Die Luftwaffe fliegt bereits über Syrien

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Die Luftwaffe wird die ersten vier Tornados, die im Kampf gegen die ISIS-Terrormilizen über Syrien fliegen sollen, am (morgigen) Dienstag in die Türkei verlegen – doch die Bundeswehr ist bereits über syrischen Hoheitsgebiet aktiv. Das seit Mitte Dezember eingesetzte Tankflugzeug vom Typ Airbus A310 MRTT (Multi Role Transport Tanker) fliegt zur Betankung von Kampfflugzeugen anderer Nationen der Anti-ISIS-Koalition sowohl über dem Irak als auch über Syrien, sagte der deutsche Kontingentführer Brigadegeneral Andreas Schick in einem am (heutigen) Montag veröffentlichten Interview auf der Bundeswehr-Webseite:

Der Tanker fliegt an sechs von sieben Tagen. Ein Tag Pause ist notwendig, um den Crewrest (Flugdienst- und Ruhezeiten, Anm. der Red.) Erfordernissen gerecht zu werden. Bis heute haben wir 18 Einsatzflüge mit rund 82 Flugstunden absolviert und Kampfflugzeuge der Koalition mit circa 300 Tonnen Flugbenzin versorgt. Das Einsatzgebiet erstreckt sich, ohne auf Details der vertraulichen Operationsplanung eingehen zu können, sowohl auf den irakischen und in Teilen auch auf den syrischen Luftraum.

Mit den Tankflügen hatte die Luftwaffe am 15. Dezember vergangenen Jahres begonnen. Die ersten Einsatzflüge der Tornados, die nur zur Aufklärung unterwegs sein werden und nicht mit Waffen in den Kampf gegen ISIS eingreifen dürfen, sind nach Schicks Worten frühestens für den 8. Januar geplant. Nach Ankunft zwei weiterer Tornado-Kampfjets auf der Basis Inçirlik soll die volle Einsatzbereitschaft Mitte des Monats erreicht werden.

Nachtrag: Am Montag flogen rund 100 Soldaten mit einem Airbus der Luftwaffe von Köln und Hamburg aus nach Incirlik, wie die Luftwaffe mitteilte.

Nachtrag 2: Zum bevorstehenden deutschen Tornado-Einsatz über Syrien passt diese sehr interessante Analyse – kurzgefasst: Die Flugzeuge der Koalition tun alles, den Russen nicht in die Quere zu kommen:

Coalition Jets Will Do Seemingly Anything To Stay Away From Russia In Western Syria

(Bild oben: Tankflugzeug Airbus A310 MRTT bei der Landung auf der Air Base Inçirlik in der Türkei am 10.12.2015 – Bundeswehr/Andrea Bienert; Bild unten: Ankunft von Bundeswehrsoldaten in Inçirlik am 4.1.2016 – Bundeswehr/Falk Bärwald)

26 Kommentare zu „Die Luftwaffe fliegt bereits über Syrien“

  • Closius   |   04. Januar 2016 - 16:33

    Das Tankflugzeug kann ja nur in den syrischen Luftraum/Irak einfliegen, weil die ISIS über keine weitreichende Flugabwehr verfügt…..

    Mich würde aber noch interessieren, warum morgen nur 4 Tornados verlegt werden können und erst in einer Woche die restlichen 2 Tornados fliegen können?

    Liegt dies an der SAP Software oder sind weniger ECR-Tornados bisher tatsächlich umgerüstet worden auf den aktuellen Stand und musste dies jetzt noch schnell und heimlich nachgeholt werden, damit man 6 Flugzeuge für die Aufklärung zusammenkratzen kann?

  • Thomas Melber   |   04. Januar 2016 - 16:56

    Gehen wir ‚mal davon aus, daß SYR und der IRQ Überflugrechte eingeräumt haben.

  • Fishman53   |   04. Januar 2016 - 17:04

    „Mich würde aber noch interessieren…“

    Warum? Ob nun sofort vier oder sechs Maschinen in Incirlik stehen ist doch völlig egal. Warum muss man hinter jeder Tatsache gleich ein Versagen oder Unfähigkeit vermuten?

  • Christian   |   04. Januar 2016 - 17:21

    Weiß man für wann die Starts in Jagel geplant sind? Danke.

  • T.Wiegold   |   04. Januar 2016 - 17:49

    @Christian

    Nach Angaben der Luftwaffe für 0930 MEZ.

    (Falls Sie wg. Fotogelegenheit fragen: Bekomme ich ein Bild?)

  • Georg   |   04. Januar 2016 - 18:40

    @ Closius

    Vor Weihnachten wurde hier im Forum mal eine Statistik veröfffentlicht, dass bisher ein ECR-Tornado auf ASSTA 3 hochgerüstet wurde, insgesamt wohl 16 Stück. Dieser einzige ASSTA 3 ECR-Tornado wird vermutlich auch nicht in Jagel stehen.

    Bei den IDS-Tornados funktioniert der Recce-Lite Pod auch ohne die Umrüstung auf ASSTA 3. Vermutlich wird man aber aus Kommunikationsgründen (Link 16, MIDS) nur IDS-Tornado mit ASSTA 3 Hochrüstung nach Incirlik entsenden.

  • Gramm   |   04. Januar 2016 - 18:59

    Es sind ja schon vier Tornados vor Ort. Werden diese zurückgeführt? Ich nehme es an. Bei beiden Überführungen dürfte erneut eine zwischenzeitliche Betankung der Tornados erforderlich sein, durch wen erfolgt diese?

  • Closius   |   04. Januar 2016 - 19:41

    @Georg: Meines Wissens sind alle 20 ECR Tornados, nach Auflösung des ECR-Geschwaders in Bayern, nach Jagel verlegt worden. In Büchel dürfte es also nur IDS-Tornados und keine ECR-Tornados geben, weil nur Jagel für den ECR-Einsatz zuständig ist.

    Weiter gab es mal 5 – 6 IDS Tornados in Jagel, welche ursprünglich für die Seekriegsführung vorgesehen waren. Aber nachdem der Kormoran-Flugkörper ausgemustert worden ist, weiß ich nicht, ob diese IDS-Tornados in Jagel geblieben sind oder nicht?

    Ich vermute also, daß hier ECR und IDS Tornados gemischt eingesetzt werden.

    Vor allem gehe ich davon aus, daß einige User hier erkennen werden, anhand der Fotos/Videos, der startenden Tornados, ob IDS oder ECR Tornados morgen bzw. in einer Woche verlegt werden und wie viele von welchem System!

  • Fishman53   |   04. Januar 2016 - 20:05

    „…dass bisher ein ECR-Tornado auf ASSTA 3 hochgerüstet wurde, insgesamt wohl 16 Stück. Dieser einzige ASSTA 3 ECR-Tornado wird vermutlich auch nicht in Jagel stehen.“

    Also bei ganz lockerem Durchblättern meiner Fotos habe ich schon mal drei gefunden: 4623, 32 und 44.

  • Milliway   |   04. Januar 2016 - 20:24

    @ Closius | 04. Januar 2016 – 19:41

    Richtig wir haben noch 20 Tornado ECR beim TLG 51 und 2 Tornado ECR beim WTD 61.
    Für diesen Einsatz wird gar kein Tornado ECR benötigt es reicht wenn man ein paar x beliebige Tornado IDS nimmt !

  • AoR   |   04. Januar 2016 - 20:26

    Also wir starten und landen ausschließlich in Incirlic mit dem Airbus. So machen das dann auch die IDS und ECR Tornados. Richtig verstanden? Bei allem anderen würde ich bei der Großwetterlage Panik bekommen.

    Ich gehe mal davon aus, dass wir von allen Parteien Genehmigung haben. Legitim oder nicht.

  • Schorsch52   |   04. Januar 2016 - 21:38

    Bundeswehr-Webseite: „… mit 300 Tonnen Flugbenzin versorgt“ – seit wann denn „Flugbenzin“? Hoffentlich stimmt wenigstens der Rest der Meldung – oder hat da der Kamerad Schick gar ein Wissensdefizit?

  • SchmidtM   |   04. Januar 2016 - 22:42

    @ T.W.
    Bei einer so nebulösen Formulierung würde es mich jetzt doch genauer interessieren wie viele „Einweisungs- und Orientierungsflüge“ mit den Tornados durchgeführt wurden.

    @ Thomas Melber
    In SYR dürfte wohl nur die Genehmigung der Regierung Assad interessant sein. Der hat sich aber mehrfach dahingehend geäußert, dass er die Überflüge der Koalition nicht billigt.

    Mich ärgert an der Darstellung vor allem, dass man sich weiter mit der schnellen Einsatzbereitschaft der Tornados brüstet. Toll, dass man schon am 10.12. in der Türkei war, aber dann bis zum 08.01. weitere 29 Tage braucht um auch tatsächlich mit den Tornados einen Einsatzflug zu planen.
    Die Belgier, Niederländer, Dänen haben es in acht bis vierzehn Tagen geschafft die ersten Flüge durchzuführen, von Plätzen in Jordanien und Kuwait. Dass ist der Maßstab, den professionelle Luftwaffen vorgegeben haben! Letztes Jahr!
    Was haben wir in der Zwischenzeit daraus gelernt? Eher wenig, wenn doch alles so ungeheuer kurzfristig war. Aber von der VJTF träumen.

  • politisch inkorrekt   |   04. Januar 2016 - 23:13

    @SchmidtM

    Ohne die LW in Schutz nehmen zu wolllen. Dieser Einsatz kam für die LW wirklich überraschend, praktisch ohne Vorbefehl.

    Kann es sein(nur mal theoretisch), dass die anderen Nationen ihren Luftwaffen vorab schonmal einen Vorbefehl gegeben hatten und erst später die Beschlussfassung der Parlamente erfolgte. Das sieht dann auf dem Papier schnell aus.

    pi

  • Thomas Melber   |   04. Januar 2016 - 23:33

    @politisch inkorrekt
    Wenn die DEU Politik solche Einsätze quasi ad hoc ansetzt ohne Rücksprache / Information des betroffenen Ministeriums ist das schon ein Armutszeugnis.

    Eigentlich ist das sogar unverantwortlich.

  • Hunter   |   05. Januar 2016 - 0:31

    @ Gramm: Interview lesen hilft.
    2 TOR derzeit vor Ort,
    2+2 am 5.1. IN
    2 folgen.

  • jek   |   05. Januar 2016 - 2:33

    @Fishman53

    Zur Ergänzung: auch die 40, 45 und 52 sollten das ASST.A3-Update haben…

  • einsetzer   |   05. Januar 2016 - 7:35

    @schorsch52: „seit wann denn „Flugbenzin“? „…
    was ist denn daran falsch?

  • FK70   |   05. Januar 2016 - 8:41

    Einsatzbereitschaft nach so wenigen Tagen ist m.E. eine top Leistung. Wann gab es das derart schonmal? Zu Beginn AFG?

  • Tom_E   |   05. Januar 2016 - 9:08

    Ob mit Vorbefehl oder ohne.
    Der Zeitraum ist wirklich ein Trauerspiel.

    Stellen wir uns doch mal vor, dass deutsche Tornados oder Eurofighter z.B. eine nationale Operation zur Befreiung deutscher Staatsbürger unterstützen sollen. Oder einen MilEvacOp einsatz zu covern.

    In den Transportverbänden geht es ja auch schneller.
    Das fängt damit an, dass man seinen eigenen Footprint klein hält.

    So muss es doch z.B. möglich sein, in einem Startkontingent auch ohne fliegerärtzliche Versorgung vor Ort arbeiten zu können, um nur mal ein Beispiel zu nennen.

    Natürlich immer vorrausgesetzt, die WaSys sind technisch in der Lage ihren Auftrag durchzuführen ;-)

  • K.B.   |   05. Januar 2016 - 10:22

    @Tom_E:
    +1

    Offensichtlich wurden die Planungen der Luftwaffe mal wieder mit der Realität konfrontiert. Ich glaube, es war CRM-Moderator, der folgenden Satz aus 2011 schon ein paar mal zitiert hatte:

    „Der Inspekteur sprach davon die Jet-Luftwaffe bis 2018 beim Minister abgemeldet zu haben und dass sie solange für Auslandseinsätze nicht zur Verfügung stehe. Bis dahin könnten nur luftpolizeiliche Aufgaben (QRA(I)) und die Nukleare Teilhabe sichergestellt werden.“

    http://www.vbsk.net/JN_2011_1.pdf

  • Tom   |   05. Januar 2016 - 10:45

    Ist die obige Aussage von BG Schick bezüglich des Fluges des Airbus über Syrien nur unglücklich formuliert oder wird sie so auch auf Nachfrage bestätigt?
    Denn zu Beginn hieß es mMn unisono, dass zwar die Jets auch über Syrien fliegen sollen, der Tanker aber wegen des Abschussrisikos ausschließlich über der Türkei und dem Mittelmeer bleiben soll. (Beispielmeldung: http://www1.wdr.de/studio/bonn/themadestages/airbus-wird-fuer-syrien-einsatz-umgeruestet-100.html)

    Gibt es für dieses eventuell erfolgte Umdenken einen militärischen/politischen Grund? Wie wird der (Selbst)Schutz gewährleistet?

  • amsi887   |   05. Januar 2016 - 12:09

    Wenn die Bilder auf BILD.de wirklich aktuell sind, ist heute (05.01.16) mindestens 1 weiterer Tornado ECR auf den Weg in die Türkei (46+52). Um dieses Lfz dem Einsatzszenario entsprechend einsetzen zu können sollte er (meines Wissens nach) auf AST A3 umgerüstet sein. Weiss jemand mehr?

  • Fishman53   |   05. Januar 2016 - 12:15

    Zitat jek: „Zur Ergänzung: auch die 40, 45 und 52 sollten das ASST.A3-Update haben…“

    Danke sehr. Die beiden letztgenannten sind heute morgen 0930 raus!

  • amsi887   |   05. Januar 2016 - 12:27

    @Fishman53

    wer lesen kann… . Sorry, den post hatte ich übersehen. Dann wollen wir mal hoffen das der Einsatz das bringt was sich die Politik erhofft, und nicht nur effektiv dank der einsetzbaren Hardware, sondern vor allem ohne Verluste/ungewollte Konflikte im unüerschaubarem Luftraum über SY.

  • SchmidtM   |   05. Januar 2016 - 21:31

    @Einsetzer
    Flugbenzin für Kolbenmotoren
    Kerosin für Turbinentriebwerke