Kommandeur der Führungsakademie muss (unbestätigt) gehen

Sommerreise 2014 der Verteidigungsministerin

Der Kommander der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Achim Lidsba, wird nach einem Medienbericht von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Der 61-jährige solle zu Ende August von seinem Amt abgelöst werden, berichtet der Kollege Rolf Clement im Deutschlandfunk: Von der Leyen schickt Bundeswehr-Ausbilder in den Ruhestand. Eine Bestätigung dafür gibt es vorerst nicht: Zu Personalangelegenheiten nehmen wir nicht Stellung, sagte eine Ministeriumssprecherin am (heutigen) Donnerstag.

(Das Thema wird in anderen Threads bereits diskutiert, deshalb hier mal zusammengebunden, damit es nicht ausfasert.)

Zu den möglichen Gründen berichtet der Deutschlandfunk:

Lidsba habe die Bundeswehr auf dem Hamburger und Berliner Pakett nicht ausreichend vertreten, wird ihm vorgehalten. Er gilt nicht als Partylöwe und hat gesellschaftliche Verpflichtungen nicht sonderlich gerne wahrgenommen. So habe die Bedeutung der eigentlich sehr herausgehobenen Akademie in Hamburg, Berlin und der Sicherheitscommunity abgenommen. Immer wieder wird eine Beschwerde erwähnt, die eine Zahnärztin der Bundeswehr an Ministerin von der Leyen geschickt haben soll, in der sie beklagt, dass Frauen in den Ausbildungsgängen der Führungsakademie nicht angemessen behandelt würden.

Auch dazu gibt es natürlich keine offizielle Bestätigung. (Mal sehen, was in den kommenden Tagen dazu zu hören sein wird.)

Es ist nicht das erste Mal, dass von der Leyen von der Bestimmung des Soldatengesetzes Gebrauch macht, die es erlaubt, Soldaten vom Brigadegeneral aufwärts ohne Angabe von Gründen in den einstweiligen Ruhestand zu schicken. So hatte die Ministerin vor einem Jahr den damaligen stellvertretenden Generalinspekteur Peter Schelzig und den Abteilungsleiter Führung Streitkräfte, Heinrich Lange, ebenfalls von ihren Ämtern entbunden.

Als möglichen Nachfolger Lidsbas an der Spitze der Führungsakademie nennt der Deutschlandfunk Brigadegeneral Carsten Breuer, der für das am (gestrigen) Mittwoch veröffentlichte neue Weißbuch der Bundeswehr zuständig war. Allerdings ist nach der jüngsten Personalmitteilung der Streitkräfte Breuer als neuer Abteilungsleiter Einsatz beim Kommando Heer in Strausberg vorgesehen.

(Archivbild 2014: von der Leyen und Lidsba an der Führungsakademie  – Bundeswehr/Tom Twardy)

42 Kommentare zu „Kommandeur der Führungsakademie muss (unbestätigt) gehen“

  • Jan   |   14. Juli 2016 - 10:12

    Ein weiterer Beweggrund kann eine sehr umfangreiche Beschwerde über die umgestellte Ausbildung der Stabsoffiziere sein. Aber auch das ist nur Spekulation!

  • klabautermann   |   14. Juli 2016 - 10:26

    Tja, Achim Lidsba war schon immer mehr Frontschwein als Partylöwe. Political Correctness ist bestimmt kein Hobby Horse für ihn. Kann mir lebhaft vorstellen was er über das neue Weißbuch sagen würde falls man ihn als Kommandeur FüAk dazu befragen würde…….da ist es wohl besser, dass er geht bevor ihn noch jemand fragt ;-)

    Na ja, er hatte ja schon in Afghanistan so seine Probleme mit der „politischen“ Weisungslage aus dem BMVg. Knuffige Klartext-Typen sind halt „out“…..leider.

  • Closius   |   14. Juli 2016 - 10:42

    Wir haben verstanden, daß die Entlassung noch nicht bestätigt ist(und solange ist ja ein Meinungswechsel im Ministerium noch möglich). Aber unterstellt, die Meldung stimmt und wird noch bestätigt, dann ist es ein großer Unterschied, ob ein General gefeuert wird, weil sich eine Zahnärztin sich beschwert hat wegen „Frauenrechten“ oder ob ein General gefeuert wird, weil er kein Partylöwe sei.

    Ein feuern wegen Frauenrechten kann schnell zum Problem für die Ministerin werden, weil man ihr dort vorwerfen kann, ihre Gechlechtsgenossinnen zu bevorzugen…..dagegen fällt mir kein BW-Posten ein, wo der Inhaber ein Partylöwe sein müsste. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß die Bedeutung der Führungsakademie davon abhängt, ob der Kommandeur sich in der Schickeria rumtreibt oder nicht.

    Im Übrigen wäre es eine schlechte Personalpolitik, wenn man ein Frontschwein für einen Posten nimmt, wo man einen Partylöwen erwartet.

    Daß man in der BW besser Karriere machen kann, wenn man ein paar Mal im Verteidigungsministerium gedient hat, statt Truppenkommandos geführt zu haben, ist schon lange schlimm genug.

  • Dran.Drauf.Drüber.   |   14. Juli 2016 - 10:45

    Herrn GM Lidsba habe ich als angenehmen Gesprächspartner bei verschiedenen Fortbildungslehrgängen an der FüAK in Hamburg erleben dürfen.
    Er hat m.E. einen sehr offenen und tiefgehenden Erfahrungsaustausch mit Lehrgangsteilnehmern gepflegt und dabei aus seinem Erfahrungsschatz auch immer ein passendes „Goldkörnchen“ an die LT weitergeben können.

  • Hans Dampf   |   14. Juli 2016 - 10:47

    @ Jan:

    Können Sie dazu mehr sagen?

  • f28   |   14. Juli 2016 - 11:06

    @ Jan:
    schließe mich der Frage / Bitte von „Hans Dampf“ an.

  • SER   |   14. Juli 2016 - 11:13

    @ Jan

    Auch von mir der Wunsch bitte mehr zu erfahren !

    @all

    Tja es bewahrheitet sich immer wieder wie es der @Klabauter schon sagte !
    Einen schicken Abend mit Ambiente zu organisieren brachte mancher Karriere mehr als 200 Tage Einsatz im Ausland oder irgendwelche Biwaks …

    Was soll denn diese Frau Zahnärztin an der FüAK bemängelt haben ?
    Fehlendes Madientraining für KiTa oder was ? ;-)

  • Antenne   |   14. Juli 2016 - 11:17

    Ich habe ihn mehrfach in der Dienstaufsicht erlebt. Es waren stets sehr verwirrende Kommentare ohne Zusammenhang zum Unterricht. Es wird Zeit das er wegkommt. Goldkörnchen sehen anders aus.

  • Roadrunner   |   14. Juli 2016 - 11:20

    @Klabautermann:
    nachdem ich hier eine Weile mitlese und daher auch Ihren Schreibstil ein wenig kennen gelernt habe, bin ich mir durchaus bewusst, dass Sie gerne „locker und schmissig“ formulieren, was ich im Grossen und Ganzen auch schaetze. Aber selbst im Inkognito des Internetes und in einem Blog finde ich es unpassend, wenn hier von einem hochgestelltem General mit Vor- und Zuname anstatt mit Dienstgrad geschrieben wird.
    Meiner Meinung nach gehoere sich das nur dann, wenn man auf vegleichbarem Level taetig oder ein persoenlicher Freund ist, ansonsten halte ich das entweder fuer ungebuerlich oder wahlweise wichtigtuerisch, aber das ist eventuell auch nur meine Wahrnehmung.
    Sollte dies als unpassender Kommentar vom Hausherren angesehen warden, bitte ich dies zu entschuldigen und zu loeschen.

  • FrankP   |   14. Juli 2016 - 11:26

    @Closius: Seit wann ist es in Deutschland ein Problem für eine Führungskraft, wenn ihr irgendwer die Bevorzugung von Frauen unterstellt?

    Ich meine, eine solche „positive Diskriminierung“ (aka „affirmative action“) hat sogar gute Chancen darauf, als Grund genannt zu werden – selbst wenn es nur ein vorgeschobener sein sollte.

    Gerade WEIL sich niemand aus der Deckung trauen wird, um gegen eine mögliche Bevorzugung von Frauen zu opponieren. Die Zahnärztinnenbeschwerde wird deshalb mit einiger Sicherheit auf den Tisch kommen (mein Tipp).

  • Realist...   |   14. Juli 2016 - 11:43

    Ich habe hier ein sehr lesenswertes Interview mit Herrn Generalmajor Achim Lidsba gefunden.

    http://www.welt.de/regionales/hamburg/article124930124/Wir-wollen-den-Frauenanteil-erhoehen.html

  • Chimäre   |   14. Juli 2016 - 11:50

    An der FüAk herrscht eine gewisse geistige Freiheit, aber leider kommen nicht alle Offiziere, die dort an Lehrgängen teilnehmen, damit zurecht, wenn ein Dozent einmal von der offiziellen Linie abweicht, Entscheidungen der politischen Führung hinterfragt oder mit bewusster Zuspitzung zum Nachdenken auffordern will. Ob sich das nur in wenig geistvollen Reaktionen einzelner Lehrgangsteilnehmer oder in Beschwerden äußerte weiss ich nicht, aber wenn die Entscheidung bzgl. General Lidsba damit zu tun gehabt haben sollte, wäre das ein absolutes Armutszeugnis für die Bundeswehr, die damit deutlich gemacht hätte, dass sie nicht den denkenden Offizier will, sondern den stromlinienförmigen Anpasser.

  • klabautermann   |   14. Juli 2016 - 12:01

    @Roadrunner

    …..na ja, die 85-87er Lehrgangskameraden haben sich damals auf das uniformträgerbereichsübergreifende „Du“ geeinigt unter Weglassung des Dienstgrades (auch künftiger ;-))…..reicht das als Begründung für meine „Ungebührlichkeit“ ?

    ;-)

  • Alf Igel   |   14. Juli 2016 - 12:04

    Könnte es sein, dass Generalmajor Lidsba zu einer Denkschule und Generation von Offizieren gehört, die zur „neuen Bundeswehr“, die von Merkel und von der Leyen da gerade geformt wird, nicht mehr passen? Die neudeutsch gewünschten Partygockel können mit der trockenen Schärfe einer Generation Lidsba oder Ramms nicht mehr umgehen.
    Vielleicht sollte man konsequenterweise auch Namen wie Clausewitz Kaserne aus dem Bild der Bundeswehr tilgen, denn die Denkschule dieses Herrn scheint ja in den Streitkräften der neuen Berliner Republik keine Rolle mehr zu spielen.

    Die Offiziere unter Kaiser Wilhelm II. waren meist richtige Partylöwen, die als Salontiger im damaligen Berlin die Damen begeisterten und in adretten Uniformen die wilhelminische Epoche prägten. Der Ausgang ist bekannt.
    Dummerweise sind „Salon-Entscheidungen“ meist emotionaler und impulsiver, als die eher unglamouröse rationale Entscheidungsfindung im stillen Kämmerlein. Der offenbar von Kränkung und Emotionen geleitete Umgang mit der Türkei ist da vielleicht ein Vorbote einer neuen Führungskultur.

  • Dipl.-Inf(anterist)   |   14. Juli 2016 - 12:31

    Ich schiebe mal meinen Beitrag von heute morgen im Bällebad her hinüber und bitte den Hausherrn, ihn dort zu löschen:

    Hmmm, wenn ich die im Artikel genannten Punkte mal versuche zu sortieren, dann bleibt zum Einen über, dass man jermanden mit 56 Jahren in eine Verwendung gebracht hat, die Anforderungen in Bezug auf (auch) außerdienstliche, gesellschaftliche Verpflichtungen stellt. Dass diese Person evtl. kein “Partylöwe” ist, hätte die Personalführung und die zuständigen Vorgesetzten aber auch gut vorher feststellen können (ich unterstelle einmal, dass so eine “Eigenschaft/Fähigkeit” nicht plötzlich verschwindet!) bzw. im Verlaufe der 5jährigen Stehzeit feststellen müssen.
    Ein “Networker” scheint GM Lidsba ja durchaus zu sein, wenn auch in anderen Netzwerken als vielleicht „von oben“ gewünscht…
    Darüber hinaus bleibt dann über, dass es eine(!) Beschwerde über die Verhältnisse an der FüAk gibt! Ungeachtet der Tatsache, inwieweit diese Beschwerde begründet war und inwieweit GM Lidsba eventuell persönlich und nicht nur in seiner Funktion als Kommandeur der FüAk betroffen/beteiligt war, käme der Personalkörper der Bundeswehr ganz schön in Bewegung, wenn jeder Vorgesetzte, über den man sich begründet beschwert gleich versetzt oder wie in diesem Fall entlassen wird!
    Wenn Belohnungen für das Weissbuch verteilt werden sollen, so ist das vielleicht grundsätzlich in Ordnung, aber so hat das Ganze, zumindest für mich, ein übles “Gschmäckle”, wie der Schwabe sagt!
    Vielleicht erfahren wir ja hier ein bisschen mehr über die Hintergründe der Entlassung!?

  • securityfreak65   |   14. Juli 2016 - 12:38

    @klabautermann
    Und schon fängt der Abgleich mit dem LGAN-Archiv an….

  • klabautermann   |   14. Juli 2016 - 12:50

    Es kann natürlich auch den ganz banalen Grund haben, dass hier eine B6+Strukturmaßnahme aus Gründen der Stellenbewirtschaftung vorgenommen wird – auch im Interesse des Betroffenen. Der Herr General sitzt jetzt seit 5 Jahren auf dem Dp und wenn es keine Auflösung für ihn nach B9 gibt (oder er z.Bsp. aus familiären Gründen einer Auflösung nach B9 im Ausland nicht zustimmen kann), dann ist es wohl für beide Seiten vernünftiger, wenn er geht. Und dann ist eben die Zuruhesetzung ohne Angabe von Gründen das probate Mittel, denn dann kann er seinen Verbleib auf Dp nicht einklagen.

  • klabautermann   |   14. Juli 2016 - 12:56

    @securityfreak65

    Lol – na denn viel Spaß beim Abgleichen. Die Leute, die mich kennen, wissen schon lange, wer als Klabautermann durch das i-net segelt ;-)

  • wacaffe   |   14. Juli 2016 - 13:57

    und ich dachte immer der „politische Soldat“ sei seit den 1940’ern nicht mehr en vogue.

    Scheinbar ein irrtum solange die „richtige“ Ideologie propagiert wird.

    egal welcher der beiden mutmaßlichen Gründe ausschlaggebend war, jeder wäre für sich ein negativ Fanal par exellance.

    Kommuniziert wird: Konformistisch zeitgeistiges Opportunistentum wir honoriert, eigenständig individuelles denken und Auftreten mit karriereende quittiert.

    Und das an der Ausbildungsstätte für militärisches Führungspersonal.

    Stalin wäre stolz.

  • Major B.   |   14. Juli 2016 - 13:57

    @Dran.Drauf.Drüber:

    Dem kann ich mich nur anschließen. Bereits als mein DivKdr habe ich ihn auf Übungen als sehr integeren und greifbaren Menschen erlebt, dem noch die richtigen Dinge wichtig waren. Vielleicht resultiert am Ende die Zurruhesetzung aber aus den gesundheitlichen Problemen, welche bereits zur Abgabe des Kommandos in LEIPZIG führten, weil er als COM RCN nicht zur Verfügung stand.

  • T.Wiegold   |   14. Juli 2016 - 13:59

    Schon irre, wie manche auf völlig unklarer Faktenlage ihr entschiedenes Urteil sprechen („Stalin wäre stolz“). So einen Blödsinn hier bitte nicht.

  • Georg   |   14. Juli 2016 - 14:27

    Man kann ja mal darüber nachdenken, dass der Herr General mit 61 Jahren gerade mal ein Jahr vorzeitig in vorläufigen Ruhestand versetzt wird. Es kann auch eine ganz normale Personalmaßnahme im Generalsbereich sein, wie @ Klabautermann schon schilderte.

    Wenn seit einem Monat alle BS befragt werden, ob sie eventl. freiwillig 6 Monate oder mehr ihre Dienstzeit verlängern wollen, dann ist manchmal schon die Nachfolgerentscheidungen getroffen gewesen. Die Konsequenz ist, das dann eine Dienststelle für 6 Monate doppelt besetzt ist. Endlich mal ist eine vernünftige Einarbeitung des Nachfolgers möglich.

    Also diese vorzeitige Zurruhesetzung von 12 Monate nicht zu hoch hängen, sondern im Rahmen eines flexiblen Personalmanagements sehen.

  • J-P-W   |   14. Juli 2016 - 14:45

    @ Alf Igel, wie kommen Sie darauf, daß die Damen Merkel und von der Leyen gerade eine neue Bundeswehr formen? Für mich sieht es eher so aus, daß die Bundeswehr das werden konnte, was sie ist, weil die Dame, die bereits im Vorgängerdokument zehn Jahre (!) zuvor an prominenter Stelle prangte, ihre Schwerpunkte woanders als in der Sicherheitspolitik sah und die Funktion des Bendlerblockvorsitzes eher zum Aussitzen oder als Schleudersitz verwendete.

  • Dran.Drauf.Drüber.   |   14. Juli 2016 - 15:31

    @ Georg

    Die gleichen Gedanken bezüglich einer Zurruhesetzung mit der besonderen Altersgrenze von 62 Jahren habe ich mir auch gemacht.

    Ein uniformierter Mitarbeiter aus dem Personalwesen klärte mich dahingehend auf das diese besondere Altersgrenze mittlerweile nicht mehr generell für Generäle und Admiräle gilt. Hier sei vielmehr die Zurruhesetzung mit Erreichen des 65 Lebensjahres die gängige Praxis.

    Generalmajor Lidsba bleibt bis Ende August noch Zeit sich ordentlich aus seinem Verantwortungsbereich zu verabschieden und gegebenenfalls eine Übergabe an seinen Nachfolger zu organisieren. Diese Vorgehensweise spricht für eine geplante „Außerdienststellung“ auf dieser hohen Ebene.

  • Hamburger   |   14. Juli 2016 - 16:01

    Gegen eine geplante (ordentlich) geplante “Außerdienststellung” spricht allerdings die gleichzeitige Pensionierung des Abteilungsleiter Führung der FüAk (ehemals Chef des Stabes). Das wird einige Unruhe in den Laden bringen (gewollt?).
    Es war schon ein Anachronismus, einen unstudierten General auf dem Posten des Kommandeurs der höchsten Bildungseinrichtung zu haben.
    Ohne weiter über Gründe spekulieren zu wollen – „den Lidsba machen“ ist in Hamburger Kreisen ein geflügeltes Wort für „vorzeitig von einem Event verschwinden“ geworden- direkt nach Eröffnungsrede und Häppchen, nachdem man seine Schuldigkeit getan und von möglichst vielen gesehen wurde. Nach Höflich-/ und Geduldigkeit sah das selten aus – eher nach innerer Unruhe eines Panzergrenadieres vorm Angriff ;)

  • Alf Igel   |   14. Juli 2016 - 16:37

    @ J-P-W | 14. Juli 2016 – 14:45

    Wenn man betrachtet, was passiert und sich nicht so sehr davon ablenken lässt, was einem verbal für Nebelkerzen vorgesetzt werden, dann muss man schon feststellen, dass ein vollkommen anderer Typus Offizier seit einiger Zeit propagiert wird und die Bundeswehr ein andersartig willfähriges Werkzeug werden soll. Seinen vorläufigen Höhepunkt hat der Umbau zur Söldnertruppe in dem Begehr, zukünftig den Dienst nicht an die deutsche Staatsbürgerschaft zu koppeln. Die Loyalitäten sollen offenbar bewusst verändert werden.

    PS: Lerne ich richtig aus der obigen Verlinkung bei Realist… | 14. Juli 2016 – 11:43 zu welt.de, dass Links zu Springer-Portalen in Ordnung sind?

    [Nein. Das lustige Leistungsschutzrecht erfasst nicht Texte, die älter als ein Jahr sind. (Müsste ich in den FAQ noch ergänzen.)

    Davon abgesehen: Ihr Ton ist schon grenzwertig, z.B. ‚andersartig willfähriges Werkzeug‘. Ich akzeptiere eine große Breite an Meinungen hier, sie testen in der Wortwahl offensichtlich bewusst Grenzen aus. T.W.]

  • Kerveros   |   14. Juli 2016 - 20:07

    @securityfreak65

    Wie Klabautermann schon sagte… wer hier länger mitliest, sieht darin nicht unbedingt ein Geheimnis ;)

    @roadrunner

    finde ich es unpassend, wenn hier von einem hochgestelltem General mit Vor- und Zuname anstatt mit Dienstgrad geschrieben wird

    Anders als bei einem Doktortitel interessiert der Dienstgrad des Herrn Lidsba den Rest der Welt nicht unbedingt. Ich rede auch nicht jeden Direktor eines großen deutschen Unternehmens mit ‚Herr Direktor‘ an…

    Wenn das ganze von einem aktiven Soldaten kommt mag man das anders sehen, aber die Zeiten, in denen Generäle qua Dienstgrad in der Bevölkerung Respekt verdienten, dürften etwas über 100 Jahre her sein…

    (mal abegesehen davon, dass die wenigsten Generale, mit denen ich zu tun hatte, sich diesen auch verdient hätten… aber das ist ein anderes Thema)

    Nachtrag: abgesehen davon verzichten die militärischen Mitarbeiter des BMVg in Schreiben regelmäßig selbst darauf ihren Dienstgrad anzugeben…

  • Hans Dampf   |   14. Juli 2016 - 20:41

    Ab Generalleutnant aufwärts wurde man bei Preußens mit „Exzellenz“ angesprochen ;-)!
    Man muss es ja nicht übertreiben, wie die Österreicher („Frau Apothekerin“), aber wenn ein Stabsoffizier in einem offiziellen Schreiben seinen Dienstgrad weglässt, nunja. Das sind dann vermutlich dieselben Herrschaften, die ihre Untergebenen mit „Herr Name“ und nicht mit „Herr Dienstgrad“ ansprechen, aber umgekehrt natürlich sehr wohl erwarten, dass dem Kapitel „Gruß und Anrede“ gemäß verfahren wird.

    Aber zum Thema: Wenn es eine „reguläre“ Zurruhesetzung wäre, dann glaube ich, hätte man dies auch entsprechend kommuniziert und würde nicht so „rumdrucksen“, wonach es ja irgendwie aussieht.

    Sollte es so sein, wie es beschrieben wurde, so muss ich sagen – sprich, dass er nicht bis zum bitteren Ende einer Soiree blieb: So what? Auch ein General hat ein Recht auf sein Privatleben. Und wenn man Pendler ist, dann will man vielleicht auch etwas von seinem Wochenende, das eh schon kurz genug ist, haben. Das sollte der Ministerin und Ihrem Dunstkreis doch geradezu recht sein, wenn dies sogar von Arabeskenträgern vorgelebt wird.

  • Burkhart Berthold   |   14. Juli 2016 - 23:34

    Wenn man das Interview liest, das „Realist“ – vorsichtshalber mit tapferem Pseudonym – dankenswerterweise verlinkt hat, möchte man meinen, dass der General doch genug Kreide gefressen habe, um sogar noch Feldmarschall zu werden.

    Aber wahrscheinlich hat ihn die Zahnärztin dabei erwischt, wie er im Wartezimmer heimlich Martin van Creveld gelesen hat… und dann hat sie halt gepetzt. Ist ja für eine gute Sache.

  • Deichbau01   |   15. Juli 2016 - 0:10

    Es scheint mir sinnvoll, hier einmal ein paar Zitate zu bringen, wohl wissend, dass die Beschwerde der Zahnärztin als Begründung für eine etwaige Entlassung bislang nur eine Vermutung ist:
    – Art 3 Absatz (2) Grundgesetz: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
    – § 9 Soldatengesetz, Text Diensteid: „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“
    Müsste man also auch die Gleichberechtigung der Frau tapfer verteidigen, gelle? Sogar in der Bundeswehr.
    Außerdem gibt es ja noch den § 12 Soldatengesetz (Kameradschaft): Der Zusammenhalt der Bundeswehr beruht wesentlich auf Kameradschaft. Sie verpflichtet alle Soldaten, die Würde, die Ehre und die Rechte des Kameraden zu achten und ihm in Not und Gefahr beizustehen. Das schließt gegenseitige Anerkennung, Rücksicht und Achtung fremder Anschauungen ein.
    Gilt wohl hoffentlich auch für Frauen??

    Mir scheinen die gegebenen Grundlagen sehr klar. Ich habe durch Kontakte zu weiblichen Absolventen des Generalstabslehrganges ein paar Einblicke bekommen, die nicht den Eindruck erwecken, als würde man dort nach o.g. Prinzipien handeln, seit Jahren nicht und es wird nicht wirklich besser über die Zeit. Bevor hier jetzt eine Diskussion über die grundsätzliche Eignung von Frauen als Soldat, die Auswirkungen weiblicher Soldaten auf Streitkräfte und die Bedeutung von kernigen, politisch unbedingt nicht korrekten Generälen, die am besten nicht auf Politiker hören o.ä. losgeht…es gibt eine Ungleichbehandlung von Männern und Frauen als Lehrgangsteilnehmer/in an der FüAk. Frauen wird sehr klar gezeigt, dass sie das Muster stören, dass man sie nicht will, dass sie besser die Klappe halten. Das läuft dergestalt, dass die ausländischen Lehrgangsteilnehmer ausserordentlich verwundert sind, daß Deutschland hier so hinter z.B. Europa, USA und Kanada zurück ist: „Hey, you are still in the 50ies, why?“
    Und wie der Herr, so’s G’scherr. Wenn die Leitung und die Tutoren etwas vorleben, nehmen das etliche männliche Lehrgangsteilnehmer nur zu gerne auf. Unkameradschaftliches, mobbendes Verhalten kommt in der Bundeswehr-Wirklichkeit vor, und wenn es eine Frau trifft, dann ist es nicht deswegen in Ordnung, weil es „nur“ eine Frau ist, die sich dann (zu Recht) beschwert.
    Und noch einmal ganz deutlich: Das Grundgesetz ist für die Bundeswehr kein belangloses Dokument, das zur Seite gewischt werden kann, wenn es einem nicht passt, sondern stellt die Basis des Handelns dar.

  • Uwe   |   15. Juli 2016 - 0:38

    Habe in ca. vier Einzelfällen vor rund vier Jahren die gleiche Erfahrung gemacht, die @Antenne oben in seinen ersten beiden Sätzen schildert (dem Rest „… Zeit, dass er wegkommt …“ schließe ich mich so nicht an).
    General Lidsba nahm dabei an Lehrveranstaltungen der FüAk teil, augenscheinlich spontan, und beteiligte sich auch aktiv an Gesprächen, was ihm als Kdr der Akademie erst einmal gut ansteht. Höflich, kameradschaftlich und verbindlich im Ton, bester erster Eindruck.
    Bloß habe ich überwiegend nicht verstanden, worum es ihm ging und vorwiegend Irritation und Verwunderung mitgenommen.
    Ob das mit seiner Zurruhesetzung jetzt mehrere Jahre später irgendwas zu tun hat, weiß ich nicht. Aber die Erinnerung an eher verwirrende Auftritte kommt halt wieder zurück.

  • Vtg-Amtmann   |   15. Juli 2016 - 1:35

    @all: Man sollte es vielleicht besser wie hier im Thread mehrfach von @Klabautermann gehalten, Peinlichkeiten vermeiden, statt in der Tiefe der Person und in Spekulationen sowie einem Hören und Sagen und/oder persönlichen Empfindungen herumzustochern.

    Weder steht es uns an den Kameraden Herrn Generalmajor Libsda hier zu „sezieren“ noch zu beurteilen! Hinzukommt, daß Dieses – wie sich längst abgezeichnet hat – auch Wasser auf die Mühlen einiger Herrschaften ist.

    Vielleicht sollte man deshalb seitens des Hausherrn und des guten Stil willens nur relevante Medienquellen nachtragen, jedoch die Kommentarfunktion schließen. Wenn dann Gen Libsda offiziell in den Ruhestand versetzt ist und auch seinen Großen Zapfenstreich erhalten hat, kann man ja einen neuen Thread aufmachen und diesen hier verknüpfen.

    Das wäre m.M.n. nicht nur in gebotener Fairnessr gegenüber dem Kameraden sehr opportun, sondern es könnte ja auch sein, daß dieser dann selber zu seinem Ausscheiden etwas zu sagen hat?
    Wäre ja nicht das erste Mal!

  • Hans Dampf   |   15. Juli 2016 - 6:22

    Das ist ja für viele Generalmajore das tragische: den Großen Zapfenstreich zur Zurruhesetzung gibt es erst ab Generalleutnant aufwärts ;-)!

  • Vtg-Amtmann   |   15. Juli 2016 - 6:44

    Dann eben Serenade, ändert aber nichts am Fall.

  • Kerveros   |   15. Juli 2016 - 9:00

    @Deichbau:

    Und noch einmal ganz deutlich: Das Grundgesetz ist für die Bundeswehr kein belangloses Dokument, das zur Seite gewischt werden kann, wenn es einem nicht passt, sondern stellt die Basis des Handelns dar.

    Jain, es ist per Definition die Basis des Handelns der Bundeswehr. Das hindert aber regelmäßig nicht Individuen mit Dienstgrad daran, gegen dieses und andere gesetze zu verstoßen.

    Grade die FüAk ist ein Hort des inneren Widerspruchs zwischen Anspruchsdenken an die Lehrgangsteilnehmer und der vor Ort durch das Stammpersonal oft genug gelebten Mentalität, was wohl in Teilen der Tatsache geschuldet ist, dass die FüAk für so manchen ein Elefantenfriedhof ist (wo man alte Stabsoffiziere zum Auslaufen parkt).

    Dort war und ist regelmäßig so einiges beschwerdewürdig, Kritik wird gerne mit einem ‚Don’t fight the settings‘ abgetan – das ist aber ein Grundproblem und vom aktuellen Fall unabhängig.

  • Lollo   |   15. Juli 2016 - 9:30

    @Kerveros | 14. Juli 2016 – 20:07
    „Nachtrag: abgesehen davon verzichten die militärischen Mitarbeiter des BMVg in Schreiben regelmäßig selbst darauf ihren Dienstgrad anzugeben…“

    @Hans Dampf | 14. Juli 2016 – 20:41
    „…aber wenn ein Stabsoffizier in einem offiziellen Schreiben seinen Dienstgrad weglässt, nunja. “

    Genau so ist es aber in der Geschäftsordnung BMVg für alle offiziellen Schreiben angewiesen.

  • f28   |   15. Juli 2016 - 9:59

    das öffentliche „Sezieren“ lebender und diensttuender Mitmenschen finde ich ebenfalls etwas unappetitlich.

    Äußerst interessant fände ich aber eine Debatte über die Inhalte, die an der FüAk gelehrt werden (bzw. gelehrt werden sollten oder auch nicht gelehrt werden sollten). Schon allein deshalb, weil sie dem Außenstehenden (z.B. mir) einen Einblick verschaffen könnte, was die BW heute ist (oder nicht ist) oder wie sie sein will (oder nicht sein will).

  • Hans Schommer   |   15. Juli 2016 - 10:31

    @ f28 | 15. Juli 2016 – 9:59
    Hier gibt es einen m.E. ganz guten Ein- und Überblick:
    http://www.fueakbw.de/
    Hans Schommer

  • f28   |   15. Juli 2016 - 12:09

    @Hans Schommer:
    puh – ich bin mal drübergeflogen. Viel Management-Geblubber (Prozess-Management, Veränderungs-Management etc.). Kenne ich allzugut aus der Industrie bzw. Unternehmensberatung. Steht ja auch im Text zum Basislehrgang: „… moderne Führungs- und Management-methoden, die auf bewährten zivilen Standards beruhen.“ Ob die wirklich so „bewährt“ sind – nun ja, ein weites Feld, anderes Thema. Dazu noch die Methodenkompetenz, die wird heute schon in den Grundschulen ausgewalzt (mit bestenfalls zweifelhaftem Erfolg).

    Wenn man mal rein auf Schlagwort-Ebene bleibt, hört sich das Angebot der FüAk ziemlich genauso an wie das Zeugs, das heutzutage auf Fortbildungen z.B. für Grundschullehrer breitgetreten wird. Ich glaube, ich würde mir lieber nochmal meine alte Clausewitz’sche Schwarte aus dem Schrank holen, als mir das Angebot der FüAk zu zu Gemüte zu führen.

    (Aber es stimm schon: wenn man nur weit genug abstrahiert, ist ja alles irgendwie das Gleiche: Militär, Industrie, Schulen. Ist halt immer ein Haufen von Menschen, die irgendwas tun. Also kann man auch alles mit den gleichen Sprechblasen abdecken. Passt schon.)

  • T.Wiegold   |   15. Juli 2016 - 12:26

    Kurzes (indirektes) Update: Bei der Tagung der Clausewitz-Gesellschaft, die derzeit an der Führungsakademie beginnt, begrüßt für die FüAk nicht wie vorgesehen Lidsba. Sondern an seiner Stelle der Direktor Lehre, Thomas Hambach.

  • KlausK   |   15. Juli 2016 - 20:08

    @hansdampf
    Hast Du auf der msc schon jemals einen Soldaten gesehen – außer den Geladenen??? Nein, keine Sorge, wir waren da – sonst hätte auch TW seine Artikel nicht hochladen können!

  • TimoS.   |   16. Juli 2016 - 8:09

    Zum Thema Anrede habe ich auch meine eigene spezielle Meinung. Diese passt zwar nicht zum besagten Thema, aber es ist eine Unsitte geworden, dass Vorgesetzte ihre Untergebenen nur mit „Herr Name“ ansprechen, aber im Gegenzug auf korrekte Anrede gem. Vorschrift im Sinne von „Gruß und Anrede“ bestehen.

    Nicht nur, das die korrekte Anrede in einer Vorschrift geregelt ist und somit ein rechtlicher Anspruch besteht, für mich ist es ein Zeichen des Respekts und der Höflichkeit, diese Vorschrift zur Anwendung zu bringen. Jeder Soldat hat sich seinen Dienstgrad erdient, hat evtl. Laufbahnlehrgänge gemeistert, hat entsprechende Leistungen erbracht. Und da ist es egal, ob jemand im untersten Dienstgrad oder in höheren Dienstgraden agiert und handelt. Kritik über diese Unsitte wird nicht ernst genommen, meist von den Herren Stabsoffizieren, die meinen, sich mit ihrem Dienstgrad dieses Recht der zivilen Anrede erdient bzw. verdient zu haben……lächerlich und einfach nicht nachvollziehbar….

    Selbst im BMVg wird dieses Unsitte gepflegt und Kritik zu diesem Thema nicht ernst genommen, eher noch ins Lächerliche gezogen ….“man solle sich nicht so anstellen“

    Was für ein Laden, wenn noch nicht einmal mehr solche einfachen Dinge und Gepflogenheiten beachtet werden, die eigentlich selbstverständlich sein sollten……geschweige der Umgang mit der Resource Mensch …..