Einsatz in Mali: Die Rückkehr der Transall

20130727_Transall_Mali_MINUSMA

Nachdem vergangene Woche der Flug deutscher Soldaten nach Mali mit der neuen Transportmaschine A400M in der Hauptstadt Bamako endete und für den Weiterflug an den Einsatzort Gao gecharterte Zivilmaschinen genutzt wurden, hat die Luftwaffe jetzt das weitere Verfahren erläutert: Die betagten Transall-Maschinen kehren nach Mali zurück. Sie sollen künftig Truppen und Material aus der Hauptstadt nach Gao fliegen, überwiegend für das deutsche Kontingent im UN-Einsatz in dem westafrikanischen Land. Und: dass der A400M nicht bis Gao fliegt, begründet die Luftwaffe damit, dass die große Maschine das Flugfeld dort zu lange blockieren würde beim Aus- und Einladen.

Von der Bundeswehr-Webseite am (heutigen) Dienstag:

Für den taktischen Lufttransport sind Flugzeuge des Typs Transall C-160D vorgesehen. Sie sollen in erster Linie zur Versorgung und Unterstützung der deutschen Soldaten zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist im Rahmen von freien Kapazitäten auch eine Nutzung durch Partnernationen oder durch die Vereinten Nationen (VN) beziehungsweise der Missionen der Europäischen Union denkbar.

Mit ihren Start- und Landeeigenschaften, sowie durch ihre Bauweise und Ausstattung ist die Transall bestens für diesen Auftrag geeignet. Der Zielflughafen der Transall ist grundsätzlich Gao in unmittelbarer Nähe des Feldlagers, in dem die deutschen Soldatinnen und Soldaten untergebracht sind.
Der Flughafen Gao ist mit europäischen Standards nicht zu vergleichen. Seine derzeitige technische Ausstattung ohne Pistenbeleuchtung ermöglicht nur einen Anflug unter Sichtflugbedingungen am Tag. Sollte die Transall im Bedarfsfall Gao auch bei Nacht anfliegen, könnte die Start- und Landebahn mit den in der Bundeswehr bewährten mobilen Landebahnbefeuerungssätzen gekennzeichnet werden. Dank dieser Vorsorge ist rund um die Uhr Transportunterstützung für die deutschen Soldaten im Einsatzgebiet sichergestellt.
Der künftige Lufttransportstützpunkt soll nach derzeitiger Planung bis zu rund 150 deutsche Soldaten und drei Flugzeuge des Typs Transall beherbergen. Voraussichtlich ab dem 22. Februar werden deutsche Transall unter Kommando des European Air Transport Command in Eindhoven zunächst nach Niamey verlegt, um Fracht für das deutsche Kontingent nach Gao zu bringen. (…)
Technisch wäre der größere A400M zwar auch in der Lage, Gao direkt anzufliegen. Dennoch hat sich die Bundeswehr im Sinne eines reibungslosen Flugbetriebes in Gao für eine „Umsteigelösung“ entschieden. Mangels ausreichend großer Ausweichflächen in Gao könnte der Flughafen während der gesamten Zeit der Abfertigung eines A440M für andere Flugzeuge nicht genutzt werden.

Interessanterweise ist da vom Thema Selbstschutz der eingesetzten Maschinen nicht die Rede. Aber vielleicht habe ich mich auch vertan und Gao gilt mittlerweile als so friedlich und gesichert, dass keine Selbstschutzeinrichtungen erforderlich sind – mal sehen, welche Transall dort eingesetzt werden, die Maschinen mit ESS oder nicht.

Übrigens waren die deutschen Transall schon mal für die Vereinten Nationen in Mali im Einsatz, bis zum Sommer 2014. Damals hatte die UN-Mission MINUSMA auf eine weitere Nutzung der Bundeswehr-Flugzeuge verzichtet; Hauptprobleme waren die Anfälligkeit der – eigentlich robusten, aber für Mitteleuropa entwickelten und gebauten – zweimotorigen Maschinen bei großer Hitze und die fehlende Nachtflugfähigkeit auf unbefestigten Pisten. Letzteres soll ja nun, siehe oben, mit einer mobilen Landebahnbefeuerung gelöst werden.

Die Franzosen scheinen die deutschen Bedenken nicht zu teilen (danke für den Leserhinweis):

Und noch eine schnelle Zahlenübersicht: Wenn die zusätzlich 500 Soldaten im neuen Mandat für die MINUSMA-Kräfte am Boden in Mali gebraucht werden (und danach sieht es aus) und für den taktischen Lufttransport dauerhaft 150 Soldatinnen und Soldaten veranschlagt werden, ist für weiteres kein Spielraum mehr. Zum Beispiel für das ebenfalls im Mandat vorgesehene Tankflugzeug, das bei Bedarf französische Kampfjets im UN-Einsatz unterstützen soll. Aber vielleicht fragen die Franzosen da auch nicht mehr nach.

(Archivbild 27. Juli 2013: Eine Transall der Luftwaffe in Tessalit im Norden Malis, im Vordergrund eine Delegation mit dem damaligen MINUSMA Force Commander Jean Bosco Kazura und dem tschadischen Kommandeur General Moussa – MINUSMA/Marco Dormino via Flickr)

79 Gedanken zu „Einsatz in Mali: Die Rückkehr der Transall

  1. @ Schnallendorf
    Bemerkenswert finde ich dass die Maschine um 3 Uhr (pariser Zeit) in der Nacht gelandet ist, wo doch Nachtflugbetrieb auf diesem Flugplatz nicht möglich wäre, wie die BW uns wissen lässt. (Teufelskerle diese Frechy’s!)
    Um diese Zeit stört es wohl nicht wirklich, wenn man in 30 bis 40 Minuten direkt auf der Piste ausladet. Und wenn der A400M anschließend gleich nach Niamey weiterfliegen soll, spart man so viel Zeit.
    Tagsüber hätten die bestimmt ganz ordentlich auf einem Stellplatz entladen.

  2. @es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei

    ….und wenn das Lfz einen Defekt nach deR Landung gehabt hätte?
    Evtl kannten die FR-Besatzungen den Platz besser!?
    Warum soll man mit einem neuen Lfz ein Risiko eingehen?

  3. @es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei
    Die Nachtlandeuntauglichkeit betraf die Transall. Der A400M ist wohl im Gegenteil zur Trall mit entsprechender Nachtsichtfähigkeit ausgestattet. So verstehe ich das jedenfalls. Weiß hier vielleicht jemand mehr zur Nachtsichtfähigkeit der beiden Muster?

  4. A400M in Gao funktioniert nur mit Be- Entladung AUF der RWY wg. PCN (Traglast) der TWY.
    FRA A400M Mission nach Gao wurde Nachts (Slot v. 0200-0400z) durchgeführt, da zu dieser Zeit unter der Woche kaum Flugbetrieb herrscht.
    Mission sollte eigentlich am WE stattfinden (bei Tage). DLA wg. Technik.
    A400M ist unter Dronen und Fighter-Cover angeflogen.
    RWY Befeuerung entspricht Nachts nur FRA Vorschriften, die etwas von der NATO STANAG abweichen (wie in Bangui/CAR auch).

    @Wolfsmond: Die Quelle Ihrer Zahlen bzgl. Gesamttransportraum EATC durch DEU C-160 bei über 80% würde mich interessieren. Primärquelle Statistik EATC? ATARES Balance? Ich frage deshalb, da Ihre Zahlen nicht belastbar sind.
    Zustimmung jedoch dafür, dass das EATC kein Allheilmittel für nationale Versäumnisse in der Ausrichtung des Lufttransports sein kann.

  5. @TW Die Franzosen verlegen auch (wieder?) größere Kaliber

    Wie stehen die Wetten das wir das auch noch machen werden?!?! AGF läst grüßen

  6. @gk jürgen

    Aber WENN wir schwere Waffen verlegen, dann wahrscheinlich erst wieder zu spät:

    Soll heißen, es müssen erst Soldaten fallen, wie in AFG.

  7. @gk jürgen u. Jens Schneider:
    Neee wir machen doch die UN-Mission MINUSMA:
    Wir schauen nur…

    Aber wie bei AFG wird man bald über eine gepanzerte Reserve reden – nachdem es geknallt hat.

  8. @QuiGon

    „Die Nachtlandeuntauglichkeit betraf die Transall. Der A400M ist wohl im Gegenteil zur Trall mit entsprechender Nachtsichtfähigkeit ausgestattet. So verstehe ich das jedenfalls. Weiß hier vielleicht jemand mehr zur Nachtsichtfähigkeit der beiden Muster.“

    Beide Lfz können in der Nacht fliegen, starten und landen. Die Transall-Besatzungen werden keine Nachtsichtfähigkeit bekommen.

  9. @Zimdarsen
    Können beide Flugzeuge auch bei Nacht und komplett OHNE Landebahnbefeuerung landen?
    Mein Verständniss ist, dass die Transall das nicht kann (fehlende Nachtsichtfähigkeit). Wie das beim A400M aussieht habe ich absolut keine Ahnung.

  10. Das A400m-Cockpit ist jedenfalls NVG-fähig. Optional gibt es das „Enhanced Vision System“ (EVS), das ein Infrarotbild aufs HUD einspielen kann, welches auch bei der Landung helfen soll. Herstellerinformationen (Stand 2009): https://www.thalesgroup.com/en/content/thales-technologies-onboard-a400m

    Wenn die Pressemeldungen allerdings stimmen (http://www.bruxelles2.eu/2016/01/03/8e-a400m-pour-la-france-3e-pour-lallemagne/), ist das EVS erst bei der 8. französischen Maschine F-RBAH eingebaut und nicht bei der F-RBAF, die in Gao fotografiert wurde.

  11. @QuiGon

    “ Können beide Flugzeuge auch bei Nacht und komplett OHNE Landebahnbefeuerung“

    Ohne Ground-controlled approach durch ein Precision Approach Radar würde ich keinen Flächenflieger bei fehlender Landebahnbefeuerung riskieren, erst recht nicht einen A400M, mit oder ohne HUD oder NVG. Warum sollte man so was tun?

  12. @Zimdarsen
    „Warum sollte man so was tun?“

    Weil man im Einsatz ggf. keine anderen Möglichkeiten hat. Das ist jetzt in Gao dank Behelfsbeleuchtung zwar nicht der Fall, aber so Situationen können vorkommen.

  13. @QuiGon

    „Weil man im Einsatz ggf. keine anderen Möglichkeiten hat. Das ist jetzt in Gao dank Behelfsbeleuchtung zwar nicht der Fall, aber so Situationen können vorkommen.“

    Im Krieg ist viel möglich, da kann es u.U.auch mal Tote geben.
    In jedem Fall ist es eine Abwägung und die ist im Friedensflugbetrieb klar.
    GCA kann man auch mobil bekommen ;-)

  14. @Schnallendorf

    Wenn sie mal eine FLIR-Landung (Forward Looking Infrared) wüssten sie das sowas bei unzureichendem Training nicht ohne erheblichste Risiken geht ! Die Besatzungen blicken auch nicht auf üppige NVG Erfahrung zurück wenn ich nicht irre ! Auch GCA konventionell ist ohne Befeuerung mehr als haarig … Denke nicht das diese Arten von deutschen Flächies so fliegbar sind …

  15. @gk Jürgen & Jens Schneider: Die deutsche Politik und die BW hat nichts aus AFG gelernt. Da müssten die ja zugeben, das Aufklärung gefährlicher sein kann als Kampf. Wir die Bevölkerung, die sich militärisch meist nicht auskennt, klingt dies harmloser.

    Erst wenn in einem Hinterhalt deutsche Soldaten gefallen sind oder ihr G 36 heiß geschossen haben, wird Deutschland schwere Waffen schicken. Bis dahin leisten wir uns die Luxus Panzergrenadiere zu entsenden, nur die Marder als Hauptbewaffnung wurden vergessen. Noch klüger wäre es gewesen, gleich die ersten Puma zu verlegen, denn für Mali reicht die 30 mm Kanone völlig aus.

    Oder war die BW so klug, den deutschen Soldaten ein besseres Sturmgewehr als das G 36 für heiße Regionen mitzugeben, ich vermute nein??

  16. @SER

    „Wenn sie mal eine FLIR-Landung (Forward Looking Infrared) wüssten sie das sowas bei unzureichendem Training nicht ohne erheblichste Risiken geht !“

    So ist es und viele Piloten haben schon ohne NVG zuwenig Landungen :-)

    GCA Landungen, ohne min Sicht und Landebahnbefeuerung ist was für den V-Fall oder Notfall, nichts für den Flugbetrieb.

  17. @Zimdarsen & @SER & @Schnallendorf:
    Nachtlandung in Gao könnte für die Bw bzw. unsere Lw laut BMVg-PrinfoStab und PIZ-Lw mit A400M wie folgt klappen:

    1.) Man schalte in Gao Airfield und Gao-Stadt sämtliche Lichter aus.
    2.) Man stelle ein Noltemeyer-Licht ca. 50 m vor dem Touch-down-Point auf der zerknitterten Runway auf,
    3.) Wenn der A400M das Noltemeyer-Licht umbläst, zünde man die in 50–Abstand links und rechts der Runway aufgestellten Kerosin-Fässer an,
    4.) Und am Ende der Runway steht ein hellblaues Barrett über einem Taucheranzug und hält ein Schild hoch „Congratulations and happy birthday by § 30 LuftVG, please taxi to the right, the French Guys with their A400M have just successfully cleared our Casastrophy-Airfield“
    (Ironiemod aus)

  18. Zu dem Beitrag von Michel | 18. Februar 2016 – 17:44
    Ein wenig geht schon in der Dunkelheit, wenn es denn sein soll…
    http://youtu.be/maLRWy5ob3Y
    Das ist ja schon richtig peinlich – als würde die Luftwaffe da Neuland betreten. Ich habe bei zwei Heimflügen aus dem Einsatz Landungen auf dem „Rasen“ mitgemacht. In beiden Fällen durfte ich diese auf der langen Bank hinten im Cockpit mit erleben. Man hatte mich vorgewarnt: „Herr … , nicht dass Sie denken, dass wir die Landebahn verfehlen. Es handelt sich um eine Maßnahme nach Pflichtprogramm …“ Ich war der einzige Passagier.
    Und das war ein Ding: Es ging geradezu im „Sturzflug“ auf diese Wiese zu – mir wurde ganz anders. Der Stabsfeldwebel, dem ich dabei ein paar Fragen stellte, sagte nur (sinngemäß), dass der Flieger das abkönne. Und dann setzten wir auf – und alles war gut. Das zweite Mal war in Wunsdorf – das war am Abend und es war Truppe an Bord.
    Hans Schommer

  19. Auf dem zentralen NLD TrÜbPl HARSKAMP beendete ein Teil des KORPS COMMANDOTROEPEN (commando’s) ihre Abschlussübung vor der anstehenden Kontingentablösung in MALI. Kernauftrag wird sein: Aufklärung in Zusammenarbeit mit dem Defensie Helicopter Commando (DHC), das mit CH-47 präsent ist.
    Die commando’s werden Teil der Special Operations Land Task Group (SOLTG) sein und auf Zusammenarbeit mit der NLD JISTARC-AufklEinh (Joint Intelligence, Surveillance, Target Acquisition & Reconnaissance Commando) angewiesen sein.
    Zur sicherlich stattfindenden Zusammenarbeit mit DEU AufklKr leider keine Angaben.

  20. @Hans Schommer: Die LED-Leuchten sind natürlich ein Fortschritt gegenüber den Kerosin-Fässern, nur ein mobiles VASI, PAPI, APAPI fehlt. So etwas gab es aber schon vor 45 Jahren mit dem „Noltemeyer-Licht“(*). Drei Panzer-Handleuchten auf Stativ, eine Knotenleine mit Schildern für den Gleitpfad und ein Kompass. In den 70ern im Nachtflug ein Standard-Procedure und genial. War zwar eher für Hubschrauber-(Steil-) landungen konzipiert, dürfte aber für die Fläche bei Gleitpfadwinkeln >2,5 Grad (z.B. beim Saraevo-Approach) auch geeignet sein. (vgl. https://www.yumpu.com/en/document/view/55200654/noltemeyer-licht)

    * Werner Noltemeyer (1921 +2003), Hauptfeldwebel und Hubschrauberpilot, Gründer des Hubschraubermuseums Bückeburg.

    Eine weitere „Heereflieger-Spezialität“ –insbesondere in den CH53-Regimentern – war das sogen. Magnor-Licht“ (geschaffen von OTL Magnor, Mendig). Ein kompakter Lichtkasten mit Lamellen und Brechungslinsen, Visier, Libelle und vorderen „Schraubfüssen“, welcher sehr genau den Gleitpfad per Lichtbalken anzeigte. „Rot“ über „Grün“ = zu hoch; nur „Grün“ = auf Gleitpfad; „Rot“ unter „Grün“ = zu tief. Der Kurs wurde wie beim Noltemeyer-Licht durch eine Lichterkette dargestellt.

  21. Nochmal für alle Trall und A400M können in der Nacht starten, fliegen und landen.
    Nach welchen Minimas und mit welcher Unterstützung das geschieht hängt vom Auftrag/Gefährdung (ggf Beladung) ab.
    Möglich ist viel, ob es nötig ist, eine Abwägung der Verantwortlichen.

    Sollten wir den Platz in der Zukunft öfters anfliegen, werden wir ihn bestimmt mit viel Geld hochrüsten.

  22. @ Memoria:

    Ohne die GMLRS-Rakete würde MARS/LRU auch vermutlich nicht zum Einsatz kommen, da man heute eher selten Bomblet verschießt – oder auf deutscher Seite Wurfminensperren. Die Pioniere haben ja keine Sperr-Fähigkeit mehr, seit Minenverlegesystem 85 und Minenwerfer Skorpion ausgemustert wurden…

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