Vor neuem Bundeswehr-Einsatz in Mali: „Hohe Bedrohungslage“

Mali_MINUSMA_Kidal_20150911

Da es einen gewissen Debattenbedarf zum absehbaren – erweiterten – Bundeswehr-Einsatz in Mali gibt, einen neuen Thread, um die aufgelaufenen Kommentare mal zusammenzubinden:

Die Bundesregierung hatte bereits im August den Parlamentariern im Bundestag mitgeteilt, dass demnächst eine Ausweitung des deutschen Engagements bei der UN-Mission in Mali, bei MINUSMA, anstehen könnte: Die Bundeswehr soll dort die Niederlande unterstützen, die recht robust – mit Spezialkräften und Kampfhubschraubern – im weiterhin unruhigen, von Islamisten umkämpften Norden des westafrikanischen Landes unterwegs sind.

Nun gibt es erste Erkenntnisse einer Erkundungsmission, die Möglichkeiten für den deutschen Einsatz untersuchen sollte, und der Kollege Christoph Hickmann von der Süddeutschen Zeitung (Link aus bekannten Gründen nicht) hat für die Ausgabe vom 15. Oktober einen Blick drauf werfen können:

Die Soldaten würden „überwiegend in Gebieten mit erheblicher oder hoher Bedrohungslage“ eingesetzt, hieß es in Militärkreisen, die mit den Überlegungen befasst sind. Stationiert würden sie im nördlich gelegenen Gao und, wie bereits bisher, in der Hauptstadt Bamako.

(…)
Hauptauftrag der Bundeswehr wäre laut Militärkreisen „die Gewinnung und Verdichtung des Lagebildes“. Nach Angaben aus diesen Kreisen kommen dafür auch Aufklärungsdrohnen vom Typ Luna infrage. Sie könnten zwischen April und Juni dazukommen.

Das deutsche Kontingent, so heißt es in dem Blatt weiter, müsse zu einer weitgehend eigenständigen und robusten Operationsführung in der Lage sein. Details habe das Ministerium offiziell nicht kommentieren wollen.

Überraschend ist das alles nicht; seit Monaten ist klar, dass die Niederländer vor allem Aufklärungskräfte suchen, die am Boden agieren können. Neben den Luna-Drohnen (wenn nicht doch noch eine Entscheidung fallen sollte, Drohnen wie die in Afghanistan genutzte Heron entweder zu verschieben oder zusätzliche zu leasen).

Das aktuelle Mandat für die deutsche MINUSMA-Beteiligung stammt vom Sommer dieses Jahres und müsste für die neue Mission angepasst werden – aber vermutlich erst im kommenden Jahr.

(Archivbild September 2015: An der Landepiste in Kidal im Norden Malis – UN/MINUSMA/Marco Dormino)

88 Gedanken zu „Vor neuem Bundeswehr-Einsatz in Mali: „Hohe Bedrohungslage“

  1. @ politisch unkorrekt | 18. Oktober 2015 – 21:18

    Abgesehen von meinen zwei Anmerkungen gebe ich Ihnen mit Ihrer Beschreibung des Zustands der HAufklTr auch vollkommen recht und teile auch Ihre Einschätzung, dass der Einsatz der Truppe zu Gute käme. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, die HAufklTr bräuchte den Einsatz nicht einmal.
    Die PzTr nörgelt ja bis heute, dass man sie nicht mit zu ISAF genommen hat und dass sie auch deshalb völlig zu Unrecht so stark verkleinert worden sei. Die ArtTr hat es mit viel Lobbyarbeit doch noch spät in den Einsatz geschafft und dann mit noch mehr Tamteram verbreitet, wie einsatzwichtig sie doch gewesen sei, damit sie nicht weiter verkleinert würde.
    Die Aufklärungstruppe hatte dies durch die Umgliederung zur HAufklTr gar nicht nötig, sondern war völlig unaufgeregt automatisch einsatzrelevant. Auch wenn ich das Konstrukt ZIVA für verfehlt halte, war es für die Aufklärungstruppe das richtige Vehikel in die Schwäche des MilNW zu stoßen und zusätzliche Stellen zu bekommen. Sowohl die Konzeption als auch die Ausbildung für die ZIVA waren übrigens besser gemacht, als alles was ich in Flensburg gesehen habe.
    Dadurch dass die HAufklTr Federführend für alle Drohnen im Heer ist, im konventionellen Gefecht mit Radar- und Spähaufklärung und im Stabilisierungseinsatz mit FN-Kräften und leSpähKr einsatzfähig sind, ist die Truppengattung eigentlich breit und flexibel aufgestellt. Wenn sie für den Bereich CoIST jetzt neben dem Lehrgang noch ein zielführendes Handbuch rausgeben, haben sie da praktisch auch bald die Federführung.
    Nichtsdestotrotz gibt es halt irgendwo den Punkt, da hört Aufklärung auf und fängt MilNW an und da bricht es dann regelmäßig.

  2. @Cynic2 | 18. Oktober 2015 – 21:20:
    Vielen Dank. Ich sehe es ebenso man kann (!) aus den weiterentwickelten Elementen (gerade auch CoIST) und dem anstehenden Einsatz die Dinge wirklich voranbringen.

    Aber dafür müsse man dies wirklich wollen (!) gerade auch auf den Zwischenebenen.

    Denn all die Dinge wie dezentrale Lagebearbeitungen und CoIST kommen ja ganz schnell an Grenzen mit de vorhandenen IT-Ausrüstung.

    Da sind wieder Leute gefragt, die auf der Ämterebene dran bleiben.

    Ähnliches gilt bei der Personalauswahl und Ausbildung.

    MilNW ist vergleichbar kostengünstig, aber wnn man was erreichen will muss man sich auch nen Kopf machen.

    Mal sehen, ob der anstehende Einsatz hier der notwendige Weckruf ist.

    Ich bin da mit Blick auf die letzten 10 Jahre skeptisch.

    Lasse mich da aber gerne positiv überraschen.

  3. Ich bin da ganz dagegen den das Packt Bw nicht mehr Ostgrenze
    Kosovo nach dem die Russen in Syrien so vor gehen das angeblich die IS Türmt ist die Gefahr von den Rückkehrer auf dem Balkan entsteht

    Es würde Zeit das man das aufteilt man kann nicht überall sein

  4. @Cynic2

    Die PzTrp nörgelt zu Recht. Ein verstärkter PzZg auf der Westplatte hätte mit Aufklärung und Wirkung sehr schnell zahlreiche Gefechte beendet.

    Ihre Zuweisung der Teilfähigkeiten ist zu speziell. Man kann auch Fn im Angriff gebrauchen. Irgendjemand muss schließlich den fdl. Btl-Kdr (oder vergleichbaren Räuberhauptmann) dessen Kraftfahrer, Adju und Vorzimmerdame identifizieren und Informationen gewinnen.
    Auch Radar kann in StabOp nützlich werden.

    Ob UAS und Fennek tatsächlich so lange in einem Urkraine-Szenario bestehen werden, bleibt abzuwarten und ist für mich fragwürdig.

    Da sind wir beim Thema. Überlassen wir es dem Fhr der AufklKr, wie er welchen Sensor wann und wo einsetzt.

    Wieso verdammen sie ZIVA und loben CoIST über alles? Ist ZIVA denn nicht in Wirklichkeit nichts anderes als eine aufgebohrtes CoIST? Für das CoIST-Handbuch braucht man eigentlich nur das britische übersetzen – dazu noch einige Gedanken der US-Streitkräfte und fertig.

    pi

  5. @pi:
    Wenn man sich nochmal dran erinnert mit welchem Aufwand man das Personal und Material für die OSZE-Mission (Luna) zusammengestellt hat, dann wird glaube ich klar, dass man sich nunmehr entscheiden muss Ukraine ODER Mali.

    Allein das ist ein weiterer Beweis für die Dimension der Probleme der Bundeswehr. Weltklasse-Heer eben.

    Ich kann weiterhin keinen schlüssigen Ansatz bestehend aus dem Zweck, dem Ziel und den verfügbaren Mitteln bzw. Fähigkeiten erkennen.

    Nach Monaten des Geredes auf politischer Ebene, der Erkundung, etc.

    Und nun will man nochmal erkunden.

    So kann das sicher nichts werden – und da ist der Handlungsbedarf weit oberhalb von der HAufklTr.

  6. @Memoria

    Und wenn man einfach KZO für MALI nimmt und LUNA weiterhin für den nie stattfindenden und hirnlosen Einsatz in der Ukraine vorhält?

    pi

  7. @politisch inkorrekt | 19. Oktober 2015 – 8:01

    In Kenntnis dessen, was die Fennek von der WESTPLATTE während Gefechten gesehen und vor allem nicht gesehen haben, hielte ich einen Einsatz von KPz in KDZ nach wie vor für ineffektiv, aber das ist inzwischen Kriegsgeschichte und erledigt.

    Die Zuweisung der Teilfähigkeiten sollte auch nur schlaglichtartig ohne Anspruch auf Alleingültigkeit sein.

    ZIVA und CoIST sind zwei unterschiedliche Ansätze. Während ZIVA Aufklärungsergebnisse von dedizierten Aufklärungsträgern zusammenfassen und zu Produkten verarbeiten soll, soll CoIST zunächst einmal die Elemente einer Kampftruppenkompanie zur Aufklärung und Erkundung einsetzen und die Ergebnisse erheben, die sonst verloren gingen.
    ZIVA verdamme ich keineswegs, es macht nur keinen Sinn von Aufklärung aus einer Hand zu sprechen, wenn ich weiß, dass ich nur die Hälfte der Aufklärungsträger repräsentiere. Bei der Fusionierung der Teilergebnisse können dann Daten und Informationen verloren gehen, die bei der ZeMilNW gebraucht würden, um sie mit den restlichen Aufklärungsergebnissen zu integrieren.

    Das britische Handbuch ist in der Tat hervorragend und auch die USA haben Dokumente, Übungsmaterial, etc. zu bieten, die sehr gut sind. Leider passt das nicht auf die deutschen Voraussetzungen. Die Briten gehen von einem CoIST mit fünf Mann aus, davon zwei voll ausgebildete Soldaten des Intelligence Corps. Die US Army geht von sechs Mann aus, die in der Einsatzvorausbildung und durch ihr Bataillon ausgebildet werden. Die Bw sieht zwei Personen in Nebenfunktion vor. Allein aufgrund der Personalstärke können viele der bei den Alliierten beschriebenen Funktionen schon nicht mehr ausgeführt werden.
    Jetzt nehmen wir noch alle Kapitel heraus, wo Biometrie, CIDNE-Reports und in Deutschland nicht genutzte Führungssysteme besprochen werden, und haben schon deutlich weniger Handbuch. Nun muss man sich fragen, ob das angebrühtete Personal auf Kompanieebene ohne richtige Analyseausbildung und direkten Zugriff auf die Informationen beim Bataillon/Regiment wirklich Lagebearbeitung und Beratung des Kompaniechefs machen sollte. Ich behaupte, das sollte man Personal in Nebenfunktion nicht zumuten.
    Unter diesen Umständen wäre für die Bw schon viel gewonnen, wenn der MilNWUstgTrp auf Kompanieebene enge Verbindung mit der ZeMilNW hält, die Elemente der Kompanie täglich brieft, debrieft und dem ICP des Verbandes zuarbeitet, indem Patrouillenberichte und Aufklärungsergebnisse weitergeleitet werden.
    Daraus wird dann schon deutlich, dass ich CoIST nicht über alles lobe. Hätten wir Kräfte, Mittel und Ressourcen der Briten, brächte uns das echt nach vorn. Unter den gegebenen Umständen können wir uns freuen, etwas mehr von den Informationen der Kompanien aufzunehmen, was sonst verloren ginge.

    Deswegen reicht schlichtes übersetzen nicht. Es muss schon einiges angepasst werden.

  8. @pi:
    An KZO hatte ich auch gedacht.
    Hat man aber offenbar nicht im Blick.
    Weil die Personal- und Materiallage noch schwieriger ist?
    Weil man den Transfer zur Artillerie bereits vorbereitet?
    Weil man die Betriebskosten im Einsatz fürchtet?

    Schau mer mal.

    @cync2:
    Der MilNWUstgTrp ist halt wieder ein schönes Beispiel für „gut gemeint, ist nicht gut gemacht“. Dass es anders geht zeigen ja auch mehrere europ. Partner.

    Allein schon das Drama einen Lehrgang anzufordern, für eine Aufgabe in Zweitfunktion…

    Aber vielleicht bekommt man wenigstens diese Dinge innerhalb von MINUSMA geregelt.

    Aber im Kern wird da einfach offenbar wie anspruchslos in weiten Bereichen gearbeitet wird. Man macht halt irgendwie ein wenig und wenn es wirklich ernst wird, findet man einen Grund warum etwas nicht konsequent weiter verfolgt werden kann (Zuständigkeit, Rechtslage, Konzeption, Soll/ Org, Haushaltsmittel, etc).

    Besonders schönes Beispiel war hier der Umgang mit dem Thema Biometrie bei ISAF. Das gleiche Thema wird uns sehr bald in Mali wieder einholen.

    Es bleibt spannend.

  9. Moin,
    man koennte auch darueber nachdenken, der Malischen Regierung Grundsaetze von Good Governance zu vermitteln, damit diese ihre Probleme selbst in den Griff bekommt.
    Militaerische Ansaetze, so gut sie auch durchgefuehrt sein moegen, koennen immer nur ein Teilaspekt zur Stabilisierung eines Landes sein. In Mali, in Afghanistan und anderswo auch.
    Quasi: Ohne eine politische Gesamtstrategie ist auch der bestgemachteste Einsatz nur begrenzt von Nutzen.

  10. @Stubenviech

    Darüber sind wir uns alle einig.

    Der Einsatz ausländischer SK zur Bekämpfung von Aufständen wirkt:
    – wenn er erfolgreich ist, lähmend im Bezug auf eine politische Lösung der Ursachen (IRAK, AFG)
    – wenn er nicht erfolgreich (oder viel zu gering bemessen) ist, gar nicht.

    Der Einsatz der Bw in MALI erfolgt politisch aus Freundschaftsbekundungen zu NL und wird mit der Flüchtlingsthematik verwoben.

    Erreichen kann man mit dem Kräfteansatz nix. Deshalb auch meine Schwerpunktsetzung auf: „Was bringt es der Truppe?“

    pi

  11. @pi: Zustimmung. Trotzdem sollte die politische Fuehrung die Sache im Sinne eines wirklichen Vernetzten Ansatzes anpacken und dazu muss ein vernuenftiges Staatswesen aufgebaut werden, dass seine ureigensten Aufgaben wahrnimmt.
    Quasi, die Regierung partnern, nicht die „Schlammzone“. Wir haben doch sogar entsprechende Kraefte dafuer, etwa beim ZIF https://de.wikipedia.org/wiki/Zentrum_f%C3%BCr_Internationale_Friedenseins%C3%A4tze (der Internetauftritt geht noch deutlich weiter)

    Bevor wir wieder ohne Plan, Mandat und Kraefte in irgendetwas hineinstolpern, sollten wir es besser gleich bleiben lassen, sonst ist es ausser Blut, PTBS und Spesen, wieder nichts gewesen…

  12. @ Stubenviech
    Zur Notwendigkeit des Partnerings in den zivilen Staatsstrukturen geb ich Ihnen recht.

    Aber das ZIF hat gerade mal 35 Mitarbeiter. Sagt halt auch was über die deutsche Schwerpunktsetzung aus.

  13. @Stubenviech

    „Trotzdem sollte die politische Fuehrung die Sache im Sinne eines wirklichen Vernetzten Ansatzes anpacken und dazu muss ein vernuenftiges Staatswesen aufgebaut werden, dass seine ureigensten Aufgaben wahrnimmt.“

    Bitte nicht. Um Himmels Willen, bitte nicht.

    Wir können das nicht. Niemand kann das. Weder Frankreich noch die UN und schon garnicht wir.

    Wir haben dafür null Fachkompetenz. Nirgends. Oder kennen Sie eine Abteilung, Referat, eine Uni, irgendwas, was sich mit MALI auskennt?

    Dieses Mandat hat nicht das Ziel MALI zu retten. Dazu bedarf es eines anderen Kräfteansatzes und jahrzehntelangem Engagements. Diese Investition will niemand machen (zu Recht).

    Deshalb ein schlankes Mandat mit klar begrenzten Auftrag (Alles aufklären und wenn möglich töten, was nach bösen Islamisten aussieht + Dokumentation und Meldung von Flüchtlingsströmen). Das können wir auch von heute auf morgen beenden.

    Bitte kein neues Traumschloss á la Afghanistan wird eine bessere Schweiz wie 2001. Soviel sollten wir gelernt haben und in Demut den Auftrag gestalten.

    pi

  14. @J.R.: Zu den 35 Leuten kommt aber noch ein erheblicher Expertenpool. Wenn man generell mehr Expertise in diesem Bereich sammeln würde, wäre dies sicherlich eine sinnvolle Sache, die auch von breiteren Teilen unserer Bevölkerung -nicht nur in diesem Fall- mitgetragen werden würde.

    @p.i.: Ich teile meine Antwort auf:
    Natürlich wird da keine Schweiz entstehen und die Zahl der Fachleute für Mali wird überschaubar sein. Aber wenn wir dauerhaft eine gewisse Anzahl Experten, ich schieße ins Blaue und nenne die Zahl von ca. 50, für die Bereiche Rechtsstaat, Wirtschaft,
    Finanzen, etc. entsenden würden, bzw. wie etwa bei PfP geschehen, anfangen würde solche Leute bei uns ausbilden, wäre dies sicherlich nicht das Falscheste.

    Ihr kürzer greifender Ansatz mit dem umrissenen Mandat hat auch was für sich, muss dann aber auch so durchgezogen werden, was ich politisch so bei uns noch nicht sehe.
    Wichtig ist, dass wie Sie schon sagen, keine Traumschlösser gebaut werden dürfen und die Truppe das entsprechende Mandat haben muss. Das mit dem Material und den Einsatzgrundsätzen dürften wir bei entsprechenden Willen schon hinbekommen.

  15. @ stubenviech

    „Natürlich wird da keine Schweiz entstehen und die Zahl der Fachleute für Mali wird überschaubar sein. Aber wenn wir dauerhaft eine gewisse Anzahl Experten, ich schieße ins Blaue und nenne die Zahl von ca. 50, für die Bereiche Rechtsstaat, Wirtschaft,
    Finanzen, etc. entsenden würden, bzw. wie etwa bei PfP geschehen, anfangen würde solche Leute bei uns ausbilden, wäre dies sicherlich nicht das Falscheste.“

    bei allem respekt aber sie schildern hier genau den mission civilisatrice ansatz der in afghanistan, bei diversen afrikanischen operationen, im irak und auch sonst in jeder vergleichbaren situation kläglichst gescheitert ist.

    eine art von administrativer rekolonisation wäre für einige gebiete möglicherweise unter idealbebingungen (willige autochthone bevölkerung/keine bewaffnete insurgenz gegen völlig autark operierende Kulturstatthalter in ministerien, verwaltung usw./strategische geduld der entsendenationen/verlusttoleranz/bereitschaft normative werte der örtlichen nicht die der entsendegesellschaft durchzusetzen et. pp.) nützlich bzw. notwendig.

    liegen die jedoch in mali oder anderen potentiellen gebieten vor? Nein? klappe zu affe tot.

    klares CT mandat mit leichtestmöglichem footprint wäre in mali deutlich sinnvoller als die nächste mission creep odyssee

  16. @stubenviech:
    Eben diese Weltbeglückungsmaschinerie in Konfliktgebieten war nunmal in den letzten 15 Jahren wenig erfolgreich, warum soll das nun anders sein?

    Weil wires nun auf einmal können und wollen?
    Dann sollten wir es in Afghanistan endlich mal zeigen.

    @politisch inkorrekt u.wacaffe:
    Die Weichen werden jedoch erneut in Richtung halbherzigem Nation-Building gestellt.
    Mit der mission-creep-Garantie.

    Aber das scheint nicht so wirklich zu beunruhigen. Die politische und mediale Resonanz auf die Mali-Pläne und BamS-Interview war ja bisher eher positiv.

    Diesmal ist eben nicht der „Kampf gegen den Terror“, sondern das „Bekämpfen der Fluchtursachen“ der politische Überbau zu völlig unzureichenden bzw. unpassenden Maßnahmen.

  17. @ Stubenvieh
    Das Wissen ist doch längst da. Aber wenn’s vor Ort nicht gementort wird, mit Kontrolle und Sanktioniensmöglichkeiten, geht die Wirkung gegen Null. Und die wichtigsten Ebenen sind dabei Distrikte und Provinzen, das braucht halt Personal. Das hat nichts mit „Schweiz“ zu tun, sondern mit Wirksamkeit. Wenn man das als langfristige Investition plant (als inländische Organisation, Train the Trainers, gelebter Verhaltenskodex), dann geht das sogar mit überschaubarem Aufwand. Diverse Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan sind da anschauliche Beispiele. Aber für lau und hirnlos dahingeklatscht, am besten noch mit 12 Monats-Mandat, ist halt nicht.

    Sehr wesentliche Aspekte sind da Interessensausgleich und funktionierende Verwaltung auf kommunaler Ebene. Das ist kein Voodoo. In den meisten Fällen dürfte man mit nem Gemeinderat mit eigenem Budget und sowas wie nem „Bürgermeisteramt“ schon weit kommen. Natürlich braucht es dann noch Aufsicht, damit das Budget auch tatsächlich in reale Projekte fliesst, und die nicht nur der stärksten Partei in der Gemeinde zu Gute kommen. Aber das ist machbar.

    In Afghanistan hat es nichtmal das. (Und wenn sie die Menschen zum Beispiel in Kunduz nach deren Wünschen fragen: Kommunale Selbstverwaltung, also realfunktionierende Demokratie, steht bei denen sehr weit oben auf der Liste.) In Mali hat es sehr ähnliche Probleme. Etwa das die Regierung Land an ausländische Konzerne verkauft, und die Landbevölkerung dann ihr Land verliert und defacto vertrieben wird (Goldminen sind zum Beispiel ne sehr giftige Angelegenheit).

    Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn sich die Menschen, die in einem solchen System keinerlei Zukunft für sich und ihre Angehörigen sehen, sich der nächststärkeren Opposition anschliessen. Und wenn das halt Islamisten sind.

    Schönes Beispiel in Mali sind da die MNLA gegen die Zentralregierung, und die Islamisten gegen die MNLA.

    Da läuft dann halt auch ein CT-Ansatz vollkommen ins Leere. Klar kann man für die herrschende Gruppe den Henker spielen, und versuchen die Opposition umzubringen. Das verschärft dann halt nur die Ungerechtigkeit, eröffnet immer noch keine Perspektiven und fördert letztlich Rekrutierung und Radikalisierung der Opposition. Ausser vielen Toten und immer weiter verhärteten Fronten kommt nix dabei rum. Was ein „echter“ Bürgerkrieg für die meist eh angeschlagene Wirtschaft bedeutet kann sich auch jeder ausmalen. Selbst die Amerikaner haben bei OEF im Irak und Afghanistan gemerkt was für ne Sackgasse das ist. Aber hier sind halt einige lernresistenter. Wohl auch, weil es sie ja nichts kostet, wenn sie dafür plädieren Soldaten sinnlos und zu Lasten irgendwelcher Ausländer zu verheizen.

    Wenn es nur darum geht, „das mit den Fähnchen“ zu machen, dann gibt es immer noch den kubanischen Ansatz. Kostet weniger als aktionistische Bundeswehreinsätze, und bewirkt vor Ort deutlich mehr bei breiterer innerdeutscher Zustimmung.

  18. Nach längerer Abwesenheit mal ein paar Einwürfe zur Aufklärung aus der Luft im Norden von MALI:

    – die Reichweite taktischer UAS ist in dem Szenario einfach mal eine Größenordnung zu klein; selbst wenn man in Timbuktu (vor-)stationierte, wären es noch 1000km nach N bis zur Grenze;
    – KZO fällt sowieso aus dem Raster, weil man mit IR höchstens nachts was sehen kann, tagsüber hab ich den 36,5°C-Menschen vor dem Hintergrund in nahezu gleicher Temp.
    – für ein MALE (Heron aus AFG rauslösen oder auf das Material aus dem Angebot ADAS/IAI für Aufklärung für die UN setzen und quasi AFG|ISAF|RSM_2 aufmachen) bräuchte man Infrastruktur von geschützten Kojen/Feldlager über Hangars bis Runway – alles n/a
    – die Crews der Lw für solch ein Unternehmen – während wir weiterhin in AFG im Einsatz bleiben, siehe die Nachrichtenlage vom WE – entstehen wohl aus den Quantenfluktuationen des Vakuums…

  19. @ J.R.

    Wenn man sich das von Ihnen verlinkte Video anschaut, dann weiß man in der Tat etwas mehr über Mali (auch wenn es nervt 1:19 Stunden ein unscharf aufgenommenes Standbildvideo anzuschauen, der Ton ist aber sehr gut).

    Im Gegensatz zu Afghanistan sind die Bodenschätze im Norden von Mali bereits nachgewiesen und 20 der 25 Explorationsgebiete finden sich im umkämpften Norden.

    Bei der Gemengelage mit den Tuaregs (MNLA), den islamistischen Gruppen und eine korrupte, französich orientierte Zentralregierung, die die Tuaregs im Norden hassen, kann man bei einer Intervention nur verlieren. Wenn die meisten der Explorationsgebiete von italienischen Firmen betrieben werden, sollen doch die Italiener intervenieren und zusammen mit den Franzosen ihre Rohstoffvorkommen schützen, denn diese Staatskonzerne werden hinterher auch die Gewinne machen.

  20. Die volkswirtschaftlich bemerkenswerten Bodenschätze in Mali stellen Gold, Bauxit und Uran dar. Die Uranvorkommen sind in erster Linie für die französische Kernindustrie kaum verzichtbar.
    Die Goldvorkommen machen Mali zum drittgrößten Produzenten des Kontinents, nach Südafrika und Ghana. Die Minen liegen im negroiden, katholischen, naturreligiösen Süden des Landes.
    Weitere Bauxit- und Uranvorkommen wurde von Franzosen im Westen, nahe zur senegalesischen Grenze entdeckt.
    Frankreich ist zwar unangefochten erster Handelspartner, inzwischen aber gefolgt von den Chinesen. Die Masse genutzter, erkannter, vermuteter Bodenschätze sind in der Südhälfte des Landes zu finden, grob südlich der Linie Timbuktu – Kidal und liegt damit im malischen Anteil an der Sahelzone.
    Dieser Raum war/ist, zumindest im Vergleich zum Norden, -vielfach durch nomadisch lebende Tuareg, Berber und Mauren beherrscht-, vergleichsweise ruhig.
    Bedeutung für Exploration und ökonomische Entwicklung überhaupt hat der CFA – Franc de la Coopération Financière en Afrique Centrale – , bestimmende Währung in „Französisch-Westafrika“. Frankreich handelt dabei federführend für EU und EZB. Die internationale ökonomische Arbeitsteilung sowie die makroökonomische Orientierung in Mali werden somit dominiert durch die EU, via Frankreich, aber eben auch von den Chinesen.
    Sofern zutreffend, dass der DEU AOR zu MINUSMA sich auf Nordmali konzentrieren soll, wird eine Bedrohungslage also nicht ökonomisch, sondern zuvorderst politisch begründet sein.

  21. Aktuell von den UN:

    UN expert warns that despite Mali’s progress, ‘precarious security situation’ endangers human rights

    „Terrorist attacks are rising in the north and gradually extending towards the centre and south of the country, targeting in particular Malian security forces, MINUSMA, humanitarian actors and civilian passenger transport and trade” explained Mr. Baldo, also emphasizing that international drug trafficking, transnational economic crimes and local traffic networks were fuelling the violence.
    Mr. Baldo has also pointed to the rise of banditry, which is compounding the suffering of populations and hindering humanitarian work.
    “The precarious security situation creates a favourable environment for the proliferation of serious violations of the most fundamental rights, particularly in areas affected by conflict,” said Mr Baldo.

  22. Die Einschätzung der UN („Terrorist attacks are rising in the north and gradually extending towards the centre and south of the country, targeting in particular Malian security forces, MINUSMA, humanitarian actors and civilian passenger transport and trade”) sollte man im Hinterkopf behalten.

    Aber das Thema ist ja selbst hier von auffällig geringem Interesse (in der BPK von gestern war Mali – trotz der Ankündigung der Ministerin in der BamS – bezeichnenderweise auch gar kein Thema).
    Das Interesse steigt wohl erst, wenn die politischen Weichen gestellt sind. Dann ist es aber schon zu spät – siehe Einschätzung der UN.

  23. Die Frage ist: Was können und wollen wir da, was die USA nicht besser kann und längst schon macht?

    Die USA ist via AFRICOM schon sehr lange verdeckt und offen südlich der Sahara aktiv. Inzwischen von Djibouti aus quer durch den Kontinent bis nach Senegal und Kamerun am Atlantik. In Mali auch längst präsent und aktiv:

    http://mgafrica.com/article/2015-10-15-nigeria-welcomes-us-decision-to-send-300-troops-to-cameroon-to-help-in-boko-haram-fight

    Die haben die Satelliten, Langstrecken-Aufklärungsdrohnen, bewaffnete Drohnen, Lufttransportkapazität, ein Netzwerk an geheimen Stützpunkten, Special Forces als Multiplier und als Einsatztruppe, und noch einen Haufen anderer Mittel, von denen die Bundeswehr und die Niederländer nur träumen können. Partnerschaftsabkommen mit afrikanischen Staaten und Kooperation mit den Franzosen inklusive. Ich verrate wohl auch kein Geheimnis, wenn ich sage, daß CIA und NSA das Terrain ebenfalls seit längerem intelligenzmäßig bearbeiten.

    Gibt es über das „dabeisein“ hinaus irgendwelche Assets, die noch benötigt werden und die die Bundesrepublik sinnvoll und durchhaltefähig beisteuern könnte…?

    Falls nicht, sollte es die Bundesregierung Einsätze in Mali einfach lassen.

  24. @ Memoria | 20. Oktober 2015 – 19:33

    Wenn die UNO das so einschaetzt, dann sollte sie etwas unternehmen – nicht nur palavern.

  25. @MikeMolto:
    „Die UNO“ ist auf Beiträge der Mitgliedsstaaten angewiesen.
    Da kommt eben nicht allzuviel (außer noch mehr Palaver). Dazu kommen die UN-internen Meinungsverschiedenheiten zu den Notwendigkeiten von R2P u. „Peacekeeping 2.0“.

    Aber DEU kann ja gern eine Force Intervention Brigade (FIB, wie bei MONUSCO durch RSA) stellen. Mit dem entsprechenden Auftrag, Personal, Material, ROE, etc.

    Wir stolpern gerade voll in die „Ist doch nur ein Blauhelmeinsatz“-Falle.

    Aber die Bundesregierung und die sie tragenden Fraktionen wollten ja unbedingt „mehr Verantwortung übernehmen“ – für was auch immer.

  26. @ Memoria | 20. Oktober 2015 – 20:14

    “ Dazu kommen die UN-internen Meinungsverschiedenheiten zu den Notwendigkeiten von R2P u. „Peacekeeping 2.0““

    Genau das meinte ich….Zusaetzlich zu den BRep Blauaeugigkeiten.

  27. Die politischen Weichen, pro Einsatz, sind gestellt. Die Ministerin, Arnold für die SPD haben sich deutlich dazu geäußert. Medial wird es – hoffentlich – dann wahrgenommen, wenn die parlamentarische Lesung zur Abstimmung über die Zustimmung ansteht.
    In gegenwärtiger, exorbitanter Lage ist dieser Zustand fahrlässiger Gedankenlosigkeit hinsichtlich eines neuerlichen umfassenden Einsatzes von Teilen des Heeres allerdings auch nicht verwunderlich.
    – Die deutsche Politik, die Medien und auch die Öffentlichkeit, der homo politicus in aristotelischem Sinn, sehen sich am Rande der geistigen Aufnahmefähigkeit angesichts der Flüchtlingskrise und verbundener Folgeerscheinungen.
    – Die Unfähigkeit der europäischen Einflussnahme auf die syrische Lage wirkt beklemmend. Europa gesteht sich unausgesprochen ein, wir haben weder den politischen Willen, noch die militärischen Fähigkeiten zu handeln.
    – Obama schließt seine Kräfte von unmittelbarer Einflussnahme am Boden aus, Folge: Wir müssen’s mit Putin ausprobieren, schweres Eingeständnis.
    – Afghanistanverlängerung ist (auch) wieder Thema.
    Sofern diese Felder absehbar ausreichend beackert sein sollten, was nicht eintreffen wird, kümmert sich der „teutsche Michel“ auch um Mali. Dass nicht mal die letzte Zeitungsseite Platz für Minusma bietet, hat auch sein Gutes. In Berlin kann in Ruhe geplant werden, ohne neugierige Nachfragen, wie an der BPK abzulesen ist.

  28. @KPK:
    „In Berlin kann in Ruhe geplant werden, ohne neugierige Nachfragen, wie an der BPK abzulesen ist.“

    Stimmt ja, wenn in Berlin „in Ruhe geplant“ wird, dann kommt ja bekanntermaßen stets etwas Sinnvolles, Zweckmäßiges und Realistisches dabei heraus.

    Insbesondere wenn AA und BMVg mal wieder fernab jeder Faktenlage (Auftrag, Gegner, Einsatzgebiet, Kompetenzen, Material, Personal, Risiko, etc.) die politischen Entscheidungsträger „beraten“.

  29. @ memoria

    „(Auftrag, Gegner, Einsatzgebiet, Kompetenzen, Material, Personal, Risiko, etc.) die politischen Entscheidungsträger „beraten“.“

    Gegner?

    wir sind doch die Guten, im „nicht-kampfeinsatz“ die unsere „besonderen fähigkeiten“ bei „logistik/sanität/aufklärung und pionieren“ einbringen.

    da passiert schon nichts.

    vielleicht sollte mal jemand den asbehbaren mandatstext mali 2.0 auf parallelen zu den ersten afghanistanmandaten überprüfen.

    das wird dann wohl der nächste Plagiatsskandal

  30. Hier noch die aktuelle „Wunschliste“ der UN mit Blick auf Fähigkeiten der UN-Missionen, besonders prominent MINUSMA – mit dem oben erwähnten Transportbataillon mit Schutzkomponente und vielen ISR-Themen:
    https://cc.unlb.org/Uniformed%20Capability%20Requirement%20Paper/UN%20PK%20Capability%20Requirements%20Paper%20-%20Sept%202015.pdf

    Das sollte man sich mal genau anschauen, wenn man laufend von „mehr Verantwortung übernehmen“ redet.

    Fast nur Hochwertfähigkeiten.

  31. @Memoria

    Wenn ich mir die Liste so anschaue… könnten die deutschen Trall dann doch wieder gefragt sein?

  32. @T.Wiegold:
    Das dachte ich mir auch – aber man hofft wohl weiter auf eine C-130.
    Ob wir überhaupt nochmal angeboten haben?
    Oder schämt man sich zu sehr die Trall nochmal bei MINUSMA anzubieten?

  33. tagesschau.de: Sie haben die vielen anderen Krisenregionen der Welt erwähnt. Nun plant die Bundesregierung eine Verstärkung des Engagements in Mali. Ist das aus Ihrer Sicht sinnvoll?

    Fritz: Die Überlegungen zielen für mich in die richtige Richtung. Wir sind ja schon in Mali engagiert – in zwei Missionen. Zum einen in der Ausbildungsmission der EU: Ausbildung der malischen Armee ist dringend erforderlich. Zum anderen in der MINUSMA-Mission der Vereinten Nationen. Wenn wir nun die Rolle der Vereinten Nationen dort stärken wollen, halte ich das für vernünftig – auch, um das Zusammenspiel beider Missionen noch zu verbessern.
    https://www.tagesschau.de/inland/interview-fritz-101.html

    Wir wollen also die Rolle der UN stärken.
    Genau solche abgehobenen Motivationen sollte man sehr skeptisch betrachten, gerade auch als Befh EinsFüKdo. Denn operativ liegen die Dinge oft anders als esoterisch-strategisch. Und dann wollen wir noch das Zusammenspiel beider Missionen verbessern?

    Soso.

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