Nach 1672 Tagen Geiselhaft: Somalische Piraten lassen Fischer frei

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Seit rund vier Jahren ist kein größeres Handelsschiff mehr von somalischen Piraten gekapert worden, und entsprechend gering ist das Interesse hierzulande an der Piraterie vor dem ostafrikanischen Land geworden. (Dass die Bundeswehr im August erstmals seit Beginn der EU-Antipirateriemission Atalanta 2008 ihre Schiffe dort abzug, ist auch nicht weiter aufgefallen.) Aber auch Jahre nach den erfolgreichen Attacken der Seeräuber sind weiterhin Seeleute in deren Gewalt – deshalb ist es einen Hinweis wert, dass jetzt 26 Fischer frei gelassen wurden, nach mehr als viereinhalb Jahren Geiselhaft: Ihr Schiff, das omanische Fischerboot Naham 3, war am 26. März 2012 südlich der Seychellen entführt worden.

Aus der Mitteilung der NGO Oceans beyond Piracy am (heutigen) Samstag:

The Hostage Support Partners announce the release of the 26 remaining hostages of the FV Naham 3. The Omani flagged fishing vessel was hijacked on 26 March 2012 roughly 65 nautical miles south of the Seychelles. Of the original 29-member crew, sadly one died during the hijacking and two more succumbed to illness during their captivity. The remaining 26 crewmembers spent much of their captivity on land in Somalia. The crew of the Naham 3 consisted of members from Cambodia, China, Indonesia, Philippines, Taiwan and Vietnam.

(…)
The crew of the Naham 3 were held for 1672 days. They are the second longest held hostages by Somali pirates after the 4 hostages of the FV Prantalay 12, released last year by the HSP. Their road to freedom has been long and filled with peril. The Naham 3 was originally tethered to another hijacked vessel, the MV Albedo taken in November 2010 (and released by the HSP in 2013). When the MV Albedo began to sink, with its crew onboard, the crew of the Naham 3 courageously assisted in their rescue by jumping into the ocean to save the drowning seafarers. Over a year after its capture, the Naham 3 sank and the crew was brought ashore, where they were subject to much greater risks. Despite their release today their journey is not over, as the crew will still experience effects from their captivity for years to come. The crew will need comprehensive physical and psychological support in the years to come to help ease their return to a normal life, the International Seafarers Welfare and Assistance Network (ISWAN) is stood by to help in this process.

Die Atalanta-Mission hatte die Naham 3 zwar immer im Blick. Aber nachdem das Boot im August 2013 direkt an die Küste gebracht und die Besatzung an Land verschleppt worden war, konnten die internationalen Seestreitkräfte wenig tun. Außer Luftaufnahmen des Bootes machen, das ohnehin erbarmungswürdig aussah.

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… aber immer noch besser als die Albedo:

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Mit der Freilassung der Crew der Naham 3 ist die Tortur der Geiselhaft in Somalia noch längst nicht für alle Seefahrer gekaperter Schiffe beendet, darauf weist Oceans Beyond Piracy ebenfalls hin:

Whilst there has not been a successful attack on a commercial vessel since 2012, there have been a number of attacks on fishing vessels and there remains a number of hostages still held in Somalia: 10 Iranians from the FV Siraj (taken in 2015), 3 Kenyan kidnap victims (including a sick lady) remain in the hands of pirates and a number of AMISOM soldiers remain captives of Al Shabaab.

Nachtrag: die Reuters-Meldung dazu: Somali pirates free 26 Asian sailors held since 2012

(Foto oben: Oceans Beyond Piracy; übrige Fotos: EUNAVFOR)

11 Gedanken zu „Nach 1672 Tagen Geiselhaft: Somalische Piraten lassen Fischer frei

  1. „Die Atalanta-Mission hatte die Naham 3 zwar immer im Blick.“

    Warum hat man denn nix unternommen bevor das Schiff festmachte.

  2. Wenn ich mir die am Schluss zitierte Passage angucke, erscheint sie ein wenig widersprüchlich:
    Da steht einerseits, seit 2012 sei kein Schiff mehr entführt worden, dann wird aber auf die BEsatzung des FV Siraj verwiesen und angegeben dies sei 2015 aufgebracht worden….

  3. ht_ | 22. Oktober 2016 – 14:29

    „Die Atalanta-Mission hatte die Naham 3 zwar immer im Blick.“

    Warum hat man denn nix unternommen bevor das Schiff festmachte.

    Als Veteran von Atalanta kann ich so viel sagen: Wenn das Schiff in Küstennähe gekapert wird, ist die Zeitspanne des möglichen Eingreifens sehr kurz. Denn ein Eingreifen macht nur Sinn, wenn nur die Piraten an Bord sind, die das Schiff auch gekapert haben. Das sind nämlich nur wenige und meist nur leicht befaffnet. Auch kann man da das Überraschungsmoment nutzen. Ist das Schiff erstmal vor Anker, vor der somalischen Küste, wird es sehr schwierig. Denn dann kommen erheblich mehr Piraten an Bord mit meist bessere Bewaffnung. Dies sind dann die Wachtrupps.
    Ähnliches Problem gab es damals bei der Hansa Stavanger. Als das Schiff erstmal vor Anker lag war ein Eingreifen ohne größere Gefährdung der Geiseln nicht mehr möglich. Es waren schlicht viel zu viele Piraten an Bord. Was auch ein Grund war, warum die Befreiung durch GSG9 versagt wurde.
    Mann kann eben nur kurz nach der Kaperung sinnvoll eingreifen. Wer sich aber mal das Seegebiet anschaut, seine größe, der versteht schnell warum man das kaum schafft. Es müsste zufällig ein Koalitionsschiff mit den passenden Kräften an Bord in der Nähe sein. Und das ist schlicht nicht möglich.
    Ergo muss man sich auf die Prävention verlegen. Was ja auch ganz gut funktioniert.

  4. @ht :
    Entschuldigung wenn ich Sie hier angehe, aber das ist leider die typische Haltung von Leuten, die zu Hause auf dem Sofa sitzen und meinen, Sie müssten ohne tiefere Sachkenntnis erst mal ne pauschale Kritik raushauen….
    Wie wäre es mit einer Gegenfrage: WAS hätten SIE denn unternommen, wenn Sie da die Entscheidungsbefungis gehabt hätten?
    Zu Ihrer Info – Das Schiff war entführt und es waren Geiseln unter der Bewachung schwer bewaffneter und uberechenbarer Somalis an Bord. Also los geht es: Was hätte unternommen werden müssen?

  5. @Roadrunner
    Da steht, dass seit 2012 kein „commercial vessel“ mehr angegriffen wurde, jedoch werden nach wie vor Fischerboote angegriffen. Ich vermute mal, dass mit „commercial vessel“ Frachtschiffe gemeint sind, obwohl Fischerboote doch eigentlich auch „commercial“ sind? Naja, jedenfalls vermute ich mal, dass es sich bei der FV Siraj um ein Fischerboot handelt und kein Frachtschiff.

  6. @Roadrunner

    Genau das ist der Punkt: Kein (größeres) Handelsschiff bzw. kein Schiff aus Industrienationen. Kaperungen kleinerer Fischerboote gab es auch danach noch, ohne dass das groß wahrgenommen worden wäre. Aus Sicht der größeren Industrienationen in Amerika, Europa und Asien ist das Piraterieproblem vor Somalia derzeit unter Kontrolle…

  7. @ Roadrunner | 22. Oktober 2016 – 14:57
    ht hat hier im Faden lediglich eine Frage gestellt. Die Sie, Roadrunner, nicht mal ansatzweise beantwortet haben. Also los gehts: Warum hat man denn nix unternommen bevor das Schiff festmachte?
    Wenn Sie dazu nix sagen könne, sagen Sie wenigstens das.
    Hans Schommer

  8. Sehr geehrter Herr Schommer,
    wenn Sie ein wenig zwischen den Zeilen lesen können, dann erkennt man aus der Frage des users ht einen impliziten Vorwurf. Er ist also der Meinung, es hätte etwas getan werden können (müssen?) Daher sollte er ja auch eine Vorstellung haben was.
    Ich bin der Meinung, dass man nichts hätte tun können – und der Grund dafür ist in meinem vorletzten Satz durchaus angegeben.
    Sollte Ihnen das nicht deutlich genug sein, dann gerne ausführlich für Sie noch einmal:
    Aufgrund der Tatsache, dass dort eine unbekannte Anzahl schwer bewaffneter Somalis an Bord zusammen mit Geiseln anzutreffen wären, würde ein Eingreifen das Leben der Geiseln massiv gefährden und ein Erfolg eines wie auch immer gearteten Zugriffs wäre dabei keineswegs sicher.
    Weitere zu bedenkende Punkte: Es wäre unmöglich vorab zu wissen, welche Personen sich in welcher Anzahl in welchen Räumen des Schiffes befinden – und zu welcher Gruppe sie gehören (Geiseln/Piraten). Mit anderen Worten: Schon ein ziemliches Himmelsfahrtskommando. Weitere Ausführungen kann ich in der Tat keine machen, da ich zu Zeiten der „Hansa Stavanger“ vor Ort war und alles weitere nicht zur Veröffentlichung bestimmt ist.

  9. Danke für den Hinweis. Merkwürdigerweise ist auch zehn Stunden später auf der Piracy Alert-Liste der NATO nichts dazu zu finden…

    /edit … aber hier gibt’s ne Karte dazu.

    (Ich merke schon, all die Quellen zu Piratenangriffen der vergangenen Jahre habe ich schon so lange nicht mehr benutzt, dass ich inzwischen richtig suchen muss…)

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