ISIS-Sammler: Angriff auf Ramadi; Gebiete unter ISIS-Kontrolle 14 Prozent geschrumpft

Angesichts des begonnenen Angriffs auf die islamistischen ISIS-Milizen in der irakischen Stadt Ramadi und der anscheinenden Gebietsverluste ein neuer Sammelthread: Irakische Truppen, unterstützt von Luftangriffen der internationalen Koalition, haben am (heutigen) Dienstag damit begonnen, Ramadi zurückzuerobern.

Von der New York Times:

Iraqi soldiers began a fierce assault to wrest control of the city of Ramadi from the Islamic State on Monday night, and by midday on Tuesday they had battled their way toward the city center despite heavy resistance, an army commander said.

The operation was undertaken by a mixture of soldiers, police officers and Sunni tribesmen opposed to the Islamic State, with close air support from the United States. “They are moving into the city center,” said Col. Steven H. Warren, the United States military spokesman in Baghdad.

Und von dpa:

Iraqi special forces Tuesday said they were fighting deep inside Ramadi ahead of a major operation planned to recapture the western city from Islamic State jihadists.
The forces crossed the Euphrates river at a secured point and penetrated the city centre, heading for government buildings, Anti-Terrorism agency spokesman Sabah al-Numan said.
The provincial chief of police however said a full-scale battle to liberate the city, which fell to Islamic State in May in a major blow to the government, was still days away.

Bereits am Montagabend hatte der Verteidigungs-Informationsdienst Jane’s vorgerechnet, dass ISIS in diesem Jahr 14 Prozent der zuvor kontrollierten Gebiete aufgeben musste:

The Islamic State’s ‘caliphate’ shrunk by 12,800 km2 to 78,000 km2 between 1 January and 14 December 2015, a net loss of 14%, according to the latest estimates by the IHS Conflict Monitor team.
Losses in 2015 include large swathes of Syria’s northern border with Turkey, including the Tal Abyad border crossing, which was the group’s main access point to the Turkish border from their de-facto capital Raqqa.
Other substantial losses in Iraq include the city of Tikrit, the fiercely contested Beiji refinery complex, and a stretch of the main highway between Raqqa and Mosul, complicating the transfer of goods and fighters between the two cities.

Eine zusammenfassende Übersicht zu diesen Gebietsverlusten findet sich bei Spiegel Online.

Weiteres nach Entwicklung gerne in den Kommentaren.

87 Gedanken zu „ISIS-Sammler: Angriff auf Ramadi; Gebiete unter ISIS-Kontrolle 14 Prozent geschrumpft

  1. Nur nochmal für das Archiv:

    Syrian Kurds ignore Turkey warnings, extends reach to west of Euphrates
    http://www.kurdpress.ir/En/NSite/FullStory/News/?Id=12193

    (Wichtig: Das ist die YPG in SDF Formation, wobei ich ausschließlich kurdische Offiziere gesehen habe. Die Türkei hält wohl die Füsse still und Präsident Obama hat die türkische Armee – etwa 1600 Soldaten – aus dem Irak befohlen)

    Kurds may have independent state: Demirtas
    http://www.kurdpress.ir/En/NSite/FullStory/News/?Id=12195

    (Demirtas ist der wohl meist gehörte kurdische Politiker, die Krawatte spricht Bände – ja auch die Palästinenser haben diese Farben, die Farben der Bilad As-Sham, der Levante)

    @Klabautermann: Kuntar ist keine Fußnote wert, Brecht schon… wollen wir abwechselnd Mutter Courage rezitieren? Kenne seinen Geburtsort recht gut ;)

  2. Breite Genugtuung aus Washington über den Erfolg der Iraker in Ramadi.
    http://www.defense.gov/News-Article-View/Article/639410/iraqi-forces-reach-strategic-milestone-in-fight-for-ramadi
    Der irakische Ministerpräsident al-Abadi sagte in einer Fernsehansprache, 2015 sei ein „Jahr der Befreiung“ gewesen, 2016 werde das „Jahr der großen Siege“. „Wir werden Mossul befreien“, somit ist MOSSUL DAS Operationsziel in 2016. Hoffentlich mehr als bloß orientalische Euphorie.
    https://m.facebook.com/CJTFOIR/posts/1647756348823833?platform=hootsuite

  3. @ Klaus-Peter Kaikowsky

    „Putin hat seine Prioritäten in Syrien mit Taten belegt: Zunächst die Stabilisierung von Assad durch Vernichtung der Opposition“

    Opposition ist schlicht das falsche Wort, wenn wan von Gruppierungen wie dem IS oder Al Kaida/Nusra spricht.
    Richtig dagegen ist jedoch, daß Putin seinen Worten, „alle Terroristen zu bekämpfen“ Taten folgen lies.

    „– die Evakuierung von Rebellen samt Familien unter UN-Vermittlung seit dem Wochenende via Libanon in die Türkei und in „sichere“ Separatistengebiete.“

    Wäre es Ihnen lieber gewesen, wenn er sie weggebombt hätte?
    Das hätte besser in den sprachlichen Narrativ gepasst, aber auch so kann man es in ein negatives Licht rücken.

    „zwei Schlüsselfiguren des Widerstands aus die“

    Auch Widerstand ist keine adäquate Bezeichnung für den IS.

    (Ein Leser |
    Verständnisfrage: Wieso ist ein Hizbollahführer eine „Schlüsselfigur des Widerstands“ (gegen Assad)? Die Hizbollah kämpft doch auf Seiten Assads…)

    „Wenn Sie meine obige Darstellung bitte noch einmal im Zusammenhang lesen dürfte klar werden, dass sich dies auf die israelische Betrachtungsweise bezieht. “

    Um Sie zu zitieren:
    „Assad hat faktisch die Kontrolle seiner Hauptstadt zurück, dank russischer und israelischer Unterstützung. “

    Der Zusammenhang zur Israelischen Betrachtungsweise ist mir nicht ersichtlich.
    Das Israel ein Problem mit der Hamas hat, ist unbestritten, hat aber nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun.

  4. Na dann den traditionellen SiPo-Neujahrstost auf den Bundespräsidenten!

    I. Why a pro-Kurdish Russia infuriates Turkey
    https://bw2.link/WmrXa

    „Russia is good at identifying an opponent’s perceived weakness and then exerting pressure. In Turkey’s case, Moscow has found a pressure point in the form of the Kurds.“

    II. Top PKK leader says ‘civil war’ in Turkey to intensify
    https://bw2.link/XBPca

    „Bayik also revealed that the PKK is preparing to establish a “revolutionary resistance front” with other groups from Turkey and abroad.“

    III. Verfassungsreform in der Türkei: Erdogan nennt Hitler-Deutschland als Beispiel
    https://bw2.link/25eg3

    „Es gibt aktuell Beispiele in der Welt und auch Beispiele in der Vergangenheit. Wenn Sie an Hitler-Deutschland denken, haben Sie eines. In anderen Staaten werden Sie ähnliche Beispiele finden.“

    PS:@Dennis Die eigentliche Nachricht ist die potentielle Kooperation Israel-Russland in der Region auf Basis eines Interessenausgleichs. Kuntar ist WAYNE. Dies hat auch Implikationen für die von mir soeben eingestellten Themen. I.d.S Prostneujahr ;) /SCNR

  5. CJTF OIF Strike-update 01.01.2016
    http://www.defense.gov/News-Article-View/Article/639762/coalition-conducts-24-strikes-against-isil-in-iraq?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter
    Officials reported details of the latest strikes, noting that assessments of results are based on initial reports.

    Strikes in Iraq
    Attack, bomber and fighter aircraft conducted 24 strikes in Iraq, coordinated with and in support of Iraq’s government:

    — Near Hit, one strike destroyed an ISIL vehicle bomb facility and destroyed two ISIL buildings.
    — Near Kisik, one strike struck an ISIL tactical unit and destroyed an ISIL heavy machine gun and fighting position.
    — Near Mosul, three strikes struck an ISIL tactical unit and destroyed two ISIL heavy machine guns, six ISIL fighting positions, an ISIL command and control node, seven ISIL assembly areas, an ISIL weapons cache, an ISIL trench, and an ISIL vehicle-born bomb.
    — Near Ramadi, four strikes struck a large ISIL tactical unit and destroyed an ISIL vehicle bomb facility, five ISIL fighting positions, two ISIL heavy machine guns, and denied ISIL access to terrain.
    — Near Sinjar, three strikes destroyed an ISIL fighting position and suppressed two ISIL heavy machine gun positions.
    — Near Sultan Abdallah, one strike destroyed three ISIL weapons caches, an ISIL command and control node, and six ISIL fighting positions.
    — Near Tal Afar, 11 strikes destroyed nine ISIL bunkers, five ISIL-used culverts, and four ISIL-used bridges.
    Mossul und Ramadi weiterhin im Zentrum der Angriffe. Erstmals über Syrien keine Angriffe gemeldet.
    @Dennis, bitte nichts unterstellen, was in nicht gesagt hatte. Die inoffizielle Zusammenarbeit Tel Avivs mit Moskau, z.B. in der Luftraumkoordinierung über Syrien und dem Libanon ist nun wirklich kein Geheimnis. Beide Seiten haben jedwedes Interesse, Syrien nicht implodieren zu sehen; dazu wird ein Assad gestützt, der zwar nicht Freund der Juden, aber „zuverlässiger Feind ist“, was sich seit 1967 auf dem Golan bewiesen hatte.

  6. @Thomas Melber: Danke… wenn ich jetzt meine Prognosen zur Region abgebe halten sie mich für verrückt. Habe das mal Ende 2010 gemacht, man hat mich ausgelacht und ich habe von den Leuten nie wieder was gehört… die denken hoffentlich ab und an an mich ;)

    Vor allem will keiner hören wie viele Flüchtlinge unter Genver Konvention bald loslaufen ;)

    Erdogan springt gerade der EU in den Rücken, die Schengen 12 Lösung halte ich für Realistisch.

  7. Kurden kündigen Angriff auf Dscharābulus an?
    „Get ready Jarablus, we are coming.“ YPG fighter writes on Tishreen Dam. Photo by @rojinakin https://t.co/hGaTY0YFiR
    Die Stadt ist gemischt arabisch/türkisch/kurdisch besiedelt. Dscharābulus liegt an der syrisch-türkischen Grenze gegenüber der türkischen Stadt Karkamış am linken Ufer des Euphrat. Ihre Inbesitznahme durch kurdische Kämpfer wäre gleichbedeutend mit der Errichtung eines geschlossenen kurdisch beherrschten Streifens südlich der Grenze zur Türkei von Kobane bis zur syrisch-irakischen Grenze am Tigris. Zusätzlich von Bedeutung, der Nordzugang zum https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tishrin-Damm kann kontrolliert werden.
    Seit Juni 2013 ist die Stadt durch Daesh besetzt. Über die Landstraße 216 besteht vom türkischen Karkamış über Dscharābulus-Manbidsch-Aleppo eine für Daesh bedeutsame Nord-Südverbindung, deren Wegfall in Nordwestsyrien die Logistik des „Kalifats“ deutlich beschränken würde.
    Die Stellung der Stadt aus operativer Sicht für sowohl Kurden als auch Daesh tritt somit hervor.

  8. Für http://www.stripes.com/news/middle-east/war-against-the-islamic-state-redrawing-borders-1.386596?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter zeichnet sich eine Neuziehung der Grenzen im Mittleren Osten ab, -nach Niederschlagung Daesh.
    Tatsächlich schwer vorstellbar, dass die Kurden sich ihre in den syrischen und irakischen Nordprovinzen eroberten Gebiete wieder abnehmen lassen. Eine Gegenleistung mit Garantie absoluter kultureller und zumindest politischer Teilautonomie werden sie sich kaum abverhandeln lassen. Die Kurden sehen sich nach den Gefechtsverläufen des letzten Jahres sicherlich auch als Interessenvertreter der Jesiden, wodurch ihre Verhandlungsposition gestärkt wird, angesichts des im Westen bekannt gewordenen Schicksals der ethnisch-religiösen Minderheit.

  9. @KPK
    In SYR haben die Kurden ja bereits eine weitgehende Autonomie; ich vergleiche das ‚mal mit den Kosaken (seinerzeit) in RUS – Selbstverwaltung gegen Militär- und Grenzsicherungsdienste.

  10. Meine Prognose: Sollte es dort zu einem Abschluß der Kämpfe kommen, werden die Kurden als ‚Belohnung‘ für ihren Einsatz ein Kurdistan verlangen. Dies wird den davon betroffenen Staaten natürlich gar nicht gefallen und es ist zu erwarten, dass sie sich dann gegen die Kurden wenden. Und wir werden erleben, dass der Westen dem ganzen, natürlich unter heftigen Mißfallensbekundungen, zusehen wird.

  11. Und der Terrorismus-Begriff würde relativiert werden.

    Dennoch hat die AKP, einst ein demokratischer Hoffnungsträger, sich demaskiert. Zudem wollen sowohl NATO wie auch der SCC ein erwachendes Khalifat unter Erdogan verhindern, daher wird man die Kurden nach Möglichkeit unterstützen. Selbst aus Saudi-Arabien hört man ähnliche Töne, wie auch Israel und dem Iran… Welcher Kollege im Forum nannte Kurdistan einst ein Korrektiv in der Region?

    Ich male mal den Teufel an die Wand: Die NATO braucht türkische Marine, Luftwaffe wie mechanisierte Verbände, das Gebirge interessiert uns nicht.

    Und die Russen? Nach der türkischen Einmischung auf der Krim und den geplanten Erdgasgeschichten würden die die Beziehungen normalisieren wenn die Türkei aus der NATO austrete.

  12. Hamed Abdel Samad, Stellungnahme zur Hinrichtung von 47 Oppositionellen im KSA. Da einer der Hingerichteten ein schiitischer Geistlicher aus Bahrain war, kam es dort zu ersten Unruhen. Der Iran (Ajatollah Ahmad Chatami) kündigte Vergeltung an: „Die Herrscherfamilie Saud werde aus den Geschichtsbüchern getilgt.(n-tv Text)
    Angesichts der Kämpfe im Jemen zwischen schiitischen Houthi und der saudisch geführten Koalition auf Seiten der jemenitischen Regierung, hat die Lage Potenzial zu weiterer Eskalation.
    https://m.facebook.com/hamed.abdelsamad/posts/10153816188555979

  13. @KPK
    Nicht zu vergessen die starke schiitische Minderheit im KSA, welche gerade in den Ölfördergebieten eigentlich die Mehrheit der Bevölkerung stellt.

  14. Sehr Wahrscheinlich läuft das eher so, dass US Spezialkräfte mit US Luftunterstützung die IS Kämpfer vertreiben, so dass die Kurdischen Kämpfer vorrücken können. Was die Kurden verlangen können, werden die USA bestimmen.

    Problem ist ja auch, dass die Masse der IS Kämpfer vertrieben wird, und irgendwo anders kämpft oder unter taucht. Ergo ist der IS genauso wenig zu besiegen, wie die Taliban besiegbar sind. Der IS wäre nur besiegbar, wenn die Türkei die Unterstützung für den IS einstellen würde. Das ist aber derzeit nicht denkbar.

    Alle Kriegsparteien haben enorme Problem mit sinkenden Öleinnahmen durch den abgestürzten Ölpreis zu kämpfen. Das dürfte große Offensiven aller Parteien stark einschränken. Der Westen wird sich diesen teuren Kampf auch nicht unendlich leisten können.

  15. Im Winterinterview des ZDF kritisiert Norbert Lammert die Nichtbeteiligung des Parlamentes bei der AWACS-Entscheidung. Ein Vorgehen, dass die NATO beschlossen hat, weshalb ein Bundestagsmandat aus rechtlicher Sicht nicht notwendig ist, sagt die Bundesrgierung
    . http://m.heute.de/ZDF/zdfportal/xml/object/41662586
    Wir werden wohl abwarten müssen, bis Karlsruhe enscheidet und die Bundesregierung bei wachsenden Einsatzzahlen sich zum Vorratsbeschluss durchringt, und sei es nur tatsächlich dem Druck der Zahlen geschuldet.

  16. KSA bricht diplomatische Beziehungen zum Iran ab. Alle Botschaftsangehörigen haben 48 Std Zeit, das Land zu verlassen. – Beunruhigende Entwicklung.

  17. @Klaus-Peter Kaikowsky „Breite Genugtuung aus Washington über den Erfolg der Iraker in Ramadi.“:

    Intensive Luftangriffe (über 600 war zu lesen) mit Inkaufnahme massiver Zerstörungen. Die ISIS-Kämpfer weichen vor den Angreifern aus und zerstreuen sich. Kaum Kämpfe am Boden.

    Auf derstandard.at gibt es einen Artikel mit der Überschrift „Ramadi oder der Sieg in einer Schlacht, die nicht stattfand“. Das dürfte es treffen.

    Sie hatten doch mal eine Reuters-Meldung verlinkt (ich finde sie leider nicht mehr) in der in einem Absatz erwähnt war, dass ISIS in anderen Städten in den Untergrund gegangen ist und der irakische Staat dort bis heute keine vollständige Kontrolle hat…

  18. Die ISIS kann jubeln. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen SA und Iran macht eine Einigung im Syrien-Konflikt auf einen gemeinsamen Kampf gegen die ISIS für lange Zeit unmöglich.

    RT-Deutsch berichtet von einem Raketenangriff auf die saudische Botschaft im Irak. Auch wenn die Rakete nicht getroffen haben soll, ist zu befürchten, daß es zu weiteren Racheakten vom Iran oder seinen Verbündeten gegen Saudis oder Sunniten kommt und daß die der ISIS wiederum die Möglichkeit gibt, wiederum Racheakte gegen Schiiten zu begehen bzw. dazu aufzurufen, um sich als sunnitische Macht weiter zu festigen und legitimieren.

    In der Folge wird der Konflikt in Syrien und im Irak noch lange anhalten bzw. sich um Jahre verlängern. Mit der Folge, daß auch die BW um Jahre länger in diesem Konflikt involviert sein wird.

    Die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen war folglich nicht nur unmenschlich, sondern auch ein schwerer politischer Fehler von SA.

    Nur wird es auch nicht besser, wenn dies wieder zum Vorwand genommen wird, öffentlich gegen Waffenlieferungen an SA zu sein, weil ohne SA wird es einen Frieden in Syrien nicht geben können. SA sollte man sich nichtöffentlich vornehmen, wegen Export von radikalen Islamvorstellungen und seinen vielen Hinrichtungen. Öffentlich wird man nichts erreichen.

  19. Möglich ist auch, daß sich DAESH an die Spitze der anti-schiitischen Bewegung setzt und (große) Teile der Bevölkerung von KSA (*) hinter sich bringt, insbesondere wenn es tatsächlich zu andauernden Unruhen im schiitischen Teil KSAs kommen sollte.

    Mittelfristig ist sicher die Herrschaft über die „Heiligen Stätten“ das Ziel zumal KSA ja auch eine deutlich bessere Basis als das derzeitige Gebiet in SYR und IRQ ist.

    DAESH könnte auch ein Machtvakuum ausnutzen sofern Schlüsselpersonal des Königshauses ausfällt (aus welchen Gründen auch immer), die Thronfolge ist ja fast immer sehr umstritten.

    (*) ich bevorzuge KSA statt SAU

  20. Was für ein nicht-öffentlicher Druck soll denn bitte helfen?

    Türkei? Steht vor einem Bürgerkrieg, hat Wahlen manipuliert und trampelt unverholen auf den Kurden herum und raucht so die allgemeine Erklärung der Menschenrechte in der Pfeife. Wir verlieren als deren Allierter weltweit das Gesicht. Tschetschenien? Die Russen lachen uns aus.

    Israel? Minütliche Unterdrückung der arabischen Bevölkerung, Besatzung Palästinas und raucht so die allgemeine Erklärung der Menschenrechte in der Pfeife. Wir verlieren als deren Allierter weltweit das Gesicht. Tibet? Die Chinesen lachen uns aus.

    Saudi Arabien? Menschenrechte? Existieren dort nicht also gibt’s Tabak in der Wasserpfeiffe. Unsere Devisen haben die Versalafierung eines weiten Teils der religiös-radikalen Dschihadisten hervorgebracht.
    Es gibt Prozentual weniger Dschihadisten gemessen an allen Muslimen der Welt wie gewaltbereite Nazis gemessen an der deutschen Bevölkerung. Alle Dschihadisten Wurzeln irgendwie in Saudi Arabien. Der Vorsitzende des Sharia-Rates Saudi Arabiens zur Zeit 9/11 verstarb ominös nach den Anschlägen. Der Mann war Privatier und muss OBL im Sudan ausgehalten haben. Auf diesen Mann geht ein groß der wahabitischen Radikalisierung der Muslime weltweit zurück. Keiner traut sich die Story öffentlich zu machen! Naved Karmanis Rede zum Friedenspreis war letztendlich eine ambrahamitische Anklage gegen diesen Mann.

    Wir führen Krieg gegen den Terror mit Trillionen Dollar, über einer Millionen Toter? Die Terroristen lachen uns aus!

    Was für ein nicht-öffentlicher Druck soll denn bitte helfen?

  21. @ Closius

    In der Auswirkung der momentanen Krise zwischen Saudi Arabien und dem Iran haben Sie ihhrer Bewertung wahrscheinlich recht.

    Zitat: „Die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen war folglich nicht nur unmenschlich, sondern auch ein schwerer politischer Fehler von SA. !“

    Ich glaube allerdings nicht, dass dies ein eher zufälliger Fehler von den Saudis war, sondern eine bewusste Provokation um die Friedensverhandlungen für Syrien zu stören. Nachdem der Iran weltpolitisch im Aufwind ist und langfristig das dekadente feudale System in SA durch das modernere Gesellschaftssytem im Iran überholt werden wird, kommt es jetzt auf die Positionierung der USA und des Westens an.

    Falls die USA wirklich einen Schwenk zum Iran und eher weg vom SA machen, dann wird SA sich weiter radikalisieren und in der muslimischen Welt noch weiter isoliert werden. Malaysien, Indonesien und die Philippinen (Abu Sayyaf ) wissen schon wo ihr wahrer Gegner innerhalb der muslimischen Welt sitzt.

  22. Versuchen wir die außenpolitische Ansage der Saudis mit der – sicherlich vor dem Hintergrund innenpolitischen Drucks – Hinrichtung des Shiitischen Anführer in KSA zu interpretieren.

    Da steht doch, wer sich hörbar für die Rechte einer religiösen Minderheit in KSA einsetzt, der wird öffentlich hingerichtet.

    Zudem lobbied KSA gemeinsam mit Israel und der Türkei in Washington ganz offen, das iranische Mittelstreckenraketenprogramm unter Sanktionen zu stellen. Was steht da? Per Vertrag zum Atomwaffenprogramm des Iran sind weitere Sanktionen ausgeschlossen, da Vertragsbruch. Weitere politische Zugeständnisse des Iran würden auf dem Verhandlungswege erreicht. Ins besondere mit KSA, Israel und der Türkei.

    Wenn nun der Vertrag mit dem Iran gebrochen werden würde, so kehrte der Iran zum Atomwaffenprogramm zurück / würde zumindest mit Sicherheit eines aufsetzten. Es bliebe nur noch der Krieg. Krieg gegen ein Volk von 80 Millionen Perser.

    Und nicht zu vergessen, der Iran hat sein Uran nach Russland verbracht. Die Exekution lenkt die Iraner, ins besondere radikale Kreise, von dem unwahren innenpolitischen Dementie der iranischen Regierung ab. So hilft Saudi Arabien dem Iran, vertragsgerecht zu handeln und baut ihn weiter auf.

    Die Saudische Aktion war nicht nur brutal, primitiv und destruktiv, sie war mittelfristig die ureigensten Interessen konterkarierend. Unsere Allierten Türkei und KSA stehen innenpolitisch derart „nackt“ da, dass sie nicht mehr zurechnungsfähig sind.
    Lassen sie es mich überspitzt Formulieren: Herr Steinmeier und das AA haben Riyadh vor dem BND und der Klatsche der Dienstherrin in Schutz genommen. Zum Dank kommt es nun zum Dolchstoß gegen die deutsche Diplomatie. Ein Dolchstoß der dem der Türkei hinzuzurechnen ist.

  23. @Ein Leser
    Die „Untertunnellung“ betrifft vor allem Ar-Raqqa aber auch Ramadi, generell alle urbanen Regionen unter Luftbedrohung. Sofern Mossul innerhalb des Iraks noch im Sommer Folgeoperationsziel sein sollte, was fast sicher ist, erwarte ich den Daesh-Widerstand vor allem mit der Nutzung von Tunneln/Abwassersystemen zu gedeckter logistischer/taktischer Verschiebung deutlich stärker. Die Kämpfe in Ramadi endeten, von einzelnen IED abgesehen, überraschend zügig: eine 250.000-Einwohnerstadt ließe sich nachhaltiger verteidigen, zumal Daesh sechs Monate Zeit hatte. Es fragt sich also, fehlten die Mittel, der Wille oder liegen andere operative Absichten, z.B. Konzentration auf Mossul.
    Einen Verlust der zweitgrößten irakischen Stadt (>1 Mio Einwohner) kann sich das „Kalifat“ nicht leisten. Er bedeutete das Eingeständnis der Hergabe des Anspruchs zur Realisierung des Kalifats; immerhin, Kalifat = Reich eines Kalifen, also eines „Nachfolgers“ oder „Stellvertreters des Gesandten Gottes“; der Kalif vereinigt religiöse und weltliche Macht in seiner Person.
    Mossul ist für den Gesamtkriegsschauplatz nicht allein von strategischer Relevanz, möglicherweise mittelfristig wichtiger hinsichtlich der militärischen Überlebensfähigkeit muss sein, dass die Attraktivität zur Werbung potenzieller Kämpfer aus Europa nachhaltig beeinträchtigt wäre. Nicht wenige europäische Dschihadfreiwillige waren verblendet durch die kurzfristigen Erfolge bis Mitte 2015 und sehnten sich Teilhabe unter muslimischer Sonne. Bei „losern“ hat auch der europäische Möchtegern-Dschihadist wenig Aktien.

  24. Gerüchten zufolge wollen verschiedene regionale Geheimdienste Daeshkämpfer für sich gewinnen mit Hinblick auf den Iran. Zudem sollte beachtet werden, dass der selbsternannte Khalif sich als Rächer OBLs sieht. (s. en.wiki) Daesh wird also versuchen, sich in den Untergrund abzusetzen.

  25. DAESH im Untergrund verliert aber das Alleinstellungsmerkmal „physischer Staat“, wenn auch nicht den Anspruch auf das Kalifat. Gut, „im Exil“ könnte DAESH weiter machen, würde aber den arabischen Führungsanspruch einbüßen.

    M.M. werden wir Mitte d.J. DASH im KSA sehen, ggf. unter Ausnutzung aufkommender sozialer (finanziell / religiös) Spannungen dort.

    Das Haus Saud ist theologisch angreifbar, weil es eben gerade nicht Nachfahren des Propheten sind.

    Auch eine Eskalation Richtung Israel wäre denkbar, KSA zwingend, „Farbe in Bezug zu ISR zu bekennen“.

    Interessant bleibt die Beziehung DAESH – AQ.

  26. Daesh und Al-Q sind bereits in einer Entente. Wichtig: KSA kann Daesh ideologisch nicht angreifen, da grundlegende sog. Gelehrtenschriften aus der Zeit des Safawidismus die theologische Substanz des Wahhabitismus darstellen. Wahhabitismus ist qasi der Salafismus im Angriffskrieg (offensiv!). Sowohl Daesh wie auch Al-Q berufen sich auf diese „Darstellungen“ des Koran. (s. auch Al-Qutub etc … wobe ider eher von einer Defensivhaltung ausgeht)

    (Klartext: Saladin war Safawide, und der hat Gelehrte vom Hof getrieben die im Angesicht eigener militärischer überlegenheit den Friedensvertrag kündigen wollten. Dan kamen die rechtsradikalen unter den Templern und haben Karawanen angegriffen.)

    Strukturell: Man darf Kirchen eigentlich nicht anzünden aber wenn sie mal brennt oder gar entweiht wirde, darf man sie auch nicht renovieren. (Pogrom!)
    Direkt: Präemptive Kriegsführung gegen sogenannte Takfir und „Friedensverträge“ nur um dadurch eigenen Verluste vorzubeugen. Dürfen unangekündigt gebrochen werden.

    Sowohl struktureller wie auch direkter Dschihadismus sind Interpretationen oder „selbstauferlegte Schizophrenie“. Warum? … Takfir/Ungläubiger ist laut Koran der (Koran 9:5), der Gott seine „göttlichkeit“ abspricht. Und mal ehrlich, selbst der Urknall hat was göttliches. Ganz zu schweigen von meinem lieblingsmystiker Rumi, der da Poetisch wie metaphysisch unglaubliscch schön untemauert hat(lohnenswert!).

    Und ja ich denke auch dass wir das Saudische Königshaus m.d.J in nem Mossad Safe House wiedersehen, neben Erdogan… /SARC

  27. @Klaus-Peter Kaikowsky „eine 250.000-Einwohnerstadt ließe sich nachhaltiger verteidigen, zumal Daesh sechs Monate Zeit hatte.“:

    Genau das relativiert aber den Erfolg der irakischen Streitkräfte. Es ist längst nicht klar, wie erfolgreich die sein werden, wenn sie auf intensiveren Widerstand stoßen.
    Weiterhin ist offen, wie sich die Lage in Ramadi weiter entwickeln wird.

    Beim Lesen von „Breite Genugtuung aus Washington über den Erfolg der Iraker in Ramadi.“ musste ich an George W. Bushs „mission accomplished“-Szene denken.

    @Klaus-Peter Kaikowsky „Es fragt sich also, fehlten die Mittel, der Wille oder liegen andere operative Absichten, z.B. Konzentration auf Mossul.“:

    Leider finde ich nirgendwo Berichte, wie die Stimmung in der Bevölkerung in der Gegend von Ramadi ist. Wahrscheinlich würden sich daraus einige Erklärungen ergeben.

    @Thomas Melber:
    Szenario in der Mitte:
    Islamischer Staat mit kleinerem Territorium, das er tapfer gegen westliche Streitkräfte verteidigt und einem langen Arm, der bis in europäische Hauptstädte reicht. Anschläge im Gebiet der irakischen Regierung, um zu zeigen, dass man dort handlungsfähig ist. In Gebieten, die man verliert, Stay-behind-Kräfte. Bedingungen befördern, in denen die sunnitische Bevölkerung sich schlecht bis brutal behandelt sieht (z.B. durch irakische Milizen).

  28. Analyse zu Saudi-Arabien:
    http://atimes.com/2016/01/saudi-arabia-in-policy-hell/
    „Last week’s mass executions in Saudi Arabia suggest panic at the highest level of the monarchy.“

    Interessant ist die Betrachtung der ökonomischen Rolle Chinas:

    Russia’s oil exports to China have grown fourfold since 2010 while Saudi exports have stagnated. Given the world oil glut, China can pick and choose its suppliers, and it is hard to avoid the inference that Beijing is buying more from Russia for strategic reasons. According to Russian sources, China also has allowed Russian oil companies to delay physical delivery of oil due under existing contracts, permitting Russia to sell the oil on the open market for cash—the equivalent of a cash loan to Russia.

  29. „@OIRSpox: We have retaken 40% of territory that ISIL once held. Enemy is weaker and on defensive. They have not gained one inch in Iraq since May.“
    Sprecher OIR

  30. @Thomas Melber: Kurzer Nachbrenner zum politischen Islam, Sunniten wählen den Khalifen aus einer Reihe „geeigneter“ Anführer;Shiiten bestehen bei dieser Eignung auf Blutsverwandschaft zum Propheten.

    @KPK: Raqqa sehe ich am Horizont aber wer macht Mosul?

  31. Sustaining the war between the PKK and the government forces threatens to spiral it out of control for both sides. As a result, whatever the consequences of the grave developments that would take place, Turkey’s real red lines — its borders — might be opened up for discussion.

    Read more: http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2016/01/turkey-clashes-pkk-losing-kurdish-minds-and-hearts.html

    P.S: Herr Dunford, JCoS US, reist wohl in die Türkei. Ein Ergebnis seiner Gespräche wird Maßgebend sein.

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