Russischer Einsatz in Syrien: Jetzt auch aus dem Iran

20160816_RUS_Iran_TU-22M3

Russische Kampfflugzeuge haben erstmals von einer Luftwaffenbasis im Iran Angriffe auf Ziele in Syrien geflogen. Dabei seien unter anderem Stellungen der ISIS-Terrormilizen und der islamistischen Jabhat al-Nusra angegriffen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am (heutigen) Dienstag mit:

On August 16, 2016, Tu-22M3 long-range bombers and Su-34 tactical bombers took off from the “Hamedan” airbase (the Islamic Republic of Iran) and carried out a concentrated airstrike on objects of the ISIS and Jabhat al-Nusra terrorist groupings in the provinces of Aleppo, Deir ez-Zor and Idlib.

As a result, the strikes have eliminated 5 large ammunition depots with armament, munitions and fuel, training camps of militants near Serakab, Al-Ghab, Aleppo and Deir ez-Zor cities, 3 control centres of militants near the cities Jafra and Deir ez-Zor as well as a significant number of militants.
Ammunition depots, training camps and control centres destroyed by the bombing had been used for support of militant groupings near Aleppo.
Su-30SM and Su-35S, which had taken off from the Hmeymim airbase, covered the long-range bombers.
All Russian aircraft have returned to the airfield after accomplishing the combat task.

Dass es die ersten russischen Luftschläge aus dem Iran sind, gilt im Westen als sicher, auch wenn es so richtig genau niemand weiß. Oder, wie Reuters es formuliert:

It is thought to be the first time that Russia has struck targets inside Syria from Iran since it launched a bombing campaign to support Syrian President Bashar al-Assad in September last year.
The move shows Russia is expanding its role and presence in the Middle East and comes amid Russian media reports Moscow has asked Iran and Iraq for permission to fire cruise missiles at Syrian targets across their territory from the Caspian Sea.

Zu diesen Angriffen hat das russische Ministerium ein Video veröffentlicht:


(Direktlink: https://youtu.be/Kn8l-Rb7TKc)

(Dieser Eintrag ist dann auch der Start des dringend nötigen neuen Sammel-Threads zum Thema ISIS/Syrien/Irak)

(Foto: Screenshot aus dem Video)

 

59 Gedanken zu „Russischer Einsatz in Syrien: Jetzt auch aus dem Iran

  1. Jetzt überschlagen sich die Ereignisse um Jarabalus. SDF und FSA bekämpfen sich nun gegenseitig im süden der Stadt. Türkische Artillerie feuert auf die Stellungen der SDF, Gerüchten nach soll OIR SDF Stellungen angegriffen haben.
    Die YPG hat Ankara darauf hingewiesen, dass man als syrische Partei sich die Politik nicht von Ankara vorschreiben liese. Herr Putin reibt sich schon mal die Hände.

    Was aber wirklich interessant wird, ist Ankara nun doch bereit auf syrischem Boden mit Bodentruppen gegen Raqqa vorzugehen?

  2. Nun zur Prognose sollte man sich die ethnischen Karten nochmal vornehmen:

    http://gulf2000.columbia.edu/images/maps/Syria_Ethnic_Detailed_lg.png

    Es wird also schwierig für die PYD den Kurden zu vermitteln, warum die Kurden um Al-Bab nicht befreit werden dürfen. Klar ist aber auch, dass eine YPG in Jarabalus nichts bis absolut nichts zu suchen hat.

    Trotz allem kämpfen nun die Binnenflüchtlinge, welche unter dem Schirm der SDF organisiert sind gegen das türkische Militär und regional fremde Araber der „FSA“. Mal sehen ob da wo FSA drauf steht auch FSA drin steckt?

    Was wirklich spannend ist, wie reagiert die SDF? Man will ein föderales/teilautonomes Syrien und sollte Assad auf diesen Vorschlag nun eingehen, könnte er sich sein Überleben sichern. Erklärt natürlich, warum umgehend nachdem kämpfe zwischen der YPG und SAA/Hezbollah ausgebrochen waren iranische wie russische Vermittler vor Ort waren, um eine Einigung der Konfliktparteien zu erziehlen.

  3. @Mitleser: Hier die entsprechende Reuters Meldung:

    Weltnachrichten | Donnerstag, 25. August 2016, 12:55 Uhr
    Türkei drängt IS und Kurden in Nord-Syrien zurück
    (verlinke mal nicht, da Deutschsprachig?)

    Röttgen und Hardt nehmen Kurden in Schutz … #freudenträne

  4. Die Ereignisse um Manbidsch/Dscharabalus weitestgehend überblickend:

    – Die sogenannte FSA auf seiten der Türkei ist weitestgehend die Sultan Murad Brigade, eine turkmenische Miliz mit Beziehungen zu den Grauen Wölfen der rechtsfaschistischen MHP. Allein die Namensgebung im Hinblick auf den osmanischen Sultan ist bemerkenswert: Islamofaschistischer Revisionismus.

    – Diese Brigade war verantwortlich für mehrere Misshandlungen syrischer Kurden um Aleppo, wie es hier in den Kommentaren bereits mit entsprechendem Videomaterial verlinkt war.

    – Nun kommen ähnliche Bilder zur Misshandlung von Kurden im Al-Bab Manbidsch Korridor hinzu, den man vollständig einnehmen will. Al-Bab und Manbidsch sind mehrheitlich kurdisch besiedelt.

    Prognose:
    – Bestenfalls: Die SDF igelt sich ein, wird aber keine ausgedehnten Kampagnen gegen DAESH führen, da man sich betrogen fühlt.

    – Schlimmstenfalls: Die Allianz USA – SDF/YPG ist sogut wie beendet. In anbetracht der Bilder kann eine PYD die kommenden Kriegsverbrechen mit direkter militärischer Unterstützung der Türkei kaum tragen. Die Kurden machen also wieder die selbe Erfahrung wie damals im Irakkrieg, sie werden fallengelassen werden.

    Ob diese „FSA“ gegen Daesh vorgeht beantwortet Military Times:

    But flowing military support to the YPG comes with a big risk: destabilizing Turkey. The Turkish government vigorously opposes empowering Syrian Kurds. Turkey has its own restive Kurdish minority, and many Turks believe the YPG is linked to a Turkish terrorist group that mounts catastrophic attacks on the Turkish government and civilians.

    U.S. relations with Turkey, a NATO ally, have faltered during the past year, and some U.S. military officials fear that Turkey would revoke military’s access to Incirlik Air Base, a key hub for the American coalition’s anti-ISIS operations. While Turkey nominally backs the U.S. effort to defeat ISIS, many experts believe suppressing the Kurds is Turkey’s top priority and many Turks quietly sympathize with the Islamic extremists.

    “Turkey has been playing a double game,” Karasik said.

    The ISIS war has a new commander — and ISIS may be the least of his worries
    By: Andrew Tilghman, August 21, 2016
    http://www.militarytimes.com/articles/the-isis-war-has-a-new-commander-and-isis-may-be-the-least-of-his-worries

  5. @AoR

    Ich habe ja schon vor Monaten „prophezeit“, dass das Projekt „Demokratische Föderation Rojava“ zum scheitern verurteilt ist, weil keiner der in Syrien involvierten Staaten es unterstützt – zwar aus teilweise sehr unterschiedlichen Gründen, unter dem Strich ist das aber der gemeinsame Nenner: There shal’t not be a kurdish dominated and controlled territorial entity across northern Syria. Als nach der Einnahme von Manbidsch die SDF dann als nächstes Ziel Al-Bab ankündigte und gleichzeitig den USA einen Korb in Sachen Raqqa verpasste, war mir eigentlich klar, dass die USA nun diesen kurdischen Schachzug nicht mehr mitmachen werden. Obama hat nur noch ein Interesse und das ist der Kampf gegen den IS und ansonsten ist ihm das ganze Durcheinander on the ground in Syrien (und auch im Irak) wohl mittlerweile ziemlich egal – Hauptsache bis zur heißen Phase des US Wahlkampfes werden on the ground keine Fakten geschaffen, die ihn politisch so unter Druck setzen, dass er doch militärisch eingreifen muß.

  6. @klabautermann: Ja erinnere mich gut. DAS ist die Tragödie on the ground. Trotzdem, ein 30 mio Volk kann sich nicht einfach aus der Existenz nehmen. Und wer bekämpft jetzt Daesh? Welche Freunde bleiben den USA noch in der Region? Die Türkei zerlegt sich gerade selbst … Putin lacht sich krumm?

  7. Die Aussicht auf einen unabhängigen Staat, oder zumindest relative Autonomie, ist doch der Motivator für die Kämpfer.

    Nochmal werden die sich von den „Verbündeten“ nicht vor den Karren spannen lassen. Quasi Sykes-Picot reloaded.

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