schimpft sich leichter auf den achso unfähigen oder wahlweise untrainierbaren Untergebenen, als positiv auf ihn einzuwirken. Niemand hier im Blog wird nur einen anderen Soldaten bekommen, als denjenigen, den BAPersBw abwerben kann. Warum haben wir denn noch 3 Monate Grundausbildung und nicht 6? Weil das Kruempersystem aus dem 19.Jahrhundert das mal so vorgegeben hat? Warum bieten wir nicht 6 Monate, um bspw. die o.a Disziplinprobleme in den Griff zu bekommen , und fangen irgendwo in Deutschland jeden 1. Mit einer Grundausbildung an, mit SP zum 1.7?

    Und was formale Disziplin anbelangt, wenn ich sie erkläre (auch das Hosengummi, falls man es irgendwo braucht) und dann durchsetze, hilft mir die Gruppe, wenn ich sie „nur“ durchsetzen, dann solidarisiert sich die Gruppe gegen mich. Weil „Isso“ war noch nie ein Argument….

  6. @Soenke Marahrens

    Schauen wir doch mal auf die Arbeits/Leben-Einstellung/Grundhaltung der Generationen, die man so „in der Truppe“ heutzutage antrifft:
    – Babyboomer – »Leben, um zu arbeiten«
    – Generation X – »Arbeiten, um zu leben«
    – Generation Y -»Arbeit und Leben verbinden«
    – Generation Z- »Hier die Arbeit, da mein Leben«
    …..und das vor dem Hintergrund von – teilweise waffengattungsspezifischen – informellen Traditionslinien und linsen und -inseln aus der Generation der Traditionalisten (Traditionalisten, geboren zwischen 1922 und 1955, haben das Ende des ersten Weltkriegs sowie den zweiten Weltkrieg in ihrer Kindheit und Jugend mitbekommen – https://www.absolventa.de/karriereguide/tipps/xyz-generationen-arbeitsmarkt-ueberblick)
    Eine inho nicht unbedingt konfliktfreie Mischung von Leben/Arbeit-Grundeinstellungen und nun nehmen wir – gerade bei Zeitsoldaten – noch „Dienst“ hinzu und dann haben wir eine recht komplexe, soziologische Leben/Arbeit/Dienst-Konstellation in der BW.. Individuell hat man „als Soldat“ mindestens 2, manchmal sogar 3 Berufe, man hat aber nur ein Leben. Zur Illustration: ein Marinesoldat ist a. Soldat b. Koch oder Mechaniker etc und c. Seemann (zumindest als Bordverwender).
    Wie bekommt man das Führungs-„technisch“ auf einen Nenner ? Nun – und da bin ich ganz bei Ihnen – bestimmt nicht durch „Ausbildung jenseits des Artikels 1 GG.“ und ganz bestimmt nicht durch stillschweigende Duldung von „Ausbildung jenseits des Artikels 1 GG“ in Truppenteilen, in denen dieses „jenseits“ streng kontrolliert – selbst bei Freiwilligkeit – ist, also zum Bsp. KSK. Hier müssen sich die (vermeintlichen) Erben der Traditionalistengeneration und der Babyboomer mal endlich bewegen – nicht nur im Kopf, sondern auch einmal nach Dienst in der Kaserne.
    Als Dienststellenleiter oder Einheitsführer kann mir keiner verbieten auch einmal nach oder vor Dienst durch „meine“ Liegenschaft inkl (Gemeinschafts)Unterküfte zu „schlendern“ und Flagge zu zeigen und als höherer und älterer Kamerad mit dem „Fußvolkkameraden“ ein wenig außerdienstlich zu „plaudern“.

  7. @klabautermann | 02. April 2017 – 9:25
    Auch wenn ihre Argumentation (wie Sie ja selbst indirekt zugeben) sehr überspitzt ist ggf. sogar die Grenze der Sachlichkeit überschreitet, haben Sie in Bezug auf Pfullendorf nicht ganz unrecht.

    Hinzukommt noch, dass ja nahezu der gesamte KSK-Nachwuchs durch die Fallschirmjägerausbildung in Pfullendorf läuft. D.h. die Gefahr ein Fernspäh/Möchtegern-KSK-Spirale ist nicht von der Hand zu weisen.

    Allerdings lenkt uns dieses Details von der Frage ob, ob nicht unabhängig von machen unschönen und unzulässigen Exzessen für die KpfTr insgesamt und die Infanterie im Besonderen nun einmal ein anderer „Mindset“ notwendig ist und dies möglicherweise auch mit anderen Traditionen und Ritualen einhergeht (und bis zu einem gewissen grade sogar einher gehen muss).

    Ich glaube in diesem Richtung haben Sie hier und an anderer Stelle auch bereits argumentiert, oder?

    @Marahrens Sönke | 02. April 2017 – 9:41
    „Und auch wenn Koffer immer erklärt, dass Fallschirmjaeger anders sind (ich bin persönlich eher der Meinung, die werden anders geformt)“

    Bitte nicht schon wieder in eine Anti-Bordeaurot-Diskussion einsteigen. Hier an dieser Stelle geht es NICHT um FschJg (auch wenn ich Ihnen zustimme, dass diese in der Tat anders geformt werden – müssen).

    Hier geht es um KpfTr allgemein und Infanterie im besonderen.

    Und die haben nun einmal (und müssen dies auch haben um ihren Auftrag erfüllen zu können) einen anderen Mindset als andere…

    In Bezug auf 6 Monate Grundausbildung stimme ich Ihnen zu. Damit könnte man viele Dinge in den Griff bekommen und würde zudem die Einsatzkompanien entlassen, da die Spezialgrundausbildung/SGA (die natürlich heutzutage nicht mehr so heißt, weil das ja zu einfach wäre) in die Grundausbildungskompanien verlagert werden könnte und damit die Einsatzkompanien sich auf Vollasubildung.

    Damit könnte man zu einen also besser und nachhaltiger Erziehen und zum anderen Ausbildung effizienter strukturieren.
    +1

    „und fangen irgendwo in Deutschland jeden 1. Mit einer Grundausbildung an,“

    Das ist seit diesem Jahr auch so.

    „mit SP zum 1.7?“

    Das wiederum geht nur zu einem sehr eingeschränkten Maße. Da wir die Grundausbildung mit Ausnahme in der SKB zwischenzeitlich überall in Grundausbildungseinheiten zusammen gefasst haben, lässt die zwingende Struktur von Ausbildungsplanung und Lehrgangsabfolgen nur sehr, sehr eingeschränkt eine Zusammenfassung zum 01.07. zu. Schwerpunktbildung ja, aber nur ein sehr schwacher Schwerpunkt.

  8. Der WB hat teilweise recht. Dass keiner mehr hinsieht, weil keiner mehr da ist, ist das eine. Aber selbst die, die da sind, schauen nicht mehr hin. Einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Malaise ist, dass genau die Ebene, die primär für Fragen der Disziplin zuständig ist, nämlich die der Gruppen- und Zugführer, sich dafür entweder angesichts ihres ach so hohen Feldwebel-Dienstgrades nicht mehr zuständig sehen oder aber, weil sie der „Mittelfinger-Fraktion“ angehören und derart Zeug rundweg ablehnen – Abgrenzung, so absurd es auch klingt, scheint da keine unwesentliche Rolle zu spielen. Aber es bleibt auch nicht auf diese Ebene beschränkt – und wird von Argumenten wie „es gibt wichtigeres“ oder „falscher Schwerpunkt“ ultimativ totgeschlagen. „Professionalität“ a la maniere allemande, ziemlich einzigartig (schlecht).

  9. Heute ist sicher nicht der richtige Tag um (mal wieder) über Fallschirmjäger zu diskutieren, denn heute ist der 7. Jahrestag des Karfreitagsgefechts in AFG, wo drei Fallschirmjäger gefallen sind!

    Und es gibt immer noch keinen Veteranentag der BW, was zur Tradition gehören sollte und keinen anständigen Traditionserlaß(nur Gutmenschenversion)! Wie soll eine Armee ohne erlaubte Traditionen funktionieren?

  10. Gerade gelesen, „Drogenskandal“ beim GefÜbZH. Legenden künden davon, dass es Zeiten gegeben haben soll, da KpChefs wegen einer suboptimalen (seinerzeit hätte man wohl gesagt: besch….) Überprüfung nach § 78 BHO oder bei der TMP vom Dienstposten abgelöst wurden – heute passieren nacheinander mehrere unschöne Dinge im Bereich eines Kommandos, und was passiert da? Wie wir schon mal feststellten, personelle Konsequenzen scheint es hierzulande nur noch bis zur Ebene Oberst/Polizeipräsident zu geben…

  11. @Spike

    Das ist aber dann ein Grund Vollbärte und alle anderen Bärte etc. zu verbieten, welche die Funktion des ABC Schutzes einschränken.
    Aber nicht weil sie Geschmack des Vorgesetzten nicht entsprechen.
    Täglich rasieren wurde mkn erst mit Yperit eine Tradition.
    Was übrigens der Grund ist warum ich die lange Haare Theater für scheinheilig ohne Ende finde.

    Andererseits wurde bei den Kanadiern für Harjit Singh anscheinend auch eine akzeptable Lösung gefunden.

  12. Die nwzonline hat am 24.03.17 einen sehr interessanten Bericht zu den Vorfällen mit sexueller Belästigung im Juni 15 und Dezember 16 geschrieben.
    Demnach galt da noch kein verschärftes Sexualstrafrecht und das Begrapschen wäre lediglich als Beleidigung zu ahnden gewesen. Weil das „ungewöhnlich formulierte“ Bekunden von Interesse aber keine Beleidigung sein kann, war eine Verurteilung nicht zu erwarten und das Verfahren musste eingestellt werden.

    Zu der Diskussion über Generation xyz kann ich nur sagen: Der Ganze Mist kotzt mich sowas von an…
    Sokrates hat schon vor über 2000 Jahren über die Jugend geschimpft und heute geht es 1:1 so weiter.
    Gleichzeitig sehe ich sowohl bei den Älteren (Stabsfeldwebel, Oberstabsfeldwebel) als auch bei dem Jüngeren (Mannschaften, FAs, junge Feldwebel) gute und schlechte. Eine klare Tendenz zum schlechteren konnte ich in meiner (zugegeben vergleichsweise überschaubaren) Dienstzeit von ca. 10 Jahren nicht entdecken.
    Neben dem Oberstaber, der viel Erfahrung an die jungen Feldwebel weitergibt, sehe ich auch den Oberstaber, der seit Jahren etwas anderes macht, als sein Dienstposten fordert und mit Selbstverwaltung völlig ausgelastet ist.
    Genauso gibt es den leistungswilligen und lernfreudigen Feldwebelanwärter und den Zivilversager, der beim Karrierecenter durchgerutscht ist und nun im Dienst versagt.
    Bei den Mannschaften ist teilweise(!) ein Niveauverfall erkennbar. Allerdings dürfte das nicht wundern, nachdem die Wehrpflicht halbwegs für einen Querschnitt der Gesellschaft gesorgt hat und die Mannschaftslaufbahn auf dem Niveau eines Hilfsarbeiters steht.

    Vielmehr erlebe ich es, dass sich in einigen Verbänden ein großer Anteil an Soldaten gebildet hat, die „cooler“ sein wollen. Keine Hosengummis (nicht mit dem Argument Zweckmäßigkeit, sondern einfach um sich abzugrenzen), krampfhaft militärisches Auftreten, dabei aber kaum Kompetenz in der fachlichen Aufgabe.

    Die pauschale Kritik an der Jugend („alle scheiße“) erklärt teilweise eine Distanz zu den Alteingesessenen. Es gilt der Grundsatz: „Wer Menschen führen will, der muss Menschen lieben“. Wer aber pauschal gegen alles schießt ist für so eine Aufgabe ungeeignet.

    [Der erwähnte Bericht zu der rechtlichen Seite ist hier schon mehrfach erwähnt und debattiert worden… T.W.]

  13. @Hans Dampf | 02. April 2017 – 17:56
    +1

    Leider :(

    In der Tat fehlt uns heutzutage leider häufig die „unterste“ und für den täglichen Dienst meistens wichtigste Kontroll- und Vorbildebene.

    Wir als Offiziere haben so lange jedem nahezu alles durchgehen lassen, dass in der Zwischenzeit die Ebene OFw/HptFw/StFw die Disziplinlosigkeit entweder als unabänderliches Übel betrachtet oder sogar selbst glauben ein Recht darauf zu haben.

  14. @ ThoDan

    Ja und nein. Ja, es hat einen funktionalen Grund. Und nein. Als Repräsentant dieses Staates kann man durchaus einen Anspruch an das äußere Erscheinungsbild stellen, der sich z.B
    an der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit in das Amt orientiert – oder am Bild, das man als Streitkräfte „transportieren“ möchte. Das ist mehr als legitim und z.B. bei Polizei auch nicht wesentlich anders.

  15. @Hans Dampf  

    Der Anspruch den ich stelle, ist dann ein anderer und mir mit der Behauptung zu kommen für Soldaten gelten andere Naturgesetze bzw. die ISSO Begründung überzeugen mich nun mal nicht.
    Speziell nicht wenn Soldaten in DAs der Öffentlichkeit vorgeführt werden, die eine Unverschämtheit sind.

    Hosengummis, die Technologie ist absolut veraltet, die Zweckmässigkeit ist nicht nur in Frage zu stellen – möglicherweise ist sie sogar unzweckmässig

  16. @Klabautermann

    Empfehle das Buch „Das Unerwartete managen“

    @Koffer

    Ich mag Bordeaux (auch Fallschimjaeger, ein guter Freund von mir ist einer, und ich war selbst mal in Altenstadt, auf dem richtigen Lehrgang.und davor in Hammelburg……hoffe, dass ich nun genug Stallgeruch für Sie habe…wie im übrigen ich auch die anderen Barretfarben mag), mir ist nur jeglicher Hype fremd, ich bevorzuge da die von Umpp angesprochene Proffessionalitaet, gerne auch mit etwas understatement wie ich es bei Angehörigen der GSG 9 oder des KSK erlebt habe.
    @Funker

    In manchen Aspekten haben Sie mehr recht in anderen weniger…. Wenn ich einer Gruppe beitrete, gelten zunächst die Spielregeln vor Ort. … Ist nun mal so im.Leben, aber ..Die Gruppe ( wir) müssen uns ab und zu mal fragen, ob wir a. Noch richtig spielen…und b. Ob das Spiel noch dasselbe ist… und bin ich bei Ihnen….Lamoyanz aller früher war alles besser hilft nicht…. Ich musste als Kommandeur auch ein paar meiner inneren Stellschrauben nach justieren….weil meine Erwartungen nicht mehr mit der Realität bspw bei den Studienabgaengern (H) übereinstimmen. … Es waren aber trotzdem alles tolle Männer und Frauen….

  17. @Soenke Marahrens

    Na, den Lesetipp sollten Sie vielleicht an eine andere Adresse senden ;-)

    @Koffer

    Hinsichtlich „Traditionalistengeneration“ empfehle ich auf FAZ den Artikel „Sturmtruppen: Des Kaisers „Special Forces“ „……

  18. @ Koffer | 02. April 2017 – 21:04

    „Wir als Offiziere haben so lange jedem nahezu alles durchgehen lassen, dass […] die Disziplinlosigkeit entweder als unabänderliches Übel betrachtet oder sogar selbst glauben ein Recht darauf zu haben.

    1+

    Es liegt m.E.n. nicht nur an der untersten und für den täglichen Dienst meistens wichtigsten Kontroll- und Vorbildern (Gruppen- und Zugführer, Uffz o.p.P oder m.p.P) sondern auch an den Offizieren.

    Bleibt m.E. die berechtigte Frage nach dem Warum (wurde oder wird weggeschaut)?

  19. @ MA:

    Puh, das ist glaube ich ein ganzer Blumenstrauß an möglichen Gründen, die zusammenkommen…
    a) Ausrüstungsmängel, die z.B. in der Anfangszeit bei ISAF bestanden. Da begann es wohl maßgeblich mit dem Tragen „privat beschaffter Ausrüstung“. Angefangen bei Plattenträger etc., aufgehört bei der Weste Modell „Angler“ oder KHS-Jacke Kampftruppe. Mit dem Zauberwort „Zweckmäßigkeit“ ließ – und lässt sich vielfach – vieles begründen. Dass sich die Ausrüstung mittlerweile arg gebessert hat – wen interessiert’s? Um die Zweckmäßigkeit allein ging es ohnehin nie, so mein Eindruck.
    b) Diskrepanz hinsichtlich der Erfahrung aus dem Einsatz zwischen Führern und Geführten. Bei der Wahl, wen man als ZgFhr nach Kunduz schickt, fiel die Wahl oftmals auf den erfahrenen HptFw und gegen den jungen Lt/OLt. Einerseits durchaus verständlich, andererseits jedoch auch Gift, denn wie soll der junge Offizier es denn lernen bzw. gegen „die Portepees“ jemals anstinken können, wenn ihm diese wichtige Erfahrung fehlt? Wie soll er beurteilen, was wirklich „notwendig“ ist und was nur Gequatsche ist, das als Begründung für Bequemlichkeit dient?
    c) Aufgaben der Uffz mP im Einsatz. Sei es als ZgFhr, oder mehr noch als PatrFhr, ganz schön viel Verantwortung, obschon man ja ggf. „nur“ GrpFhr ist – und teilweise (St)Offz „als Gäste“ mitfahren. Ich behaupte mal, eine solche Konstellation hätte es „früher“ so nicht gegeben.
    d) Wandel in der Wahrnehmung dessen, was man als „vorbildlich“ ansieht. Was es zuvor noch sauberer Anzug und anständiges Auftreten, so könnte man heute beinahe meinen, es sei ins Gegenteil verkehrt worden.
    e) zu viele Häuptlinge, damit verbunden wohl die Haltung „da wird sich schon jemand drum kümmern!“. Tut aber im Endeffekt niemand. Allein schon die Dienstgraddichte in einem PzGrenZg ist doch aberwitzig.
    f) Themen wie „Disziplin“ und „Erziehung“ werden offenbar als nachrangig und unwichtig angesehen, ohne konkreten Wert. Dem stehen zwar historische Studien und auch die Handhabung dieser Aspekte in anderen, namhaften Armeen entgegen, aber sei’s drum.
    g) Die Stimmung in der Bundeswehr allgemein. Es gibt nicht wenige, die offen sagen, dass die Stimmung noch nie so schlecht war, wie derzeit. Da interessiert es kaum mehr, ob jemand grüßt oder nicht, oder mit den Händen in den Taschen herumläuft. 2002 hätte es dafür noch einen saftigen Anschiss gegeben, heute denkt man sich dazu seinen Teil. Manchmal überkommt es mich und ich sage etwas, aber da könnte ich mich den ganzen Tag dranhalten. Würde ich sogar machen, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass ich damit nicht allein da stehe.
    h) Mangel an charismatischen Führern, die auf den Tisch hauen und sagen: Freunde, das findet nicht statt, die darauf den unterstellten Bereich (Brig, Btl, Kp) einschwören und es eisern durchziehen. Davon gibt es meines Erachtens nach nur noch recht wenige. Mir fällt spontan ein BrigKdr aus dem hohen Norden ein, bei dem kann ich es mir nicht vorstellen, dass es Anzugskapriolen oder ähnliche Mickey Mouse Sch* gibt. Es würde zumindest meinen bisherigen Erfahrungen, zum Glück hauptsächlich in Form recht sporadischer Begegnungen, widersprechen ;-).

  20. Vielleicht ist der gegenwärtige Zustand Ausdruck einer zu lange anhaltenden aber in der Truppe wahrgenommenen Resignation ?

    Die Astfäule der Neuausrichtung erkennt jeder Soldat der mehr als 10 Dienstjahre hat, ebenso solch Unsäglichkeiten wie das „dynamsiche Verfügbarkeitsmanagement“ welches geboren wurde um pseudowissenschaftlich die Mangelverwaltung zu kaschieren …

    Auch leere Worthülsen wie „hinreichend ausreichend“ verschönern nur den Zustand des „wir haben fertig“ … Man denke dran was für ein Aufwand betrieben werden muß für die heilige ILÜ-Kuh … sich danach auf die Schulter klopfen a la „geht doch“ hilft uns nicht mehr weiter, denn Aufwand und Anstrengung für dieses Projekt sind für einen Standort wie Deutschland schlicht und ergreifend blamabel !

    Menschen wollen nach guter Arbeit gerne gelobt werden, was sie in der Regel auch werden.
    Vor allem aber wollen sie gute arbeiten KÖNNEN, und das können sie seit langer Zeit nicht mehr … das ging früher an die Nieren, heute sagen wir dazu burn-out et alteri …

  21. @Soenke Marahrens | 03. April 2017 – 0:16
    Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist es mir egal, ob Sie die FschJg mögen oder nicht.

    Was mich stört, ist das Nicht-KpfTr-Soldaten, Nicht-Infanteristen (und meinetwegen auch Nicht-FschJg) ihren Führungsstil und ihr Armeeverständnis von außen denjenigen überstülpen wollen, die damit leben (und sterben!) müssen.

    „ich bevorzuge da die von Umpp angesprochene Proffessionalitaet,“

    Mit dieser von Ihnen gewünschten „Professionalität“ (was auch immer das in der Realität sein soll, den die von @Umpp erwähnten XXX sind ja nicht besonders schwierig, sondern liegen eher im Mittelfeld der Komplexität von Operationen) können Sie aber wohl den durchschnittlichen 20jährigen Testosteron getriebenen, im Herzen aufrechten, aber vielleicht noch nicht ganz erwachsenen HptGefr mitnehmen.

    Diese Diskussion wurde schon vor 60 Jahren (!) im Verteidigungsausschuss geführt. Damals ging es darum ob man überhaupt Orden, Ehrenzeichen und schöne Uniformen braucht. Die Theoretiker sagten dazu sinngemäß. Nein, denn der Dienst muss um der Idee willen erfolgen. Und die Praktiker hielten dem sinngemäß entgegen: „Aber wenn es Ihnen nun einmal Freude bringt?!“

    „gerne auch mit etwas understatement wie ich es bei Angehörigen der GSG 9 oder des KSK erlebt habe.“

    Ich weiß nicht, von welchem KSK Sie hier sprechen. Aber der Verband in dem ich gedient habe, der zeichnet sich eher weniger durch die bisher in diesem Faden von ihnen geforderte Zurückhaltung, Rituallosigkeit und moderne Menschenführung aus.

    @MA | 03. April 2017 – 12:07
    Ich stimme @Hans Dampf weitgehend zu. Sowohl seine historische Herleitung, als auch die Bewertung der aktuellen Situation ist m.E.n. umfänglich zutreffend.

    Und hier kommt dann übrigens das fatale der aktuellen Leitungsentscheidung zur weiteren Zentralisierung und Bespitzelung durch.

    Nicht die Ebene relevante Ebene für die Menschenführung (Zg bis Btl) wird ertüchtigt, sondern diese wird vielmehr endgültig entmachtet.

    Absurderweise wird die IBuK damit m.E.n. im Endeffekt nicht weniger, sondern sogar mehr Vorfälle am Hals haben. Denn erzogen wird durch Unteroffiziere und subalterne Offiziere, wenn diese aber nicht mehr erziehen können, dann lehnen sie sich zurück und am Ende hat das BMVg den ganzen Schlamassel am Hals.

  22. Da hat man jetzt als -Blumenstrauß- alles reingepackt als Ursache für fehlenden Anstand und würdevollen Umgang.

    Dann war ja früher alles besser und es gab keine derartige Verstöße;-)

  23. Das golden Zeitalter der Wehrpflicht habe ich aber so nicht erlebt.
    Aber das Hauptleute daneben standen mit Seh nichts, Höre nichts während ein höherer UmP mich justitiabel beleidigt hat.
    Nicht mein Kompaniechef, der btw. mir mit Schikane drohte weil ich mich nicht volunteeren lies.

    Aber das Problem mit dem Grüßen kenne ich, Dienstgrade die keine Mannschaften grüßten und sich dann beschwerten als sie sie irgendwann nicht mehr gegrüsst wurden.

    Ausrüstungsmängel bestanden auch und die habe ich auch damals mit privatem Material entgegengewirkt.
    ABC Tasche und Kampfstiefel…

  24. @ Elahan:

    Dass früher alles besser war, würde ich so nicht unterschreiben. Dass aber durch „vom Einsatz her denken“ alles besser geworden sein soll, halte ich ebenfalls für ein Gerücht bzw. schlichtweg für falsch. Es sei denn, man hält es z.B. für eine Errungenschaft, dass junge Feldwebel/Offiziere nur noch „Stabilisierung“ kennen – oder selbst „gestandene“ Stabsfeldwebel, nach vielen Jahren in der „Zweitrolle“, beim Thema „mein Panzerzug und ich“ wieder nahezu bei Null anfangen mussten.
    Wenn mir diese Anmerkung gestattet ist: Ich las jüngst, dass man vom Prinzip der Leitdivision abrücken wird und stattdessen schaut, welcher Großverband sich für welchen Auftrag (z.B. RS, KFOR, eFP etc. pp) am besten eignet und folgerichtig den jeweiligen Auftrag vergibt. Meiner Meinung nach würden hier Kräftekategorien (wie EK und SK, verbunden mit einer entsprechenden Struktur) durchaus weiterhelfen, aber die hat man ja sinnfälligerweise abgeschafft und durch einen „Einheitsbrei“ ersetzt, der sich in seinen Fähigkeiten nur unwesentlich voneinander unterscheidet. So viel zur These, heute sei alles besser – „bleibt alles anders“ trifft es wohl am besten.

  25. @Koffer

    Dienen Sie eigentlich in einer anderen Bundeswehr?

    Nur mal so aus Neugierde?

    Welche Teile der Inneren Führung, Traditionserlasse und des GG gelten in ihrer Bw nicht? Bzw warum setzen Sie sich für diese Pflichten nicht ein? Sie monieren doch die Tatenlosigkeit von Vorgesetzten gerne mit?
    Was Sie oben mit dem in Klammern gesetzten Sterben anscheinend als Elitestatus ausdruecken wollen, empfinde ich im Anbetracht der Gefallenen , der im Dienst gestorbenen Jetpiloten und Seeleute usw. als ueberheblich. Ihre Kampftruppen kommen ohne Kampfunterstuetzer nicht 1m aus der Kaserne, ihre Langstreckenfuehrungsfaehigkeit sichert Ihnen ein FüUnterstuetzer, ohne Piloten kommen Sie nicht ins Einsatzgebiet zukünftig wird Ihnen ggf ein pizzafressender colasaufender Nerd mit 40 BMI (um ihrem internen Feindbild mal ein Bild zu geben, ich mag die, nicht nur weil ich Informatiker bin).., der mit seinem Laptop die gegnerische Luftabwehr ausschaltet, oder ihre Spuren im virtuellen verdeckt, und ihnen damit das Leben retten….Sie sollten dann ggf auch mal danke sagen , und wenn es darauf ankommt bringt jeder von uns dasselbe ultimative Opfer.

    Gedenken Sie bei der Schlacht um Kreta nur den Fallschirmjaeger? Und vergessen die unzähligen Toten der Luftwaffe in den Transportflugzeugen ?
    Nicht wirklich, oder?

  26. @Soenke Marahrens | 04. April 2017 – 23:45
    Ich möchte Sie bitten meine Beiträge (nochmals) in Ruhe zu lesen.

  27. @Soenke Marahrens | 04. April 2017 – 23:45

    Sie entschuldigen bitte die Tatsache das ich beim Mitlesen ihrer Kommentare nicht nur schmunzeln kann…

    Belesen wie Sie ja gem. ihres Verhaltens sind, haben Sie leider die Gebirgsjäger auf Kreta vergessen….nur so nebenbei.
    Und im Übrigen ist die Zugehörigkeit der Fallschirmjägertruppe im II.WK auch nachzulesen….soviel zum Thema !

    -Trennung-
    Ich glaube ein paar „gelbe Finger“ hätten dem ein oder anderen gut getan ;-)

    Und früher war nicht immer alles besser…im Gegensatz zu heute hatten wir eine Armee!
    Deswegen war aber nicht generell der vielbesagte §1 ausser Kraft gesetzt. Und es gab auch keine Massendenunzierungen auf höchster Ebene. Wer nicht pariert hat (und parieren hat nichts mit „Menschenunwürdigem Behandeln zu tun!) hat es mit Zusatzdiensten (auch gerne am WE, und ohne EAZR/DUZ etc.) wieder gut machen dürfen.
    Im übrigen darf die allzugerne zitierte Zivilisierte Vorzeige Arbeitswelt den Mund halten. Mein deutlich jüngerer Bruder hat in der Lehre den ein oder anderen Tritt in den Allerwertesten von seinem Chef / dem Meister oder dem Altgesellen bekommen….
    war halt so ;-) , war aber auch nicht richtig!
    Ich habe nie erlebt oder gehört das jemand mit Tritten in den Ar..h belohnt wurde…ausser manchmal der letzte Mann, der die Tür verlassen hat.
    Aber 95% haben das eh nicht gemerkt…

    Nochmals, und dazu stehe ich…täglich. Die „Firma“ bewegt sich in einigen vielen Bereichen massiv in die falsche Richtung.

  28. @0815

    Hatten wir eine Armee?

    Darüber sollten wir uns vielleicht mal mit den Gerd Trimmborn und Anton Deigl unterhalten?
    Könnte etwas schwierig werden, denn beide wurden von ihren Vorgesetzten so schwer mißhandelt, das sie daran starben.
    AFAIK bei der Fallschirmtruppe.
    Erinnert an den Britischen Spruch
    There are no bad soldiers only bad officers.

    Im Gegensatz zur BW hätte ihr Bruder kündigen und Strafanzeige einreichen können.

  29. @ThoDan | 07. April 2017 – 23:35
    „denn beide wurden von ihren Vorgesetzten so schwer mißhandelt, das sie daran starben.
    AFAIK bei der Fallschirmtruppe.“

    Pffffff. Muss das wirklich sein? Was hat denn das jetzt mit dem Thema dieses Fadens zu tun?!?!

    Eigentlich müsste man so einen Unfug ignorieren, aber Ihre regelmäßigen Anwürfe gegen die Bundeswehr sind ja leider bekannt :(

    Daher kurz zur sachlichen Richtigstellung:

    1. Fall Trimborn – Einstellungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Tübingen:
    „…keine Tatsachen festgestellt werden, die einen strafrechtlichen Vorwurf gegen die militärischen Vorgesetzten oder andere Personen begründen. Im Zuge des Trimborn ist es auch zu keinen Mißhandlungen oder sonstigen Übergriffen gekommen.“

    2. Fall Deigl – Urteil der III. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart
    Freispruch wegen erwiesener Unschuld

    Wurden früher in der Bundeswehr (und werden auch noch heute) hin und wieder Untergebene schlecht behandelt?
    Ja.

    Passiert(e) das auch bei den FschJg?
    Ja.

    Hat das etwas mit dem vorliegenden Fall zu tun?
    Nein.

    Noch Fragen?

  30. Korrektur

    Misshandeln ist im Fall Deigl durch angetrieben oder überlastet zu ersetzen

  31. @ThoDan | 08. April 2017 – 0:18
    „Korrektur“

    Gut nachdem wir das nun geklärt haben.

    Was hat dieser über 50 Jahre alte Fall, der mit einem Freispruch wegen erwiesener Unschuld durch das Landgericht Stuttgart ggü. allen Vorgesetzten endete, mit dem Thema dieses Fadens zu tun?

    Abgesehen vielleicht davon, dass Sie wieder einmal eine Attacke gegen die Bundeswehr (in diesem Fall gegen die LLTr) reiten wollten?

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