„Operation Counter Daesh“: Erste Tornados für Syrien nicht tauglich

20151210_ECR_Jagel_46-35

Die ersten zwei Tornado-Kampfjets der Bundeswehr, die in der vergangenen Woche unter großem öffentlichen Interesse in den deutschen Einsatz gegen die islamistischen ISIS-Milizen gestartet waren, werden keine Aufklärungsmissionen über Syrien fliegen. Die beiden Maschinen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 Immelmann aus Jagel seien technisch nicht dafür ausgerüstet, die elektronischen Kameras zu tragen, bestätigte ein Luftwaffensprecher am (heutigen) Montag auf Anfrage von Augen geradeaus!. Die beiden Flugzeuge sollten im Januar durch andere Tornados ersetzt werden. Die deutsche Mission hat unterdessen auch einen Namen: Das Verteidigungsministerium entschied sich für die Bezeichnung Counter Daesh.

Dass die zwei Tornados, die am vergangenen Donnerstag in Jagel abhoben, den  Recce Lite Pod mit der Aufklärungstechnik nicht tragen können, hatten Leser von Augen geradeaus! wegen der Kennung der Maschinen und nach genauer Untersuchung der Fotos bereits vermutet. Hintergrund ist die Avionik und Elektronik der Maschinen: Es handelt sich um Tornados in der ECR-Version (Elecronic Combat Reconnaissance). Dieser Typ kann nur dann diese Aufklärungstechnik verwenden, wenn Hard- und Software auf den neuesten Stand  ASSTA 3 aufgerüstet wurden, bislang ist das aber nur bei einem Teil der Flugzeuge des Geschwaders in Jagel der Fall – und eben nicht bei den beiden Maschinen, die vergangene Woche auf die türkische Luftwaffenbasis Incirlik verlegten.

Allerdings gehe es zunächst darum, die fliegerischen Verfahren in der Türkei abzustimmen und zu erproben, sagte der Luftwaffensprecher. Dafür sei unerheblich, ob die Maschinen bereits die für den Einsatz nötige Konfiguration hätten. Erst bei den für später im Januar geplanten Einsätzen über Syrien würden Tornados gebraucht, die auch tatsächlich mit der Aufklärungstechnik fliegen könnten. Neben entsprechend aufgerüsteten ECR-Tornados aus Jagel sollen dazu auch Jagdbomber des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 aus Büchel nach Incirlik verlegt werden.

Die Bezeichnung des deutschen Einsatzes als Operation Counter Daesh ist für Deutschland etwas Neues: erstmals wird damit im offiziellen Sprachgebrauch der  in der Arabisch sprechenden Welt gebräuchliche Name Daesh für ISIS verwendet. Frankreich bezeichnet den selbst ernannten Islamischen Staat schon länger mit diesem Begriff, während in englischsprachigen Ländern die Bezeichnung ISIL (bisweilen auch ISIS) üblich ist. Im Mandat des Bundestages ist dagegen noch vom Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte zur Verhütung und Unterbindung terroristischer Handlungen durch die Terrororganisation IS die Rede. Mit der Bezeichnung will die Bundesregierung möglicherweise auch die formale Abgrenzung zu den Luftangriffen der US-geführten Anti-ISIS-Koalition deutlich machen: Die trägt den Namen Operation Inherent Resolve (OIR) – aber die Anforderungen des  gemeinsamen OIR-Oberkommandos an deutsche Aufklärungsflüge müssen erst von einem Bundeswehroffizier auf Vereinbarkeit mit dem deutschen Mandat geprüft und gebilligt werden, ehe die Bundeswehr-Maschinen starten.

(Zur Ergänzung, auch wenn es hier nur mittelbar hingehört: Die Webseite airwars.org liefert interessante Übersichten über die Luftschläge gegen ISIS – unter anderem den Hinweis, dass es bei diesen Missionen, verglichen mit Afghanistan, an Aufklärungsmitteln mangelt.)

(Foto: Ein Tornado des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 Immelmann startet am 10.12.2015 vom Fliegerhorst Jagel in den Syrien-Einsatz, am 10.12.2015 – Bundeswehr/Jane Schmidt)

 

169 Gedanken zu „„Operation Counter Daesh“: Erste Tornados für Syrien nicht tauglich

  1. Ich würde mich freuen,wenn der Bundesrechnungshof diese „BW-Mission“ mal so intensiv von vornherein begleitet, dass alle Kosten transparent gemacht werden!

    Von den Kosten des Zusammenklaubens „von Material und Flugerät“ bis zu den „Zusatz- und Ersatzbeschaffungen und den zurechenbaren lfd. Kosten der Mission!

    Und ggf. bislang noch nicht aufgedeckte Mängel in Organisation und Umsetzung von „Missionen“ deutlich gemacht werden!

    Man/frau könnte möglicherweise daraus lernen!?- Wenn man/frau will…

  2. @Fishman53

    “ Möglicherweise ist die heutige Technik in den gleichen Containern untergebracht, das weiß ich leider nicht.“

    Die Auswertung der Daten und die Erstellung von Auswerteberichten erfolgt in der Ground Exploitation Station Das gesamte RecceLite System besteht aus dem eigentlichen Bordbehälter, der digitalen Breitband-Datenübertragungsverbindung und der Bodenauswertungsstation mit jeweils vier Auswerteplätzen. Angeblich wurden 8 Systeme beschafft, also jeweils 8 RecceLite pods, evtl 2 Datenübertragungsstationen und 2 oder mehr Auswertestationen. Container müssen nicht zwingend sein. Rechner und Bildschirme kann man auch in Gebäuden unterbringen.

  3. Die machen das gleiche wie damals über ex-Jugoslawien . The Star and The bodyguard haben wir seinerzeit beim Einsatzgeschwader1 in Piacenza gesagt. Die werden folgendes machen . Der Recce wird Fotos machen und der blechbernie(ecr) wird die luftabwehr nieder halten . Und ich wette er wird nicht die isis-flak/flarak niederhalten sondern die russische

  4. „….Um die detailreichen Aufnahmen – die Zeiss-Kamera hat eine Sensorgröße von 2048 mal 2048 Pixel – zu analysieren, hat das Geschwader erfahrene Luftbildauswerter, die die Fotos an speziellen Bildschirm-Arbeitsplätzen……“ (https://www.orte-im-norden.de)

    Das ist keine hohe Auflösung für abbildende Aufklärung.

  5. @AoR:

    Ich sehe den Beitrag der Saudis nicht in dem Sein sondern dem Schein. Faktisch spricht der Westen den Saudis die Rolle zu, in der die Sauddis gesehen werden wollen. Das klingt jetzt ziemlich verharmlosend. Bezogen auf Ihre Stellung als Regionalmacht festigt es sie aber weiter. Im Endeffekt sind die Saudis im Moment wirtschaftlich unter Druck. Die aktuellen Entwicklungen Ölpreis und Klimapolitik sowie das temporäre Förderungshoch in den Staaten gefährden den Wohlstand. Mag toll klingen, wenn man Eigner von Unternehmen auf der ganzen Welt ist. Man hat aber keine Kontrolle über das Gebiet in dem ge- und erwirtschaftet wird. Wenns hart auf hart kommt hat man keine Gewalt darüber.

    Bzgl. meiner Äußerungen zu Analogien zum 30jährigen Krieg und der Aufklärung bezog ich mich auf den arabischen Raum. Ich bezweifle, dass es von dort aus zu einer „Aufklärung“ der Gesellschaften kommt. Im Islam als Ganzes wird es klarerweise dazu kommen. Größtenteils aber durch Annäherung an die Gesellschaften in die man sich integriert.

    Kleine Preisfrage: Wo wäre der Ölpreis wenn es nicht die ganzen Probleme geben würde?

  6. @ Georg | 16. Dezember 2015 – 13:49

    ‚Also wo ist das Problem bei der gewählten Vorgehensweise ?‘

    Das Problem lieg mM darin, dass sich die verantwortlichen in DL (Kanzler, IBUK, InspL usw) politisch in der Illusion wiegen dieser ‚Einsatz‘ wuerde NATO/ww anerkannt werden.
    Dabei haben die‘ Alliierten‘ dies mit ‚German business as usual‘ klassifiziert.
    Wir nehmen mit was geboten wird….Das ist nicht ‚mal ein Achtungserfolg.

  7. @MikeMolto

    Das glaube ich nicht, es ging um ein Zeichen der Solidarität und dass wir auch schnell können. Die Verbündeten wissen warum Deutschland anders an Konflikte herangeht als manch anderer. Doch ist Deu da nicht alleine. Wo ist die EU Mission nach Artikel 42 Abs7?
    Wo sind die vielen EU Partner? Was machen unsere östlichen Nachbarn?
    Es ist der falsche Weg und nicht unserer und was wo bieten ist ein Kompromiss.
    Schon jetzt zeigt sich, dass das Geschwür Daesh sich verlagert und die Bevölkerung in Syrien von all den Helfern erdrückt wird. Was glauben wir treffen die Bomben? Nur Infra, Gerät und Terroristen? Der USA geht die Mun aus und die russischen Mun Fabriken laufen auf Hochtouren (auch eine Art der Wirtschaftsförderung). Was haben wir in den Depots?
    Wie lange würden wir durchhalten? Wir bekommen noch nicht einmal Kameras nach Syrien und dabei fliegt unsere beste bei der Marine. Es ist eben nur ein Zeichen, „Show of Pictures“.
    ……wenn es als Signal genügt, dann ist doch gut :-)

  8. @ MikeMolto

    Mal etwas zynisch gefragt: „Wenn der deutsche Einsatz nach ihrer Einschätzung nato-weit nicht anerkannt wird, warum sollten wir dann den betroffenen Soldaten die Feiertage versauen ?

    Ernsthaft gesagt wird dieser Einsatz genauso wenig den IS besiegen, wie der Krieg in AFG in über 10 Jahren die Al-Kaida besiegt hat. Al-Kaida ist irgendwann versandet und durch Daesh / IS in der Bedeutung abgelöst worden.
    Und meiner Meinung nach haben sowohl die Türkei, der Iran und erst recht nicht Saudi-Arabien das Recht über die Zukunft von Syrien zu entscheiden. Das syrische Volk mit allen ihren Ethnien haben über ihre Zukunft zu bestimmen und nicht die tatsächlichen oder vermeintlichen Hegemonialmächte in der Region.

  9. @MikeMolto:

    Bzgl. der Anerkennung des deutschen Beitrages gibt es sicherlich unterschiedliche Wahrnehmungen. Wenn man natürlich innerhalb der military community fragt wird man dieses Bild erhalten. Ist das auf allen politischen Rbenen genauso?

    Gestern lief ja mal wieder die Kandidatedebatte der Republikaner. Thema war Security. Dort wurde dann nicht nur von einem Kandidaten getönt, wie wichtig die Unterstützung der Kurden wäre. Na was machen wir seit einem guten Jahr?Das ist natürlich Wahlkampf, zeigt aber, dass die Bewertung nicht so homogen erfolgen kann.

  10. @wacaffe, Macht/Territorium/Religion auf der arabischen Halbinsel, ein Verständnishinweis
    <b=Religion und Territorialität in anthropologischer Beweisführung ist nachzuvollziehen bei Prof. Dr. rer. nat., Dr. phil. Ina Wunn – Institut für Theologie, Leibnizuniversität Hannover. Erster Schritt des Erkenntnisgewinns unter http://www.ina-wunn.de
    Bei etwas Geduld werden Sie dort fündig (ggf. sogar ohne „ähm .. nun ja), mit Religion entsteht durch Territorialvorbehalte. Vorbehalte, eigentlich zu freundlich formuliert, die auf der arabischen Halbinsel tagtäglich aufeinander prallen , z.B. im „Kalifat“, im Jemen. Bei letzterem zwischen Schia und Sunna, die Ihren gläubigen Massen vorbeten, den „wahren“ Glauben zu verteidigen. Es geht aber schlicht um Land, das Territorium und die Fähigkeit zur Machtausübung.
    @AoR
    Mit C. Darwin wollte ich eigentlich kurz argumentieren, habe es allerdings unterlassen in der Erwartung, hier dann tatsächlich mit dem Beitrag durch den Hausherrn „deleted“ zu werden. Daher nur am Rande, das „survival of the fittest“ ist nicht meine Ausgangslage bei Territorium und Macht.
    Das übliche deutschsprachige Sprachverständnis von „to be fit = kräftig, gesund“ usw führt in die – deutsche – Begriffsirre. Überleben ist demjenigen gesichert, der nicht nur gesund und stark ist, sondern sich ein- und anpasst: Also „to fit in“, eine Haltung, die Drusen im Libanon verinnerlicht haben und bis dato ihre Existenz sichert. (Bin mir einigermaßen sicher, in dieser Lesart begreifen Angelsachsen ihren Darwin).

  11. @ AoR: Sie schreiben:“Im Endeffekt haben wir HARM Kapazität vor Ort. Ihre Argumentation erzwingt die Schlussfolgerungen, man wolle aktiv Radarstationen bekämpfen, um Recce Schutz zu garantieren. Aber dann ist es auch nach strenger Deutschfassung ein Kriegseinsatz.“

    Nein. Die Tornados bekämpfen die Radarstationen ja nicht.

    Also nochmal: Isis hat laut den journalisten in Raqqa Radarstationen. Und das wird stimmen, weil ISIL sich früher absichtlich auf Flugplätzen niedergelassen hat. Da wird sicher irgendwo auch ein mobiles Radar rumgestanden haben.

    Die Journalisten aus Raqqa sagen ferner dass ISIL die Radarstationen nutzt um sich zu verstecken wenn Flugzeuge kommen.

    Das heisst um ISIL sinnvoll anzugreifen braucht man entweder Tarnkappenflugzeuge (das erklärt übrigens warum die USA da F22 Tarnkappenflugzeuge einsetzt, was normalerweise gegen primitive Terroristen nicht nötig ist) oder man braucht eine Fähigkeit, Radarstationen zu finden und zu zerstören. Der ECR Tornado macht ersteres, er findet die Radare.

    Ein Kriegseinsatz ist das noch nicht nicht. Das Ausschalten der Radarstationen, genauso wie das Auschalten von ISIL machen ja die Amerikaner dann. Das ist ja so im Einsatz vorgesehen, dass sich die Bundesregierung nicht die Hände schmutzig macht und Verantwortung übernehmen will.

  12. zwei Aufklärung, zwei Reserve, zwei Spare parts. nur mal so als Denkanstoß. spare parts sind schon da

  13. @Urmel_aus_dem_Eis

    Hm, Ihre etwas monokausale Argumentationskette basiert allein auf der Ansicht

    Isis hat laut den journalisten in Raqqa Radarstationen. Und das wird stimmen, weil ISIL sich früher absichtlich auf Flugplätzen niedergelassen hat. Da wird sicher irgendwo auch ein mobiles Radar rumgestanden haben.

    Und das belegt, dass es funktionierende Flugabwehrsysteme gibt? Auf dem Level sollten wir hier nicht debattieren. Danke.

  14. @Urmel_aus_dem_Eis
    Einzig verlässliche Seite, die verdeckt aus Raqqa berichtet, ist die folgende.
    http://www.raqqa-sl.com/en/
    Zu angeblich von Daesh genutzten Radarstationen wird dort nichts erwähnt, zu unterstellen ist demnach, dies sind Erfindungen – mit gewissen manipulativen Absichten platziert.
    Allerdings wird dort verlinkt berichtet zur Produktion von Bo-Lu FlaSystemen, die im Ursprung aus dem irakischen Mosul stammen sollen. Kein Beweis, sollte jedoch im Auge behalten werden. Da weder OIR noch RUS dergleichen bisher meldeten, ist absehmbar eher nichts dran. Trotzdem hier der Link.
    http://www.raqqa-sl.com/en/?p=1580
    Bei evtl vorhandener ehemals irakischer Fla-Kapazität dürfte es sich um sowjetische Alttechnik handeln, die Russen sollten dies wissen, zu hören ist aber gar nichts.

  15. @Urmel_aus_dem_Eis

    Sie schreiben als ob sie all dies wissen, dabei ist alles Spekulation.
    Die beiden ECR werden eher nicht in Syrien eingesetzt.

    Warten wir ab und beobachten welche 6 Tornados in den Einsatz entsendet werden.

  16. Schließe mich @Zimdarsen an. Alles andere ist wenig professionelle Spekulation. Man sollte dennoch genau hinschauen auch im Bezug auf bestehende polit-ökonomische Determinanten der SiPo vor Ort. Jetzt wo sich TY und IHN ins Gehege kommen… Das ist eben das Öl/Gas-Verbringung Thema Richtung EU per KRG.

    @Woody: Da wo er ist ;) Da sieht man mal was für ein Schwergewicht der Iran / Arabisch-Persischer Golf in der globalen Ölversorgung sein kann.
    Diese ganze Politik der Region stammt noch aus der Bush Ära, gekennzeichnet von einer sehr belaste(nd)en Sichtweise: Planet Überbevölkert / Öl geht zu Ende / Were all gonna die / SCNR

    Und der Leitzins zieht ja jetzt auch wieder an… Es wird wieder gespart, Menschen planen für die Zukunft etc… Hören wir uns alle nochmal die Rede Obamas vor der UN-Vollversammlung an. Hatte was von Abschied und Presidential Legacy…

    @Obama: Danke für Alles :)

Kommentare sind geschlossen.